Ausgabe 
20.3.1923
 
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b der Organssatton ausgefochten werben. chtslofer Kampf daher auch jeder Zersplitterungsarbeit, Zersthrung unserer Arbesterbewegung logischerwesse ziell die Erfüllung unserer wfrtschaftlichen und kulturellen Jugend⸗ serderungen immer mehr ins Reich der Träume. 05 Außerordentlich viel ist auch noch. tun auf dem Gebiete der Wahrung des schon bestehenden Jugendrechtes. Dieses bedarf unbe⸗ Bug, einer sosortigen Juanprisfnahme und zar etwa in folgender Wosse: In unseren Arbeiterfugendgruppen ist mindestens ein be⸗ sühigtes Mitglied mit der Blarbeitung von Jugendschutzfragen zu beauftragen. Es hat die Pflicht, Fälle zu sommeln. wo gegen geltende Zugendschaithbestimmungen verstoßen wurde. Diese sind mit aus⸗ reichenden und eimwandfreien Unterlagen den Gewerkschaftsverbän⸗ den, mit denen eine möglichst enge Zusammenarbeit angestrebt wer⸗ den muß, zur weiteren Verfolgung zu unterbreiten und für eine mög⸗ lichst schnelle und günstige Erlediguag der Angelegenheit zu sorgen. Alle Kräfte der jugendlichen, wie auch der erwachsenen Arbeiterschaft sind für diese Zwecke zu mobflifseren. Insbesondere ist Aufklärung darüber zu verbreiten daß keine zu selr bindenden Lehrverträge umterschrieben werden. Ebenso sind die Betriebsräte und Obleute bei ihmen zugunsten der Jugend energisch zu unmterstützen. Ueber die Tätigkeit unsexer Vertrauensleute für Jugendschutz ist in den Gruppenviertelfahrsversammlumgen und zusammenfassend auch der Bezirkskonferenz Bericht zu erstatten. Diese Arbeit ist eine der notwendigsten für unsere Bewegung. Darum nicht lange gezaudert, sondern imverzüglich zu ernsthafter Tat geschritten zum Wohl der Jugend und umserer geheiligten Sache. RN. Knauf.

Ein guter Vorschlag.

Inm Swiespruch wird vom Vorstand desVerbandes für deutsche Jugendherbergen eine Eingabe an die Fraktionen des Reichstages veröffentlicht, die die Be⸗ reitstellung von Reichsmittlen zur Bekämpfung des Zigarettenrauchens fordert. Es wird auf die großen Schäden dieser Sucht hingewiesen und als bester Weg die Verhütung der Rauchsucht bei Jugendlichen von vornherein angegeben. Da nun die deutsche Jugendherberge eine von den wenigen Einrichtungen ist, in denen das Rauchen allen Leuten streng verboten ist, so bittet der Verband für deutsche Jugendherbergen die Fraktionen, daß sie für die Bewilligung von hundert Millionen aus dem Ertrage der Tabaksteuer für den Ausbau des Reichsherbergsnetzes und damit für die Bekämpfung der Rauchsucht eintreten. Es wird darauf hingewiesen, daß aus dem Ertrage der Branntwein monopolsteuer Gelder für die Bekämpfung der Trunksucht und ihre Folgen bereitgestellt werden. Diese Anregung können wir begrüßen, da sie uns ganz gerechtfertigt erscheint und wir wünschen der Eingabe mit Hilfe der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion einen baldigen und guten Erfolg.

Wie's gemacht wird.

Wie notwendig eine Ueberprüfung der Preispolitix nicht nur ber Kartelle, sondern der Unternehmer überhaupt ist. das beweist eine Zuschrift an uns. der wir folgendes entnehmen:

Wie reumt sich das zusammen. wenn die Fubrikanten, da sie sich auf Grund der Tollarwährung nicht mehr bereichern können, sieh nun auf solgende Welke helfen; In ihren Zahlungsbevingungen baben z. B. die Schürzenfabrikanten stehen:10 Prozent Lohnerlöhung bedingen 4 Prozent Warenerhöhung. Das wirkt sich nun in folgender Weise aus: Ich kaufte im Jauuar eine

ürze zu 5000 Mark. welche jetzt im März geliefert würd. Nun sollen in Februar 100 Prozent 5 de getätigt sein, da sind also 40 Prozent Warenzuschlag, sp daß die Schürze dann(5000 Mk. 957 40 Prozent gleich 2000 Mk. gleich 7000 Vet.) kosten würde. Glaubt nun jemand daß die Arbe sterin außerdem in dem 5000⸗ Mark⸗Preis enthaltenen Lohne noch 2000 Mark mehr bekommen hat? In Wirklichkeit bokommt sie nur 500 Mark mehr, dagegen der Arbeitgeber 1500 Mark. Ich frage nun ist dieses der gute Wille zun Preisabbau ober nur der umschrlebene Valutagewinn? So könnte ich Dutzende Fälle anführen. Es ist nun immer so: Den Letzten beißen Jie Hunde. Der Detaillist muß herhalten, während die Fabrikanten ungestraft nehmen können. Warum wird diesen Herren nicht mal auf die Finger gesehen. wenn die Arbeit⸗ nehmer heute nur einen Bruchteil ihres Friebenseinkommens haben, während die Herren Fabrikanten trotzSub stanzvermin⸗ derung Autos und Villen neu anschafsen können?

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Dem hessischen Landtag ist ein Antrag unserer Landtags⸗ fraktion zugegangen. die Regierung zu ersuchen, durch eine beschleu⸗ nigte Gesetzesänderung dem Artikel 2 des Gesetzes über die Zu⸗ lassung ber Feuerbestattung einen Absatz hinzuzufügen des In⸗ Halts:daß die Genehyniguna der Ortspolizeibehörde des G- äscherungsortes auch zu erteilen ist auf Grunb der Erklärung der Besbattungspflichtigen daß sie die Elnäscherung wünschen. und daß keine gegenteilige Willensäaßerung des Verstorbenen vorliegt. Des wotteren haben umsere Geuossen in Landtag einen Antrag einge⸗ bracht, die hessische Regierung möge bei der Reichsregierung ein⸗ wirken, daß der 8 91 des Tabaksteuergesetzes beibehalten wird. Zur Begründung wird ausgeflührt: Der 8 91 det Tabak⸗ steuergesetzes wird am 1. April 1923 aufgehoben; es werden nur folche Unterstützungsanträge berücksichtigt, welche vor dem 1. April 1923 eingereicht sind. Mit Rücksicht auf die große Arbeitslosigkeit in der Tabakindustrie die besonders in den letzten Wochen einen f Umfang angenommen has, ist os dringend geboten, daß 1

Kom ciickt

8 91 bes Tabaksteuergesetzes aufrecht erhalten wird, da die beltslosigkeit ledialich durch die Tabaksteuer hervorgerufen ist.

Jugend. Es ist kein Kampf mit lauten Siegen, es ist ein stetes stilles Müh'n: neue Keime zu entfalten und aus übernommenem Alten junges Leben zu gestalten und mit Schönheit zu durchglüh'n. Und ob's wenig auch, was jeder für sich selbst vermag und kann, Hand in Hand mit gleichgesinnten Freunden trägt es doch bergan! Keine Last drum sei zu lästig, keine Arbeit drum zuviel, 0 auch das Kleinste wirkt zum Ganzen, auch Mißglücktes hilft zum Ziel. Schritt um Schritt und Weg um Weg, wollen so wir's weiter halten, und wenn's Jahre dauern sollte, bis die Saat beginnt zu blühen Unser Dank sei unser Glaube, Alrnsre Freude unser Müh'n: 5 neue Keime zu entfalten

und aus übernommenem Alten junges Leben zu gestalten 1

und mit Schönheit zu durchglüh'n!

Cäsar Flaischlen.

Gießen und Umgebung. Pachtpreis für städtische Grundstücke.

Kürzlich wurde in einem Eingesandt in der Oberhess. Volkszeitung Stellung gegen die Festsetzung der Pachtpreise für die städtischen Grabgärten usw. genommen und an die Stadtväter die Aufforderung gerichtet, die Erhöhung zu rechtfertigen. Mit dieser Aufforderung mußte sich der Ein⸗ sender nur an die bürgerlichen Vertreter wenden. Von sozialdemokratischer Seite wurde in der fraglichen Sitzung beantragt, diese Angelegenheit öffentlich zu verhandeln, Stadt verwaltung und bürgerliche Mehrheit der Stadtverordneten Versammlung beschlossen jedoch unter Ausschluß der Oeffent⸗ lichkeit die jetzigen Sätze. Wie sieht diese Regelung nun aus: Es ist gedacht, einen gleitenden Pachtpreis zu erheben. Als Grundlage soll der Börsenroggenpreis dienen. Für 100 Quadratmeter Land wurde der Roggenpreis festgesetzt, der⸗ gestalt, daß für

100 Quadratmeter Land 1. Klasse 6 Pfd. Roggen

100 Quadratmeter Land 2. Klasse 5 Pfd. Roggen

100 Quadratmeter Land 3. Klasse 4 Pfd. Roggen l Pacht gezahlt werden soll. Dies entspricht gegenwärtig bei einem Roggenpreis von 80 000 Mark pro Doppelzentner einem Pfundpreis von 400 Mark.

Es würde also z. Zt. kosten:

100 Quadratmeter Land 1. Klasse 2400 Mark Pacht

100 Quadratmeter Land 2. Klasse 2000 Mark Pacht

100 Quadratmeter Land 3. Klasse 1600 Mark Pacht 5

Für Grundstücke, auf denen Obstbäume stehen, sowie für eingefriedigte Gärten wird daneben noch ein besonderer Zuschlag erhoben.

Wie handelt demgegenüber Frankfurt? Stadtkämmerei hat festgesetzt für:

100 Quadratmeter Land 1. Klasse 300 Mark 100 Quadratmeter Land 2. Klasse 250 Mark 100 Quadratmeter Land 3. Klasse 200 Mark Das Frankfurter Pachtamt hat am 16. Februar nachfolgende Pachtsätze festgelegt: ür

100 Quodratmeter Land 1. Klasse 120 Mark

100 Quadratmeter Land 2. Klasse 100 Mark 100 Quadratmeter Land 3. Klasse 90 Mark

Die bürgerliche Stadtverordnetenmehrheit in Gießen hat durch ihren Beschluß erneut bewiesen daß nach ihrer Auf⸗ fassung der Ertrag vom städtischen Gelände in Gießen wert⸗ voller ist als in Frankfurt. Dieselben Personen behaupten jedoch sonst immer, ganz besonders jedoch bei Lohnverhand⸗ lungen, daß Gießen viel billiger sei. als die Großstadt Frankfurt. 5 5

In Frankfurt privates Pachtland 1. Klasse für 100 Quadratmeter 120 Mark, in Giegen städtisches Gelände 2400 Mark. Dabei die Löhne und Gehälter, sowie Pensionen für Alte und Hinterbliebene niedriger. Das ist die nach Auffassung des Gießener Anzeigerarbeitsfähige Stadt⸗ verordnetenversammlung. 0

Wird dann in der Stadtverordnetenversammlung nicht alles durch Kopfnicken erledigt, dann schreibt der Gieß. Anz. don überflüssigem Redebedürfnis.

Könnten derartige Reden eptl. von der Bürgerschaft als im öffentlichen Interesse gelegen den bürgerlichen Mehr⸗ heitsparteien Schaden zufügen, dann wird einfach in nicht öffentlicher Sitzung verhandelt und beschlossen, wie ge⸗ rade bei Festsetzung der Pachtpreise.

Die bürgerlichen Parteien haben jedoch einen Trost: Auf dem platten Land ist der Pachtpreis infolge der freien Pachtversteigerungen noch höher. Die Gießener Bevölkerung, ganz besonders auch jene Kreise aus alten Ruhegehalts- empfängern und Hinterbliebenen von Beamten gibt trotzdem bei Wahlen Stimmzettel für die bürgerlichen Parteien ab. Jedenfalls dürfte eine manche Witwe, mancher alte Invalide zukünftig nicht in der Lage sein, die Pachtpreise zahlen zu können. Auch die Sozialdemokraten wollten einer geringen Erhöhung der Pachtpreise zustimmen. Die Sozialdemokraten stellten Anträge, die darauf abzielten, den Pachtpreis je nach dem Umfange der bewirtschafteten(micht gevachteten) Fläche zu staffeln. Sodaß dann derjenige Pächter, der neben vielem eigenen Land noch städtisches Gelände pachtet, den höchsten Preis, wer jedoch ohne eigenes bewirtschaftetes Jand cin kleines Stückchen von der Stadt vachtete, den ge⸗ ringsten Preis zu zahlen hätte. Die Sozialdemokraten woll- ten damit jene Pächter treffen, die neben ihrem eigenen Be⸗ darf noch für den Markt erzeugen und sich dort Wucherpreise zahlen lassen, auch der Stadt die entsprechenden Pachtpreise zahlen sollten. Diese Anträge fanden jedoch bei der bürger⸗ lichen Stadtverordnetenmehrheit keine Gegenliebe.

Dem Einsender in der Obefhessischen Volkszeitung wird also empfohlen, derartige Anfragen nicht an die Stadtväter schlechthin, sondern an die bürgerliche Mehrheit zu richten. n.

Die dortige

Stadtverordneten⸗Versammlung.

0(Fortsetzung)

Die Einteilung der Armenbezirke und der Wahl der Armen⸗ pfleger wird nach dem Vorschlag der Wohlfahrts⸗Deputation zu⸗ gestimmt.

Zur Kleinrentnerfürsorge hat die Stadt zu dem vom Reich und Staat überwiesenen Mitteln 258 132 Mk. beizutragen, welcher Be⸗ trag bewilligt wird. Dem Deutschen Verein für öffent⸗ liche und pprivate Fürsorge wird für das Rechnungsjahr 1922 eine Teuerungsbeihilfe von 340 Mk, bewilligt(10 Mk. auf je 1000 Einwohner.) g

Das Holzlesen im Walde soll nach einem Antrage von Haupt und Genossen an 3 Tagen wöchentlich gestattet werden. Von der Land⸗ und forstwirtschaftlichen Deputation wird ber Antrag abzu⸗ lehnen empfohlen, weil nach Auslunft der Forsibehörde so wenig 1 8 vorhanden, daß es nicht filr einen Lesetag veicht, es würde allo keinen Zweck haben, mehrere Tage freizugeben. Klage wird ge führt über den immer mehr um sich greifenden Waldfrevel, durch den erhebliche Teile des Waldes vernichtet werden. Haupt hrt die große Notlage an. Stadtv. Schwieder bemerkt, daß er für einen 2. Tag war, aber nachdem er hörte, wie gefrevelt werde, nicht mehr. Es sei zu wenig Kontrollpersonal vorhanden. Haupt weist auf die Notlage vieler Familien hin. Im staat⸗ lichen Walde läge noch Holz. 8 Manne zur Kontrolle einstimmig 1 N 1715 Debatte wird der kommunistische Antrag einstimmig abgelehnt. N

das Bad benutzen könnten, was bejaht wird.

Allr ben Druck der Marktplalate, die frelhändig vergeben won den find, wird der Betrag, von 22 593 Mk. bewilligt und die Kredit überschreitung genehmigt.

Baugesuche. Das Baugesuch von W. Kempf für Wieseckerweg Errichtung einer Scheuer an ber bisherigen Stelle wird be⸗ fürwortet. Der Umbau bes Reichsbahnverwaltungsgebäubes Liebigstraße und Dispens von ß 18 des Ortsbaustatuts(unge⸗ nügende Stärke der Außenwände) wird ebenfalls befürwortet. Eine Holzeinfriedigung in Holz am Beamtenwohnhaus des hess. Staates an der Wilhelmstraße wird genehmigt. Die Bauflucht⸗

Gemeindepflichtdarlehen von 821 200 Mk. bewilligt. Ein weiterer verzinslicher Baukostenvorschuß an die Baugenossenschaft 1894 in der Höhe von 10 Millionen Mark wird bewilligt. Für die Ne⸗ gulierung und Befestigung der Sandgasse wird ein Kredit von 2,4 Milltonen Mark bewilligt. Hierzu ist bereits ein Betrag von 1,4 Millionen Mark vorhanden. Für die bereits ein Betrag von 1,4 hofes mit Geräteschuppen wird ein Kredit von 1,4 Millionen Mark bewilligt.

Das Bauprogramm für 1922 macht zu seiner Durchfi 8 eine Erhöhung des Kredits auf 300 Millionen Mark erforderlich. Stadw. Fischer fragt an, wie es mit der Beteiligung der Eisen⸗ bahndtrektion an den Neubauten des Eisenbahner⸗Heimstättenver⸗ eins stehe. Simon macht hierüber weitere Ausführungen. Bür⸗ germeister Krenzien bemerkt darauf, daß bei Ausführung der Bauten sehr vorsichtig umgegangen werden müßte.! Die Eisen⸗ hahn direktion hirbe anf wichtige Fragen keine Antwort gegeben. Der Erhöhung der Kredite wird zugestimmt. Für Not stands⸗ arbeiten wird Zein Kredit von 10 Millionen Mark bewilligt. Bieran und Genossen beantragen dafür 30 Millionen zu bewilligen. Von der Verwaltung wird bemerkt, daß Vorlage gemacht wird, soweit die Notwendigkest dazu vorliegt. Maier meint, man solle mit den Notstandsarbeiten im Winter anfangen, rechtzeitig müßten Vor⸗ bereitungen getroffen werden. Das Durchgangslager müßte schnel⸗ ler abgebrochen werden. Bücgermeister Krenzien bestreitet, daß die Stadt in dieser Richtung etwas verfehlt hätte. Es sei alles Nötige getan worden. Bierag tritt für den Antrag ein. Der Oberbürgermeister macht darauf aufmerksam, daß in der heutigen Versammlung 153 Millionen Mark bewilligt werden müßten, man müsse sich beschränken. Der Antrag des Ausschusses wird angenom⸗ men. Für Verlegung und Erweiterung des Volksbades an der Lahn wirs ein Kredit von Millionen Mark gefordert. Frau Biermann fragt, ob auch die Schülerinnen der höheren Schalen Ueber die Einteilung der Tage müßten sich die Schulverwaltungen verständigen. Haupt spricht gegen die Anlage an der bisherigen Stelle. Das frühere Militärbad wäre dafür geeignet. Höhn widerspricht den Ausflihrungen Haupt mit triftigen Gründen. Dem Antrage der Baudeputation wird zugestimmt.

Für die Instandssetzung des Wirtschaftsgartens der Liebtgs⸗

höhe und Anschaffung einiger Gegenstände werden 1230 000 Mark

bewilligt.(Schluß folgt.)

Sozialismus, Religion und Kunst, lautete das Thema, das Gen. Prof. Kinkel im Bildungs vortrage am Donnerstag vor zahl⸗ reichen Zuhörern behardelte. Redner bemühte sich zunächst zu zeigen, wie von den ältesten Zeiten an Religion, Kunst und Sozialismus zusammenhängen, wies adrauf hin, wie man an den Wandlungen der Kunst die Wandlungen der Religion und der sittlichen Gemeinschaft beobachten kann. Als Beispiel führte der Vortragende die Schnitz⸗ werke und deren Entwickelung zum Göttlichen(Götzenbilder). Diese Zusammenhänge verfolglte der Redner durch die Geschichte von frühester Zeit her in hochinteressanten Darlegungen. Die wirt⸗ schaftlichen Verhältnisse spiegeln sich in den künstlerischen und reli⸗ giösen Dingen wieder. Zum Schluß wurde das soziale Drama noch kurz behandelt, das in den letzten Jahren mehr auf der Bühne er⸗ scheint und namentlich auf die Werke Gerhart Hauptmanns hinge⸗ wiesen. Mit großer Aufmerksamkeit folgten ide Zuhörer den lehr⸗ reichen und gehaltvollen Darlegungen und dankten durch reichen Beifall. Die Reihe der Bildungsvorträge wird am kommenden Donnerstag, 22. März mit einem Vortrage von Gen. Rechtsanwalt Homberger überBilder aus Alt⸗Gießen ihr Ende finden

März⸗Gedenksejer. Vom sozialdemokratischen Wahlverein war am Samstag abend eine Gedenkfeier an den 18. März 1848 veransialtet worden die zugleich dem Gedächnis Karl Marx gewidmet war, dessen Todestag sich am 14. März zum 40. jährte. Gen. Prof Hüter schelderte hierbei in großen Zügen die geschichtlichen Ereignisse. die sich am 18. März in Berlin cbsplelten. Die sogenannten Frelheitskriene von 1813 hatten dem Volke die Freiheit nicht gebracht. der damalige preußssche König wollte nichts von Einigkeit und Recht und Freiheit wissen, wovon der Dichter desDeutschland über Alles gesungen hatte. Dieser wurde viel⸗ mehr von der Breslauer Universität verjagt, wie jeder verfolgt wurde, der für Freiheit und Volk eintrat. Dumpfe Stickluft lag über Deutschland als die revolutionären Stürme von Frankreich herüber brausten und demokratische Forderungen auch in Preußen erhoben wurden. Es wurden Teuppen zusammengezogen, es kam zum Bar rikadenkampfe. in dem das Berliner Volk siegreich blieb. Wie es bei anderen Gelegenheiten schon vorkam, war die Erhebung durch zwei aus den Reihen der Soldatenaus Mißverständnis abgegebene Schüsse ins Rollen gekommen. Der König mußte die auf dem Schloßhose ausgestellben Leichen der revolutionären Kämpfer grüßen. Er erlien eine ProklamationAn meine lieben Berliner in der er vieles versprach; später aber machte er in vertraulichen Briesen den Olberalismus für die Erhebung verant⸗ wirtlich und sprach vonLudergeruch der Revolution, 25 Jahre später hatte Vismarck das Reich gegründet. Deutschland befand sich im wirtschaftlichen Aufstieg: das Bürgertum hatte seine Toten vergessen. Die Arbeiterschaft übernahm es. die Erinnerung an die Frecheitskämpfer aufrecht zu erhalten. Später kam das Sozia⸗ listengesez. Bei den Märzseiern in Berlin traten starke Poligzei⸗ Aufgebote auf, die staatsgefährlichen Reden zu überwachen und die Schleifen von den Kränzen abzuschneiden. Nach Bismark kam ein Mächtigerer, der das Volkherrlichen Zeiten entgegenführen wollte. Seitdem man im Reichstage 1898 eine heftige Debatte über die 48er Revolution führte sind wieder 25 Jahre der Entwicklung des Weltkapitalismus verflossen. Die Intevessengegensätze ver⸗ anlaßten den furchtbarsten Krieg, unter dessen Folgen wir heute noch leiden und fernerhin noch lange werden leiden müssen. Heute denken wir der Freiheits⸗Kämpfer und danken ihnen. Zur selben Zeit, wo in Berlin der Barrikadenkampf tobte. war auch ein junger Student in Gießen, Wilhelm Liebknecht von den revolutio⸗ näven Stürmen mit fortgeisssen worden, mit Feuereifer stürzte er sich in die Bewegung: der 23jährige Lassalle sührte in Köln heftige Rechtskämpfe für eine unterdrückte um ihr Recht betrogene Frau. Diefer wurde ebenfalls von den sozialistischen Ideen ergriffen. die Karl Marx in der Rheimschen Zeitung predigte. Das Blatt konnte sich nicht halten, Marx verlor sein Vermögen dabei, wurde dann vom Kölner Gericht noch ausgewiesen. Er wanderte nach Paris und London hatte mit surchtbarer Not zu kämpfen. Trotzdem vollb rachte er eine Riese eit. ImKommuniflischen Manisest, von dem ein bürgersscher Schriftsteller sagt, daß man immer w der neue Gedanken darin finden könne, ruft er die Proletarier allor Länder zur Eintaung auf. UnterProletarier verstand Marx alle die, welche gegen Lohn arbeiten im Gegensatz zu den Vesitzern. Nicht etwa sind darunter verlumpte Schichten zu ver⸗ stehen. Mag heute wanches der von Marx ausgestellten Theorte. inauches seiner Lehre überholt sein, er bleibt trotzdem ein Wissen⸗ schaftler ersten Ranges: der Mann, der den Sozialismus auf wissenschaftliche Grundlage stellte. Viele haben sich schon mit Wiberlegung der marxistischen Lehye versucht, ohne damft Erfolg zu erzielen. Niemand glaubt doch wohl daß die heutigen Zur shände ewig bleiben? Das Volk hat noch viel Zukunft vor sich! Uns erwachsen die Pflichten. daß wir uns mit den FJragen ver⸗

traut machen, die das politische und wirtschaftliche Leben uns stellen. Im diesem Sinne miissen wir arbeiten unseren Vorbil⸗ dern uns würdig zu erweisen und unseren Idealen treu bleßben! Mit lebbaftam Beisau wurden die gutdurchdachten Ausfübrun