Ausgabe 
20.3.1923
 
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boldenen Fahnen verschiedene Redner auf

Bei den März gefallenen.

In Berlin verlief die Näörzfeier mit dem Besuch der Gräber fer Märzgefallenen unter Teilnahme einer ungeheuren Menschen⸗

menge, wie man sie seit der Vorkriegszeit nicht gesehen hat. Von 9 Uhr morgens ab bis in die tiefe Nacht strömten ungezählte Tausende nach den Gräberstellen der gefallenen Helden vom März

1848. Um die Mittagszeit hielten die Kommunisten eine Ansprache an den Gräbern. um 2 Uhr kamen in losen Zügen aus allen Teilen Groß⸗Berlinsd die Sozialdemokraten zusammen, die sich nach der Kranzniederlegung im Friedrichshain versammelten. wo unter der Entfaltung von Tausenden von roten und schwarzerot⸗ die Bedeutung der März⸗ eoulniien von 1848 zu sprechen kamen. Der Abend war schon Hereingebrochen als die republikauischen Verbände Berling unter tan Kränze an den Gräbern nieberlegten Die repu⸗ dllkanischen Verbände selost hatten vorher im Rieichstag eine Feier veranstaftet, bei der auch Genosse Reichstagspräsident Löbe eine Ansprache hielt.

Am Vormittag hatte im großen Schauspielhaus eine prole⸗ tarische Feierstunde die dem Andenken der Revolution von 1848 war Tausende von Arbeitern und Arbeiterinnen ver⸗ am 4

Die Demokraten Berlins hielten ebenfalls im Lause des Tages im Bürgersaal des Rathauses eine Feier ab, bei der Reichsinnen⸗ minister Oeser eine Ansprache hielt.

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Für eine Amnestie.

Im Reichsjustizministerium finden zurzeit Vorbe⸗ tatungen über eine Amnestie für politische Vergehen statt. Es verlautet, daß diese Amnestie sich erstrecken soll auf die wegen der mitteldeutschen Unruhen verurteilten Arbeiter und auf die rechtskräftig verurteilten rechtsradikalen

Führer. Peolitische uebersicht.

Unternehmer und Preis gestaltung. Unter dem Vorsitz des Reichswirtschaftsministers fand

im Reichswirtschaftsministerium eine Besprechung von Ver⸗

tretern der Spitzenverbände, der Arbeiter-, Angestellten⸗ und Konsumgenossenschaften, des Handwerks, Handels, der Industrie usw. über die Frage der Preisgestaltung statt. Der Reichswirtschaftsminister mußte zugeben, daß trotz Dollar · rückganges nur wenig Artikel im Preise gefallen sind, daß sich die Preise im allgemeinen halten, teilweise sogar Steige⸗ rungen aufweisen. Gegenüber den Interessenvertretern des Groß- und Kleinhandels und der Industrie vertrat Graß⸗ mann vom AGB. die Frage des Preisabbaus und dessen Zusammenhänge mit der Innen- und Außenpolitik. Im Laufe der Aussprache wurde u. a. von Unternehmerseite offen zugegeben daß heute nicht die Löhne, sondern die Kosten der Rohstoffe die höheren Preise verursachen. Des Pudels Kern der Ausführungen der bürgerlichen Vertreter war die Feststellung, daß die Schuld für das Festhalten an den Preisen immer bei den anderen liegt. 0

Ein Vorstoß des Abg. Held gegen Ludendorff und seine Politik.

Der Regensburger Anzeiger, das Organ des Abg. Held, des Führers der Bayerischen Volkspartei, unternimmt einen aufsehen⸗ erregenden Vorstoß gegen General Ludendorff. Er erklärt, daß das Haus Ludendorffs, nachgeiade eine politische Zentrale gewor⸗ den sei, in die zahlreiche Fäden einmünden und nach allen Richtun⸗ gen ausstrahlen. Auf die Dauer lasse sich die Zurückhaltung Luden⸗ ff gegenüber um so weniger aufrecht erhalten, als seine Politik allem andern als einem bayernsreundlichen Herzen entsyringt Das Bestreben der Ludendorffschen Polttik gehe darauf hinaus, alle Ent⸗ wicklungen zu stören, die auf eine Stärkang der bayerischen Stel⸗ lung in Deutschland hinauslaufen könnten. Die Angst vor Groß⸗ Bauern spiele eine nicht untergeordnete Roll:. Das Blatt schreibt, daß die bedauerlichen Gegensätze in der vaterländischen Bewegung in Bayern zum Teil auf die Schuld des Generals Ludendorff zu⸗ rückzuführen seien. Ferner wird auf die engen Beziehungen Luden⸗ dorffs zu der nationalsogialistischen Bewegung hingewiesen und

endlich die Art und Weise erwähnt, wie er auf die österreichische

Einigung in Sachsen.

Es bleibt bei der rein sozialistischen Regierung.

Die Beratungen über die Regierungsbildung in Sachsen sind zu einem günstigen Abschluß gekommen. Da die Kom- munisten eine Beteiligung an der Regierung von der Ein⸗ berufung eines Betriebsrätekongresses abhängig gemacht hatten, dieser Kongreß aber von unserer Seite abgelehnt worden war, so kam nur noch die Bildung einer sozialdemo⸗ kratischen Minderheitsregierung in Frage. Die Kom⸗ munisten haben sich nun bereit erklart, eine sozialdemokrati⸗ schen Regierung zu unterstützen unter gewissen Bedingungen, über die eine Verständigung erzielt worden ist. a

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die erweiterte Partei⸗ körperschaft der KPD. die ebenso wie die Instanzen unserer Partei(Landesarbeitsausschuß, Parteisekretäre und Landtagsfraktion) am Montag zusammentritt den verein barten Richtlinien ihre Zustimmung geben. Am kommenden Mittwoch wird der sachsische Landtag dann die Wahl des Ministerpräsidenten vornehmen.

Der sächsische Landesparteitag setzte am 4. März eine sieben⸗ gliedrige Kommission ein, die, mit en unit Par Vollmachten versehen, die Verhandlungen zwischen unserer Partet und der kommunistischen Partei zum Abschluß bringen sollte. Am 15. März gelang es, die endgültigen Richtlinien für die künftige Politik in Sachsen festzulegen. An der Spitze dieser Richtlinien stehen Be⸗ stimmungen über den Entwurf eines Amnestiegesetzes, nach welchem Straffreiheit gewährt wird für Not⸗ und Abtreibungsdelikte. Auf Grund einer im Juli v. Js. vom Landtag angenommenen Reso⸗ lution wird die Regierung im Wege der Einzelbegnadigung auch für politische Delikte Begnadigungen gewähren. Der zweite Teil der Richtlinien beschäftigt sich mit der Bekämpfung des Wuchers. In den Gemeinden mit über 10 000 Einwohnern oder wo sonst ein Bedürfnis vorliegt, werden Preisprüfungsstellen eingerichtet, die durch eine energische Kontrolle der Händler und Preise den Wucher bekämpfen sollen. Die Mitglieder der Preisprüfungs⸗ stellen erhalten das Recht, von jedermann über alle Tatsachen Auskunft zu verlangen, die fir die Preisbildung von Wichtigkeit ist. Sie sollen insbesondere über den Bestand, die Zufuhr und die Preise von Gegenständen des notwendigen Lebensbedarfs Er⸗ hebungen anstellen. Räume, in denen solche Gegenstände herge⸗ stellt, verkauft oder gelagert werden, dürfen von den Mitgliedern der Preisprüfungsstellen jederzeit besichtigt werden. Ste haben außerdem das Recht, sich Schlußscheine, Rechnungen, Frachthriefe, Lagerscheine und sonstige im Handelsverkehr üblichen Schriftstücke und Bücher, soweit sie sich auf den Einkauf und Verkauf lebensnot⸗ wendiger Bedarfsartikel beziehen, vorlegen zu lassen Den ört⸗

lichen Preisprüfungsstellen sollen Befugnissen angegliedert werden. in Betriebsvollversammlungen oder mitglieder⸗Versammlungen gewählt.. oben genannten Organe ist die Wucherpolize verpflichtet, schreiten und Beschlagnahmungen vor nehmen. Die WMucher⸗ gerichte sollen Sachverständige aus den Kreisen der fachlich und beruflich vorgebildeten Verbraucher erhalten und mit Junsten be⸗ setzt werden, die Gewähr dafür bieten, daß sie die Strafver⸗ jahren im Interesse der Verbraucher rücksichtslos durchführen. Die bei den Wuchergerichten schwebenden Strafperfahren sollen beschleunigt werden. Der dritte Teil der Vereinbarungen stellt Grundsätze für die Arbeiterkammern auf, in denen die Ein⸗

Diese Kontrollausschüsse werden

allgemeinen Gewerkff. Auf Anzeige der 10 5 e 5

bringung eines entsprechenden Gesetzes gefordert wird, das be⸗

timmt: 1. Die Arbeiterkammer ist eine Körperschast des öffent⸗ lichen Rechts. 2. Die Milglieber der Landes⸗Arheiterkammer wer⸗ den durch Urwahlen in den Betrieben gewählt, die dem Betriebs⸗ rätegesetz unterstehen. Alle Beschäftigten in den Betrieben, die nicht dem Vetriebsrätegesetz unterstehen, desgleichen Landarbeiter, Forstarbeiter und Erwerbslose, sind, nach Berufsgruppen ge⸗ ordnet, zu einem Wahlkörper zusammengufassen. Ueber die Auf⸗ gaben der Arbeiterkammern wird gesagt, 00 sie Gutachten vor Einbringung und Erlaß von Gesetzen und Verordnungen zu er⸗ statten haben und Gesetzentwürfe, Initiativanträge und schwerden an die Regierung, eine Behörde oder eine Körperschaft des öffentlichen Rechts anbringen können. Die Mit⸗ glieder der Arbeiterkammern sind abberufbar und erhalten Reise⸗ und Tagegelder, sowie den verloren gegangenen, Arbeitsverdienst erstattet. Der letzte Abschnitt der Richtlinien für die künftige Politik in Sachsen enthält Abwehrmaßnahmen gegen den Fascis⸗ mus und bestimunt, daß die beiden Parteien proletarische Abwehr⸗ organisationen in Sachsen bilden, denen die Aufgabe zufällt, die Veranstaltungen und das Eigentum der Arbeiterorganisationen zu schlitzen.. 8 Die ee e der sozialdemokratischen Partei bemerkt zu diesen Richtlinien, 10 sreulsger Ehe finden werden. Es wird mit Bestimmtheit an⸗ schen Partei dieses Ergebnis sanktionteren und daß dadurch die zu⸗ klinftige sozialistische Politik in Sachsen eine Festigung erfahren wird, die gegenüber dem bisherigen Zuftand einen großen Schritt vorwärts bedeutet.Wenn bei beiden Parteien der Wille zur Ueberbrückung etwa neu aufklaffender Gegensätze auch bei praktischen Anwendung der vereinbarten Richtlinien durchdringt, wenn die neu zu bildende Regierung! wie die proletarischen Frak⸗ tionen über Trennendes hinweg immer den Blick auf das richten: in gemeinfamer Arheit Fortschritte für die n zu erreichen, dann wird sich die angebahnte Verständigung erst in ihrer vollen Bedeutung für das Proletariat in Gegenwart Zukunft auswirken. 1

Politik Einfluß zu nehmen bestrebt sei, indem er den Protektor der schwarz⸗gelben Legitimisten in Oesterreich mache und seine Anhän⸗ ger in Oesterreich gegen Bayern aufhetze mit einer offenen Spitze gegen die Wittelsbacher. 8

9 Aus der Jugendbewegung.

Die wirtschaftliche Knebelung der werktätigen Jugend. Emem Aufsatz in der letzten BeilageJung⸗Volk des Casseler Volksblattes entnehmen wir die folgenden beachtenswerten Aus⸗

m:

Wir geniessen das zweifelhafte Vergnigen, im Reichswirtschafts⸗ rat eine bürgerliche Mehrheit zu haben, die anscheinend von allen guten Geistern verlassen ist. Diese Leute brachten es nämlich fertig, am 13.15. Dezember vorigen Jahres einem Gesetzentwurf zugu⸗ stummen, der eine 60stündige Arbeitswoche für Lehrlinge, jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen vorsieht. Außer den bisherigen acht Stunden darf die arbeitende Jugend noch täglich mit einer Stunde Aufräumungsarbeit beschäftigt werden. Rechnet man noch den Fort⸗ bildungsunterricht hinzu, der außerhalb der Arbeitszeit liegen soll, so ergibt sich die 60 Stunden⸗Arbeitswwoche. Gekrönt wird diese Relordleistung noch dadurch, daß die ganz minimalen Schutzbestüm⸗ mungen des Entwurfes nur für Jugendliche bis zun 16. Lebens⸗ jahre Geltung besitzen sollen. Solche Maßnahmen tragen ganz gewiß nicht zur Ertlichtigung der Jugend bei. Wäre es nicht bedeutend besfer, Sorge zu tragen für eine kräftige Unterstützung all der Ein⸗ richtungen, besonders Jugendvereinigungen, die der Jugend die frohe Bolschaft eines schöneren Lebens bringen wollen, anstatt sie jeglicher Zeit und Möglichkeit zu berauben, in die Erkenntnis dessen einzu⸗ dringen, was den Menschen innerlich bereichern, sein Leben wahrhaft lebenswert gestalten kann? 5 5

Der Deserteur.

Roman von Robert Buchanan. Während er im Traume das Geschriebene las, beschlich

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ihn ein entsetzliches Angstgefühl. Er batte die dunkle Empfindung, als ob dieser sein niedergeschriebener Name für ihn etwas Schlimmes, Furchtbares bedeute was

und warum, wußte er freilich nicht. Er fühlte nur ganz deutlich die schreckliche Macht dieses einen Menschen, der da

wachte. während die ganze Welt schlief, und der Namen

niederschrieb wie von zun Tode Verurteilten. Von Ent⸗ setzen erfaßt sank Rohan in die Knie und blickte mit er⸗ hobenen Händen, wie Hülfe aus einer ihm unbekannten Gefahr suchend, zu seinem Führer empor. Aber mit Blitzes⸗ schnelle, wie es im Traum zu geschehen pflegt, schwebte Christus ins Nebenzimmer und zog den schweren Bettvor⸗ hang zur Serte und siehe da Rohan sah klar und deutlich das Antlitz des schlafenden Mannes. Er kroch ganz dicht ans Pett heran und erkannte seinen Peiniger. Weiß wie Marmor, mit gesenkten Augenlidern und festgeschlossenen Lippen, mit dem steinernen Antlitz, das er auf Münzen und Bildern so oft gesehen ruhte der große Kaiser! Er schlief so fest daß man kaum seinen Atem hören konnte. Rohan starrte ihn eine Weile wie gebannt an, dann neigte er sich im Traum über den Schlafenden, weil er glaubte, daß er nicht schlafe, sondern tot sei. Auck die auf der Decke ruhende Hand sah wie von Marmor aus; es war eine zarte, Hand, wie die einer Frau, und sie war zu einer Faust ge⸗ ballt, mie die eines schlafenden Kindes.

Als Rohan sich wieder aufrichtete sand er sich allein in

dem Gemach. Sein Führer war verschwunden. Draußen im Vorzimmer brannte noch immer die Lampe, aber mit matterem Licht als bisher. Am ganzen Körper zitternd

stand Rohan vor dem Bette des Kaisers und vermochte den lick nicht von dem steinernen Antlitz zu wenden. Solange die übernatürliche Erscheinung Christi an seiner Seite ge⸗ weilt hatte, hatte er keinerlei Furcht empfunden; jetzt, nach⸗ dem sie verschwunden war, erfaßte ihn ein geradezu lähmen⸗ des Angstgefühl und eine entsetzliche Hilflosigkeit. Er wollte fliehen, konnte aber kein Glied rühren und mußte immer⸗ fort in das schlafende Antlitz des Tyrannen starren.

aber seine Füße waren wie

weiße

Allein mit dem Herrn seines Lebens zu sein, ihn wie tot vor sich liegen zu sehen das war mehr als er ertragen konnte. Er kämpfte und kämpfte voll Verzweiflung und Entsetzen gegen dieses lähmende Gefühl und stieß endlich im Traume einen furchtbaren Schrei aus. Der Kaiser rührte sich nicht, aber draußen wurden sofort Stimmen laut, Füßegetrappel näherte sich dem Gemach, er versuchte nochmals zu fliehen, festgewurzelt. Während die Vorzimmertüre aufgerissen wurde, allerlei Höflinge und Soldaten mit gezückten Schwertern hereinstürmten, fiel er in Ohnmacht und erwachte.

Rohan lag noch immer im nassen Grase am Fuße des Kreuzes. Die Dämmerung brach gerade an. Die Luft war empfindlich kalt. Der Steinchristus hing über ihm mit brechenden Augen und ganz naß vom nächtlichen Regen.

Rohan war halb erstarrt; er reckte und streckte die Glie⸗ der und wollte sich gerade erheben. um ein geschützteres Plätzchen aufzusuchen, als Stimmengemurmel und Füße⸗ getrappel an sein Ohr schlug. Jetzt fiel ihm erst ein, wie nahe von der Landstraße er sich befand. Er warf sich flach in den hohen Ginster, hielt den Atem an und lag beweg⸗ ungslos.

Die Stimmen kamen immer näher. Rohan zitterte in seinem Versteck, denn er erkannte ganz deutlich die Stimmen seiner beiden Vettern Hösl und Gildas. Plötzlich ward es eine Weile still; dann hörte er das Kommando des alten Korporals:Vorwärts! Marsch!

Die Gesellschaft setzte sich wieder in Bewegung und stimmte ein patriotisches Lied an. Sie marschierte hart an dem Kreuze vorbes, hinunter in den Hohlweg. Rohan rührte sich nicht, bis die Stimmen in weiter Ferne ver⸗ klangen. Er wußte, daß jetzt die Konskribierten von Krom⸗ lair, von Freunden und Verwandten eine Strecke Weges begleitet, zum großen Heer des Kaisers einrückten, um direkt nach dem Rhein zu marscheiren.

Sechzehntes Kapitel. Mikel Grallon.

Rohan Gwenfern war wie vom Erdboden verschwunden. Man fahndete allerorten nach ihm. Viele Meilen in der Runde war in jedem Dorfe sein Name ausgeschrieben; man

Verbandszentrale

Partei schaften rale enge 49 2 hat, Menschenmögliche zier Verbesserung umferer

it t eine bedeutende Steigerung unserer eigenen Aktionskraft. Klare Erkenntnis unserer Aufgaben und der zu ihrer Erfüllung ist dazu erste Vorbedingung. Gerade hier aber zeigt

werke des proletarischen Freiheitskampfes liegt. Taktische Meimungs⸗ verschidenheiten, kritische Auseinanderfetzungen müssen in fachlicher

versprach jedem, der ihn lebend oder tot der Behörde aus⸗ liefern würde, ein hohes Blutgeld vergebens. Seit dem denkwürdigen Abend nach der Konskription war er nicht mehr gesehen worden. Vater Rolland behauptete mit aller Bestimmtheit, daß Rohan einen Selbstmord begangen haben müsse. Nur ein einziges Wesen in Kromlaix wußte, daß dem nicht so sei, aber Marcelle Derval hütete sich, einer Sterbensseele ihre Begegnung mit Rohan beim Blutpfuhl Christi zu verraten. Sie hatte ihre triftigen Gründe dafür. Onke! Ewen verpaßte keine Gelegenheit, seinem Zorn und jeiner Verachtung kräftigen Ausdruck zu verleihen. Et erklärte alle anderen Konskribierten von Kromlair für pflicht⸗ getreue, brave Burschen, nur Rohan Gwenfern sei ein Elender und ein Feigling. Marcelle widersprach jetzt nicht mehr, denn hatte Rohan ihr nicht eingestanden, daß er sich aus Furcht verstecke? Hatte sie denn nicht mit eigenen Augen gesehen, daß ein Antlitz von Angst verzerrt war, als sie ihn auffor⸗ derte, ihr ins Dorf zu folgen?. Ihr Herz krampfte sich zusammen, wenn sie an diese letzte Unterredung mit Rohan dachte; die Furcht mußte ihm

Kontrollausschüsse mit 1 f

daß sie sicher in allen Arbeiterkreisen genommen, daß die erweiterte Parteikörperschaft der kommunistt⸗

Ziel 4

den Verstand vollständig geraubt haben, anders war sein sell⸗

sames Benehmen nicht zu erklären. Ihre Liebe hatte sich an seiner herrlichen Männlichkeit, an seiner außergewöhnlichen Kraft und Schönheit, an seiner geistigen Ueberlegenheit ent zündel: seine Geschicklichkeit, sein Mut und seine Herzensgüte hatten sie bestrickt; sie hatte in all diesen seinen Tugenden ge

ntarier in vorbenanntem Sinne ausüben. Daß die sozialistische

schwelgt und war, wie jedes schwache Weib, auf seine physische

und moralische Kraft, die ihn hoch über seine übrigen Kame⸗ raden erhob, stolz gewesen und es kam ihr unbegreiflich vor,

daß sogar der schüchterne Hol und der dumme Gildas ihn

an Mut übertroffen haben sollten. War es denkbar, daß seine äußere löwenhafte Erscheinung so wenig im Einklang mit seinen inneren Eigenschaften stehen solste? War alles, was sie bisher von ihm wußte nur Schein und Trug? Der letzte Krüppel im Lande würde sich mutiger benommen haben, wenn der Kaiser ihn grufen hätte! Ach, es wäre tausendmal besser gewesen, wenn er auf der Suche nach Vogeleiern von der steilsten Klippe binabgestürzt wäre dann hätte sie ihn

als den kühnsten und tapfersten Jüngling der Gegend auf- f

richtig betrauern dürfen! 5 GFortsetzung folgt.)