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Der Negierungspräsident Grützner nunmehr
2 auch ausgewiesen!
5 Der Regierungspräsident von Düsseldorf, Genosse SErützner, der von Anfang an in der vordersten Reihe des Abwehrkampfes gestanden hat, ist nunmeht am Sonntag ebenfalls verhaftet und durch General Degoutte ausgewiesen worden.
Hierzu schrotbt die Berliner Montagspost:
„Grlitzner ist politisch Sozialdemokrat und erfreut sich am Mhein nicht nur bei den Arbeitern, sondern auch in weiten bürger⸗ lichen Kreisen des größten Ansehens. Grützner stand an führender Stelle und hat sowohl in persönlichen Unterredungen, wie auch in sschriftlichen Aeußerungen den unbeirrbaren deutschen Standpunkt für großen von ihm verwalteten Regierungsbezirk Düsseldorf kräftig Ausdruck gegeben. Grützner hat gegen die Ausweisungen, Verhaftungen und Beschlagnahmungen stets in schärfster Weise 0 Einspruch erhoben, so scharf, daß auch politisch weit rechtsste hende 5 Kreise an seiner Tätigkeit nichts beanstanden konnten Viele Kon⸗ serenzen mit den Bergarbeitern haben unter seiner Leitung statt⸗ gefunden. Mit den verhafteten Bergwerksdirektoren ist Grützner mach Mainz gefahren und in seiner Anwesenheit haben dort die Betriebsräte der Zechen mit den französischen Gewalthabern ver⸗
handelt. eluch Jülich besetzt.
Nachdem bereits am Freitag die Eisenbahnwerkstätte Jülich von den Belgiern besetzt worden war, haben diese nunmehr auch die Stadt Jülich in ihre Gewalt genommen.
Die sranzösische Provokationspolitit.
Aus dem Ruhrgebiet wird uns geschrieben:
Die Lage spitzt sich im Ruhrgebiet immer mehr zu. In ben letzten Tagen häufen sich die Meldungen über Gewalt⸗ maßnahmen der Franzosen unter offenbarer Billigung der französischen Führung. Konnte man bei früheren Vor⸗ gängen dieser Art vielleicht noch Entgleisungen eines ein⸗ zelnen Offiziers annehmen, so steht jetzt fest, daß man von Paris aus Degoutte freie Hand gelassen hat.
Degoutte, der Militär, der Mann, der wie jeder Militär nur seinen„Auftrag“ sieht, der nicht gehemmt wird durch irgend eine Einsicht über politische und pfpchologische Wirkungen, führt seine rein militarisch gestellte Aufgabe rücksichtslos durch. Wo ihm Widerstand entgegengesetzt
wird, das heißt wo ein Deutscher wagt, sich nicht blindlings zu unterwerfen, wird zugegriffen— mit Gewalt! Menschen werden mißhandelt, gefesselt, niedergeschlagen und nach dem Gesetz der Massenpsychologie werden in den Menschen, die solche Arbeit verrichten sollen, die schlimmsten Instinkte ent⸗ fesselt. Es ist tatsächlich eine rasende Soldateska, die jetzt auf die Ruhrbevölkerung losgelassen wird und es ist schwer, ohne innere Bewegung all die empörenden Vorgänge zu registrieren, die sich in diesen Tagen abgespielt haben.
Versuchen wir trotzdem, mit beherrschter kühler Sachlich⸗ keit eine Analyse der Handlungsweise der Franzosen vorzunehmen, so zeigt sich auch hier eine gewisse Zwangs⸗
hat sich politisch zu sehr engagiert. Die Methoden der fried lichen“ Durchführung haben durch den passiven Widerstand total versagt. Ob man will oder nicht, man muß einem Militär die ganze Arbeit überlassen und wird nun selbst 2 mehr diesen Verlauf der Entwicklung in der Hand
* Werden nun die Ruhrarbeiter, auf die es besonders an— kommt, die Nerven bebalten? Das ist die bange Frage, die niemand beantworten kann. Was aber kommen würde, wenn das nicht mehr möglich ist, wäre nur dem Schuld— konto der Franzosen zuzuschreiben. Bis jetzt ist es noch möglich gewesen, mit äußerster Anspannung und der größten Selbstbeherrschung die Ruhrbevölkerung zum Ausharren
zusammenzuhalten. Eine andere Bevölkerung wäre unter der schon
Last dieser Bedrückung längst zusammengebrochen.
läufigkeit: von Paris aus kann man nicht mehr zurück, man
Wenn ber Damm aher örscht, entstehen Nompsskaffonen, die
heute noch unübersehbar sind. In voller Würdigung dieser
Situation haben die Bergarbeiter ihren Aufruf erlassen.
Warnend weisen sie u. a. darauf hin, daß auch Kommunisten
und Unionisten mit ihrer Politik bewußt oder unbewußt die
Pläne Poincarés unterstützen. 4224 So stehen die Dinge in diesen Tagen und wir haben alle Ursache, besondere Aufmerksamkeit auf die neue Phase des schweren Kampfes im Ruhrgebiet zu lenken.
Erneuter Ueberfall auf Gelsenkirchen.
Die Franzosen sind am Samstag morgen in Gelsenkirchen wleder eingerückt. Sie treiben die der Stadt auferlegte Buße von 100 Millionen Mark mit Gewalt ein, indem sie in Banken, Ge⸗ schäften und bei einzelnen Personen alle Beträge, deren sie habhaft werden können, beschlagnahmen. Im Barmer Bankverein haben sie sich so 20 Millionen Mark angeeignet. Die Post hat ihren Be⸗ trieb eingestellt. Die Schutzpolfzei macht nur in den Außenbezirken Dienst, während das Innere der Stadt mit französischen Truppen überschwemmt ist.
T.⸗U. meldet hierzu folgende Einzelheiten:
Zu dem Ueberfall auf Gelsenkirchen, der heute morgen statt⸗ fand, sind noch folgende Einzelheiten nachzutragen: Die Besatzung beschränkte sich keineswegs auf Besetzung durch Infanterie, viel⸗ mehr fahren in den Straßen ständig auch Panzerautos und Tanks umher. An jeder Straßenecke stehen umfangreiche Posten mit auf⸗ gepflanzten Seitengewehren. Alle öffentlichen Gebände sind be⸗ setzt. Der gesamte Bahnverkehr, der Postverkehr und ebenso der Straßenbahnwverkehr ruht. Nur ganz wenige telephonische Ver⸗ bindungen werden gelegentlich hergestellt. Eine Verordnung des kommandierenden Generals befiehlt, daß die Straßen von abends 7 Uhr vollständig von den Passanten geräumt sein müssen. Alle Gastwirtschaften und Vergniügungsstätten sind geschlossen. Be⸗ sonders aufreizend wirkt es, daß der Ueberfall an einem Samstag erfolgte, wo der Verkehr durch die Zahl der auf der Straße transportierten Lohngelder besonders groß ist. Jeder Wagen und jeder Passant, bei dem zu vermuten ist, daß er größere Geld⸗ summen bei sich hat, wird angehalten und mit Waffengewalt zur Heraasgabe der mitgeführten Geldsumme gezwungen. Unter diesen Umständen war es vollkommen ausgeschlossen, daß in Gelsenkirchen eine ordnungsmäßige Auszahlung der für die Be⸗ öllerung dringend notwendigen Löhne und Gehaltsvorschüsse er⸗ folgen konnte. Das sich in nichts von einem gewöhnlichen Räuber⸗ bandenüberfall unterscheidende Vorgehen der Franzosen hat dem⸗ nach schlimmste wirtschaftliche Folgen. Wie lange die Besetzung Gelsenkirchens andauern wird, ist gar nicht abzusehen, da man vorerst nicht voraussagen kann, wie lange die Franzosen brauchen, bis sie sich 100 Millionen Papiermark zusammengestohlen haben.
Vor dem Rathaus in Gelsenkirchen sind 18 Panzerautos auf⸗ gestellt, die Post und das Finanzamt sind mit Truppen belegt.
Auf den Straßen werden friedliche Passanten angehalten und wenn sie sich im Besitze von Geld befinden, wird ihnen dieses be⸗ schlagnahmt. Die auf diese Weise beschlagnahmten Gelder sollen bis jetzt 18 Millionen Mark ausmachen. Einer Zeitungsfrau wurde die Geldtasche entrissen, die Zeitungen el und die schwächliche Frau mißhandelt. Auch sonst sollen Ueberfälle auf Frauen vorgekommen seien.*
Der stellvertretende Oberbürgermeister Arens hatte für Samstag nachmittag zu einer außerordentlichen Stadtverordneten⸗ sitzung geladen, da ihm der Oberkommandierende erklärt hatte, daß er bisher 70 Millionen Mark durch Beschlagnahme zusammen⸗ bekommen habe. Dazu gehören 50 Millionen Notgeld, die die Stadt gesammelt hatte, um sie an die Landesbank abzuführen, da die Laufzeit der Scheine bald zu Ende ist. Außerdem fanden die Frangosen die Scheckbsicher der Stadt, die Reichsbank⸗ und Post⸗ scheckkontos mit 21 Millionen enthielten. Die Franzosen ver⸗ langten, daß der stellvertr. Oberbürgermeister diese Summe über⸗ welse und außerdem noch die restlichen 29 Millionen Mark. Dann würden sie wieder abziehen Sie erhielten zur Antwort, daß der Oberblirgermeister gar nicht zu einem solchen Schritte in der Lage
sei, da nur die Stadtverordnetenversammlung zu beschließen habe. Stadtrat Arens wurde deshalb voritbergehend festgesetzt
Die Stadtverordnetenversammlung hat nun in einer mit ein⸗ mütiger Entschlossenheit angenommenen Entschließung das fran⸗ zösische Ersuchen abgelehnt und erklärt, daß sie trotz den ange⸗ drohten Maßnahmen die Quote nicht bezahle. Nach der Ver⸗ sammlung begab sich Stadtbaurat Arens zu dem kommandierenden General, um ihm die Entschließung der Stadtverordneten zu über⸗ bringen. Es ist anzunehmen, daß er bereits verhaftet und nach Recklinghausen gebracht worden ist.
Gleichzeitig haben die Franzosen den Vorsitzenden der Arbeit⸗ geberverbände von Gelsenktrchen, den Direktor der„Guten⸗Hoff⸗
Der Deserteur.
Roman non Robert Buchanan.
Derval scharte seine Schäfchen um sich und schritt an ihrer Spitze dem Rathause zu. Marcelle klammerte sich nervös an seinen Arm und spähte nach Rohan aus. Alle Welt kannte den alten Stelzfuß und machte ihm Platz. Selbst die Beamten begrüßten ihn vertraulich, ehe sie ihre Blicke bewundernd auf der hübschen Marcelle ruhen ließen.
„Onkel!“ flüsterte diese, nachdem sie unter einem Kreuz— feuer von bewundernden Blicken die Schwelle überschritten hatten.„Rohan ist nicht hier.“
„Verflucht!“ tobte der Alte.„Aber vielleicht wird er schon im Saale sein!“ Er nahm, als er den„heiligen“ Ort betrat, seine Mütze ab, und bahnte sich einen Weg durch die Menge, Marcelle nach sich ziehend.
Der Rathaussaal sah sehr imposant aus. Am obecsten Ende desselben saß der Bürgermeister, ein militärisch aus— sehender, mit einer Schärpe und zahlreschen Orden ge— schmückter, kleiner Mann, vor einem Tische, auf welchem die verhängnisvolle Urne stand: er war von mehreren Stadt— repräsentanten und einem Infanterieoffizier umringt. Hinter ihnen stand eine Reihe von Gendarmen in Positur. An einem Seitentischchen saß ein Beamter, vor sich ein großes, offenes Vuch, in das er jeden Namen und fede Nummer, die verlesen wurden, gewissenhaft eintrug. Neben ihm stand ein alter Sergeant der Großen Armee barhaupt und verlas mit lauter, feierlicher Stimme die gezogenen Nummern.
Jedes Dorf, jeder Weiler kam gesondert in alphabetischer Ordnung an die Reihe. Der Name jedes dazu gehörigen Konskribenten wurde laut aufgerufen. Jeder Jüngling mußte persönlich vortreten oder sich durch jemand vertreten
lassen und aus der Urne eine Nummer ziehen. Man hatte für jede Ortschaft eine bestimmte Anzahl von Konskribierten festgesetzt; für Kromlaix zum Beispiel fünfundzwanzig. Dem⸗ zufolge mußte jeder der auf der Liste stehenden Jünglinge von Kromlaix, der eine der Nummern von 1 bis 25 zog, einrücken, während alle, die höhere Nummern zogen, frei
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nungs- Burte-, Herrn Becker, somte ben Jrhater der Schrokke a Stern, Herrn Dorr, als Geisel verhaftet. Bis zu restlosen Eintreibung der 100 Millionen Mk. sind die beide Herren nach Recklingshausen abtranspiert worden.
Neue Bluttaten. 1
Auf der Zeche„Prinzregent“ in Bochum erschien am Samstag morgen eine kleine Abteilung französischer Soldaten, um Brennmate⸗ rial zu requirieren. Auf die Kunde hiervon fuhr die Belegschaft aus und versammelte sich auf dem Zechenplatz. Von den Franzosen her⸗ 7 beigeeilte Verstärkungen schossen darauf durch das Zechentor auf die auf dem Zechenplatz versammelten Arbeiter. Davei wurde ein jungen Arbeiter durch drei Schüsse schwer verletzt. Er starb auf dem Trans⸗ port ins Krankenhaus. Ein weiterer Arbeiter wurde verwundet. Ein Markenkontrolleur,— die ben 25 De gert hatte, wurde verhaftet ge 1 gare. von den Franzosen mitgenommen. Die Mittags schicht dern
n efahren. 2 . 3 während der Sperrstunde ein Schaffner er. schossen.
Sqchüsse auf Telegraphenarbeiter. f 5
Die Telegraphen⸗ und Fernsprechverbindungen zwischen Bochum und Düsseldorf, Duisburg, Werden(Ruhr), Kupferdreh, Essen und Hörde sind, wie WTB. meldet, gestört. Die Beseitigung der Störungen ist nicht 2. S Linienzüge besetzt halten auf jeden i 5 4 schießen. Das Telegraphen⸗ und Fernsprechnetz im Embruchs⸗ gebiet verkommt immer mehr, es sind schon jetzt ganze Ortsfernsprech⸗ netze außer Betrieb. Berlin ist ohne Fernsprechverbin⸗ dung mit 7(Ruhr). Krefeld Duisburg, Essen, Düsseldorf
rkeh
und Aachen; der r mit Recklinghausen ist wieder normal. Beim Telegraphenamt in Essen beschlagnahmten die Franzosen einen Hughesapparat. f
Die Knute.
Die Verkehrslage hat sich besonders im Bezirk Elberfeld 5 verschlechtert. Die französische Unterkommission in Essen hat den gesamten Eisenbahnbeamten des Einbruchsgebietes 6 verboten, die Verbindung mit ihrem Direktionspräsidenten in Hamm aufzunehmen und die Nichtbefolgung dieser fran · ö zösischen Anmaßung mit Strafe bedroht. Auf der Strecke über Friemersheim haben die Franzosen am 13. Februar 2700 Tonnen und am 14. Februar 110 Tonnen Kohle abge- schleppt. Auf den militarisierten Strecken verkehren nur einzelne von den Franzosen geführte Personenzüge. In f Dortmund ist das Verkehrsamt besetzt worden. Nach Lothringen sind am 15. Februar 27 Wagen mit Koks abge⸗. schleppt worden. Im Bezirk Koblenz ist eine Reihe kleinerer 0 Strecken wieder in Betrieb genommen worden. Auf den militarisierten Strecken üben die Franzosen auf die deutschen Eisenbahner einen besonders starken Druck aus. An vielen 5 Stellen haben sie die deutschen Eisenbahner zwangsweise 1 aus ihren Wohnungen vertrieben, weil diese sich weigerten. den französischen Befehlen nachzukommen. 8 5
Erhöhte Betriebsunsicherheit.
Auf den von französisch⸗belgischen Eisenbahnern betriebenen. Strecken haben sich am Sonntag zwei schwere Essenbahnunfälle er⸗ eignet. Unweit Krefeld sind zwei von belgischen Militäreisenbahnern geführte. Züge zusamemngestoßen, wobei ein belgischer Soldat ge⸗ tötet wurde. Bei Dahlhausen bei Bochum fuhren fiinf zusammenge⸗ koppelte Lokomotiven, die von Franzosen geführt wurden, auf einen gleichfalls von französischen Eisenbahnern geführten Zug, der vor einer eingefrorenen Weiche hielt und in dem sich eine Kompagnie französischer Soldaten befand. Drei französische Soldaten wurden ge⸗ 5 tötet und acht schwer verletzt. 4
Versammlungskalender 1
Gießen. Vereinigte Sozialdemokr. Partet. Mon⸗
tag, den 25. Februar, abends Uhr im Gewerkschaftshaus Li 5
bilzervortrag über:„Volk in Not“, zu Gunsten des Arbeite 2 fahrtsausschusses. Zahlreicher Besuch wird erwartet.
Agitiert für die Oberhessische Volkszeitung
waren— vorausgesetzt, daß die fünfundzwanzig diensttaug⸗ lich befunden würden.
Die Kromlaixer brauchten nicht lange zu warten, bis die Reihe an sie kam und der Offizier am Tische mit lauter Stimme in den Saal hineinrief:„Kromlaixer vor!“
Die jungen Fischer drängten sich dicht an den Tisch heran, während der Sergeant die Namen alphabetisch vor— las. Ganz vorne behauptete der Exkorporal mit seinen Neffen und Marcelle den Platz. Der Sergeant machte den Offizier, dieser den Bürgermeister auf ihn aufmerksam und alle drei lächelten ihm zu. Der Bürgermeister ließ sich sogar herbei, ihm„Guten Tag, Korporal!“ zuzurufen.
8 Dieser errötete vor Stolz. salutierte und gab seinen Jungens ein Zeichen, dies gleichfalls zu tun.
„Willkommen, mein Alter; ich sehe, Sie bringen uns die schönste Gabe eines tapferen Veteranen, einen Strauß von strammen Rekruten für den Kaiser. Aber wer ist das hübsche Mädchen an Ihrer Seite? Es steht doch sicherlich nicht auf der Liste?“ scherzte der Biirgermeister.
Alle lachten. Marcelle errötete, als Derval erklärte: „Es ist meine Nichte und dies sind ihre Brüder, die alle auf der Liste stehen.“
Die Namen wurden laut auferufen, viele der Burschen kehrten ganz vergnügt von der Urne zu ihren Begleitern zurück, denn sie hatten höhere Nummern gezogen. Die minde Glücklichen lachten aus Vezweiflungr.
„Alain Derval!“
Alain übergab seine geliebte Trompete dem zitternden Jannick, trat erhobenen Hauptes an den Tisch, verbeugte sich vor den Beamten und versenkte seine Rechte rasch in die Urne, während Onkel Ewen ihn aufmerksam beobachtete, sich zur vollen Höhe aufreckte und noch fester als sonst auf seinen Beinen stand.
Alain zog seine Nummer- rollte sie auf, las sie und reichte sie dem Sergeant, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.
„Alain Derval— 173!“ tönte es durch den Saal.
Alains Gesicht drückte Enttäuschung aus, als er auf seinen Platz zurückging.
„Mein gewohntes Pech!“ flüisterte er Marcelle zu.„Ich wollte, ich hätte eine niedrige Nummer gezogen!“
„Gildas Derval!“
Die Herren am Tische musterten den jungen Riesen voll Bewunderung. 3
„Ein prächtiger Bursche!“ flüsterte der Bürgermeister seinem Nachbar zu.
Gildas zog phlegmatisch seine Nummer. Ein kaum merklicher Schatten flog über sein Gesicht, als er sie las, aber er reichte sie achselzuckend dem Sergeant.
„Gildas Derval— 16!“
„Vive l'Empereur!“ rief der Korporal, während 1 Marcelle einen Schreckenslaut ausstieß. Gildas kehrte mit schlotterigen Schritten auf seinen Platz zurück und erwiderte den herzlichen Händedruck seines Onkels nicht besonders begeistert.
„Hol Derval!“ N
Der zweite Zwilling trat rasch zur Urne, als ob er ge- spannt wäre, sein Schicksal zu erfahren.
Einen Augenblick später verkündete „Hosl Derval— 271“
Marcelle tat einen tiefen Atemzug, der Korporal zuckte zusammen und Hoäl war wie vor den Kopf geschlagen. Nur Gildas' Miene heiterte sich auf, denn er wußte, daß nun auch der Zwillingsbruder sein Schicksal teilen würde, da der Siebenundzwanziger erst dann als befreit gelten konnte, wenn die bestimmten Fünfundzwanzig allesamt die ärztliche Prüfung bestanden, was nicht anzunehmen war. . Eine kurze Pause entstand, denn der Beamte schrieb eifrig ins große Buch, und Marcelle benutzte dieselbe, um ihrem Onkel ins Ohr zu flüstern:„Rohan ist noch immer nicht hier— kannst Du Dir das erklären? Was läßt sich da
e Er wird eine Rüge, vielleicht gar eine Strafe be⸗ 3 ommen.“
„Ich werde statt seiner ziehen“ ärgerlich. „Laß mich ziehen, Onkel!“ bat Marcelle zi Ich aß. at Me e zitternd.„ habe es ihm versprochen, im Falle er nicht 1 1
Parbleu! Man wird Dich f 4„ 27 5 Dich auslache„ meinte er saut. lachen, Mädchen! 3
„Still. mahnte Marcelle. „Jannick Goron!“ las der Sergeant. (Jortsetzung folgt.)
der Sergeant:
entgegnete der Veteran
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