Ausgabe 
20.1.1923
 
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Das Nathaus in Bochum mit Truppen besetzt.

Nachdem die Franzosen durch die Erschießung eines jungen Mannes die Bevölkerung Bochums aufreizend provoziert haben, ist nun durch die Einquartierung von Truppenteilen in dem Stadt⸗ verordnetensitzungsfaal und den Magestratsräumen im Rathause der Einwohnerschaft eine neue Demütigung zugefügt worden. Magistrat und Stadtverordnetenversammlung können keine Sitzungen abhalten well ihnen keine Exsatzräume zur Verfügung stehen. Trotzdem vom Besatzungsamt der B.satzungsbehörde andere Räumlichkeiten angewiesen wurden, weigert sie sich, das Rathaus zu räumen.

Der französische Oberst, dessen Soldaten den Zwischenfall von Bochum auf dem Gewissen haben, indem sie ohne vorhergehende Warnung in die demonstrierdende Menge schossen. ist von seinem Posten abberufen worden. Auch das Regiment ist durch ein anderes abgelöst worden.

Der Reichspräsident hat den Oberbürgerme'ster der Stadt

ochum in einem Beileidstelegramm gebeten. den Angehörigen des Erschossenen die Teilnahme auszuspeechen. Den Hinterbl ebenen wurden gleichzeitig Mittel überwiesen, die dem Reichspräsidenten zur Verfügung gestellt bezw. von ihm selbst gespendet wurden.

Reichs beschl an die Cisenbahner. Den Beamten und Arbeitern der Reichseisenbahn ist

den Bestimmungen des Reichskohlenkommissars entsprechend

untersagt worden, Kohlen für Frankreich und Belgten zu befördern oder bei der Umlenkung deutscher Kohlenzüge nach diesen Ländern mitzuwirken.

Die Zecheuvertreter vor dem Kriegsgericht?

Finanzrat Dr. Schlutius verhaftet.

Wie gemeldet wird, haben sämtliche 5 Herren und zwar eneraldirektur Kester, Bergwerksassessor Olfe, Direktor Spindler, Generaldirektor Tengelmann und Generaldirektor Wüstenhöfer sich freiwillig bei der ivision eingefunden, wo sie als Einleitung eines gegen sie beabsichtigten kriegsgerichtlichen Verfahrens zu Prolsokoll ines Gerichtsoffiziers über ihre Weigerung, Reparations⸗ kohlen zu liefern, vernommen wurden. Sämtliche Herren hielten ihre Weigerung unter Berufung auf das ihnen vom Reichskohlenkommissar ereilte Verbot aufrecht. Den Herren wurde zum Schluß eröffnet, daß von ihrer Verhaftung Ab⸗ stand genommen werde, daß sie sich aber jederzeit zur Ver⸗

fügung des Kriegsgerechts zu halten hätten.

Die Vossische Zeitung meldet aus Paris, daß von der Vorladung deutscher Industrieller vor ein französisches Militärgericht im Ministerium des Aeußern nichts bekannt sei. Sollte diese Nachricht sich bestütigen, so handelt es sich offenbar um eine Maßnahme, die von den Militärbehörden für notwendig gehalten, aber nicht von Paris angeordnet wurde. Das Ministerium des Aeußern vertritt den Stand⸗ punkt, daß die Industriellen wegen der Weigerung, Kohlen zu liefern, nicht strafrechtlich verfolgt werden können.

Der Prüsident des Landesfinanzamtes, Finanzrat Dr. Schlutius, wurde verhaftet, nachdem er aufgefordert worden war, die finanziellen Unterlagen der Oberfinanzkasse den französischen Sachverständigen vorzulegen. Schlutius wurde unter Bewachung im Automobil fortgeführt; wohin er ge⸗ bracht worden ist, ist noch unbekanut.

Deutschland von der Ruhrkohle abgeschnitten.

Ueber die Beschlagnahme von Schisfsraum auf dem Rhein wird berichtet, daß 14 Schleppkähne die Mubrkohle für Süd deutsch⸗ land geladen hatten, auf der Reede von Duisburg von den Fran⸗ osen für beschlagnahmt erklärt worden sind und die Weisuna er⸗ galten haben, bis Mannheim zu gehen wo sie weitere Weisung be⸗ kommen würden. Auf dem Rhein⸗gtene⸗Kanal ist der ganze Schiffsverkehr über Schleuse 1 Ruhrorthafen und über Schleuse 7 hinaus, die zwischen Herne und Recklingshausen liegt, verhindert worden. Nur der Pendelbetrieb zwischen Schleuse 1 Ruhrorthafen und Schleuse 7 ist gestattet worden. Das bedeutet praltisch die Verhinderung aller Kohlentransporte aus dem neubesetzten Ge⸗ biet in das unbesetzte Gebiet. Auch der bereits angekündigte Ein⸗ griff in das Eisenbahnwesen ist erfolgt.

E

Der Deserteur. 5

Roman von Robert Buchanan. mit Windeseile.

Solche Wundermaren verbreiten sich

DDiese eine kam auch dem alten Ortspriester zu Ohren, und

er beeilte sich, das Kind zu besuchen. Da er etwas von der Schädellehre verstand, untersuchte er das Köpschen und er klärte sich davon sehr befriedigt. Der liebe Gott läßt nicht alle Tage Wunder geschehen; diese Gelegenheit war zu gut, um sie unbenützt vorübergehen zu lassen. Der Curé (Pfarrer) wünschte nämlich, Rohan in die heiligen Wissen schaften einzuweihen, damit er zu gegebener Zeit ein Priester Gottes werde. Das Anerbieten wurde mit Dank angenom⸗ men. Der Knabe mußte seinen geliebten Klippen, wo er die Siegen hütete, Lebewohl sagen und ins Haus des Geist lichen ziehen. Anfänglich gefiel ihm diese Veränderung sehr gut. Er lernte lesen, schreiben, etwas Latein und Griechisch. Er war ein aufgeweckter und williger Junge, der an den kältesten und finstersten Wintermongten, ohne zu brummen, aufstand, um dem Curcé bei der Frühmesse zu assistieren. Andererseits entwickelte er jedoch eine geradezu fabelhafte Fähigkeit zur Trägheit und zum Spielen. Er pflegte sich in seinem Fischerboote auf die offene See hinauszustehlen. oder den ganzen Tag zwischen den Klippen herumzustreifen. Wenn man ihn am nötigsten brauchte, konnte man ihn oft nirgends finden. Eines Tages brachte man ihn mit ge⸗

5 brochenem Schlüsselbein nach Hause er hatte sich vergeb

lich bemüht, ein Rabennest auszuheben. wäre er beinahe ertrunken. a All dies hätte der gute Priester noch dulden können, 1 allmählich nahm Junker Rohan eine Art an, Fragen zu stellen, die dem Geistlichen unbequem wurde. Man lebte da⸗ mals noch in den von der Revolution gezeitigten Ideen. Obgleich aus dem Königtum ein Kaisertum geworden war und obgleich die furchtbaren Ideen von 1793 kaum bis [ĩKromlaix gedrungen waren, schwirrten doch seltsame Ge⸗ danken durch die Luft. Der kleine Meßgehilfe schwelgte in geheimer Lektüre, seine Augen öffneten sich, seine Zunge schwatzte gefährliche Dinge und der gute Pfarrer entdeckte zu seinem Entsetzen, daß das Kind allzu aufgeweckt set.

Als endlich die Zeit herannahte, da Rohan das Dorf verlassen sollte, um seine Studien fortzusetzen, lehnte er sich

Zwei- oder dreimal

eee

Kohlen aus Schotttand.

Eine Glasgower Meldung aus der Vossischen Zeitung will wissen, daß alle für den Export im Januar aus den Gruben Schottlands verfügbaren Kohlen von Deutschland zur sofortigen Lieserxung bestellt worden seien. Das habe zur Folge gehabt, daß gewisse Kohlenpreise um Schilling gestlegen find.

Zum Ausgleich der Besatzungsschäden. Wie das Berliner Tageblatt aus Bochum meldet, hat das eich für das neubefetzte Gebiet einstweilen für die Entschädigung

von Personen ⸗und Sachschäden infolge der Besetzung einen Vor⸗ schuß von einer Millfarde Mark zur Verfügung gestellt.

Die Haltung der belgischen Arbeiter.

Am Dienstag befaßte sich nach einer Sitzung des Partei⸗ ausschusses der belaischen Arbeiterpartei auch die belgische Gewerk⸗ schaftskommission mit der Frage der Ruhrbesetzung. Es wurde ein Antrag angenommen, der ein gemeinsames Vorgehen von Ge⸗ werkschastskommission und Parteiausschuß vorsieht, um die belgische Arbeiterschaft über die Politik Poincaxes aufzuklären. Die Resolution des Parteiausschusses machte man sich zu eigen und beschloß gemeinsam mit dem Parteiausschuß eine Kundgebung an das Land zu erlassen öffentliche Versammlungen zu veranstalten und eine Broschsire über die Politik, die zur Rührbesetzung geführt hat, herauszugeben.

Das Zentralorgan der belgischen Sozialdemokratie, der Brüsseler Peuple beschäftigt sich in einem längeren Artikel mit der Frage:Warum sind wir an der Ruhr? In Beantwortung dieser Frage schreibt das Blatt u. a.:

Dex Mann der Straße der nur die bürgerlichen Zeitungen gelesen hat, antwortet: Um Geld zu bekommen. Der Peuple aber fährt fort:Ist dieses Mittel jedoch gut? Und wenn man die militärische Besetzung auf das ganze Ruhrbecken ausgedehnt haben wird, und selbst wenn die französisch⸗belgischen Truppen bis nach Berlin gingen, wird Deutschland dann die 132 Milliarden be⸗ zahlen die es den Alliierten schuldet? Nein, es wird sie nicht be⸗ zahlen! Es wird sie nicht bezahlen, weil es ihm nicht mög⸗ lich üst, sie zu bezahlen. Das haben alle Finanzleute, alle Sach⸗ verständigen, die von den alliierten Regierungen angegangen worden sind alle Staatsmänner, alle diejenigen, die die Frage irgendwie studiert haben, erkannt. Herr Theumis ist davon noch mehr überzeugt als Herr Poincaré, der sich neulich in Palais Bourbon ein Geftändnis ßarüber hat entschlüpsen lassen. Die Ruhrbesetzung wird nicht nur nichts einbringen, sondern sie wird die wirtschaftliche Lage Deutschlands ebenso wie die Belgiens und Frankreichs erschweren und dadurch selbst die Aussichten auf Bezahlung in weite Ferne rücken. Also wirft zum Schluß der Peuple seinersests die Frage auf:Wenn wir es demnach nicht getan haben um Geld zu bekommen. warum sind wir dann an der Ruhr 2 0

Die Beantwortung dieser Frage erübrigt sich, denn heute kennt jeder die wirklichen Gründe des französisch⸗balgischen Vor⸗ gehens an der Ruhr.

Amtliche itatienische Erklärung über die Ruhr⸗ aktion.

Auf dem Auswärtigen Amt in Rom wurde dem Vertreter der Voss. Ztg. von maßgebender Seite auf einige Fragen bezüglich der Stellungnahme der italienischen Regierung zur gegenwärtigen Re⸗ parationskrise Mitteilung über die italienische Politik gemacht. Vor allem wurde betont, daß es nicht richtig sei, von einer italie⸗ nischen Vermittlung zu reden. Wir haben, so wurde erklärt, un⸗ sere Beteiligung klar von der militärischen Aktion Frankreichs ge⸗ trennt und festgestellt, daß unsere Ingenieure Befehle nur von ihrer Regierung, nicht aber von der französischen Heeresleitung, entgegenzunehmen haben. Auf der anderen Seite wird Italien jedoch an der Kohlenkontrolle teilnehmen, da Mussolini die Politik der Pfänder an sich nicht ablehnt. In Deutschland soll man nicht vergessen, daß die Besetzung der Ruhr auch zur Gründung jenes Pufferstaates führen könnte, der für Deutschland mehr bedeutet, als der Verlust der Gruben. Italien, so schloß der Gewährsmann, arbeitet stets auf eine Verständigung hin.

Politische nebersicht.

Die Lage in Memel. Simonagitis bildet eine neue Armee. französischen

Wie aus Memel berichtet wird, Torpedoboote

sind die

mit aller Kraft dagegen auf. Er erklärte mit Bestimmtheit, durchaus kein Priester werden zu wollen! Das war ein schwerer Schlag für seine Mutter und eine Zeit empfand sie sogar eine gewisse Bitterkeit gegen den Knaben. Zu ihrem größten Erstaunen jedoch stellte sich der Pfarrer auf die Seite des Abtrünnigen.

Nur ruhig Blut, Mütterchen! sagte er ernst.Es taugt nichts, den Jungen zu einem Beruf zu zwingen, der gegen seine Neigungen ist. Das Leben eines Priesters ist im besten Falle ein sehr hartes. Das Priestertum ist ja ganz gut, aber es gibt auch bessere Wege, um Gott zu dienen.

Rohans Herz hüpfte vor Freude, die Witwe aber rief zweifelnd:Bessere Wege? Ach nein, Herr Pfarrer!

Doch, doch! beharrte Hochwürden.Gottes Wille ist immer das beste; besser ein guter Seiler, als ein schlechter Priester, liebe Frau.

Der Knabe kehrte nach Hause zurück. In Wirklichkeit war der Priester froh, ihn losgeworden zu sein, hatte die Ueberzeugung gewonnen, daß der Knabe nicht aus einem Stoff gebildet sei, aus dem heilige Männer gemacht werden; früher oder später würde er doch aus der Kutte gesprungen sein.

Rohan nahm mit dem Entzücken eines befreiten Vogels seine alte Lebensweise wieder auf. Er überzeugte auch seine Mutter, daß sich alles zum besten gewendet habe, denn um Priester zu werden, hatte er sie verlassen müssen, und wer hätte dann die Stelle des Vaters vertreten, wer wäre der Trost ihrer alten Tage geworden? Zwei Berufe haßte er, und bei beiden wäre er für sie und für sein Heim verloren gewesen. Er wollte nicht Priester werden, weil ihm das Leben eines solchen nicht behagte und weil er dann überdies seine Cousine Martelle nicht hätte heiraten können. Und er pries Gott und alle Heiligen dafür, daß er niemals Soldat werden konnte, weil er der einzige Sohn einer Witwe war.

Aber man zählte das Jahr 1813, und Napoleon bereitete einen neuen Streich vor, durch welchen alle seine Feinde vernichtet werden sollten. Mancherlet Gerüchte gingen um, aber Bestimmtes wußte man noch nicht. In der Luft lag jene unheimliche Stille, die Stürmen und Erdbeben voran⸗ zugehen pflegt.

(Jortsetzung solgt.)

denn er

-»Person auch bel Lösung der entsprechenden Zahl volt Fahrkarten

eingetroffen. Die allgemeine Lage ist unverändert. neue Regierung Simonaitis hat zur Bildung einer Ar aufgerufen. Gerüchte von einem Rückzug der Litauer völlig unbegründet.

* 3 9 Litauen buhlt um die Gunst der Arbeiterschaft.

Die Litauer bemühen sich schleunigst, eine ihren Intere willfährige sozialdemokratische beiter ins Leben u rufen, der sie den irteführenden Namen einer deulschelftauischen Arbeiter⸗ partei geben. Herr Deiweleit erließ gestern im Auftrag der Ar⸗ beiterschaft des füdlichen Teiles von Memel einen Aufruf, in dem

er auf gestern nachmittag eine Vertrauensmännerversammlung 5

einberief. 145 Versammlung sollte Obmänner wählen, bie 7 10 Getwerkschaftslettung und die Fraklionsvertretung für Parlament und Regierung. 5

* Bayerische Ordnung.

kommen seinem Schicksal. Er wurde gequält von dem Lärm eines Webftuhls, der unter seiner Zelle aufgestellt war. b N währendes Drängen hin verlegte man ihn aus diesem Raum, zwar in eine ganz kleine, für Einzelhaft bestimmte Zelle im ersten Stock, in dem sich sonst kein Gefangener befand. Als die Frau Hage⸗ meister bei der Nachricht von seinem Zustand in Niederschönenfeld eintraf, empfing sie der Vorstand der dortigen Festungsanstalt, Staatsanwalt Hoffmann, mit den Worten:Na, jetzt ist er kr der Revolutionär. Als es 1918 gegen den Staat ging, da war nicht krank. Jetzt können Revolutionäre auch krank werden.

besten gekennzeichnet wird aber die Roheit dieses Staatsanwalte durch die Tatsache, daß der Frau Hagemeister die Erlaubnis, letzten Stunden mit ihrem totkranken, bereits sterbenden Mann alle

zu sein verweigert wurde. Es erscheint dringend notwendig, 500 diese Angaben eines kommunistischen Organs auf ihre Richtigkeis untersucht werden. g 5

Hessen und Nachbargebiete.

Gießen und Umgebung. 3

Geschichtskalender. 20. Januar. 0

1265 Erste Einberufung des englischen Parlaments. 1888 Erstes Eintreffen des Afrikareisenden Stanley bei En un Pascha in Wadelai. N 0 5 1891 Erstmaliges Erscheinen des Correspondenzblattes der General⸗ kommission der Gewerkschaften Deutschlands. 2 1902 Das Suttgarter Theater niedergebrannt. 5 1910 Andrea Costa. ital. Sozialist in Imola gestorben. 21. Januar.

1720 Friede zu Stockholm zwischen Schweden Preußen, e⸗ mark und Polen. Vorpommern und Danzig kommt Preußen. 0 5

1793 Hinrichtung Ludwigs XVI., König von Frankreich. a

1851 Kompontst Albert Lortzing gestorben. 1

1872 Der Dichter Franz Grlllparzer in Wlen gestorben. 5

1906 Roter Wahlrechtsfonntaa in Preußen. 2

Kinderhilfe aus Südamerika.

In Buenos Aires besteht der deutsche Verein Vorwärts. Er wurde im Jahre 1882 von Sozialisten gegründet, die auf Grund des Ausnohmegesetzes aus Deutschland vertrieben worden waren und sich jenseits des Ozeans eine neue Heimat gesucht hatten. Ler Verein wurde nicht nur ein Stützbunkt für die dorttgen Genossen, sondern es gelang ihm auch, den Genossen in der Heimat Hilf, leiten, bis das Ausnahmegesetz außer Kraft wor. Dall verwandte der Verein seine Mitt l zum Ausbau der eigellen Einrichtungen. Dank der Opferwillitzkeit set zer Mitglieder 1 wa: er nach einigen Jahren in der Lage, ein cigeges Ge⸗ baude 34 errichten. 7

Nachdem die Not in Deutschland so entsetzlich ange⸗ wachsen war, beschloß der Verein Vorwärts eine Hilfsakti 5 zugunsten der deutschen Arbeiterkinder einzuleiten unter dem NamenDeutsche Kinderhilfe. Zunächst fand am 4. November 1922 ein Wohltätigkeitsabend statt, der nebst einer weiteren kleinen Sammlung einen Reinertrag von 17880 Papierpesos(über ½ Million Mark) erg Diese Summe ist dem Vorstande des Gewerkschafksbund überwiesen worden, der für die richtige Verwendung so wird. In einem Begleitbrief stellt der, Vorstand noch wei Hilfe in Aussicht.

Unseren Genossen und Landsleuten sei für ihre ho herzige Hilfsbereitschaft herzlichst gedankt. Obwohl unter ihnen mancher befindet, dem es im asten monarchisti⸗ schen Deutschland übel genug ergangen ist, ist ihr warmes Herz und ihre Hilfsbereitschaft nicht erloschen. Das soll ihnen unvergessen bleiben. 51

5 2 Gegen die Bevorzugung der valula⸗ starken Ausländer. 1

Die Klagen über Bevorzugung der Ausländer vor den de schen Relsenden in den Zügen haben in letzter Zeit zugenomme Der Reichsverlehrsminister wendet sich jetzt in einer Verfügmn gegen die Mißstände, die sich schelubar aus der Trinkgeldgehe digkeit mancher valutastarker Ausländer ergeben haben, und welst darauf hin, daß gegen die Belegung mehrerer Plätze durch e 0 einzuschreiten und die nach dem Personen⸗ und Gepäcktart 15 lässige Belegung ganzer Abteile durch einzelne Reisende vorläuffg bis auf die Fälle auszusetzen ist, wo besondere Weksung dazu er geht.Den Ausländern wird auch im übrigen vom Zugpersonal, so heißt es weiter in der Verfügung,vielfach größere Aufme samkeit bei der Anweisung von Plätzen und größeres Entgeg kommen bei Handreichungen, z. B. bei Unterbringung von G stlicken, gezeigt als den Inländern, ossenbar in der Erwarin daß daftir reichliche Trinkgelder gegeben werden. Das triff sonders auch für die Schlafwagen zu. Dice Annnahme von Trink geldern ist an sich unzulässig, sie ist auch dem Ansehen der ges Veamtenschaft in hohem Grade abträglich. Bedienstete, die aber gar durch Trinkgelder bewegen lassen, Unterschiede 5 Fürsorge für die Reisenden eintreten zu lassen und deutsche sende gegensüber zahlträftigen Ausländern zurückzusetzen, würdelos und grob pflichtwidrig. Gegen ein solches muß mi! aller Scharfe eingeschritten werden. Der Nei lehrsmtaister droht, daß die unzulässige Bevorzugung un 0