Ausgabe 
19.5.1923
 
Einzelbild herunterladen

aal* 4 8 ausph 1 . Vill 00 0

In diese edetews Beppo nt rühmte un Weh schauerteiht achelik jeh f Schäfer ia ben Dit int i n ther, 111 bei Heim ler i einem Her Freunde suug ingnis D mieren, sodeß

9 nach der fl et aufschlag um feine fc t er Milliang st trioten n König a die ander g ahubrücke K t Landrat u eiseln nh sen und Aug zahlen. De f her Spitzel für lebe in dies

als der Jr

on Napoled,

ssen jahen, 40 ätzen: Frost und Hitze, schon in der Bibel zu lesen ist.

zäre am laß kel nicht de ts erkunnt. u Veise. f

Kohlen im März und April durch vierwöchentliche

Da braucht man nur die Fenster zuzulassen.

Fönnte unangenehm

bringt! besen ragt in die Mallüfte, als

Hexen drauf geritten.

i der,

Gießen, Samstag, den 19. Mai 1923.

.

N N Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 113

ren.

Gießen und Umgebung. . Pfingsten.

Geist der Wahrheit, Geist der Liebe,

breite die herrlichen Schwingen weit.

Falle wie tausend Gewitter

stürmisch in unsere Zeit.

Geist der Freiheit, Geist der Güte,

wohne bei uns auf dem Erdenrund.

Rede in Brudergesängen

festlich aus unserem Mund.

Geist der Freude, Geist des Friedens,

blüh' deine Sterne ans himmlische Zelt.

Rufe mit erzener Stimme,

rufe die Völker der Welt!

Nacht der Trauer, Nacht des Todes,

qualvolle du, du zerbrichst uns nicht.

Machtvoll wie tausend Gewitter

ist unser Hunger nach Licht.

Nacht des Unglücks, Nacht des Krieges,

sieh' uns'ren zukunftsdurstigen Blick.

Größer als deine Gewalten

ist unser Hunger nach Glück.

Geist der Liebe, Geist des Friedens,

blüh' deine Sterne ans himmlische Zelt.

Rufe mit erzener Stimme,

rufe die Völker der Welt! 0 Hans Gathmann.

Fest des Frühlings.

Wie alljährlich hat auch in diesem Jahre die alte Erde sich wieder neu in Grün und Blüten geschmückt. Dessen freut sich die Menschheit; auch der Geringste, der von Sorgen und Not niedergedrückt ist, atmet auf, wenn die Natur ihr buntes Kleid wieder angelegt hat, neue Hoffnung auf bessere Zeiten erfüllt ihn. Und gewiß wäre die Hoffnung begrün⸗ det, wenn mehr Vernunft in der Menschheit herrschte. Heute sehen wir davon aber leider wenig. Im Gegenteil muß man zu dem Glauben geneigt sein, daß alle Vernunft zum Teufel, alle Menschlichkeit ausgerottet wäre, wenn man das Wüten der Macht- und Gewaltpolitik an der Ruhr und über

dem Rhein betrachtet. In noch nie dagewesener Weise tobt

der Militarismus; zahlreiche Menschenleben fielen ihm zum Opfer, tausende Familien werden von Haus und Hof, aus ähren Wohnungen gejagt, gehen ihrer Habseligkeiten ver⸗ lustig. Trübe Pfingsten für die Betroffenen! Welcher Verständige ist nicht im Innersten empört über solche Un⸗ menschlichkeiten? Und fast wie im Kriege werden unge euere Werte vernichtet, in Menge gehen wertvolle, Güter zu Grunde, Gebäude und Einrichtungen werden zerstört es fehlen Worte, die treffend und scharf genug wären, den verbrecherischen Wahnsinn zu kennzeichnen. Es sind Folgen des nun seit fünf Jahren beendigten Krieges, für den sich heute noch immer Leute begeistern. Man hält ein solches Maß von Verirrung und Verranntheit nicht für möglich. Noch immer hört man die dumme Rederei:Kriege hat es immer gegeben und wird's immer wieder geben! Gewiß, so lange einzelne Leute sich dabei bereichern und so lange jp

die Menschen dumm genug sind, sich abschlachten zu lassen! Hetzten früher die Fürsten die Völker gegen einander, so taten es zuletzt die Geldsacke; die einen wie die anderen suchten ihre Verbrechen mit religiösen oder nationalen Redensarten zu bemänteln.

Wir wollen nichts mehr davon hören!

Krieg dem Kriege! ist unser Kampfesruf und wir haben die Gewißheit, daß dieser Ruf immer stärkeren An⸗ klang bei allen Völkern finden wird. Trotz des lügnerischen Geschreies der Kriegshetzer und des mit ihnen verbündeten Pfaffentums wird der wahre Pfingstgeist, der Gedanke des Friedens und des Sozialismus siegen. Für ihn immer neue Mitstreiter zu gewinnen, muß unsere Aufgabe sein, jeder muß daran mitarbeiten!

Allen, die dieses Sinnes sind

herzlichen Pfingstgruß!

Die Vorgänge an der Oberrealschule zu Gießen

vor der Strafkammer zu Darmstadt.

Ueber das Ergebnis der Verhandlung. die mit einem Vergleich schloß, wonach der wegen Beleidigung des Prof. Michel angeklagte Redakteur der Hessischen Landeszeitung den Vorwurf der Denunziation mit dem Ausdruck des Be⸗ dauerns und unter Uebernahme der Prozeßkosten zurück⸗ nahm, sind unsere Leser durch unseren Bericht in Nr. 106 unterrichtet worden. Da aber dieser von der amtlichen Darmstädter Zeitung übernommene Bericht nur auf den Hauptpunkt eingeht und kein vollständiges Bild der zehn⸗ stündigen Verhandlung gibt, andererseits aber eine völlige Klarstellung der Angelegenheit, die in der Oeffentlichkeit so viel Staub aufgewirbelt hat, im allgemeinen Interesse nötig erscheint, so wollen wir hier noch einige Nachträge bringen. Mittlerweise hat ja auch die Hessische Landes- zeitung und der Gießener Anzeiger den Kampf wieder auf⸗ genommen.

Als die Sache vor der mit 5 Richtern besetzten Straf⸗ kammer um 9 Uhr aufgerufen wurde, fehlte leider noch die Hauptperson, der Angeklagte, der fast mit einer Viertel⸗ stunde Verspätung erschien und ob dieser Nichtochtung eine kräftige Rüge einstecken mußte. Geladen waren, teils vom Staatsanwalt, teils von den beiden Parteien, einschließlich des Nebenklägers Prof. Michel, 20 Zeugen. Der Vorsitzende erklärte zu Beginn, daß er die Beweisaufnahme auf das Tatsächliche beschränken und ein Uebergreifen auf das politische Gebiet nicht zulassen werde.

Nachdem der erste Zeuge, Ministerialdirektor Urstadt, in nahezu zweistündiger Vernehmung über die Vorgänge und die Untersuchung ausgesagt hatte und schon dadurch offenbar wurde, daß dem Angeklagten der Beweis, Professor Michel habedenunziert, nicht gelingen werde, machte der Vorsitzende einen Vergleichsvorschlag, der aber vom Angeklagten zurückgewiesen wurde. Mit dem Zeugen Prof. Michel wurden dann die bekannten Vorgänge an der Ober⸗ realschule durchgesprochen, wobei sich nichts Neues ergab. Benierkenswert war eine vom Verteidiger des Angeklagten an den Zeugen gerichtete Frage, warum er denn eine Ge⸗ denkfeier für Rathenau für notwendig gehalten habe!

Nach zweistündiger Mittagspause kamen die lastungszeugen des Angeklagten zum Wort, zunächst

Ent⸗ der

Hauptzeuge Direktor i. R. Dr. Schnell, der bemüht war, den Zeugen Michel möglichst schlecht zu machen, ihn persön⸗ licher Beweggründe zu beschuldigen und das Vorgehen gegen ihn(Schnell) als Folge einer lange vorbereiteten Aktion dar⸗ zustellen. l

Er bezeichnete den Zeugen Michel kurzerhand als Stänker, sprach von Michel mit seinemKlüngel, wo⸗ runter er, wie er auf Befragen zugestand, einige republika nische Lehrer der Oberrealschule verstand. Diese Bezeichnung wurde ihm von dem Vorsitzenden kräftig verwiesen, der überhaupt mehrfach die stark ins Persönliche gehenden und unsachlichen Bekundungen des Zeugen tadelte. Einen größeren Raum nahm die Vernehmung über die von dem Zeugen bei der Rathenaufeier gehaltene Rede ein. Als der Vorsitzende ihm die Inhaltlosigkeit dieser Rede vorhielt, entschuldigte der Zeuge dies damit, daß er erklärte, er sei gänzlich unpolitisch, er habe von Rathenau nicht mehr ge⸗ wußt, als er in seiner Zeitung, dem Gießener Anzeiger, gelesen habe; bei einem Kundigen sich Belehrung zu holen, habe er keine Zeit gehabt. Als der Vorsitzende bemerkte, daß die Sache doch auch eine mensch⸗ liche Seite habe, wußte der Zeuge nichts zu erwidern. Im Laufe weiterer Vorhaltungen hob der Vorsitzende noch her⸗ vor, daß Rathenau doch schon vor seiner Ministertätigkeit einen literarischen Ruf besessen habe und seit Genua eine internationale Berühmtheit gewesen sei. Er(der Vorsitzende) habe seine sämtlichen Schriften gelesen. Er sei einmal in einer Sommerfrische mit einem Schweizer zusammenge⸗ troffen, der sehr auf Rathenau geschimpft habe; er habe ihm darauf eine Rathenau'sche Schrift in die Hand gegeben und dann habe der Schweizer anderen Tages gesagt, er nähme alles zurück und zweifle nun nicht mehr an den edlen Eigen⸗ schaften dieses Deutschen. Der Zeuge Schnell erklärte weiter noch, daß er seine Rathenaurede deshalb so farblos gehalten habe, weil er weder links noch rechts bei Lehrern und Schülern habe anstoßen wollen.

Welchen Eindruck der Gerichtshof aus dem Auftreten des Zeugen gewonnen hatte, geht aus einer Bemerkung des Vorsitzenden hervor. Als nämlich der Zeuge nachher mitten in der weitergehenden Verhandlung sich mit dem Verteidiger des Angeklagten in Verbindung setzen wollte, verwies ihm das der Vorsitzende mit den Worten:Sie scheinen sich hier so wenig zurecht zu finden wie sonst. i

Die Vernehmung des Zeugen förderte aber noch ein sehr wichtiges Eingeständnis zutage: er gab zu, daß er über seinen Fall mehrere Artikel geschrieben und sie je einem Vertrauensmann der beiden Rechtsparteien gegeben habe. Dadurch war schon so gut wie erwiesen, daß die unter Anklage stehenden Artikel der Hessischen Landeszeitung auf die Schnell schen Artikel als Quelle zurückzuführen waren. Das Bildungs⸗ amt hatte diesen Tatbestand auch schon vorher aus der Ueber⸗ einstimmung gewisser Wendungen in den Artikeln und dem Untersuchungsprotokoll Schnells erschlossen. Der Zeuge be⸗ stritt nur, daß seine Arbeiten formal beleidigende Ausdrücke (Denuziant usw.) enthalten hätten. Als der eigent⸗ liche Angeklagte hatte sich also der Direktor i. R. Schnell entpuppt; in diesem Sinne konnte er alsEntlastungszeuge gelten. 9

Von weiteren Entlastungszeugen wurden nur noch die Studienräte Zilch und Kraus vernommen, deren Aus⸗

r

4

Gießener Plauderei. Gegensätze. 1.

Es ist Urväter⸗Binsenweisheit. Die Welt bewegt sich in Gegen⸗ Sommer und Winter, Tag und Nacht, wie

Warum sollte da unsere liebe kleine Gießener Welt eine, Aus⸗ nahme machen? Auch bei uns gab's und gibts Gegensätze. Beinah hitzsrei, jubelte die Jugend. Beinah kältefrei, wünschen die Lehrer. Denn wer könnte es eigentlich bei 68 Grad Außenwärme im un⸗ geheizten Schulzimmer aushalten? Indessen, wir haben nicht unsere Ferien sparend verfeuern. Und außerdem, sagen die Wärme von etlichen 50 Kindern! Das 15 5 gerede. Man friert nicht mehr. Es ist nur gut, daß die Kaffeebröter (Walzkafseel) nicht mehr so dick mit Latwerge(oberhessisch: Kwetsche⸗ Hoink! sein⸗ und norddeutsch: Pflaumemnus geschmiert werden, wie in den Zeiten unseres Frankfurter Paulskirchenabgeordneten Karl Vogt. Lies darüber nach, nicht in seinen gesamten Parlaments⸗ reden, sondern in seinen Gießener Jugenderinnerungen! Wonach es in den damaligen Schulzimmern noch weit muffiger ausgesehen haben muß, als heutzutage. Ausgesehen! Gewiß, ein falsches Bild, gerade dem wirklich funktionierenden der fünf Sinne nicht enklehnt. Aber man braucht auch seine Nase nicht in alles hineinzustecken. Das werden, für die Nase. Und in der üblichen wenn nicht viertelstündlich ge⸗

verlängert, um sie im Mai zu Außenstehenden, die animalische

Schulzimmerluft kann man wirklich,

lüftet wird, was sich von silost verbietet, wenn es draußen noch kälter

kalt ist, zum rote i weil nicht mehr geheizt wird, da die Kohlen für den nächsten Winter ge⸗ 1 5 er Leser, schöpfe Atem! Die Luft dieses Satz⸗ gefüges wird so dick, wie die in besagten Schulzimmern. die man sehen und schneiden kann. Volkshygiene! Also: Schulzimmer, 50 Buben oder Mädchen, zuene Fenster(vergleiche Homberger), sind wir deutlich genug geworden? Wie sehnt man sich bei dtesen nasen⸗ ribmpfenden Empfindungen nach Gottes freier Natur, wo die linden Lüfte wehen, wohlgemerkt wohlriechende, etwa an die Lahn, wo ja gerade eben in diesen herrlichen Maitzgen der e seine gesundheitlichen Einrichtungen in empfehlende Erinnerung Zeitgemäß. 8 5 Uebrigens, was dem einen seine Eule, ist dem andern seine Nachtigall. Die Stachelbeersträucherbesitzer haben jeden⸗ falls den nassen Malkälterückfall A Ja 1 1 51 mehr. ö i kein mehr.. mehr. Allerdings meist auch kei. e 1 Aber nur nicht verzweifeln! Keine Illusionen, 15 ö Den Tatsachen fest ins Auge unökonomisch sind. Die dies⸗ Da hilft kein Hund vor. Das

ist wie drinnen, wo es schon

wie in einer Regierumgskundgebung! sehen, wenn sie auch antinational und Jährigen Stachelbeeren sind gegessen. il ie g

Ja, das schlechte Wetter! Es regnet sogar Beleidigungsklag n. Auch diese Luft ist fabelhaft dick. Man wird ganz verschnupft und wagt kaum zu atmen. Aber der Verfasser derBilder aus Alt⸗ Gießen hat schon recht: Ein Zeitungsredakteur ohne Belecdigungs⸗ klagen ist ein Hund ohne Flöhe. Oder so ähnlich, aus dem Gedächt⸗ mis zitiert. Wenn auch der lokalkundige, gelehrte und humorvolle Plauderer(unser Konkurrent!) vielleicht mit seiner Erklärung des echten GießenerSchlammbeißers danebenhaut. Zoologie? Fisch? Nein: Mineralogie! Metall! Wer mit einemEisen den Schlamm wegkratzt, den es auch heute wohl zu Zeiten in Gießen noch geben mag, der gehört zu dieser durchaus nicht verächtlichen, sondern im Gegenteil sehr nützlichen Zunft unserer Volksgenossen. Das ist eben ein weiterer Gegensatz in unserer Universitätsstadt:Schlammeiser oder Kulörstudent. Da dürfte sich gleich die Doktorfrage aufwerfen: Wer ist wertvoller? Genauer gesagt: Wer tut wertvollere Arbeit? Der, der den Seltersweg durchbummelt, oder der, der ihn reine hält? Jedenfalls mitbeißen hat unser, ich schreibe absichtlich korrekt,Schlammeiser nichts zu tun. Bei Schlammbeißers gibt es selbst in der heutigen Zeit der tarifmäßigen Papiergeldempfänger für gewöhnlich wenig zu beißen. Also, das b scheint nur des Wohl⸗ lauts halber eingeschoben. Wie etwa das vorgeschobene M in Marsch und Aehnliches. Man nennt das soviel wir wissen, Eupho⸗ nien oder Euphemismen der Sprache, deren tieferer Sinn sich nur dem Sprachforscher entschleiert. Um verständlicher zu reden: so wie die Dame der Hautvolée(bitte nicht zu volkstümlich zu lesen: Haut voll Flöh') Parfüm gebraucht(sonst wäre Persisches Insekten⸗ pulver am Platze), oder, um ganz verständlich zu werden: wie jene von Homberger geschilderte, Altgießener Winkelreinigungskommission bei ihrer nützlichen Hantierung(ir Alten haben sie noch ge⸗ rochen, wir sprechen schaudernd aus Selbstanschauung unseres Riech⸗ organs) wie man mit einem mitwandeluden Oefchen ein überduften⸗ des Wachholderfeuerchen mzuzünden behördlich gehalten war. Sonst wäre es selbst für Gießener Nasen nicht gegangen, die doch was gewöhnt sind. Denn Gießen ist auf einen Sumpf gebaut. Um aber auf besagte Schlammeiser zurückzukommen, so könnte, wir räumen es ein, das scheinbar überflüssige b auch mders erklärt werden. Hieß es nicht vielleicht im älteren Deutsch Schlammel statt Schlamm? Bei Luther finden wir noch, wenn wir nicht irren. Gewürmb statt Gewürm. Schlammb: woher dann auch Schlampampe loder ver⸗ kürzt: Schlampe) käme. Wer kennte nicht eine Schlampampe in seinem weiblichen Bekanntenkreis? oder gar in seiner Freundschaft oder Verwandtschaft wenn nicht, o weh, in seinem eigenen Hause? Doch wir wollen keine Gießener Schlampampe beleidigen. Wir fürchten uns vor Beleidigungsprozessen. Unser Bedarf ist gedeckt. Wir revo⸗ zieren de⸗ und wehmütig alle Beleidigungen gegen das Mainwetter, gegen alle Schlammbeißer oder Schlammeiser oder Studenten Gießens, selbst solche, die wir gegen unsere Absicht verbrochen haben sollten. Die Juristen haben ein entsetzliches Ungetüm im Hinter⸗ grunde, einen Höllenhund, den sie ahnungslosen Beleidigern an die

Beine hetzen. Er trägt den unübersehbaren und für den gewöhn⸗ lichen Setrblichen, den sogenannten Laien unbegreiflichen

lateinischen Namen: Dolus eventualis(schlimmer, als Nero). Wir

widerrufen insbesondere alle etwaigen, aus unseren Harmlosigkeiten herauslesbaren Verunglimpfungen aller Schlampampen Alt⸗ und Jung⸗Gießens. Wir haben's nicht bös gemeint. Wir stellen einen letzten Gegensatz fest: alle Schlampampen einerseits, alle schmucken und sauberen Mädchen und Frauen unseres in der Neuzeit gar 1 gewordenen Heimatstädtchens andererseits. Hoch sollen sie eben!

Ausgrabung der Stadt Abrahams.

Während noch immer neue wichtige Funde aus den jülngst auf⸗ gedeckten Pharaonengräbern ans Tageslicht gefördert werden, ist in Mesopotamien eine neue, zeitlich noch weiter zurückreichende Ent⸗ deckung gelungen: die Erforschung derStadt Abrahams, des Ur der Chaldäer. Die Ausgrabungen werden vom Philadelpchia University Muscum und dem British Museum gemeinsam unternommen. Ur war vor 6000 Jahren eine Großstadt von hoher Kultur. Noch heute bann man hier, wie ein Besucher berichtet, die verschlammten Kanäle erkennen, die sich in weiten Linien am Horizont hinziehen. Dennoch war der Name von Ur, der Stadt der Chaldäer, dircch fast 3000 Jahre. völlig vergessen, abgesehen von der Erwähnung im Alten Testament. Damn aber kam aus dem in Trümmern liegenden Palast von Assur banipal in Assyrien und aus dem verschütteten Archiv von Nippun jene seltsame Bibliothek von Tontaseln zutage, die von der einstmali⸗ gen Größe Urs als des Heiligtums des Mondgottes Kunde gibt. Nun haben die Ausgrabungen jener ältesten Bibliothek der Welt begonnen. die die frühesten Originalwerke über Geschichte, Religion, Kunst, Rechtswissenschaft und die Berichte von dem Leben und Wirken der Menschen vor 5000 Jahren oder noch weiter zurück in sich birgt. Man verspricht sich von den Ausgrabungen ein ganz neues Bild der An⸗ fänge jener religiösen Bewegung, die den Boden für das Christentum vorbereitet hat. Seit mehr als 2500 Jahren, seitdem die persischen Horden eines Darius das Land überschwemmt hatten, war Ur völlig verödet. Nachdem Abraham Ur verlassen hatte, brach eine lange Zeit des Niederganges über die Stadt herein. Nach rer Eroberung haben die Sieger über den zerstörten Gebäuden der Stadt ein neues

Pflaster gelegt und darunter auch die Archive vergraben. Aber diese

Tontafeln künden uns heute die intimsten Züge aus dem Leben der Könige, der Heerführer, der Kaufleute, der Freien und der Sklaven. Man hat Urkunden in Form jener Tontafeln gefunden. die zeigen, daß rechtsgültige Kontrakte, Hetratskontrakte, wie Urkunden über Käufe und Pachtungen, von sechs Personen bezeugt werden mußten. Unter den bis jetzt geförderten Funden befinden sich diinne Plättchen von Gold, die, wie die Aufzeichnnumgen besagen, auf die Lipnen der Toten gelegt wurden; ferner eine Kleiderpuppe in ein Schaffell ge⸗ hüllt, aus einer grünen Steinart; steinerne Aexte und Beile die als Embleme des tätigen Fleißes am Altar des Moudgottes wiedergelegt wurden, und das Bruchstück einer Alabasterkugel mit dem Oimmels⸗ kreis. Die starken Mauern der Stadt finden von der Machtstellinmg diefer frühen Nation, während die ans Licht geförderten Srülphrren