Ausgabe 
18.5.1923
 
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diese Rolle eines Vermittlers geeignet ist.

Haus fuchung im Gewerkschaftsburealt. In Duisburg haben die Franzosen im Bureau der Ge werkschaft deutscher Eisenbahner eine Haussuchung abge⸗

halten. In Essen sind Mittwoch morgen die Eisenbahn⸗ betriebs- und Verkehrsämter von den Franzosen besetzt

Der englisch⸗ru sische Kouflitt.

Die Konfliktgefahr zwischen Rußland und Englan cheint dur die Verhandlungen Lord Curzons mit Krassin aansig 8 Das zehntägige Ultimatum ist z. B. zeitweisesuspendiert worden so daß eine volle Aussprache zwischen Rußland und England wei⸗ terhin ermöglicht ist. Krassin hat Pressevertretern gegenüber der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß es möglich sein wird, das Han⸗ delsabkommen zwischen England und Rußland aufrechtzuerhalten. Wenn man in England russisches Getreide und russisches Holz nicht wolle, so würden es Deutschland und andere Länder nehmen. Weder Rußland, noch die Sowjet⸗Regierung würde ohne den englischen Handel zugrunde gehen. Die Vorwürfe, daß die russische Propa⸗ ganda in Asten England feindlich set, bezeichnet Krassin als unbe⸗ gründet. Er erklärte die russische Propaganda für ausschließlich national und wenn sie sich gegen andere Staaten wende, so beruhe dies auf wirtschaftlichen und politischen Gegensätzen.

Uebrigens versucht Frankreich gegenwärtig in dem Konflikt eine vermittelnde Rolle zu spielen. Das geht insbesondere aus dem Pariser Temps hervor, der am Mittwoch bereits den dritten Artikel mit guten Ratschlägen für England veröffentlicht. Nach der Auffassung dieses Blattes, die sicherlich der Meinung des fran⸗ zösischen Minister⸗Präsidenten entspricht, ist der Streit zwischen Groß⸗Britannien und, Rußland nur durch Vermittlung eines Dritten zu regeln. Wer soll dieser Dritte sein? Natürlich Frank⸗ reich, das durch seineAllianz mit Polen und durch seine enge Freundschaft mit den Staaten der kleinen Entente am besten für

worden.

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ö Wer ist Heinz?

g Wie wir gestern melden konnten, ist man in Elberfeld der weit⸗ verzweigten Geheimbunde auf die Spur gekommen, von der einzelne Helfecshelfer in Düsseldorf zu harten Strafen verurteilt wurden. Das Haupt der Bande warHeinz, der jetzt verhaftet sein soll und von dem die Welt am Montag folgende Feststellungen macht:

Im Frühjahr 1921 zog der ehemalige Leuknant Hauen⸗ stein aus Breslau, der sich das PfeudonymHeinz zulegte, mit einem selbstformierten Sturmbataillon von 800 Mann nach Ober⸗ schlesien. Auch die jetzt in Düsseldorf verurteilten Sadowski, Werner, Becker und Zimmermann gehörten zu seiner Abteilung. Schlageter, der Hauptbeschuldigte, war Leutnant und Kompagnieführer im Sturm⸗ bataillon Heinz. Nach den oberschlesischen Unruhen brachte Schlageter seine Leute auf schlesischen Gütern in den bekannten Arbeitsgemein⸗ schaften unter. Er selbst lebte bis zum Herbst 1922 in Berlin, wo er seinen ehemaligen Freikorpsführer Hauenstein alias Heinz wieder traf. Heinz eröffnete ihm, daß er sein Sturmbataillonzu ander⸗ weitiger Verwendung wieder formieren wolle. Es kam zur Be⸗ setzung des Ruhrgebiets. Heinz, der dreißig seiner früheren Leute wieder zusammengezogen hatte, schlug sein Hauptquartier im unbe⸗ setzten Elberfeld auf. Sadomski und Schlageter begaben sich nach Essen. Schlageter übernahm das Kommando der Gruppe, während Heinz mit seinen beiden Hebjutanten König und Krause in Elberfeld blieb. In den ersten Märztagen, so berichtet der Gewährsmann der Welt am Montag weiter, schlug Schlageter seinem Führer die Spreng⸗ ung der Eisenbahnbrücke bei Düsseldorf⸗Kalkum vor. Dreißig Kilo⸗ gramm Dynamit waren nach Essen geschafft worden. Schlageter, Krause, König und mehrere Beobachter begaben sich zur Brücke; Schlageter brachte die Ladung an, König setzte die Zündung in Gang. Der Eisenbahnkörper flog auf, die Ladung war jedoch für die Brücke unzureichend; sie erlitt immerhin ernste Beschädigungen. Die Täter blieben unerkannt, der Landrat und der Bürgermeister der nächst⸗ liegenden Ortschaft Kaiserswerth wurden als Geiseln verhaftet Es folgte die Sprengung des Eisenbahnkörpers zwischen Essen und Wer⸗ den. Die Besatzungsbehörde legte der Stadt Essen eine Millionen⸗ kontribution auf. Ein Tunnel zwischen Kettwig und Hösel auf der Slrecke von Essen nach Diisseldorf zog die Essener Gruppe besonders an. Eine Bombe wurde auf einen vorbeifahrenden Zug Essen⸗Paris geschleudert, richtete jedoch keinen großen Schaden an.

Aus der Aussage des Angeklagten Werner wird in der gleichen Veröffentlichung noch folgendes hervorgehoben:

Werner war bei Heinz in Elberfeld um Einstellung vorstellig geworden. Er hatte Heinz vor der Besetzung des Ruhrgebiets in Berlin in Wannsee bei einem Ball der Roßbachleute wiedergesehen. Heinz der damals übrigens stark betrunken war, erklärte ihm, in allernächster Zeit Beschäftigung für ihn zu haben. Im Februar ging dann Werner nach Elberfeld, wo ihm Heinz eröffnete, daß er, Werner, für einen Tagessold von 18 000 Mark nunmehr den Kuxrierdienst zwischen Elberfeld und Berlin aufrecht zu erhalten habe. Von diesem Zeitpunkt an überbrachte Werner nach seiner Erzählung regelmäßig versiegelte Briefe nach Berlin zur Uebergebe an die Reichstags⸗Ab⸗ geordneten Wulle und v. Graefe, Führer der Deutsch⸗Völkischen Freiheitspartei. Cbenso regelmäßig gingen Briefe und Berschte nach Berlin⸗Wamnsee an Oberleutnant Roßbach und dessen militärischen Abteflungschef Eberhardt, ja nach der Verhaftung Roßbachs über⸗ brachte Werner dessen Gattin noch Berichte aus Elberfeld.

Wulle und Graefe wollen heute natürlich all die Leute nicht kennen, so erklären sie wenigstens.

Hessischer Landtag.

Darmstadt, 16. Mai.

Die heutige Landtagssitzung, die Präsident Adelung 9.20 Uhr er⸗ öffnete, stand ganz im Zeichen der

Debatte über die Schulkapitel.

Als erster sprach Abg. Kaul(Soz.), der die gestrige Rede des Abg. Schian als Trauerrede bezeichnete und die Vorwürfe gegen den Direktor Schnell in Gießen aufrecht erhielt. Redner sprach dann über den Fall des Schuldirektors Hensing⸗Offenbach dem er rechts⸗ radikale Leitung der Schule zum Vorwurf machte. Die gegenwärtige politische Lage habe geradezu verzweifelte Aehnlichkeit mit der Lage am Kriegsende.

Wenn sich unser Schicksal zum Schlechten wende, dann trage die Schuld

jene politische Richtung. die den heroischen passiven Widerstand an

Rhein und Ruhr in den aktiven Widerstand der Gewalt überführen N wolle.

Deshalb müsse man sich bei der Jugenderziehung vorsehen, denn die Jugend dürfe nicht in der Idee der Gewalt erzogen werden. Der Staat müsse ein wachsames Auge dafür haben, ob der Unterricht in republikanischem Geiste erteilt werde. Nach Verneinung der Not⸗ wendigkeit der höheren Bürgerschulen wandte sich der Redner den schulrformerischen Vorschlägen der Sozialdemokratie zu und ent⸗ wickelte den Ruf bau der Deutschen Oberschule. Eine soziale Staffelung des Schulgeldes sei erforderlich. Hessen müsse auf dem Gebiete des Schulwesens bahnbrechend wirken. Ange⸗ sichts der großen Not sei der Gedanke einer Schulsteuer gerecht⸗ fertigt. Er dankte dem Landesamt für das Bildungswesen für seine Tätigkeit und trat für Volkshochschile und die Arheiterakademie in Frankfurt ein. Auf dem 1 115 Landesamts für das Bildungs⸗ wesen sei das Sparen nicht am Platze..

40g. 0 mann. Alge(Itr.) entwickelte die Schulforderungen seiner Partelfteunde und zeigte dann an Hand von Statistiken, daß

0 in den letzten Jahren in Hessen die höheren Schulen weit besser von

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vereine aller Art

Rindern ats Arbeiterkressen besfucht werden, als dies frscher der Fall

war. Der Vorredner habe nicht die Einheitsschüle gefordert, wie sie seither von der Sozialdemokralse immer gefordert worden sel, sondern nur ein einheitliches Schulsustem, und das wünsche das Zentrum auch. Die Höheren Bürgerschulen dürften nicht aufgelöst werden. Ohne Erziehungsarbeit in der Familie müsse jede Erziehungsarbeit

in der Schule erfolglos bleiben.

Nach der Pause sprach Frau Roth(Komm.), die sich 399 mit dem Fall Hensing befaßte und nachzuweisen versuchte, daß heute noch in der Republik in Schalen nationalistische und monarchistische Propaganda getrieben werde. Heute sei die Volksschule zur Armen⸗ schule herabgesunken. Die republikantsche Bevölkerung werde es sich nicht gefallen lassen, daß in den Schulen ein reaktionärer Geist herrsche, sondern die Kinder im Notfalle so lange aus der Schule lassen, bis deralte Schund aus der Schule verschwunden sei.

Abg. Dingeldey(D. Vp.) trat für die Simultanschule ein,

die eine simultane, auf dem Boden der christlichen Weltauschauung

basierende Schule sein müsse. Eine klare sachliche Gliederung des Landesbildungsamtes sei notwendig und zwar msisse es in eine Ab⸗ teflung für reine Schulangelegenheiten und eine Abteilung zur Bear⸗ beitung der übrigen Volksbildungsgufgaben geteilt werden. Staatsbürgerlicher Unterricht dürfe nicht nach parteipolitischen Ge⸗ sichtspunkten erteilt werden. Bedauerlicherweise sei die Landes⸗ Fan. verschwunden, doch hoffe er auf baldigen vollwertigen satz. Für den Bauernbund beantragte Abg. Laufer Ausfall des Fortbildungsschulunterrichts während des Som⸗ mers auf dem Lande. Vertedigt wurde der Antrag von seinem Fraktionskollegen Glaser, der über Arbeitermangel auf dem Lande, trotz übertariflicher Bezahlung klagte. Nachdem noch Abg. Nuß(Ztr.) zur Frage der Besetzung von Lehrerstellen gesprochen hatte, vertagte sich das Haus auf nachmittags 3 Uhr.

Die Nachmittagssitzung des Hessischen Landtags brachte persönlicher Z. Nat)

im wesentlichen nur Schulangelegenheiten mehr Natur. In langer Rede polemisterte Abg. Kindt(7 gegen das Landesamt für das Bildungswesen und verschiedene Maßnahmen des Landesamts. so die Versetzung einiger Lehrer, wobei der Redner die Ansicht vertrat, daß die Art ihrer politischen Gesinnung bezw. Betätiaung außerhalb der Schule das Landes⸗

amt zum Einschreiten veranlaßt habe. In längeren Ausführungen

kritisterte auch der Aba. die Berufung des Freiburger Professors Kantorowies zur Abhaltung eines Kursus nach Darmstadt und warf dem Professor antideutsche Betätigung vor..

Ministerialdirektor Urstadt verteidigte die verschiedenen Maßnahmen des Amts und belegte eingehend seine Haltung in der Frage der Maßregelung von Lehrern. Den Professor Kantoxowics nahm er gegen die Angrisse des Abg. Kindt in Schutz. Fehler könnten jedermann unterlaufen.

Zum Schlusse sprach noch Abg. Reiber(Dem.) ausführlich zu den Schulkapiteln. Erheblsche Fortschritte habe die Schul⸗ reform im letzten Jahre in Hessen nicht gemacht. Auch auf dem Gebiet der Reichs schalgesezgedung sei Stillssand eingetreten und in Bayern heresche auf dem Gebiet der Schule ausgesprochene Reaktion, während auch in Preußen nicht alles in fortschrittlichem Geiste weitergehe. Dann sprach Redner eingehend über die wirt⸗ schaftliche Lage der Lehrerschaft und seine Haltung zur Frage der Einheits⸗ und Aufbauschule, der die Berechtigung zur Erteilung des Zeugnisses zum Hochschulstudium erteflt werden müsse. Nach⸗ dem er noch, Wat ere Fragen des Schulwesens und der Volks⸗ bildung behandelt batte wurde die Sitzung aufgehoben.

Nächste Sitzung Donnerstag vormittag 9 Uhr.

Gießen und Umgebung.

Zur Nationalversammlungs⸗Gedenkjeier in Frankfurt die heute stattfindet, sind umfassende Vorbereitungen ge⸗ troffen. Nach dem offiziellen Festakt in der Paulskirche wird in der vierten Nachmitkagsstunde auf dem Römerberg eine allgemeine Gedenkfeier für die erste deutsche National⸗ versammlung abgehalten. Die beiden Zugänge zu dem prächtigen Platz der an sich schon ein Wunderwerk deutscher Städtebaukunst ist, werden nach der Braubachstraße und dem Fahrtor, zu durch Guirlanden abgegrenzt werden, so daß der Platz an Geschlossenheit noch gewinnen dürfte. Zwei riesige Flaggenmasten von 14 Meter Höhe sollen die Römerfassade flankieren. An jedem Mast wird eine zehn Meter lange schwarzrotgoldene Fahne flattern. In der Mitte des Platzes soll, wenn der Reichstagspräsident den Balkon des Römers zu seiner Ansprache betritt, eine alte schwarzrotgoldene Fahne mit breitem altem Goldton(aus dem Besitz des Frankfurter Historischen Museums) gehißt werden. Von der Nikolaikirche wird ein Bläserchor ertönen, von den Dächern und Fenstern der Häauser am Römerberg werden Fahnen und Guirlanden den festlichen Charakter des Ganzen verstärken. Ein großer schwarzer Adler auf goldenem Felde von Guirlanden und Blumen umgeben, be⸗ zeichnet über dem Balkon des Römers den Platz für den Redner. Auf dem Römerberg werden Turn⸗ und Sport⸗ nach bestimmten symmetrischen Anord nungen Aufstellung nehmen. Um diese Gruppen herum müssen sich die Zuhörer sammeln. Ein Chorgesang von etwa 3000 Sängern leitet die Feier ein und beschließt sie.

Gerechtigkeit.

In den Artikeln, in denen wir das Urteil des Gießener Schöffengerichts gegen unseren Redakteur besprachen, haben wir betont, daß in jedem geordneten Staatswesen unbedingt Gerechligkeit herrschen muß. Die Justiz muß ihres Amtes walten ohne Rücksicht auf die Person, die vor ihr steht, wie es ja schon die Binde vor den Augen der Gerechtigkeits⸗ göttin andeutet. Selbstverständlich: ein Fall liegt nicht wie der andere und es ist klar, daß im Strafprozeß die Strafen für das gleiche Vergehen gegen verschiedene Missetäter ver- schieden ausfallen können. Aber eine gewisse Ueberein⸗ stimmung muß doch herrschen. Ueber die Justiz ist besonders im alten Staat mit Recht viel geklagt worden, das heißt über die sehr unterschiedliche Behandlung der Angeklagten. Bestimmte Fälle aus der großen Zahl derjenigen, in denen man von Klassenjustiz reden kann, wollen wir unter⸗ lassen anzuführen.

Die Gießener Strafkammer hat das Urteil des Schöffen⸗ gerichts, das unseren Redakteur 100 000 Mk. Geldstrafe wegen Beleidigung aufbrummte, bestätigt. Ueber das Ur⸗ teil haben wir uns eingehend gusgesprochen. Unter den Juristen herrscht keineswegs eine Meinung darüber, ob in dem Artikel überhaupt eine Beleidigung enthalten ist.

Dasselbe Gericht aber, in derselben Besetzung, erkannte

Leib trat, daß sie mehrere Tage krank war bergleiche

unseren Strafkammerbericht vom letzten Samstag auf 5000 Mk. Geldstrafe. Am gleichen Tage erhielt von dem⸗ selben Gericht eine Frau aus Münster, die einen Arbeiter, des Diebstahls beschuldigt hatte. eintausend Mark Geldstrafe! Natürlich fällt es uns nicht ein, zu sagen, daß diese Leute zu milde bestraft worden wären. Man braucht aber nur diese Fälle dem unseren gegenüberzustellen und jedermann wird erklären miissen, daß diese Urtefle sehr, sehr verschieden ausgefallen und mit einander nicht in Ein⸗ klang zu bringen sind.

Kleinrentuer⸗Fürsorge.

Mit der Ausführung des Reichsgesetzes über die Kleinrentner⸗

Fürsorge vom 4. Februar ds. Is. werden sich in nächster Zeit west es nicht scton geen ist chlch die Gemeindeverwaltungen und Vertretungen der Landorte zu heschäftigen haben. Auf an uns gerichtete Anfragen teilen wir deshalb kurz das Wesentlichste aus den Bestimmungen des Gesetzes mit, das mit Wirkung vom 1. Februar in Kraft getreten ist.

Das Gesetz verpflichtet die Gemeinden oder an ihrer Stelle Ge⸗ meindeverbände oder Länder zur Gewährung der Fürsorge. Für⸗ sorgeempfänger sind bedürftige, alte oder erwerbsunfähige Personen, die infolge eigener oder fremder Vorsorge ohne die eingetretene Geld⸗ entwertung oder sonstige Kriesfolgen nicht auf die öffentliche Für⸗ sorge angewiesen wären, sofern sie

a) durch Arbeit ihren Lebensunterhalt erworben haben, oder b) eine Tätigkeit in häuslicher Gemeinschaft qusgeübt haben, die üblicherweise ohne Entgelt erfolgt, aber im Falle der Einstel⸗

lung fremder Kräfte vergütet werden müßte, oder 0

e) eine wissenschaftliche, künstlerische oder gemeinnützige Tätigkeit ausgeübt haben, die ihre Acbeitskraft Jahre hindurch wesentlich in Anspruch genommen hat, oder

d) infolge geistiger oder körperlicher Gebrechen ihren Lebensunter⸗ halt durch Arbeit nicht erwerben konnten.

Wer ohne eigenes Verschulden sich eine solche Versorgung noch nicht gesichert hat, kann gleichbehandelt werden, wenn er sich durch

jahrelange Arbeit eine wfrtschaftliche Stellung errungen hätte, in der

ihm dies ohne Geldentwertung oder ohne sonstige Kriegsfolgen mög⸗

lich gewesen wäre. Art und Umfang der Fürsorge sollen sich der Für⸗ sorge für Sozialrentner angleichen. l

Im übrigen bestimmen sich Art, Umfang und Durchführung der Fürsorge nach Richtlinien, welche die Reichsregterung mit Zu⸗ stimmung des Reichsrats und der Ausschüsse des Reichstags für soziale Augelegenheften und für den Haushalt festsetzt.

Aus den sonskigen Bestimmungen ist noch folgendes zu erwähnen:

Zuständig für die Gewährung der Fürsorge ist die Gemeinde oder der Gemeindeverband des Wohnorts des Kleinrentners.

Gegen die Festsetzung oder Ablehmumg von Fürsorgemaßnahmen ist Beschwerde am die Aufsichtsbehörde zulässig. Diese entscheidet end⸗ gültig.

Das Reich erstattet im Rahmen der ihm durch den Reichshaus⸗ halt zur Verfügung gestellten Mittel den Gemeinden oder Gemeinde⸗ verbänden 80 b. H. der ihnen durch die Fürsorge nach Maßgabe dieses Gesetzes und der Richtlinien entstehenden fachlichen Aufwen⸗ dungen. 5

Eine bestimmte Grenze des Einkommens oder Vermögens, von welcher ab Kleinrentnerfürsorge gewährt werden kann, ist also nicht festgesetzt, es sind hier wie oben bemerkt die für Sozialrentner

geltenden Bestimmungen anzuwenden.

Wer in der Stadt Gießen Kleinrentnerfürsorge in Anspruch nehmen will muß einen diesbezüglichen Antrag im alten Stadthaus, Gartenstraße 2, Zimmer 14 stellen.

Der Heilstättenverein für Hessen hält am Mittwoch, den 23. Mat, vormittags 11 Ubr hier im Hörsagle der Hautklinik seine diesjährige Mitglieder⸗Versammlung ah. Damit ist eine Gedenk⸗ feier anläßlich des zehnjährigen Bestehens der Gießener Lupus⸗ heilstätte verbunden. Prof, Dr. Jesionek wird in einem Vor⸗ trag10 Jahre Lupusheilstätte die Lelstungen und Bedeutung der Anstalt schildern, deren Besichtigung nach Schluß der Ver⸗ handlungen in Nussicht genommen ist. 5

Der Zirkus Straßburger eröffnet, wie im gestrigen Blatte bereits mitgeteilt wurde morgen, Samstag abends Uhr seine Vorstellungen auf Oswaldsgarten. Das hiesige Zelt umfaßt zwei Manegen. Etwa 300 Artisten würken bel den Vorstellungen mit. Auf das reichhaltsge Programm, das im heutigen Blatte ver⸗ öffontlicht wird, sei besonders hingewiesen. An beiden Pflingstfeier⸗ tagen finden Nachmittagsvorstellungen statt.

reis Friedberg⸗Büdingen.

Hakenkreuzler als Feldfrepyler. Am Sonntag morgen wur⸗ den die Laudstedler auf dem Rußlandgelände in Vil hel in aller grüße in Erregung gebracht. Junge Burschen und 2 ge⸗ schmückt mit Habenkreuz und sonstigen antfrepublikanischen Orden, trieben ihr Unwesen auf dem ehemaligen Exerzierplatz. Lieder wieSiegreich wollen wir Frankreich schlagen und dieWacht am Rhein erfüllten die Morgenluft. Doch das ohnebles kaum Erträgliche sollte seinen Höhepunkt exreichen. als einer unserer Genassen auf seinen in der Nähe gelogenen Acker kam und be⸗ merkte, daß ihm ein junger in voller Blüte stehender Baum etwa 20 Zentimeter über der Erde abgeschnitten war. Die Spuren führten in das Krfeaslager dieser Horde. Nach mühevollem Suchen fand er den Stamm des jungen Bäumchens in der Mitte des Lagers aufgepflanzt und an seiner Spitze wehte die Kriegs⸗ flagge. Auf Befragen, wober diese Fahnenstange sei, erklärte der Führer, dafür übernehme er die volle Verantwortung; sie sei aus dem in der Näbe gelegenen Tannenwald. Ein hinzu ge⸗ kommener Flurschütze stellte aber ebenfalls fest, daß es ein Obst⸗ baum sein müsse. Jedoch es wurde geleugnet. Als unser Genosse dann von einer Anzeige sprach erklärte der inzwischen hinzuge⸗ lommene Attentäter, daß ihm nicht viel passieren könne, sein Vater sei selbst Beamter am Gericht, der würde die Sache schon zum Guten führen. Gegen Abend aber kam die Reue. Mit ganzen zehntausend Mark kamen einige dieser Helden und gestanden die Geschichte ein; sie wollten sie auf diese Weise aus der Welt schaffen. Unser Genosse ging natürlich auf dies samose Geschäft nicht ein: die Angelegenheit wird ein ge⸗ richtliches Nachspiel haben, auf dessen Ausgang man gespannt sein darf. Vielleicht findet dieser fungeHeld einen Richter, der ihm, trotztem sein Vater Gerichtsbeamter ist, klar macht, daß man auch als Hakenkreuzler das Eigentum anderer Menschen respektie ren

muß. Kreis Wetzlar.

Eine Parteikundgebung veranstalten die Genossen des 5. Agitationsbezirkes am 1. Pfingstfeiertag bei derDicken Eiche bei Blasbach, ein großes Treffen unserer Partei⸗ und Ge⸗ sinnungsfreunde und deren Familien. In der Einladung des Parteisekretärs Knothe heißt es: Es soll ein Tag der Freude und der inneren Stäblung, ein Tag. an dem das Zusammengehörig⸗ leltsgefühl gepflegt werben soll, sein. Neben dem geschlossenen gemeinsamen Kampf soll uns auch die Geselligkeit zusammenführen. Ein Massenchor der Arbeitergesangvereine des Agitationsbezirks, Darbietungen der Arbeiterfugend, turuerische Aufführungen der Arbeiter-Turn⸗ und Sportvereine sorgen für de notwendige Unter⸗ haltung. Im Mittelpunkt steßt die Festrede. Wir laden hier⸗ mit alle auf dem Boden der sozialistischen Weltanschauung stehen⸗ den Vereine auf's herzlichste ein. Ueber die Art ihrer Mitwirkung wollen sie dem Genossen Geora Hofmann 2. in Rodheim sosort Mitteilung zugehen lasfen. Von unseren Parteivereinen erwarten

gegen einen jungen Landwirt in Stangenrod, der einer Frau im Backhaus eine Ohrfeige versetzte und ihr in den

wir, daß sie geschlossen mit Fahnen und wenn möglich mit Musik erschoinen.