Freinide fert mehere! Fahre die Forde ung vertreken, daß es zit einer Erfassung der Sachwerte 8 kommen soll. Es ist uns immer gesagt worden, der Zeitpunkt dazu wäre gekommen wenn die Endlösung der Reparationsfrage in Sicht sei und eine endgültige Abgrenzung umserer Verpflichtungen getroffen würde. Ich halte es in der gegenwärtigen Situation an der Zeit, daß die Parteien, die diese Auffassung vertrefen, dem In⸗ und Auslande sagen, daß sie bereit sind, guf dlesem Gebiete mitzuwirken, weil ich glaube, daß damit einer der Schritte getan ist, (die uns wirklich etwas vorwärts bringen können. Wir sollten aus eigenem heraus alles tun, was wir können, um zu einer Befriedung der Verhältnisse zu gelangen. Notwendig erscheint mir auch, daß die Regie rung die Initiative zu Verhandlungen mit den Arbeitgeber⸗ und Arbeitnehmerverbänden über die vertragsmäßigen Koks⸗ und ö enlieferumgen ergreift. Wir dürfen diese Sache nicht der In⸗ dustrie Framkreichs und Deutschlands überlassen, sondern müssen auch chier zu konkreten Plänen kommen, wenn wir nicht eines Tages von Diktaten überrascht werden wollen. Wir müssen auch in der Frage der politischen Stcherun⸗ gen konkreter werden, wenn wir die Unterkontrollestellung der Eisen⸗ bahnen im besetzten Gebiet, wie sie von der framzösischen und belgischen Regierung geplant ist, verhindern wollen. Wir dürfen uns nicht, wie in der letzten deutschen Note, darauf beschränken, auf die Rede des Reichskanzlers hinguweisen, in der er über den Rheinpalt sprach. Wir müssen guch hier konkrete Formulierungen geben, die ins⸗ besondere eine Befriedung der Berhälknisse am Mhein bringen sollen. Wenn man Bedenken wegen des Saargebietes hegte, dann hätte man in einem Nebensatz feststellen können, daß ganz selbstver⸗ ständlich das, was im Versailler Vertrag über das Sgargebiet fest⸗ gesetzt ist, nicht von einem solchen Rheinakt berührt wird. Wir sind ums, glaube ich, alle darüber klar, daß das Ziel der Verhandlungen die Räumung der Ruhr in kürzester Frist ie Probe gestellt werden, ob ahme handelt, wie sie in daß es
das sich eben mit den Verhältnissen im Häf at, auch einmal mit der Rheinlandkommission in diesem Falle die englische Ehre noch weit
0 7 0 einen Anteil hat an d Dynamitkiste im besetzten Gebiet herumreisen. Mit solchen Taten ist 55 Theinischen Bevölkerung nicht gedient und sie bringen nur ie Gefahr neuer Bedrohungen für die rheinische Beröl⸗ kerung mit sich. Zum Schluß bleibt noch zu bedauern, daß die deutsche Note nicht in demselben Maße auf die Weltpropaganda eingerichtet gewesen ist wie die belgisch⸗französische. Zum Zwecke der Propa⸗ ga behauptete Herr Poincars, daß ein in Erwägungzieh en der deu schen Note zu moralischer, wirischaftlicher, volitischer und mili⸗ täriscker Revanche Deutschlands führen wird. Wenn man der Re⸗ vanche⸗Idee, die durch den Terrorismus der, französischen Soldaten im besetzten Gebiet gestärkt wird, den Weg verriegeln will, soll man Deutschland endlich als gleichberechtigten Faktor achten und seine Souveränität achten. Als gleichberechtigtes Glied in der euroväischen Völkerfamilie wird das deutsche Polk zur Erhaltung der Republik jedes Opfer bringen das es irgendwie tragen kann. In befriedeten Verhältnissen wird die Zahl der Repancheschreier immer kleiner, aber E Zahl derer immer größer werden, die das deutsche Volk durch Ar⸗ 0 5 dem Jammer herausführen wollen, in den es der Weltkrieg gebracht hat. ‚
In der Debatte erklärt Abg. Leicht(B. Vp.) namens der bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft, daß diese den gegenwärtigen. Augenblick als nicht geeignet betrachtet, zu den auf das deutsche Angebot eingegangenen Antworten im Reichstag Stellung ur
1 en. Die Arbeitsgemeinschaft lehne es daher ab, sich an der r Aussprache zu betefligen. Sie spreche aber die vertrauensvolle Erwartung aus, daß die Reichsregierung den Weg gehen werde, der in dieser wichtigen Entscheidung notwendig sei.
Abg. Hergt(Otn.) erklärt, daß bei allem Wunsche, die ein⸗ mal angeknüpften Fäden nicht endgültig ahveißen zu lassen, man doch zu dem Resultat kommen milsse, daß durch die Antworten der Ententestaaten für die deutsche Regierung keine Möglichkeit zu einer neuen Note gegeben sei. Für uns könne es keine Rhein⸗ a andfrage, keine Frage der Internationalisierung der Rheinlande, aber auch lein Niederlegen der Waffen geben.
Minister des Auswärtigen v. Rosenberg bedauert, im an Augenblick seinen Vorrednern nicht auf dem Gebiet der auswärtigen Politik folgen zu können und teilt mit, daß die
5 degierung mit dem Ernst und der Sorafalt, die der Wichtigkeit des Gegenstandes entsprechen, in die Prüfung der Antwortnoten ein⸗
0
Hamburger Großbanken als Geldgeber. Hamburg, 16. Mai.(Eig. Drahtb.)
Ueber die in Hamburg aufgedeckten Putschabsichten, insbesondere deren Hintermänner, erfahren wir noch folgendes: Die Zentrale der republikfeindlichen Organi⸗ sationen bildet in Hamburg der„Bund der Niederdeutschen“. Leiter ist H. C. Vering, der sich nach eigenen Angaben als„von Escherich beauftragter Organisator der nationalen Bewegung im Norden“ betrachtet. Der erste Geschäfts⸗ führer dieses Bundes, Oberst v. Notz, beschwert sich am 6. 7. 22, daß ein Mitglied des Landbundes die Lüge öffent⸗ lich verbreitet hat,„der niederdeutsche Bund habe sich voll⸗ ständig hinter die Regierung gestellt.“ Herr Vering eignet sich offenbar besonders dazu, Geldquellen zu öffnen. Er machte nicht allein die Hamburger Großbanken und Groß⸗ betriebe mobil, für das Konto„Siedlungsbund“ zu zeichnen, er lockt auch Deutsch⸗Chilenen und anderen Auslandsdeut⸗ schen Edelvaluta aus der Tasche. Mit deutscher Papiermark rechnen die Patrioten nicht mehr; so verpflichteten sich die Hamburger Groß ⸗ banken zu Anfang des Jahres, jede einen Kopfanteil von 222 Dollar zu zeichnen. Der Gener al v. Morgen wollte in Lübeck 1000 Dollar zusammenbringen, aber unter der Bedingung,„daß er allein das Verfügungsrecht über das Geld behalte“. Geschäftstüchtig sind die nationalen Herren überhaupt. So bezieht der General v. Ledebur
einer Sitzung in Kiel
Die Niederdeulschen.
außer seiner 9 noch ein Gehalt ols Gaul außerdem noch in der Veringschen Alstertalter schaft angestellt ist, bekommt er seine bewährte also dreifach bezahlt. Vering verstand es als Geldquellen, die anderen Rechtsverbande al seinen Wagen zu spannen. So finanzierte er 9 deutschen Heimatbund“, und Ennecerus und Kapitänleutnant f 6 Heimatbund“ ist die Fortsetzung der Bahren. freiwilligen, die unter Leitung des Helden Sier f Kapp⸗Putsch das Hamburger Rathaus für dre eroberten. Die ganze Gesellschaft hätte wahrsche 8 lange losgeschlagen, wenn sie untereinander gan ei wesen wäre. Früher bestanden zwei Richtung zu der Vering hineigt und die militarisch durch Graf Schulenburg und Hellfritz vertreten wird, dorff, für den im
Norden General Frhr. p. Sieveking und Ennecerus arbeiten. Generß schreibt
von Ludendorff und Watter, daß putschistische Absichten verfolgen“. Ennecerus am 5. 10. 22 unverhüllt z Am 2. 11. 22 findet dann
Leiter die Majore e Organisation
Ge
initiativputsch“ auf. wehrkasino 5 5 5 Richtungen statt, in der die radikale Richtung W
ter völligen Sieg erringt. 1
Abg. Koenen(Komm.) spricht von der unmittelbar bevor⸗ stehenden Gefahr eines neuen Krieges und erklärt, daß nur eine Arbeiterregierung Hilze bringen könne. 5 Abg. Wulle(Dautschwölk.) schimpft üb r die deutsche Ge⸗ heimdiplomatie, die schlimmer sei als zu Wilhelms Zelten und die ohne das deutsche Volk zu fragen, vollendete Tatsachen schaffe, über Leben und Tod enkscheide und Noten aus hecke, die politischer Selbstmord sind. Die Diplomaten schauten unentwegt mach dem Westen, während es doch möglich wäre, gerade im Osten und Süd⸗ ofben mehr politische Aktivität zu entfalten. 5 Der Antrag der Kommunisten auf Aufhebung des Severing⸗ schen Verbots wird abgelehnt und die drei Haushalte gegen die Shimmen der Kommumisten angenommen: ebenso drei Gesetz⸗ eimwürfe unter denen sich auch der über den Verkehr mit unedlen Metallen, Edelsteinen und Perlen befindet. 5 Das Reichs fiedlungsgesetz, nach dessen Bestinnmun⸗ gen 40 000 Hektar Land zur Ansiedlung von vertriebenen Deut⸗ schen von den Landlieserungsverbänden zur Verfügung gestellt werden follen, wird nach längerer Beratung in 2. und 3. Lesung angenommen und die Vorlage über die Sicherung der Baotversorgung im Wirtschaftsjahr 19234 dem Volks⸗ wirtschaftlichen Ausschuß überwiesen⸗ g Präsident Loebe erhält die Ermächtigung, Zeitpunkt und TDagebdordunng der nächsten Sitzung selbst zu bestimmen und er⸗ iumert in kurzer Ansprache die vom Hause stehend angehört wird, an die 75jährige Wiederkehr des Tages, an dem in der Frankfurter Paulskirche das erste Parlament Deu schlands zusammentrat. Der Stadt Frankfurt und 185 15 versammelten Männern sendet der Reichstag solida rische rliße.
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Politische Uebersicht. Sie Gäste des Reichskanzlers.
Herr Cuno hat wirklich keine guten Tage. Zu all seinen Regierungssorgen bereitet ihm jetzt der deutsch⸗ völkische Abgeordnete Wulle auch noch den Schmerz, seine durch den Minister des Innern abgegebene Erklärung über den Empfang Roßbachs und v. Graefes als un wahr zu bezeichnen. Das muß ausgerechnet dem„ehrbaren Kauf⸗ mann“ passieren. In seinem Deutschen Tageblatt sagt Wulle, es sei nicht wahr. daß der Kanzler über Roßbach nicht informiert war, als er ihn empfing und daß Herr Euno Herrn v. Graefe vor Unbesonnenheiten gewarnt habe. Richtig sei vielmehr„daß Herr Cuno über die Bedeutung des Herrn Roßbach und über Ziel und Zweck der von ihm
777FFFCCCC0 ĩ— 8 5 1 1 85 geleiteten Jugendorganisation durch eine politishe
lichkeit genau unterrichtet worden ist infolge dieser Unterrichtung Herrn Roßbach hat“. Die angeblichen„Warnungen“ des
an Graefe sehen nach Wulle folgendermaßen aus: hat in verschiedenen Besprechungen Herrn Cune druck gebracht,„daß es lediglich das Verdienst schaft der Freiheitspartei gewesen sei, wenn Jugend, die durch die amtlichen Quälereien biz gereizt worden sei, sich von Unbesonnenheiten bi gehalten habe. Herr Cuno hat nicht verfeh völkischen Führer dafür seinen Dank sprechen.“ 1 Diese„Feststellungen“ einen tiefen Blick hinter die kanzler Dr. Cuno in seiner völligen Es scheint, daß sich in der nächsten kanzlers informatorische Kräfte befinden, die bestrebt sind, das Ansehen der Reichsregierun
So behauptet sich z. B. hartnäckig das Gerüch Privatsekretär des Herrn Cuno Vorsitzender el nalionalen Wahlvereins in Berlin ist und daß allernächsten Umgebung ein Attachee arbeitet, der sogenannten„nationalen Klub“ angehört.
nale“ Freiherr soll auch den Empfang des&
und anderer Vandenführer vermittelt haben. bedingt notwendig, daß sich der Reschskanzler seiner Ehre zu den Anschuldigungen des Wulle äußert. Was soll das Inland, vor all e das Ausland, von einem Reichskanzler halten, dar sich spruchslos der Unwaßhrheit beschuldigen lä O fürchtet Herr Cuno, daß Wulle seine Drohung e und über das Verhältnis zwischen Reiche illegalen Vanden weiter ausplaudert, wenn er auf schuldigungen reagiert?
des Abgeordneten Wille g Kulissen und zeigen den politischen Pilflost
1
7 5 sei.
Der Deserteur.
Roman von Robert Buchanan.
Einige Tage später wollte der alte Haudegen aus⸗ gehen, aber Marcelle, die sehr blaß war und verweinte Augen hatte, hielt ihn zurück. „Krähenseele, was ist denn los? Weshalb soll ich denn nicht in die Barbierstube gehen. um die neuesten Nachrichten zu hören?“ Marcelle schwieg und sah flehend zu ihrer Mutter und Gildas hinüber, die ebenfalls sehr verlegen dreinblickten. Endlich faßte sich die Witwe ein Herz und sagte:„Es sind schlechte Nachrichten eingetroffen und es wäre daher besser, wenn Du heute zu Hause bliebest, Schwager!“ Marcelle hatte mittlerweile die Haustüre geschlossen; trotzdem drangen Hochrufe und Händeklatschen von der Straße herein.
„Was hat das zu bedeuten?“ fragte der Alte, aufhorchend.
„Sprecht und laßt mich nicht in Ungewißheit!“ 5
Gildos brummte etwas Unverständliches und stieß die Witwe an; in diesem Augenblick wiederholten sich die Hoch⸗ rufe in verstärktem Maße und der Korporal begann die Wahrheit zu ahnen. Er erbleichte und wankte. „ch win Dir sagen, was los ist, wenn Du mir ver⸗ prichst, nicht auszugehen,“ rief Marcelle.„Sie prokla⸗ mieren den König!“
Derval starrte, wie vor den Kopf geschlagen, vor sich hin, seine Lippen bewegten sich ohne einen Laut hervorzu⸗ bringen; endlich gab er sich einen Ruck, preßte die Lippen fest aufeinander und schritt entschlossen zur Türe.
„Onkel, geh' nicht fort!“ flehte Marcelle.
5„Halt's Maul, Mädchen, und mach' mich nicht böse! Ich bin kein Kind mehr und will sehen und hören, was los ist. Gott im Himmel, ich glaube, die Welt geht ihrem Unter⸗ gange entgegen.“ Damit riß er die Türe auf und schritt
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Es war ein herrlicher Frühlingsmorgen, das Dorf hatte sich kereits von den Folgen der Ueberschwemmung einiger⸗ maßen erholt und leuchtete wie ein Juwel im Sonnenschein. Die Straße war still und ruhig, nur aus der Ferne hörte man lebhaftes Stimmengemurmel. Die Frauen hatten Gildas beschworen, den Onkel zu begleiten, damit ihm nichts Böses zustoße. In wenigen Augenblicken hatten sie das unterste Dorfende erreicht und waren auf eine lebhaft er⸗ regte Menge gestoßen. Einige vornehm aussehende fremde Herren verteilten weiße Kokarden unter die Männer und weiße Rosetten unter die Mädchen. Der Ruf„Es lebe der Fönig! Es lebe der König!“ erfüllte die Luft.
Ein Edelmann. Sieur Marmont, der Besitzer eines benachbarten Schlosses, ein ältlicher, runzeliger Herr in reicher Kleidung, zog voll Begeisterung sein Schwert aus der Scheide.„Es lebe der König! Es lebe Monsieur Marmont!“ brüllte das Volk begeistert.
Unter der Menge befanden sich manche, die nur als umme Zuschauer an der Komödie teilnahmen und finster dreinblickten— die bonapartistische Minorität.
„Was hat all das zu bedeuten? Zum Teufel, was geht hier vor?“ knurrte Derval, sich mit den Ellbogen einen Weg bahnend.
„Der Kaiser ist tot und es lebe der König!“ schrie eine Jischersfrau.
„Hier, alter Freund, ein kleines Geschenk!“ bemerkte der Schloßherr, eine weiße Kokarde auf die Säbelspitze spießend und sie dem Veteranen mit einer höflichen Ver⸗ beugung reichend.„Der Kaiser lebt, aber er ist entthront, V lebe der König!“
„Nieder mit den Bourbonen!“ brüllte Derval.
Dem Edelmann schoß das Blut ins Gesicht und er blickte zornig auf den Störenfried:„Wer ist dieser Mensch?“
„Korporal Derval!“ schrieen ein Dutzend Stimmen gleichzeitig. Vater Rolland, der neben dem Schloßherrn stand, flüsterte ihm etwas zu, worauf Marmont, verächtlich
auf die Straße.
kindischen Alten!
einige seiner Freunde Nach einem minutenlangen Straßenkampf,
ahne gefährliche Waffen geführt wurde, sah sich von einer kleinen Zahl von Anhängern umigt, die liche Schar aber marschierte, von Marmont gefüh. Lirche hinauf. N 1
Nachdem sich Derval einigermaßen de strengung des Kampfes erholt hatte und wiehen klar konnte, begriff er, was die Anwesenheit Mart onts deuten habe. Er eilte ins Dorf hinab, in Mi Plousts, las die letzten Zeitungen und fand dten Befürchtungen bestätigt. Sein a er schwindelte, das Herz krampfte sich zusamn 10 cübten seine Augen. 1 Mein Kaiser! Mein Herr und Gebie könnte auf der Stelle für Dich sterben!“
lächelnd, sagte:„Verlieren wir unsere Zeit nicht mit diesem
—
zitternden Lippen.(Fort
en Escher
in Hamburg eine gemeinsame Sitzing be
zum!
Umgebung des R
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