Ausgabe 
18.5.1923
 
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ß a0 0 2 de 0 9 1 en e Organ für die Interessen des werktätigen Volkes wou ae len i n 92 Bahnhoffraße 23 5 ö 5 Bahnhoffraße 2 nd 0. . bene an der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. e an we a 5 1 0* md be 15 je Oberh. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Der Anzeigenpreis beträgt für die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren bst* Ser Abonnementspreis mit den BeilagenDas Blatt der Frau undLand⸗ Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Skrohwig. Naum sokgl 60. Mek, auswärts 80 Mt., die Reklamemillimeterzeile debe, u, spirtschaftliche Beilage beträgt monatlich 3300. Mk einschl. Bringerlohn. Verlag von Hermann Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. 800. Mt, Bel größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen iebs eig e 0 i wütete ee Post bezog. 3300. Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 120. Mek Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M. der Rabatt gewährt Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends. 1 Nr. 112 Gießen, Freitag, den 18. Mai 1923 18. Jahrgan macht zen, 8* deisan 1 5 g l N d den Lane 5 f i Umschwung in Bayern? 5 ati iti. f f e Un 9 Die Reparationspolitik der Sozialdemokratie en 8 5 8 0 unde 0 Aus München wird uns geschrieben: 0 neee 5 Windfahnen 1 10 Donau sind eifrig bemühlt, Die Rede Hermann Müllers. 2 ͤ hen. Die bürgerlichen Blätter, abgesehen natür⸗ 0 , derten h 1; 71. 0 11 innerpolitische Motive in der Beantwortung einer Note gelten zu 4 den lich von den gans miesbacherischen, legen eine neue Walze Deutscher Reichstag. lassen, 1105 schwierigsten Fragen der auswärtigen Politik betrifft. wei ein:Gegen die n een in der vaterländischen Berlin, 16. Mai. Ich säge das auch deshalb, weil gerade jetzt wieder Gerüchte im Um⸗ a0, ewegung. Ja, sogar die Stammtische der ehemaligen Der Reichstag erledigte in seiner letzten Sitzung vor den(auf sind, die behaupten, im Reichsverband der deutschen Industrie dienen Einwohnerwehr dieVaterlandischen Bezirksvereine, kün. Pfingstferken zunächst eine Reihe kleiner Vorlagen und trat dann sei große Erregung, weil die Sozialdemokratie die letzten Note der f he digen ihrem rechtsradikalen Führer Zeller das Vertrauen in die Beraung der Etats des Reichspräsidenten, des Reichs⸗ e n e be 1 805 9 305 m1. e und rufen nach dem bei Nationalsoziclisten und Miesbachern auflers und des Auswärtigen Amtes ein. In der vor dem it, mur nich. da gerinaste berannt Der Kortlnt der Note ist un män a 0 öchst unbeliebten E 1 Plenum stattgefundenen Sitzung des Aeltestenrats konnte über erst durch die Presse bekanntgegeben worden. Wir haben den Auf uli ah, bböchst unbeliebten Escherich. 8. die Frage, ob man diese Etatsberatung zum Ausgangspunkt einer bau der Note im einzelnen uichtigekannt und auch nicht gewußt. bung i f 90000 dich Diese erstaunlichen Vorgänge stellen einen Akt dar in großen politischen Debatte machen wollte, keine Einigung erzielt wie wenig konkret einzelne ihrer Teile sind. Gerade zu dieser Frage 00** u dem Kampf zwischen Weißblau und Schwarzweißrot. Als werden, da unsere Genossen darauf bestanden, zu den schwebenden mlissen wir erneut Stellung nehmen. Man kann diesen ganzen 12 17 die Bayerische Volkspartei sich vor etlichen Wochen politischen Fragen Sellung zu nehmen. Als ihr Sprecher erhielt fai aud cher Wag H 9 Wat a 1 0 1 0 : b. deh 25 5. e 5 das Wort rein wirtschaftlicher Beziehung die Verhältnisse der letzten Zeit 1 i. a genötigt sah, geg en die Kreise um Hitler und Ludendorff Abg. Müller⸗Franken(Soz.): besser geworden sind. Der Dollarstand von 43 bis 44000 muß , Nuten 1 vorzugehen, standen ihre Aussichten nicht besonders gut, Es ist schon vier Wochen her, seit wir uns in diesem Hause sclon allein einen starken Antrieb geben, von uns aus alles zu r Sagte weil sie nicht auf volle Billigung in den eigenen Reihen] mit den Fragen der Auswärtigen Politik beschäftigt haben und tun, um eine Lösung dieser Krise zu erleichtern. Ich gebe zu, daß auf Ach rechnen durfte. Da haben ihr nun die Schwarzweißroten das deutsche Volk würde es nicht verstehen, wollte der Reichstag es ungeheuer schwer ist, die deutsche Leistungsfähigkeit- im gegenwär⸗ epi tien won der extremen Richtung selbst geholfen. Seit Monaten jetzt in die Pfingstferjen gehen, ohne sich über das auszusprechen, tigen Augenblick richtig abzuschätzen, aber man darf dabei nicht per⸗ 0 b. h, Mh betreibt Sitle das Spiel, e 2 was in den letzten vier Wochen auf dem Gebiete der auswärtigen; gessen, daß diese Abschätzung nicht nur eine wirtschaftliche Frage, son⸗ 0 bm zu betreibt Hitler das Spiel, für einen bestimmten Tag alle Politik geschehen ist. Es sind eine Reihe von Noten gewechfelt dern auch ein Pol tikum ersten Ranges ist. Ich habe die feste Spreis. I Vorbereitungen für einen Putsch zu treffen und dann nicht worden, aber tatsächlich hat sich zugunsten einer Befriedigung] Ueberzeugung, daß in dem Augenblick, in dem wir wirklich die End⸗ len beben loszuschlagen. Das mag Berechnung sein, oder es mag sich der 99, 155 fete 91 70 8 1 45 1 9 10 ee werden, die Summen für diesen Zweck aus der b gießen zh sso verhalten, daß ihm bisher stets im letzten Moment der[änder ee n e e ee en en ee ee ü eschante wären 23 1 5 7 5. im besetzten Gebiet nicht unbedeutend zugenommen hat. Ich ef 5 f 1 ee 1 Mut abhanden gekommen ist jedenfalls hat dieses wieder- brauche nur zu erinnern an die Urtefle von Manz und Werden. e eee Biesccostlern gebe lee e bene 1 holte Steckenbleiben der Putschaktionen schon öfter zu Aus⸗ Zu dem Krupp⸗Urteil ist zu bemerken, daß wir kein Verständnis die Endl 5 1 5 Kräft 1 1 enge, 10 einandersetzungen in den hakenkreuzlerischen Reihen geführt. für die gehässigen Bemerkungen haben, die in dem urteil insbe⸗ Nur die Endlesung bam alles an Kräften freimachen. 12 ide n n Aber diesmal trieb man die Sache weiter als in allen sonbere gegen Arupn von Boßlen ee ee ae e en eee ee N 1 155 9 21 055 5 man mit solchen Bemerkungen Eindruck zu machen? Wir wissen, Wenn es gilt, das Ruhrgebiet zu befreien und im Rheinland wieder A bundage! früheren Jällen. Es wurde ein richtige Putschgruppe ron daß Krupp ein Exponent der deutschen Industrie ist, aber ihm rechtmäßige Verhällnisse herzustellen, dann ist kein Opfer groß genng, n ein paar tausend Mann zusammengezogen und in kriegs⸗ kann doch schließlich nachgesagt werden, daß er in der Reihe der das nicht ertragen werden kann. a gh mäßiger Ausrüstung mit Artillerie und anderen schweren e ee 1 e Es ist kein Zweifel, daß in bezug auf die Endsumme zwischen der en Ehre Neffen auf dern Exergiervlaß Oberwiesenfeld aufgestellt. in dem neubesesten Gebiet. Die Gerechtigteit gebietet, diese Tak. deallscben und der eneliscen Aufsassung ernte Unfkimmigkeiten deben. 30% Matten! Zettel flatterten durch die Stadt!?Frauen und Kinder von fachen festzustellen.. 10 1 1 ee 919. 15 e a e ee e 1 lere 1 ban] der Straße weg, als ob die Schießerei im nächsten Augen⸗ Will man etwa Eindruck macken auf die Eisenbahner, die fast e cpobe ich die 1 daß 5 ant Beit da klie losgehen sollte. Und dann pafsierte nichts. Nachdem dur Kleichen Jon in Mainz ur den schwersten Strafen verurteitt ntommt nicht so wett auseinandergehen, daß der Aeg

145 die hakenkreuzlerischen Streitkräfte eine ganze Nacht auf dem 2 3004 Oberwieserfeld gestanden hatten, ohne den Freistaat umzu⸗ ac 1 bod l stürzen, rückte Reichswehr und Landespolizei an, damit es sbhelung de he nicht zu Zusammenstößen mit dem Maifeierzug der Arbeiter⸗ 1-12 Uh schaft kommen sollte. Die gegenrevolntionöre Armee ließ int erg sich diese Polizeikontrolle ruhig gefallen, und wenn man lr: bh dem Minister Schweyer glauben darf, so gaben manche sogar ihre Handwaffen ab, um durch die Absperrungslinien nach Hause gehen zu dürfen. Der Witz von der polizeilich ver⸗ botenen Revolution ist übertrumpft: die Münchener Polizei hat die Hitler⸗Revolution gar nicht verboten, aber die Re⸗ volutionäre haben gewartet, bis die Polizei kommen mußte. Gewiß, Herr Hitler mag sich schwer getan haben, die berschiedenenKampfverbände unter einem Hut zu halten, und sicherlich ist ihm ein Teil ausgesprungen. Aber schließ 8e lich hat 1918 Kurt Eisner mit so etwas 20 Mann die Wittels⸗ bacher Monarchie gestürzt, und er hat keine Artillerie und Feine Minenwerfer dazu gebraucht. Und wenn Herr Hitler

gal bloß seine engere Leibgarde und seine nächsten Verbündeten geblieben sind, so müssen das doch wohl so viele Hundert⸗

nder. 18. Ma, dl m übernz dt won der Li le Mitgliche 7

schaften gewesen sein wie bei Eisner Köpfe, von der Kriegs⸗

urg 0 rüstung gar nicht zu reden. Also woran liegt es? Daran,

72 0 daß Hitler kein Eisner ist, oder daran, daß die angeblich so

1 eristierel, Korsche Republik hundertmal fester steht als die taufend⸗ f Jährige Dynastie? 8 5

Ein solche Blamage verträgt keine politische Bewegung.

Von Hitler rücken seine besten Freunde ab, weil sie am

0 Fluch der Lächerlichkeit nicht teilhaben wollen. Dieser Fluch

überträgt sich auf die ganze schwarzweißrote Richtung, die

auf Hitler gehofft hat. Weißblau strahlt im Glanze der

Staatsgesinnung, der staatlichen Ordnungsliebe. Niemand

redet mehr von Fuchs⸗Machhaus, niemand will mehr wissen,

5 wie der Rechtsbolschewismus lange Zeit von der Bayerischen

enen Polkspartei gehegt und gepflegt worden ist solange man

erte. von der rechtsradikalen Stimmung Wahlhilfe gegen die

ese, Sozialdemokratie erhoffte.

dul f Und da sind wir bei dem zweiten Grund für die ver⸗ iustler wan änderte Haltung der in Bayern maßgebenden Partei. Die iet letzten Wochen haben eine entscheidende Entdeckung gebracht:

45 der Münchener Bürger ist bei weitem nicht so dumm, wie eine politischen Führer ihn eingeschätzt haben. In dem Maße, wie er die Angst vor einer neuen Räterepublik über⸗ , 4, 2 wand, begriff er die Gefahr des Rechtsbolschewismus. Die⸗ er Prozeß ist noch lange nicht abgeschlossen, aber seit die u Sozialdemokratie durch ein sichtbares Zeichen zu erkennen

gab, daß sie sich stark genug fühle zu äußerstem Widerstand . gegen einen Hitlerputsch, hat sie einen gewaltigen Zustrom auch aus dem Kleinbürgertum. Das sichtbare Zeichen war sustreten der sozialdemokratischen Sicherheitsabteilung. n wußte: hier haben sich Männer gefunden, die sich ern werden als den Terror der Gegenrevolution

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worden sind, weil sie ihre Pflicht dem deutschen Reiche gegenüber getan haben? Während des Krieges haben die Belgier und Franzosen Lobeshymnen auf die Arbeiter, Beamten und Ange⸗ stellten gesungen, die sich geweigert haben, unter der Okkupation zu arbeiten. Diese Leute wurden der Welt als Muster des Pa⸗ triotjsmus vorgestellt, während Deutsche, die heute dasselbe tum,

als Kreaturen der Berliner Regierung abgetan werden. Wenn wir uns die Noten ansehen, die die deutsche Regierung in den letzten Tagen erhielt, so finden wir, daß sie zwar im Ton nicht

übereinstimmen, aber inhaltlich das Angebot der deutschen Re⸗ gierung für ungenügend erklären. Das einzig Erfreuliche ist, daß die Wege noch nicht verschüttet sind, die zu einer Erfolg ver⸗ sprechenden Verhandlung führen können und schließlich auch führen müssen. Was steht dem in erster Linie entgegen? Die franzöfisch⸗ belgische Note sagt, daß man zu einem Akkord nicht kommen könne, solange der passive Widerstand aufrechterhalten wird. Ueber die Frage des passiven Widerstandes haben mein Kolloge Breitscheid und ich bereits am 16. und 17. April hier mit aller Deutlichkeit ge⸗ sprochen und auseinandergesetzt, daß der passive Widerstand nach den Regeln der Gewerkschafstaktik geführt wird. Ich möchte nochmals unterstreichen, daß unserer Auffassung nach alles getan werden muß, um eine Kapitulation zu vermeiden. Gleichzeitig lege ich strengste Verwahrung ein gegen jene deutsch⸗ völkischen Blätter, die in letzter Zeit die Unverfrorenheit hatten, zu behaupten, daß meine Freunde und mit ihnen Herren aus den Rei⸗ hen der Deutschen Volkspartei die Kapitulation vorbereiten. Die französische Regierung könnte endlich einsehen, daß es die Bevöl⸗ kerung ist, die den passiven Widerstond im besetzten Gebiet trägt. Wenn diese Maßnahmen nicht aus dem freien Willen der Bevöl⸗ kerung hervorgegangen, sondern von Berlin ausbefohlen worden wären, dann wäre der Widerstand unter dem furchtbaren Terror längst zusammengebrochen. Auch der Eisenbabnerstreif ist etwas

ganz selbstverständliches und nur rein äußerlich betrachtet ein Streik. Denn ein Streik richtet sich doch gegen den rechtmäßigen Arbeitgeber, während der Streik gegendie französisch⸗belgische Besatzung nur in seiner Wirkung dem Streik gleichkommt, ohne mit ihm etwas zu tun zu haben. Die deutschen Arbeiter aller Richtungen haben immer darin übereingestimmt, daß in solchen

Fällen, ich erinnere auch an den Streik gegen die Kapp⸗Negierung,

die Verweigerung der Arbeitskraft höchst patriotische Bürger- pflicht ist. Zu der deutschen Note ist zu sagen, daß wir es nicht ver⸗

stehen, daß die Regierung gleich im Anfang auf den passiven Widerstand eingegangen ist. Man soll diesen passiven Widerstand der Bevölkerung der besetzten Gebiete überlassen und sich in den Noten darauf beschränken, diejenigen Fragen zu behandeln, die zur Lösung der Reparationsfrage notwendig sind. Ich glaube, daß es falsch ist,

des Entgegenkommens nicht beschritten werden könnte, wenn beiden Seiten der ernste Wille dazu vorhanden ist. Wir dürfen bei einem deutschen Angebat nicht aus den Augen lassen, daß die von Deutschland unter irgendwelchen Modalitäten aufgebrachten Summen groß genug sein müssen, um den Wiederaufbau der verwüsteten Gebiete in Frankreich und Belgien zu garan⸗ tie en 5 Im Rahmen des deutschen Angebots muß der Wiederaufbau der ver⸗ wüsteten Gebiete herbeigeführt werden. 5 Es kommt, wie ich bereits am 16. April betonte, nicht nur auf die Endsumme an, ebenso wichtig, wenn nicht noch wichtiger, sind die Modalitäten, unter denen die Zahlungen erfolgen sollen. So wie die deutsche Wirtschaft jetzt beschaffen ist, kann in den ersten beiden Jahren eine Annmität aus Deutschland selbst nicht herausge⸗ zogen werden, es muß der Weg der Anleihe gesucht werden. Uns erwächst die Aufgabe, alles zu tun, was zu einem gewissen Zahlungsvlan führen und die Anleihen sichern kann. Eine solche Lösung ist ohne substantifjerte Garantien nicht zu finden. Bedauerlicherweise läßt die deutsche Note gerade in diesem Punkte Konkretes vermissen. Gerade die französische und belgische Regierung legen Wert darauf, über diese Garantien etwas zu er⸗ fahren. Unsere Zölle, die wir auf Goldbasis erheben, sind doch ein Faktor, der etwas bedeutet, wenn man dem Gegner konkret sagt, baß man bereit ist, dieses Pfand als Annuität zur Verfügung zu stellen. Wir müssen auch wieder dahin kommen, daß die Eisenbahn, wie in Friedenszeiten, eine Milliarde Goldmark Ueberschuß abwirft. Dieser Ueberschuß könnte auch in den Kreis der Erörterung gezogen werden, wenn es sich um die Substantierung der Garantien handelt. Man könnte schließlich auch von den Einnahmen des Branntweinmonopols reden. Vor allen Dingen aber glaube ich, daß, nachdem die Noten der diversen alliierten Regierungen eingegangen sind, es auch an der Zeit ist, etwas konkreter zu werden in bezug auf die Garantie, die Industrie, Landwirtschaft, Banken und Handel geben sollen. Man behauptet, der Reichskanzler hätte Briefe von Flihrern der Industrie, ber Landwirtschaft, des Handels und der Banken in der Tasche, die ihm diese Garantie der Wirtschaft zur Ver⸗ fligung stellen. Aber solche Privatbriefe mögen noch so diskontfähige Unterschriften tragen, sie sind nicht da, was wir brauchen. Wir miissen einen Schritt weitergehen und uns darüber klar sein, daß es an der Zeit ist, die notwendigen gesetzgeberischen Vorbereitungen zu treffen, damit wir auch in diesem Punkt etwas konkretes in die Wagschale werfen können. Ich frage die Re⸗ gierung, ob sie zu solchen Schritten Vorbereitungen getroffen hat. In diesem Zusammenhange möchte ich daran erinnern, daß meine Partei⸗

zum nicht hervorwagten. Der Eindruck ist deshalb umso stärker, weil man weiß, nur die Not hat diese Organisation geschaffen, hier wird nicht Rote Armee gespielt, die Arbeiter würden tausedmal tieber ihren friedlichen Interessen nach gehen und die Niederhaltung rechtsbolschewistischer Gewalt⸗ taten einer zuverlassigen Polizei überlassen; nirgends hat der grundsätzliche Standpunkt des Genossen Severing in der Selbstschutzfrage überzeugtere Anhänger als in der Sscher⸗ heitsabteilung der Münchener Partei.

So kam bei der Bayerischen Volkspartei zu der Furcht vor schwarzweißrot noch die andere Sorge, daß die Sozial⸗ demokratie bei den Wahlen des nächsten Jahres den größten Nutzen ziehen werde aus ihrer eindeutigen Ablehnung der Hitlerei. Seit man gemerkt hat, daß die Wähler das Techtel⸗

das gab und gibt all denen Kraft und Mut, isher mit ihrer Meinung gegen das Hakenkreuzler⸗

mechteln mit dem Umsturs von rechts zu verübeln beginnen,

fühlt man die eigene Verfassungstreue gekräftigt, und wäh⸗ rend man gestern noch Hitler begönnerte, findet man heute. daß seine Bewegung nus auf demverseuchten Boden der evolution möglich war. g

Daß mit solcher Verfassungstreue nicht biel anzufangen ist, liegt auf der Hand. Im Gegenteil verdienen die Weiß⸗ blauen doppelt mißtrauische Beobachtung, seit sie ein vor aufiges Uebergewicht über die Schwarzweißroten erlangt baben. Ob nicht trotzdem aus dem Stimmungsumschwung breiter bürgerlicher Schichten ein volitischer Umschwung in Bayern wird, bleibt abzuwarten. Es wäre nicht das erste⸗ mal in der Geschichte das etwas, was als Machtverschiebung zwischen Führereliguen begann, zu einem politischen Um⸗ vildungsprozeß geworden ist. 5