Ausgabe 
17.3.1923
 
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weibliche Arbeiter, verschlechtert. Beschäftigungslos sind viele Tausende von Mädchen, die sonst zur Erleichterung der Lebensführung der Familie beigetragen haben. Aber auch sonst nimmt die Arbeitslosigkeit allgemein stark zu. Selbst wenn man von den Beschäftigungslosen absieht, ar⸗ beiteten nach der amtlichen Statistik im Januar bereits 18 v. H. mit verkürzter Arbeitszeit. Joder achte Arbeiter er hielt also bereits im Januar nicht einmal den Tariflohn, der ihm um die ausgefallenen Arbeitsstunden verkürzt wurde.

Unter diesen Umständen angesichts der steigenden Not noch die Löhne zu kürzen heißt Raubbau mit der Kraft des Volkes treiben, den Absatz ganz und gar zum Erliegen bringen und die Kampffähigkeit der Arbeiterschaft in der Abwehr um die Ruhr maßlos schwächen. Die Reichsregie⸗ rung hat bisher einseitig für die Unternehmer Partei ge⸗ nommen. Es ist Gefahr im Verzuge. Nicht um die Ar⸗ beiterschaft allein, um den Bestand der Volkswirtschaft geht es wenn man ohne nachhaltigen Preisabbau und auf Grund unsicherer Versprechungen die Löhne abbaut!

Der Mord in Buer.

. Schenßliche Bestialitäten.

Die französische Besatzung beschuldigt immer noch die deutsche Bevölkerung als schuldigen Teil in der Mordange⸗ legenheit der beiden französischen Offiziere, ohne auch nur den geringsten Nachweis hierfür erbracht zu haben. Während sie das an sich unterläßt, wird jetzt mit allen Mitteln ver⸗ sucht, die Aufklärung der Mordangelegenheit zu vereiteln. Am Donnerstag wurden die von deutscher Seite angegebenen Zeugen, die bestätigen, daß die Mörder zwei Alpenjäger sind, festgenommen. Außerdem haben die Franzosen ver⸗ sucht. die noch vorhandenen Abschriften der polizeilichen Vernehmungen zu erlangen. Zu diesem Zweck wurden in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag die Bureauräume der Kriminalpolizei in Buer durchsucht und mehrere Kriminalbeamte verhaftet.

Die Lage in Buer.

Die Untersuchung über die Erschießung der beiden französischen Offiziere kommt nicht vom Fleck. Die Haupt⸗ zeugen, der Landwirt Landmann und der Bergmann Winking, sind noch immer nicht freigelassen worden. Bei letzterm fand gestern eine Haussuchung statt. Winking sagte aus, er habe direkt gesehen, wie zwei französische Soldaten auf die Offiziere geschossen haben.. Die Kriminalpolizei in Buer hat am Donnerstag ihren Dienst eingestellt, weil ihre Arbeit durch die Maßnahmen der Besatzungsbehörden und durch das Treiben der fran⸗ zösischen Soldaten unmöglich gemacht wird. In der Stadt ist die Ruhe wieder hergestelt. Der Oberbürger⸗ meister ist noch immer in Haft.

Entgegen anderslautenden Meldungen muß erneut festgestellt werden, daß die beiden Schutzpolizeibeamten Krause und Moor nicht standrechtlich erschossen, sondern totgeschlagen worden sind. Die Militärbehörde verweigert die Herausgabe der Leichen, sowie nahere Angaben über die Toten der Sonntagnacht. Die Bevölkerung ist in Unruhe, weil außer den gemeldeten noch weitere 10 Personen ver⸗ mißt werden. Vermutlich werden die Leichen deshalb nicht freigegeben. weil sie sehr entstellt sind. Die Leiche des Kriminalassistenten Burghof war derart zugerichtet, daß selbst seine nächsten Kollegen ihn nicht mehr erkannten. Nur ein Ring am Finger verriet, wen man vor sich hatte.

Der Deserteur. Roman von Robert Buchanan.

Und in die Armee stecken! unterbrach er sie bitter. Was weiter? Du wirst, wie Onkel Ewen, ruhmbedeckt aus dem Krieg heimkehren und jedermann wird Dich als Helden verehren. a

Und Du?

4Ich? Ich werde Dein Weib sein und Dich lieben und achten bis übers Grab hinaus das schwöre ich, mein Rohan!

Aber wenn ich auf dem Schlachtfelde bleibe?

Dann werde ich Dich doppelt lieben und Dich be⸗ trauern, so lange ich lebe. Ich werden Witwentrauer tragen und keinem anderen Manne zum Altar folgen. Du wirst als tapferer Soldat für Kaiser und Paterland Dein Leben auf dem Felde der Ehre ausgehaucht haben und im Himmel⸗ reich auf Deine treue Morcelle warten. Ich werde Dir bald nachkommen und wir werden uns in alle Ewigkeit lieben und küssen. Komm, komm, Geliebter!

Ihre leidenschaftlichen Bitten und Küsse hätten sicher⸗ lich die Energie und die Entschlüsse jedes gewöhnlichen Erdensohnes gebrochen. Wie schön war sie doch in ihrer wilden Erregung! Ein überirdischer Glanz strahlte aus ihren Augen, Worte der Liebe flossen wie Honigseim von ihren Lippen, ihr Busen wogte vor leidenschaftlicher Er⸗ regung und Rohon sah das alles; sein Herz pochte zum Zer⸗ springen, das Blut raste in seinen Adern seine Augen flammten vor verhaltener Leidenschaft und er mußte seine ganze Selbstbeherrschung aufbieten, um das zitternde Mäd⸗ chen nicht an sein Herz zu drücken, aber er blieb fest: Marcelle, was Du verlangst, ist unmoglich!

Rohan, Rohan, habe Erbarmen mit mir! jammerte sie, daß es einen Stein hätte erweichen können.

Er wankte, seine Zähne klapperten wie im Fieber, er drückte die Hand aufs Herz und sank in die Knie:Ich kann nicht mit Dir gehen, Marcelle, ein Eid bindet mich! Lebe wohl auf ewig!

Sie sah ihm longe forschend in die Augen, als ob sie in seiner Seele lesen wollte. Ein furchtbarer Gedanke blitzte ihr durchs Hirn:Rohan, um der Barmherzigkeit willen!

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Neues vom Tage.

Ermäßigung der Kohlensteuer?

Der Steuerausschuß des Reichstages setzte die Beratung des Entwurfes eines Kohlensteuergesetzes bei der Jrage des Steuersatzes(8 10) fort. Staatssekretär Zapf erklärte, daß, der Reichsfinanzminister ihn zu der Erklärung er⸗ mächtigt habe, daß er sich wirtschaftlichen Notwendigkeiten nicht verschließen werde und für den Fall, daß der Reichs- kohlenrat eine Ermäßigung der Kohlensteuer für geboten erachte, die Reichsregierung an dem Gutachten einer solchen Körperschaft nicht achtlos vorbeigehen könnte, sondern es zur Grundlage ihrer Entschließung machen würde. Nach dieser Erklärung wurde der Antrag auf Ermäßigung der Kohlensteuer von 40 auf 20 Prozent zurückgezogen. * e Erhöhung der Unterstützung für die Sozialrentiner. Im Haushaltausschuß des Reichstages wurde die 3. Verord⸗ nung über die weitere Erhöhung der Unterstützung für Renten⸗ empfänger der Invaliden⸗ und Angestelltenversicherung beraten, die bereits im Reichstagsausschuß für Sozialpolitik Gegenstand der Erörterung gewesen war. Es wurde der Beschluß des sozial⸗ politischen Ausschusses bestätigt, wonach die Geldbeträge der Ver⸗ ordnung vom 2. Februar 1923 mit Wirkung vom 1. März 1923 wpervferfacht, für die Orte des besetzten Gebietes und des Einbruchsgebietes, sowie der ihnen gleichgestellten Bezirke ver⸗ fünffacht werden. Dabei werden die erwerbsunfähigen Ehe⸗ frauen im Hausstande der Rentenempfänger einem zuschlagsbe⸗ rechtigten Kinde gleichgestellt.

Die Ministerpräsidentenwahl in Sachsen. Der Präsident des sächsischen Landtags teilte am Donnerstog in der Sitzung mit, daß am 21. März die Wahl

Kriegsgerichtsurteile gegen badische Beamte.

Die badischen Amtmänner Rudolf Mayer nnd Walter Mül⸗ ler aus Offenburg, die sich vor dem französischen Kriegsgericht in Mainz zu verantworten hatten, weil sie sich 7 haben, Plakate der Rheinlandkommission zum Anschlag zu bringen und weil sie die ihnen unterstellten Beamten zun Ungehorsam aufgefordert haben sollen, wurden verurteilt und zwar: Mayer zu 1% Jahren Ge⸗ .* 30 Millionen Mark Geldstrafe und Müller zu 1 Jahr

efängnis. g

Verurteilung des Offenburger Bürgermeisters

Vor dem Kriegsgericht in Landau i. P. stand heute die Ver⸗ handlung gegen den Offenburger Oberbürgermeister Holler und Gendarmerieoberwachtmeister Kaiser. Oberbürgermeister Holler wurde zu 6 Monaten Gefängnis und 100 000 Mark Geldstrafe. Oberwachtmesster Kaiser zu 1 Jahr Gefängnis und 100 000 Mark Geldstrafe verurteilt.

Gröner über den Abwehrkampf der Eisen⸗ bahner. ö

In der Sitzung des Reichstags⸗Hauptausschusses am Donnerstag, in der zunächst der Etat der Reichspost verab⸗ schiedet wurde, nahm Reichsminister Gröner vor Eintritt in die Beratung über den Etat der Reichseisenbahnver⸗ waltung das Wort, um den Eisenbahnern im Westen für ihr vorbildliches Verhalten den wärmsten Dank der Reichs⸗

regierung auszusprechen. a Die Eisenbahner, so führte er aus, stünden in der vordersten Front des Abwehrkampfes gegen Gewalt und Unrecht. Das werde am besten daraus zu ersehen, daß nach den bisherigen Meldungen 142 Eisenbahner verhaftet, 72 ausgewiesen und 52 auf das schwerste und unmenschlichste mißhandelt worden seien. Hierbei seien nicht gezählt die Bediensteten, die aus ihren Wohnungen vertrieben und auf die Straße gesetzt worden seien. Selbstverständlich habe es

Steh' auf und sag' mir die Wahrheit Die Leute behaupten, Du habest Angst ist dem wirklich so?

Rohan sprang wie von einer Schlange gestochen auf und maß sie mit spöttischem Blick.

Sprich, Rohan!

Ja, es ist wahr

Daß Du Dich fürchtest, daß Du ein

Ja; alles, was die Leute sagen, ist wahr. Wenn es Tag gewesen wäre, dann hätte sie das gequälte Lächeln, das um seine stolzen Lippen zuckte, eines Besseren belehrt.Die Leute haben recht, ich will dem Kaiser nicht dienen, ich will nicht in den Krieg gehen, weil nun weil ich mich fürchte. Es wird am besten sein, wenn Du endlich einmal begreifen lernst, daß ich niemals Soldat sein werde. Mein Herz lehnt

sich dagegen auf und... und... daß ich vielleicht alles das

bin, wofür mich die Menschen halten. Wäre es anders, Marcelle, dann würde mich Deine Liebe in Versuchung führen, aber ich besitze den Mut nicht, zu tun, was Du von mir verlangst. Wie Du zitterst. Mädchen es ist kalt. Spute Dich, damit Du nach Hause kommst.

Sie knickte wie gebrochen zusammen. Kein Wort des Zornes, kein Wort der Verachtung entschlüpfte ihren Lippen, sie weinte nur still vor sich hin, und diese Tränen brannten wie Feuertropfen in seiner Seele. Sie, die Rohan für den tapfersten, edelsten Menschen auf Erden gehalten hatte, mußte einsehen lernen, daß sie einen Feigling geliebt! O, wie weh das tat! Freilich, wenn sie mehr Menschen⸗ und Weltkenntnis besessen hätte, würde sie sich wohl gesagt haben, daß derjenige, der sich selbst mit den bösesten Namen brandmarkt, in den seltensten Fällen diese auch verdient. Aber Marcelle war nur ein einfaches, schlichtes Dorfmädchen und Rohan selbst hatte zugestanden, daß ihn die Dorfleute mit Recht der Feigheit beschuldigten mußte sie seinen Worten nicht glauben, obgleich sich ihr Herz dagegen auf⸗ lehnte?

Mit tränenüberströmtem Antlitz schlich sie davon.

Marcelle, willst Du mir nicht einmal Deine Hand zum Abschied reichen? Willst Du mir nicht Lebewohl sagen? stammelte Rohan.

Sie blieb zaghaft stehen, brachte aber kein Wort hervor. Er faßte sie bei beiden Händen und küßte sie sanft auf jede Wange:Gott mit Dir, Marcelle! Du kannst mich nicht begreifen und ich tadele Dich darob nicht. Aber ich bitte

des Ministerpräsidenten endgültig

März wird sich der Landtag in die Ferie

zum 5. April dauern. An diesem Tage wird nur

Punkt auf die Tagesordnung kommen: die

erklärung, deren Besprechung am 0

Reg

10. April stattfindes

verworfen. Die Kosten wer preußischen Staatskasse auferle gt,

Rußland vermittelt in der Wilna⸗Frage.

den Völkerbundsrat eine volle Handlungsfreiheit h mittlung eines solch intere

Der Nachfolger Lenins? 1

Nach einer Information des Daily Telegraph hätte das pol tische Bureau der kommunistischen Partei in Moskau Kame⸗ 0 Nachfolger Lenins für die Präsidentschaft des Rates der Volkshe aufragten erwählt. Sein Hauptkonkurrent bei dieser Wah Stelim, der Kommissar für Nationalitäten gewesen, der b lich georgischer Herkunft sei. Trotzki sei wegen seines sch Gesundheitszustandes als Nachfolger nicht in Frage gekommen.

elegen sein lassen, Fürso Bei der Generalbetriebsleitu Abwehr⸗Aussschuß gebildet wor tlichen Organisatione; nterstützung

im Ruhrgebiet zu. Castroper Kriegsgerichtsurteile. Vor dem Kriegsgericht in Castrap wurde der Straßenba direktor, Baurat Schmitt, zu 1 Million Mark 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte die Herausgabe vier Schreibmaschinen gegen Requisitionsschein verweigert. Der Oberbürgermeister von Lünen. Wiedmann; 1 4 Wochen Gefängnfs und 1 Million Mark verurteilt. Er hatte A Lichtanlagen für die französische Vesaßung legen assen. f

Stillegung des Pfälzer Eisenbahnverrehrz.

Seit Sonntag abend verließen die gesamten Bean Arbeiter die Bahnhöfe und Eisenbahnlinien, weil nach ei fügung der Besatzungsbehörde, das gesamte fälzische 9910 be dem Befehl der Vesatzungsbehörde unterstehe. Als Folge d schlossenen Ablehnung erging von den Franzosen der weiter fehl, daß sämtliche Eisenbahner der Pfalz binnen 4 T Dienstwohnungen zu räumen hätten. Ueber 1500 Familien davon betroffen. Der gesamte Verkehr ruht, von zwei 2 in der Vorderpfalz abgesehen, vollkommen.

Politische Uebersicht.

4,6 Billionen Mark Reichsschulden.

Die schwebenden Schulden des Reiches werden von der Re finanzverwaltung in ihren zehntägigen Ausweisen nur i

nachgewiesen, als sie in diskontierten Schatzanweisungen au

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Dich, falls mir etwas Schlimmes zustoßen sollte, nicht un Zorn und Verachtung meiner zu gedenken. Vielleicht win Gott so gnädig sein, Dich eines Tages zu erleuchten, wirst Du mich auch verstehen und besser von mir de Lebe wohl! Gott schütze Dich! Seuszend wandte er um zu gehen; sie faßte ihn am Arm und rief leidens Sie werden Dich finden und töten das wird entsetz sein! Wohin gehst Du? Wo wirst Du Dich verstecken?

Gott wird meine Schritte lenken ich stehe in se Hand. Ich glaube nicht, daß sie mich finden werden. wahre mir Deine Liebe!

Damit war er im Dunkel der Nacht verschwunden. Eine Stunde nach jener seltsamen Begegnung Blutpfuhl Christi schlüpfte Marcelle wieder ungesehen ihre Kammer. Mutter Derval saß noch immer weinend i

den gepackten Kofferchen ihrer Söhne und wollte sich trösten lassen. Gegen Mitternacht ward es auch in der still. Hosl und Gildas, die vor Togesanbruch abmarsch mußten, hatten sich in den Kleidern aufs Bett geworfen waren sofort in tiefen Schlaf gesunken. Der Korporal sich gar nicht zur Ruhe; er saß vor dem Feuerherd mit erkalteten Pfeife im Munde. Der Abschied von seinen bein Neffen ging ihm näher, als er gedacht. Er blieb wach, sie zur rechten Zeit wecken und ein Stück Weges zu können. 5 Mittlerweile wanderte Rohan Gwenfern wie düsteres Gespenst in der Dunkelheit dahin. Die 1. iter mit Marcelle, die er über alles liebte, hatte ihn we 05 erschütlert, aber in seinem festen Entschluß nicht gemacht. Die leidenschaftliche Liebe in seinem kämpfte einen harten Kampf gegen das kalte Ideal Seele. Er fühlte noch immer Marcelles heiße Um n und sagte sich, daß gar mancher Mann für weniger Küsse seiner Seele Seligkeit geopfert haben würde. Seit zwei Tagen und Nächten hatte er kein Au schlossen und so gut wie nichts gegessen. Es regnete immer und mit jedem neuen Guß wurde es dunkler dunkler. Erschöpft und todestraurig schleppte er Kreuz zurück, warf sich ins feuchte Gras, lehnte den gegen das Steinbecken, das ihn vor dem Regen schütte 5

dans

verfiel in tiefen Schlaf.

(Fortsetzung folgt.)