zur Unterstügung in dem Kampf gegen Imperialismus und Militarismus.„denn,“ so schließt der Aufruf,„unser Sieg ist euer Sieg!“ i
Die Bemühungen der Fraueninternationale.
Die Abgesandten der Internationalen Frauenkonferen; im Haag, Jeanne Addams, Catherine Marshall, Jeanne Melin, haben den ersten Teil ihrer Mission beendet. Sie wurden von den Re⸗ gierungen in Holland, in Schweden, wo sie Branting ersuchten, persönlich die Initiative beim Völkerbundsrat in Sachen des französisch⸗deutschen Konfliktes zu ergreifen, in Norwegen, wo sie den Außenminister und Dr. Nansen um die gleiche Aktion er⸗
n, und in Dänemark empfangen. Sie besuchten ferner London, Paris und Brüssel und wurden überall von im inter⸗ national⸗politischen Leben einflußreichen Persönlichkeiten
empfangen. In Brüssel vom Minister des Aeußeren Jasper und von den drei belgischen Vertretern im Völkerbundrot und der Völkerbundsversammlung: Hymans, Poullet und De Broukker. Sie hatten Konferenzen mit Vertretern aller politischen Parteien und konnten sich überzeugen, daß weite Kreise dieser Länder mit ihrer Ansicht übereinstimmten, daß die beste Lösung der augen⸗ blicklichen Situation wäre, das Reparatjonsproblem einem inter⸗ nationalen Tribunal vorzulegen und daß die Initiative bes Völker⸗ bundes in dieser Richtung begrüßt werden würde. Selbst in Frankreich und Belgien fanden sie diese Auffassung stark vertreten In den neutralen Ländern wurden sie einstimmig durch alle Be⸗ zirke ber öffentlichen Meinung unterstützt. In England, wo sie Lord Robert Cecil und andere einflußreiche Persönlichkeiten sprachen, wurde ihr Vorschlag von Arbeiter⸗ und liberalen Kreisen in Gemeinschaft mit den pazifistischen Organisationen, allen Kör⸗ perschaften, die für den Völkerbund eintreten und einem einfluß⸗ reichen Teil der Finanz- und Geschäftswelt unterstützt. Miß Mar⸗ shall, die Vicepräsidentin der Internationalen Frauenliga für Fricden und Freiheit, ist z. Zt. in Paris, um dem Völkerbundstot der dort seine Sitzung abhält, die Entschlssse der Frauenweltkon⸗ ferenz zu übermitteln und als ersten Schritt zu deren praktischen Durchführung vorzuschlagen, das ganze Reparations- und Wieder⸗ aufbauproblem als eine internationale Angelegenheit zu betrach⸗ 10 und in internationaler Zusammenarbeit der Nationen zu ösen.
Eine Kundgebung der Kopenhagener Sozialdemokraten.
Die Parteigenossen Kopenhagens hielten am Mittwoch
eine große Mitgliederversammlung ab, die von über 2000 Personen besucht war. Viele konnten keinen Platz mehr finden. Genosse Wels vom Parteivorstand der deutschen Sozialdemokratie hielt eine große Rede über das Repa— rationsproblem und die augenblickliche politische Lage, wie sie sich in Deutschland durch den Einbruch der Franzosen in das Ruhrgebiet entwickelt hat. Wels erinnerte daran, daß sowohl das Ministerium Wirth, wie auch das Ministerium Cuno auf dem Standpunkt der Erfüllungspolitik, wie sie von der Sozialdemokratie vertreten wird, stehen und er— klärte, daß sich in der demokratischen Republik Deutschland die Arbeiterklasse größere Freiheit und größeren Einfluß als in irgend einem anderen Land erworben hätte. Aber die Nationen, die den Krieg führten, um den deutschen Mili⸗ tarismus und das deutsche Junkertum zu vernichten und den Völkern ihre Freiheit zu sichern, bedrohten jetzt Deutsch⸗ land Volksherrschaft. Die deutsche demokratische Republik sei nicht verantwortlich für die Auswüchse des deutschen Mili⸗ tarismus. Sie habe die schwere Buße dafür übernommen. Den Kampf, den die deutschen Arbeiter im Ruhrgebiet führen, führen sie nicht für den deutschen Kapitalismus oder für die deutsche Regierung, sondern aus dem innersten An⸗ trieb ihres eigenen Herzens. Wenn wir Sozialdemokraten auch wüßten, daß er, der Sozialismus, den völligen Sieg des Rechts bringe, so hielten wir doch an der Hoffnung fest, daß die Vernunft in der Welt siege. Nach Wels gab der Führer der dänischen Sozialdemo— Fratie. Stauning, dem tiefsten Mitleid der dänischen sozial⸗ demokratischen Arbeiterschaft mil Deutschlands Arbeiterklasse Ausdruck. In einer angenommenen Entschließung spricht die Versammlung namens der dänischen Sozialdemokratie das tiefste Bedauern über den durch die Besetzung geschehenen Friedensbruch aus.
Melagerungs instand in Pirmasens.
In Pirmasens wurde der Belagerungszustand verhängt. Jufolge der Verhaftung des Ersten Bürgermelsters Strobe kam es gestern früh zu einer Straßendemonstration. Die Wache wurde verstärkt und ging gegen die Ausammlung vor, Sie verhaftete einige Personen, unter ihnen auch den zweiten Bürgermeister von Pirmasens, Kämmerling.
Politische Uebersicht.
Ein Attentatsplan gegen Erhard Auer.
Am Donnerssag mußte die Münchener Polizeidirektion, so schwer es ihr gefallen sein mag, amtlich mitteilen, daß es ihr ge⸗ lungen ist, hinter einen Mordanschlag auf den Genossen Auer zu lommen. Am 8. Februar gelang es, einen 17jaäheigen Oberreal⸗ schüler festzunehmen, der die Flucht ergrissen hatte, ais er merkle, daß die Polizei von seinen Mordplänen erfahren hatte. Der amk⸗ liche Bericht der Polizei gibt auf Grund näherer Erhebungen zu, daß der Festgenommene verschiedenen rechtsgerichteten Organi⸗ satlonen, u. a. auch einem erst jüngst ins Leben gerufenen„Poli⸗ tischen Stammtisch“ angehört. Trotzdem meldet der amtliche Be⸗ richt, daß der Entschluß zur verbrecherischen Tat ahne Einwirkung anderer Personen gefaßt worden sei, gibt aber bereits im nächsten Satze zu, daß sestgestellt werden konnte, daß mehrere Angehörige des„Politischen Stammtisches“ von dem Mordplan des 171ährigen gewußt, aber weder die Behörden noch das Opier verständigt haben. Im Gegenteil, der Vorsitzende dieses„Stammtisches“, ein 33jähriger Mann mit ziemlich bewegter Vergangenheit, hat dem Mordknaben sogar angeboten, ihm nach der Tat— nach be⸗ währtem Muster— zur Flucht behilflich zu sein. Bis jetzt sind insgesamt neun Personen, die an dem zum Glück verhinderten Mordanschlag beleiligt waren oder von ihm gewußt hatten, festge⸗ nommen; vier davon wurden bereits dem Volksgericht München zur weiteren Untersuchung und Aburteilung übergeben.
* Die Februargehälter der Beamten vom Haupt⸗ ausschuß genehmigt.
Im Hauptausschuß des Reichstags wurde am Donners— ttag zunächst der 11. Nachtrag zum Etat für 1922 beraten. Die Abgg. Bender(Soz.) und Steinkopf(Soz.) verlangten, daß die Grundgehälter der Beamten und Staatsangestellten entsprechend der Entwertung des Geldes geändert werden mögen, da die Teuerungszuschläge bereits ein Vielfaches der Grundgehälter ausmachten. Auch soll bei künftigen Teue⸗ rungsaktionen der sogenannte Kopfsatz des prozentualen Teuerungszuschlags eingeführt werden. Der Haushalts- nachtrag wurde angenommen. Vom 1. Februar ab werden also zu den Grundgehältern, den Diäten, den Ortszuschlägen und Kinderzuschlägen 942 Prozent als Teuerungzzuschlag gewährt. Der Frauenzuschlag wurde auf monatlich 12 900 Mark erhöht.
* Zuschläge für die Kriegsbeschädisten.
Der Reichstagsausschuß flir die Kriegsbeschädigtenfragen be⸗ schloß in seiner Sitzung am Donnerstag auf Antrag der Sozial⸗ demokratle eine wesentliche Erhöhung der Teuerungszuschläge für die Kriegsbeschädhgten und Hinterbliebenen. Außerdem tritt eine Verdreifachung der Renten ein bis die Frage der Renten- und dar Teuerungszuschläge im Monat März burch eine Novelle zum Reichsversorgungsgesetz neu geregelt werden wird.
Innerpolitisches. Der ewige Boykottunsinn.
In gewissen Kreisen gilt es bekanntlich als ganz be⸗ sonders national, wenn man jeden Franzosen und Belgier im unbesetzten Deutschland boykottiert, das heißt wenn man ihnen, wo sich Gelegenheit dazu bietet— sei es in einem Verkaufsladen, Hotel, Restaurant oder dergleichen— auf deutsch gesagt, den Stuhl vor die Tür setzt. Wie dumm ein solches Verhalten rein aus Vernunftsgründen schon ist, geht aus folgendem Beispiel hervor:
Ein bekannter Reserent stellte in einer öffentlichen Ver⸗ sammlung fest, daß in Berlin, hoch geschätzt zurzeit 200 bis 300 Franzosen und Belgier, abgesehen von den inter— alliierten Kommissionen, verweilen. Dagegen erschienen auf dem französischen Konsulat allein ungefähr 120 Reichs- deutsche täglich, die um ein Visum für die Einreise nach Frankreich nachsuchten. Bedenken wir ferner, daß in Frank⸗ reich und Belgien weit mehr Deutsche leben, als sich Fran— zosen im unbesetzten Deutschland befinden, dann wird es jedem einsichtigen Menschen klar. wie unsinnig es ist, die ver⸗ hältnismäßig geringe Zahl der Franzosen und Belgier in Deutschland zu boykottieren oder gar auszuweisen. Frank⸗ reich und Belgien wären in der Lage, mit der gleichen Waffe in verstärktem Maßstabe zu antworten und Deutschland würde dadurch viel schwerer getroffen. Im Interesse dor in Frankreich oder der unter französischer Herrschaft lebenden Deutschen ist also der von den sogenannten nationalen Kreisen geübte Boykott schon zu verwerfen.
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Der Deserteur. 1 Roman von Robert Buchanan.
N Die Burschen leerten ihre Becher auf einen Zug, denn der Apfelwein war gut und für sie ein seltener Luxus. Auch Marcelle hatte Platz genommen und versucht, einen Bissen Brot herunterzuwürgen, aber vergebens— es wollte nicht gelingen. Frau Derval machte sich noch immer beim Feuer zu schaffen.
„Mutterchen, Mutterchen, komm setz Dich zu uns!“ rief Onkel Ewen mit sanftem Vorwurf.„Willst Du uns denn mit aller Gewalt das Herz schwer machen? Kopf hoch! Be— denke doch, daß nicht alle Namen gezogen werden und viel— leicht nicht ein einziger Deiner Jungens! Wenn das Schlimmste zum Schlimmen kommen sollte, wirst Du, wie ich Dich kenne, stolz darauf sein, Deinem Kaiser in seiner Not beistehen zu können und er wird Dir Deine Lieben ge · sund und mit beilen Gliedern zurückschicken. wenn er sie nicht mehr braucht.“
Die Witwe antwortete mit einem tiefen Seufzer. Die
jungen Leute sahen recht vergnügt aus, sie waren noch nicht alt genug, um eine Gefahr zu fürchten ehe sie ihnen an den Kragen ging; überdies hatte ihnen der Exkorporal eine tüchtige Portion Mut und Kampflust anerzogen.
„Pah, ich habe nicht ein bißchen Anast: wenn ich ein— rücken muß, werde ich eben einrücken! Wir stehen ja alle in Hottes Hand!“ bemerkte Hoel.
„Wenn's bei der Ziehung nur ehrlich zugeht!“ Gildas mißtrauisch ein.
„Krähenseele!“ brauste der Alte auf.
warf
„Sorgt unser
Aber ganz abgesehen davon, wer weiß denn überha ob die hier weilenden Franzosen oder Belgier die politik Poincarés billigen oder verurterlen? Da ist zun Beispiel ein französischer oder belgischer Journalist, der täglich an seine Zeitung Artikel gegen die Ruhrbesetzung sendet, die jenseits der Besetzungsgrenze zur Veröffentlichung gelangen. Er kämpft mit uns gegen die Ruhrbesetzung und zum Dank dafür wird dieter Mitstceiter von deutschen Volksgenossen, die vorgeben, das gleiche Ziel zu verfolg schnöde boykottiert.
Zweisellos ist der Boykottrummel mancher Geschã leute auch nur eine billige Geste, das heißt billig im wahrst f Sinne des Wortes. Die meisten Geschäfte und Lokalitäten nämlich können deshalb ihre nationale Gesinnung so breit ins Schaufenster hänger, weil sie diese Geste nichts kostet. Aufmerksame Beobachter wissen sogar zu berichten, daß dort, wo sehr viele der geschmähten Ausländer verkehren, nirgend ein solcher Boykott aus Geschäftsrücksichten zu finden ist Im übrigen war es doch früher so, daß sehr viele Geschäfte gern die valutastarken Ausländer bei sich kaufen sahen, oft⸗ mals bediente man diese Käufer, die jeden erhöhten Aus länderpreis bezahlten, sogar weit kulanter, als den armen Deutschen mit seiner aufgeschwemmten Papiermark. Da⸗ mals gedachten diese Geschäftsleute meist niemals ihrer heute so stolz zur Schau getragenen„nationalen Würde“. 7
Auch für den Boykott französischer Waren wird bei u 8 Stimmung gemacht. Seit Kriegsende ergehen Aufrufe, zur Besserung unserer Notlage die Einfuhr von Luxusartikeln, Zigaretten, Tabak, Wein, Likör zu unterlassen, es hat sich sogar eine Organisation zur Hebung wirtschaftlicher Sitte und Verantwortung gebildet, aber die Luxruseinfuhr steiget te sich zum Verderben des deutschen Volkes. Jetzt wollen uns dieselben Kreise, die uns erst dem Verderben zuführten, aus dem Verderben retten. Wenn sich die Konsumenten französischen Parfüms als Retter des Vaterlandes au spielen, dann sind wir sicher verloren.
Steuerermäßigung bei der Lohnsteuer. In seiner Sitzung 12. Februar nahm der Reichsrat eine Verordnung an, di die die Bestimmungen des§ 46 Abs. 2 des Einkommensteuerge⸗ setzes über die Steuerermäßigung bei der Lohnsteuer neu geregelt werden. Die Verordnung setzt die beim Stenerabzug zu berück⸗ N sichtigenden Ermäßigungen für den Steuerpflichtigen, seine Che⸗ N frau, die minderjährigen Kinder und die Abgeltung der Wer⸗ bungskosten mit Wirkung vom 1. März 1923 neu fest. Eine Nen⸗ festsetzung bereits vom 1. Februar ab ist nach Ansicht des Finanze ministers aus technischen Grlinden nicht durchführbar. Es oll aber mit Rücksicht darauf, daß sich sonst Härten ergeben würden, die letzten sechs vollen Arbeitstage im Monat Februar vom Steuerabzug fretgelassen werden. Diese Bestimmung ist in 81 der Verordnung enthalten. Der Finanzminister ist ermächtigt in den Fällen, wo es zur Angleichung an eine Lohnzahlungsperfode erforderlich ist, den Zeitraum anderweitig zu bestimmen. Di Ermächtigung soll dem Finanzmintster, wie in der Begründt hervorgehoben wird, mit Riicksicht auf die große Verschtedenheit der Lohnzahlungsperioden gegeben werden. Die Vergünstigung für den entsprechenden Zeitraum des Februar soll auch nur de wenigen Lohnsteuerpflichtigen zugute kommen, deren gesam steuerbares Einkommen die Grenze nicht übersteigt, bis zu der be der Veranlagung für 1923 ein Satz von 10 Prozent erhoben wi 2 der Verordnung bestimmt, daß die Ermäßigungen für den Steuerpflichtigen, für die Ehefrau und die minderjährigen Kinder vom 1. März gegenüber der Dezembernovelle verdreifacht werden. Auch bet den Werbungskosten wird eine Erhöhung auf das Drei⸗ sache vorgeschlagen Der Abzug von 10 Prozent des Arbeitslohnes ermäßigt sich demnach für den Steuerpflichtigen und dessen 5 frau bei monatlicher Lohnzahlung um je 600 Mark monatlich, filr jedes minderjährige Kind um 3000 Mark monatlich nach Ab⸗ geltung der Werbungssosten um 3000 Mark monatlich(ent⸗ sprechend sind die Ermäßigungen für den Fall der Lohnzahlung
nach Wochen, Tagen oder Arbeitsstunden).
Gießen und Umgebung. Vaterländische Streiktasse.
Es gingen weiter bei uns ein: „Ergebnis einer Abendunterhaltung des Ortsvereins Wett⸗ saasen 300 Mk., L. S.⸗Alten⸗Buseck 500 Mk., zusammen 3500 Ml, bereits quittiert 306030 Mk., zusammen 309 550 Mk. 3 Den Gebern herzlichen Dank. Weitere Spenden werden gerne entgegengenommen. 55 Verlag der Oberhessischen Volkszeitung.
Dollarstand gestern mittag 12 Uhr: ca. 18 500 Mk. 1
Kaiser nicht dafür? Und wer wagt es. ihn zu verdächtigen Hoöl hat ganz recht, Gott mischt die Nummern und die Menschen ziehen sie. Seht Eure Schwester Marcelle an! Wenn sie ein Mann wäre, würde ihr das Herz brechen, wenn sie nicht mit in den Krieg ziehen könnte.“
„Das ist leicht gesagt, wenn man brummte Gildas.
„Hört also mich, der ich ein Mann bin! Du, liebe Schwägerin, mußt Dir die Geschichte so vorstellen. Sterben müssen wir alle, nicht wahr? Wenn unsere Zeit kommt, wenn der Engel mit dem weißen Gesicht an unsere Türe nocht, müssen wir sie öffnen; es nützt kein Verstecken zu Wasser oder zu Lande. Er findet uns überall. Wenn es Gottes Wille ist, daß wir sterben, so ist es gleich, ob es zu Hause geschieht oder auf dem Schlachtfelde“—
„Das ist wahr,“ unterbrach ihn die Witwe,„aber—“
„Es gibt kein Aber, meine Liebe! Sieh Dir mal den Bruder Deines seligen Mannes an. Ich bin Soldat gewesen, habe alle Schrecken des Krieges mitgemacht, habe Pulver— dampf genug gerochen und lebe doch noch. Parbleu, ich bin bis auf diesen verfluchten Stelzfuß so gesund wie irgend ein Mann meines Alters. Habe ich meinen„kleinen Korporal“ nicht nach Aegypten, nach Italien und über die Alpen be— gleitet? Ich kannte ihn, als er noch General in Eismone war, meine Jungens, und habe es erlebt, ihn als gekrönten Kaiser von Frankreich zu sehen. Das Jahr darauf habe ich mein Bein verloren. Bah, ein Bein! Wenn ich beide ver⸗ loren hätte, würde ich mir auch nichts daraus gemacht
ein Weib ist!“
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allgemeinen herrschte an jenem Morgen in Kromlaix Festes
Kugelregen gestanden, ohne verletzt worden zu sein! Warum Mutterchen? Weil jede Kugel von Gottes Hand gezeichnel ist und kein Soldat ohne Gottes Willen auf dem Schlacht felde bleibt.“ 7
Er sprudelte das alles in einem Atem hervor, sich bald 1 an seine vergrämte Schwägerin, bald an die jungen Leute wendend, um ihnen ein wenig Mut zu machen. Zum Teil gelang ihm das auch, denn sogar die Witwe begann zu hoffen, daß sie ihre Söhne behalten könne. Uebrigens hatte der Exkorporal seine Kaiserproßaganda nicht nur am häus⸗ lichen Herd mit Erfolg betrieben, sondern so ziemlich im ganzen Dorfe. Seinen Aufmunterungen war es zu danken, daß die jungen Fischer mit Zuversicht und frohem Mut dem „Tag der Tage“, wie Derval den Ziehungstag nannte, enk⸗ gegensahen und die Konskription als einen lustigen Spaß anzusehen begannen. Manche arme Mutter hatte sich zwar schon vor Tagesgrauen zur Kalparie hinaufgeschlichen, um den Schutz des Heilands für ihr Kind zu erflehen, aber i
stimmung. Lachend und scherzend versammelten sich di Gruppen der Konskribierten und ihrer Begleiter in der Hauptstraße und mehr als einer hatte bereits über den Durst getrunken..
Zur anberaumten Stunde trat der Korporal an det Spitze seiner Neffen auf die Straße hinaus. Ihm zur Seile Mareelle, blaß wie der Tod aber in ihren schönsten Kleidern Jannick trug seinen Dudelsack an einem bunten Bande u den Hals geschlungen und blies lustig darauf los, ebenst Alain seine Blechtrompete. a
haben, denn es wäre ja für meinen Kaiser gewesen. Aber Ihr seht, ich bin nicht gestorben. Wie oft bin ich im dichtesten
„Vorwärts!“ rief Onkel Ewen. (Fortsetzung folgt.)
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