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ringen entfachte.
Stadwerordneten⸗Versammlung.
An die Leistungsfähigkeit der Stadtvertreter wurden in der letzten Sitzung am Donnerstag außergewöhnliche An- forderungen gestellt: man legte ihnen eine Tagesordnung vor, die mit denen für die nichtöffentliche Sitzung vorgesehenen nicht weniger wie 84 Gegenstande umfaßte. Vierundachtzig! Wenn man für jeden durchschnittlich nur fünf Minuten Ver—
handlungsdauer rechnet, was gewiß nicht zuviel ist, so kommen da schon sieben Stunden heraus! Zur völligen Erledigung hätte die Versammlung also ungefähr bis
Mitternacht sitzen müssen. Nun sind zwar fast alle Sachen in den Kommissionen vorbereitet, so daß von der Versamm: lung einfach nur zu beschließen ist; immerhin, wenn auch nur ein einziger Redner zu einer Sache das Work ergreift, so ist schon das Mehrfache von fünf Minuten dahin. Trotz ⸗ dem wurde die erstaunliche Leistung vollbracht, daß nämlich nicht nur sämtliche Gegenstände in etwa 2½ Stunden er⸗ ledigt und dabei auch noch ziemlich geredet wurde! Die Ver— waltung hat nämlich eine Neuerung getroffen, durch welche die Verhandlung im Plenum ziemlich gefördert wird: es werden die Anträge der Ausschüsse zugleich mit der Tages- ordnung den Mitgliedern überreicht, so daß letztere genauer informiert sind, als das früher der Fall war. Damit werden Anfragen, Ausführungen usw. erspart und die Beratungen wickeln sich viel schneller ab. Es gab nur bei wenig Gegen- ständen eine Debatte, 3. B. bei der Hundesteuer, der Straßen- bahn, beim Bauprogramm, der Leschenbestattung usw. Doch hielten sich die Debatten in bescheidenen Grenzen. Im ganzen verlief die Sitzung glatt und sachlich. g Für den Fulda⸗Lahn⸗Kanal-Verein soll der Jahresbeitrag flir 1023 von 5 auf 15 000 May erhöht werden, was die Versammlung genehmigt. Der Beitrag für den Lesehalleverein für 1022 wird auf 200 000 Mark erhöht.— Für den Verein für Kommunalw'irt⸗ schaft usw. wird der Veitrag von 2220 Mark bewilligt.— Eben so wird die Nachtvags⸗AUmlage für den Deutschen Städtetag mit 27 000 Mark bewilligt.—
Eine zwecklose Stiftung hatte die Stadt im Jahre 1879 er⸗ vichtet, nämlich anläßlüß der golden Hochoct des damaligen Kalserpaares wurde eim Betrag sestgelegt, aus welchem bedürftigen Ehepaaren. welche ihr goldenetz Chejubiläum erleben eine Unter⸗ tügung zufließen soll. Nach Veschluß des Finanzausschusles wird
Sbistung aufgehoben und der Oberbürgermeister ermächtigt, aus dem auf 50 000 Mark erhöhten Dispositlonsfonds Eheleuten, die ihre goldene Hochzeft begehen eine Zuwendung zu gewähren. Dle Versammlung stimmt dem zu.— Ebenfalls wird dem Nachtrag Ortssatzung über die Fremdenabgabe zugestimant. nachdem Mann beuntragt hatte, die untede Grenze der Freihest von der Steuer auf 300 Marr sestzusetzen. Schließlich wird auf Autrag des Oberbürgermeisterg die Summe auf 100 Mark festgesetzt. Sladtu. Schwab wollte die Steuer auf die Mieter gelegt wissen.— Dor freiwilligen Sanitätskoloune vom Roten Kreuz wird
ein Zusch
haben der zwesten Verwaltungsprüfung unterzogen. Sie sollen ihre Aufwendungen ersetzt erhalten. Die Versammlung stimmt dem zu.— Die Hundesteuer soll auf 3000 Mark pro Jahr für den ersten Hund erhöht werden, für jeden weiteren 1500 Mark mehr Stadtv. Schwieder wendet sich dagegen. Stadtv. Müller ält die Steuer für zu gering und welst auf die durch die vielen Hunde in den Straßen hervorgerufenen Misßzstände hin. In der Abstimmung wied die Vorlage angenommen.
1(Schluß folgt.)
von 50 c Marr bewilligt.— Einige stäbthsche Beamte
—Eine öffentliche Versammlung findet nächsten Mon- tag, 19. Februar, abends 8) Uhr im Saale des Gewerk— schaftshauses statt. Reichstagsabg. Dr. Quessel-Darm⸗ stadt wird über die Besetzung des Ruhrgebiets und die So— zialdemokratie sprechen. Es darf wohl erwartet werden, daß die Parteifreunde sich zahlreich einfinden,
— Die Straßenbeleuchtung in der Stadt war bisher recht mangelhaft. Namentlich klagten Arbeiter, Relsende usw. dartüibge, die morgens srübzeitia nach dem Bahnhof oder nach ilzer Arbeits⸗ stelle mliissen. Gegenwärtig würd eine Verbesserung durchgeführt. Die alten Gaskandelgber werden entfernt und es sollen mehr elektrische Lampen angebracht werden. Durch Verwertung der gußelsernen Kandelaber dürften die Kosten sitr die Installatson der neuen Lampen mehr als gedeckt werden, wenn auch das Aus⸗ reißen des Straßenpflasters bek Entfernung der Kandelaber ziem⸗ lich viel Arbeit verursacht. Fiir die Strassenpassanten bildeten die Laternenpsähle in der Dunlbelheit ein Verkehrshinde rns.
— Für Eltern von Impflingen. Zur Zeit werden den Eltern der im vorigen Fahr impfpflichtig gewesenen, aber trotzdem noch
micht geimpften Kindern bie Aufforderungen zugestellt, das Ver⸗ säunmte nachzuholen bevor Vestrafung einzutreten hat. Herr
Medizinalrat Dr. Walger teilt uns wit, daß er in nächster Zeit, voraussichtlich am Mittwoch den 28. Febrhar, nachmittags 3 Uhr
an der Turnhalle der städtischen Mädchenschule in der Schillerstraße
einen öffentlichen unentgeltlichen Impftormin eee
Max Dortu, Thomas Münzer. Leipzig, Lothar Joachim, 1922.
(Vorrätig in der Buchhandlung der Oberhessischen Volkszeitung.) Der Helddieser dichterischen Bilder ist eine bekannte
und bedeutende Persönlkchhett des Resormationszeftalters. In seinem
Kopf herrschte eine Aufklärung, die in vielen Stilcken seiner Zeit
weit vorauseilte. So lehrte er, der heilige Geist sei nichts anderes, als unsere Vernunft und unsor Verstand, und hier auf Erden sei das Reich Gottes, Feelheit und Gleichheit zu stisten. Wer büchte da ulcht an den Vers Heinrich Heines? „Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten:
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.“
Kein Wunder, wenn Thomas Münzer zu den ungöltlichen
Gewalten, die der chelstlichen Orbnung, so wie er sie verstand, wider—
strebten, nicht die Pfafsen allein rechnete, sonbern wenn seln Haß sich,
vor allem gegen die Flürsten und Herren und gegen die, welche er flu
—
ihre Knechte hielt, wie Luther und Melanchthon richtete. Seinen reli⸗
gicsen und sozialen Radikallsmus hat er mit dem erhabenen Stifter seiner Religion gemein, und gang im Gaiste Jesu trat er filr dle
Mlthscligen und Boladenen jener Tage, die gequälten, unterdrückten
und ausgepreßten Bauern eln. So wurde er der ideallstische Schwär— mer und fanatische Revolutsonär, der den Bauernkrieg in Thll⸗
Unter seiner Führung erlagen dle ungevrbneten Ballernhantfen um Wie be, e neee 1525 der ihnen an Zahl, Bewaffnung, Kriegskunde und Geschfitzen welt überlegenen ürstlichen Streitmacht. Milnzer selbst wurde gefangen und nach un— sagbaren Folterqualen hingerichtet. So triumphterte dle grausame Rache der Herren,
Dortus Werk hot also zunächst eine hüstorlsche Seite. Wir stimmen ihm durchaus zu, wenn er den Gegensatz zwischen Luther und Münzer so kennzeichnet:„Da war nun der fsunge Luther gekommen— kühn, stürmend und klar— und hatte dem deutschen Volke alles versprochen: Freiheit von Rom und Freiheit vom Joche ber Ausbeutung—— bis er umschwenkte. Der alte Luther wurbe ein Kompromißler, Er ließ mit sich handeln, er bewilligte. Aber du,
mein Münzer, du Fanatlker der Idee, du unerbittlicher Streiter
für die menschliche Allgemeinsambelt, du bliebst bei den Armen!—
ö Luther schwenkte ab zu den Veslienden, zu den Filrsten, Rittern,
abhalten wird.
des wird rechtgesstig bekannt gemacht werden.
— Briefkontrollstelle im besetzten Gebiet. Postamtlich wird mitgeteilt, daß von der sranzöstschon Besatzungsbehörde bel dem Postamt I in Maungz eine Kontrollstelle für den Beles⸗ vertehr nach und aus dem besetzten Gebiet elugerschtet worden ist. Für alle diejenigen, welche Koörrespondenz unterhalten, ist größte Vorsicht zu empfehlen.
— Ein Abenteuer mit unangenehmen Folgen erlebten kürzlich wei Bäckermeister. Ste hatten in Frankfurt Mehleinkäufe abge⸗ flossen und wollten sich nachdem einige fröhliche Stunden be— reiten. Mit Damengesellschast logtierten sie sich in ein Hotel ein, wo sie die Damen als ihre Ehefrauen ins Fremdenbuch eilnkrugen. Nach süßem Schlummer ließen sie die Damen im Hotel zurück, um mit dem ersten Zug nach Stuttgart abguxeisen. Die Damen hatten nichts eiligeres zu tun, als sich beizeiten unter Mitnahme der Bettwäsche aus dem Staube zu machen. Die Kriminalpoltzet u er⸗ wischte sie aber und stellte ihre Namen sest. Nun werden ver— mutlich die beiden Bäckermeister für den Schaden aufbommen, müssen; noch peinlicher dürfte aber die nicht ausbleibende Aus⸗ eanandersetzung mit den besseren Hälften ausfallen.
Für die Ruhrhilse. Das am Samstag von der hleslgen Reichs- wehrkapelle veranstaltete Wohltätigkettstkongert im Stadtgarten erbrachte als Reinertrag die Summe von 108 200 Mk.
h. Rüddingshausen. Der vor etwa zwel Jahren ausgebrochene Streit um die Schaf welde, hat, nachdem er in den letzten Momo mehrere Gerschtsinstanzen beschästigte. nunmehr vor der ersten Zivilbammer n Gießen voxaussichtlich selnen Abschluß ge⸗ funden. Wie vorauszusehen war, hat die Kammer zu Gunsten der Schäfserelgesellschast entschtoden. kt oiwem gleichzeitigen Vergleichs- antrag für belde Partelen zum Zwecke gemeinsamer Regelung des Stveitobjeltes. Die durch das Verfahren entstandenen Kosten tragen beide Teile se die Hälfte. Unsererseits wird man nunmehr diefen angestvebton Vergleich elner genauen Priifung unterziehen milssen, und unter Wahrung der uns berlihrenden Interessen, einer Basüs zur eventuellen Verständigung beistimmen. Mit welcher Kurzsichhlakenn in dieser Hinsicht gerade von Seiten des Bauernbundes gearbeitet wurde zeigte der Lauf der Verhand- lungen vor der Jivilkammer insosern, als man eg sertig brachte, auf Grund des Hutrechtes welches noch aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts stammt dean Freiherrn von Rabenqu erneut ihre früheren adligen Vorvechte zm sichern, wonach diese auf unserer Gemarkung eine Schasherde von 150 Stick weiden lassen könmen. Anderseits dagegen hat man von dieser Seite einen Rechtsstrelt angefochten, zur Klärung des Jagdvechtes eines im der hlesigen Gemarkung liegenden Waldes welches man diesen hierbei entziehen will. Höchste Zet wäre es fedoch, wenn sich Regierung und Laud⸗ tag endlich dazu berelt fänden. mit dhesen Vor⸗-Reservatrechten aufzurakumen oder Maßnahmen zu ergrekfen, wobei das Wohl der Allgemeinheit nicht ausgeschaltet wird.
— Londorf. In der Generalversammlung unseres Unter⸗ bezirks, die am Sonntag, 11. Febr., in Kesselbach abgehalten würde, hatten alle Vereine Deleglerte entsandt. Schäfer eröffnete die Versammlung und dankte den Erschienenen für ihre Mit⸗ arbeit kin vergangenen Jahre. Er sprach hierauf über die poli⸗ tische Lage, wobet er die Vesetzung des Ruhrgebtets in die Er- örterung zog. Seine Ausführungen wurden aufmerksam ver⸗ folgt und zustimmend aufgenommen. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl der bisherigen Mitglieder Vorsitzender Schäfer dankte für das ihm erwiesene Vertrauen und ermahnte die Ge— nossen, der Partet die Treue zu bewahren, bedauerte dabel, daß manche die Parteipresse nicht unterstsitzten und damit für die Gegner arbeiteten. Alle Gewerkschaftsmitglieder müßten auch politisch organlstert sein; ebenso mlißten dle Gesang- und Sport- vereine der Arbeiterschaft unterstligt werden. Beschlossen wurde noch, den Beitrag für den Unterbezirk von 1 Mk. auf 10 Mk. herauftursetzen. Schließlich widmete der Vorsitzende dem ver- storbenen Genossen Hermann Jäger einen Nachruf, wobel die An⸗ wesenden den Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen ehrten. — Nächste Unterbezirksversammlung findet in Allendorf ua. Ed. statt.
— Nieder-Bessungen. In der Gemeinderatssttzung am Montag wurde in Anwesenheft des Herrn Reg.-Baumeisters Schneider— Gießen über den Bau eines Kriegerdenkmals verhandelt. Man war in einer der vorletzten Sitzungen der einstimmigen An— sicht, daß der vorgesehene Entwurf nicht in dieser zostspieligen Art zur Ausflchrung gelangen sollte. Weiter war man vor dse Tatsache wyestellt, die Ausflührungsarbeiten andevwettig zu vergeben, da Herr Bildhauer Goy von Lich, bis fetzt noch nicht flir das Roh- material gesorgt hatte, trotzdem derselbe sast schon ein Jahr Zeit dazu hatte. Herr Reg.⸗Baumetstex Schneider legte neue Prelsan— gebote vor, welche sich zur respektablen Höhe von 1,6 Millionen und darllber gusschwängen. Nach Mitteilungen eines bürgerlichen Gemeinde ratsmitgliodes soll das Tenkmal eine Stiftung der Joh, Klös Eheleute New-⸗Hork geben. Eine Blürgerversammlung wird sich mit der vorläufigen Kreditbeschaffsung besassen. Gedacht ist, von der Landwirtschaft treibenden Veyse erung zirka 20 Zentner Weizen, um Tagespreis zeichnen zu lassen. den Weizen je nach Anforderung von Arbeitslöhnen zu rerensen— so bräuchte dle Geldentwertung nicht geflürchtetet zu werden— und so bräuchte die zur Verfligung stehen, das'etgesetzte Kaufgeld zurückzuzahlen. Nun wird also auch den Heim- und Etappenkriegern Gelegenheit geben, ihre Vaterlandsliebe? zu zeigen. Manch einer ist aber auch der Ausicht, daß, solange ess in Deutschland hungernde Kinder gibt, man nicht solche Summen für Kriegerdenbmäler ausgeben sollte!! n.
* devartig im Rückstand befindlichen Kinder he
Patriglern und Kaufleuten. Hart blieb er wohl im Kampfe gegen
dle Pfassen verloren.“
Mit diesen treffenden Worten ist der Luthers, sesue Tragik scharf gekennzeichnet.
Aber die heiße Parteinahme fir Mlinzer verfishrt Dortu zu Un⸗ gerechtes tem und Uunstümmigkeiten im einzelnen. Wer will ihm glauben, det Hether im Jahre 1521, als er, heimkehrend von Worms, von seinem freilich mehr„greisen“ als„welsen“ Kursiirsten nach der Warthurg in vorläufige Sicherheit gebracht wurde,„sich wie eine Planbschnängige Ratte in ihr Nest verbrochen habe?“, wenn er Luther „in Weiberbetten“, Miinzer„in den Armen des Elends“ sseht? Grade ein Vorkämpfer stir alle Rechte der Natur, wie Dortu sollte doch die Ghe Luthers anders werten, als das, was sie in Wahrhelt ist, er⸗ konnen und anerkennen, als slittlich befrelende Tak.— Um derartlge, viel zu scharf und zu elnseitig zugespitzte Urte lle zu übergehen, scheint mir die Gesaontesnstellung gegenllber dem Problem„Luther und Mlinzer“ micht einwandfrei, nicht gerecht zu seln. Der Ordnungsmann und der Schwärmer, belde haben ihren Sinn und ihre Bedeutung in der geschichtlichen Entwicklung der Menschshelt und auf die Gefahr hin, von Dortu scheel angesahhen zu werden, hoffe quch ich noch auf ein gllickllches Kompromiß zwischen beiden Rotzwendigbelten zum wirk lichen Porytschyftt.
Der Dichter Dortu muß so genommen werden, wie er ist. Er sloßht unter mnerem Zwang. Wir maßen uns uscht an, selnen Stel zu kritisteren. Er versteht, in scharfen Sätzen selne Gedanken zu um reißen. Wür haben oben eine Probe von dseser Kunst gegeben. Der kühne Gebrauch anefgereshter kwappster Sätze oder gar einzelner Nach'⸗ drucksworte lohnt sich, So im Gelstigen die Endeharakterkstüb' der bel⸗ den gegensätzlichen Männer guf S. 55, im Sinnlichen etwa der Sturm durch die oberstaltenaschen Städte C. 5. Aber wer möchten doch, wle in der Vesprachung elnes srylsheren Werkes, Dortu lelse warnen vor flackernder Exaltion, vor UHebertrelhung und abstumpfen— der Mfederholung. Das FIntropunkttonsmittel:„Gluck! Glsick! Gli!!!“ erträgt man schwer zu oft.
Andererseits pflichten wer gern und mit freudiger Anerkennung dem Freunde bet, wenn er uns brieflich seine Hoffnung augsprscht, im„Münzer“ besser als zuvor die einheitliche Linde gewahrt zu haben. Ja, die ins Materielle und Intellektuelle ümmer wieder
aber für das leidende Volk war er als Kampfkraft
innere Riß im Leben
Krels Scholten.
s. Ruppertsburg. Vor einiger Zelt erschlien im Gießener Augeiger eine Mittethung von bler, daß von der hlesigen 8 gruppe des Vauernbundes 38 200 Mark und 17 Zentner Frucht für die Ruhrhilse aufgebracht wurde. Es ist icht richesg daß die gemannte Ortsgruzwe diese Spende allein aufgebracht hat, wie aus senem Artikel hervorzugeben schten, richtig ist vielmehr, daß die gange Gemeinde an deser Spende beteiligt war. Wenn die Ortegruppe die Opferwilllabeit rer Mitglieder in ein lichst autes Licht zu stellen sucht, ist das begreiflich, aber es muß auch den Tatsachen entsprechen.
Westerwald und Unterlahn.
— Tob auf den Schienen. Am Sonntag früh wurde der Ober⸗ schaffner Wilh. Thorn aus Frelendlez im Vahnhose Limburg gwischen den Schienen des Elnfahrtgleises Fretendiez-Limburg mit schweren Verletzungen tot aufgefunden. Der Bedauernswerte, ein äußerst pflichttrener Beamter, war auf dem Wege zum Dienst und ist an⸗ scheinend von dem um 6.92 von Fretendiez einlaufenden Zuge liber. fahren worden. Thorn war verhelkratet und 52 Jahre alt.
Kleine Nachrichten.
Frunksurt a M., 15. Febr. Eln zwelter Glftmörder Hope Wie Krimtinalpollzet beschäftigt sich sett elnigen Tagen mit einer Giftmerdaffäre, die in ihren Eingelheiten an die Un taten des Giftmörders Karl Hopf vor etwa 10 Jahren exlinnert. Es handelt sich in diesem neuen Falle um den ande Cärtner und jehinen Krankenpfleger Gustav Werner, Rendelerstraße 80, einem etion Lejéhrigen verhetrateten Mann. Schon im vorsgen Jahre war gegen den Werner ein Verfahren eingeleitet worden, daß er im Verdacht stand, seine Ehefrau durch Gift besettigen zu wollen. Das Verfahren mußte aber eingestellt werden, well die Frau und deren Verwandten dag Zeugnis verwelgerten. In⸗ zwischen hat aber Werner die Glftmordversuche an der Frau fortgesetzt. Er spritzte ihr in rassinterter Weilse Giftstosse ein, so⸗ daß sie immer mehr dahin stechte, sich aber sedesmal wieder 1 98 wenn Werner verrelst war, also Einspritzungen nicht vornehmen konnte. Als sich jetzt die Frau in ärztliche Behandlung begab, wurde bei ihr elne Vergüstung mit Trivalln-Hyo ein festgestellt. Flaschen mit diesem Gift und anderen Giftstossen fanden sich in der reichhaltigen Hausapotheke des Werner in großer Anzahl vor. Jetzt werden aber auch noch weitere schwere Verdächtigungen aus den Verwandtenkreisen gegen Werner laut. So wird es als
wahrscheinlich bezeichnet, daß er eine Anzahl anderer ihm zur pflege anvertrauter Kranken in Frankfurt und in Köntgstein durch Einspritzen von Gift getötet habe. Soweit bizher e·
stellt werden konnte, trifft es tatsächlich zu, daß verschledenen der Pflegebefohlenen des Werner nach längerem Stechtum gestorben sind. Dle Pollzet arbektet mit Nachdruck an der Klärung dieser Aufsehen erregenden Angelegenhelt. Das von Werner ver- wendete Hyoseln ist ein im Bilsenkraut vorkommendes Alkalold, dessen Salze in der Medizin als Schlafmittel Verwendung finden, in fortwährenden kleinen Dosen gegeben aber unfehlbar zu Ssech⸗ tum und schließlich zum Tode führen muß.
Frankfurt a. M., 15. Febr. Gegen Bürgschaftentlassen! Die Oberurseler Mehlfälscher, die Mühlenbesitzer Messer und Abt wurden am Dienstag gegen Stellung von se einer Millton Mart Bürgschaft aus der Unersuchungshaft entlassen.— Das gemeine Volf kann eine solche Maßnahme einfach nicht verstehen.
Sport g
Sitzung des ann, Ge e am 11. Februar 1023 n Gießen.
Um 10 Uher eröffnet Sportgenosse Schäfer die Sitzung. Es waren die Mitglieder sowie sämtliche vorgeladene Zeugen an⸗ wesend. Er gibt die Tagegordnung bekannt:
1. Hungen J.— Lollar I.(Schledsschterbeletdigung und Splel⸗ abbruch).
2. Annerod I.— Hungen 1. und Lollar J.(Nichtantreten).
g. Allendorf 1.— Hungen J.(Nichtantreten.)
4. Lollar J.— Wieseck 1(Schledsrichterbeleldigung).
5. Verschledenes.
Unter Punkt 1 liest Schäfer den Antrag von Hedrich vor, in welchem derselbe erläutert, daß er bel dem Spiele Hungen I. gegen Lollar JI. am 3. Dezember v Ja. in Hungen von dem Spfeker Hch. Wlürtz-Hungen mit gemeinen, schmutzigen Schimpfworten be⸗ leidigt wurde. Da ihm der Name des Spielers nach mehrerem Fragen verschwlegon blieb brach er das Spiel ab. Aus den Aus⸗ sagen der Zeugen geht hervor, daß sich der Spieler sowie der Plat- verein dadurch stvafbar gemacht haben. Der Spieler Würtz wird daher zu 4 Jahr disquallfitlert und Hungen mit 300 Mark Strase belegt.
Punbt 2. Wegen Nichtankreten von Annerod I. gegen Hungen J. in Hungen mußt A. die entstandenen Kosten von 500 Mark au Hungen bezahlen. Bel dem Spiele A.— Lollar ist di⸗ Schuld
Punkt 4. Ves dem Spiele Lollar 1.— Wieseck J.
darin zu finden, daß, A die Tabellen noch nicht hatte. punkt 3 wird verworfen, da es seine Richtlakelt hat. der Spleler Sodt-L. nach Aussagen des Schleds eichterg nelp Marburg denselben belelbigt. Dasselbe klärt sich sedoch als nscht PP
——
altsschweifende, ja vulkanlsch ausbrechende Dichtung steht letzten Endes doch unter dem edlen Zwange desselben Zieles, desselben Gedankens. Dortus neueste und reisste Fretheltsdichtung filhrt, werden aluch immer„Ziele hinter den Zielen“ stehen, wie das Schlußwort betont— gerade durch ihren geschlossenen Jushalt„näher gum großen Ziele, zur allmenschlichen Gemeinsamkelt, zum wahren und schönen Soglallsmus.“
Als wohlgelungenes Velsptel stunlich⸗plasttscher Darstellung set Abschnitt 12 erwähnt: Nilruberg, die Meßstadt. Den Hhhepu ut des ganzen Werkes bildet ungwesselhaft das große 11. Kapftel: Die bilderstürmerische Schändung der Marienkapelle von Mellerbach im Harg, die große Buspredigt Milngers in der Pfarrkirche zu Altstadl. („Kampf den Pfassen! Aber nicht Kampf den toten Gegenständen!“). die Rechenschaft ür des Volles Gewalttat(well ich auch liebe!“) vor dem Filrsten- und Theologenrat auf dem Schlosse zu Weimar. Das sind wirkliche Ganz tile mit eignem Herzblut geschrtebenen Nacherlebens des Dichters, der, wie er am Schlusse sagt,„über kithme Zeltbrllcken neben dem Freunde, dem edelen Thomas Mllnger, selber gegangen ist.“ 0
Noch ein ossenes Wort. Mar Dortu ist ein Ringendex. Ist Vollen. dung überhaupt den strebenden Menschen beschleden? Einen„Faust“ vermochte nur einer zu dichten, und der blieb Stiickwerk. Die so leicht zerflatternden Gedanken hält der Dichter numnehr strasser zusammen Immer wieder nimmt er trotz aller Hemmmntisse und Zerstreuungen den roten Faden des Gesamterlebulsses aus. Der Held, sein Tun und Lassen, sein Slchverlleren in körperliche Ansechtungen und geil stige Irrwege, sein Sichlmmer wiederfinden zum hohen Ziele. An der Menschheit Arbelten“(S. 40), zwlogt selnen Dichter zum großen Vorteile der Dichtung, sich zu konzentrieren. Aber dle Sprache? Vlegt nicht in der Unstckligkelt dleses Feuerxelements, das den Dichter wahrlich nicht immer„begähnmt, bewacht“, elne große Gefahr, ein noch andauerndes Hindernis füür die wahre poetische Relse, dle wit dem Feuergelst und dem Volkafreunde so Ul wilnschen? Der ein, zelne Satz, das einzelne Wort, das einzelne Bild, wie oft entschweben, entglelten ste noch jener Forderung, die
„aus Morgenduft gewebt und Sonnenklarheit, der Dichtung Schleler aus der Hand der Wahrheit“ als höchste Lelstung des vollendeten Poeten aufstellen und bieten will! Lud wia der.


