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Frankreich
dag mit den Erhöhungen der Beamtenbezüge.
Abfall drohen, wenn sie sich jetzt wieder enttäuscht sehen. Auf den 20. Januar haben die Nationalsozialisten Münchens eine Fahnenweihe angesetzt. Es gehen uns aus München Nachrichten zu, denen zufolge es bei der Fahnenweihe nicht bleiben soll, diese vielmehr den äußeren Anlaß zu einer großen Aktion der Nationalsozialisten bilden wird. Putsche, die auf ein bestimmtes Datum angesetzt sind, treffen gewöhn⸗ lich nicht ein. Man sollte auch meinen, daß es den bayerischen Rechtsradikalen im Augenblick an einer zugkräftigen Parole fehlt da sie gegenwärtig weder an der Regierung Cuno,
noch am Kabinett Kmilling viel aussetzen können. Anderer-
sseits aber handelt es sich um eine Bewegung, deren Verlauf
von Regeln politischer Vernunft nicht geleitet wird. Inner⸗ politische Unruhen im gegenwärtigen Moment würde, wie keiner Betonung bedarf, nicht nur eine Gefahr, sondern die Katastrophe bedeuten. Von den feindlichen Brüdern.
Die Deutschnationalen Mecklenburg⸗Schwerins hatten
den zur deutschvölkischen Freiheitspartei übergetretenen ichstagsabgeordneten von Graefe⸗Goldebee wegen dieses
Schrittes zur Niederlegung seines Reichstagsmandats auf⸗ gefordert. Herr von Graefe hat jedoch dieses Ansuchen ab⸗ gelehnt.
Kommunistenverhaftung im Elsaß. Der elsässische Kommunist Karl Huber, der mit Cachin
in Essen weilte und am Freitag abend in einer Protestver⸗
sammlung gegen die Besetzung des Ruhrgebiets gesprochen 055 ist am Sonntag verhaftet und nach Paris verbracht worden.
Die englische Besatzung am Rhein.
Ein Teil der deutschen Presse, auch v. Gerlach in der Welt am Montag, fordert von der britischen Regierung die Jurückziehung der britischen Truppen aus dem Kölner Brückenkopf. Wir geben zu, daß eine solche Maßnahme als große Geste recht schön wirken würde. Nach einigen Tagen aber würde sie vermutlich vergessen sein. Jedenfalls hätte der Abmarsch der Briten aus Köln schwerlich eine nach⸗ haltige Wirkung auf die französische Politik. Was aber würde aus dem Kölner Gebiet, wenn die britische Besatzung es verlassen hätte? Nach dem Friedensvertrag braucht Köln erst im Jahre 1925 geräumt zu werden, und zwar unter der Voraus setzung, daß Deutschland seinie Verpflichtungen er⸗ füllt hat. Die Franzosen würden also zweifellos das Necht
11 sich in Anspruch nehmen, Köln durch ihre Truppen zu
In Köln gibt es außer dem Redakteur der von 5 finanzierten Rheinischen Republik sicher niemanden, der diesen Zustand wünschte. Solange das wichtige Kölner Handels- und Industriegebiet den Fran⸗ esen nicht preisgegeben ist, besteht ein für die französische ik unüberwindliches Bollwerk inmitten der französischen iheinfront. Solange werden auch Absonderungsputsche, die mit französischer Hilfe vielleicht wieder kommen werden, nur schwer über das ganze Rheinland auszudehnen sein. Solange die Franzosen nicht in Köln sind, kann ihnen das Rheinland nicht gehören. Gewiß möchten die Kölner, wie alle Rheinländer, gern von jeder Besatzung befreit sein. So⸗ ee aber nur die traurige Wahl zwischen den Be⸗ ngstruppen der Ententestaaten haben, ist jedem Rhein⸗ iet die britische Besatzung aus politischen und rein mensch⸗ Erwägungen lieber als französische oder belgische. Die deutschen Zeitungen, die immer wieder die Briten aus Köln fortlocken wollen, tun der deutschen Sache einen sehr schlechten Dienst. Die Sozialdemokratie des Kölner Ge⸗ bietes hat in diesem Sinne mehr als einmal ihre Auffassung auch britischen Politilern gegenüber kundgetan.
Haushaltsausst uß und Veamlenbezüge.
Der Haushaltsausschuß des Reichstags beschäftigte sich am Mon⸗ . 5 0 Gen. Bender wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß es seit der letzten Neuregelung der Beamtenbeziige schon wieder so weit gekommen sei, daß die Teuerungszuschläge bereits das Dreiumdeinhalbfache des Grund⸗ gehalts betragen. Dieser unerträgliche Zustand müsse durch eine schleunige Neuregelung der Grundgehälter beseitigt werden. Bei der Beratung des Verordnungsentwurfs über die Echöhung der Teuerungszuschüsse und der Einkommensgrenzen im Gesetz über Teuerungsmaßnahmen für Militärrentner erklärte Gen. Jäcker, daß der Entwurf der Teuerung Rech mug trage. Die im Gesetz vorge⸗ sehenen, im August 1922 gezahlten Teuerungszuschüsse würden auf
15⸗ bis 20 fache, bei den Vollwaisen auf das 24fache erhöht. Die neuen Sätze würden noch durch den zuständigen Reichstagsausschuß
um 1 Milliarde Mark pro Monat erhöht. Der Haushaltscusschuß stimmte dem Gesetzentwurf zu.
Deutscher Reichstag.
Der Reichstag erledigte am Montag in seiner 287. Sitzung im Eilzugstempo einige Gesetzentwürfe ohne jede Aussprache. Die Rechtsschutzverträge mit Oesterreich und der Tschechoslowakei und ein vorläufiges Uebereinkommen mit Finnland über Fragen des Han⸗ delsverkehrs wurden in allen drei Lesungen genehmigt. Debattelos wurden der 9. und 10. Nachtragsct at, die die neuen Besoldungser⸗ höhungen enthalten, verabschiedet. Der Gesetzentwurf, der die Er⸗ klärung der allgemeinen Verbindlichkeit von Tarifverträgen verein⸗ facht und beschleunigt, wird in erster und zweiter Lesfung angenom⸗ men, desgl. die Novelle zum Weingesetz. Der Gesetzentwurf über die Rücklagen bei den Berufsgenossenschaften wurde auf Antrag des Genossen Hoch dem Soziolpolitischen Ausscheuß überwiesen.— Um 743 Uhr vertagte sich das Haus auf Dienstag 2 Uhr.
Hessen und Nachbargebiete.
Gießen und umgebung.
Geschichts kalender. 17. Januar. 1318 Erwin von Steinbach Baumeister des Straßburger Münsters. gestorben. 5 1641 Der schwedische General Hans Banner erscheint vor Regens⸗ burg, wo gerade der Kalser Jerdinand III. Reichstag hält. 1706 Benjamin Franklin in Boston geboren. g 1793 Ludwig XVI. von Fraukreich wird von der Nativnalver⸗ sammlung zum Tode verurteilt. 1909 Blutige Wahl vechtsdemonstration in Dresden.
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Nationaler Trauertag.
Für den vergangenen Sonntag hatte die Reichs⸗ regierung angeordnete, daß er als Trauertag gelten sollte, anläßlich des Einbruchs der Franzosen in das deutsche Ge⸗ hiet. Die öffentlichen Gebäude waren halbmast beflaggt, lärmende Lustbarkeiten verboten. Damit sollte gegen den unverschämten Rechts⸗ und Vertragsbruch, den die Fran⸗ zosen gegen uns verübten, protestiert werden. Der Protest ist gewiß am Platze; jeden gerecht Denkenden, welcher Nation er immer angehören mag, muß der freche Raubzug gegen ein wehrloses Volk empören. Erst recht jeden Deut⸗ schen zu welcher Partei er sich immer zählen mag. Auch wir protestieren; nicht nur das, sondern unsere Partei wird im Bunde mit den Genossen aller Länder dem Vorgehen der Franzosen nach Kröften entgegenzuwirken suchen.
Diese Gelegenheit wird aber ven einem Teil der rechts⸗ stehenden Presse und von nationalistischen Phraseuren be⸗ nutzt, Kriegshetzereien schlimmster Sorte zu treiben. Sie können ja vorläufig weiter nichts anrichten, denn wir sind erstens entwassnet und zweitens hat die übergroße Mehrheit des Volkes die Nase vom letzten Krieg noch voll genug. Aber das Volk wird durch die Hetze vergiftet, die sich mehr gegen die Republik als gegen die Franzosen richtet. Man höre, was z. B. die Hamburger Nachrichten dieser Tage von sich gaben:
„Es ist wundervoll, jetzt unter den Arbeitern der Stadt herumzuhorchen und mit ihnen Gespräche anzu⸗ knüpfen. Es ist eine reine Mobilmachung; eine Stimmung, ähnlich wie die vom August 1914, da das Volk aufstand und der Sturm losbrach. Die„reaktionärsten Zornesausbrüche werden mit voller Zustimmung aufge⸗ nommen; die Wut gegen den eitlen Gallierhäuptling kennt keine Grenzen. Und das heißt uns hoffen! In dieser Stunde reichen sich alle Deutschen die Hand; jeder Parteigedanke erblaßt. Der Feind sieht bei uns in diefer Frage keine Parteien mehr, nur noch Deutsche. Wohlan: die Hände hoch zum Rütlischwur!“
So sucht man auch die Arbeiter aufzustacheln. Nicht nur in der Presse, sondern in: Wirtshaus, der Eisenbahn oder sonstigen öffentlichen Orten. Diese törichten und un⸗ verantwortlichen Hetzreden werden auch von anderer Seite gebührend gekennzeichnet. i
So hat die Liga„Junge Republik“ in Gemeinschaft mit dem Aktionsausschuß„Nie wieder Krieg“ und dem „Friedensbund der Kriegsteilnehmer“ einen Aufruf zur Besonnenheit und gegen den von Frankreich be— gangenen„neuesten und ärgsten Frevel einer größenwahn⸗
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sinnig gewordenen Clique von Intriganten und Gamaschen⸗
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Mitteln 815 000 Mark bewilligt.
knöpfen“ herausgegeben. Es wird in ihm bedauert, daf „bei uns gewisse nattonalistische Rlemente die gerechte 1 einmütige Empörung des deutschen Volkes durch eine zügel. lose Agitation zu mißleiten versuchen, die letzten Endes nur den engeren Parteiinteressen der lautesten Schreier dient und im Kern sich mehr gegen die deutsche Republik als geg die eklatante Rechts⸗ und Vertragsverletzung der franz schen Regierungspolitik wendet... Wir brauchen in diesen Schicksalstagen keine Aufstachelung der Affekte, wir haben die heilige Pflicht, kühlen Kopf zu wahren gegenüber allen Alarmgerüchten und inhaltlosen propagandistischen Phrasen wenn wir auch weiterhin eine Politik betreiben wollen, die das Chaos nicht vergrößern, sondern überwinden soll.“ Im Gießener Stadttheater wurde aus Anl. des Tages„Tell“ aufgeführt. Das war eine anerkennens werte, ganz bedeutende Leistung unserer Bühne und d Künstler, die nur zwei Tage Zeit hatten, das Stück einzu studieren. Trotzdem gelang es recht gut, von einigen kleine entschuldbaren Mängeln abgesehen. Von Direktor Stein⸗ goetter wurde ein von ihm selber verfaßter Prolog vor- getragen, in dem der Protest gegen die Gewalttat um Aus⸗ druck gebracht wird. Das Theater war überfü 45 viele konnten keinen Einlaß mehr erhalten. Mit stürmischem fast möchten wir sagen lär mendem Beifall wurde das Stück i mehrfach bei offener Szene begleitet. Einmal tobte der Bei. fall schon los, ehe noch der Akt zu Ende war, der Vorhang fiel, mußte jedoch wieder hochgehen, um den Akt zu Ende zu führen. Alle mitwirkende Künstler taten ihr Bestes. 8 0 Daß der übermaßige Beifall der herrlichen Dichtung galt, möchten wir in Zweifel ziehen. Bei vielen der meist jungen Besucher lag ihm offenbar so eine„Kriegsbegeiste⸗ rung“ zugrunde. Vernünftige Arbeiter werden sich davon richt anstecken lassen. 3
—— Wohlfahrtsfürsorge in Gießen. m Anschluß an den Artikel in unserm gestrigen Blatte noch 25 Galgen über die von der Stadt gepflegte Fürsorge aus dem Berichte des Wohlsahrtsamts mitgeteilt: Die städtische
zelpersonen und deten sich 39 Einzelpersonen un lingen aus Oberschlestien und und drei Familien zu verzeichnen. Di.. setzten Gebiete setzen sich zusammen aus 39 Familien. 5 2 5 Sämtliche Flüchtlinge wurden mit Geld teils laufend, teils einmalig unterstützt. 12 In. 318 Fällen wurden Kleider, Wäsche und Ausstattung gegenstände ausgegeben. Verpflegung und Unterkunft wurde 9 Flüchtlingen gewährt. Außerdem erstreckte sich die Fürsorge in 203 Fällen auf Arbeits⸗ und Wohnungsvermittlung. 1 Sozialrentnerfürsorge. In der Zeit vom 1. Januar 1922 bis 31. Dezember 1922 wurden in der Sozialrentnerfürsorge 30 Personen unterstützt. Der der Wohlfahrtskasse zur Last fallende Kostenanteil betrug 317 245.— Mark.„ Für die Rentner der Sozialversicherung hatte das Reich K November für außerordentliche Notstandsmaßnahmen 505 566.— Mark zur Verfügung gestellt mit der Maßgabe, daß Staat und Gemeinde ein Fünftel zuschießen. Der Zuschuß der Stadt be 9 hiernach 50 566.— Mark. Es standen somit zur Verfügung 606 679.— Mart. Hieraus erhielt jeder Sozialrentner, sofern er in der laufenden FJürforge steht bezw. stand, zur Beschaffung Winterbedarf für sich und für jede zu seinem Haushalt 67er unversorgte Person einen Gutschein über 400 Mark, den er bet hiesigen Geschäften in Zahlung geben konnte. Jexner erhielt aus diesen Mitteln jeder Soziglrentner 14 Zentner Brennholz(10 Zentner zu 37 Mk. und 4 Zentner zu 45 Mk.) unentgeltlich, sowie 2 Zentner Braunkohlenbriketts. Auch erhielt jeder in Fürsorge stehende Sozialrentner im August ½ Pfund. Margarine unentgelt⸗ lich. Bei der Mehlverteilung wurden 310 Sozialrentner mit rund 400 Portionen S 20 Zentner Mebl berilicksichtigt. 1 Kleinrentnerfürsorge. An 37 Kleinrentner(25 Einzelperso⸗ nen und 12 Ehepaare) sind auf Grund der Richtlinien des! 8. und Landes in diesem Jahre an Darlehen 299 865.50 Mk. und an Beihilfen 300 918.— Mk. ausbezahlt worden. f Bei den Darlehen besteht ein Rückgriffsan laß des Empfüngers. Die Beihilsen sind gewährt unter Ve auf Rückzahlung aus dem Nachlaß. 8 f Außerdem wurden seitens der Stadt abgegeben: g Im Aug. 22 an 210 Kleinrentner je 10 Ztr. Brennholz zu je 37 „ Nov. 22 an 156 Kleinrentner je 4 Ztr. Brk.⸗Brik. zu je 20% „ Dez. 22 an 100 Kleinrentner je 2 Itr Brk.⸗Brik. zu je 110 Dez. 22 an 335 Kleinr. 436 Port. Mehl je 5 Pfd. 2180 3 Winter⸗Notstaudshilfe. Die Stadt Gießen hat aus eigen Hiervon sind 13500 Mk. aun
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Die Sängerin. 10 Novelle von Wilhelm Hauff.
Der Direktor befahl dem Lakai, den Gerichtsdienern zu rufen, sie sollen den Gefangenen heraufbringen; der Kranke sank mehr und mehr zusamnien, sein Auge schien still zu stehen, es hatte nur eine Richtung, nach der Sängerin, aber auch jetzt noch schien Wut und Ingrimm daraus hervorzu⸗ blitzen.„Schepperl“, sprach er wieder,„du hast mich un⸗ glücklich gemacht, zugrunde gerichtet, darum verdientest du den Tod; du hast deinen Vater zugrunde gerichtet, sie haben ihn auf die Galeere geschickt, weil er dich mir um Geld ver- kauft hat; er lat mich beschworen, dich umzubringen; es tut mir leid, daß ich gezittert habe. Verflucht seien diese Hände, die nicht einmal mehr sicher stoßen konnten!“ Seine greu— lichen Verwünschungen, die er über sich und Giuseppa aus⸗ stieß, wurden durch eine neue Erscheinung unterbrochen. Zwei Gerichtsdiener brachten einen Mann in türkischer Kleidung; es war der unglückliche Ali Pascha von Janina— der Turban dedeckte das jammervolle Haupt des Kom— merzienrats Bolnau. Alle erstaunten über den Anblick, besonders schien der Kapellmeisser sehr betreten, er erblaßte und errötete und wandte sein Gesicht ab.„Monsieur de Planto“, sprach der Direktor,„lennen Sie diesen Mann?“ Der Kranke hatte die Augen geschlossen; er riß sie mühsam auf und sagte:„Gehet zu allen Teufeln, ich kenne ihn nicht.“
Der Türke sah die Umstehenden mit kummervoller Miene an.„Ich wußte wohl, daß es so kommen werde“, sprach er mit weinerlichem Tone,„es hat mir schon lange ge⸗ ahnet. Aber Mademoiselle Bianetti, wie konnten Sie doch einen unschuldigen Mann so ins Unglück bringen?“
„Was ist es denn mit diesem Herrn?“ fragte die Sängerin.„Ich kenne ihn nicht. Herr Direklor, was hat denn dieser getan?“
„Signora“, sprach der Direkter mit tiefem Ernst, den Gerichten gilt keine Nachsicht oder irgend eine Scho⸗ nung, Sie müssen diesen Herrn kennen; es ist der Kom⸗ merzienrat Volnau. Ihr eigenes Kammermädchen hat ein gestanden, daß Sie bei dem Mord seinen Namen ausge- rufen haben.“ g
„Freilich!“ klagte der Pascha—„meinen Namen ge— nannt unter so verfänglichen Umständen!“
Die Sängerin erstaunte, eine tiefe Röte flog über ihr schönes Gesicht, sie ergriff in großer Vewegung den Kapell⸗ meister bei der Hand;„Carlo“, rief sie,„jetzt gilt es zu sprechen, ich kann es nicht verschweigen: ja, Herr Direktor, ich werden diesen teuren Namen genannt haben, aber ich meinte nicht jenen Herrn, sondern—“
„vor
„Mich!“ rief der Kapellmeister und trat hervor.„Ich heiße, wenn es mein lieber Vater dort erlaubt, Karl
Bolnau!“
„Karl! Musikant! Amerikaner!“ rief der Türke und um⸗ armte ihn.„Das ist das erste gescheite Wort in deinem Leben, du hast mich aus mich aus einem großen Jammer be⸗ freit.“ 5
„Wenn sich die Sache so verhält“, sagte der Direktor,„so sind Sie frei, und wir haben in dieser Sache nur mit gegen⸗ wärtigem Herrn Chevalier de Planto zu tun.“ Er wandte sich um zu dem Bette; dort stand der Arzt und hielt die Hand des Mörders in der seinigen; er legte sie ernst und ruhig auf die Decke und drückte ihm die starren Augen zu.„Direktor“,
sagte er,„der macht es jetzt mit einem höberen Richter aus.“
Man verstand ihn; sie gingen aus dem Gemach des furchtbaren Toten und traten drüben bei dem Kapellmeister, dem glücklichen, wiedergefundenen Sohne des Pascha einz die Sängerin verbarg ihr Gesicht an der Brust des Ge liebten, ihre Tränen strömten heftig, aber es waren d letzten, die sie ihrem unglücklichen Schicksal weinte; denn der Pascha ging lächelnd um das schöne Paar, er schien an einem großen Entschluß zu arbeiten; er besprach sich heimlich dem Medizinalrat und trat von diesem zu seinem Sohn u der Sängerin.„Liebste Mademoiselle“, sprach er,„ich habe Ihretwegen vieles ausgestanden, Sie haben meinen Rare so verfänglich genannt, daß ich Sie bitte, ihn mit. Ihrigen zu vertauschen. Sie haben gestern meinen Teller mit Punsch verschmäht— werden Sie mich wieder zurücl stoßen, wenn ich Ihnen gegenwärtigen Herrn Karl Bo meinen musikalischen Sohn, präsentiere, mit der Bitte, zu ehelichen?“ 0 1
Sie sagte nicht nein; sie küßte mit Freudentränen be. Hand, der Kapellmeister schloß sie mit Ertzücken in seine Arme und schien diesmal sein erhabenes Pathos ganz ver- gessen zu haben. Der Kommerzienrat aber faßte des Dok⸗ tors Hand:„Lange, sage Er, hätte ich denken können, es so kommen würde, als Er mir den Schrecken in alle der jagte, als ich die Scheiben des Palajs zählte, un mir sagte: Ihr letztes Wort war Bolnau!“
„Nun! was will Er weiter!“ antwortete der Mediz rat lächelnd.„Es war doch gut, daß ich es Ihm dan sagte; wer weiß es, ob alles so gekommen wäre ohne letzte Wort der Sängerin.“ 5
Ende. 3
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pen auf den N 9 10 ahr„


