Ausgabe 
16.5.1923
 
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unserer Ffnanzwirtschaft geführt, zu einer Enteig⸗ nung der Mittelschichten des deutschen Volkes, aber andererseits auch zur Erhaltung und Stärkung des Sachwertbesitzes. Daß die Schichten, die auf Kosten des Volkes seit 1914 zunächst zum Kriegsgewinnler, dann zum Nevolutionsgewinnler, später zum Reparations⸗ gewinnler wurden und inzwischen sinnlose Inflations⸗ gewinne einstecken, nun endlich einmal nicht nur garan- tieren, sondern auch zahlen, verlangen das In- und Ausland. Das Ausland steslt diese Forderung, weil es sieht, daß nur die Sachwertbesitzer den allein zahlungs⸗ fähigen Kreis darstellen. Das Inland in seinen aller breitesten Schichten erhebt aber diese Forderung, weil es die Praxis satt hat, sich unter patriotischen Phrasen weit über die äußere Last hinaus von seinen Sachwerten ent⸗ eignen zu lassen. Die Art, wie gerade hier die Herren Helfferich, Keinath und Fischer⸗Köln in trauter Einheits⸗ front jede Zahlungsleistung vom Besitz fernhalten und alles uf die Massen abgewälzt haben, ist nicht geeignet, im Ausland Vertrauen und im Inland Zuversicht zu er⸗ 5 Langsam beginnt man nun endlich auch in der⸗ bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft das ehemals so verhaßte WortErfassung der Sachwerte wenigstens stotternd aus⸗ zusprechen. Maßgebende Regierungskreise sollen sich in⸗ tzwischen ebenfalls darüber klar geworden sein, daß wir in der Tat ohne die

. Sachwerte als Garantieleistung

nicht weiterkommen und daß eine gesetzliche Festlegung zu diesem Zweck nicht nur unbedingt notwendig, sondern viel⸗ leicht auch erzwungen werden muß.

Daß es dem gegenwärtigen Reichskanzler als Vertrauter der Wirtschaft nicht leicht fällt, einen derartigen Schritt zu tun, von dem alles abhängt und der schließlich die Grund- lage für die ziffernmäßige Angabe unserer Gesamtleistung bildet, ist verständlich. Schon munkelt man von einem

ücktritt der Regierung, obwohl sich auch die Ar- beitsgemeinschast einig darüber ist, daß im gegenwärtigen Augenblick eine Regierungskrise vermieden werden muß. Das ist auch unsere Auffassung!

Die Regierung, die uns bis hierher geführt hat, die Re⸗ ierung derdiskontfähigen Wirtschaft, ist gewissermaßen verpflichtet, ihr ungenügendes erstes Angebot zu ergänzen und die notwendigen Verhandlungen zu führen. Ihr Rück tritt könnte nur als Flucht vor der Verantwortung gedeutet werden..

Sie müssen. Dias Reichskabinett wird sich erst im Laufe des Diens⸗ tags mit der englischen und italienischen Note befassen. Die raktionen des Reichstags haben bereits Montag zum Teil zu der Lage Stellung genommen. Die sozialdemo⸗ kratische Fraktion tagte bis in die späten Abendstunden und ist der Auffassung, daß möglichst bald eine Antwort an die alliierten Mächte erteilt werden muß. Anläßlich der dritten Lesung des Etats des Auswärtigen, die am Mitt⸗ woch vorgenommen werden soll, wird die Fraktion Gelegen- heit nehmen, durch den Genossen Hermann Müller vor aller Oeffentlichkeit erneut ihren Standpunkt klar zu legen. Wie verlautet, beabsichtigen auch die bürgerlichen Parteien in diesem Sinne zu verfahren. Ob ein Mitglied der Regierung, entweder der Reichskanzler oder Reichs⸗ außenminister, sich befähigt fühlt, in dieser Situation öffent⸗ lich zu den Dingen Stellung zu nehmen, erscheint augen⸗ blich noch sehr fraglich. Viel eher ist an Ueberraschungen zu denken. Schon hat der Reichsaußenminister bekannten Persönlichkeiten gegenüber erklärt, daß er wohl bereit ist, in einem neuen deutschen Angebot eine nähere Präzision der Garantiefrage vorzunehmen, aber nicht in der Lage wäre, zahlenmäßig ein höheres Angebot zu machen. Die Flucht

Das Hamburger Hamburg, 15. Mai.(Eigener Drahtbericht.

Ueber die hier vorgenommenen Verhaftungen deutsch⸗ völkischer Desperados erfahren wir noch folgende: Entdeckt wurden eine erstaunliche Menge von Plänen, Karten, ein überaus belastender Schriftwechsel über eine von langer Hand vorbereitete, sich über Pommern, Mecklen⸗ burg und Schleswig⸗Holstein erstreckende Verschwörung gegen die Republik, der eine große Anzahl von Waffenlagern dienen sollte, an der sich auch diesmal offenbar wieder Offiziere der Reichswehr, mindestens als Mitwisser beteiligt zu haben scheinen. Nach den beschlagnahmten Notizen bestehen umfangreiche Waffenlager in den verschiedensten Städten Nordwestdeutschlands, nach denen zum Teil noch gesucht wird, während erhebliche Waffenmengen schon beschlagnahmt sind. Bezeichnenderweise reden sich die Verhafteten damit heraus, daß diese Läger angeblich für die Reichswehr bestimmt seien, während in Wirklichkeit in den geheimen Depots die Waffen so zusammengestellt sind, wie sie zur Armierung der geheimen örtlichen Verbände not⸗ wendig sind. Hierzu kommen besonders in Betracht, der s. Zt. im Rathenauprozeß erwähnteNiedersächsische Bund und derHeimatbund für Norddeutschland, beides zwei Stellen der alten biederen Orgesch, die nach wie vor lebt und gedeiht. Die Leitung der Verbände lag in den Händen des Herrn Sieveking und dessen Adjudanten Mosich. Militärischer Führer war der General a. D. Hellfritz und neben ihm Oberleutnant a. D. Hassenstein. Das merkwürdigste ist die Finanzierung dieser mit großem Eifer betriebenen Verschwörung. Nach dem aufgestellten

Verschwörernest.

Etat müssen Millionen und Aber mi 5 die aus den Kreisen des f 41 Hamburger Großkapitals stammen sollen, dauernd dafür ausgeworfen werher. ganze Krieg im Dunkel, den eine kleine mac 0 Clique zu führen sucht, die in ihre reaktionäre verrannt ist, wird nur möglich, weil es verbrech gibt, die solche Desperados unterhalten. Es allem darauf au, öffentlich einmal diese Kreise damit sie sich vor dem öffentlichen Gericht zu haben. f 14 Die schwerindustrielle Stinnes'sche Telunion m unter der StichmarkeEine aufgebauschte Putsche für Hamburg: Wie die hiesige amtliche Pressestelle eil spricht die von Berliner Blättern verbreitete Nachsicht bei der Aufdeckung eines anttrepublikanischen Pußsche Hamburg⸗Altona zahlreiche Waffenlager beschlagna viele Verhaftungen erfolgt seien, in dieser Form Tatsachen. Den Meldungen lag anscheinend folgen gang zu Grunde: Im Anschluß an die Aufhebun Roßbach⸗Versammlung in Altona war festgef N daß sich in Hamburg⸗Altona eine Zentrale für ein O sation nach dem Muster der bayerischen sogen. vater u Verbände befand. Eine Anzahl von wurde beschlagnahmt. Es wurden ferner aufgefunden, durch die die Besetzung Hamburgs dur Unruhen vorbereitet wurde. Einige inaktive O ein aktiver Offizier sind in die eee ver von der Polizei festgenommen, r inzwischen auf freien Fuß gesetzt wurden.

vor der Verantwortung beseelt in der gegen · wärtigen Regierung neben Herrn Rosenberg auch die anderen Minister, zu denen. insbesondere der Reichswirt⸗ schaftsminister Becker gehört. Er hat seinen Auftraggebern manchen Vorteil seit dem 9. November gebracht, aber dennoch sind sie nicht mit ihm zufrieden. Wir glauben nicht zu viel zu sagen, wenn wir die Behauptung aufstellen, daß man innerhalb der deutschen Wirtschaftskreise mit Herrn Becker ebenso unzufriedn ist, wie es bei der Sozialdemokratie seit Anbeginn seiner Tätigkeit der Fall ist. Trotzdem wird diese Regierung den Verhandlungsfaden weiter spinnen müssen. Die Sozialdemokratie dürfte nichts unternehmen, was der gegenwärtigen Regierung den ersehnten Abgang leicht machen würde. Herr Cuno und seine Minister sollen an ihren Früchten sterben. Konferenz der Rheinlandvertreter.

Der Reichskanzler wird am Dienstag Vertreter aller Par⸗ teien aus dem Rheinlande und den neubesetztenchebieten empfangen, um von ihnen einen Bericht über die allgemeine und wirtschaftliche Lage in den besetzten Gebieten entgegenzunehmen. Dieser Schritt ist auf eine Aktion des Zentrums, insbesondere des rheintschen Zentrums zurückzuführen. Für die Sozialdemokratte nimmt der Genosse Sollmann an dieser Besprechung teil. 5

Für ein enges Zusammenarbeiten.

Die Mehrzahl der Berliner Blätter, mit Ausnahme einiger rechtsradtkaler Organe, bringt bei Besprechung der englischen und italienischen Antwort⸗Note die Erwartung zum Ausdruck, daß die Regierung Cuno jetzt ein neues, besser sormuliertes Angebot macht. Die Vossische Zeitung verbindet diese Erwartung mit dem Verlangen nach einem engen Zusammenarbeiten des Kabinetts mit den parlamentarischen Partelen. Soweit wir unterrichtet sind, sind sich die bürgerliche Arbeitsgemeinschaft und die Sozialdemo⸗ kratie darüber einig, daß die neue Antwort nur nach Kenntnis⸗ nahme durch die Parteien an die alliierten Mächte geschickt werden kann, was besser schon bei der Abfassung der ersten Note geschehen wäre.

Pariser Pressestimmen. Die Antwortnoten Italiens und Englands bilde ührlicher Besprechungen, u. a

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Der Deserteur. 5

Roman von Robert Buchanan.

Einunddreißigstes Kapitel. Schwarze Wolken.

In Kromlaix sah man einen furchtbar bösen Winter entgegen. Die Ueberschwemmung hatte noch schlimmere Folgen nach sich gezogen, als man anfangs gefürchtet, denn gar viele Bewohner waren von der Flut in ihren Betten überrascht worden, noch mehr verloren ihr Leben unter den Trümmern der einstürzenden Häuser, man vermißte viele Frauen und Kinder, deren Leichen man nicht gefunden, weil sie ins offene Meer gespült worden waren. Der Ueber⸗ schwemmung folgte eine furchtbare Hungersnot, denn die für den kommenden Winter bereits eingeheimsten Kornfrüchte und andere Vorräte sowohl, als auch das meiste Vieh und Geflügel waren den Fluten zum Opfer gefallen. Und um das Maß des Elends noch voller zu machen, wurde eine neue Konskription ausgeschrieben. Der unersättliche Kaiser ver⸗ langte abermals 300 000 Mann, von welchen das kleine Kromlaix auch wieder seine Kräftigsten und Tüchtigsten zu liefern hatte. Das arme Fifchervolk jammerte, daß Gott und die Menschen sich gegen sie verschworen hätten.

Als Korporal Derval sein Häuschen wieder beziehen wollte, fand er, daß ein Teil der Mauern unterwaschen und das halbe Dach abgerissen war, so daß, wenn Marcelle noch eine halbe Stunde länger darin verweilt hätte, man sie eben- falls zu den vielen Verunglückten hätte zählen müssen. Es dauerte bis nach Neujahr, ehe das Haus wieder in wohn⸗ lichen Zustand versetzt war. Für Korporal Derval begannen mit der Invasion von 1814 böse Zeiten.

. Die Große Armee wurde von den rächenden Nationen wie eine Schar hungriger Wölfe über die Grenze getrieben. Viele Jahre hindurch hatte Frankreich Legionen ausgeschickt, um fremde Länder zu erobern und sich mit fremdent Gut zu

mästen; nun nahte die Stunde der Vergeltung. Bonaparte mußte Hals über Kopf fliehen, sein Stern war im Sinken. In den entfernteren Teilen des Landes erhoben sich die An-

geheime und offene Zusammenkünfte der Bourbonen, man sprach sogar schon offen in den Straßen von einer Absetzung Napoleons. Abbe Jacpuilt entfaltete in der Vendee eine rege Tätigkeit, Durras in der Touraimne. Das Volk zitterte vor einer Kosaken⸗ und Ulaneninvasion, die man allgemein voraussagte. Selbst in dem abseits gelegenen Kromlaix sprach man vor den lodernden Kaminen von nichts anderem mehr als von Blücher und dem gefürchteten Wellington.

Die Stunde kam, da Napoleon seinen Kaiserthron noch retten konnte, wenn er in den Vertrag von Chatillon einge⸗ willigt hätte; aber von dem Glauben an seine Unüberwind- lichkeit überwältigt, ein Opfer seiner heftigen Leidenschaften, ließ er sich die günstige Gelegenheit entschlüpfen. Oester⸗ reich, Rußland, Preußen und das mächtige England ver⸗ pflichteten sich durch den Vertrag vom Marz 1814, eine Armee von 150 000 Mann aufrechtzuerhalten, bis Frank- reich ouf seine alten Grenzen reduziert sein werde, und die Krämer Englands schossen vier Millionen Pfund zu Kriegszwecken zusammen. Napoleon vertraute trotz alledem noch immer seinem glücklichen Stern und bestand für Frank⸗ reich auf den neuen Reichsgrenzen. So marschierte er denn nach Soissons auf Blücher los und der letzte Akt des Feld- zuges begann. Der fürchterliche Winter ging seinem Ende entgegen, der Frühling zog ins Land und küßte die Natur wach, aber Frankreich stand noch immer im Zeichen des Schwertes.

*

Was war mittlerweile mit dem Helden unserer Er- zählung geschehen? Rohan Gwenfern schien nach seinem heldenmütigen Rettungswerk in der Allerseelennacht wie vom Erdboden verschwunden. Alle Nachforschungen blieben er⸗ folglos. In der strengen Winterkälte und den heftigen Stürmen konnte er sich unmöglich in seinem bisherigen Ver- steck aufhalten. Daß er unter den Lebenden weile, wußte Marcelle aus verschiedenen Quellen aber wo, davon hatte keiner seiner Verwandten eine Ahnung. Sie dankte Gott, der ihn bislang gnädig beschützt hatte und der ihm seine unbegreifliche Auflehnung gegen den guten Kaiser in An⸗ betracht seines letzten menschenfreundlichen Werkes gewiß

hänger. der Weißen Lilie In alten Schlössern gab es

verzeihen werde. Ach, wenn nur kein Blut an seinen Händen

seinen außergewöhnlichen Mannesmut bewiesen Meister Arfoll und andere böse Ratgeber ihm nich

verwirrt hätten, er würde seine Tapferkeit nun duch s 5 Sie kannte e. handeln

auf offenem Schlachtfelde bewährt haben!. noch immer nicht fassen, wie Rohan so töricht hall

können, denn ihr ethisches Verständnis war naturgemäß ganl unentwickelt. Für sie war der Gedanke, daß der sehleg gra sam und ein Hohn auf die moderne Kultur sei, 7 n verständlich wie irgend ein philosophisches Prollam eins

Spinoza oder Kant.

Ihr Enthusiasmus für Napoleon hatte troh ler

rigen Ereignisse des letzten Jahres keine Einbußt erl wenn er auch zeitweilig durch mächtigere Gefühle 1 ö worden war. Sie gehörte zu jenen Frauen, die

feindet; daher artete, als der Stern des Kaiserz gu begann, ihre Bewunderung für ihn fast in den g Fanatismus aus wie bei ihrem Onkel Ewen. i

qualen durchgemacht hatte, wollte er durchaus nit z daß es um denkleinen Korporal schlecht stehe. Nacht las er die Berichte vom Kriegsschauplatz und zugunsten seines Herrn und Meisters aus. Er zes gegen die Gegner desselben, namentlich gegen die Engländer und prophezeite ihnen ein böses Ende 4

Stimme verhallte wie die des Predigers in der Af

in Kromlaix gab's, wie wir bereits früher erwäßsst viele Legitimisten, die es jetzt wagten, ihre Stimm f den alten Korporal zu erheben, der so lange die fe

Meinung beherrscht hatte. Wenn er seine bekam den über denKaiser losließ, erzählten andere dinge vomKönig. Er mußte täglich die seh 1 Sachen über Napoleon anhören; und eines Abel sich am Strande erging, sah er die ganze Berge Freudenfeuer auflodern, die zu Ehren des in Jule deten Herzogs von Berri angezündet waren.

(Jortsetzung folat.]

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fester an ihre Grundsätze klammern, je mehr man bdiese an

Obigl 1 Alte den ganzen Winter hindurch heimlich furchthe ö Ser

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