Ausgabe 
16.4.1923
 
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Redaktion: gießen Bahnhoffraße 25 Ferusprether 200.

Organ für die Juteressen des werktätigen Volles der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.

Expedition: Gießen Bahnhosstraße 23 Fernsprecher 2005.

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Gießen, Montag, den 16. April 1923

18. Jahrgang

M. 3 Wochenschau.

Untermenschlich unmenschlich! Das sind ie einzigen Worte, die das Unrecht treffend kennzeichnen,

deutschen Landen durch ihre Schergen mit fast irrsinniger RNoheit und Willkür verüben lassen. 1 Abersie töten den Geist nicht, ihr Brüder in diesem Worte des Freiheitsdichters, das auf dem (Kranze stand, den der sozialdemokratische Parteivorstand auf die Särge der Opfer des Essener Blutbades niederlegen ließ, sist die stahlharte Widerstandskraft unserer unterdrückten und verjagten, beraubten und gepeinigten Volksgenossen fest verankert. ö 5 Den Essener Morden gingen voraus neben zahlreichen anderen Untaten grauenvoller Scheusäligkeiten, nach einer Protokollaufnahme des Deutschen Transportarbeiterver⸗ bandes an zwei Telegraphenarbeitern von entmenschter französischer Gendarmerie in einem zur Folterkammer um⸗ gewandelten Schulzimmer des Gumnasiums zu Bredeney verübt, Mißhandlungen, die dem einen der Unglücklichen neben sonstigen Schäden das Gehör des linlen Ohres voll⸗ ständig und des rechten Ohres teilweise zerstörten. Das alles, weil die Arbeiter auf Grund einer falschen Anzeige bbeschuldigt waren, Sabotage an französischen Leitungen be⸗ trieben zu haben. Diese Leiden, denen unsere Arbeits⸗ brüder an Ruhr und Rhein wehrlos ausgesetzt sind, zeigen, zzu welchen entsetzlichen und jeder Menschlich⸗ fkeit hohnsprechenden Mitteln ein Mili⸗ starismus zu greifen imstande ist, dem keine be⸗ freundete und verbündete Kulturmacht im Namen des primitosten Menschenrechtes ein Halt zuzurufen wagt. Den Essener Morden folgten Massenaustreibungen deut⸗ r Eisenbahnerfamilien aus verschiedenen Eisenbahnkolo⸗ So wurden in Trier 500 Männer, Frauen und Kinder us privaten Genossenschaftshäusern von afrikanischer Sol⸗ ka gewaltsam auf die Straße gesetzt. Verurteilungen 1 ktlich von Beamten aller Art, weil sie den Treueid nicht verletzen wollen, den sie ihrem Vaterlande geleistet haben, qu vieljährigen Gefängnisstrafen sind an der Tagesordnung. Wütet so die Grausamkeit des französischen Militaris⸗ mus, einschließlich Militärjustiz, so geht dem zur Seite der r Rau b. Aus dem widerrechtlich besetzten Eisenbahnknotenpunkt Offenburg in Baden räumen die sranzosen nach der Abfuhr von 50 000 Tonnen Eisenbahn⸗ ohlen jetzt die Ausbesserungswerkstätten des Bezirks und die Hazu gehörigen Magazine aus. Mannheim ist nicht be⸗ ssetzt. Wenn die Franzosen aber irgendeine Fabrik interessiert ö 05 jetzt sogar, wenn sie Geld brauchen, marschieren sie in die Stadt, umstellen Häuserblocks und machen und nehmen, was sie wollen.Das ist der Nachkrieg!, wie ein franzö⸗ sischer Offizier anderswo erklärte. Dazu die Millionen- e von Privatpersonen überall im besetzten Gebiet, ö 0 ö

ie Milliarden⸗Beschlagnahmungen in Kassen

objekten, wie Autos und dergl.), z. B. 7 Milliarden zu Höchst, die zu Lohnauszahlungen nach Wiesbaden bestimmt waren. Offenbar sollen durch diese Diebstähle im kleinen und im 75 die Kosten des Ruhrfeldzuges möglichst gedeckt wer⸗

e(ungerechnet die Requsitionen von Millionen⸗ 0 ö

Hiner all diesem stets gesteigerten Unrecht, ist da ein inn zu entdecken? ein verursachender und beein⸗ ufsender Gedanke? Vielleicht der, daß Poincars doch e Liquidation des Ruhrabenteuers kommen und vorher noch den verhaßten Feind quälen, zermürben ausplündern will. Sein Fühler nach London durch die sion Loucheurs läßt es vermuten. Unter diesen Umstän⸗ den würde sich die Formel der chauvinistischen Etappenhelden der deutschnationalen und deutschvölkischen ParteiErst Räu⸗ mung, dann Verhandlungen erst recht als außenpolitischen Unsinn erweisen, diese Forderung gröbster und stümperhaf⸗ tester innerpolitischer Volksverhetzung! f 5 Die Sozialdemokratie verlangt von der Regie⸗ kung Cuno erneut und dringend stärkere Aktivität. 1 oll das Kabinett eine bestimmte deutsche Leistungssumme 1 2 Es könnte nicht mit Unrecht dagegen geltend machen, ö daß, ein solche festzusetzen, nach dem Vorschlage des amerika.

nischen Staatssekretärs Hughes besser einem Ausschuß von internationalen Sachverständigen überlassen bliebe, sobald der Schaden des Ruhreinbruchs sich übersehen lasse. Aber, was das deutsche Volk im allgemeinen wünschen muß, ist ausge⸗ drückt durch die Worte des Vorwärts: 5 15

Im ersten Teil des Ruhrkampfes hat die moralische Kraft des Vol kes ihre Probe glänzend bestanden; in seinem zweiten Teil wird die Regierung zu beweisen haben, ob über die geistigen Eigenschaften verfügt, die notwendig m eine schwieriae Lage zu meistern?

1023.

Verstärkter Druck auf Deutschland.

Berlin soll unmittelbare Vorschläge machen.

Die belgisch⸗französische Ministerkonferenz.

Am Freitag hat in Paris die belgisch⸗französische Minister⸗ konferenz über die weitere Ruhrpolitik dieser beiden Staaten begon⸗ nen. Es nehmen daran teil, von französischer Seite, außer Poincare, der Finanz⸗ und der Kriegsminister, sowie die Minister für die be⸗ freiten Gebiete und für öffentliche Arbeiten, von belgischer Seite die Minister Theunis und Jaspar und der belgische Gesandte in Paris. Außerdem sind zugezogen der Leiter der französisch⸗helgischen Ingenieurkommission im Ruhrgebiet, Guilleaume, und der Direktor der französisch⸗belgischen Eisenbahnregie im besetzten Gebiet, Bréaud.

Ueber den Verlauf der ersten Sitzung liegt folgender amtlicher Bericht aus dem Konferenzbureau vor: N

Die französische und belgische Negierung, die in gleicher Weise entschlossen sind, ihre gemeinsame Aktion im Ruhrgebiet sortzusetzen bis Deutschland sich entschließt, 0 g

direkte Vorschläge für die Zahlung der Reparationen

zu machen, hat eine Reihe neuer Maßnahmen ins Auge gefaßt, um ihren gemeinschaftlichen Druck eindringlicher zu gestalten, der, solange es notwendig ist, andauern wird. Außerdem haben sie eine Reihe Entschlüsse gefaßt, um den Abtransport der Kohlen und des Koks intensiver zu gestalten, sowie die Einbringung der Kohlensteuer zu sichern und die Ausbeutung der Eisenbahnen zu verbessern. Die Konferenz wird noch morgen früh zusammentreten und insbesondere die Frage der Abrechnung der Alliierten Dienststellen zu regeln, die Verteilung des Ertrages der Geldstrafen und die Beschlagnahme von Geldbeträgen, sowie die Frage der Sachlieferungen ins Auge zu fassen. 0

Das ganze Kommuniqus ist in Wirklichkeit nichts anderes als eine indirekte Kenntlichmachung jenes Wunsches, der auch das fran⸗ zösische Volk beseelt, bald Schluß mit dem Ruhrabenteuer zu machen, ohne jedoch einen Prestigeverlust zu erleiden. Im Vergleich zu dem letzten Kommunfqué der Brlüsseler Konferenz hat der amtliche Be⸗ richt über den Verlauf der Besprechungen in Paris den Vorteil, daß es wesentlich klarer ist. Kein Mensch mit Vernunft, soweit er beim Gegner nicht nur Schlechtes sieht, kann heute noch behaupten, daß die französische und belgische Regierung trotz der wirtschaftlichen Miß⸗ erfolge noch das Ruhrabenteuer fortsetzen wolle. Klar und deutlich heißt es in dem Kommuniqus,

daß die Aktion fortgesetzt werden solle,

bis Deutschland sich entschließt, direkte Vorschläge für die Zahlung der Reparation zu machen. Dabei wird noch nicht einmal gesagt, daß diese Vorschläge in jeder Hinsicht befriedigen müssen. Mit Recht sagt der Vorwärts in seiner heutigen Morgenausgabe:

Wenn jetzt die beiden Alltierten Regierungen bereit sein sollten, das Abenteuer zu liquidieren, sobald Deuschland mit be⸗ stimmten Vorschlägen hervortritt, so könne unter Vernünstigen überhaupt kein Streit mehr darüber bestehen, daß die deutsche Megierung jetzt erst recht und zwar sofort tun müsse, was zu tun sie schon vor dem Ruhreinmarsch bereit war.

Eigentlich darf man behaupten, daß die Vernfuftigen! in den maßgebenden Stellen des Reiches und der Länder in der Mehrzahl sind, während es Cuno bisher noch möglich war, in Gemeinschaft mit Nosenberg

gegen den Reichspräsidenten

die Auffassung dieser Vernünftigen in der Oessentlichkeit zu unterdrücken. Sie setzen bei der Mehrzahl der Minister des Reichskabinetts voraus, daß sie mehr Pflichtbewußtsein besitzen als sie selbst und daß sie darauf verzichten, in der Oeffentlich⸗ keit den Kampf um die Aenderung der deutschen Außenpolitik zum Schaden Deutschlands zu führen. Wenn Herr Poincars auf der Pariser Konferenz eine Politik der nationalen Demütigung Deutschlands

durchgesetzt hatte oder noch durchsetzen wollte, so könnte die deutsche Sozialdemokratie einer solchen Politik natürlich sich niemals unterwerfen. Gerade unsere Partei muß sich darüber klar sein, daß eine Partei von ihrer Stärke vom Volke nicht verstanden wor⸗ den wäre, wenn sie nicht von vornherein den Kampf gegen die nationale Demütigung an der Ruhr aufgenommen hätte. Gern hat die deutsche Arbeiterschaft den Abwehrkampf mit allen Mit⸗ teln unterstützt, und sie wird auch fernerhin ihr Möglichstes tun, um die Abwehrfront zu stärken. Erschwert wird das aber durch die Politik der Herren Cuno und Rosenberg Das zu verhindern, ist Pflicht der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Eben weil sie nicht will, daß der Kampf an der Ruhr zu unseren Ungunsten ausgeht, verlangt sie von der Regierung die Unterbreitung eines 20 Vorschlags an die Ententemächte. Nicht die Front er⸗

ichen will unsere Reichstagsfraktion, wenn sie in diesem Sinne von den maßgebenden Stellen die Pflicht zum Entschluß verlangt, sondern das gerade Gegenteil liegt in ihrex Absicht.

Am Montag wird der Reichstag den Etat des Auswärtigen Amtes beraten. Anläßlich dessen werden die Redner der Sozial⸗ demokratie, unsere Genossen Hermann Müller und Breitscheid, in abgewägter Form von der Regierung verlangen, was die deutsche Arbeiterschaft, und unter ihn insbesondere die Kämpfer an der Ruhr, fordert Es heißt, daß Herr Rosenberg dem dadurch zuvor⸗ kommen will, daß er in seiner Erklärung im Reichstag über die Auffassung der deutschen Regierung in Bezug auf die Lösung des

Konfliktes weitergehende Angaben macht als es bisher der Fall

gewesen ist. Zweifellos kann er eine Kritik an der bisherigen Re⸗ gierungspolitik verhindern, wenn er allgemein zufriedenstellende Er⸗ klärungen abgibt. Aber ob eine in öffentlicher Reichstagssitzung ge⸗ machte Erklärung, die nicht gleichzeitig den Ententemächten offi⸗ ziell überreicht wird, genügt, um als erster praklischer deutscher Schritt zu Verhandlungen betrachtet zu werden. bleibe vor⸗ läufig dahingestellt. J

Paris in Exwartung einer Einigung über das Reparationsprogramm.

Die französisch⸗belgische Diskussion geht am Sam tag weiter Es wird erwartet, daß man sich heute über die Grundzüge eines Reparationsprogramms einigt. Freitag abend bereits haben diy belgischen Minister mit Loucheur über die Londoner Reise aus führliche Unterhaltungen geführt, auch einErfolg der Außen⸗ politik Cunos und Rosenbergs.

Verschärfter Terror. 433 neue Ausweisungen. i N

Dem Temps wird aus Koblenz gemeldet: Die Interalltierte Rheinlandkommission hat 433 neue Ausweisungen deutscher Be⸗ amter beschlossen, die zum größten Teil dem Zoll⸗ und Eisenbahn⸗ verwaltungsdienst angehören.

In Höch st a. M. wurden am Freitag 95 Eisenbahner mit ihren Familien neu ausgewiesen, in Wiesbaden 60. In Hochheim a M. und in Groß Gerau ist das gesamte Eisen⸗ bahnpersonal vertrieben worden, die Familien müssen binnen vier Tagen folgen. 0 g

Im Ruhrgebiet, besonders in der Dortmunder Gegend, haben sich die Verhaftungen von Beamten und Polizeileuten, sowie von Redakteuren wieder verstärkt, ebenso die Jagden nach den Schupo⸗ männern. Auch die Zechenbesetzungen reißen nicht ab. 5

Auf der Station Weißkͤrchen an der Strecke Frankfurt

her nicht besetzt erschien Freitag früh ein französisches Truppen⸗

kommando und nahm eine halbstlündige Durchsuchung des Früh⸗

personenzuges 2004 vor. Das Kommando beschlagnahmte bei

Reisenden zwei Körbe mit Eiern. Zwei Reisende, die sich abfällig

über die Beschlagnahmung äußerten wurden verhaftet und nach Königstein verbracht. Nach vollzogener Revision zogen die Fran⸗

zosen mit den Lebensmitteln wieder ab. 16 85

Politische Uebersicht. Die Hetze der Rechtsradikalen.

Das Vorgehen des preußischen Ministers des Innern gegen die Deutsch⸗Völkische Freiheitspartei und die sich dahinter versteckenden Geheimorganisationen hat die akute Gefahr, die dem ganzen Staat und der Fortführung des passiven Widerstandes gegen die französische Invasion drohte, wenn nicht beseitigt, so doch erheblich gemildert. Unvermindert geht aber die bösartige innerpolitische Hetze der äußersten Rechten fort, und sie ist um so bedenklicher, als sie nicht davor zurückschreckt, den Reichskanzler persönlich für ihre Zwecke in Anspruch zu nehmen. Ein vor einiger Zeit gegründeter Deutscher Wirtschaftsbund, hat in Hamburg in voriger Woche nach einem Vor⸗ trag des Herrn Dr. Maurenbrecher von der Deutschen Zeitung über das ThemaMarxistischer Klassenkampf oder deutsche Volksgemein⸗ schaft einen Aufruf an den Reichskanzler beschlossen, in dem seine Forderungen zusammengefaßt wurden. An den Kanzler wird die warnende und beschwörende Bitte gerichtet, den stolzen Abwehr⸗ kampf an der Ruhr nicht durch monatelanges Weiterwühlen der alten marxistischen Volkszerstörer zermürben zu lassen, und es wird ihm zugerufen:Landgraf, werde hart, werde entschlossen, werde groß, mach' ein Ende mit der marxistischen Zermürbung unserer Einheits⸗ front und führe Dein Volk zur Einheit, Freiheit und Tat!

Solche Sätze telegraphierte man aus Ham burg an den Kanzler an demselben Tage, da in Essen 13 Arbeiter, die im Kampfe für ihr Vaterland den Tod erlitten hatten, zur Ruhe bestattet wurden. Wenn irgend etwas geeignet wäre, der täglich für ihre Heimat mit ihrer Person einstehenden Arbeiterschaft an der Ruhr die Freude am Widerstand gegen die feindliche Invasion zu nehmen dann wär? es das Reden und Treiben der völkischen und anderenpatriotischen Gruppen, die ihre Vaterlandsliebe täglich in der Hetze gegen die eigenen Volksgenossen betätigen.. N

Zu diesen Patrioten gehört auch das Stinnesblatt Deutsche Allgemeine Zeitung, die in einem kürzlich erschienenen Artikel die Reichsregierung gegen Sacksen aufzuhetzen sucht. da ihr die Art, wie dort die sozialdemokratisch⸗kommunistische Regierung gebildet wurde, nicht gefällt und ihr vor der etwaigen Bildung einesroten Mittelblockes»der Länder in Mitteldeutschland graut. Sie schreibt:

Die Reichsregierung muß, wenn sie das Reich retten will, ihr schärfstes Augenmerk auf diese katastrophale Entwicklung richten. Sie kann nicht warten, bis ein Chaos, wie schon so oft, in Sachsen entsteht und dann mit bewaffneter Faust Ruhe und Ordnung wieder hergestellt werden muß. Das Reich verschaffe seiner Verfassung die ja mit ein Werk der Sozialisten ist, Geltung. Nicht nur an Rhein und Ruhr, sondern auch in Sachsen wird der Kampf gegen den äußeren Feind ausgefochten. 5

Ausgerechnet die Leute um Stinnes, die mit der Entente ver⸗ handeln und jederzeit bereit wären, ein Abkommen mit ihr zu schließen, das die Interessen der Großindustrie genügend wahrt mag auch das übrige Deutschland zum Teufel gehen diese Geldsack⸗ patrioten suchen die Sozialdemokratie als denFeind anzuschwärzen, der mit allen Mitteln, auch mitbewaffneter Faust bekämpft werden muß! Und das schreibt die Zeitung in einem Artikel mit der Ueber⸗ schriftUm Deutschlands Einheit, in dem sie sich zuerst gegen den parteipolitischen Partikularismus wendet, der sich aus dem früheren Stammespartikularismus gebildet habe. Man sollte nun meinen, daß das deutschvolksparteiliche Blatt gegen den bayerischen oder deutschvölkischen Partikularismus losdonnere ach nein, gegen die fällt kein Wort, gegen diese Partikularisten, die erwesenermaßen mit dem Feind in Verbindung stehen. Aber die sozialdemokvatische Arbeiterschaft, die das feste Rückgrat der passiven Abwehr an Rhein und Ruhr ist, die wird begeifert. Der Blick, den solche und ähnliche

Presseäußerungen in die Seele unserer reaktionärenPatrioten tun

lassen, ist grauenhaft! 5

Bad Homburg v. d. H zum besetzten Gebiet gehörend, aber bis⸗ 5

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