Paris vorzustellen scheint, noch nichts verspürt.
nuf keinen Fall aus der Hand geben. Von den Vertretern der freien Gewerkschaften wurde zum Schluß eine Erklärung im Namen aller Gewerkschaften und aller Arbeitnehmerverbände ab⸗ gegeben, daß von dieser Seite aus der Kampf bis zum letzten nde durchgefochten werden soll. Vor der Militarisierung der Ruhrbahnen? Die französische Presse hat angekündigt, daß die Re⸗ nierungen Frankreichs und Belgiens beabsichtigen, die Eisen · Wehnen des neubesetzten Gebietes in eigene Verwaltung zu übernehmen. Bis jetzt hat man von technischen Vorbereitun · 9 hierzu, die doch nicht so einfach sind, wie man es sich in Aber seit werden von den verschiedensten Stellen neue Truppenbewegungen gemeldet. So oft die Franzosen ruppenbewegungen unternahmen, folgte diesen militäri⸗ 1 5 Aktionen irgendwelche technischen Maßnahmen, so daß eine entsprechende Annahme auch in Bezug auf die neuen militärischen Unternehmungen nicht unangebracht ist.
5 Der Rhein⸗Herne⸗Kanal gesperrt. Der Verkehr auf dem Rhein⸗Herne⸗Kanal ist von den deutschen srbeitern für die Franzosen dadurch unmöglich gemacht worden, daß die Deutschen einen Kahn im Kanal versenkt haben.
Zeutschland soll die Kosten zahlen.
In einem Leitartikel der römischen Zeitung Il mondo ird die Vermutung ausgesprochen, daß Frankreich beab⸗ ssichtige, die Kosten der Ruhrbesetzung Deutschland aufzu⸗ erlegen. Dadurch würde aber das Reparationsproblem nach der italienischen Auffassung nur noch unlösbarer werden. Der französische Finanzminister hat in einem Bericht an den Präsidenten der Republik das Ersuchen gerichtet, ein Spezialkonto für die Ausgaben errichten zu dürfen, die die Besetung des Ruhrgebietes erfordern. Diesem Ersuchen ist Durch ein Dekret stattgegeben worden. Die französische Re⸗ gierung soll auf diesen Ausweg verfallen sein, um eine Debatte über die Ruhrbesetzung in der Kammer zu ver- hindern. Sollte das nicht vielmehr geschehen sein, um uns später die Rechnung präsentieren zu können?
Deutscher Reichstag.
Berlin, 11. Februar. 1 Präsident Löbe eröffnet die Sitzung mit einem Nachruf auf en am Dienstag abend verstorbenen Abgeordneten Vogtherr. Er at dem Hause von 1903 bis 1008, dann von 1912 bis 1918 und jetzt ieder seit 1920 angehört. Er gehörte, so sagte der Präsident, zu den ifrigsten Mitgliedern des Hauses. Er hat auf kulturpolitischem und sozialpolitischem Gebiet mit Eifer sich den Aufgaben ergeben, die er für eine Partei als richtig erkannt hatte. Gestern abend noch weilte er im Hause; er hatte es frisch verlassen, und über Nacht hat der Tod ein entbehrungs⸗ und arbeitsreiches Leben ausgelöscht.(Die Mitglie⸗
Mirtwoch
er hörten den Nachruf stehend an.) Ich danke Ihnen, daß Sie sich
1 des Verstorbenen erhoben haben. Nach Erledigung einiger kleiner Anfragen wird der elfte Nach⸗ etat, der die Mittel für die Neuregelung der Beamtenbesoldung fordert, ohne Debatte dem Haushaltsausschuß überwiesen und die orlage über die Aenderung des Postscheckgesetzes, das die Stamm⸗ f auf 1000 Mark erhöht, in zweiter Lesung erledigt. stimmig wird in allen drei Lesungen ein Antrag sämtlicher angenommen, die Unterstützungsbeträge der Erwerbslosen⸗ irsorge vom 1. November 1921 auf das 1½fache zu erhöhen. Dazu erden zwei Entschließungen angenommen, die von der Rceichsregie⸗ die Erhöhung der Unterstützung für Erwerbslose spätestens ab 9. Februar in dem vom Sozialpolitschen Ausschuß beschlossenen und von ens geslern gemeldeten Ausmaße und die Ausarbeitung eines Schllüsselversahrens fordern, das als Grundlage für die automatische 2— der Erwerbslosenunterstützung dienen soll. Das Haus setzt dann die
Beratung des Haushalts des Reichsjustizministeriums Abg. Dr. Moses(Soz.) bespricht die Tätigkeit des Reichsbe⸗
gnadigungsausschusses, der sich demnächst auch mit dem Fall Hölz zu beschäftigen habe. Der vom früheren Reichsjustizminister Radbruch
die Gegensätze vertiefen.
hergestellte Entwurf eines neuen Strafgesetzbuches sollte veröffentlicht
werden. Taß immer noch mit zem von Klassenjustiz gesprochen wer⸗ den kann, hat seiner Zeit niemand anders als der nationalliberale Abgeordnete Dr. Heinze, der heutige Reichsjustizminister, zugegeben. Nach den Ausführungen des Ministers wird man wohl sehr lange noch auf die Reform des Strafvollzuges warten müssen, was vom Standpunkte des Arztes aus sehr zu bedauern ist. Wie bedenklich der bisherige Strafvollzug auf die Kriminalität wirkt, geht aus der un⸗ verhältnismäßig hohen und immer weiter steigenden Zahl der Rück⸗ fälligen hervor. Ein Gebot der Menschkichkeit ist es, den unehelichen Kindern zu ihrem Menschenrecht zu verhelfen. Unmöglich muß es ge⸗ macht werden, daß Frauen im Zuchthaufe niederkommen. Die Tra⸗ gödie der schwangeren Frau im Gefängnis ist eine schwere Anklage gegen die heutige Gesellschaft. Für diese armen Opfer stellt sich nicht leicht ein haftunfähiamachendes Leiden ein, wie etwa bei der mord⸗ lustigen Gräfin Schlieben oder dem Junker Oltwig v. Hirschfeld. Der Minister sollte auch dem Strafvollzug in den Ländern sein Augen⸗ merk zuwenden.
Nach weiteren Ausführungen des Abg. Rießer(D. V.), des Reichsjustizministers Dr. Heinze und des Abg. Hoffmann(S.) über die Not der Anwälte und ihrer Angestellten sowie Über Reformen im Reichspostamt wendet sich das Haus der
Beratung des Haushalts des Neichs ministeriums des Innern
1
Abg. Dr. Schreiber(tr.): Für die Entwicklung und Ver⸗
teidigung des Reichsgedankens bleibt noch unendlich viel zu tun. Die
Einheitsfront kann mir in jahrelanger Wirksamkeit aus dem Volke heraus wachsen durch die Mehrung der politischen Einsicht in allen Schichten, durch die Achtung des politischen Gegners und durch die Kunst des Lebens und Lebemassens. An der Bildung diefer Einheitsfront sind alle kul⸗ turellen Interessen des Volksstaates beteiligt. Das sind die Postu⸗ late unserer inneren deutschen Politik. Dazu gehört auch die Her⸗ stellung eines fruchtbaren Verhältnisses des Reiches zu den Ländern. Wir weisen einen Zentralismus und Unitarismus zurück, der die Landesregierungen als überflüssig abschieben möchte. Auf den großen Gebieten der Heimatkultur und der künstlerischen Stammeskultur hat auch der politische Föderalismus seine Lebenskraft gefunden. Frank⸗ reich irrt sich, wenn es glaubt, in Baden— eine Neckarlinie aufrichten zu können. Aber die Gliedstaaten müssen sich auch dagegen wehren, daß der föderalistische Gedanke zum Deckmantel nationa⸗ listischer Bestrebungen mißbraucht wird. Die bayerische Regierung sollte sehr schnell den Trennungsstrich zwischen sich und Hitler ziehen. Von einer Verwaltungsreform ist nicht zu reden solange nicht eine Reform der Dollarwährung erfolgt ist. Denn am Anfang aller Ver⸗ waltungsreform steht Geld und immer wieder Geld. Das Walten der Papiermark bedeutet auch wissenschaftliche Not und, wenn die Währungsnot noch länger anhält, auch wissenschaftlichen Tod., Für das besetzte Gebiet darf es nicht nur eine Ruhrhilfe geben, es bedarf dringend einer Rhein⸗ und Ruhrhilfe. Ein furchtbarer Mißbrauch der deutschen Not wird im Rheinland getrieben. Die Franzosen umter⸗ stützen die sozial Schwachen zu politischen Zwecken. Die Gelder dafür müssen von uns aufgebracht werden, sodaß es sich hier um einen doppelten Mißbrauch der deutschen Not handelt. Das Ministerium des Innern muß zu seinem Teil dazu mitwirken, daß das heilige Feuer der Vaterlandsliebe in Deutschland nicht erlöscht. Abg. Sollmann(Soz.):
Die Angriffe des Zentrumsredners Dr. Schreiber auf die Zivilkommissare bei der sächsischen Polizei sind unberechtigt. Diese Kommissare haben die Tätigkeit, Konflikte durch Vermittlung zu verhüten. Wenn die sächsische Regierung diese Einrichtung ge⸗ troffen hat, so ist das ein Fortschritt, kein Rückschritt. In kultur⸗ politischen Fragen, die das Reichsministerium zu behandeln hat, sind wir für.
Duldsamkeit nicht nur gegenüber den religiösen Gemeinschaften, sondern auch für dieselbe Duldsamkeit gegenüber den Organi⸗ sationen, die sich abseits von Kirche und überlieferter Religion gestellt haben. Wir wünschen für alle Teile nur Rechte, keine Vor⸗ rechte, Toleranz, nicht Unterdrfickung. Religionskriege können wir in der jetzigen Lage Deutschlands nicht brauchen.(Lebhafte Zustimmung.) Es ist richtig, daß in Deutschland viele Kultur⸗ zentren außerhalb der Reichshauptstadt liegen. Das Reichs⸗ ministerium wird
die Eigenart der Länder
zu achten haben. Andererseits aber haben auch die Länder in das Reich sich einzugliedern. Das Thema„Deutsche Hochschule“ und neuer deutscher Geist ist eines der schwierigsten. Es ist verhäng⸗ nisvoll, daß sich die Hochschulen geistig in einem starlen Gegensatz zu unserer Reichs⸗ und Landesverfassung befinden.(Zustim⸗ mung.) Auch alle diejenigen verrichten ein Herostratenwerk, die
Der Deserteur. 5
Roman von Robert Buchanan.
Neuntes Kapitel. „Der Tag der Tage.“
Schon seit vielen Fahren hatte man in Kromlaix keinen 85 prächtigen Frühling zu verzeichnen gehabt. Es gab mehr Fische denn je und die guten Leute wären sehr vergnügt und zufrieden gewesen, wenn das Gespenst der Konskription nicht mit jedem Tage näher gerückt wäre. Man wußte nun bestimmt, daß es nur eine Frage der Zeit sei. Kürzlich erst hatte man hundert Kohorten der National- garde— eine Art Miliz, die seit jeher die Vergünstigung
genoß, unter keinen Umständen über die Grenze marschieren
zu müssen— einfach der regulären Truppe eingereiht, ferner sämtliche Matrosen der französischen Flotte aus allen Meeren zurückberufen und in Artilleriekorps verwandelt. Als Krönung aller Ungehenerlichkeiten bewilligte der Senat dem Kaiser auch noch eine Antizipando-Konskription (Militäraushebung im voraus) für das Jahr 1914— eine Macht von zweimalhunderttausend ungeschulten Rekruten, die mit den Matrosen und den vorerwähnten National- gardisten eine neue Armee von 340000 Mann bildeten. Darob gab es öffentlich viel Freude, aber an den häus— lichen Herden verhielt man sich still und lebte in fort- währender Angst. Die Mütter, Gattinnen und Schwestern vergossen ein Meer heimlicher Tränen. Es wurde aller— orten bekannt gemacht, daß man infolge der ungeheuren
Menschenverluste während der letzten Feldzüge keinerlei Vergünstigungen gestatten könne: die einzigen Söhne mußten ihr Glück ebenso versuchen wie die anderen. Bei der
Urne würde eine strenge Kontrolle geübt werden und jeder Konskribierte, der eine fatale Nummer zog. mußte mit. Das Loskaufen durch Stellvertreter stand diesmal außer Frage.
Nur zu bald kam der schreckliche Tag. Tas Zettelziehen sollte in dem benachbarten Städtchen St. Gurlott statt⸗ finden. Noch vor Sonnenaufgang wurde die Gassentüre un Hause des Korporals Derval geöffnet und ein mit einer
roten Nachtmütze bedeckter Kopf ward sichtbar. Inkel Ewen fugte nach dem Wetter aus.
Cebh. Zuftimmung.) Creße fielen Studentenschaft 8 ihr Wissen hungernd, frierend
erliegen. 1 Zustimmung links.) Was geschehen kann, um der republi
Staatsgesinnung den Hochschulen Boden zu ve. 1 unsere Ader eng Wir erwarten, daß das Reichsministerium sich bemüht, J
eine Notgemeinschaft der Kunst— u bilden.(Zustimmung.] Das ist eine der traurigsten e 1 ungen unserer hochkapiralistischen Unkultur daß alle 3 alle Cochonerien Gewinne aufhäufen wie nie während die wirk⸗ liche Kunst mit femem Sinn und prophetischem Hicke ert und verkümmert.(Lebh. Zustimmung.) Das Reich muß hier belfen, so gut es geht und muß auch private Hilfsquellen du er⸗ für die K werf 1 5
. gkunst. Man oollte ferner nersuchen, die Jugend der Handwerkskunst. so f. vor- Gilgen
liche Kunst getrofsen werden.(Beifall.) 1 Schutze der Republik verabschsedet wurde, befürchtete man bei den Rechtsparteien Hetze gegen nicht republikanisch gesinnte Beamte. Von solcher Hetze haben wir
kämpfer gedeckt hat, beschimpft ist ein Bube ung nicht wert. deutscher Beamter zu sein.(Starke Zustimmung links.) Das Reichsministerium des Innern als Zentralnerv der ganzen Reichs⸗ verwaltung hat den Reichsgedanken und die Einheit des Reiches zu pflegen. Mit vorbildlichem Talte waltet auf diesem Gebiete der Reichsprästdent seines Amtes. Wenn das Reich so in Gefahr ist wie jetzt, brauchen wir einen starken zwingengen Reifen um das Förderativgebilde unseres Reiches. Es ist* teine Zeit für partikuläristische Eigenbrödelei. 93 Diejenigen, bie vielen deutschen Beamten, Lehrern, Erziehern geistigen Arbeiter den deutschen Freistaat verekeln sind die wahren Reichsfeinde. Wer jetzt mit Bewunderung von den proletarischen Kämpfern an der Ruhr spricht. der singt damit zugleich ein Loblied auf die deutsche Demokratie und die deutsche Republik, die sich un: blutige Lorbeeren erwirbt. die miemals verwelken werden, wie der Kampf auch ausgehen wird. Meinen Sie(nach rechts), dieser Kampf sef möglich in einem Staat mit dem Dreiklassenwahl 1 in Gemeinden, in Kresen. wo eine volksfremde Burcaukratfe die Massen von der Verwaltung ferngehalten hat wie früher? Rur weil die Massen das Bewußtsein haben ein wichtiger Teil dieses
Staates zu seln, führen sie den Kampf mit diesem Schneid. ebh. Zustimmung links.) Die Massen verlangen dafür keinen 1 keine Heldengesänge aber es ist klar, daß ihr Einfluß in der Politik in der Wirtschaft. in der Verwaltung Deutschlands so sein mum. wie es den Rettern des Resches gebührt. Im Westen soll der ge⸗ meißelte Satz aus der Verfaffungsurkunde von Weimar Geltung behalten:„Die Staatsgewalt geht vom Volke aus.“ Vom dentschen Volke. nicht non den Generälen Frankreichs. Das Wort sie sollen lassen stahn! Dieses Wort gilt nicht nur für den fcanzösischen Militarismus sondern auch für alle diejenigen in Deutschland die dem Volk die Staatsgewalt wieder entreißen möchten.(Lebh. Zustimmung.) Wir fordern, daß J das Reichsministerium in sozlalem und demokratischem
N Geiste geführt
wird. Die Gefahr für das Reich ist groß, aber wir trauen dem Hölderlinschen Wort wo die Gefahr groß ist, die Rettung wächst. Wir stehen nicht am Grabe der deutschen Nation. Das Reich mag vorübergehend erschütttert werden, unüberwindlich ist der staats⸗ bildende Wille der ganzen deutschen Jugend die auf deutschem Boden leben und von deutscher Kultur gesegnet werden.(Lebh. Beifall.) Dieser soziale und demokvatische Wille wird alle Wider⸗
„Der Himmel ist wolkenlos, eine milde Brise weht übers Meer. Bei der Seele des heiligen Gildas, das ist ein gutes Omen! Nicht einmal der Morgen bei Austerlitz war so sonnig!“ murmelte der alte Soldat, sich vergnügt die Hönde reibend.
Dann humpelte er ins Zimmer zurück, um seine Toilette zu vervollständigen. Er rasterte sich noch sorg⸗ fältiger als sonst, bürstete seinen besten halbmilitärischen Sonntagsstaat und zwang seinen gesunden Fuß in einen Schuh. Nachdem er all diese Vorbereitungen beendet hatte, setzte er sich in Hemdärmeln vor den Herd— dessen Feuer er, wie alle Tage, eigenhändig angezündet hatte— um sein Morgenpfeischen zu schmauchen.
Korporal Derval war ein Frühaufsteher und immer der erste im Hause wach. Hosl und Gildos— die Zwillinge— schnorchten noch in ihrem Kastenbett in der Küche. Alain und Jannick schliefen oben in einem Kämmerchen neben dem Frauengemach. Marcelle kam als die erste die schwarze Holztreppe herab, sie war schon vollständig angekleidet und trug auch ihren Sonntagsstaat. Durch ihre Schritte aus seinen Grübeleien geweckt, drehte sich der Veteran um.
„Du bist's, Kleine? Meinen Morgenkuß!“
Marcelle trat gehorsam auf ihn zu und küßte ihn ehr⸗ erbietig auf beide Wangen.
„Wo ist Deine Mutter, mein Käferchen?“
„Sie schläft noch; ich wollte sie nicht wecken, es ist ja noch früh.“
Derval paffte eifrig wahre Dampfwolken aus seiner Pfeife. Es war bisher noch nie vorgekommen, daß die fleißige Witwe ihre Tochter hätte früher aufstehen lassen. Das gab ihm zu denken. Er ahnte die Ursache dieser Ver⸗ spätung. Für ihn war der heutige Tag ein„Tag der Tage“, für sie ein Tag banger Sorge. Die ganze Nacht hatte sie wachgelegen, weinend an ihre gefallenen Söhne gedacht und Gott angefleht er möge ihr doch die lebenden lassen.
„Paß!“ brununte der Alte.„Die Bengels schnarchen auch noch als ob es Mitternacht ware.„Hosl! Gildas! Auf! Es ist die höchste Zeit!“
Während Marecelle vor die Haustsüre trat und, an den Türpfosten gelehnt, die Straße hinabblickte, schlüpften die beiden jungen Riesen aus den Federn und saßen gar bald mit ihrem Onlel vor dem eus. Mittlerweile kamen auch
Alain und Jannick, verdrießlich und schläfrig aussehend, 5 und als letzte von allen, blaß und verweint, Mutter erval. Allmählich machte die Dämmerung dem Morgenrot Platz. Es wurde heller und heller. Marcelle, nicht minder bleich und ernst als ihre Mutter, beobachtete das Erwachen des Dorfes. Türen und Fenster wurden geöffnet, benacht⸗ mützte Köpfe herausgesteckt, Stimmen wurden laut und jetzt eilte sogar ein kleines Mädchen vorbei, das Wasser vom Brunnen holen wollte.
„He, Marrianiae, gehst auch Du heute Gurlott?“ rief Mareelle sie an. 9 „Ja,“ antwortete die Kleine vergnügt,„ich gehe mit Mutter, Onkel Maturin und meinen Brüdern. Es wird sehr lustig sein, wie bei einer Kirchweih, aber jetzt muß ich mich sputen. denn Mutter wartet aufs Wasser.“ 4
Marcelle seufzte. Sie war zwar noch immer von Enthusiasmus für die„große Sache“ erfüllt, aber die Tränen ihrer Mutter beunruhigten sie und sie dachte mit Trauer an ihre gefallenen Brüder und an— Rohan. Sie war selbstsüchtig genug, zu wünschen, daß sein Name nicht gezogen werde. Der erste Schluck den sie aus dem Becher der Liebe genippt, war so berauschend, und ihr Wesen war aus so leidenschaftlichen Elementen zusammengesetzt, daß schon der Gedanke an die Möglichkeit. ihren Geliebten so bald zu verlieren, sie tief unglücklich mochte. 2 Kromlair glich an diesem herrlichen Frühlingsmorgen einem geschäftigen Bienenhause. Fast alle Welt war auf der Straße; die blendend weißen Hauben, bunten Röcke und gestickten Mieder der Frauen leuchteten förmlich in der Sonne; auch die Männer hatten sich zum großen Teil in ihren Sonntagsstaat geworfen und jungerten in Gruppen 1 e herum. Trotz der frühen Morgen⸗ f unde hatten sich doch f vi f 5 3 Gurlott e n e W 8. Als Marcelle wieder in die Stube trat, stand das Früh⸗ stück schon auf dem Tische, der Korporal— seine 9 saßen an ihren Plätzen und aßen Schwarzbrot. Vor jede stand ein Zinnbecher und in der Mitte des Tisches ein Krug mit Apfelwein. Der Korporal erhob»einen Becher und wandte sich an die„Makkabäer“: Habt acht! Wir trinken auf das Wohl unseres großen Kaisers!“ 1
(Fortietzung folat.]
nach St.
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