ein Wort der Entschuldigung entlassen.
Politische Uebersicht.
Wertbeständige Steuern.
Während man sich im Reiche bisher vergeblich darum bemüht hat, das Finanzministerium dahin zu bringen, daß das Risiko der Geldentwertung bei der Zahlung von Steuern den besitzenden Kreisen überläßt, ist im Freistaat Mecklenburg⸗Schwerin zum ersten Male der Versuch gemacht worden, einen sich automatisch der Geld⸗ entwertung anpassenden Haushaltsplan aufzustellen. Man hat die Ausgaben des Staates eingeteilt in reine Geldausgaben, deren Höhe
feststeht und unveränderlich ist, in bewegliche Geldausgaben, die zwar mit der Geldbewegung schwanken, aber wie z. B. die Personalaus⸗ gaben dennoch nicht ganz dem jeweiligen Stand der Währung folgen, und in rein sachliche Ausgaben, deren Höhe sich ganz nach dem Währungsstand richtet. Die erste Gruppe wird durch feststehende Einnahmen leicht gedeckt, die zweite Gruppe bezahlt sich im allge⸗ meinen aus dem Anteil der Länder an den Reichssteuern und klei⸗ neren Abgaben, am schwersten zu decken sind die sachlichen Ausgaben, denen aus Forsten und Liegenschaften nur teilweise wertbeständige Einnahmen gegenüberstehen. In keiner Weise passen sich aber die Landessteuern der Geldentwertung an. Man hat nun folgender- maßen verfahren: Man berechnete die vom landwirtschaftlichen Sa ech erhobenen Grundsteuern und die Gewerbesteuern nach dem Durchschnitt des Goldauflaufspreises der Reichsbank im letzten Kalendervierteljahr des fraglichen Jahres. Die bei der Zahlung zu entrichtenden Beträge erfahren num entsprechend dem Goldaufkaufs⸗ preis des soeben abgelaufenen Vierteljahres einen Zu⸗ oder Abschlag. Dieser kommt bei der Grundsteuer ganz, bei der Gewerbesteuer nur mit 60 Prozent zur Anrechnung. Das Verfahren ist bisher in Deutschland einzigartig und fördert jedenfalls in auße rordentlichem Maßge die steuerliche Gerechtigkeit. Jedenfalls ist es durch die An⸗ wendung dieses Verfahrens den Sachwertbesitzern nicht mehr mög⸗ lich, die Last der Geldentwertung bei der Steuerzahlung ganz auf 1 75 Reich abzuwälzen. Natürlich findet der Versuch keinen Gefallen bei den bürgerlichen Parteien des Mecklenburgischen Landtages. Sie wollen an den Reichsfinanzminister appellieren, um eine solche Re⸗ gelung zu hintertreiben. Wir hoffen, daß das Reichsfinanzministerium den gesunden Grundsatz, der hier zum ersten Male zur Anwendung gelangt ist, anerkennen und sich durch die Interessenpolitik bürger⸗ 1 Kreise nicht irreleiten lassen wird.
Kopflosigkeit der Dieburger Polizeibehörde.
Was für unverständliche Polizeistückchen heute noch vorkommen, zeigt folgender Fall: Am 30. Mai ging der Gewerkschaftsbeamte Grzeskiewiez des Neude Tabakarbeiter⸗Verbandes, nachdem er bereits 3 Stunden in J urg gewesen war, zurück zum Bahnhof Dieburg; hier wurde er von 2 Gendarmeriewachtmeistern, die scheinbar schon 3 Stunden nach ähm fahndeten, empfangen! Diese verlangten von ihm die Ausweis⸗ papiere mit dem Bemerken, daß telephoniert sei, er wäre ein Spion und hätte sich durch Aeußerungen im Eisenbahnwagen verdächtig ge⸗ 1420 Der Gewerkschaftsbeumte Grzeskiewiez erklärte ihnen, daß er Angestellter des Deutschen Tabakarbeiter⸗Verbandes sei und von
17 Franzosen aus Trier ausgewiesen wäre. Trotzdem die Papiere Kreisdirektor
waren, wurde Grzeskiewiez aufgefordert, mit zum g zu gehen. Er erklärte daraufhin wiederholt, daß er vom Deutschen Tabakarbeiter⸗Verband beauftragt sei, in Dieburg eine Versammlung abzuhalten. Trotzdem wurde er nicht freigelassen und mußte wohl oder übel den Gang zum Kreisdirektor Gebhard an⸗ ö Beim Kreisdirektor angekommen, wurde er von den Wacht⸗ meistern mit den Worten vorgestellt:„Das ist ein Kommunist“, Nach⸗ Der der Kreisdirektor den„Spion“ von oben bis unten gemustert 4 das Verhör an. Der Kreisdirektor fragte:„Was machen ö hier“ Auch hier erklärte Grzeskiewicz, daß er als Angestellter bes Deutschen Tabakarbeiter⸗Verbandes in Dieburg eine Versamm⸗ lung abhalten wolle. Im weiteren Verlauf der Unterredung er⸗ ö der Kreisdirektor, daß man much in solchen Versammlungen us(weiter kam der Kreisdirektor nicht) hier 181 er von Grzeskiewiez mit den Worten unterbrochen, daß er Gr.) sich derartige Bemerkungen verbitte. Der Kreisdirektor schien bessere Antwort zu wissen, als zu sagen:„Sie haben sich nichts verbitten!“ Man kann ja nicht behaupten, daß ausgewiesene Ge⸗ verkschaftsbeamte besonders höflich von den Franzosen behandelt 1 unter keinen Umständen kann man aber sagen, daß der Kreisdirektor von Dieburg noch eine andere Behandlungsweise für e e Angestellte einer freien Gewerkschaft an den Tag legt. — starkes Stlick leistete sich einer der Wachtmeister, der im Bei⸗ seim des Kreisdirektors sagte: diese Versammlung müsse man be⸗ suchen. Gr. erklärte darauf:„In dieser Versammlung haben Sie überhaupt nichts zu suchen.“ Ob wohl in Dieburg nicht bekannt ist, daß in Deutschland flir Versammlungen volle Freiheit besteht(soweit ste nicht staatsgefährdend sind) und daß nicht mehr gestattet ist, Ver⸗ igen einer Gewerkschaft zu bespitzeln.(Orden werden für derartige Dienste nicht mehr ausgegeben.) Nachdem die Papiere auch vom Kreisdirektor in Ordnung befunden waren, wurde Gr. ohne Der Abgeordnete Kiel hat wegen dieses Falles an den Hess. Landtag eine Anfrage eingereicht.
5 5 Deutscher Reichstag. . Berlin, 13. Juni.
Dex Reichstag überwies am Mittwoch das neue Mineral⸗ wasser⸗Steuergesetz und Zuckersteuergesetz, Leuchtmittel steuergesetz, Zündwarensteuergesetz, Salzsteuergesetz dem Ausschuß zur Be⸗ ratung.— Dann trat das Haus in die zweite Beratung des viel⸗ umstrittenen Gesetzes zur Bekämpfung der Geschlechts⸗ krankhekten ein. 5
Für die Sozialdemokratie sprach Gen. Grothjan, der be⸗ kannte medizinische Universitätsprofessor in Berlin. Er begrüßt dte im Gesetz vorgesehene Aufhebung der Reglementierung der Prostituierten. Für die Fortschritte, die das Gesetz bringt, müsse man manches in Kauf nehmen, was nicht gefalle. Bedenklich sei, daß das Gesetz ein absolutes Behandlungsmonopol für die Aerzte bringe. Der Zentrumsabgeordnete Neuhaus und der deutsch⸗ nationale Abg. Strathmann und der deutsche Volksparteiler Dr. Luther stellten mehr die religiös⸗sittliche Behand⸗ lung der Frage in den Vordergrund. Dr. Luther und nach diesem Frau Dr. Lüders von den Demokraten hielten scharse Reden gegen die Naturheilkunde, während der deutschvölkische Abg. Wulle ebenso entschieden gegen den Sexual⸗Kapitalismus und eee, sprach. Die Kommunisten leisteten sich etwas besonderes, indem 0 deutsche Volk unter Sittenkontrolle stellen will. Alle erwachsenen Deutschen zwischen 14 und 60 Jahren sollen sich regelmäßig auf das Vorhandensein von Gesch lechtskrankheiten untersuchen lassen. Die Weiterberatung wurde auf Donnerstag vertagt. 5
Der Reichstag beschloß dann noch in einer 9. Ergänzung des Besoldungsgesetzes die Erhöhung der Grundgehälter Ein von dem Gen. Bender begründeter sozialdemokratischer Antrag will die Gehälter der unteren und mittleren Beamten erhöhen, um die Spannung zwischen diesen und den hohen Beamtengehältern zu mindern. Der Antrag wurde von den bürgerlichen Parteien abge⸗ lehnt. Die Sozialdemokratie stimmte gegen das ganze Gesetz, um diesmal ihrem Unwillen darüber stärkeren e zu geben, daß die schon seit Jahren von uns fortgesetzten Bemühungen, die Span⸗ nung zwischen oberen Beamten und mittleren und unteren Be⸗ amten zu vermindern, immer wieder nicht gentigende Erfolge haben.
Hessischer Landtag.
Darmstadt, 13. Juni.
Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9.15 Uhr.
Auf eine kleine Anfrage des Abg. Kindt(Intl.) antwortet ein Regierungsvertreter, es sei wahr, daß die Regierung das Lossen⸗ sche Krankenhaus gemietet habe, um darin Bureguräume und Be⸗ amtenwohnungen einzurichten. Ueber die Beibehaltung eines Teils der klinischen Einrichtung schweben Verhandlungen.
5 Die Beratung des Hauptvoranschlags wird fortgesetzt. 5 Zu Kap. 100(Ministerjum der Justiz) erhält das Wort Abg. Sturmfels(Soz.)
In einer Zeit, da die Franzosen im besetzten Gebiet sich auch hinsichtlich der Justiz die schwersten Uebergriffe zuschulden kommen lassen, ist doppelt darauf zu achten, daß bei uns im Lande die Recht⸗ sprechung einwandfrei bleibt. Angesichts des Splitters im Auge des andern dürsen wir nicht den Balken im eigenen Auge vergessen. Aber es ist einwandfreie Tatsache, daß auch bei uns nicht immer nach Recht und Gerechtigleit geürteilt wird. Ich erinnere in diesem Zu⸗ sammenhang an das Urteil im Fechenbach⸗Prozeß, das nichts weiter als ein Justizmord ist. Man hat hier im Hause die Behauptung auf⸗ gestellt, daß in Hessen von einer Klassenjustiz nicht die Rede sein
könne. Wir sind darin anderer Auffassung.
Es ist natfirlich sehr schwer, an Hand von Einzelurteilen die Ten⸗ denz zur Klassenjustiz nachzitweisen. Aber man braucht nur einmal einigen Gerichtsverhandlungen beigu ohnen, um festzustellen, welch außerordentlicher und krasser Unterschied in der Behandlung der Angeklagten und Zeugen durch das Gericht besteht, je nachdem, wel⸗ chen Ständen sie angehören. Man hat die Unbestechlichkeit unserer Richter immer lobend hervorgehoben. Natürlich besteht die Bestech⸗ lichkeit der Richter im groben Sinne nicht. Aber jene feinere Art der Bestechlichkeit, die vielfach, vielleicht unbewußt, den Einflüssen, die von den sogenannten besseren Ständen ausgehen, unterliegt, besteht bei uns durchaus! Und das wird so lange dauern, wie sich unsere Richter aus ganz bestimmten Kreisen und Klassen rekrutieren. Ist es etwa nicht ein Klassenurteil, wenn in Gießen ein Rohling, der einem Mann, der beim Absingen des Deutschlandliedes sitzen blieb, eine Ohrfeige gab, zu sage und schreibe 3 Mark Geldstrafe verurteilt wurde? Und dasselbe Schöffengericht Gießen verurteilte den Redakteur Vetters, der von der„Disziplinierung“ eines Beamten gesprochen hatte, zu einer Geldstrafe von 100 000 Mark! Und die Strafkammer sprach sogar ihr Bedauern aus, daß sie nicht in der Lage sei, eine Gefängnisstrafe zu verhängen. Auf der einen Seite eine krasse Roheit, die mit lächerlicher Milde behandelt wird (Abg. Werner: Das Deutschlandlied ist die Nationalhymne!) Man kann die Nationalhymne auch zum Unfug degradieren, Herr Werner! Die Leute, die sich nicht in jedem Café beim überflüssigen Singen und Gröhlen des Deutschlandliedes miterheben, zeigen gerade dadurch daß sie nicht nur ehrliche Vaterlandsliebe, sondern auch Geschmack
e einen Antrag einbrachten, der das ganze
besitzen. In der Entschäbfgungssache des früheren G. ende mit der das Landgericht funktionier auffallend. In schärfstem Kon i die a große Langsamkeit, mit der dieses Gericht sonst zu arb Ein Veispiel sel dafür angeführt. Zur gleichen Zest. a schädigungssache des Exgroßherzogs e war, st
Fall einer armen Frau zur Verhandlung, der der Ha Wasser und das, Klosett abgeschlossen hatte, sodaß sie ihr 2 weither holen und ihre Notdurft auf der Straße ve
vermochte, ließ sich hierzu 5 Wochen Zeit! Auf das Mate ße ogechesdes gehe ich hier vorerst nicht ein. 1 des Vorsitzenden des Gerichts gegenüher dem Vo durchaus ungehörig und anaagebracht. Wer selbst die ihm Grenzen überschreitet, hat kein Recht, den Richter ang ihm gegenüber die Grenzen vielleicht eimnal überschrit Wir hoffen übrigens, daß die Behauptung dieser Erkl gesagt wurde, die Regierung sei nicht in der Lage, zu schützen) habe dem Justizministerium vorgelegen, von rung dementiert werden kann. 5
Der Redner kommt dann auf die Schlageter⸗Jeiern zu und betont, daß sie nichts anderes gewesen seien, als natie Demonstrationen. Es mag zugegeben werden, daß Schlo Mut besaß, als sonst Leute seines Schlages, aber diese N te besetzten Gebiet Sabotage⸗Akte ausführen, bleiben gleichwohl brecher am deutschen Volle. Für jene vielen andern, sammengebissenen Zähnen Unerträgliches erduldeten und ihr Leben lassen mußten, hielt man keine Feiern für no frage übrigens die Regierng, was sie gegenüber dem Rel tersen der Hochschule zu tun gedenkt, der bei dieser 8 Feier wiederum an der Spitze stand. Auch darauf bitte ich gierung zu achten, daß an den Schulen weitere Schl. 11 r
Zu rügen ist, daß Mit im Justizministeriu
sie wieder aufheben sollte. Was von dem Abg. Schreiber Strafvollzug gesagt wurde, unterschreibe ich; er muß u Umständen moderner gestaltet werden. Der oft erwähnten Ampaltschaft muß vor allem dadurch Rechnung getragen werd man die Anwälte nicht dadurch aus Teilen ihres Betätigun hinausdrängt, daß man die mittleren Justizbeamten mit ge Erledigungen betraut. 9 5 0 Der Rebner erörtert dann noch kritisch einen Fall in dem der Vertreter der Stagtsanwaltschaft sämtliche Geschw ablehnte, die 4455 Arbeiterstaud angehörten.(Hört! hört! Linken.) Zu derartigen Maßnahmen des gröbsten Miß gegenüber der Arbeiterbevölkerung hat 2 0 Stagtsanwalt da Auf das in Kreisen des Repüblikanischen Richterbund empfundene Gefühl, daß man wegen der Zugehörigkeit z sich eine unfreundliche Behandlung im Juftizministerium lassen muß, sei nochmals nachdrücklichst heangewiesen. U hat es den Anschein. als ob im Justizministerium noch n jenige moderne Geist herescht, den wir wünschen müssen. Ez zoenn der Richter ohne alle Rücksicht auf Folgen, Beifall ode fallen Recht. von einer Gerechtigkeit im best esprochen werden können. l gesp f Abg. Kaul(Soz.): 1 Unser Antrag, die Regierung möge einen Gesetzentm legen, der di: Verwendung der Fenn abend Großher Gerichtsbeschluß zugesprochenen Entschä igungsgelder zu rüterischen Zwecken unmöglich macht. bedarf einer eingehen gründung. Ich will sie hier geben und will beweisen, 9 neuzeitlichen Rheimbundplänen und momarchistischen plänuen engste Verbindung besteht und daß die von äuch nach Hessen und Darmstadt und insbesondere zu maligen Fürstenhaus, das eine Mheinbundtradition besit laufen. Es liegt mir fern, zu behaupten, der frühere Gro selöst habe mit biesen Rheinbundpläuen in e 0 Aber das seine allernächste Umg bung mit diesen Restit plänen in allerengster Verknüpfung stand, dafür bin ich Lage, den Beweis zu erbringen. Wir haben schon öfter hingewiesen, daß der einstmalige Großherzog von seiner U auf die schlechteste und bedenklichste Weise berg Von dem ersten Berater und Vermögensverwalter des herzogs, dem Grafen v. Hardenberg, ist ein T e schrieben worden, dessen Aufzeichnungen über die Be bie in jenen Kreisen bestehen, vollste Klarheit Während in der Oeffentlichkeit betont wurde, die Erhöh, Abfindung sal notwendig, um die Beamten des früher herzugs vor Not zu schützen, gibt das Tagebuch über dies die eindentigste Aufklärung. In einer Notiz vom 7. Apr heißt es beispielsweise:..„ich Hardenberg halte es für mich durch kleinliche Dinge von dem Weg zum großen 3 lenken zu lassen.. 0. a
Der verlorene Sohn.
Roman von Hall Caine. 5 7
ö Mit Ausnahme von zwei Malen täglich— beim Mittag- und Abendessen— sah Magnus jetzt nichts von Thora. Tante Margret schickte sie auf die höhere Töchterschule, und wenn er ihr auf ihrem Hin⸗ oder Heimwege auf der Straße begegnete, senkte sie den Kopf, lächelte und rannte davon. Magnus wäre am liebsten ebenfalls davon gelaufen und zwar in der entgegengesetzten Richtung; denn das Geheim— nis des Geschlechts hatte angefangen beiden ins Ohr zu flüstern. . Einmal jeden Monat trafen sie sich im Winter in einer Tanzstundenklasse, die im Gewerbeinstitut abgehalten wurde. Weshalb Magnus, in der Ueberzeugung, daß er doch nie tanzen lernen würde, dieselbe besuchte, war jedem ein Ge— heimnis, bis eines Abends die Wahrheit sich allen offen⸗ barte, und darauf hielt kein Mensch ihn mehr sür einen Ein⸗ faltspinsel oder wagte auch nur im Flüsterton ihn„Jumbo“ zu nennen.
Ein flotter junger, kürzlich von einer Reise heimge⸗ kehrter Seemann, Hans Thomsen mit Namen, erlaubte sich außergewöhnliche Freiheiten. Er war witzig, ichlagfertig und gewandt, und teils seiner Verdienste als Tänzer, haupt⸗ sächlich aber des Ruhmes wegen„weit gereist“ zu sein, er⸗ schien er den Augen der jungen Mädchen höchst anziehend. Dies gewahrend, tat er sein Bestes, sie zu amüsieren und schaute sich, nachdem alle übrigen Hilfsmittel erschöpft waren, nach einer Zielscheibe für seinen Spott um. Magnus erschien ihm hierfür die geeignete Persönlichkeit. Er nannte ihn verschiedentlich„Jumbo“, und nachdem diese Anzüglich⸗ keit nicht mehr verschlug, machte er einen Knittelverschor, den er als Begleitung zu einer lächerlichen Karikatur von Magnus' Elefantenschritten zum besten gab:
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Langsam wälzt das Untier sich Stampfe fort, doch lache nicht.
Ein schallendes Gelächter ertönte, Magnus jedoch blieb stumm, und di⸗ Mädchen hielten ihn für einen Dumm⸗ kopf. Ermutigt durch seinen Erfolg, rühmte sich Hans einem Kreis von Freunden gegenüber, daß ihm die Wahl unter allen Mädchen im Saal freistände und schritt, um diese Behauptung zu bewahrheiten, auf Thora, die als reichste Erbin Islands galt, zu und forderte sie zum. Tanze auf. Thora jedoch, der bei der voraufgehenden Szene das Blut heiß, zu Kopfe gestiegen war, antwortete äußerlich ruhig, doch mit zornbebender Stimme:„Nein, ich danke,“ und reichte, sich kurz abwendend, Magnus die Hand zum Tanz.
Hans war im ersten Moment sprachlos vor Erstaunen; ein Mann muß jedoch schon sehr hungrig sein, um seine eigenen Worte zu verschlucken, und so flüsterte er nach einigen Augenblicken seinen Freunden unter Augenplinken ein;:„Wartet nur!“ zu.
Der nächste Tanz war ein Cotillon, und in einer seiner ersten Touren mußte ein Mädchen mit verbundenen Augen an einem Ende des Saales auf einem Stuhl sitzen, während die Jungens vom anderen Ende auf sie zustlirzten und sie zu erhaschen versuchten. Derjenige, der sie zuerst erreichte, führte sie in die Mitte des Saales, küßte sie und tanzte mit ihr(ie noch immer mit verbundenen Augen) burch den Saal.
Hans flüsterte mit dem Tanzordner, worauf Thora für den Stüyhl gewählt wurde und alle anwesenden Burschen, mit Ausnahme von Magnus, auf sie losstürmten. Telbst⸗ redend war Hans der Gewinner, und sich seines Preises ver- sichernd führte er Thora auf den bestimmten Platz— machte, während alle erwartungsvoll zusahen, was er tun würde, als ob er auf die Ehre sie zu küssen verzichte, eine spöttische Verbeugung vor ihrem verbundenen Gesicht und ließ sie mitten im Saale stehen.
Unterdessen hatten die Mädchen zu kichern 7 und Thora, in dem Gefühl, daß irgend etwas nicht ir nung sei, nahm die Binde von den Augen und fand si lassen dastehend und den Seemann ruhig auf sein sitzend. Die Röte stieg ihr ins Gesicht, aber dreimal und heißer als zuvor, und in höchster Perlegenheit nach ihrem Stuhl zurück. Einen Moment darauf,
als Hans,
Geist aus der Reihe heraus und bemächtigte sich sein „Jetzt tanzt Du mit mir,“ sagte er, und der Se sich mit Löwengriff in der Taille umspannt fühl halb schͤrzend, halb ernsthaft:„Mit einem Stier zu hat keinen Zweck. Laß mich los, sag ich Dir.“ „Nicht eher, bis ich Dir gezeigt habe, wie ein Dir umspringen würde,“ sagte Magnus, und ehe jemand es versah, hatte der Matrose den Deckenbalke Saales berührt und war, den Raum mit Staub erf mit einem Krach auf dem Boden gelandet. f Hans ging nie wieder zur See, und der Krei der ein lebenslanglicher Feind des Gouverneurs wa urteilte diesen, nachdem er ihm eine lange Rede K d. Jähzorn und über die Pflicht der Eltern, ihn ihren K auszutteiben, gehalten hatte, zu hundert Kranen Faktor bezahlte das Geld und zog es dann zehn Mon je zehn Kronen monatlich von Magnus' Gehalt a selbe belief sich zu damaliger Zeit überhaupt nur auf Kronen den Monat, und Magnus selbst trug die zehn heimlich Hans zu. Solange der Seemann war, zahlte Magnus ihm monatlich zehn Kronen hoch oder gering sein Einkommen immer sein mo wurde ein Wasserträger und ein Trunkenbold. (Fortsetzung folgt.)
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