mchrere deutsche
Sennoch möchten wir vorstelsende Meldung nue wsedergeden, um über die Stimmung im Ruhrgebiet zu unterrichten und bemerlen, daß derartige Nachrichten nur mit Vorbehalt hinzunetzmen sind.
Unwille französischer Soldaten.
Die kommunistische Pariser Humanité veröffentlicht eine Reihe von Briefen, in denen der Unwille der französischen Soldaten zum Ausdruck kommt, die jetzt nach 18monatiger Dienstzeit zur Entlassung kommen sollten, aber wegen des runternehmens noch bis Ende Mai e Fahnen gehalten werden. Interessant ist der Brief“ einer er aus dem Arbeiterstande, in dem es heißt: Die Jahres⸗ Hasse 1921 muß entlassen werden. Die armen Jungen waren 13 Jahre alt bei Kriegsausbruch. Sie haben kein Handwerk erlernen r 8 wenn sie noch länger dienen müssen, wie sollen sie dann ihr Brot verdienen und ihre Eltern unterstützen?
Androhung unerhört streuger Strafen.
n Ausführung der Ordonanz 147 der Rheinlandkommisston, bie streuge Strafen für Sabotageakte gegen Eisenbahnanlagen vor⸗ sieht haf der Kommandant in Recklinghausen für die nördlichen
0 i gebiet, von Buer bis Waltrop, fol⸗ genden Befehl erlassen: Um Sabotageakten vorzubeugen und sie zu verhindern, werden die Schienenstränge der Eisenbahn, die Telegraphen⸗ und die Telephonleitungen auf Befehl des Kom⸗ mandierenden Generals der Besatzungstruppen an der Ruhr in Abschnitte eingeteilt. Für jeden dieser Abschnitte werden ein oder Beamte als verantwortlich bezeichnet. Wenn ein Sabotageakt begangen wird und der oder die Urheber nicht ent⸗ deckt werden können, so werden der oder die deutschen Beamten verhaftet und eingeterkert. Nachstehende Maßnahmen werden so⸗ fort in Anwendung gebracht: Die Städte und Gemeinden, auf deren Gebiet der Sabotageakt stattgefunden hat, werden mit einer Geldstrase, deren Höhe von dem Kommandierenden General der Armee sestgesetzt wird, belegt. Außerdem kann die vollständige Unterbindung jedes Verkehrs des dem Sabotageagkt am nächstge⸗ legenen Bahnhofs oder die Unterbindung der telephonischen oder telegraphischen Verbindung mit einer oder mit mehreren zivilen Zentralstellen, die dem Sabotageakt am nächsten gelegen sind, Jen 3 55. ee Perg Befehl 55 ein ausführliches Verze s beigegeben über die Personen, die verantwortlich gemacht werden, falls die Urheber 12 Sabotage nicht werden können.
Schießerei in Dortmund.
Ueber den blutigen Zwischenfall am Sonntag in Dortmund be⸗ sagt ein amtlicher Bericht folgendes: Am Sonndeg abend kamen drei e glei 1 ssermann in 15 aße ae. 5
Strecken im
nd be a„Der deutschsprechende Begleiter versuchte ver⸗
blich, die anwesenden Gäste gegen die Franzosen aufzuhetzen. Hierauf bearbeitee er die Soldaten, bis sie mit ihren Gewehren die Anwesenden bedrohten. In der Gaststube gelang es dem Wirt jedoch, die Ruhe wiederherzustellen. Plötzlich bedrohte ein französischer Sol⸗ dat einen deutschen Zivilisten mit dem Seitengewehr. Auf der Straße setzten sich dann die Streitigkeiten zwischen den Deutschen und Franzo⸗ sen fort. Einige Leute fielen über den deutschsprechenden Begleiter ber Soldaten her, worauf die Solbaten mit einem Angriff auf die Menge— 4 245 R 17* e Neypiergang„rief durch Notsignale Verstä kung i, die die 5— lelten. Der Begleiter der Franzosen hetzte
die Soldaten wieder auf, sodaß diese sich schußfertig machten und auf die Menge eindringen wollten. Kommissar Schlüter, der vermittelnd ingreifen wollle, wurde von den Franzosen flir verhaftet erklärt, die gleichzeitig in einer Entfernung von fünf bis acht Schritten ein leb⸗ ö euer eröffneten. Hierbei wurrde Polizeikomm. Schlüter durch 2 8 uch die Soldaten bekamen Ver⸗ Hungen und säuberten die Straße durch Abgabe von Schüssen. Bei N„. ei rich Gysol getötet und der beiter Ernst Scholl durch einen Brustschuß schwer verwundet. Sosdalen sperrter 975 5 i e sischen Solda rten ufhin di ße suchten sämtliche Passanten nach N
Befestigung von Bahnhöfen.
Die Bahnhöfe Bochum⸗Hauptbahnhof, 2 bt de und Mülheim⸗Speldorf sind besetzt worden. Es hat den Anschein, daß die beiden letztgenannten Bahnhöfe von den Franzosen militari⸗ stert werden sollen. Die Franzosen scheinen bestrebt zu sein, auf den militartsierten Strecken einen geregelten Betrieb durchzu⸗ flihven. Zur Sicherung haben sie auf einem Bahnhof nördlich Vorhalle das Stationsgebäude mit Stacheldraht umgeben. An der militarisierten Nordstrecke ist der Bahnhof in Datteln befestigt und die Straße durch einen Meter starke Barrikade abgesperrt. Der Bahnhof Datteln soll vermutlich als Endpunkt der militarisierten Nordstrecke, Oberwengern als Endpunkt der militarisierten Süd⸗ strecke dienen a
unverändert. Neue Zwischensälle haben sich nicht ereignet. Der verschärfte Belggerungszustand in Buer wird in der schärssten Weise durchgeführt. In Witten verlangte der französische Kom⸗ mandant bis zum 15. 3. die Einreichung einer Liste der Polizel⸗ beamten mit Lichtbild und genauen Personasien. In Bergischen Lande beschlagnahmten die Franzosen heute Kraftwagen.
Ein Polizeimajor aus Essen wurde vom französischen Kriegs⸗ gericht in Werden zu drei Jahren Gefängnis und 6 Millionen Mark Geldstrafe verurteilt. 19 Schupobeamten, die seit längerer Zeit in Haft gehalten waren, sind ausgewiesen worden. Der stellver⸗ tretende Landrat des Landkreises Dortmund ist wegen Ver⸗ weigerung der Ausführung von Requisitionsbefehlen zu 10 Mil⸗ lionen Mark Geldstrafe verurteilt worden. Beantragt waren 4 Jahce Gefängnis und 5 Millionen Mark Gelsstrafe.
Nach Na im besetzten Industriegebiet sämtliche Zechen besetzt werden.
Politische Uebersicht.
Sozialdemokratie und Geldentwertungsgesetz.
In der Freitagssitzung des Reichstags hatte die Sozial ⸗ demokratie bei der Beratung des Geldentwertungsgesetzes durch Verlassen des Sitzungssaales die Abstimmung über die Bewertungsvorschriften verhindert. Veranlassung dazu gab die Ablehnung ihrer Anträge zum Tarif und zu den Bewertungsvorschriften. Aber das allein hätte die Sozial- demokratie noch nicht veranlaßt, zu einem so starken Mittel zu greifen, wenn nicht durch die Bewertungsvorschriften auch die Gefahr heraufbeschworen worden wäre, daß noch eine besondere Begünstigung der Devisenbesitzer erfolgt, die die Reichsfinanzen schwer schädigen und die Steuermoral völlig untergraben würde. Darauf äber wollte die sozial⸗ demokratische Reichstagsfraktion die Oeffentlichkeit mit allem Nachdruck aufmerksam machen.
Am Dienstag fand nun auf Veranlassung des Finanz⸗ ministers Hermes eine Rücksprache mit Mitgliedern der sozialdemokratischen Fraktion statt. Dabei wurde anerkannt, daß die Bedenken der Sozialdemokratie gegen die Be⸗ wertungsrichtlinien, soweit sie eine unzulässige steuerliche Begünstigung der Devisenbesitzer enthalten, berechtigt seien. Eine grundlegende Aenderung der Bewertungsvorschriften aber sei in diesem Stadium der Beratung infolge des Wider⸗
jedoch notwendig, die durch die Steuerliteratur der Inter⸗ essenten begünstigte mißbräuchliche Benutzung des Gesetzes durch Klarstellung der Bestimmungen zu beseitigen. Für die Veranlagung zur Vermögenssteuer und zur Zwangs- anleihe soll deshalb in den Bewertungsrichtlinien ausdrück⸗ lich festgestellt werden, daß Forderungen und Schulden in ausländischer Währung zunächst gegeneinander aufgerechnet werden müssen. Dadurch würde nur für den verbleibenden Saldo die Bewertung nach den allgemeinen Richtlinien erfolgen. Für die Einkommensteuer soll eine entsprechende Vorschrift als Absatz 3 dem§ 33a ausdrücklich in das Gesetz aufgenommen werden. Der Minister wies ferner darauf hin, daß durch einen Zentrumsantrag zwei weitere Fort ⸗ schritte gegenüber den Ausschußbeschlüssen erzielt worden seien: 1. Dadurch, daß Wertpapiere, die nach dem 31. August 1022 erworben worden sind, bei Schuldenaufnahme bis zum Betrage der Schulden mit dem Anschaffungspreis anzusetzen find, statt mit dem viel niedrigeren Steuerkurs; 2. sollen Grundstücke, die im Jahre 1922 erworben worden sind, mindestens mit dem Anschaffungswert eingesetzt werden. 1 5
Durch diese vier Verbesserungen, die infolge des Vor- gehens der sozialdemokratischen Fraktion erreicht wurden, sind unsere Bedenken gegen das Gesetz nicht beseitigt. In der Gesamtabstimmung wird deshalb die Sozialdemokratie trotz dieser Verbesserungen dem Gesetz ihr Zustimmung ver⸗ sagen. Die weitere Beratung des Gesetzes aber wird sie nicht verhindern: 1. weil der von ihr beabsichtigte Zweck, die gesamte Oeffentlichkeit auf das große Steuerunrecht auf⸗
chrichten aus zuverlässiger Quelle sollen am 15. März
standes der bürgerlichen Parteien nicht möglich. Es sei.
Ju Tortmund, Buer, Aan: Bochum und Herne ist die Laße] merksam zu machen, voll erreicht it; und 2. w
„
weil bei mangelhaften Besetzung des Hauses durch die bürgerl Abgeordneten ohne die Anwesenheit der Soszialdemo ein beschlußfähiges Haus nicht zustande kommt, sodaß de Nichtbeteiligung der Sozialdemokratie an der Abstimmung das Gesetz nicht verabschiedet werden könnte. 1 5 So schlecht aber auch das Gesetz bezüg er ert nag und der Tarife ist, so notwendig ist seine Verabschiedung, weil sonst eine Veranlagung wed zur Einkommensteuer noch zur Zwangsanleihe und Ver miögenssteuer erfolgen könnte. Darüber würden aber n die Sachwertbesitzer Freude empfinden. 7 8
Lohnabbau oder Preis abbau.
Der Dollar ist seit seinem Höchststande um mehr als die Hälfte gesunken. Die Regierung hat den Preisabbau a ihr Programm geschrieben. Die Warenbesitzer kehren sich ebensowenig an den Rückgang des Dollars wie an das Preis- abbauprogramm der Regierung. Die Lebenshaltungskosten gehen immer noch nicht zurück. Sie haben sogar in der Woche vom 27. Februar bis 4. Morz eine wenn auch nu geringe Steigerung erfahren. ö 1
Die Lebenshaltungskosten waren im Februar nach der amtlichen Statistik auf 2643 fachen, im Januar auf d 1 1120fachen Vork riegspreis gestiegen, nach den gleichen amtlichen Ermittelungen stellten sich die Wochen-
löhne einiger Berufsgruppen gegenüber N Friedensstand: 2 Januar Maurer und Zimmerer.. 6hegfache Bauhilfsarbeiter, e eee— Holzarbeiter 6w„»»„é! Metallarbeiter(verheiratet) W 5 Metallarbeiter in Großberlin vom 29. 1. bis 11. 2.
Metallarbeiter in Großberlin vom 12. Fabrikarbeiter in Großberlin, Handwerker vom 31. 1. bis 13. 2„ 1194fac Betriebsarbeiter vom 31. 1. bis 13. 2. 1555 Lebenshaltungskosten. 1120fache 2408fac
Aus dieser Tabelle geht eindeutig hervor, da 5 Steigerung der Löhne mindestens um 25 Prozer im Januar, dagegen um 40 bis 60 Proz. im Februar hinter der Steigerung der Lebenshaltungskoste zurückblieb.
Nach der Entwicklung der Großhandelspre ist mit einem Abbau der Kleinhandelspreise vorläufig ni zu rechnen. Der Großhandelsindex der Frankfurter Zei zeigt zu Anfang März nur einen kleinen Rückgang 5,5 Prozent gegenüber Anfang Februar. Wähfkend al die Einfuhrwaren von 9863 auf 6767 gefalle sind, stiegen die Inlandwaren von 4666 au 608 4. Die Teuerungswelle geht also trotz des Rückgan des Dollars weiter. g— 0
Ueber diese Preistreiberei der Inlandprodukte macht Berliner Tageblatt Dr. Erich Wulf auf Grund seiner Beo achtungen auf der Leipziger Messe einige bemerkenswert Ausführungen. Er stellt fest, daß das Ausland ni f mehr kauft, und zwar deswegen, weil die Preise der deutschen Waren über den Weltmarkt ⸗ preisen liegen. Er führt u. a. eine bayerische Möbel⸗ fabrik an, die nach Holland eine bestimmte Art von hölzernen Bettgestellen für 10 Gulden liefert. Dasselbe Bettgestell verkauft die Firma in Deutschland zu dem Gegenwert von 15 Gulden, so daß man also ein deutsches Fabrikat aus Holland um 50 Prozent billiger beziehen 150 21
909 2. bis 25. 4
als bei dem deutschen Fabrikanten in Deutschland selbst. Die Firma ist gezwungen, billiger nach Holland zu liefern, weil sie für die Holländer zu teuer ist 5 995
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Der Deserteur.
5 Roman von Robert Buchanan.
„Ich selbst habe nach Eurem Schuhzeug gesehen,“ fuhr der Korporal fort,„jeder von Euch hat zwei Paar Schuhe, aber keine ganz neuen— sie werden sich wie Samt an Eure Füße schmiegen, denn sie sind vom weichsten Leder. Die meisten Rekruten sind lahm, ehe sie Nantes erreichen, weil fie die unerhörte Dummheit begehen, in neuen Schuhen zu marschieren. Anfangs werden Euch auch die Tornister lästig sein; ihr müßt sie ganz fest auf die Schulter schnallen und nicht, wie unerfahrene Rekruten es stets tun, lose über den Rücken herunterhängen lassen. Merkt Euch all das und Ihr werdet Euch viel Unbill ersparen.“
Der alte Korporal erteilte all diese Ratschläge in rühr⸗ seliger Stimmung; er mußte sich sehr zusammennehmen, um die aussteigenden Tranen zurückzudrängen. Uebrigens war die ganze Gesellschaft sehr traurig. Den jungen Burschen erschienen die Zwillinge wie Opferlämmer, die man zur Schlachtbank führt. Nur Mikel Grallon lachte, war guter Laune und stieß immerfort mit den Rekruten an; aber selbst der Schnaps verfehlte heute seine Wirkung— er vermochte die Herzen nicht froh zu stimmen. Gildas und Hol wußten, daß oben in ihrem Kämmerchen die Mutter bittere Tränen vergoß und daß auch Marcelle sich grämte; sie sahen klar, daß Onkel Ewen sich mit Gewalt zur Ruhe zwang und Sergeant Pipriac sie in seiner derben Weise bedauerte. Zum erstenmal sollten sie dem„Ruhm“ entgegengehen, aber sie wären viel lieber zu Hause geblieben.
Wahrend die Männer unten in der Küche fleißig das Glas kreisen. ließen, plauderten und rauchten, schlich sich Marcelle aus dem Hause und eilte die Straße hinab, die aus dem Dorfe führte.
Es war Vollmond, aber dunkle Wolkenballen stiegen auf und verfinsterten sein mildes Licht. Von Zeit zu Zeit gab es leichte Regenschauer und der Mond drängte sich hinter die Wolken. Marcelle lief mehr als sie ging. Sie war in ihrem gewöhnlichen Hauskleide und ohne jede Umhülle. Sie stieg
Kalvarie vorbei, bekreuzigte sich rasch und lenkte dann, etwa hundert Schritte weiter, in die Straße ein, die zur offenen Heide führte. Sie spähte ängstlich nach allen Seiten, während sie ihren Weg in der Dunkelheit fortsetzte, der ihr nicht ganz fremd zu sein schien obgleich sie einigemal, wenn sie zu Kreuzungen kam, unschlüssig stehen blieb.
Sie hatte bereits anderthalb Kilometer zurückgelegt und lief noch immer so rasch sie ihre Beine tragen mochten über die einsame Heide dahin, die dicht mit grauen Granitsteinen besät war, als abermals ein heftiger Regenschauer kam und das Mondlicht auslöschte; dabei heulte der Wind ganz un⸗ heimlich. Mit heftig klopfendem Herzen tastete sich Marcelle durch die stockfinstere Nacht weiter. Als der Mond endlich wieder in seiner vollen Pracht aus den Wolken brach, fand sie, was sie so sehnsüchtig suchte.
Vom hellsten Mondschein beleuchtet, erhob sich ein unge heures Granitkreuz mit der lebensgroßen Gestalt des Ge⸗ kreuzigten, der das Haupt mit der Dornenkrone zum Himmel emporrichtete; die gebrochenen Augen starrten in das silberne Mondlicht. Um das Kreuz herum wucherte allerlei Unkraut — Brennesseln, Disteln, Lolch und Ginster.
Marcelle zitterte am ganzen Körper, als sie endlich ihr Ziel erreicht hatte. Sie war so erschöpft, daß sie kaum noch die Kraft besaß, sich zum Fuße des Kreuzes zu schleppen, wo ein in der Mitte gesprungenes, blutrotes Granitbecken an- gebracht war, das der letzte Regenschauer bis zum Rande mit Wasser angefüllt hatte. Im hellen Mondlicht sah es wie frisches Blut aus.
Dieses rote Granitbecken wurde im Volksmunde der „Blutpfuhl Christi“ genannt und galt als sehr heilig— heiliger als der Weihwasserkessel in der Kirche. Das Volk schrieb dem in das Becken fallenden Himmelstau dieselben Eigenschaften zu, die dem Blute Christi innewohnen— er heilte Kranke, die an seine Wunderkraft glaubten. Noch mehr: wer den Mut besaß, bei Vollmond hierher zu kommen und irgend ein Kleidungsstück oder einen sonstigen Gegen⸗ stand, den er am Leibe trug, in das Becken zu tauchen, konnte sicher sein, daß der bewußte Gegenstand die
den Hügel empor, eilte an der Kirche, dem Friedhof und der
Macht erhielt, von dem Träger jede Gefahr, sogar den Tod
fernzuhalten. Nur eine Bedingung war an diesen Zaube geknüpft: das„Eintauchen“ mußte in tiefster Einsamkeit vor sich gehen und kein lebendes Wesen durfte das Gehein⸗ nis kennen. 3 Marcelle kniete nieder, obgleich die Disteln und Nessenn ihre Haut verletzten, sprach ein kurzes Gebet und zog dann aus ihrem Mieder zwei Medaillen hervor, die sie mit ihrer rechten Hand vorsichtig in das wassergefüllte Becken gleiten 1 0 ließ. Vor Ehrfurcht zitternd, schloß sie die Augen und wie ⸗-⸗ derholte das für die Gelegenheit passende Gebet, die Namen Hosl und Gildas besonders betonend; dann fischte sie mit ihren weißen Fingern die Münzen heraus:„Christus sei mit mir“, sagte sie laut, indem sie sie wieder in ihr Mieder 1 gleiten ließ. a 1 Es waren ziemlich große Kupfermünzen, die sie vor langer Zeit vom Korporal geschenkt bekommen und sorg?: fältig aufbewahrt hatte. Jett, da ihre Brüder in den Krieg ziehen sollten, wollte sie sie ihnen, als schützende Talismane mitgeben, ohne zu verraten, welcher Zauber ihnen inne- wohne. Jede der Münzen hatte eine Oese durch die man eine Schnur ziehen konnte, so daß sie um den Hals zu tragen mar. Auf der einen Seite befand sich der lorbeergekrönte Kopf Napoleons, auf der anderen das Miniaturbildchen einer Schlacht. mit der Inschrift: Austerlitz. 1 Kaum hatte Marcelle ihr Gebet beendet, als sie auf? sprang und eilig den Rückweg antrat. Sie war noch keine hundert Schritte gegangen, als sie hinter sich Tritte hörte. Sie preßte die Hand aufs Herz und drehte sich scharf um, doch herrschte wieder eine solche Finsternis, daß sie nichts sehen konnte. Sie begann wie ein gehetztes Wild durch dick
und dünn zu laufen, dann blieb sie einen Augenblick 15 1
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um Atem zu schöpfen, und siehe da. die Fußtritte waren dicht hinter ihrem Rücken börbar. Ein Schauer durchrieselte ihren Körper, aber sie faßte Mut und drehte sich noch einmal um. Der Mond lugte für einen einzigen Augenblick 1 1 Wolkenschleier hervor, doch lange genug, um ganz der ich eine übernatürliche hohe Gestalt wahrnehmen zu können. 0 (Zortsetzung folgt; 1 0
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