Ausgabe 
15.3.1923
 
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Fihuhosstraße 23 Ferusptecher 2008.

keine vom Wandel der Zeiten unberührbaren Wahrheiten, die mehr

Achten: Sitzen

Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.

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fözeitung

Eryedition: Gießen Bahnhofstraße 23 Ferusprecher 2008.

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Nr. 62 i 8

Gießen, Donnerstag, den 15. März 1923

a 18. Jahrgang

Was ist Marx uns heute?

Zum 40. Todestag von Karl Marx. Von Eduard Bernstein. 115 Das Wirken auch der größten Lehrer der Völker ist dem Einfluß der Zett unterworfen. Vieler bahnbrechende Gedanken werden erst völlig verstanden und beherzigt, wenn ste selbst nicht anehr unter den Lebenden weilen, alle aber wirken zu verschiedenen Zeiten nach Art und Grad verschieden auf die Völker oder Volks⸗ elemente ein, denen ihr Schaffen galt. In dem Maße, als sich die allgemeine Erkennnis erweitert und vertieft, die Verhältnisse sich ändern und neue Probleme entwickeln, ändern sich auch die An⸗ sorderungen an die Lehrer. Sie wachsen mit der Zeit, die Werke der Verstorbenen aber bleiben, was sie waren. Se ist daher kein Unrecht gegen Mar, wenn wir uns die Frage zu beantworten suchen, was er uns heute, vierzig Jahre mach seinem Tode, als wirkender Geist noch ist. Wir handeln damit vielmehr durchaus in seinem Geiste. Denn niemand wußte besser zals er, daß jede Zeit, jede Entwicklungsphase ihre eigenen Prob⸗ leme erzeugt und hat es grundsätzlich abgelehnt, wie er es einmal ironisch ausdrückt,Rezepte für die Garküche der Zukunft abzu⸗ fassen. Er und sein treuer Arbeitsgenosse Friedrich Engels haben ssich wiederholt wegwerfend nach meiner Ansicht sogar über⸗ trieben wegwerfend über die Theorie der sogenannten ewigen Wahrheiten ausgesprochen. Allerdings gibt es auf dem Gebiete der Sozialwissenschaften, Das für das Wirken von Marx hauptsächlich in Betracht kommt,

besagen als Gemeinplätzlichkeiten von der Natur des Einmaleins u. dergl. Aber es gilt doch dabei zu unterscheiden. Sätze, die sich nuf die allgemeinen Bedingungen und Formen der Entwicklung der Wesellschaften beziehen, sind anders zu bewerten, als solche, die sich mit Vorgängen und Aufgaben einer bestimmten, begrenzten Zeit⸗ weriode und bestimmten, ihr angehörenden Zeitverhältnissen b

hiehen. So hat sich, um ein Beispiel herauszugreisen, das neuer⸗ Hings vielfach behandelt worden ist, Marx mit größerem Verständ⸗ mis als die Mehrzahl der sozitalistischen Theoretiker seiner Epoche

fr die Gewerkschaftsbewegung interessiert und ihre Notwendigkeit

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Ligung ihrer sozialen Bedeutung und Funktion findet man bei ihm

barzubieten. Er kannte die Gewerkschaften erst als als Organe für die Ausbildu

Dolitik in den Parlamenten der Staaten und Länder. TFonsumgenossenschaften der Arbeiter in ihrer heutigen entwickelten Bestalt und ihre großen Zentralen waren zur Zeit, chrieb, unbekannt, und damit auch die Steigerungsmöglichkeit ihrer Ozialpolitischen Leistungen, desgleichen die Einrichtungen der Ar⸗ beeiterversicherung, die Arbeitersekreariate und die Schöpsungen der Arbeiter für Pflege und Hebung der Kultur. scchutzgesetzgebung, für deren Förderung Marx durch sein Kapital i Großes getan hat, sind die Mehrzahl seiner Anregungen verwirk⸗

ton Bedeutung zu lehren, was für unsere Zeit passe

9 197 sah und stelle uns andere Probleme.

Jewegung ankommt. der sozialdemokratischen Praxis heute überholt ist, kann und soll

ind ganzen sicherlich nicht zu bedauern haben.

hühlich in das von Tälern und Zwischenhöhen durchzogene Gebirge sbst eingedrungen. Da verliert man denn leicht den Blick für das

nnerkannt. Aber eine auch nur einigermaßen zulängliche Wür⸗

nicht und konnte er auch nicht liefern, da sie im Ganzen noch viel zu unentwickelt war, um ihm ausreichendes Tatsachenmaterlal dafür ampforgane ver Arbeiterklasse für Fragen der Lohnhöhe und der Arbeitszeit: des Arbeiterrechts hatten sie sich noch nicht betätigt, und an ihre Funktion als mitbestimmender

Faktor in der Regulierung der Produktion dachte noch kein Monsch. Daher findet man auf viele Fragen, ewegung heute beschäftigen, bei Marx noch kein Wort.

welche die Gewerkschafts⸗ ö Ebenso⸗ wenig vernimmt man bei Marx von den Aufgaben und der Politik er Vertreter der Arbeiter in den Gemeindevertretungen und nur erst flüchtige Bemerkungen in bezug auf deren 1 755

ie

wo Marx

In der Arbeiter⸗

1055 und in der großen Politik steht die Arbeiterschast der Haupt⸗ l 25 heute vor Fragen, die Marx so glücklich war, noch kaum zu ahnen. Kurz, die politische und soziale Entwicklung, die sich in den vier Fahrzehnten vollzogen hat, seit Marr für immer die Feder aus ler Hand legte, hat so viel Aenderungen mit sich gebracht, daß mancher der mitten im Kampf stehenden Praktiker der Bewegung zwrsucht ist, anzunehmen, Marx habe uns überhaupt Me uch da Wirtschaftsleben gewähre ja ein anderes Bild als Marr es vor So gehöre denn Marx rute als Lehrer und Ratgeber zwar zu den großen Toten, aber loch zu den Toten. Das ist aber eine durchaus irrige Folgerung. Wer sie zieht, Unnt Marx nur halb und weiß nur halb, worauf es für unsere Daß Marx in bezug auf viele Einzelfragen

ticht bestritten werden. Es ist das ein Umstand, den wir, so sohr ins Einzelnes von dem, was geworden ist, enttäuscht, im großen ö Wii sind seit Marx euf vielen Gebieten des sozialen Lebens weiter gekommen, und nie⸗ mand würde sick dessen mehr freuen, als er. Aber mit den Fort⸗ Fhritten, die sich vollzogen haben, ist für die Bewegung eine große beefahr verbunden; in der Praris die Gefahr der Zersplitterung der Interessen, auf geistigem Gebiet die Gefahr der Verengerung

ber Horizonte.

Um»s an einem von mir gelegentlich gebrauchten Bilde zu

e»anschaulichen: wir sind nicht mehr auf dem Wege zu dem Ge⸗

birgsstock, über den wir hinauskommen miissen, sondern sind all⸗

goße Ganze. Was wir aus der Ferne für ein solches in seinem

ioßen Zusammenhange ansahen, erscheint uns nun als eine Viel⸗

hit von Einzelteflen, und wer in eines der zwischen den Höhen ge⸗

egenen Täler herabgestiegen ist, dem ist der Horizont enge gewor⸗

dm, und er ist in Gefahr, sich vom Ganzen abzutrennen. Vor dieser Gefahr schützt uns Marx. Sein Werk, der Kern⸗

halt seiner Schriften, ist der Kompaß, der uns den richtigen Weg cht verlieren läßt.

Seine Geschichtsauffassung, richtiger Ge⸗ sclichtstheorie, die uns die Kräfte und Tendenzen der Entwicklung

dei Gesellschaften bloßlegt, seine Analyse der fapitalistischen Pro⸗ 5 een ae und 15 auf ihr beruhenden und sie zuspitzenden Ge⸗

ellschaft des großen Verkehrs und der freien Konfarrenz, seineßest⸗ lung des. Notwendigkeit sich vollziehenden fortgesetzten Aachstums ber Klasse der Arbeiter und Angestellten in dieser Ge⸗ schaft, und seine Darlegung der aus diesem Wachstum sich im Lagesicht jener Zuspitzung ergebenden geschichtlichen Aufgaben der

Verbot

Abeitertlaßsfe und der Unerläßlichkeit für die Erfüllung dieser

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Um Ziel und Ende der Nuhrbesetzung.

Poincaré wieder in Paris. Der Weg der Verhandlungen.

Poincaré ist am Dienstag nachmittag von der Brüsseler Konferenz wieder nach Paris zurückgekehrt. Seine erste Ar⸗ beit scheint gewesen zu sein, die französische Presse von dem Irrtum abzubringen, daß der letzte Absatz des Kommuniquées von Brüssel kein Beweis für einen Umschwung der französisch⸗belgischen Politik sei. Etwaige deutsche Vor⸗ schläge müßten durch Pfänder garantiert sein, wenn die staffelweise Räumung des Ruhrgebiets durchge⸗ führt werden solle. Gleichzeitig aber versichert man im Quai d'Orsay, daß das amtlich Kommuniqué keineswegs als erster französisch⸗belgischer Schritt zur Herbeiführung von Verhandlungen zu betrachten sei, und daß noch gar nicht fest⸗ steht, welche Behandlung irgendwelche Vorschläge von deut⸗ scher Seite erfahren würden. Neuerdings fordert übrigens der Temps alserste Voraussetzung zu Verhandlungen die Aufhebung der deutschen Regierungs verordnung über das der Arbeitsleistung für die widerrechtlich einge⸗ drungenen Truppen. Diese Forderung stimmt inhaltlich mit den Angaben der Daily Mail über bestimmte politische Voraussetzungen, die Frankreich an den Beginn von Ver⸗ handlungen knüpft, überein. Ihre Anerkennung würde be⸗ deuten, daß Deutschland die Ruhraktion als berechtigt an⸗ sieht. Das dürfte niemals der Fall sein. Erst Dienstag hat im englischen Unterhaus das Mitglied der Asquithgruppe, Simons, den Franzosen Barthon als Zeugen dafür ange⸗ rufen, daß Strafmaßnahmen gegen Deutschland nach dem Versailler Vertrag nur von den Verbündeten ge⸗ meinsam unternommen werder dürfen, daß also eine alliierte Macht allein in Deutschland nicht einmarschieren dürfe. Während also Frankreich selbst von seinen Ver⸗ bündeten sein tatsächliches Unrech' bescheinigt erhält, fordert es trotzdem von Deutschland Anerkennung einer rechtmäßigen Besetzung der Ruhr. ö

Zu den französisch⸗belgischen Verhandlungen.

Die Bedeutung der Brüsseler Verhandlungen, die Mon⸗ tag abend ihren Abschluß gefunden haben, wird von den

französischen Journalisten, die ihrer Regierung nahestehen,

folgendermaßen erörtert: Es handelte sich zunächst darum, über die Taktik der Besetzung eine Entscheidung zu treffen, der zwei Möglichkeiten einander gegenüberstanden:

1. Die Möglichkeit, die Besetzung als ein Pressionsmittel zu benutzen und notwendigenfalls auszudehnen und ihr ein positives Programm zugrunde zu legen und

2. die Möglichkeit, die Besetzung zur produktiver Ergebnisse im Ruhrgebiet zu machen.

Man hat sich für die zweite Möglichkeit entschieden. Man will die Kohlen- wie die Eisenbahnfrage durch Mittel lösen, die allerdings noch nicht im einzelnen angegeben sind, die aber auf Plänen beruhen sollen, die Marschall Foch empfohlen hat. Man wird, wie es scheint, versuchen, sich die Mitarbeit der einheimischen Ruhrkrafte in verstärktem Maße zu sichern und zwar teilweise durch Vergünstigungen in der Verpflegung. Weiterhin ist die im offiziellen Bericht betonte Absicht, das Ruhrgebiet im Falle von Verhandlungen zu räumen und die endgültige Regelung von der Erfüllung der deutschen Verpflichtungen abhängig zu machen, als eine neue Grundlage aufzufassen, die Frankreich und Belgien von dem Vorwurf, das besetzte Gebiet ganz annektieren zu wollen, freisprechen soll. Man denkt nicht an eine Annexion, aber man wird andererseits das Prinzip der Pfänder, an dem von den beiden Vesatzungsmächten zum Unterschied von England festgehalten wird, nicht aufgeben, sondern zur Voraussetzung von weiteren Verhandlungen im besetzten Gebiet machen. Ueber den Inhalt der Verhandlungen mit Deutschland, falls es zu solchen kommen sollte, wird im Be⸗ richt nichts gesagt. Dafüber ist auch von den beiden Re⸗

Grundlage

Aufgaben gebotenen Zusammenschlusses der Arbeiter und ihnen

soztal Gleichgestellten zur politischen Partei das alles ist nicht überlebt, sondern hat, obwohl Einzelhetten auch hier Berichtigung vertragen, noch seine volle Bedeutung und überzeugende Beweis⸗ kraft, Als Meister in der Darlegung der großen sozialen Zusam⸗ menhänge und der Notwendigkeit des Zusammenhalts der Klasse ist Marx gerade wegen der Spezialisierungen der praktischen Be⸗ wegung heute lebendiger als je, weil er unentbehrlicher aus je ist. Und noch aus einem Grunde ist er uns ein Lehrer, den wir nicht entbehren können. Heute laufen allerhand Schlagworte aus seinen Schriften und werden aus Mitteln der Erhellung der Köpfe durch simplistisch⸗dogmatische Auslegung zu Mitteln der Ertötung des Denkens, der Verkleisterung der Gehirne. Nux indem wir die Arbeiter anhalten, Marx's Schriften selbst zu lesen, schützen wir sie nach Möglichkeit gegen diese Gefahr, die größte einer Massen⸗ bewegung. Niemand hat dies klarer erkannt als Marx, und zu den Hauptkämpsen seines an Kämpfen so reichen Lebens gehört sein un⸗ ablässiger Kampf gegen das Denken in fossilen Begriffen.

gierungen in Brüssel nichts vereinbart worden, da an dieser Frage auch Großbritannien und Italien interessiert sind und da die beiden letzteren Mächten ein Recht haben, hier mitzusprechen.

Nitti über die Absicht der Franzosen.

Der ehemalige italienische Ministerpräsident Nitti veröffemlicht neuerdings in einem Teil der deutschen bürgerlichen Presse einen Ar⸗

dem Bestreben der französischen Schwerindustrie, die wirtschaftlich⸗ militärische Kontrolle über Mitteleuropa zu erhalten, beschäftigt. Nitti stellt in dem Artikel u. a. fest:

Ich hatte Gelegenheit, den Bericht einer französischen Militär⸗ kommisston vom 25. Mai 1922 zu lesen und stellte darin fest, daß die selben zwei sind: Loslösung des Rheinlandes und Ruhrkontrolle. allen Versammlungen, allen Ministerbesprechungen erwähnte man wie zufällig den Einfall in die Ruhr und gleich von Anfang an begriff ich, daß es sich nicht um eine leere Drohung handelte, sondern um das Grundprograinmm der französischen Hüttenindustrie.

Die französische Hüttenindustrie zielt nämlich infolge des Krieges auf die Kontrolle der Eisen und der Kohlen auf dem ganzen europäf⸗ schen Kontinent; ein wesentliches Wirtschaftsprogramm, das eine Menge Interessen umfaßt. Da es sich als großes Programm poli⸗ tischer Kontinental⸗Hegemonie darstellt, so gewann es nicht allein die Sympathie der Geschäftswelt, sondern auch jene der militärischen Kreise und der imperialistisch gesinnten Politiker.

An anderer Stelle sagt Nitti mit bewunderswerter Offenheit: In Frankreich leugnet man, daß man die Absicht hatte, oder hat, das Rheinland von Deutschland zu trennen. Aber man braucht nicht hinter die diplomatischen Kulissen geschaut zu haben, um zu wissen, daß über diesen Punkt der französischen Politik kein Zweifel möglich ist. Schon während der Vorbereitung des Friedensvertrags legte Tardieu ein Memorandum vor, um das ganze linke Rheinufer für Frankreich zu erlangen und zwar heißt es, nicht etwa aus Erobe⸗ rungsgründen, sondern im allgemeinen Friedensinteresse. Es war die reinste Jronie. Auch Poincaré hat diese Form von Ironie häufig angewandt. Auf die Forderung Tardieus folgte kurze Zeit darauf eine Reihe von Forderungen des Marschalls Joch. Am 14. April 1919 setzte er vor den Vertretern der Entente die Gründe auseinander,

sation bilden soll.

Die Bluttat in Buer.

Anhaltender Terror.

Die Stadt Buer ist nach wie vor von der Außenwelt ab⸗ geschnitten. Nach vereinzelt vorliegenden Meldungen hält, der französische Terror an. So wurde ein Zivilist, der mit der Straßenbahn nach Gelsenkirchen zurückfahren wollte,

tötet. Außerdem wurde noch ein Zivilist getötet und mehrere verletzt, darunter eine Frau. Die Vermutung, daß die beiden französischen Offiziere von den eigenen Leuten er⸗ schossen worden sind, gewinnt immer mehr an Wahrschein⸗ lichkeit. Es steht jetzt mit Sicherheit fest daß seit der Tat zwei französische Soldaten fahnenflüchtig sind.

Eine Folge von Meuterei?

Die Bevölkerung von Buer ist durch die ungeheuerlichen dra⸗ konischen Maßnahmen, die durch das französische Generalkommando über die Stadt Buer verhängt wurden, in größere Aufregung. Die objektive Feststellung der Vorgänge, die zur Ermordung der beiden

eingezogenen Erkundigungen und Rücksprachen mit maßgebenden Per sönlichkekten ergibt sich über die Mordtat folgendes klares Bild: Am 10. März, abends nach 9 Uhr, trafen der diensttuende französische Offizier der Runde, der von dem Kommandanten des militarisierten Bahnhofs Buer⸗Nord begleitet war, bei der Be⸗ sichtigung der Mannschaftsquartiere an der Ecke der Hoch⸗ und Hagenstraße zwei französische Soldaten, die sich nicht in ihre Quar⸗ tiere begeben hatten. Die französischen Offiziere stellten darauf die Soldaten zur Rede. Es ergab sich ein heftiger Workwechsel, der von einem Rechtsanwalt und seiner Frau mit angehört wurde und in franzöfischer Sprache geführt wurde. Diese Auseinandersetzung wurde jäh abgebrochen durch zwei Schüsse, nach denen der Rechtsan⸗ walt und seine Frau wieder an das Fenster stürzten. Beide sahen in der Dunkelheit zwei Körper am Boden liegen. Daß die Tat auf meuternde französische Soldaten zurückzuführen ist, ist um so wahrscheinlicher, als in den letzten Wochen von verschledenen Seiten aus dem besetzten Gebiet Meldungen über meuternde französische Soldaten gegen ihre Offiziere gekemmen sind, was zu einem scharfen Eingreifen der französischen Militärbehörde führte. So wird von einem Augenzeugen behauptet, daß in der Nacht vom Donnerstag gum Freitag zwischen 2 und 3 Uhr in Duisburg in der Nähe der Hohenzollernstraße mehrere Franzosen von Marokkan den erschossen worden seien. Ebenso sullen in der vorigen Woche an der Rauer der Blauen Fabrik in Duisburg. Düsseldorserstraße, desortierende französische Soldaten standrechtlich erschossen worden ein. Bezeich⸗ neub ist auch folgende Meldung: Ende Februor erfuhr ein junges Mädchen durch Zufall, als es seinen Bruder im Vinzenzhospital be⸗ suchen wollte, daß dieser schon gestorben sei und in der Totenhalle fliege. Darauf ging sie allein zur Totenhalle. Als sie hineinsah, sah sie an der Erde eine Anzahl toter Franzosen herumliegen. Die Leichen dieser Franzosen werden in Verbindung gebracht welt der standrechtlichen Erschießung einer Anzahl sranzüfischer Soldaten in Wesol als Folge einer Meuterei.

Dic Meldungen über die Lockerung der Disziplin unter den franzüsischen Truppen kommen von den verschiedensten Seiten, ouch

sind die verschiedenen Uebergriffe auf diese Ursache zuröckzuführen,

tikel über den Einbruch in das Ruhrgebiet, der sich insbesondere mit

durch die Reparations⸗Kommission zu erreichenden Ziele immer die⸗ Schon seit drei Jahren spricht man von dem Einfall in die Ruhr. Bei

weshalb der Rhein die Grenze Frankreichs und damit derZivili⸗

als er am Bahnhof umstieg, durch einen Gewehrschuß ge⸗

französischen Offiziere geführt hatten, ist daher nicht leicht. Nax