Ausgabe 
14.6.1923
 
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berhessischen Volkszeitung Nr.

Gießen, Donnerstag, den 14. Juni 1923.

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Gießen und Umgebung.

Die gegnerische Berichtersiattung über den sch ie gegneris chul⸗ politischen Prozeß in Darmstadt.

im der er sei durch die von v

lichtigte Ir 2daß ein Hauptstück der Aussage des Direktors, die

Die Aussagem aber. die der Bericht bringt, nötigen ihrem

fachlichen Inhalt zu schärfster Verwahrung; sie geben Anlaß, dasSystem Schnell einmal zu beleuchten.

1. Dir. Schmell hat ausgesagt: Michel habe vor der Revolution bei allen möglichen kleinen AnlässenReibereien mit dem Direktor

gemacht, wobei M. immer allein gestanden habe: nurpersönlich

BVerstimmte hätten zu ihen gehalten, dis Gegensätze seien nicht

an e bolitischer Natur gewesen. Die sse Angaben find N. Aut famt und sonders falsch! In Wirklichkeit stand die ein und k Sache so: M. hat vor der Reoolution vielsach Anlaß gehabt bei Je wegen dessen selbstherrlichen, die Rechte Stellung des Lehrerkollegtums un

icht dabel

Ausbim der erwäblte Sprecher der 0 f ndlef k sich allerdings das Verhältnis, aber mur, weil W ganz wenige Mitglieder des Kollegiums, darunter M, sich offen n. und entschieden zur Republik bekannten, während die überwiegende

Mehrheit mit dem Dir. am der Spitze der alten Staatsform inner⸗

ich verbunden blieb, eimige sich auch mehr oder weniger neutral

9 rhßelten. Aus die ser grund verschiedenen politischen im de ellung heraus ist die weitere Entwicklung der N Es ist eine reine Spiegelfechterei,

8 beurtes len. e es chian tut das mit Vorliebe, be Schule sei nicht in einer bestimmten politischen Richtung ge⸗ seitet worden, da Dir. Schnell keinPolitiker gewesen sei. Ge⸗ wiß betätigt, wie etwa Herr

. bags⸗ oder einem ungden 55 11 kein politischer Peterling auf allen Suppen: ut bon dem Gießener Anzeiger geschöpftes politsisches Wissen

Aber er war trotzdem

utter lber 5 . fein ine

uc 1 vielmehr den gehorsamen Beamten zu e eh 3 7 öglichstes, die neuen Cm richtungen un⸗ et Rechen rch Ausführung der betr. behördlichen

5 Buchstaben. Vor allem wandte er alle

So geriet die kleine Minbderhelt der ossen für den repu⸗ blikanischen Staat eintretenden Lehrer naturgemäß mehr und

mohr in Oppositionsstellung, aber selbstverständlich nur in Dingen politsscher oder schulpolitischer Färbung. Bei Fragen, in die das Politische nicht hineinsplelte. hat das Kollegium ohne Ausnahme nach rein fachlichen Molen Stellung genommen. Wenn aber Dir. Schnell vor Gericht das Vorgehen gegen hn auf lauge Zeit sich erstveckchide persönliche Treibereßen zurücksührle, so ist das eine Dreistigkeit. Eine Erklärung für eine solche unter Eid gegebene, den Tatsachen nicht entsprechende Darstellung könnte in einer allerdings seltsam anmutenden Gedächtnässchwäche gefunden werden. Tatsichlick wurde auch sofort vor Gericht nach⸗ gewiesen, daß Herr Schnell in zwei Einzelfällen Falsches behauptet hat. Vielleicht üst aber der Grund für diese merkwürdige Tat⸗ sachenwerschiebunc noch in größerer pfychologischer Tiefe zu suchen. Eine Autorität wie Herx Sch. der sich für unfehlbar hält und auf Grund jeses Unfehlbarkeitsglaubens seinen Willen unter allen Umständenp durchsetzen will, sieht hinter jedem Widerspruch nur den bösen Willem des andern. Geht es um politische Dinge, so gesellt sich dieser Schwäche noch ein weiterer Mangel, nämlich die Unsähig⸗ keit, sich in das polilssche Denken und Fühlen eines demokratisch⸗ republikanisch Gesinnten einzufühlen, eim Charakterzug, der ja vielen in der Gedankenwelt des mogarchistischen Staates wur⸗ zelnden und zugleich im Kastengesst befangenen, auch ihrem Mehr⸗ heitsgefühl sich sicher fühlenden Gebildeten eigeem ist. Diese Leute begweifen einsach nicht. daß ein Angehöriger ihrer Kaste aus ehr⸗ licher Ueberzeugung verdammt. was sie anbeten, und wittern so⸗ sort persönliche Motive, wenn er in seinen Gefühlen verletzt, sich 2 Wehr setzt. Da spricht dieser Vertreter des alten Staates vor Gericht danm von einemKlüngel, vonpersönlich Verstimmten, die ihm verfolgen, und merkt nicht, wse er dadurch dio Kleinheit seines Geistes selbst entschleiert. (Fortsetzung folgt.)

Sommersonderzüge. Die Reichsbahn beabsichtigt, wie im vorigen Jahre, auch in

diesem Jahre während der Monate Juli bis AugustSommer⸗

Sonderzüge zu ermäßigten Preisen zu fahren. Die Züge führen nur die 3. Wagenklasse. Es werden Rückfahrten 3. Klasse mit zweimonatiger Gültigkeit ausgegeben, die bei der Rückfahrt zur Benutzung aller fahrplanmäßigen sowie geeigneter Sommer⸗ sonderüge berechtigen. Für Schnellzüge ist der tarifmäßige Zu⸗ schlag zu zahlen..

Die Ermäßigung beträgt für Hin⸗ und Rückfahrt je 25 v. H. des gewöhnlichen Fahrpreises. 7 7

Für den Bezirk der Reichsbahndirektion Frankfurt und Mainz kommen nachstehende Sonderzüge in Betracht:

12 325 Frankfurt(Main) nach Freiburg(Breisgau) am 7. Juli Abfahrt in Frankfurt(Main) Hbf. 8.00 Uhr vorm. Ankunft in Freiburg(Breisgau) 7.36 Uhr nachm. Einsteigestationen sind Frankfurt(Main), Darmstadt und Bensheim.

Es werden Fahrkarten ausgegeben nach Freudenstadt, Hausach, Freiburg(Br.), Donaueschingen, Triberg, Mühlheim (Baden), Wehr, Zell(Wiesental), Ueberlingen und Konstanz. 2. Von Frankfurt(Main) nach Norddeich(Nordseebäder) am

7. Juli 1923. 5

Abfahrt in Frankfurt(Main) Hbf. 6.13 Uhr vorm.

Ankunft in Norddeich 6.37 Uhr nachm.

Einsteigestationen sind Frankfurt(Main), Friedberg(Hessen),

Gießen, Marburg(Lahn) und Cassel.

Es werden Karten ausgegeben nach Emden, Außenhafen, Norddeich, Borkum, Juist, Norderneye und Langeoog.

3. Von Frankfurt(Main) nach München am 16. Juni, 6. Juli, 7. Juli und 4. August 1923.

Abfahrt in Frankfurt(Main) Hbf. am 16. 6., 6. 7. und 4. 8. 9.18 Uhr nachm., am 7. Juli 8.25 Uhr vorm. Ankunft in München am 17. 6., 7. 7. und 5. 8. 6.30 Uhr vorm.,

8 am 7. Juli 5.25 Uhr nachm. Einsteigestationen sind Frankfurt, Offenbach und Hanau und bei dem Sonderzug am 7. Jult auch Darmstadt.

Es werden Karten ausgegeben nach Augsburg, München, Berchtesgaden⸗Hbf., Garmisch⸗-Partenkirchen und Oberstdorf. 4. Von Freiburg(Br.) über Franbfurt(M.) nach Berlin am

13. Juli 1923.

Abfahrt in Frankfurt(Main) Hbf. 6.53 Uhr nachm.

Ankunft in Berlin Anh.⸗Bahnhof 6.13 Uhr vorm.

Es werden Karten von Frankfurt(Main), Offenbach(M.) und Hanau Ost nach Berlin verausgabt.

5 1920 Frankfurt(Main) nach Hamburg-Bremen am 6. Juli

Abfahrt in Frankfurt(Main) Hbf. 6.53 Uhr nachm. Ankunft in Hamburg Hbf. 6.05 Uhr vorm. Ankunft in Bremen Hbf. 6.58 Uhr vorm.

In Frankfurt(Main), Offenbach(Main) und Hanau⸗ Ost werden Karten nach Hamburg und Bremen verabfolgt. Gegen Vorzeigung der Soͤnderzugkarten sind in Hamburg und

Bremen Anschlußkarten zu ermäßigten Preisen nach den See⸗ bädern erhältlich. 5 Der Vorverkauf der Karten erfolgt an den Fahrkartenschalteen der Einsteigebahnhöfe 18 Tage vor Abfahrt des Sonderzuges und dauert im allgemeinen 14 Tage, wenn die Karten zu den einzelnen Sonderzügen nicht schon vorher verkauft sind. Alles Nähere ist aus den auf den Bahnhöfen angebrachten Aushängen ersichtlich. Die Fahrpläne, die Fahrpreise sowie die sonstigen Vorschriften Für die Benutzung dicser Sonderzlüge sind von der Reichsbahndirektion in Heftform zusammengestellt. Ein derartiges Heftchen kanu von den, Fahrkartenausgaben der Einsteigestationen zum Preise von 100. Mark bezogen werden.

Stand der Feldfrüchte. Nach dem amtlichen Saatenstandbericht für Hessen von Anfang Juni stehen die Halmfrüchte gut, Die naß⸗ kalte Witterung hindert jedoch das Wachstum; Kartoffel, Runkel⸗ und Zuckerrüben sind noch sehr zurück. Fast überall wird über, Verunkrautung, vereinzelt auch über Drahtwurmfraß geklagt. Klee

durch allzu große Nässe. Die Reben haben durch den Frost stark gelitten. Die Saatenstandsnoten betragen für Winterweizen 2,5: für Sommerweizen 2,7; für Winterspelz 2,6; für Winterroggen 2,6: für Sommerroggen 2,7: für Wintergerste 2,9; flür Som mergerste 2,3; für Haser 2,7; für Kartoffeln 3,0; für Zuckerrüben 2,6; für Futterrüben 2,9; für Klee 2,5; für Luzerne 2,4; für Be⸗(Ent⸗) wässerungswiesen 2,3; für andere Wiesen 2,6 und für Reben 3,0. Hierbei bedeutet 2 gut, 3 mittel und 4 gering. 1 1

Schweinerotlauf ist wieder in Gießen ausgebrochen und zwa in einem Gehöfte in der Zozelsgasse und in dem Anwesen des Land⸗ wirtschaftlichen Instituts in der Marhurgerstraße.

Mieterversammlung. Auf die heute, Donnerstag, 8 Uhr, abends im Saale des kathol. Vereinshauses stattfindende Mieter⸗ versammlung, in der Rechtsanwalt Homberger und Postsekretär Mohr über den erhöhten Mietzuschlag sprechen werden, sei nochmals aufmerksam gemacht. a

Nieder⸗Bessingen.

und Pflege des Ebers wurden täglich 3000 Mk. gefordert und be⸗ willigt. Zum Halten der beiden Faselochsen fand sich niemand bereit. Es wird beschlossen, einen Stall zu mieten und einen Faselwärter anzustellen. Der Mann soll nach den Richtlinien für Gemeindebeamte bezahlt werden. Man will sich in nächster Zeit über die Aufbringung der Kosten aussprechen. Außer Naturallieferungen ist noch ein Sprunggeld vorgesehen. Dem alten Eberhalter wird für die letzten 17% Monate pro Tag auch 3000 Mk. zugestanden. Sodann gab der

getreide(Liefersoll der Gemeinde) zur Kenntnis des Gemeinderats.

schlossen. 500 000 Mk. Nachtragssteuern sollen erhoben werden. Vorschläge wegen einer Wohnungssache werden bekannt gegeben. Chaussierungsarbeitsvergebung im Gemeindewald wird genehmigt. Es wird bezahlt für den lfd. Meter(3 Quadratmeter)= 8500 Mk. Das Aufsetzen der Steine pro Kubikmeter 400 Mk. Planierungs⸗ und Grabenarbeiten werden im Stundenlohn geschafft.

Kreis Wetzlar.

Wetzlar. Die Stadtverordneten⸗Versammlung beschäftigte sich in der Sitzung in voriger Woche eingehend mit Er⸗ höhung der Wohnungsbauabgabe und dem Bau von 20 weiteren Wohnungen. Der Bürgermeister stellte sich auf den Standpumkt, daß das Bauprogramm der 20 Wohnungen nur durchgeführt werden könne, wenn eine beträchtliche Erhöhung der Wohnungsbaubgabe be⸗ schlossen werde. Als Gründe hierfür führte er an, daß die it⸗ hilfe des Reiches und des Staates nur reichlicher ausfallen werde, wenn die Stadt ihre eigenen Mittel stärker angespannt habe. Das von der Versammlung geforderte stärkere Heranziehen der Industrie werde nicht den gewünschten Erfolg haben. Um den Hausbesitzern die Annahme der erhöhten Wohnungsbauabgabe schmackhaft zu machen, wurde deren Abwälzbarkeit betont. Bei der starken Be⸗ lastung der Stadt durch die Ausgewiesenen, von denen bis jetzt 77 Elsaß⸗Lothringer, 30 Ruhrdeutsche, 28 Ostlandsdeutsche und 12 Auslandsdeutsche eine neue Heimat in Wetzlar gefunden haben, sei vielleicht eine stärkere Hilfe vom Reich zu erwarten, doch dürfte diese bei dem Durchlaufen der üblichen Instanzenwege noch längere Zeit auf sich warten lassen. Die Durchführung des Bauprogramms er⸗ fordere mit Einschluß der zwei Wohnungen in der Werderstraße rund eine Milliarde Mark. Die Kosten einer einzelnen Wohnung dürften sich auf 45 800 000 Mark belaufen, die sich aber durch das schon längere Zeit eingekaufte Baumaterial auf etwa 37 Millionen Mark pro Wohnung ermäßige. Die Versammlung konnte sich auch diesmal nicht mit der Erhöhung der Wohnungsbauabgabe befreun⸗ den und forderte stärkere Heranziehung der Industrie. Diese von den Rednern aller Parteien ausgesprochene Abneigung gegen die von der Verwaltung geplante Erhöhung der Wohnungsbauabgabe brachte den Bürgermeister derart in den Harnisch, daß er sich zu einer Entgleisung hinreißen ließ, indem er der Versammlung vor⸗

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Eduard David.

Zu seinem 60. Geburtstag.

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einem heftigen Wahlgang den Reichstagswahlkreis Mainz dem Zentrum. Seitdem gehört er dem Reichstag ununterbrochen an und zählt zu seinen besten Rednern.

Am 1. Oktober 1918 berief ihn der Reichskanzler Max von Baden als Unterstagtssekretär in das Auswärtige Amt. Nach der Revolution wählte ihn die Nationalversammlung zu ihrem ersten Präsidenten, aber schon eine Woche darauf wurde er Reichsminister ohne Portefeuille. Den Kabinetten Bauer und Müller gehörte er als Innenminister an. Seit einem Jahr ist er Reichsvertreter in Darmstadt: N

Als Theoretiker wandte David sich vornehmlich der Agrarier⸗ frache zu, der sein großes WerkSpialismus und Land⸗ wirtschaft gewidmet ist. Es erschien 1903 und kam 1922 in zweiter erweiterter Ausgabe heraus. Durch dieses bedeutende Werk hat sich der gelehrte und weitsichtige Verfasser einen ehren⸗ vollen Platz in der volkswirtschaftlichen und landwirtschaftlichen Wissenschaft gesichert. Die von ihm klar gestellten Entwicklungen der Landwirtschaft im Zeitalter des Kapitalismus und die von ihm hieraus gezogenen Schlüsse weichen vielfach von dem strengen Marxismus ab. Hierdurch und durch seine sonstige politische Haltung, die ihn zeitweise in nähere Verbindung mit v. Vollmar und Bernstein brachte, galt er einige Zeit für einen Hauptvertreter des sogen. Nevisionjismus. Nichtsdestoweniger war sein Verhält⸗ nis zu August Bebel stets sehr gut, der die jüngeren kenntnisreichen und klugen Vorkämpfer des Sozialismus überaus schätzte. Von Davids kleineren Schriften hat sich vornehmlich derReferenten- führer Eingang in weiteste Kreise verschafft. Gerade hierin hat er sein pädagogisches Geschick glänzend bewährt. Doch ist er Jün⸗ geren gegenüber stets nur Erzieher und Lehrer im besten Sinne gewesen, nie wurde er anmaßlicher Schulmeister.

Eduard David faßt den Sozialismus in erster Linie als die grüßte Bildungs- und Kulturbewegung auf, die die Welt je gesehen, und ist überzeugt, daß auf dieser sicheren und festen Erziehungsarbeit an sich und anderen allmählich in stetiger Ent⸗ wicklung dieVölkerbesreiung sich vollziehen werde. Wissen ist Macht! Begeisterung überwindet! Die notwendige Organisation der Vielen, wenn sie wirksam werden, auf die Dauer die mensch⸗ lichen Verhälmisse umgestalten und bessern soll, setzt voraus klare Erkeuntnis ud Ueberzeugungstreue des Einzelnen. Der Neorig ver dern Gewie fue IBL 2

Arbeiter mit Kopf und Hand, in Stadt und Land, die bisher den Kapitalherren ihre Profite schaffen. Die Sozialisierung der Gesell⸗ schaft ist mehr oder weniger sernes Endziel. Die Bewegung, die bewußte Aecbeit auf dieses Ziel hin, die sich nunmehr in Deulschland natürlich nur im Rahmen der neuen Republik und überall uur in echt demokratischen Staatsformen betätigen kann, vollzieht sich ebenso im gesellschaftlich-wirtschastlichen Kampf durch Partei, Ge⸗ nossenschaft usw., wie im Kopf und Herzen des einzelnen Volks⸗ genossen. Es gilt, die Köpfe zu revolutionieren! Freilich wicht mit radikalen Phrasen, sondern durch mühsam zu erwerbende Ein⸗ sicht in die Gesetze der menschlichen Kulturentwicklung überhaupt. Diese geht bei der allmählichen Aufwärtsentwicklung des Menschen alsGehirntier natürlicherweise nur langsam, aber, im großen betrachtet, sicher voran. Wir sollen in besonnenem Optimismus an diesen Aufstieg zum Besseren glauben und an ihm mitarbeiten, ein jeder nach seinen Kräften, alle aber mit vereinten Kräften in be⸗ ruflichen und politischen Organisationen.

Oft hat David in der Partei hart für seine Ueberzeugung ge⸗ rungen, und er wird es vielleicht noch manchmal tun. Hat ihn

allen unklaren Phantastexeien skeptisch gemacht, hat sie ihn gelehrr, daß der Weg des Aufstiegs des Proletariats härter und schwiertger ist, als Nur⸗Optimisten gewähnt haben und wähnen, hat sie ibm manches herbere rteil über denUnverstand der Massen, fber⸗ haupt über das Heerdentier Mensch entlockt, so ist der in Grund unentwegte Idealist doch nie irre geworden an der hohen Bewegung selbst, der er sein Leben und sein Stroben gewidmet hat. Er glaubt an die Menschheit, und er hofft, daß der Sozialismus dereinst ihre Träume reifen lassen wird. Aber er fordert von sich und allen wahren Sozialisten ernste, unablässige und unbeirrte Mitarbett

Nur des Meißels schwerem Schlag erweiche:

Sich des Marmors sprödes Korn. 8

Menschlich ist Eduard David stets auch denen liebenswert ge⸗

wesen, die anderer Ansicht waren als er. So vereinigt sich die ganze sozialdemokratische Partei in den herzlichsten Wünschen filr sein Wohlergehen und weiteves Wirken! g

(tt c Mi ermetrwes r e

Die Oberhesstsche Volkszeitung aber sendet ihrem ersten und testen Nedakteur besonders freundlichen Dank und Stüs⸗ arsch! Sie ist stolz auf ihn!

und Wiesen stehen zum Teil gut, leiden aber an manchen Orten

Die Aufstellung eines Nachtragsvoranschlages für 1922 wird be⸗

seine reiche Lebenserfahrung gegenüber allenRadkfalismen und *

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5.

Gemeinderatssitzung v. 9. Juni. 1923. Am 8. Juni wurde das Gemeindefaselvieh vergeben, außer dem Ziegenbock, dessen Vertrag noch ein Jahr läuft. Für die Haltung

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Blürgermeister ein Schreiben des Kommunalverbandes betr. Umlage⸗

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