Ausgabe 
12.2.1923
 
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Keine Rheinschisfahrt.

Alle Versuche, die zahlreichen zwischen Bingen und Mainz liegenden Rheindampfer durch Militär in Fahrt zu setzen, sind bisher erfolglos geblieben. In Mainz hat die Besatzungsbehörde einige Schiffszüge zusammengestellt, aber in Fahrt konnten sie noch nicht gesetzt werden, da die Maschinisten fehlen, die sich nach wie vor im Generalstreik befinden. Dieser wirkt sich vor allem auch auf die Schweiz in der empfindlichsten Weise aus. Bisher hat die Rhein- landkommission zu den Forderungen der Rheinschiffer ge schwiegen. Die Maschinisten und Heizer des Rheins und seiner Nebenflüsse haben aber in ihren Versammlung erneut beschlossen, den Kampf mit unverminderter Energie weiter-

zuführen.

Der Ueberfall auf Baden. Wie dem Berliner Tageblatt aus Offenburg zuverlässig mitge⸗ teilt wird, war bereits in Kehl durch die Offenherzigkeit einen französischen Ordonnanz bekauntgeworden daß auf den französischen

Generalstabskarten der Schwarzwald bis Triberg abgesteckt worden

ist. Her sord und Freiburg sind noch immer in Ungewißheit, ob ihnen nicht das gleiche Schicksal winkt wie Offenburg. Merkwürdig ist, daß in den Buchhandlungen von den Franzosen sämtliche Schwarzwald⸗

karten aufgekauft worden sind. Gerüchte gehen um daß die Franzo⸗ sen in Straßburg Landsturm aus hehen.

Die Lage hat im besetzten Gebsete von Offenburg Appenweier eine erhebliche Verschärfung durch strengere Durchführung des Be⸗ lagerungszustandes erfahren. Die Beamtenschaft soll auch hier zum Ungehorsam gegen die deutschen Behörden gezwungen werden. Der Kommandant der Okkupationstruppen verlangt, daß er von Besuchen badischer Minister im besetzten Gebiete amtlich in Kenntnis gesetzt

werde! Eine neue Div sion in Essen.

Die französische Militärbehörde hat den Einquartierungs⸗ ämtern im Bezirk Essen die Mitteilung zukommen lassen, daß in kürzester Zeit weitere militärische Abteilungen in den Bezirk einrücken werden. Es handelt sich um eine ganze Division. In den letzten Tagen macht sich die Tätigkeit der französischen Flieger über dem Ruhrbezirk besonders be merkbar, die aus geringer Höhe photographische Aufnahmen der Zechenanlagen und Gruben machen. Die Flugzeuge dienen auch der Flugzettelpropaganda.

Die Gewaltiaten der Kulturträger.

Der Ueberfall in Wanne. Ueber die 1 in Wanne berichtet das Wolfbureau: se

Der D⸗Zug Essen Hamburg ist in Wanne von den Franzosen siberfallen. Das Zugpersonal gibt darüber folgenden Be

icht:

Der D.⸗Zug 97 EssenHamburg mußte am 8. Februar gegen 8 Uhr 30 Minmten vormittags an der Einfahrt, da sie geschlossen war, halten. Nach etwa 10 Minuten wurde die Einfahrt durch Befehl A freigegeben; der Zug wurde aber abgelenkt und lief auf Bahnsteig 4 anstatt 3 ein. Als wir ausstiegen, kamen etwa 30 bis 40 Franzosen, ausgerüstet

mit Gewehren. Brechstangen und Vorhämmern, nom 8 zur Maschine und forderten Lokomotivführer und Heizer zum Verlassen der Maschine auf. Franzosen bestiegen die Maschine. Alsdann wurden die Beamten und alle Reisenden auf⸗ gefordert, den Zug und den Bahnsteig zu verlassen. Auch die übri⸗ gen Bahnsteige wurden gewaltsam geräumt. Zu gleicher Zeit lief auf Bahnsteig 3 ein Personenzug von der entgegengesetzten Richtung (von Langendreer) ein; auch dessen Reisende mußten sofort den Zug verlassen. Insolge des gleichzeitigen Ausweisens der Reisenden aus dem D-Zug und dem Personenzug staute sich die Menge, besonders, da niemand im Augenblick erkennen konnte, was los war. Der Zugführer wollte in Pflichttreue die Türen des Zuges noch schnell schließen, es kam aber ein französischer Offizier und zog ihn mit den WortenSchnell weg! vom Zuge fort. Im gleichen Augenblick schlug ein französischer Soldat den 64jährigen deutschen Zugführer mit dem Gewehrkolben auf den Kopf, sodaß er taumelte; ein Schaffner wollte ihn auffangen; da setzte ein anderer Soldat dem Schaffner das Bajonett auf die Brust mit dem Rufe:Schnell weg! Die Masse der Frauen und Kinder schrie laut auf. Nun zog der Offizier den Revosvper, hielt ihn auf die Menge gerichtet und forderte sie auf, schnell zu gehen. Die Stauung vor und auf der Treppe wurde so stark, daß Kinder, Frauen und Männer auf der Treppe übereinanderfielen und ein Menschenknäuel bildeten. In diesen Knäuel 5 stachen die Franzosen rücksichtslos mit ihren Bajonetlen

hinein worauf großes Klagegeschrei und Hilferufe ertönten. Flucht⸗ artig suchte jeder sein Leben zu retten, von den Franzosen bis auß den Bahnhofsvorplatz getrieben. Dort war eine Kavalleriepatroujlle, die die Menge bis weit in die Stadt hinein verfolgte. Vor dem Bahn⸗ of waren drei Maschinengewehre aufgestellt, die auf die flüchtende Menge gerichtet wurden. Irgend ein Widerstand des so plötzlich überfallenen Publikums und der Beamten ist in keiner Weise ersolgt. In 8 bis 10 Minuten waren sämtliche Neisende weit in die Stabt hinein verschwunden. Das Gepäck der Reisenden ist zum größten Teil im Zuge geblieben, ebenso das auf dem Bahnhof ein⸗ und um⸗ zuladende Gepäck. Wieviel Personen perletzt worden sind, ist nicht Nan Der niedergeschlagene Zugführer ist inzwischen bereits gestorben.

Das Blutreg' ment von Recklinghausen.

Der kommandierende General der 47. französischen Infanterie⸗ dipiston, General Laignelot, übt in Recklinghausen ein Schreckens⸗ regiment aus. Laignelot hat dem zweiten Bürgermeister Dr. Nie⸗

angekündigt, daß er vor keinen Maßnahmen zurückschrecken werde, bis die Bevölkerung auf ihren Knien liege und einem an⸗ bepen Vertreter der deutschen Behörde, der auf die surchtbare Er⸗ regung hinwies, die in der Stadt darüber herrsche, daß fortwährend Tanks die Straßen durchrasseln und die Besatzung mit scharfen Schüssen, Gewehrkolben

und Revolbvern die friedliche Bevölkerung

systematisch tödlich bedrohe, erklärte er:Die Bevölkerung ist uns vollständig gleichgültig. Uns geht es gut. Wir haben weiter nichts notwendig. Wenn sich die Bevölkerung nicht meinem Willen beugt, dann werde ich zu immer schärferen Maßnahmen greifen, bis sie mir aus der Hand frißt. Obwohl keinerlei Verbot für den Straßen⸗ verkehr besteht, wird wehrlos auf die friedlichen ihres Weges gehen⸗ den Passanten eingeschlagen, eingestochen usw. So wurde gestern, nur um einige Fälle qus den regelmäßigen heraus zugreifen, ein Passant ohne jedwede Veranlassung mit Gewehrkolben niedergeschlagen und mit Fußteitten derart zuge richtet, daß er von der Bevölkerung, die sich nachher seiner annahm, sortgeschafft werden mußte. Am Steintor wurde ein Bergmann von einem französischen Offizier vom Pferde herab derart mit Ohrfeigen mißhandelt, daß der Mann zu Boden fiel. Sich wieder erhebend, griff der Offigier zur Reitpeitsche und schlug auf den Bergmann weiter ein, bis blutige Striemen das Ge⸗ sicht durchzogen. Aehnlich erging es zahllosen anderen Blirgern. Frauen brachen in ohnmächtiger Wut in Tränen aus. Die Vorfälle am vorgestrigen Abend haben alle seitherigen Geschehnisse noch über⸗ boten. Alle Passanten wurden brutal überfallen und rüscksichtslos niedergeschlagen. Die Zahl der Verletzten ist noch nicht festgestellt. Der Gemüsehändler Bortenstein wurde derart mißhandelt, daß er inzwischen seinen Verletzungen erlegen ist. Sein ebenfalls des Weges gehender Begleiter wurde mit Dolchstichen ins Gesäß traktiert. Von Münster kommende Reisende die mit der Straßenbahn fuhren und in Recklinghausen ahnungslos ausstiegen, wurden unbarmherzig aus dem Wagen gezerrt und schwer mißhandelt, darunter Frauen und Kinder. Bergarbeiter, die aus dem Münsterland kamen, wurden, ob⸗ wohl sie die Kaffeeflasche auf dem Rücken trugen und als Arbeiter erkenntlich waren, in flürchterlichster Weise rücksichtslos mißhandelt. Während der ganzen Nacht wurde fortgesetzt geschossen. Die Zahl der mißhandelten Frauen bleibt nicht hinter derjenigen der übel zugerichteten Männer zurlick. Studienrat Bitter wurde so verprügelt, daß er ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte. Gestern nach⸗ mittag wurden 30 Seminaristen von französischen Offizieren mit Reitpeitschen und von Mannschaften mit Kolbenschlägen überfallen und blutig geschlagen.

Wewehrfalven auf deutsche Waldarbeiter. 5

Aus Oberhausen wird mitgeteilt, daß die französischen Truppen am Block Grafenbusch häufig blindlings gleich ganze Salven in den dortigen Wald hineinfeuern. Durch diese planlose Schießerei wird das Betreten des Waldes verhindert und der Aufenthalt von Waldarbeitern und Aufsichtsbeamten un⸗ möglich gemacht. Der Stellwerksposten an der Strecke Oberhausen Wedecke bei Oberhausen beschießt deutsche Polizisten, die bei ihren vorgeschriebenen Patrouillenwegen in Schußweite des Postens gelangen.

Die neuen Vezüge der öffentlichen Angestellten. Die am Donnerstag abgeschlossenen Verhandlungen zur Neu⸗ regelung der Löhne und Gehälter der Beamten, Angestellten und Arbeiter des Reiches, der Länder und der Gemeinden hatten fol⸗ gendes Ergebnis: Die Stundenlöhne in Ortsklasse A erhöhen sich in Gruppe 1 von 473 Mk auf 835 Mk., II von 461 auf 814 Mk., III von 449 Mk. auf 7903 Mk., IV von 437 Mk. 7 772 Mk., V von 430 Mk. auf 759 Mk., VI von 425 Mk, auf 751 Mk., VII von 420 Mark auf 74 Mk. und in Gruppe VIII von 273 Mk. auf 483 Mark. Der Frauen- und Kinder zuschlag erhöht sich auf 58 Mark pro 5 85 Die Spannung von Ortsklasse zu Ortsklasse beträgt 15 Marl.

Entsprechend diesen Lohnerhöhungen wurde der prozentuale Teuerungszuschlag für die Beamten von 489 Prozent auf 942 Pro⸗ zent und der Frauenzuschlag auf 12 000 Mark pro Monat erhöht.

Der Hauptausschuß des Reichstages nahm noch am Freitag von den neuen Erhöhungen Kenntnis.

Innerpolitisches. und trotz alledem die große Koalition!

Damit dem gewaltigen Schicksalslampfe einer großen Nation um ihr Leben und zugleich für die erhabenste Idee auch die Lächerlichkeit eines kleinen Intriguenspiels nicht schle, dauert in Hessen die Re⸗ gierungskrise sort. Der tüchtige demokcatische Finanzminister Henrich hat unter dem Beifall der Sozialdemolralie mit Riicksicht auf die besondere Not des engeren Vaterlandes sein Rücktritis⸗ gesuch zurückgenommen. Die Volkspartei ist wütend. Den be⸗ trübten Lohgerbern sind die Felle weggeschwommen. Es ist die⸗ selbe Partei, die als frühere nationalliberale jahrzehntelang den schärssten Kampf gegen das Zentrum geführt hat. Aber jetzt ist dieses Zentrum ossenbar der Gefangene der Kulturkämpfer, an ihre Forderungen durch geheime Abmachungen gefesselt. So muß das Zentrum weiter protzen! Es will es auf eine Landtagsauf⸗ lösung ankommen lassen, wenn es zu keiner erweiterten Koalition kommt. Das alles, während in der katholischen Hochburg Mainz dex französische Militärsäbel wütet und ihre Bürgermeister, einer nach dem andern, ausgewiesen werden. Kein Wunder, wenn in weiten Kreisen des sozialdemokrotischen Volkes die ernsthafte Frage aufgeworfen wird, ob der Freiherr von Brentano mit seinem deulschnationalen Gehllfen. Staatsrat Dr. Reitz, wirklich in der Regierung des Freistgates Hessen noch erträglich ist.

Steuerfreiheit der Beiträge zur Nothilse. Amtlich wird mitgeteilt: Auf eine Anfrage, ob die Beiträge zur Nothilfe von der Steuer befreit sind, hat der Herr Reichsarbeitsminister sich wie folgt geäußert: Im Einvernehmen mit dem Herrn Reichsmintster der Finanzen teile ich folgendes mit: Es dürfte kein Bedenken dagegen bestehen, daß Beiträge zu der Deutschen Notgemeinschafe zu den Beiträgen im Sinne des 8 15 Absatz 1 Nr. 7 des Einkom⸗ mensteuergesetzes gehören, die von dem Gesamtbetrag der Einkünfte in Abzug zu bringen sind. Ich mache jedoch darauf aufmerksam, daß diese Beiträge nur insoweit abzugsfähig sind, als der Einzel⸗ betrag 200 Mark übersteigt und der Gesamtbetrag dieser Beiträge 1 vom Hundert des Einkommens des Steuerpflichtigen nicht über⸗ teigt.

Wirksamer Kampf gegen Milchpantscherei. Bei dem unge⸗ heueren Preise der Milch ist es ein ganz gemeines Verbrechen, wenn immer wieder die Milch verwässert und der Konsument für sein teueres Geld auch noch schmählich betrogen wird. Gerichtliche Strafen siheinen nicht viel zu helfen. Vielleicht tut das ein Urtell einer Berliner Strafkammer besser, das am Dienstag gefällt wurde. Die Molkereibesitzersfrau Westphal wurde zu 2000 Mark Geldstrase verurteilt und weiter bestimmt, daß das Urteil im Schaufenster der Angeklagten öffentlich ausgestellt wird. In ähnlicher Weise müßten diese habgierigen, betrügerischen Menschen überall öffentlich an den Pranger gestellt werden.

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Gießen und Umgebung.

Der neue Kreistag.

Der bereits im November gewählte Kreistag trat erst am letzten Freitag Vormittag zu seiner ersten Sitzung zusammen, die von Oberregierungsrat Welcker geleitet wurbe. Von den 30 ge⸗ wählten Mitgliedern waren 28 erschienen; es fehlten zunächst von der Deutschen Volkspartei Landgerichtsrat Schudt und von ben Demokraten Bürgermeister Krenzien. Auf die politischen Par⸗ telen verteilen sich die 20 Mitglieder in folgender Weise:

Vereinigte Sozialdemolratische Partei 12 Deutschnationase und Bauernbund 11 Deutsche Volkspartei 4 Demokraten 2

Kommunisten 1

Als erster Punkt stand auf der Tagesordnung die Wahl des Kreisausschusses, der bekanntlich aus 6 Mitgliedern be⸗ steht. Es waren 2 Wahlvorschläge eingereicht worden, einer von der Sozialdemokratischen Partei, der auch den Namen eines demo⸗ kratischen Mitgliedes als Ersatzmitglied aufgenommen hatte, und ein zweiter von Deutschnationalen, Bauernbund und Deutsche olkspartei. Da für den ersten Vorschlag außer dem 1 demokrati⸗ schen Kreistagsmitglied auch das kommunistische Mitglied stimmte. so vereinigten sich auf den ersten Wahlvorschlag 14 Stimmen und ebensoviel auf den anderen. Da sich somit eine Aus rechnung der Sitze nach dem Verhältniswahlsystem erübrigte, wurden sogleich die 3 ersten Kandüdaten jedes Wahlvorschlags als gewählt erklärt und ebenso die 3 ersten als Ersatzmitglieder bezeichneten Namen. Der Kreisausschuß ist dennoch für die nächsten 3 Jahre in folgen⸗ der Weise zusammengesetzt:

Mitglieder: Ersatzmitglieder:

G. Beckmann, Reichtagsabg.(S.) Fr. Germer, Stuhtschreiner(S.) P. Homberger, Rechtsanw.(S.) M. Hüter, Hausfrau(S.) O. Weißgerer, Studienrat(S.) G. Krenzien, Bürgermeister(D.) W. Fenchel, Landwirt(Dn.] Rompf, Landwirt(Du.) Fr. Bommersheim, Löwt.(Du.) Knauß, Staatsanwalt(Du.) G. Lind, Rochtsanwalt,(Bpt.) Schieserstein, Fabrikant(Du.) An die Wahl schloß sich eine Verhandlung über die Vorlage der Kreisverwaltung betr. Bildung eines Kreiswohnungsverbandes zur Verwaltung und Verwendung der Wohnungsbauabgabe. Nach langer Debatte ergab die Abstimmung Stimmengleichheit. Der Vorsitzende stimmte mit ja, sodaß die Vorlage angenommen war. Wir werden einen ausführlichen Bericht über die Verhandlung, deren Gegenstand von größter Wichtigkeit ist, in der nächsten Num⸗ mer bringen.

Bildungsvorträge. Ueberaus zahlreich hatten sich die Hörer zu dem zweiten Vortrage von Prof. Hüter überDie Entwickelung der Menschheit eingefunden, die den Ausführungen des Redners mit gespanntem Interesse folgte. In Fortsetzung des ersten Vor⸗ trags zeigte Redner, wie die Menschheit sich aus dem Zustande des Tierischen und aus der Wildheit heraus entwickelt habe. Im Laufe der Jahrtausende lernten sie die Naturkräfte in ihren Dienst zu stellen. Gewaltiges hat der Mensch seitdem geleistet. Schon vor zweitausend Jahren rühmte der griechische Dichter Sophokles den len Get bes Weenschen, der die Meere beherrsche und hohe

ee eee eee Waben ente en Suse ein Gedicht on Sopholles, in dem der menschliche Fortschritt gefesert wird. Bis auf den heutigen Tag sind die Fortschritte noch viel gewaltiger. Und trotzdem können wir noch nicht von einer wahren Kultur sprechen, denn in moralischer Beziehung ist die Menschheit noch weit zursick. Noch heute kämpfen die Völker mit den barbarischsten, raffiniertesten Mitteln gegeneimander und zerstören, was durch die Arbeit von Mil⸗ lionen fleißiger Hände in vielen Johren geschaffen wurde. Wir haben Hochkultur, aber noch keine Vollkultur. Diese zu er⸗ reichen, daran müssen wir alle mitarbeiten und dazu sei im erster Linie notwendig, den Kapitalismus und Militarismus gen. Lebhafter Beffall dankte dem Vortragende.

Jagdpreis und Zeitungsabonnement. Unter dieser Ueber⸗ schrift schreibt man uns: Wir lasen vorgestern, daß Herr Kom⸗ merzbemrat Klingspor die Gemeindejagd in Alten⸗Buseck neuerdings für 1.505 000 Mark als Höchstbietender wieder gepachtet hat. Die Leser wird es sicher interessieren, zu erfahren, daß Herr Klingspor eine gewichtige Stimme im Vorsitz der Gießener Handelskammer hat, die für das neue Jahr das Abonnement der Oberhessischen Volkszeitung, wahrscheinlich aus Sparsaukeits rücksichten, nicht er⸗ neuern zu dürfen glaubte.

Der Gießener Hausfrauenverein und die Hausangestellten. Vor einiger Zeit hatten sich eine erhebliche Anzahl Dienstmädchen zuscunmengeschlossen, um zu versuchen, durch ihre Orgamisation eine Verbesserung ihrer zum großen Teil sehr mißlichen Lohnverhältnisse zu erreichen. Man wurde sich über die zu stellenden Forderungen klar und verhandelte darüber mit dem Hausfrauenoerein. Dieser wurde dann vom Schlichtungsausschuß als Arbeitgeberorganisation erklärt, mit der über die Regelung der Arbeitsbedingungen weiter zu verhandeln sei. Ehe es aber noch dazu kam, beschloß der Haus⸗ frauenverein seine Auflösung, somit konnte eine weitere Rege⸗ lung zunächst nicht stattfinden. Das Verhalten des Hausfrauenver⸗ eins ist sohr bezeichnend. Während er sonst bestrebt sein will, für wohltätige und humanitäre Bestrebungen einzutreten und sie zu fördern, drückt er sich hier davor, an der Regelung der Lohnver⸗ hältnisse der Dienstmädchen mitzuwirken. Und dadurch hätte er wirklich im Interesse des sozialen Friedens gearbeitet. Wie oben bemerkt, werden die Dienstmädchen zum Teil erbärmlich bezahlt; trotz der ungeheuren Teuerung ist in vielen Fällen von einer Lohn⸗ aufbesserung keine Rede und manche Mädchen erhalten kaum in einem Vierteljahr soviel, daß sie sich ein Paar Schuhe sohlen lassen können. s gibt ebenHerrschaften, die ohne Dienstpersonal nicht aus⸗ lonimen können, aber bezahlen wollen sie nichts.

Amtliche Personal⸗Nachrichten. Ernannt wurden am 31. Jan. 1923 der Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen Landgerich t Karl Adolf Meyer zum Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht Gießen und der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen Amtsgerichtsrat Jakob Kellex zum Landgerichtsrat bei dem Land⸗ gericht der Provinz Oberhessen.

Ruührhilfe. An das Gewerkschaftskartell Gießen wurden abgeführt: Das Personal der medizinischen Klinik 86 560 A, das Personal der Augenklinik 25 660 /, das Personal der chirur⸗ gischen Klinik 52 150 ,, das Personal der Ohrenklinik 12 300&,

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das Personal der Heil- und Pflegeanstalt 68 000 /, Weihnachts⸗

Was ist Feurio? Feucio ist der uralte Feuerruf, bedeutet Gefahr. Ihre Wäsche leidet mehr durch häufiges Waschen mit scharsen Waschmitteln als duech den Gebrauch. verwenden Sie daher nur hochwertige Seifen, die frei sind von schäd⸗ lichen Alkalien. Feurio Haushaltseise enthält 89% Lett.

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