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ärbelt der beiderseftigen indüstriellen Nräfte Wert lege. Was dle.

erste Frage antreffe, sei die von dem Bankkonsortium ausge⸗ sprochene Zahlungsunfähigkeit des deutschen Reiches das einzige Aktivum gewesen. Der deutsche Kredit hätte nur bei einer end⸗ gültigen Lösung der Reparationsfrage angespannt werden können. Wir hatten angeboten, eine feste Summe als Anleihe aufzulegen. die auch, wenn sie als solche nicht realistert wäre, der Entente gegenüber als Anleihe verzinst und amortisiert werden sollte. In bestimmten Zeiten sollten weitere Anleihen aufgelegt werden, die ebenfalls der Repgrationsfrage zugute kommen sollten. Die An⸗ leihen sollten durch die Garantien unserer Industrie sichergestellt werden. Ueber die Anleihe der Sicherungen sei mit dem Anleihe⸗ konsortium zu verhandeln gewesen. Außerdem sollte eine Ver⸗ ständigung mit den fremden Industrien zu gemeinsamer Korpora⸗ tion erfolgen. Der Reichskanzler legte dann dar, warum man diese Pläne nicht durch eine Note der Konferenz von Paris über⸗ We Alle Erfolge unserer Bemühungen gegenüber dem b sbruch hingen davon ab, ob wir die Kraft aufbrächten, wirklich durchzuhalten..

Nachdem dem Kanzler sprachen die Abeordneten Müller⸗ Franken, Bernstorff, Dr. Helfferich, Dr. Stresemann, Dr. Spahn, Koenen und Emminger.

Das Kohlensyndikat hat Essen verlassen!

9 355 Passiver Widerstand.

Das Rheinisch⸗Westfälische Kohlensyndikat hat auf Grund eines Beschlusses, an dem u. a. Hugo Stinnes, August Thyssen, Geheimrat Kirdorf usw. teilgenommen haben, seinen Sitz in Essen verlassen und ist nach Hamburg übergesiedelt, um zu verhindern, daß die Franzosen sich der Einrichtungen dieser größten deutschen Kohlenvereinigungsorganisation für ihre Gewaltzwecke bedienen. Die sämtlichen höheren Beamten des Kohlensyndikats haben bereits mit allem Akten⸗ material, Geschäftsbüchern usw. Essen verlassen und sind nach Hamburg abgereist. Ferner beabsichtigen sowohl die führen⸗

den Persönlichkeiten der rheinisch-westfälischen Montanin⸗ dustrie wie auch die leitenden Direktoren und die Chefin⸗

genieure der großen Bergwerks- und Hüttenunternehmungen des Ruhrbezirks, unmittelbar beim Einmarsch der Franzosen in das Ruhrgebiet die von diesen besetzte Zone zu verlassen. Die im Kohlensyndikat sitzenden Vertreter der Bergarbeiter organisationen haben diesen Maßnahmen zugestimmt. Ferner haben die Kohlenindustriellen beschlossen, das Kohlensyndikat mit Wirkung vom 1. März ganz aufzuheben. Dieser letztere Beschluß verdient scharfen Widerspruch. Gewiß darf das deutsche Volk den Ueberfall auf das Ruhrge⸗ biet nicht geduldig und widerspruchsloas hinnehmen. Im Auslande, auch unter der sozialistischen Arbeiterschaft, würde man solche trostlose Verzweiflung nicht verstehen. Gewalt können wir zwar nicht anwenden und wollen wir als Gegner brutaler Gewalt auch nicht, indessen der passive Widerstaud des Geknechteten muß sich regen. Auf der Linie des passiven Widerstandes liegt auch die Verlegung des Kohlensyndikats von Essen nach Hamburg. Die Sozialdemokratie wird gegen diese Maßnahmen keinen Einspruch erheben, obwohl viel⸗ leicht vorübergehend dadurch gewisse Störungen in der Kohlenversorgung da und dort eintreten können. Die Kon⸗ trolle des Kohlengebietes durch die Entente deutet, daß unsere gesamte Produktion unter die Befehle des franzö⸗ sischen Imperialismus gestellt wird. Man kann uns nicht zumuten, daß wir dazu auch noch aktive Hilfe leisten, indem wir den ganzen Apparat des Kohlensyndikats den fran⸗ zösischen Ingenieuren und Offizieren zur Verfügung stellen. Eine völlige Auflösung des Kohlensyndikots, dieses Organs der Kohlenbewirtschaftung und der Produktionsförderung, der Kohlenkontrolle für den inneren Markt Deutschlands in einem Augenblicke, wo die Kohlenbasis durch die Ruhr⸗ besetzung erneut eingeengt wird, müßte für die deutsche Kohlenversorgung und damit für die Aufrechterhaltung seiner Wirtschaft völlig katastroyhal wirken. Die Unter⸗ nehmer werden hoffentlich genug Verständnis för die Lage haben, um nicht gerade jetzt auf die freie Kohlenwirtschaft mit ihren maßlosen und ungehemmten Preissteigerungen zuzustenern und die Arbeiterschaft zu zwingen, die An⸗ wendung der Gesetze gegen sie zu fordern.

2 N DDD

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Das Verhalten der Kruppschen Arbeiter. Wie die Telunion erfahren haben will, hat der Betriebs⸗ rat der Kruppschen Werke Dienstag abend nach einer ein⸗ gehenden Besprechung der Lage beschlossen, die Arbeit in den Kruppschen Werken weiterzuführen. Sollten jedoch die Franzosen die vorgesehene Ueberwachungskommission ein⸗ setzen und durch die geplanten Maßnahmen den normalen Gang der Arbeit stören, so wird der Betriebsrat die Parole

ausgeben, daß die Arbeit niederzulegen ist. 1

Der Protest der Juternationalen Gewerk⸗

schaftsbundes.

Der Verwaltungsrat des Internationalen Gewerkschafts⸗ bundes(Amsterdamer Internationale) hat am 8. und 9. Januar in einer außerordentlichen Sitzung zu der Bedrohung der franzö⸗ schen und belgischen Regierung, das Nuhrgebiet mit Gewalt zu be⸗ setzen, Stellung genommen. Nach ausführlicher Berichterstattung der Genossen Thoma⸗England, Jouhaux⸗ Frankreich und Leipart⸗ Deutschland, beschloß der Verwaltungsrat einen einmütigen Pro⸗ test der Arbefterschaft der Welt gegen jede Politik, die sich auf Ge⸗ waltmittel stützt, herbeizuführen. Der Internationale Gewerk⸗ schaftsbund fordert die Mitgliedschaften in allen Teilen der Welt auf, ungesüumt zu verlangen, daß die Reparationsfrage durch einen Schiedsspeuch des Völ erbundes, nicht aber durch die An⸗ wendung von Mitteln entschieden wird, die nur zum völligen Chaos Europas führen können. Die Mitglieder des Verwal⸗ tungsrats wurden beauftragt, sofort mit ihren Landesorgani⸗ sationen in Verbindung zu treten, um vorzubereiten, daß nach Eingang weiterer Verwalfungsmaßregeln von der Internationale bestimmte Beschlüsse gefaßt werden können. 5

Zurückziehung der amerikanischen Rheinbesatzung.

Präsident Harding hat die Zurückziehung der amerikani⸗ schen Truppen vom Rhein angeordnet. 8

Die Zurückziehung der amerikanischen Rheintruppen dürfte, wie der Fr. Ztg. aus London telegraphiert wird, der an sich nicht geringen Neigung wichtiger englischer Kreise zu ähnlichen Schritten neuen Anstoß geben. Dabei ist höchst eachtlich, daß die Befürworter einer isolierten Politik und die Gegner der französischen Politik trotz disparater Motive ein gleiches Resultat anstreben, was um so bedenklicher ist, weil Bonar Laws Doppelspiel auch in Kreisen der Labour Party nicht durchschaut wird.

Berliner Beratungen.

Für Mittwoch nachmittag hatte die Reichsregierung die Parteiführer zu einer Besprechung in der Reichs⸗ kanzlei geladen. 9 0

Die sozialdemokratischen Parteiführer waren an der Teilnahme verhindert, weil gleichzeitig eine Sitzung der sozialdemokratischen Partei⸗ und Fraktions⸗ vorstände mit den sozialdemokratischen Mitgliedern des Auswärtigen Ausschusses und mit Gewerkschaftsvertretern aus dem Ruhrgebiet stattfand. In einer mehrstündigen Sitzung wurde eingehend über die Lage im Ruhrgebiet und über die Stellung der Partei zu den schwebenden sehr ernsten Fragen gesprochen.*

Reichskanzler Dr. Cuno hat die Ministerpräsi⸗ denten der deutschen Länder zu einer Konferenz nach Berlin eingeladen, die am Freitag nachmittag statt⸗ finden und sich mit der durch die Gewaltmaßnahmen Frank⸗ reichs geschaffenen Lage beschäftigen wird.

Der Reichstag tritt am Samstag nachmittag 2 Uhr zu seiner ersten Sitzung im neuen Jahre zusammen, in der der Reichskanzler eine Erklärung der Reichsregierung ab⸗ geben wird. Um 10 Uhr vormittags tritt die sozialdemo⸗ kratische Fraktion zu einer Sitzung zusammen.

Sobald die Besetzung Essens vollzogen ist, werden der Reichspräsident und der Reichskanzler sich mit einem neuen Aufruf an das ganze deutsche Volk wenden. Aus dem ganzen Lande laufen bei der Reichsregierung, bei den politischen Parteien und den wirtschaftlichen Organisationen Forde⸗

0 28 9 6 Die Sängerin. 0 Novelle von Wilhelm Hauff.

76 75 Die Sängerin fühlte sich freudig bewegt von diesem Beifall der Menge; ja sie hatte, berauscht von dem Gemur mel der Glückwünschenden, beinahe vergessen, daß sie noch ein ernsterer Zweck in diesen Saal geführt habe; aber die vier handfester Dominos, die ihren Schritten folgten, die Fragen des Doktors, ob sie der grauen Augen des Chevaliers noch nicht ansichtig geworden, erinnerten, sie immer wieder an ihr Vorhaben. Ihr selbst und dem Doktor war es nicht entgangen, daß ein langer, hagerer Türke(man nannte in B. sein Kostüm den Ali Bassa) sich immer in ihre Nähe dränge; und so oft der Strom der Masken ihn wegriß, immer war er ihnen wieder zur Seite. Die Sängerin stieß den Doktor an und winkte mit den Augen nach dem Pascha hin. Er erwiderte ihren Wink und sagte:Ich habe ihn schon lange bemerkt. Der Pascha näherte sich mit unge⸗ wissen Schritten; die Sängerin klommerte sich fester an Langes Arm; er war jetzt ganz nahe starre, graue Aeug⸗ lein guckten aus der Maske, und eine hohle Stimme sprach zu ihr:Es freut mich unendlich, wertgeschätzte Mamsell, Sie in so erwünschtem Wohlsein zu sehen. Die Sängerin wandte sich erschreckt ab und schien zu zittern; auch die Maske fuhr bei diesem Anblick bebend zurück und verschwand unter der Menge.Ist er es? rief der Medizinalrat. Fassen Sie sich doch; es gilt hier, ruhig und mit Umsicht zu handeln; glauben Sie, er ist es?Noch weiß ich es nicht gewiß entgegnete sie;aber ich glaube, seine Augen zu er⸗ kennen. i

Der Medizinalrat gab den vier Dominos die Weisung, recht genau auf diesen Pascha acht zu geben, und ging mit der Dame weiter. Aber kaum hatte er einige Gänge durch den Saal gemacht, so erschien der Türke wieder: doch hielt er sich mehr in der Entfernung, als beobachte er die Sängerin.

Der Doktor trat mit seiner Dame an ein Büfett, um ihr auf den gehabten Schrecken eine Tasse Tee zu verordnen;

Befreiung der Minderheiten vom Militärdienst geregelt. Die Türken

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rungen nach Veranstäalfung großer Prokestkundgebungen ein. Es ist anzunehmen, daß schon am kommenden Sonntag diesem Verlangen weitester Kreise des deutschen Volkes Rechnung getragen wird. I

Protestmaßuahmen französischer Bergarbeiter. Das Arbeitersyndikat und die Bergarbeiter der Loire fordern in Aufrufen die Arbeiterklasse zu Protestmaßnahwen gegen die Ruhrbesetzung auf. e 1 Verhaftung französischer Kommunisten. 1 Die von der Presse vermuteten, auf höheren Befehl ver⸗ anlaßten strengen Maßnahmen gegen die französischen Kom⸗ munisten sind schon im Laufe des Mittwochs ausgeführt worden. Die von der Zusammenkunft in Essen nach Paris e ee

kommunistischen Führer sind verhaftet worden, unter schuldigung des Vergehens gegen die Staatssiche rhef e führenden Mitglieder desAkttionskomitees gegen eria⸗ lismus und Krieg, den unter anderem auch Momouss k rhef! börte, sind in früher Morgenstunde in ihrer Wohnung verha 10 worden. Cachin, der als Abgeordneter Immunität genießt, be⸗ findet sich noch in Freiheit. Es wird der heutigen Kammersitzung bereits ein Entwurf vorgelegt werden, der die Aufhebung diese Immunität ins Auge faßt. Das Bureau Cachins bet der Huma⸗ nité, sowie die sämtlichen Bureauräume dieser Zeitung sind gestern mittag polizeilich untersucht worden. Sechs weitere Kom mumistenführer sind verhaftet worden, fünf weitere Haftbefehle sollen heute ausgeffühnt werden. Im Bureau Momousseaus sollen Plakate zum Protest gegen die Ruhrbesetzung beschlagnahmt worden sein.. 25. ter

Keine Intervention Amerikas oder Italiens. Nach den neuesten in Berlin vorliegenden Mitteilungen aus dem Ruhrbezirk schwirren dort vielfach Gerüchte über eine bevorstehende amerikanische oder italienische Inter⸗ vention. Wie die Telunion zuverlässig erfährt, besitzen der⸗ artige Gerüchte keine Grundlage. ö

Die deutschen Kommunisten sischen im Trüben. Die Zentrale der Kommunistischen Partei erläßt einen Aufruf, An das. werktätige Volk Deutschland, in dem eine das ganze Reich umfassende Generalstreiksaktion vorgeschlagen wird zur Abwehr der Besetzung des Ruhrgebiets, ein Appell an die Arbeiterschaft der Ententeländer zur Abwälzung der Wiedergutmachumgslasten auf die Besitzenden, zur Berufung einer Arbeiterregierung und Auflöfung des Reichstags. Die Kommunisten wissen in der jetzigen politischen Lage auch kein anderes Allheilmittel, als ihre abgedroschene Phrasn vom Generalstreik, die für sie-Rettungsprogramm bedeutet. Einen Generalstreik im unbesetzten Deutschland im jetzigen Augenblick durch führen zu wollen, wäre das Blödeste, was unternommen werden könnte. 5 5 f 79 de Der kommende Sonntag als Trauertag. Der nächste Sonntag, der erste nach dem Einmarsch der Franzo⸗

sen ins Ruhrgebiet, soll die Trauer des deutschen Volkes über diese

neue, ihm angetane Gewalt zum Ausdruck bringen. Alle heiteren Aufführungen, Varietévorführungen, Tanzbelustigungen usw. sollen verboten sein. Im ganzen Reiche werden Protestkundgebungen gegen den räuberischen Einfall in das Ruhrgebiet stattfinden. ee

Politische uebersicht.

Die nächste Sitzung der Repko.

Entgegen allen anderen Meldungen berichtet der

Intransigeant, daß die Repko für die nächste Sitzung noch

keine Tagesordnung festgelegt habe. Diese sei provisorisch 0 auf den 12. Januar anberaumt, aber mit Rücksicht auf die Abreise Bradburys auf den 16. Januar verschoben worden.

Erst im Verlauf der nächsten Sitzung soll das deutsche Mora

torium für das Jahr 1923 zur Sprache kommen.

2* J

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Von der Lausanner Konferenz. Sitzung der ersten Kommission. et ee

Am Dienstag fand in Lausanne eine Pleuarsitzung der ersten Kommission für territoriale Fragen statt, in der der italienische Dele⸗ gierte Montagna emen Bericht über die in der Unterkommission für die Minderheitenfragen erzielten Ergebnisse erstattete. Nach seinen Darlegungen sind die Bestimmungen über den Schutz der Minder⸗ heiten bis auf die Frage der Amnestie flir alle Minderheiten und die,

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jetzt hatte er auf einem Tellerlein ein Glas Punsch und einige Bonbons; er nähert sich der Sängerin, seine Augen funkeln, das Glas hüpft und klappers in seltsamen Klängen auf dem zitternden Teller; er ist an ihrer Seite, er bietet ihr den Teller und sagt:Verehrte, beliebt Ihnen nicht etwas weniges Punsch und etliche Bonbons? Die Sängerin sah ihn starr an, sie erbleichte, sie stieß den Teller zurück und rief:Ha! der Schreckliche! Er ist's, er ist's, er will mich vergiften!

Der Pascha von Janina stand stumm und regungslos, er schien jeden Gedanken an Verteidigung aufzugeben; willenlos ließ er sich von den vier handsesten Dominos hin⸗ wegführen.

Beinahe in demselben Augenblick wurde der Doktor heftig an seinem schwarzen Mantel gezogen; er sah sich um, jener kleine verwachsene Lohnlakai aus dem Hotel de Por⸗ tugal stand vor ihm, bleich und von Schrecken entstellt:Um Gottes Varmherzigkeit willen, Herr Medizinalrat, kommen Sie doch gefälligst mit mir auf Nummer dreiundfünfzig, eben will der Teufel den französischen Herrn holen.

Was schwatzt Er da? fragte der Doktor unwillig und wollte ihn auf die Seite schieben, um dem Gefangenen auf die Polizeidirektion zu folgen.Was geht es mich an, wenn ihn der Satan zu sich nimmt?

Aber ich bitte Sie, rief der Kleine beinahe heulend, er kann vielleicht doch gerettet werden; Hochdieselben sind ja Stadtphysikus allhier und verpflichtet, zu den Fremden in den Hotellern zu kommen.

Der Medizinalrat unterdrückte einen Fluch, der ihm auf der Zunge schwebte; er sah, daß er diesem unangenehmen Gang nicht ausweichen könne, er winkte den Kapellmeister Boloni herbei, übergab ihm die Sängerin und eilte mit dem kleinen Menschen nach dem Hotel de Portugal.

11.

Es war still und öde in diesem großen Gasthof, Mitter⸗ nacht war beinahe schon vorüber, die Lampen in den Gängen und Treppen brannten düstar und trübe; es war dem Medi-

zinälrat unheimlich zu Mut, als er zu dem einsamen Kranken hinaustieg. Der Lakai schloß die Tür auf, der Doktor trak ein, wäre aber beinahe wieder zurückgesunken. Denn ein Wesen, das seit einigen Tagen unablassig seine Phantasie im Wachen und im Schlafe beschäftigt hatte, saß hier wirk. lich und verkörpert im Bette. Es war ein großer, hageter ältlicher Mann, er hatte eine spitzig aufstehende, wollene Schlafmütze tief in die Stirn gezogen, seine enge Brust,. seine langen, dünnen Arme waren mit Flanell überkleidet, unter der Mütze ragte eine große, spitzige Nase aus einem mageren braungelben Gesicht hervor das man schon tot und erstorken geglaubt hätte, wären es nicht ein paar graue, stechende Augen, die ihm noch etwas Leben und einen schreck. lichen, grauenerregenden Ausdruck gaben. Seine langen, dünnen Finger, die mit den hageren Gelenken weit aus den Aermeln hervorragten, hatte er zusammengekrümmt, er kratzte mit heiserem, wahnsinnigen Lochen auf der Bettdecke.

Schaut! er kratzt sich schon sein Grab! flüsterte der kleine Mensch und weckte damit den Doktor aus seinem Hinstarren auf den Kranken. So, gerade so, hatte sich dieser den Chevalier de Planto gedacht, dieses tückische graue Auge, diese unheilverkündenden Züge, diese dürre, gespensterhafte Figur es war hier alles, was die Sängerin von jenem schrecklichen Manne gesagt hatte. Doch er besann sich, kam

er denn nicht jetzt eben von der Verhaftung jenes Chevaliers? War es zu verwundern, daß ein Kranker abgefallen * 2

Fonnte noch ein anderer Mann auch graue Augen haben? bleich war? Der Doktor lachte sich selbst aus, fuhr mit der 0 Hand über die Stirn, als wolle er diese Gedanken hinweg⸗ wischen, und trat an das Bett. Doch noch nie hatte er in so langen Jahren am Bett eines Kranken Grauen und Furcht gefühlt hier, es war ihm unerklärlich, hier befiel ihn eine Beengung, ein Schauer, den er umsonst abzuschüt⸗ teln suchte, und er fuhr unwillkürlich zurück, als er di feuchte Hand in der seinigen fühlte als er lange umsonst 1 nach einem Puls suchte.. 13

(Fortsetzung folgt.)

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