Ausgabe 
10.3.1923
 
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Beilage zur

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Gießen, Samstag, den 10. März 1923.

Oberhessischen Volkszeitung Nr. 58

Gießen und Umgebung. ö Vorfrühling.

Des Winters Macht ist gebrochen und der rauhe Geselle tritt unwillig, aber deutlich vernehmbar, den Rückzug an. Die Stürme, die in diesen Tagen über die Fluren gehen, sind nicht mehr von seiner Art. Wie eine Vorahnung von neuem Leben jagen sie durch kahle Aeste und über nackte Felder, und verheißungsvoll schimmert tiefes Blau durch die wirbelnden, schwarzgeballten Wolkenmassen am Nachmittagshimmel. Ja, es geht mit Macht dem Frühling entgegen. Milder ist die Luft, ferner schimmert der Horfzont und tiefer hat sich der noch immer kurze Tag in die früh hereinbrechende Nacht ein- gebohrt. Ein Kurzes noch, dann wird eine neuerwachte Welt mit unbändiger Kraft und Schönheit sieghaft erstehen.

Noch blühen nicht Veilchen und Primeln, noch dehnen sich graue Flächen und unfreundliche Blößen. Aber wenn der Haselstrauch gelb durch das Gebüsch schimmert und die hastige Amsel, durch seine Zweige schwirrend, einen Gold- regen von seinem Staube nedergehen läßt, dann raunt es von schöneren Tagen. Und wenn pralle Knospen bereits die Hülle gesprengt haben und zarte Blätterspitzen vorwitzig nach Licht und Sonne Ausguck halten, so ist das Leben, sehnendes, treibendes Leben. der warme Sonnenstrahl, der die Höhen übergießt, der Vogel, der seine Schwingen regt, ja der Boden mit seinem kräftigen Erdgeruch alle atmen sie Leben, neues Leben, das schüchtern, aber siegessicher emportreibt. Gebrochen der Bann, der Weg frei!,

Aber fragen wir uns selber, was wir in diesen Tagen empfinden. Ist es nicht ein Aufraffen, ein Erwachen, ein unendlich tief erlebtes Kraftgefühl, eine gewisse Hoff nung auf bessere Stunden! Wiss nicht freier der Blick, froher das Herz wenn wir aus vaseren Höhlen heraustreten und uns von lauer Luft und Lichtströmen umfließen lassen? Und vergessen wir nicht in diesen Tagen all das Trübe und Harte was hinter uns liegt, greifen wir nicht mit Freudig⸗ keit und neuem Mute in die Speichen unseres Lebensrades! Wer wollte sich diesem urkröstigen Trange verschließen, der allein Leben, nur Leben bedeutet.

Lassen wir uns mitreißen!

b Wer sich in diesen Stunden einkapfelt und die Fenster seiner Seele verhängt, wer ohne neren Ruck in die neue, schönere Jahreszeit hinüberschleicht, wird nie mehr frei wer⸗ den. Sei es Illufion, sei es sogar Selbstbetrug den Willen haben, Kraft zu schöpfen zu neuem Kampfe, ist ein Stück Weg zum Sieg. Und siegen wollen alle.

Darum, die Herzen auf, dem Frühling entgegen!

f Die Gemeinwirtschaft Oberhessen.

Die in der Gründung begriffeneGemeinwirtschaft Oberhessen, zu welcher, wie uns von zuständiger Seite ge⸗ schrieben wird, die Anmeldungen der Gemeinden erfreu licherweise zahlreich einlaufen, hat sich als einen Teil ihres Zweckes zur Aufgabe gemacht, die Mittel für die einheitliche Bekämpfung der Skrofulose und Tuberkulose bei Kindern aufzubringen. Diese Mittel sollen bekanntlich gewonnen werden aus dem Zinsunterschied zwischen den Einlage beträgen und den ausgeliehenen Beträgen. Die Zinsspanne ist nach den Satzungen mit 2 Prozent in Aussicht genommen. Ihr Erträgnis wird bei Zugrundelegung der derzeitigen Geldverhältnisse voraussichtlich ausreichen, um Jahr für Jahr 1000 Kinder einer Fürsorge zuzuführen. Ein großer Teil der Kurbehandlungen wird in der Provinzial-Pflege⸗ anstalt zu Gießen durchgeführt werden, wo die zur Durch führung derartiger Kuren erforderlichen Räume in aus⸗ reichender Zahl und Größe ohne umfangreiche bauliche Aenderungen geschaffen werden können. Die gemessen an heutigen Zahlen nicht beträchtlichen Mittel hierfür stehen der Provinz bereits aus besonderen Fonds zur Verfügung, sie sind also nicht von derGemeinwirtschaft Oberhessen auf⸗ zubringen. Aus derGemeinwirtschaft Oberhessen wird sonach für bauliche Herstellungen und Unterhaltung von Anstalten usw. kein Geld entnommen die gesamten Erträge werden vielmehr der unmittelbaren Fürsorge für tuberkulöse und skrofulöse Kinder dienen.

Die Tragödie eines armen Mädcheus. Ein Sittenbild vom Lande.

Mit der letzteren Ueberschrift soll nicht etwa die Landbe⸗ völkerung als sittlich minderwertig hingestellt werden. Wir sind vielmehr der Ansicht daß es sowohl in der Stabt⸗ wie in der Landbevölkerung Menschen von allerlei Qualitäten gibt, daß

keineswegs die eine vor der anderen einen Vorzug hat. Wenn aber n* 1 5 5 Aadegs die eins 5 satze gibt den Schatzanwissurngen einen erheblichen Vorzug ge

die bäuerliche Bevölkerung von gewissen Leuten als Ausbund aller sittlichen und moralischen Tugendhaftigleit hingestellt werden soll, so weiß jeder Kenner der Verhältnisse, daß dies nicht zutrifft, daß

fast regelmäßigen geschlechtlichen Verkehr mit ihm. Dabei be⸗ glinstigte er aber auch den Verkehr des Mädchen mit jungen Bur⸗ schen, vermutlich, um etwaige Folgen leichter von sich abwälgen zu können. Im vorigen Jahre wurde das Mädchen schwanger und kam Ende Oktober nieder. Vom Kartoffelacker schleppte sich die Schwangere in ihre Kammer, wo sie am Samstag ein Mädchen gebar. Nichts war auf die Niederkunft verbreitet, obwohl die Herrschaft ohne Zweifel von dem Zustand des Mädchens Kennt⸗ wis hatte, hatte sie nicht das Geringste getan, den Beistand einer Hebamme zu sichern, noch sanstige unbedingt nötige Vorbereitungen zu treffen. Auch der Dienstherr kümmerte sich um nichts, obwohl er sich doch für den Vater des Neugeborenen halten mußte. Nicht einmal die Bäuerin brachte soviel Mitgefsihl für die Wöchnerin auf, daß sie ihr etwas Pflege hätte angedeihen lassen. Fast ohne Nahrung ließ man sie liegen! Doch halt: der Dienstherr war so christlich-bammherzig, ihr am Sonntag Kraut anzubieten. Gleich nachdem das Kind zur Welt gekommen, tötete es die Mutter durch Erwürgen. Sie behauptet, daß Reutzel ihr dazu die An⸗ weisung gegeben hätte, deshalb wurde auch gegen diesen ein Ver⸗ fahren wegen Anstiftung zum Mord eingeleitet, allein es mußte wieder eingestellt werden, weil die A. sich in ihren Angaben mehr⸗ fach widersprach Am vierten Tage nach der Niederkunft fuhr der Bauer die junge Mutter auf einem gewöhnlichen Bauernwagen vier Stunden weit nach ihrem Heimatsdorfe Düdelsheim. Er wird ssich dies als eine besondere Wohltat an seinem Dienstmädchen an⸗ rechnen, daß dieses dabei in Gefahr kann bei der Kälte sich den Tod zu holen, konnte der brave Mann doch nicht wissen! Schließlich kam das Mädchen vor Gericht und wurde verurteilt. Der Verführer, der das Mädchen körperlich und sittlich runiert hat, statt ihm ein Schlitzer zu sein, tritt als Zeuge auf. Er hat niemals Umgang mit der Angeklagten gehe lt, wus nichts von ihrer Niederkunft, seine Frau Gemablin unterstützt in dabeß Jede aber, der ihn sah, wie er dastand vor dem Richter, während ihm die Ange⸗ klagte ins Gesicht schleuderte, daß er sie ins Unglück gestürzt habe, jeder hatte die Ueberzeugung: hier steht ein Schuldiger! Schade, daß ihn die Gerechtigkeit nicht packen konnte. Die Welt ist aber eine Tragödie reicher. Eine Gretchen-Tragödie ist's nicht; Gretchen hatte wenigstens die Liebesfreuden mit dem geliebten Manne ge⸗ nossen hier mußte sich das abhängige, schutzlose Mädchen ohne Heim und Stütze die Willkür eines grauköpfigen, widerlichen Wiist⸗ lings gefallen lassen. Man spricht viel von Dienstboten⸗Mangel auf dem Lande. Wenn derartige schändliche Behandlung bekannt wird, ist es kein Wunder, wenn Mädchen keine Neigung haben, fich auf das Land zu verdingen, sondern lieber in einer Fabrik Arbeit suchen. Glückliche rweise ist der hier behandelte Fall eine traurige Ausnahme, die meisten Bauern werden sicher ihre Dienstboten an⸗ ständig behandeln.

Eine Bekanntmachung der Finanzämter im heutigen Blatte veröffentlicht die Beträge um die sich die 10prozentige Steuer vom Arbeitslohn nach den jetzigen Bestimmungen ermäßigt. In unserem Blatte wurden diese Bebräge zwar schon vor längerer Zeit bekanmt⸗ gegeben, doch schadet es nichts, wenn hiermit nochmals darauf aufmerksam gemacht wird.

Ruhrhilfe. Für die Ruhrhilse haben die städtischen Beamten, Beamten⸗Anwärter und Angestellten als 1. Rate den Betrag von 428 386. Mark gespendet. Als 2. Rate die Beamten und Be⸗ amten⸗Anwärter den Betrag von 560 256. Mark. Die Spenden find dem Herrn Oberbürgermeister der Stadt Gießen zur Ab⸗ flchrung an die zuständige Stelle zur Verfügung gestellt worden.

Kursus für Wohlfahrtspflege. Auf Veranlassung des Landeswohlfahrtsausschusses findet, am Sonntag, den 18. März, nachmittags Uhr im Gewerkschaftshaus Gießen ein Kursus zur Einführung in das Reichsfugendwohlfahrtsgesetz statt. Die Ortsvereine werden ersucht, dazu Stellung zu nehmen und Partei⸗ genossen zu diesem Kursus au entsenden. besonders sollten aber die weiblichen Mitglieder sich daran beteiligen.

Stadttheater Gießen. Als Nachmittagsvorstellung wird morgen die OperetteMeine Frau das Fr ã ulein wie⸗ derholt. Abends wird das LustspielWill und Wiebke von Zobeltitz zum zweiten Mal aufgeführt. 8

Auf das Theater⸗Abonnement ist eine Nach⸗ zahlung zu leisten. weil die Preise des Abonnements gegen⸗ über den übrigen bedeutend zurückgeblieben waren. Es wird er⸗ wartet daß sich jeder Abonnementsinhaber ohne Weiteres dagu versteht.

Festvorstellung im Stabtheater. In den vergangenen Jahren veranstaltete das Künstlerpersonal unseres Theaters g Ende der Spielzeit ein Künstlerfest, um ihren Wohlfahrtske einige Mittel zuzuführen. Davon wird in diesem Jahre Abste genommen und dafür die OperetteDie Do Ila rprinzessi n als Festvorstellung gegeben, die am Montag. 19. März stattfindet. Es darf erwartet werden daß sich die Theaterfraunde recht zahl⸗ veich zu dieser Vorstellung einfinden.

Die Dollarschatzeinweisungen des Deutschen Reiches werden in einem Augenblick zur Zeichnung aufgelegt, der für Deutschlands Zulunft von höchster Bedeutung ist. Es gilt darum. die in der

Privatwirtschaft vorhandenen, entbehrlichen fremden Zahlungs⸗ urittel zum Besten der Gesamtheit zu konzentrieren und die Grun lagen der Aktion, mit denen einem weiteren Steigen der aus⸗ wärtigen Wechselkurse Einhalt geboten und eine nachhaltige Be⸗ einflussung der gesamten Preise ausgeübt werden kann. zu kräftigen. Entsprechend dem Verevendungszweck der Anleihe werden Einzahlung nur Devisen angenommen, und zwar neben amerika ischen Dollars auch Pfund Slerling, holländische Gulden, schweitze

als Versammlung statt. in der Gen.

nise. holl 5 0 rische Franken, nordische Kronen, spanische Peseten. argeutinische Pesos, japauische Pen. Der Zeichnungspreis beträgt 100 Prozent

die Rückzahlung der Anleshe erfolgt nach 3 Jahren zu 120 Prozent. 8 g 0 8 mehrerer hiesiger Einwohner. die sich geweigert hatten ein Kind

Das entspricht einer Verzinsung von fiber 6 Prozent. 2

es vielmehr auf dem Lande in sittlicher Beziehung nicht besser, son⸗

Dafür lieferte März ein Bei⸗ die Verhältnisse

dern oft noch schlechter wie in der Stadt aussieht. eine Schwurgerichtsverhandlung in Gießen am 5. spiel. Aus dem kurzen Verhandlungsbericht find serhä und Umstände, die das Mädchen wegen Kindestötung auf die An- llagebank brachten, nicht so klar ersichtlich, eine Schilderung und Kennzeichnung der hierbei zutage getretenen bäuerlichen Moral ist deshalb am Platze. Die 22jährige Emma A. wurde wegen Kin⸗ desmord zu Jahren Gefängnis verurteilt. Das Mädchen hatte keine gute Jugend. Seine Mutter starb, als es 4 Jahre alt war, und so mußte es der forgenden Mutterliebe entbehren. Der Vater war als Knecht bedienstet und kümmerte sich jedenfalls nicht viel um Pflege und Erziehung seiner Kinder, konnte es vielleicht auch nicht. Im Jahre 1920 ging die A, zu dem Bauer Carl Reutzel in Schwickartshausen in Dienst. Schon nach wenigen Tagen drang der saubere Dienstherr nachts in die nicht verschließbare Kammer des Mädchen ein, um es zum Beischlaß zu verführen. Schlimm genug schon, daß das Schlafzimmer des Mädchens nicht verschließ⸗ bax war, oder war das absichtlich so eingerichtet? Das erstemal gelang es Reutzel nicht, seine Absicht, auszuführen, den widerholten Versuchen unterlag aber das Mädchen und in der Folge pflog R.

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Gold, 0 selostschuldnerische Bürgschast der Reichsbank

Die günstige t der Schotzanweisungen sweise günstigen Zins⸗

Verzinsung im Vevein mit der Beleihbaykei bei den Darlehnskassemw zu einem vergleich

über dem Besitz an Devisen da diese unverzinslich und unbeleih⸗ bar sinb. Die Vörsengängigkeit der Schatzanweifungen bürgt dafür daß sie rheit verkauft werden können. Es verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß die Schatzanweisungen in dersolben Währung, auf die sie lauten, auch zur Rlickzahlung gelangen, näm⸗ lich in Scheck auf New⸗Yorf oder aber nach Wahl des Reichs in Die Sicherung ist im besonderen noch bewirkt durch die Die Zeichnung kann Märg erfolgen, und zwar bei der anstalten sowie bei einer großen Anzahl von Banken und Bankers, die an den einzelnen Orten noch besonders bebanntgegeben werden. Bei der Zeichnung sind min⸗ destes 40 Prozent einzuzahlen. der Rest ist spätestens bis zum 14. April zu erstatten. Für gezeichnete Betrüge die vor dem 14. April gezahlt werden, wird eine besondere Vergütung von 1 vom Tausend in Mark für jede volle Woche gewährt. Dies gilt auch für die bei der Zeichmung einzuzahlenden 40 Prozent. Alles Nähere ist aus der im Anzeigenteil enthaltenen Bekannt⸗ machung ersichtlich.

Der frühere Stadtverordnete Georg Leib, Schneidermeister, ist am Mittwoch abend, im Alter von mehr als 70 Jahren ge storben.

in der Zeit vom 12. bis 24 Reichsbank und allen ihten Zu

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deu Frondieusten herangezogen werden können.

Eingesandt. (Für Form und Inhalt der unter dleser Rubrik zum Abdruck kom⸗ menden Artikel übernimmt die Redaktion keine Verantwortung.) Die Pachtpreise flir die städtischen Grabstücke. Offener Brief an die Herren Stadtverordneten!

Zur Zeit erhalten die Pächter der städt. Grundstücke die Mit⸗ toilung, was sie sür das kommende Jahr an Pacht zu leisten haben, das heißt, sie bekommen die jewellige Menge Roggen angegeben, deren Preis noch im Dunklen liegt.

Vor einiger Zeit berichtete die Oberhessische Volkszeitung von Friedberg, daß dort die städt. Grundstücke mit 8000 Mk. pro Morgen Man hielt den Preis für sehv hoch; O glückliche

hat schon mit vielen hiesigen Pächtern Rücksprache genommen und dabei nur das Eine festgestellt, daß die von der Stadtverordneten⸗ Versammilung gestellte Forderung einfach unerhört ist. Haben sich denn die Herren Stadtväter geirrt, oder in alle den städtischen Grund⸗ stlickspächtern Großagrarier vermutet, die ihre Erzeugnisse zu Wucher⸗ preisen wieder absetzen? Wie kann man denn überhaupt auf die Idee kommen, ein Stückchen Land von 200 bis 600 Quadratmeter, wie ja doch fast alle städtischen Grundstücke sind, nach Roggenpreisen zu berechnen. Ist nicht der Samen, Pflanzen, Dung und dergl. sündhaft teuer genug? Liegt es nicht im Volksinteresse, daß man dem Klein⸗ gärtner unter die Arme greift, um die allgemeine Volksernährung

besser zu gestalten und die Landwirtschaft zu entlasten! Wo wir heute

ein Voll sind, das sast ausschließlich auf sich selbst angewiesen ist. Immer und immer wieder wird von allen möglichen Regierungs⸗ stellen darauf hingewiesen, jede mögliche Gelegenheit zu benutzen, Land zu bebauen, um bessere Ernährungsverhältnisse zu schaffen und gerade die Behörden sind diejenigen, die dem kleinen Mann den Knüppel zwischen die Beine werfen, oder schließlich unmöglich machen.

sich Gelegnheit zu schaffen, seine schon an und für sich schwierige Lage

zu bessern.

Wie stellen sich denn die Herren Stadtväter es vor, von was eine alleinstehende Frau oder zwei alte Leute die kein Einkommen haben und schon jahrelang ein Stlick Land zu ihrer Ernährung be⸗ arbeitet haben, bezahlen sollen? Sie werden einfach vor die Tatsache gestellt, es abzugeben, mich dünkt, man will dies sogar, um den Bessergestellten Gelegenheit zu geben, von dem frei werdenden Land Besitz zu ergreifen.

Nun zu dem eigentlichen Punkt der Bezahlung. Warum setzt man beinen festen Preis pro Quadratmeter an, wie dies schon immer war, kein vernünftiger Mensch wird und kann verlangen, daß es bei den seitherigen Preisen gehen kann, setzen Sie bitte einen zeitge⸗ mäßen aber reellen Preis, als Pachtzins fest, aber keine, für viele unmögliche Forderung. f

Einsender ist der Meinung, in dem Schreiben vielen aus dem Herzen gesprochen zu haben und bittet die Herren Stadtväter, den von der alten Stadtverordneten⸗Versammlung gefaßten Beschluß gehörig zu revidieren. 5 9

br. Wieseck. In seiner Sitzung am Mittwoch stimmte der Ge⸗ meinderat einstimmig dem Beitritt schaft Oberhessen zu. Die anteilmäßigen Beiträge sollen je zur Hälfte 1923 und 1924 eingezahlt werden. Als 1. Rate zur Ruhrhilfe werden 100 000 Mk. bewilligt. Im Anschluß hieran soll eine Ortssammlung in der Weise eingeleitet werden, daß auf der Bürgermeisterei eine Liste zur Einzeichnung auslie Das Gesuch des Karl Schäfer 10. um Tausch von Gelände wird der Bau⸗ und Landwirtschaftlichen Kommission überwiesen. Weiter beschloß der Gemeinderat den Beitritt zum Verband sozialer Baubetriebe und der Bauhütte Gießen. Als Gesellschafts⸗ anteil werden 1 Million Mark bewilligt und Bürgermeister Schomber beauftragt, die Gemeinde in der am 16. d. Mts. statt⸗ findenden Gesellschaftsversammlung zu vertreten. Der Ausbau der Turnstraße wird gutgeheißen. Der auszuarbeftende Voran⸗ schlag soll zur nochmaligen Beratung vorgelegt werden. In Ver⸗ bindung hiermit soll die vorläufige Herstellung der Karlstraße durchgeführt werden. Die Gebühren wurden nach den Vorschlägen des Kreisausschusses festgesetzt. Das Gesuch des Karl Reuter 7. um Ueberlassung eines Bauplatzes geht an die Baukommssion, während einem Gesuch des Karl Scherer um pachtweise Ueberlassung brachliegenden Geländes an die betr. Anlieger stattgegeben wird.

Wieseck. Am Donnerstag abend wurde in einer von der Bir- germeisterei einberufenen Versammlung der Pflichtfeuerwehr dem

langersehnten Wunsche Rechnung getragen und die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr beschlossen. 57 Mann traten sofort

der Wehr bei. 5 Lollar. Verein. Sozialist. Wahlverein. 6. Vor⸗ tragsabend am Dienstag, 14. März, abends 8 Uhr, imSchwanen (Hetche). Lichtbildervortrag des Genoss Heinrich Häuser⸗Gießen Volk in Not. Dieser äußerst interessante Vortrag behandelt den Versailler Frieden, die von Deutschland versuchte Erfüllung wie die Erfüllungspolitik überhaupt und die neuesten Ereignisse im Ruhr⸗ gebiete in Wort und Bildwie wir es auffassen. Wir bitten die Genossen mit ihren Familien in gewohnt zahlreicher Weise zu er⸗ scheinen. Gäste haben Zutritt. Es wird ein geringes Eintrittsgeld erhoben werden. Unser 5. Vortragsabend gestaltete sich zu einem sehr lehrreichen und interessanten. Genosse Rechtsanwalt Hom⸗ berger⸗Gießen verstand den gewiß trockenen Stoff desehelichen Güterrechts humvorvoll zu würzen, sodaß manch heiterer Moment den Vortrag angenehmer, aber auch verständlicher machte. Der Vor⸗ trag war wieder sehr gut besucht; möge es so bleiben. n. Birklar. Am Sonntga abend fand hier eine gut besuchte Landtagsabgeordneter Hensel⸗ Obbornhosen über die wirtschaftliche Lage und die Besetzung des Ruhrgebietes sprach. Neben Daclegung der unheilvollen Folgen der verrückten machtpolitischen Bestvebungen, unter denen die Völker zu leiden haben, behandelte Redner abfällig das Verhalten

von den kämpfenden Volksgenossen an der Ruhr auf einige Wochen in Pflege zu nehmen! Man will Kinder von 1214 Jahren die Im Ganzen sollen Bauern bewohnten, Orte 10 Kinder untergebracht worden sein, wobei bemerkt werden muß, daß noch ein Hofgut in unserer Gemeinde vorhanden ist. Die Ausführungen des Redners fanden lebhaften Beifall, es traten auch einige Mit- glieder dem Wahlverein bei.

Kleine Nachrichten.

Frankfurt a. M. 8. März. Frankfur cer Viehmarkt. Auftrieb: 483 Kälber, 213 Schafe und 138 Schweine. Es wurden bezahlt für einen Zentner Lebendgewicht: Kälber bester Qualität Mk. 220 000 260 000, mittlerer Qualität Mk. 170 000-210 000, geringerer Qualität Mk 150 000170 000. Schafe Mk. 110 000 bis 240 000, Schweine unter 80 Kilo Mk. von 80-100 Kilo Mk. 250 000270 000 von 100150 Kilo Mk. 270 000280 000, über 150 Kilo Mk. 280 000 290 000. Bei regem Handel binter⸗ lassen nur Schweine etwas Ueberstand.

Frankfurt a. M., 8. März. Riesen⸗Spirituosen⸗ Diebstahl. In einer der letzten Nächte wurden aus dem Lager der Großhandlung von Adolf David etwa 3500 Liter Weinbrand und ähnliche Destillate im Werte von rund 14 Milltonen Mark gestohlen.

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