Ausgabe 
9.5.1923
 
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Gießen, Mittwoch, den 9. Mai 1923.

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Gießen und Umgebung.

Das neue Notstandsgesetz und die Auswirkung

in den Landgemeinden.

Der Reichstag hat die Notstands renten ab 1. März um das Vierfache erhöht. Er ließ sich von dem Gedanken leiten, daß auch die Sozial rentner ein Recht! haben, als Menschen zu leben. Der Gesetzgeber hat in den Ausführungsbestimmungen dieses Gesetzes aber eine Lücke gebassen und zwar dergestalt, daß 20 Prozent von der Gemeinde getragen werden müssen, nur 80 Prozent trägt das Resch. Es muß ohne Zweisel zugegeben werden, daß das Gesetz auf die Gemeinden eine starke Belastung ausübt und wir können verstehen, daß dieselben versuchen, soweit wie irgend möglich die Gumst des Gesetzes zum Vorteil für sich auszunutzen. Es ist auch nicht zu leugnen daß es als die vornehmste Ausgabe der Gemeinde betrachtet werden kann, zu sparsen, wir glauben aber, daß die Sozialrentner die Aeemsten der Armen, dazu gänz⸗

n Objekte sind.

Tief bedauerlich bleibt die Tatsache, daß verschiedene Ge⸗ meinde räte. größtenteils demonstrativ die 20 Prozent ablehnen, nicht wissend, daß sie dem Reich damit einen großen Ge⸗ fallen tun und den Aermsten der Armen einen großen Schaden ver ur sachen.

Die Sozialrentner stehen nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die Renten in Goldmark bezahlt werden müssen, da ste ja ihre Beiträge auch in Goldmark bezahlt haben.

Die Sozialrentner verlangen, daß die Bedürftigkeits⸗ frage unbedingt ausgeschaltet wird. Der§1255 der RVO. sagt klar und deutlich, daß derfenige Invalidenrente bekommt, der mehr als 6676 Prozent erwerbsbeschränkt ist. da derselbe nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt zu verwenden sei. Nach denselben Motiven versagt man ihm nach§ 6 des Erwerbslosengesetzes die Ermerbslosenunterstützung. Der Invalide, der jahrelang an dem Aufbau seines Vaterlandes mitgearbeitet hat, der seine gesunden Glieder im Dienste der werktätigen Arbeit verloren hat, wird quasi bestraft dadurch, daß seine Bedürftigkeit fremden Menschen offenbar wird durch die hochnotpeinliche Prüfung, o b er bedürftig ist.

Im Städten, wo ein Wohlfahrtsamt besteht, das sich sozialen Gedanken leiten läßt les gibt auch solche Gemeinden. 0 werden die Notstandsrenten pünktlich bezahlt, dort werden Maßnahmen getrofsen, daß ein großer in den Genuß der Sozialrenten kommen kann Es gibt aber auch heute noch Gemeinden, die monatelang keine Notstandsrenten aus⸗ bezahlt haben Ja es gibt noch rückschrittliche Gemeinden, wir können den Wahrheitsbewels dafür antreten, welche die armen Invaliden, die mit den Materien des Gesetzes nicht perkraut sind, zu bewegen suchen. durch Unterschrift überhaupt auf die Renten zu verzichten.

Besonders das sogenannte Aus zugsrecht oder Altenteil, wie man es gerne nennt. wird dazu verwendet, um recht wenige der Aermsten der Armen in den Genuß der Renten kommen zu lassen. Wem auch das Gesetz sagt. daß ein gewüsser Teil der Renten an⸗ gerechnet werden soll darf deshalb doch nicht nach Schema 7 gearbeitet werden. Es ist Aufgabe der Kommission, zu prüfen, wie weit die Bedürftigkeit vorliegt, um möglichst einem Teil der Notstands renten fedem Invallden zugute kommen zu lassen. Das neue Sozialrentnergesetz das im März d. J. in Kraft getreten ist, laßt 40000 Mk. Einkommen monatlich frei! 0

In vielen Gemeinden herrschen noch Zustände, die jeder Be⸗ schreibung spotten doch ist es unserer Ocgamisationsleitung ge⸗ lungen, mit Hilfe des hessischen Ministeriums und der Kreisämter bahnbrechend zu wirken. Der Zentralverband der Invaliden und Witwen Deutschlands, der aus der Not heraus entstanden ist, wird letzte Invalide und die letzte Witwe ein Dasein führt das der heutigen Zeit ontsprechend menschlich zu nennen ift. Dazu bedürfen wir taträftige⸗ Hilfe sowohl der gesetzgebenden Körperschaften wie der Mithilfe der arbeitenden Bevölkerung. 1 0

Arbeiter und Angestellte, vergeßt nicht, daß es Eure Brüder sind, die in früheren Jahren mit Euch Schulter an Schulter im Kampfe gegen das Kapital gestanden haben. Es sind Witwen. denen der Ernährer geraubt Kinder denen der Vater fehlt!

Mögen auch besonders die Arbeitervertreter in den Landgemeinden dafür sorgen, daß die Kommissionen, die nach§ 8 des Ausführungsgefetzes über die Festsetzung der Renten zu bestimmen haben. ach Gerechtigkeit verfahren. In allen Gemeinden muß es Aufgabe der Gemeindevertreter sein, dafür Sorge zu tragen. daß Zustände geschaffen werden, die er⸗ träglich sind.

Denke jeder daran, daß. Arbeitsstelle betritt, er eventl. bis herausgeragen werden kann..

An die Invaliden in Stadt und Land richten wir die dringende Mahnung, sich restlos in Massen zufammenzuschließen. Nur dort, wo Ortsgruppen des Zentralverbandes der Invaliden und Witwen Deutschlands bestehen war es möglich, Zustände zu schaffen, die

vom aber aus⸗ Teil

wenn er morgens gesund seine zum Abend als In valide

find zum Teil die Invaliden selbst, weil sie nicht den Weg zur Organisation finden dafür müssen sie num selbst ihre Interessen⸗ losigkeit teuer bezahlen.

Invaliden der Arbeit! Wir miissen gemeinsam unsere Forde⸗ rungen an Reich, Staat und Gemeinden richten. Nur eine kom⸗ pakte Masse kann genügend Einfluß auf die Gesetzgebung ausüben. Deshalb gründet neue Ortsgruppen, wende sich jeder in Zweifelfällen an die unterzeichnete Gauleitung. Nur so können wir menschenwürdige Zustände schaffen.

Alle für Einen, Einer für Alle! Zentralverband der Invaliden und Witwen Deutschlands Gauleitung Hessen.

Gauleiter Cyrus, Ossenbach a, M., Herrnstraße 37. 13

Eine Beamten⸗Versammlung ist am Donnerstag, 17. Mai, geplant, in der Reichstagsabg. Hoffmann Berlin über die Demokratisierung der Verwaltung, das Beamtenrätegesetz und Beamten-Wirtschaftspolitik sprechen wird. Das Lokal wird noch bekannt gegeben. Es wird erwartet, daß die Beamtenschaft sich zu dieser Versammlung zahlreich einfindet. 5

Offener Sonntag vor Pfingsten. Zu der Notiz unter dieser Ueberschrift in der Montagnummer wird uns vom Zentralverband der Angestllten mitgeteilt daß nach einer Vereinbarung der Ange⸗ stellten mit dem Detaillistenverein in Gießen nur an den drei Sonntagen vor Weihntchten der Gewerbebetrieb in offenen Verkauf⸗ stellen gestattet seln soll. Der nach der Gewerbeordnung an bestimm⸗ ten Sonntogen vor Ostern und Pfingsten zulässige Gewerbebetrieb fällt also für Gießen weg, die Geschäfte bleiben also ge⸗ schlossen.

Die Frauengruppe der V. Soz. Partei Gießen macht am Himmelfahrtstag einen Morgenspaziergang nach Annerod. Zusam⸗ menkunft punkt 7 Uhr am Ludwigsplatz. Die Genossen sind hierzu ebenfalls freundlichst eingeladen.

Freie Turnerschaft Gießen. Nochmals sei auf den am Him⸗ melfahrtstag stattfindenden Turngang, nach dem Dünsberg, Königs⸗ berg und Biebertal aufmerksam gemacht. Der Abmarsch erfolgt mor⸗ gens 7 Uhr pünktlich von der Lahnbrücke. Freunde der Arbeiter⸗ Turnsache werden eingeladen, sich zahlreich daran zu beteiligen.

Die warme Sommerwitterung, die seit Anfang Mai einge⸗ treten ist, hat die Bäder in der Lahn zur Aufnahme ihres Betriebes veranlaßt. Es wäre wünschenswert, wenn auch die Freibäder an der Lahn baldigst in Ordnung gebracht und in Benutzung genommen werden könnten. 0

Ein gemeiner Streich wurde am Sonntag von Handwerks⸗ burschen gegen einen ihren Kollegen verübt. Diese nahmen zusam⸗ men ein Bad in der offenen Lahn. Dem einen davon entwendeten seine Kollegen die Kleider und verschwanden damit. Der seiner Kleider Beraubte Familie einn Anzug überließ.

Fahrrad⸗ und andere Diebstähle. Am 5. d. Mts. wurde ein. Fahrrad MarkeOpel, Fabriknummer⸗ 616 989, schwarzer Rahmen⸗ bau, brauner Sattel und Tasche mit Vorhängeschloß im Werte von 450 000 Mk. gestohlen. Der Geschädigte setzt für Wiedererlangung des Rades eine Belohnung von 50 000 Mark aus. An einer Bau⸗ stelle wurden durch Erbrechen einer Kiste 5 Kg. Drahtstifte und ein e im Werte von 30 000 Mk. gestohlen. Vor Ankauf wird gewarnt.

Wieseck. Am Himmelfahrtstage unternehmen die Freien Tur⸗ ner und der Arbeitergesangverein einen gemeinschaftlichen Rund⸗ gang durch den Hangelstein nach der Linde am hölzernen Brunnen. Abmarsch dazu morgens 6 Uhr bei der Möserstraße an der Wiesecker Linde. Sämtliche Mitglieder sowie Freunde und Gönner dieser Ver⸗ anstaltung wollen sich daran beteiligen. Rlickkehr gegen 12 Uhr.

Wieseck. Unter Bezugnahme auf den Bericht über die Ge⸗ meinderatssitzung in Nr. 99 unseres Blattes vom 2. Mai, in welchem von der Planierung des Sportplatzes die Rede war, er⸗ 115 uns der Turnverein Wieseck um Aufnahme des Fol⸗ genden: 5

Bedauerlicherweise sind wir genötigt, gegen vorerwähnten

Bericht Stellung zu nehmen. Wir sehen aus leichtverständlichen Grlinden davon ab, an dieser Stelle den Bericht einer ausführ⸗ lichen Kritik zu unterwerfen, können jedoch nicht umhin, der Oeffentlichkeit die Tatsache zu unterbreiten, daß in Angelegen⸗ heit der Planierung des Sportplatzes weder schriftlich noch mündlich an uns herangetreten worden ist. Die Tatsache, daß innerhalb des Vorstandes unseres Vereins niemand etwas von einem solchen Schritt bewußt ist, mag jedem Rechtdenkenden ge⸗ nügen, sich selbst ein Urteil bilden.

Dazu möchten wir bemerken, daß unser Bericht natürlich nur das wahrheitsgemäß wiedergeben kann, was in der Sitzung vorgebracht wurde, der Berichterstatter kann aber nicht nach⸗ prüfen, ob das von irgend einer Seite Vorgebrachte den Tatsachen entspricht. Unser Bericht soll ein zutreffendes Bild der Verhand⸗

suchte in der Stadt Unterkunft, wo ihm eine

Watzenborn⸗Steinberg. In der Gemeinde ra! 3sitzung vom 5. Mai wurde den Gemeindebeamten ab 1. 5. 28 die Frauen⸗ zulage, den Richtlinien entsprechend, gewährt. Einem in be⸗ drängten Verhältnissen geratenen Bürger wurde der Betrag seines gesteigerten Holzes im Gemeindewald ratenweise bis zum Herbst gestundet. Die Gemeinde⸗Krankenschwester soll ab 1. April nach Gruppe 3 der Richtlinien bezahlt werden, abzüglich des Betrages für Licht, Brand, Wohnung. und dergl. Außerdem soll für die Krankenschwester eine andere Wohnung beschafft werden, diesbezüglich sind bereits Schritte unternommen worden. Der Schulhofplatz in Steinberg soll, nachdem die alte Linde dort⸗ selbst gefällt worden ist, mummehr in drei gleichen Teilen als Garten⸗ land verpachtet werden. Die Pächter sollen die Pachtstücke selbst urbar machen, ohne Anspruch auf Entschädigung. Das Material für die Einfriedigung soll von der Gemeinde gestellt werden. Zur Ein⸗ ebnung einer Schlucht(Penz) in Steinberg, sollen zu den bereits an⸗ geschaftfen 6 Zementrohren noch weitere 4 Rohre beschafft werden, damit dortselbft größere Mengen Schutt abgeladen werden können. Die hierdurch gewonnenen Landstücke können dann später als Garten⸗ land recht gute Verwendung finden. Einem Bürger wird auf sein Nachsuchen gestattet, in, dem neuangefangenen Steinbruch am Kreuz⸗ hals 3 Kubikmeter Pflastersteine zu hauen. Er soll pro Kubikmeter eine Gebühr von 1000 Mark entrichten. Dann wurden noch Wohnungsangelegenheiten geregelt. 1 Rüddingshausen. Die Lohnver handlungen

der trotz aller Bemühungen von seiten des Bergarbeiterverbandes zu keinem Ergebnis geführt. Nachdem der Schlichtungsausschuß in den letzten Wochen den Parteien anheimgestellt hatte, den gefällten Schiedspruch, welcher einen Stundenlohn von 950 Mk. festsetzte, an⸗ zuerbennen, lehnte die Firma ab. Der welcher zur Verbindlichkeitserklärung des Spruches angerufen wurde, brachte auch nichts Endgültiges zurstande. Daraufhin hat am Mittwoch die gesamte Belegschaft die Arbeit niedergelegt. Die seitherigen Löhne betrugen 650 Mk. die Stunde.

Alten⸗Buseck. Auf den Ausflug der Freien Turnerschaft am Himmelfahrtstage sei an dieser Stelle nochmals hingewiesen. Abmarsch 5 Uhr morgens über Trohe, Rödgen, Annerod zurück. Es wird pünktliches Erscheinen gewünscht.

Kreis Wetzlar. Verurteilte 10 el Der Vorsitzende der Kreisprüfungsstelle gib! nt: Verurbeilt wurden wegen im Herbst 1922 ersolgten Aufkauf⸗ von Kartoffeln ohne Erlaubnfsschein: 1. der Landwirt Wilhelm Keller aus Atzbach zu 6000 Mark Geldstrafe; 2. die Ehefrau Anng van Diecken aus Duisburg zu 3000 Mark Geldstrafe: 3. der Händler Wilhelm Weil 2. aur Groß⸗Rechtenbach in einem Falle zu Mark und im Wiederholungsfalle zu 00 Mark Geldstrafe außerdem wurde er wegen Handelns mit Kelte cobst ohne im Besitze der erforderlichen Handelserlaubnis zu sein,

Wetzlar.

Anzeige gebracht worden war weil er für einen Zentner. toffeln 1000 Mark gefordert haben sollte Die Freisprechung er⸗

der Angeklagte

Im Falle Keller

und van Diecken wunde auch auf Einziehung des Erlöses der be⸗

schlagnahmten Kartoffeln erkannt. n Beträge sind

zugunsten des hiesigen Kreiswohlfahrtsamtes(Säuglings⸗ und

Tuberkulosenfürsorge) verwandt worden. a Marburg ⸗Kirchhain.

i Städlisches aus Marburg. Die Marburger Stadtverord⸗ neten genehmigten die Aufnahme einer Anleihe, 60 Millionen Mark, um die Straßeubeleuchtung nur noch elektrisch ein⸗ zurichten. Mam will jährlich damit 13 Millionen Mark sparen. Die Erwerbslosen⸗Unterstützung soll jetzt nach den Sätze der Klasse B erfolgen. Eitrer Anzahl Arbeiten zur Be⸗ schäftigung Erwerbsloser wurde zugestimmt, so der Chaussierung der Afföllerstraße für 72 Millionen, Verputzarbeiten für 11 Mil⸗ lionen, Waldwegearbeiten für 4 Millionen Mark. Bei der Beschlußfassung über eine neue Gewerbesteue roronung wurde ein Magistratsantrag, in den Gewerbesteuerausschuß auch drei Nicht⸗ gewerbetreibende zu wählen. mit einer Stimme Mehrheit abge⸗ lehnt; mit derselben Mehrheit auch ein Antrag, die Gewerbe⸗ steuer nach einem Inder automatisch zu regeln.

Schwearg richt in Marburg.

In der letzten Sitzungsperiode des Schwurgerichts kamen noch folgende Fälle zur Verhandlung: 5

Eine Dienstmagd aus Goßfelden bei Marburg wurde von der Drei junge Burschen aus Allendorf, Kr. Kirchhain, waren wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang angeklagt. Morgens Fußballwettspiel und nachmittags Kirmes in Erksdorf; dort kam es zu einer Schlägerei mit den dortigen Burschen, wobei Latten, Stöcke und Flaschen benutzt. wurden. Zwei Burschen er⸗ hielten 4 Monate und einer zwei Monate Gefängnis mit Straf⸗ aufschub bei Zahlung von je 60 000 Mk. Wegen Meineid

menschenwürdig sind Schuld an den noch bestehenden Zuständen! lung geben, das dürfte auch der Fall sein. 1 Gies Wie gesagt, vom Studieren mochte er nichts wissen, und als ein gar nix an, ich kann Schnaps trinken wann ich mit ved mme es Bilder aus Alt⸗Gießen. späterer Sprosse mit dem Wunsch an ihn herantrat, ihn doch] den Morgen um fünf ist, und wer? Na, ich kann Ihne meinen (Schluß.) siudieren zu lassen, fertigte er ihn mit den Worten ab: Nanien sagen, ich bin... und nun will ich nicht indiskret sein. die biebere Ehefrau eines hiesigen Instru⸗

Daß Originale wie die vorgenannten auch ihre Unnamen oder Spitznamen hatten, ist klar. In diesen Spitznamen selbst liegt aber ein so gut Teil urwüchsigen Humors, daß ich einige hier an⸗ führen möchte, gleichzeitig. um zum Schlusse meiner Ausführungen zu gelangen. Der Reigen möge beginnen mit dem Donnerhagel, so genannt nach einem von ihm besonders gern gebrauchten Kraft⸗ ausdruck, der ein angesehener Metzger war und mit ei ner Ehe⸗ frau 24 Kinder erzeugt hatte. Die lnterscheidung dieser Kinder fiel ihm nicht leicht und als er einstmals bei Tisch einen Sohn zu vermissen glaubte, der in der Tat auch krank war, frug er sesne Gattin:Sa emal. Fraa. wo is dann der mit dene Glotzaage? Zwei seiner Töchter pflegte er stebevoll als denKrautkopp und denKollergawekopp zu bezeichnen und er versprach ihnen, daß, wenn siedas Gelaaf mit de Sturrente net ließe, daß er sie dann emal gehörig mit des Wirschsing anenanmer renne tät. Ein be⸗ sonderes Vorurteil hatte der Dunnerhagel gegen alles, was studierte, so war er auch mißtrauisch gegen einen seiner Söhne,

geschlossen hatte während sie einen anderen Sohn, der zwar sehr fleißig, aber wenja manierlich war und das Metzgerhandwerk er⸗ lernt hatte wie der Vater, nicht sehr mochte. Der Stub io kam immer des nachts etwas spät aus der Kneipe, sodaß der Vater, der ihm gerne einmal eine Tracht Prügel versese hätte, längst sanft eutschlafen war. Aber er wollte sich zu helsen wissen, der Kneipengänger sollte sich selbst verraten. Es legte also der Alte genes abends die ganze Treppe des Hauses voll mit Blechdeckeln. Die Mutter wußte, was das zu bedeuten hatte. Sie gab deshalb demScheppen wie sie den von ihr weniger geschätzten Sohn nannte, im Abendessen ein Abführmittel.-Dasselbe tat seine

Bette lag; er eilt die Stiege zu gehen pflegt, kommt

hinab dahin, wo auch der Exkaiser zu Fuß

mit den Blechbeckeln auf der Treppe in Konflilt, und von dem

Lärm geweckt, fährt der Alte aus dem

Selafe in die Schlappen wo er dann in der Dunkelheit dem

Sturriern, nix werd sturriert, allo duzwitt en Wams an. die Messer in die Hand un Worscht gehackt, ich hab grad genug gehott mlt deim Bruber und dem sei Diebshandwerk.

DenSimon setz Dich hab ich schon erwähnt und von anderen Größen sollen nur die Namen oder kurze Andeutungen solgen. Da war dieblecherne Rotznas und die,Schneutzer⸗ mas, derKitzehipper derFaßhipper und derSchimme, der Bolwer und derWiener. derOsse Noll und derWulle⸗ kapper derSafran und dasFlohbein, derEmpfehle mich und dasLiewerche dieWolkenbruch, derKadett, der Lumpentunker und derMesendapsch, dieAeppelratt und derHöflich, derKleientotzer und wie sie alle heißen mögen. Mögen die Unnamen noch so fürchterlich zum Teil klingen, ihre Träger waren zumeist die Angehörigen alter, guter. angesehener und eingesessener Gießener Familien, alles weniger wie Schlamm⸗ beißer. Dieser schöne Namen stammt aus der Zoplogie, er ist die Be⸗ zeichnen für einen gemeinen Fisch, der, zu nichts tauat, der im Schlaume wühlt, er wurde übertragen auf die Leute, die sich mit dem Reinigen der oben schon erwähnten Häuserwinkel befaßten, und die naturgemäß meist keine Söhne aus Kommerzienrats⸗ oder Generalssamilien waren mochten sie auch ein noch so wichtiges Glied der menschlichen Gesellschaft sein, sie waren halt in den Augen des Gießener Bürgers und Ansässers etwas minder⸗ wertiges, und so hatten sie den schönen Namen bekommen, dessen Wohlklang jedes echte Gießener Ohr erfreut.

Doch zursck zu einzelnen der oben angeführten Spitznamen⸗ träger. Da war der Faßhipper, den die Liebe zur Dienstmagd dieser nach in den Keller trieb: und der, als ein Geräusch auf der Kellertreppe das Herannahen der Ehehälfte anzeigte, in ein nahe⸗ stehendes Samerkrautsaß sprang. Die Herkunft des Namens Kitzehipper verträgt össentliche Darlegung nicht, ohne mit dem Strafgesetz in Konflikt zu kommen. DerSafran gehörte besseren Kreisen an. Er war sogar einst mit einigen Freunden zum Ver⸗ guügen in Paris Dort bestellte er sich bei einem Kellner vor dem

und die Treppe hinunter. armen Unschuldigen der 9 wand. das dem Bruder

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sich noch zudem in seinen Leibschmerzen Studio zugedachte Traktament versetzte.

Früßslück einen Chartreuse Der diensteifrige Jünger der Hebe N pu vertSchon, sagte der Safran,as geht

*

DasFlohbein war 5 menteumachers, die mit Bezug auf eine ihrer Töchter sagte:Jetzt geht us Linache noch zwa Semester uff de Klubball, un wann se dann bein Mann kriegt dann mags geh wie Gott will. Als man einen Teil ihres Gartens erwarb, um darin das Volksbad zu er⸗ richlen, sagte sie,wann das Ding erscht ferdig is, dann nehm ich awwer des erscht öffentlich Bad. Und wer hätte die alte Wollenbeuch nicht gekannt der alle Kinder nachliefen und nach⸗ riesen. Sei verdankte den schönen Namen dem Umstand, daß sie den ganzen Juhalt ihres Nachtgeschirrs auf die bunten Miitzen eines Trupps Studenten entleerte, der ihrer ganz respektablen Tochter ein nächtliches Ständchen darbrachte. DerLumpen⸗ tunker war ein Besitzer einer Färberei, der eben die Kleidungs⸗ stücke die Lumpen. in die Farbbrühe tauchte, oder, wie der Gießener sagt,tunkte Ueberhaupt die Gießener Sprache, wer noch niemals von einem vornherausene Balkon herabgesehen hat auf eine zuene Schees und wer noch niemals einenabenen Knopp gehabt hat. der beherrscht sie nicht, der ist nichtecht von hei.

Die Oeffnung an der Rückseite Kleie entfiel, war meist mit einer Medusenhaupt das die Kleie ausspie. Kleienkotzer genaumt: und offenbar wegen einer gewissen Aehn⸗ liechkeit trug ein biederer Gießener Handwerksmeister und mit ihm, wie das so geht, seine Nachkommenschaft, den Namen der Kleienkotzer davon. 5

Und nun zum Schluß als letzten sei noch des altenHöflich gedacht, eines wegen seiner Decbheit, oder besser Grobheit gesagt, berüchtigten Gießener Metzgermeisters Zu ihm kam einst eine distinguierte Dame und beschwerte sich, der Schwartenmagen sei nicht mehr so gut wie früher und auch nicht mehr so bekömmlich. So, meinte derHöflichmein Schwarlemage bekommt ihne nir, na, dann könne Sie mich ja einmal vielleicht bekommt

alter Mühlwerke. denen die Skulptur bekleidet, einer Art Diese Figur wurde der

Ihne das besser.

0

hiesigen Bauritarbeiter der Firma Mühleisen u. Co. haben 5

Demobilmachungskommissar,

nach Gießen und

Beschuldigung der vorsätzlichen Kindestötung freigesprochen.

zeilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 105