Ausgabe 
9.5.1923
 
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Bren. Ms 85sektiwer ünmer für sich in Anspruch sollie Poinars eigentlich für den deut⸗ uhen Vorschlag Verständnis haben. Er geht einmal von dem Grund⸗ Atze aus, die Leistungsfähigleft von einem unparteiischen Richter⸗ kollegümn abschätzen zu lassen, andererseits aber von der durchaus Lichtigen Annahme, daß sitr Anleihen, die doch einmal notwendig sind, nicht die Reparationskommission zuständig sein wird, sondern dieses internationale Komitee. Deutschland dürfte keine Anleihen er⸗ Halten, ohne daß die Anleihegeber oder deren Vertrauensleute selbst die Leistungsfähigkeit festsetzen und die Garantien für die Anleihen prüfen. Insofern kann uns an sich die Ablehnung einer internatio⸗ malen Kommission durch Poinare ziemlich gleichgültig sein, da ihre Bildung von denjenigen Bankiers doch als erste Voraussetzung ge⸗ fordert werden wird, die bereit sind, uns- Geld zu borgen. Alles in allem ermöglicht die französische Antwort die Fort⸗ etzung der Diskussion, wenn sie auch von Deutschland manches Zu⸗ geständnis sordert. An Zugeständnisse muß man sich in Deutschland ebenso gewöhnen wie an den Verzicht auf Prestigerücksichten. Denn darüber soll man sich in der Wilhelmstraße doch auch klar sein: Deutschland hat den Krieg verloren. Ueber die Art der von uns not⸗ wendig zu machenden Zugeständnisse werden die englische Regierung und das italienische Kabinett, die jetzt ernsthaft bemüht scheinen, eine Dösung des Konfliktes herbeizuführen, mitzureden haben. Noch im

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Verlauf dieser Woche sollen ihre Antworten auf das deutsche Angebot fin Berlin abgegeben werden. Bis dahin hat die Regierung Zeit, die unbedingt notwendige Rückantwort vorzubereiten.

Politische Uebersicht.

Die Arbeiterentlassungen im besetzten Gebiet.

Anläßlich der Beratungen des Haushalts des Reichsarbeits⸗ min iste riums hatte die sozialdemokratische Fraktion im Hauptausschuß Antrag gestellt, den im neu⸗ und altbesetzten Gebiet entlassenen irbeitern und Angestellten das Recht auf Wiedereinstellung gesetzlich sichern. Die bürgerlichen Parteien glaubten nach Ablehmmg dieses ses die Ruhrkämpfer mit einem Beschluß abspeisen zu können, wonach die jetzt entlassenen Arbeiter und Ange⸗ stellten bei späteven Neueinstellungenbevorzugt werden sollen. An⸗ gesichts dieser Herausforderung unserer Kameraden im Ruhrgebiet erneuerte die sozialdemokratische Fraltion ihren Antrag im Plenum verlangte mummehr unter Berücksichtigung aller vorgebrachten sachlichen Bedenken die sofortige Vorlage eines Notgesetzes, durch das den seit der Ruhrbesetzung im neu⸗ und altbesetzten Ge⸗ biet entlassenen Arbeitern und Angestellten in Betrieben mit mehr als 10 Arbeitnehmern das Recht auf Wiedeveinstellung und Weiter⸗ beschäftigung in allen nicht vollkommen stillgelegten Betrieben ge⸗ währleistet wird. Weitere Kündigungen und Entlassungen sollen in den genannten Betrieben während der Dauer der Ruhraktion nicht ausgesprochen werden dürfen. Die nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch, dem Handelsgesetzbuch und der Reichsgewerbeordnung geltenden Bestimmungen über fristlose Entlassungen bleiben von dlesem zu erlassenden Notgesetz unberührt.

In der Generaldebatte appellierte Genosse Aufhäuser an die bür⸗ gerlichen Parteien, ihre wiederholten Liebes erklärungen für die Ar⸗ beiterschaft im Ruhrgebiet mi endlich in die Tat umzusetzen. In der Spezialdebatte erinnerte Genossin Toni Sender daran, in welch aumfassender Weise das Reich die Unternehmer im besetzten Gebiet beglinstigt habe, um ihnen die Aufrechterhaltung ihrer Betriebe zu dern. g

si . dem die sozialdemokratische Fraktion schlleßlich die mament⸗ iche Abstimmung beantragte, um so die Reichslagsabgeordneten ler Partcsen zu einem klaren Bekenntnis zu bewogen, stellten die bürgerlichen Parteien den Antrag. die Angelegenheit an einen usschuß zuclckzuverweisen. Der Hinweis vom sozialdemokratischer Seite, daß es sich zunächst lediglich um die Willenskundgebung des Reichstags handle und die ausgearbeitete Gesetzesvorlage ohnehin och an den Ausschuß gelangen werde, also dex jetzige Ueber⸗ ssungsantrag lediglich eine Verschlenpung darstelle hatte keiner⸗ fei Wirkung. Die bürgerlichen Parteien benutzten ihre Mehrheit, f die ihnen unangenehme Abstimmung zu umgehen, indem sie die Ueberweisung am den Sozialpolitischen Ausschuß boschlossen. ie Sozialdemokratse wird diesem Schachzug zu begegnen wf ssen im Sozialpolitischen Ausschuß die sofortige Behandlung der Angel it verlangen. Dabei wird sich zeigen, daß das ganze geschäftsondnun ige Manöver der bürgerlichen Partesen nur gemacht worden ist. wen man- Gegner dieses eigentlich selbstver⸗ Antrages ist.

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16 kommunistische Abgeordneten ausgeschlossen.

Die Kommunisten im preußischen Landtag haben sich am Mon⸗ tag felbst überboten. Der Krawall vom Freitag, der zum Aus⸗ schluß des Abg. Katz(Komm.) von 15 Sitzungen führte, war eine Kinderei gegen das, was sich am Montag in der Prinz Albrecht⸗ straße abspielte. Zu Beginn der Sitzung beantragte der Kom⸗ munist Schul z⸗Neukölln, sosort den Antrag seiner Fraktion gegen den Ausschluß von Katz zu beraten. Der der Deutschen Volkspartei angehörende Vizepräsident Garnich erklärte, 5 Antrag sei zu spät eingereicht und daher unzulässig. Unter fort⸗ währenden Beschimpsungen des Präsidenten und des Hauses er⸗ klärte Abg. Schulz, sein Parteifreund Katz dürfe nicht einmal die Tribüne des Hauses betreten. Der Präsident Leinert habe aus eigener, frech angemaßter Machtvollkommenheit... Weiter kam der kommunistische Provokateur nicht. Im ganzen Hause erhob sich ein solcher Sturm, daß bie weiteren Ausführungen des Kom⸗ munisten unverständlich blieben. Zwei Ordnungsrufe waren die Folge dieser unverschämten Beleidigung. Dann kam der Kom⸗ munist Menzel aus Halle und forderte die sofortige Verhand⸗ lung der kommnunistischen Anträge gegen die Anwesenheit der Polizeibeamten im Hause. Er meinte, man könne dle Person des Präsidenten Leinert überhaupt nicht beleidigen. Wieder zwei Ord⸗ nungsrufe! Als dann die Mehrheit des Hauses einen Antrag auf Schluß der Geschäftsordnungsdebatte onnahm, erhob sich großer Lärm der Kommunisten, der sich verstärkte, als der Abg. Dr. Steffens(D. Vp.) zum Kultusetat das Wort erhielt. Nie hat der preußischen Landtag solch einen Lärm erlebt. Minutenlang klapperten die Kommunisten mit ihren Pultdeckeln und dazwischen machten sie mit ihrem Pfeifen jedem Gassenjungen Ehre. Dem Abg. Steffens blieb nichts übrig, als seine Rede dem Ste no⸗ graphen zu diktieren. Vizepräsident Garnich verkündete den Aus⸗ schluß des koummunistischen Abg. Hossmann von der Sitzung und verließ dann mit dem gangen Hause den Saal. Nur die Kom⸗ munisten scharten sich um ihren ausgeschlossenen Genossen. Krimi⸗ nalbeamte entfernten in der Pause gewaltsam die Abgg. Paul

Neue Sturmszenen im preußischen Land

Hoffmann, Sobottka und Scholem. Der Aeltestenrat tra Sitzung zusammen und der Präsident ließ sämtliche räumen. ü 0

Die neue Sitzung wurde vom Vizepräsidenten um 2 f Min. mit der Mitteilung eröffnet, daß Hoffmann auf 8 2 den Sitzungen ausgeschlossen sei. Wieder Proteste munisten, wieder lange Geschäftsordnungsdebatten und d der ein vergeblicher Versuch des Abg. Steffens, seine abgeh koch Rede zum Kultusetat fortzusetzen. Der Lärm der orm libertönte alles und machte jede geordnete Verhandlung um Der Präsident mußte abermals die Sitzung um eine hall vertagen und die Abgag. Pieck, Menzel, Knoth und Kili durch besonderen Lärm hervortaten, ersuchen, den Saal lassen. Auch hier muß wieder die Kriminalpolizei eing die Abgeordneten der Aufforderung des Präsidenten n leisteten..

Zu Beginn der neuen Sitzung wird mitgeteilt, daß 0 mann nunmehr auf 15 Tage ausge schlossen ist. Und nun w lach dasselbe Spscl. das mul dem Aisschluß der Abg. Cin Sobottka und Frau Wolffstein endet. Frau Wolffstein 10 auf den Boden und läßt sich durch zwei Beamte aus den tragen. N In der vierten Sitzung dasselbe Theater und der der Abgg. Scholem, Schnetter, Frau Ludewig, Schumann, mann und Schulz⸗Neukölln..

Dann folgt die flinfte Sitzung, in der die Abgg. Frau sure und Rogge ausgeschlossen werden und diesmal ohne Kun ihrer Parteigenossen den Saal verlassen. Nunmehr err Abg. König(Komm.), daß die noch im Saal befindliche munisten darauf verzichten, weiter zu tagen. Sie verlas

al. N Vizepräsident Garnich bedauert, in dieser Weise d heit vor dem Terror der Minderheit schützen zu müssen m Steffens kann zum sechsten Mal das Wort ergreifen Rede beenden. Um 5 Uhr vertagte das Haus die 2 auf Dienstag 12 Uhr.

Unsere Reiche wehr.

Auf die Anfrage der Genossen Kuhnt und Horn betreffend monarchistische Propaganda der Reichswehr gelegentlich einer Ge⸗ denktafelenthüllung für die im Weltkriege Gefallenen der ehe⸗ maligen 4. Diviston antwortet der Reichswehrminister Geßler wie

folgt: Die Vorgänge in Stettin am 15. 4. 29 sind der Reichs⸗ ee bekannt. Der in Frage kommende Sachverhalt war ge 5 Am 15. April 1923 fand in der Garnisonskirche die Ent⸗ hüllungsfeier einer Gedenktafel für die Gefallenen ehe⸗ maligen 4. Diviston statt. Mit Genehmigung des Reichswehr⸗ ministeriums hatte die zuständige Militärbehörde dienstlich be⸗ fohlen, daß Abordnungen der Reichswehr an dieser Feier teilzu⸗ nehmen und hierzu als geschlossener Truppenkörper unter Vor⸗ antritt der gleichfalls befohleuen Mustkkorps von ihrer Kaserne zur Kirche und auf dieser gleicher Weise nach Bendigung der Feier wieder zurückzumarschieren hätten. Es handelte sich also micht, wie der Poltzeipräsident von Stettin in irrtümlicher Auf⸗ faffung annahm, um einem der polizeilichen Genehmigung unter⸗ ltegenden privaten Straßenumzug, sondern um einen dienstlich befohlenen Marsch, dessen Ausführung lediglich von den An⸗ ordnungen der Militärbehörden abhängig ist und nicht der Ge⸗ nehmigung oder dem Verbot der Polizeibehörden unterliegt. Bei ber nach dem Gottesdienst auf einem Kasernenhof statt⸗ findenden Feierlichkeit schritt der Chef der Heeresleitung die Front der Reichswehrtruppen, der Generalfeldmarschall v. Mackensen, als ältester der anwesenden Feldzugs teilnehmer die Front des Regiments ab; in gleicher Weise wurde bei der Ab⸗ nahme des anschließenden Vorbeimarsches verfahren. Prinz Eitel Friedrich befand sich beide Male unter den übrigen Zuschauern, ohne irgendwie hervorzutreten. Die Behauptung, daß die Ver⸗ anstaltung zu antirepublikanischen Handlungen mißbraucht worden sei, trifft in keiner Weise zu. Von den mir hierliber vorliegenden Berichten abgesehen verbürgt mir die Anwesenheit des Chefs der Heeresleitung den würdigen und einwandfreien Verlauf der Feier.

Es stand von vornherein fest, daß Herr Geßler versuchen wird, seine Handlungen, oder besser gesagt, die Handlungen der mo⸗

Engel eines Herrn Dr. Geßler als Reichswehrminister war

narchistischenReichswehroffiziere, zu rechtfertigen. Dies ist in völlig mißlungen. Er gibt zwar zu, daß sich die Dinge so alggesple haben, wie in der Anfrage behauptet wurde er verschme daß die ganze Veranstaltung von Privatpersonen und du patver einen veranlaßt wurde. Dadurch, daß das Reichswehrmiusster die Genehmigung zu einer Abordnung der Reichswehr erisste und Herr v. Seeckt anwesend war, erhielt diese Veranstaltung k falls den Charakter eines militärisches Aufzuges. auch der Standortkommandant Oberstleutnant Sch indem er den Umzug bei dem Stettiner Poltzeipräsident

Herr Geßler gibt selbst 17 daß Generalfeldamarschall v. sen auf dem Kasernenhof die Front abgeschritten hat. sen wie die übrigen monarchistischen Teilnehmer micht der Reichswehr an. Die Anwesenheit dieser Leute lediglich monarchistischen Zwecken dienstbar gem konn Herr Geßler behaupten, die Veranstaltung habe keigen chistischen Anstrich gehabt. Sind denn Herx v. Machensen Eitel Friedrich und seine Gattin Republikaner geworden was hätte das Reichswehrkommando in Stettin gesagt sozialistische oder kommunistische Arbeitervereine zu diese tärischen Schaustellung erschtenen wären und gemein Sceeckt oder v. Mackensen die Paraden abgenommen an ist eine unerhörte Zumutung des Herrn Geßler an die repn⸗ blikanische Bevölkerung, die Reichswehr der Republik für f strationen der Monarchisten, Hakenkreußler und Deutsch

mißbrauchen zu lassen. Während auf der andern Seite h

Konzertveranstaltung in Stettin am 1. Mat der Musfikkap l Reichswehr vom Reichswehrkommando verboten wurde, zu Mit der vorstehenden, den Sachverhalt verdrehenden Anm ted Geßler ist die Angelegenheit für die Sozialdemokrasß erledigt.* Erst dieser Tage hat in Lichterfelde eine neue Parabe⸗ funden, an der Hindenburg und wieder Eitel Friedrich tell bei deren Anfahrt es zu monarchistischen Demonstra Ueber diese monarchistischen Umtriebe geht uns noth gu: Der erste Maisonntag traf in diesem Jahre mit dem tag des Verbannten von Wievingen zusammen. In meissrhe Regie wußten unsere Deutsch⸗Monarchisten dies für ihre auszunutzen und wie immer die Reichswehr mit dem ahn

Der Deserteur.

Roman von Robert Buchanan. Neunundzwanzigstes Kapitel. Allerseelen!

Während Rohan Gwenfern, mit der Handlaterne be⸗ waffnet, das römische Gewölbe oder besser gesagt, den Aquädukt, zum zweitenmal durchforschte, läuteten zu Krom⸗ air die Kirchenglocken und riefen die andächtige Menge zur Nachtmesse. Die Tür jedes Hauses stand geöffnet, der Tisch war sauber gedeckt, das Abendessen bereit gestellt, im Kamin rannte ein lustiges Feuer, das bis zur Morgendämmerung aufrecht erhalten werden mußte, denn heute wardie Nacht der Toten. Dem Volksglauben zufolge kommen in der acht von Allerheiligen auf Allerseelen, nachdem die heilige Totenmesse gelesen, das Abendbrot eingenommen ist und die Hausbewohner sich zur Nachtruhe zurückgezogen haben, die Seelen der Toten in die Häuser, tun sich an den gedeckten Tisch gütlich und führen Zwiegespräche miteinander. Wohl⸗ been es kehren nicht nur die Seelen der Toten, die

droben im Friedhof ihr Grab haben, dorthin zurück, wo sie gestorben oder wo ihre Verwandten hausen, sondern auch

lle jene, die auf dem fernen Schlachtfeld oder zur See ihr Leben eingebüßt haben.

Die Nacht war stockfinster, hoch in der Luft ertönten un⸗ heimliche Laute, die Seelen der Toten huschten wohl über Land und Meer durch dieselbe, um das Heim derer, die sie

im Leben geliebt, aufzusuchen. Oben in dem Kirchlein zele⸗ bierte Vater Rolland die Totenmesse, die stark besucht war, denn es gab in Kromlaix wohl kaum ein Haus in welchem man keine Toten zu beklagen gehabt hätte. Mareelle Derval ließ ihre Mutter in der Kirche zurück und ging in Begleitung einiger Freundinnen nach Hause. 8 Sie fand die Küche nett aufgeröumt, Kerzen auf dem Tische, ein helloderndes Feuer im Herd, vor welchem der Held von Dresden im Sonntagsstaat schlummerte, eine große Tonpfcife, die er aus Deutschland mitgebracht, im Munde. . AAh! Bist Du es, Marcelle? rief er, auffahrend.Der

lte war um Euch besorgt und ist Euch entgegengegangen. Wo ist die Mutter und die Jungens?

In der Kirche; Du weißt ja, Mutter verläßt dieselbe

1 Schlag Zwölf nicht. Ich bin zu müde und will zu Bette gehen. 5

Das Nachtmahl ist bereit, meinte Gildas wohlwollend.

Ich kann nicht, mir ist nicht recht wohl. Gute Nacht, Bruder! Damit nahm sie ihr Oellämpchen und stieg müde in ihr Kämmerchen. Sie sah wirklich sehr blaß und abge⸗ spannt aus, denn sie hatte den ganzen Tag an Rohan ge⸗ dacht und für ihn gebetet. Während die anderen für die Seelen der Toten ihre Andacht verrichteten, dachte sie nur an diesen Lebendig⸗Toten, mit dem sie litt und fühlte, weil er ein so schweres Kreuz auf sich geladen. Sie glaubte unter ihrem großen Schmerz zusammenbrechen zu müssen und des⸗ halb sehnte sie sich nach Einsamkeit in ihrem stillen Kämmer⸗ chen. Die anderen würden ebenfalls bald aus der Messe kommen, essen und die Küche dann den armen Seelen der Verstorbenen überlassen. Ach, wenn doch auch diejenige Rohans käme, um sich an all den aufgetischten guten Sachen einmal ordentlich satt zu essen.

Gildas blieb wieder allein in der Küche zurück, der Regen klatschte einförmig auf die Fensterscheiben, sonst herrschte Totenstille drinnen und draußen. Er begann sich recht unheimlich zu fühlen und erhob sich, um auf die Straße zu spähen, ob denn seine Leute noch immer nicht kommen wollten aber es war stockfinster, wirklich die Nacht der Toten. Als der Zeiger auf halb Zwölf stand, hielt es Gildas vor Unruhe kaum mehr aus, denn die Geisterstunde nahte bedenklich. Er fuhr bei jedem Geräusch erschreckt zusammen, der Kriegsheld fürchtete sich ernstlich und bereute bitter, Marcelle nicht zurückgehalten zu haben. 0

Endlich ging die Türe auf und der Korporal humpelte, bis auf die Haut durchnäßt, in die Küche:Donnerwetter, ist das eine Nacht! Sind sie heimgekommen?

Nur Marcelle, die anderen sind noch in der Kirche, obgleich um diese Zeit jeder gute Christ zu Bette sein sollte, brummte Gildas.

Ich habe die Straße auf und ab gespäht, und da ich sie nicht entdecken konnte, ging ich an den Strand hinunter. Die Flut ist schon bis auf die Straße gestiegen und die Leute fürchten, daß es eine Ueberschwemmung geben wird; sie wollen die ganze Nacht wachen, obgleich das Meer spiegel⸗ glatt ist, berichtete der Korporal, vor dem Feuer seine nassen Kleider trocknend. Plötzlich erzitterte das Haus in seinen Grundfesten, als ob ein heftiger Sturm es schüttele.

Was bedeutet das? schrie Gildas, entsetzt von seinem

setz' Dich und was!

Sitze schnellend und sich bekreuzigend.

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Empfindung, als ob kalte Hände ihn streiften und

Es muß sich ein starker Wind erhoben haben

der Korporal, zur Türe humpelnd und diese hastig öffnend.

Draußen rührte sich aber kein Lüftchen. 1 Das ist doch merkwürdig!, flüsterte der Alte n Kamin zurückkehrend.Ick habe heute Nacht schon diese Erschütterung, die von einem Erdbeben her scheint, verspürt.. Onkel, ob das nicht die Seelen der Toten fine merkte der abergläubige Gildas. 1 Nun bekreuzigte sich auch der Korporal und fünfte

dankenvoll in die Flammen. Einige Minuten vergisgen

beängstigendem Schweigen. Plötzlich erzitterte dos ohne jedes Vorzeichen, von neuem! Den Korporal seinen Neffen beschlich jenes schwindelnde Gefühl mit einem Erdbeben verbunden zu sein pflegt.* schien unter ihren Füßen zu wanken, alle Gegenstände! Wänden hüpften und tanzten. Die Tür der kleinen ckuc uhr sprang auf und das hölzerne Vögelchen rief zwölf f Kuckuck, Kuckuck! Die Geisterstunde war also d Den Korporal vermochte seine Unruhe nicht länger zu bemeiste 1. Das ist doch unerklärlich, weshalb Deine Muth die Jungens noch nicht zurück sind. Ich will noch le nach ihnen ausschauen. N Und ehe Gildas etwas einwenden konnte, war er! in seinen grauen Soldatenmantel geschlüpft und in der Nacht verschwunden. Der junge Kriegsheld war Situation nicht gewachsen. Angstschweiß trat ihm auf Stirne kein Wunder übrigens, denn die Luft 5 unheimlichem Schweigen erfüllt, nur der Regen k ob alle Schleusen des Himmels geöffnet wären, an die Fenster und wenn das Saus, wie von Geif geschüttelt, wiederholt erzitterte, war die Wirf lähmende. den Gußregen hinaus.

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Es war stockfinster, er hal

Wimmern der abgeschiedenen Seelen an seine Ohre In jedem Fenster der langen Dorfzeile brannte( chen für die Toten und alle Türen standen sperte offen, wie die seinige. Gildas hielt es in seiner losen Angst nicht länger aus, er trat in die Küch näherte sich der Holztreppe und rief in das Kämme auf:Marcelle, Marcelle! Keine Antwort. (Jortsetzung folgt.)

Gildas stand in der offenen Türe und kürte m

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