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eifen von gleicher Br
thafen in Hessen liegt,
Niederlage baben.
10 18 8 v. H. itteln hat sich nicht unwesentlich verbilligt, vor allem aus⸗
den Feststellungen des Statist
eizung 95 Mi 3 2854 49.8½/ 1) gegenüber 2013 im Febr. d i.
rhöhung um 8 v.
H. Die Index H. auf 2627.
9.1 v.
eite geteilt. Die Dienst⸗
nur von den Staatbehörden geführt werden. Die gge darf nur geführt werden:
1. auf Schiffen, 2. auf Flößen von Unter-
er Art, die in Hessen ihren Sitz oder eine gewerb⸗
Steigende Judexziffern. Ist das Preisabbau?
ischen Relchsamts beträgt die
133
chsindexziffer für die Lebenshaltungskosten(Ernährung, 5
au ea baun Beleuchtung und Vekl ee Luna
eidung) im Durchschnitt des ziffer ohne Bekleidungskosten
Die Ernährungskosten erhöhten sich ruar um 41 ouf das 3315sache, Bekleidungskosten das 4323 fache ver Vorkriegszeit.
Eine Reihe von
sche Fette, Fleisch und Fische: auch Reis, Hülsenfrüchte, Nähr⸗
Itel und Kartoffeln gingen fast itberall im Preise zurück. lierseits wurden Butter, Milch und Eier teurer; besonders haben
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3 ben sogar liber Steigen der Teuerung eingesetzt— man betrachte nur die hmarktberichte.
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An⸗
Kosten für Wohnung, Heizung und Beleuchtung erhöht.—
itere K Lohnabzüge zuzumuten!
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wagt man es, den Lohn⸗ und Gehaltsempfängern nicht nur Erhöhung ihrer Einkommen zu verweigern, sondern
Für April hat bereits ein
Gießen und Umgebung.
hen Nermih hr für die Sache des Volkes, der Republik und des Fort ⸗
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tts tagtäglich und überall unerschrocken mitarbeitet, der rteiorganisation, dem f
Sozialdemokratischen Verein
gehört, der vor allem aber auch das
Parteiblatt liest.
un richtiger Sozialdemokrat abonniert aber nicht bloß sein „ urteiblatt, sondern er wirbt täglich, stündlich auch noch für mu e weitere Verbreitung.
Zum Beleidigungsprozeß Lenz⸗Vetters.
geladenen Zeugen— auß
Die Vereitelung ihrer so natürlich in allerhand boshaften,
einfältigen Ausfällen gegen
Die Absicht unserer Gegner, den wegen einer Bagatelle ugestrengten Prozeß zur Aufrollung des Falles Schnell zu mutzen und das Bildungsamt hen, wurde durch die Regierung vereitelt, die den vom
auf die Anklagebank zu er Ministerialdirektor Ur⸗
abt zwei Herren von der Oberrealschule— nicht gestattete, zusagen; durch Gerichtsbeschluß
1 2 nehmung des ebenfalls geladenen Direktors Schnell ver ⸗
wurde dann auch auf die
wohl vorbereiteten Aktion
den heftigen Zorn der klägerischen Partei, entstellenden und dabei reich
das Bildungsamt Luft
Das Schweigegebot an die Beamten war damit
det worden, daß es den Interessen des Landes nach-
sein würde, wenn dem in Bälde in Darmstadt statt⸗ denden Beleidigungsprozeß gegen die Hessische Landes⸗ itung eine nach Partefrücksichten und in halber Kenntnis taksächlichen Vorgänge bewirkte teilweise Klarstellung im gege einer Privatklage voranginge. Nach Abschluß des
mer zurmstädter Offizialverfahrens könne eventl. auch die Aus⸗
nicht 0 len basti ptachel antvorke gaiset
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% erden können. Die Argumentation, bezw. Schimpferei des Hlagevertreters nahm eine völlige Verschiebung des Klage a kegenstandes vor: in Gießen handelte es ben„Fall en und
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re A eefährden,
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egenehmigung für den Gießener Prozeß erteilt werden. gehört schon ein besonderer Grad von— sagen wir milde: eingenommenheit dazu, den Forderungen der Vernunft wie dem prozessualen
an dieser Stellungnahme,
e Komplex, dann die
hätte
ten Zeugenpernehmung und der dadurch bedingten
Lenz“, dieser wird in
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steht die grobe Entst
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gen würden sie das hier i nd wie hat denn die Reaier 1„
sich gar nicht um Darmstadt behandelt wer⸗
dort kann Herr Lenz alles los werden, was ihn
ee e nig gercniter dien lr eee dn obe Egnerische Anwalt zu sagen ie Aufklärung nicht, da
nen, die Regierung wolle
sie ihr gefährlich erscheine? N Ils wenn die Regierung annähme, daß es in Darmstadt % veniger gefährlich sein werde als in Gießen! Auf der gleichen Stufe wie diese gehässige⸗ Lum
ußerung die sich im weiter
nichts begründete Unter ⸗ ellung der Regierungs⸗
en der Gegenanwalt leistete in en Vorten: Wenn die Herren Urstadt, Michel usw. durch iy Darmstadt das Wohl des Staates nicht
n Gießen auch nicht tun“! ma die Aus sagen der
Zeugen als staatsgefährlich bezeichnet? Wenn sich der Anwalt ferner darüber beschwerte, daß die Regierung wegen Beleidigung des Herrn M. das Offizialverfahren veranlaßte, während Herr Lenz(man denke: ein Mann von der Be⸗ deutung des Herrn Lenz!) den Weg der Privatklage be⸗ schreiten müsse, so dürfte er damit doch wohl nur auf sehr harmlose Gemüter Eindruck gemacht haben.— Uebrigens sind wir der Meinung, daß die Regierung zweckentsprechen⸗ der gehandelt hätte, wenn sie einfach die Erklärung zu den Akten gegeben hätte, daß Herr Lenz nicht diszipliniert sei und das übrige sie nichts anginge.
Wenn nun auch die geplante Aufrollung der Affäre Schnell unterbunden war, so hielt das den Herrn Anwalt natürlich nicht ab(wohl schon mit Rücksicht auf das geladene Publikum, dem man etwas bieten mußte), auf die Ein z el⸗ heiten einzugehen, die man aus den Schian Artikeln kennt, und zwar in einer so lückenhaften, phanta⸗ stisch⸗frisierten Darstellung, daß dem Wissenden sich die Haare sträuben konnten. Vor allem wurde der Vertreter des Klägers nicht müde zu versichern, daß sein Schützling unschuldig sei wie ein Lämmlein, und welches Verbrechen die Regierung begangen habe, einen so hervorragenden Be- amten— fast hätten wir gesagt: strafzuversetzen, es muß ja heißen: im Interesse des Dienstes zu versetzen. Es ekelt uns nachgerade, die ewigen Verdrehungen, Halbheiten und Unwahrheiten zu widerlegen. Warten wir Darm ⸗ stadt ab! Dort wird ja auch der Vorwurf des„Denun⸗ ziantentums“ sich als das entpuppen, was er ist: eine un⸗ verschämte Lüge. Doch in Bezug auf Herrn Lenz wollen wir noch dies sagen: Er überhebt sich: er spielt in der Sache Schnell gar nicht die Rolle, die er gespielt zu haben sich viel ⸗ leicht einbildet. Er hat nichts verbrochen, was ihn einer Disziplinaruntersuchung würdig gemacht hätte, seine Ver⸗ setzung ist gewissermaßen nur als Nebenprodukt der Unter⸗ suchung abgefallen, nicht weil er, wie sein Anwalt meinte, in„angemessener Weise“ politisiert hat, auch nicht wegen seiner deutschvölkischen Anschauungen(warum hat man denn andere Herren gleicher Gesinnung ungeschoren gelassen?), sondern einfach weil er ein„Störenfried“ war. Das ist ihm auch dem Sinne nach gesagt worden. und wenn er sich nicht dabei beruhigt, auch noch Disziplinaruntersuchung verlangt, dann ist das eine Anmaßung. Die Herren Deutsch⸗ völkischen sind sich wie's scheint gar nicht bewußt, wie sehr sie die Langmut der vorgesetzten Behörde mißbrauchen.
Daß auch die„Demokratie“ ihr redlich Teil abbe⸗ kam, ist selbstverständlich. Aber solche Scherze bringen uns nicht aus der Gemütsruhe. Wir möchen aber den Herren von rechts doch raten, sich für solche politischen Aktionen einen Vertreter zu bestellen, der etwas besser in der Logik Bescheid weiß. Ein Satz wie der:„Wenn Direktor Schnell Demokrat gewesen wäre, wäre er heute noch im Amt“, deckt doch allerlei Denkdefekte auf. Von der tiefen Wahrheit des Satzes(nur in anderem Sinn, als er gemeint war) sind freilich auch wir überzeugt, denn als Demokrat(welche Gänsehaut mag den anwesenden Herren über den Rücken gelaufen sein!) hätte Herr Schnell wohl alles— anders gemacht.
Und was wußte der Vertreter der Klage sonst noch vor⸗ zubringen? O noch sehr viel; es sprudelte ihm ja nur so von den Lippen, nur gings etwas wirr und wüst durcheinander. Unter dem Vielerlei auch manche Bosheit, aber Bosheit ohne Witz— puh! Darunter auch noch viel Törichtes und manche glatte Unwahrheit, wie die, daß der Vorstand des Republikanischen Lehrerbundes und die Oberhessische Volks⸗ zeitung Anzeige gegen Schnell erstattet hätten. Wir haben allen Respekt vor der Freiheit, die ein Anwalt des Rechtes vor Gericht hat, aber es gibt doch wohl auch für ihn gewisse Grenzen! 85
Aber der Kläger, Herr Lenz, kam ja auch selbst zum Wort. Er hatte, wie das bei den Deutschvölkischen üblich ist, eine Mappe voll antisemitischer Literatur mitgebracht und trug lange Stücke daraus vor. Diesmal mußte Dr. Luther — nicht der Reichsminister für Ernährung, sondern der Re⸗ formator Dr. Martin Luther aus dem 16. Jahrhundert her⸗ halten. Ehrwürdiger Luther, höttest du das geahnt! Die Ver⸗ sammlung hörte respektvoll zu. Außerdem sagte Herr Lenz noch einiges über seine Unschuld, diesmal im Hinblick auf die Artikel in unserer Zeitung gemeint. Das wäre unnötig gewesen, da ja so ziemlich der einzige Klagepunkt, das ver⸗ maledeite„diszipliniert“— ja, wir merken eben erst, wo wir zum Schluß kommen, daß wir über diese Hauptsache eigent⸗ lich noch nichts berichtet haben. Doch wir sind unschuldig. Dieses Hauptstück der Klage bildete ja eine sehr bescheidene, um nicht zu sagen klägliche Rolle. Ab und zu versicherte die klägerische Partei, Herr Lenz sei nicht disziplinjert, und die beklagte Partei erwiderte jedesmal höflich, daß das auch ihre Meinung sei, Aber das ging schnell vorüber, und der Gegner plätscherte schon wieder im politischen oder schulischen Teich, bezw. antisemitischen Sumpf.
Statt einer Viertelstunde brauchte es so 2½ Stunden, bis die Verhandlung zu Ende geführt war. Der Länge der Verhandlung entsprach die Länge der Zahl, in der die un⸗ serem Redakteure auferlegte Geldbuße sich ausdrückte. Hier⸗ über im nächsten Artikel.
—
Warum?
Eine nachdenkliche Geschichte für Gießener Parteigenossen.
Jüngst weilte ein Parteigenosse aus Düsseldorf Geschäfte halber mehrere Tage in Gießen. Trotz seiner angestrengten Tätigkei: tagsüber konnte man ihn in einer Woche am Donnerstag in einem Bildungsvortrag unserer Partei, am Samstag bei der 1848er Revolutions⸗ und Karl Marx⸗Gedenkfeter und am Sonntag nach⸗ mittag in dem Vortrag über das neue Jugendgerichtsgesetz sehen.
Bei der letzten Gelegenheit kam ein hiesiger Parteigenosse mit dem Dlisseldorser ins Gespräch. Zunächst äußerte der Gießener seine Verwunderung und Bewunderung darüber, daß der Gast das herrliche Frühlingswetter des freien Sonntagnachmittags nicht be⸗ nutzt habe, um die schöne Umgegend Gießens kennen zu lernen, etwa auf den Gleiberg oder dem Schiffenberg zu wandern, sondern es vorgezogen habe, einen wenig besuchten Vortrag im Gewerk⸗ schaftshaus mitanzuhören; auch am Abend vorher hätte er doch statt der dünnen Repolutlonsseier vielleicht eine gute Theatervor⸗ stellung genießen können. Der Düusseldorfer erklärte mit bescheide nem Ernst, es sei seine Gewohnheit, wo er überall auf seinen be⸗ ruflichen Retsen hinkomme, alle Parteiveranstaltungen, die gerade staltfänden, zu besuchen, um so das Parteileben an verschiedenen
Orten kennen zu lernen; und schließlich könne man la allenthalben
stabe Düsseldorfs gemessen,
ung stets auch noch etwas binzulernen! Sodann pries er in an erkennenden Worten die feinen Gelegenheiten, die die Gießener Partei den Genossen zur Belehrung, Erbauung und Unterhaltung biete: alles scheine aul bencidenswerter Höhe zu stehen, Vorträge wie Feste; offenbar stimden der Partei treffliche wissenschaftliche Kräfte zur Verfügung, sachkundige und worigewandte Referenten seien vorhanden, willig stellien sich jugendliche Deklamatoren und Gesangvereine in den Dienst der guten Sach usw.
„Aber“, so fuhr unser Düsseldorser Gast sort, und dabei gen Schatten über sein Gesicht,„wo bleiben eigenlich ie Gegossen selber? Hier wird ein lehrreicher Von trag
gehalten von einem vorzüglichen Jachmann über eine der michtig⸗ sten Pariei⸗ und Acenschheitsangelegenheiten, die Füsorge 85 Wohl und Wehe der gefährdeten Jugend, und von Gießen selbst sind, wie ich höre, etwa 5 Genossinnen anwesend, da cunter eine Stadtverordnete, von Genossen keiner, die übrigen 8 Teilnehmer bommen vom Land. Und gestern abend, bei der würdigen, wirklich gut vorbereiteten und an schönem Gesang, schwungvollen Vorträgen und auch in der Festrede nur Gediegenes und Edles bietenden Feier, wo bleiben die Hörer? Gewiß viel Jugend, auch ziemlich viele Frauen; aber wenn man die Sänger abrechnet, wo waren mit wenigen Ausnahmen die Männer? Es dürfte doch auf einen Redner nicht gerade aufmunternd wirken, es kann doch nicht seine Stimmung heben, wenn ein Saal nur halb ge⸗ füllt ist, wenn rechts und links von ihm an langem Tische völltge Leere gähnt, wenn er sozusagen allein auf weiter Flur it? Warum.“ f 8 Der Sprecher hatte sich mit, rheinischer Lebhaftigkeit etwas warm geredet. Dem betroffenen Gießener war indes die Röte ins? Gesicht gestiegen; er suchte zu retten, was zu retten war. Der Düsseldorser hatte mit einiger Befremdung auch darauf hingewie⸗ sen, er habe doch die unteren Wirtschaftsräume beim Durchschreiten als er gestera abend zur Feier hinaufwollte, von sicher meist sozlal⸗ demokratischen Gästen voll sitzen sehen. wollte denn unser Gießener Parteifreund so was murmeln wie: man könne von einem Normalmenschen und Normalgenossen nach seiner angestreng⸗ ten und anstrengenden Wochenarbeit nicht leicht erwarten, daß er die ihm so notwendige Erholung bei Bier und Tabak am Sams tag abend auch noch auf ein Stündchen unterbreche, um alkohol⸗ N nikotinfreie Foste seiner Partei mitzufeiern. Aus nicht ganz un⸗ verständlichen Gründen verschluckte jedoch der Gießener diese„Ente schuldigung“, und da kam ihm in seiner Verlegenheit ein erleuchte⸗ ter Gedanke. Er wies ausatmend und aufklärend darauf bin, daß der Düsseldorfer natürlich in seiner Heimat andere Arbeitermassen und damit auch ganz anders besuchte Parteifeste gewohnt sei. 23 viele eingeschriebene Mitglieder haben Sie denn in Ihrem, Wahl⸗ verein?“, lautete die kurze Gegenfrage.„Etwa, die schen zaghafte Antwort.„Und, wenn nun“, rief da der fremde Gast mit einem etwas bitteren Lachen,„wenn nun diese, selbst an dem Maß⸗ wirklich nicht wenigen Genossen es was doch eigentlich selbstverständlich Familien vollzählig zu er⸗ ihrer Portei vorbereite⸗
zur Ehre und Pflicht machen, wäre, in eigener Person und mit ihren scheinen, wenigstens bei solchen eigens von g ten und gebotenen größeren Gedenkfeiern“—„freilich“, und da mischte sich ein Ton seltsamer Jronke in die rheinische Predigt, „otelleicht hat die Testkommisstor doch einen Fehler gemacht die Preisspannung! Der Bildurgsvortrag am Donn erste koste te 10 Mark, und für die Feier amSamstagverlangte man le 55 fertigerweise sage und schreibe: 50 Mark, in Wocten fünf⸗zig Reichsmark!“—„also, wenn alle, die es sollten, da wären. solfte!
da nicht das Sälchen zu füllen sein? Ich bin so kühn zu behaup⸗
ten, die Gießener Sozfaldemokraten könnten den allergrößten
Saal Gießens füllen, wenn Waru
1 4 0
Ja, warum? Wer sich in Gießen von dem Urteile des Düssel⸗ dorfers getroffen fühlt— und das follten alle Genossen tun, di
bei Parteiveranstaltungen irgendwelcher Art(man möchte 0 sagen: grundsätzlich! durch Abwesenheit glänzen—, der denke ein⸗ mal ruhig über dieses negative„fremde Lob“ nach, das wahr⸗ lich klingt, d. h. gilt, aber zugleich— nicht gerade gut duftet. So⸗ viel ist sicher: Wenn es mit der Lauheit und Gleichgültigkeit zahl⸗ reicher Genossen so weiter geht, wie bisher, dann geht auch die ganze Sache zurück, die wesentlich und hauptsächlich auf der regen Teilnahme der Einzelnen ruht, und dann kann es mit der Gießener Partei, eben infolge des erschreckenden Mangels an Idealis ihrer Mitglieder, einmal Matthät am Letzten sein. Nun, hoffe wir das Beste! Predigten nützen ja manchmal. Aber seien wir 1122 auf's Schlimmste gefaßt! Es ist gut, sich keine Illusionen machen. 5
— unerhörte Zuckerpreise für März. Nach einer Bekannt- machung der Hessischen Landesversorgungsstelle wird der 1 des Zuckers, der für März zur Verteilung kommt, wie fol festgesetzt: gestoßener⸗ und Kristallzucker 1340 Mk., Grießraffinade⸗ und Puderzucker 1370 Mk., Würfelzucker 1450 Mk. Das sind ge⸗ radezu wahnsinnige Preise. In Preußen dagegen ist der Zucker für März auch tatsächlich im März ausgegeben worden und zwa zum Preise von 600—700 Mark. Mit Recht wird deshalb von den Konsumenten die Frage aufgeworfen, warum sie, weil sie mit der Lieferung so lange warten mußten, um auch noch den doppel Preis zahlen sollen?— Das ist eine Steigerung des Zucker⸗ preises um rund hundert Prozent! Wie eine solche uner⸗ hörte Preissteigerung zu rechtfertigen sein soll, ist unerfindlich. An die Behörden muß doch die Frage gerichtet werden, ob gegen den Zucker wucher kein Einschreiten möglich ist Denn um Wucher handelt es sich, das beweist die Tatsache daß im Freistaat Danzig der Mar⸗ kenzucker 120 Mark für das Pfund kostet! Die Zuckerraffinerie Neufahrwasser, die diesen Zucker liefert, arbeitet bestimmt unter keinen günstigeren Bedingungen als die Zuckerfabriken im übrigen Deutschland. Auch gilt in Danzig die deutsche Mark nicht mehr als bei uns. Wesbalb kann das, was in Danzig möglich ist, nicht auch im übrigen Deutschland durchgeführt werden? Es ist doch wirkl nicht nötig, daß sich die Zuckerftbriken noch me her auf Kosten der Aermsten bereichern, als sie es ohnehin bisher schon getan haben.
Die Ausgabe des März⸗Zuckers in Gießen erfolgt, wie aus der Bekanntmachung des Lebensmittelamtes hervorgeht, in der Zeit vom 7. bis 21. April durch die Kleinhandelsgeschäfte zu dem oben genannten Preis.
Studentische Wohnungsnot!
Die geradezu katastrophale Wohnungsnot, die überall herrscht, macht sich beim Finden von Studentenbuden in letzter Zeit beson⸗ ders bemerkbar, sodaß es für neu nach Gießen kommende Studenten fast unmöglich ist, überhaupt ein Zimmer zu bekommen. Von 5 Zim⸗ mern, die zu Ende des vergangenen Semesters beim Wohnungsamt des Allgemeinen Studentenausschusses abgemeldet wurden, werden nach der gegebenen Auskunft 4 angeblich nicht wieder vermietet. Wenn diese in unserer Stadt vorliegenden Verhältnisse in weiteren Kreisen bekannt werden, wird fraglos der Fall eintreten, daß der Zuzug von neuen Studenten zur Alma mater Ludoviciana ganz auf⸗ hört. Was dies für die Stadt Gießen, besonders aber für die Ge⸗ schäftswelt bedeutet, braucht wohl nicht näher erörtert zu werden.
Typisch für unsere Verhältnisse ist folgender Fall: 0
Es lam dieser Tage der Vater eines Studenten unter Lebens⸗ gefahr aus dem besetzten Gebiet nach hier, um seinem Sohne, den en im nächsten Semester hier studieren lassen will, eine Wohnung zu mieten. Das Wohnungsamt des Asta konnte ihm aber leider nur die betrübende Mitteilung machen daß ihm nicht ein einziges Zimmer zur Verfügung stehe. Auf diese Auskunft erwiderte der betreffende Herr, daß er unter diesen Umständen seinen Sohn eben auf eine andere Hochschule schicken müsse. Dieses Beispiel lehrt, daß es fiir die Zukunft der Universitöt ein unbedingtes Erfordernis ist, daß die Gießener Bürgerschaft, die bisher stets ein großes Interesse für bie Universität und die Studentenschaft gezeigt hat, dieses Wohlwollen auch weiterhin dadurch bekundet, daß jede Familie, soweit sie num irgendwie dazu in der Lage ist, ein Zimmer für Studenten zur Ver⸗ fügung stellt, zumal wir nach bestimmten Nachrichten im kommenden Semester mit einem erheblichen Zuzug von Studenten der rheinischen Hochschulen rechnen müssen, die nicht wieder nach dort zuxückkehben


