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folgende Fragen zunächst geklärt werden müssen: 1. Wie verteilen sich die inneren Ausgaben des Reiches nach Größe und sachlichem Gegenstand? 2. Welches sind die Hauptausgaben? 3. Wie verhalten sich die einzelnen Voten zu den Posten vor dem Kriege? Die Beant⸗ wortung der letzten Frage ist deshalb besonders schwierig, weil sich das Verhältnis von Reich und Ländern völlig ge⸗ ändert hat. Eine andere Schwierigkeit ist in der kameralisti⸗ schen Buchführung begründet, da es in den Finanzberech⸗ ungen des Resches abgelehen von den Betriebsverwaltungen keine Uebersicht gibt, aus der man, wie bei einem indu⸗ striellen Betrieb, die Verteilung der Ausgaben auf die ein⸗ zelnen Verwaltungszweige ersehen kann. Bei der Durch- icht des Etats berücksichtigt Dr. Brecht besonders die Ein⸗ wirkung der fortschreitenden Geldentwertung auf die Aufstellung einer Bilanz. Der Autor legt hierbei einen appelten Maßstab zugrunde, einmal die Umrechnung in Goldmark nach dem Wechselkurse(gleich Außenwert der Mark), und zum anderen die Umrechnung nach dem Innen⸗ wert der Mark. Er geht hierbei von dem Haushalt für 1922 aus, einschließlich der Nachträge, die den Stand vom April 1922 berücksichtigen. Den Außenwert der, Papiermark schätzt er auf 70 zu 1, den Innenwert auf 40 zu 1. An Hand eines reichen Zahlenmaterials, das in dem erwähnten Heft des Wiederaufbau in allen Einzelheiten enthalten ist, ver⸗ sucht Dr. Brecht den Etat des Reiches einer eingehenden Nachprüfung zu unterziehen, wobei er allerdings alle Aus- gaben. die in dem Haushalt zur Ausführung des Friedens-
vertrages aufgeführt sind und die etwa zwei Drittel der
Gesamtausgaben des Reiches nach dem Haushalt für 1922 betragen, hei Seite läßt. Dr. Brecht kommt hierbei zu folgendem Ergebnis: Ersparnismöglichkeiten
find nur in beschränktem Maße vorhonden. Die Aus⸗ gäben für Heer und Marine sind im Verhältnis zur Vor- kriegszeit außerordentlich gering, sie betragen 91 Gold- millionen gegen 1879 Goldmillionen vor dem Kriege. Ein Vergleich ist besonders lehrreich; er zeigt daß England für seinen Heeresetot 1921 106 Millionen Pfund Sterling(rund 2 Milliarden) und Frankreich 47 Milliarden Franken ein⸗ gesetzt haben. Der Schuldendienst des Reiches ist wegen der neuen Schulden, die für die Bezahlung der laufenden Aus-
gaben für die Entente eingegangen werden müssen, vor⸗
läufig nicht zu reduzieren. Der Posten für Kriegsversorgung zeigt om deutlichsten die 1 ungeheure Verarmung Deutschlands
die es ihm nicht einmal gestattet, seine Kriegsopfer und Kriegshinterbliebenen zu versorgen. 1914 hat das Reich für die Versorgung der Hinterbliebenen von 1870 und von den Kolonialkriegen 186 Goldmillionen eingesetzt, 1922 sind für die gesamte Kriegsversorgung aus dem Weltkrieg ein⸗ schließlich jener Veteranen der früheren Kriege nur 266 Goldmillionen, also wenig mehr gefordert. Aehnlich liegt es bei den sozialen Lasten, den Ausgaben für kulturelle Zwecke und das Gesundheitswesen. Der Posten der Finanz- und Steuerverwaltung hat eine beträchtliche Steigerung der Verwaltungsausgaben des Reiches auf diesem Gebiet von 48 auf 100 Goldmillionen gebracht die Verbilligung der Steuererhebung wird eine wichtige Aufgabe der Regierung sein, wenngleich man sich darüber klar sein muß, daß die ständigen neuen Steuern einen nennenswerken Abbau der Verwaltung kaum gestatten werden. Den Posten der all- gemeinen Verwaltung behandelt Dr. Brecht besonders ein— gehend; er zeigt, daß hierfür 90 Goldmillionen gefordert werden, während 1914 die dafür eingesetzte Summe nur 57 Millionen betrug. Die Nachprüfung dieser Mehrausgaben wird von der Reichsregierung energisch betrieben werden
Ziel!
Wer vom Ziel nichts weiß, kann den Weg nicht haben, wird im selben Kreis
all sein Leben traben; kommt am Ende hin,
wo er hergerückt,
hat der Menge Sinn
nur noch mehr zerstückt.
Wer vom Ziel nichts kennt, kanns doch heut' erfahren; wenn es ihn nur brennt nach dem Göttlich⸗Wahren: wenn in Eitelkeit
er nicht ganz versunlen und vom Wein der Zeit nicht bis oben trunken.
Denn zu fragen ist nach den stillen Dingen, und zu 5 ist, will man Licht erringen; wer nicht suchen kann, wie nur je ein Freier, bleibt im Trugesbann siebenfacher Schleier. Christian Morgenstern.
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f i Allerlei. Der Geldschrank mit Narkose. Die Wissenschaft ist stets die
ichtigste I auch nunmehr ein Mittel gefunden durch daz der„Geld⸗ 2 nacker“ sich selost dem rächenden Aum der Gerochtigkeit esert, Der moderne Einbrecher geht sa dem mit den stärksten Panzerplatten ausgestatleten Safe mit seinem Sauerstoffgobläse zu Leibe und vermag so eln Loch hineinzub rennen. In dem 1 der neuesten Erfindung aber sindet sich ein kleines lüschen, welches in flüssiger Form ein narkotisterendes Gas enthält. Das Glas der Flasche ist so sein, daß es bet der lelsesten 2 9 50 bee 4 55 1400 en 1 1
obald nun der Einbrecser seinen Sauerstoffappgrat ansetzt. hä er das Knacken Abr een Glases. Im nächsten Wapenblk krömf pas naxkotifierende Gas alls, und bevor er noch recht weiß, ist, schläft der„Knacker“ friedlich ein neben dem Geld⸗
ö uk den er leeren wollte. Am nächsten Morgen wird er dann in Dehubund E und ohne 1185 Widerstand ding⸗ sest ht, worauf er in selner Zelle allmählich ohne jede Ge⸗ 3 0 a wieder ecwacht und darüber nachdenken bai,
ir doch noch schlauer sind als er.
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Waffe im Kampf gegen das Verbrechen gewesen. und
müssen, wenngleich(ierbei zu beachten ist, daß ke Aus führung des Friedensvertrages eine ungeheure Ver- mehrung der bestehenden Verwaltungsinstanzen not⸗ wendig gemacht hat. Dr. Brecht glaubt, daß die Ersparnis⸗ möglichkeit außerordentlich gering ist und man hierbei zu erhältnismäßig kleinen Summen selbst bei strengster An⸗ wendung Sparsystems kommt. Wichtiger ist die Sanierung bon Post und Eisenbahn und die Steige⸗ rung der Einnahmen aus Steuern und Zöllen, die natür⸗ lich nur im Rahmen der Rentabilität der Wirtschaft ange- wandt werden kann.
Krach in der Volksparlei.
Die Deutsche Allgemeine Zeftung veröffentlichte am Freitag morgen einen Artikel ihres Chefredakteurs Lensch, der Überaus heftige Angriffe gegen die Regierung Cuno enthielt. Die Re⸗ gierung wird ob ihrer„trockenen Bureaumanieren von 8 bis 1 und von 3 bis 6 Uhr abends“ verhöhnt und ihr Mangel an jeder Aktivität nachgesagt. Gegen diese Angrisse wendet sich die Zeit mit einer scharfen Erklärung, in der es heißt:„Es ist sehr zu be⸗ dauern, daß in diesem Augenblick Herr Professor Paul Leusch für richtig erachtete, in der Deutschen Allg. Ztg. gleichzeitig die deutsche Regierung und das deutsche Parlament anzugreisen und damit in die sonst vorhandene einheitliche Auffassung einen Bruch hineinzubringen“. Ferner wird Lensch nachgesagt, daß er in die deutsche Pressepolemik einen bisher nicht beliebten Ton hinein⸗ bringe. Da die Töne des Chefredakteurs der D. A. Z. stets den Nöten des Herrn Stinnes entsprechen, richtet sich die Erklärung der Zeit mittelbar auch gegen diesen.
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des
Die feindlichen Brüder.
Der Kampf der Deutschvölkischen gegen die Dentschnationale Volkspartei geht mit unverminderter Kraft weiter. Die Mecklen⸗ burger Warte scheint zur Heeruferin in diesm Streit auserkoren
zu sein. Ihr Hauptschriftleiter Gürke nimmt in der neuesten Nummer gegen den deutschnationalen Landsagsabgeordneten
Schlange Slellung, der in den Mecklenburger Nachrichten den Deutschvölkischen die Leviten gelesen und sie ermahnt hat, den Kon⸗ flikt nicht auf die Spitze zu treiben. Gürke stellt fest,„daß gerade Hergt und seine Anhänger mit allen Mitteln einer Einigung in der völkischen Frage widerstrebten und daß Helfferich die von Westarp mit vieler Klugheit und eifriger Mithe errichtete Brücke in geradezu rigoroser Weise in Stücke schlug, trotzdem der Abge⸗ ordnete Wulle den Einigungsbemühungen restlos entgegenkam. Der Artikel wendet sich ferner gegen die Behauptung, Wulle und Genossen hätten die Gründung der Deutschvölkischen Freiheits⸗ partei angestrebt, weil sie glaubten,„daß es nicht besser werden würde, solange sie nicht selbst die Führung in die Hand nehmen und dem Volke ihre eigenen Ideen in ihrer ureigensten Form verkündeten.“ Gürke behauptet mit einer bewunderswerten Offen⸗ hyeit, daß die Deutschvölkische Freiheitspartei überhaupt keine eigenen Ideen habe. Ihr Programm sei vielmehr„dem Ver⸗ langen des Volkes“ entnommen. Wir haben nie daran gezweifelt, daß die Deutschvölkischen, ebenso wie die Deutschnationalen, keine eigenen Ideen haben. Wir sind vielmehr mit dem Hauptschrift⸗ leiter der Mecklenburger Warte der Meinung, daß in der Deutsch⸗ nationalen Volkspartei wie bei ihrem jüngsten Konkurrenten eine Klüngelwirtschaft herrscht,„die nur ihre eigene gottgewollte Meinung für richtig hält.“
Feen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung.
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Geschichtskalender. 9. Januar. 1712 Der schwebische General Steenbvok äschert Altona sast günz⸗ lich ein. 1847 Nb. Garbe, Konstrukteur der Heißdampflolomotlve geb.
1008 Wilh. Vusch, hum. Dichter u. Maler, in Mechtshausen(Harz) gestorben. 80 g 2
Loulse Michel, Kommunekämpferin in Paris gestorben.— Soztaldemokratische Protestwersammlungen in Preußen gegen das Dreiklassenwahlrecht.
Aus den städtischen Betrieben.
Das Ende der neunziger Jahre errichtete Elektrizitäts⸗ werk der Stadt Gießen hat sich im Laufe der Jahre günstig entwickelt. Zunächst hielt sich die Anlage in bescheidenem Umfange. Als Stromerzeuger diente eine Wasserturbine und eine Dampfmaschine von irren wir nicht— 150 Pferdestärken. Später wurden zwei Gasmotore aufgestellt, als der Stromverbrauch mehr und mehr stieg. Im Jahre 1912 wurde die Ueberlandanlage in Angriff genommen, mit welchem Projekt der damalige Oberbürgermeister Mecum die Stadtvertretung überrumpelte, die den dafür geforderten Kredit von einer Million Mark bewilligte. Heute spielt eine derartige Summe bekanntlich kaum eine Rolle, damals aber stellte sie selbst für eine Stadtgemeinde wie Gießen einen ganz enormen Ausgabeposten dar und mancher Stadt⸗ verordnete machte sich Sorgen um die Rentabilität der An⸗ lage. Uebrigens reichte die Million bei weitem nicht, es mußten noch weitere Nachbewilligungen erfolgen, die den ersten Vetrag weit überstiegen.— Gegenwärtig leisten die Stromerzeugungs⸗Maschinen 3000 Pferdestärken. Das Leitungsnetz erstreckt sich auf eine Länge von 982,5 Kilo⸗ meter, wovon 759 auf das Ueberlandgebiet entfallen. Elek. trische Zähler sind 12 000 aufgestellt; die Zahl der ange⸗ schlossenen Glühlampen beträgt 113 500 die der Motore 1190. dazu kommen noch 210 Heizapparate. Die gesamte Strom⸗ erzeugung betrug im vergangenen Jahre 5 170 000 Kilo⸗ wattstunden. Davon kommen an Straßenbeleuchtung in der Stadt 70 086, auf das Ueberlandgebiet 52 900 Kilowatt⸗ stunden. An Lichtstrom wurden in der Stadt 1 035 154 Kilowattstunden, im Ueberlandgebiet 366 403 abgegeben.— Anders ist das Verhältnis bei dem Kraftstrom. Daßdo wird im Ueberlandgebiet mehr als in der Stadt abge⸗ geben, weil größere Betriebe in den Orten der Umgebung angeschlossen sind. Im Ueberlandgebiet wurden 1 925 438 Kilowattstunden Kraftstrom berbraucht, in der Stadt 1075 564.— Die Straßenbahn verbrauchte 315 170 Kilowattstunden. Das Werk, in dem 63 Arbeiter be⸗
1908
Au die Parkrimikglieder der. S. P. D. im Palkestant Hefen.
Werte Genossinnen und
Das für das deutsche Volk so verhängnisvoll Jahr 1922 liegt hinter uns. Mit schweren Sorgen blickt es in die Zukunft. Die Machthaber Europas feischten in Paris um Deutschlands Schick⸗ sal. Nichts Gutes von der Pariser Konferenz ahnend ist das deutsche Volk von den neuen Absichten der Pariser Machthaber auf das schwerste enttäuscht worden. Immer klarer tritt das Be⸗ streben zutage, die deutsche Wirtschaft und die Arbeiterschaft zu fesseln und zu knebeln, sie dem Ententekapitalismus dienstbar zu machen. Bedeuten schon die Vorschläge der realer denkenden Eng⸗ land, das selbst unter einer schweren Arbeitslosigkeit zu leiden hat, eine schwere Belasbungsprobe für Deutschland, so tritt durch
die französischen und italienischen Vorschläge der beabsichtigte Zweck noch deutlicher in die Erscheinung. Die Verschlechterung
unserer außenpolitischen Lage wirkt deprimierend markt. Die Aussichten auf Verbesserung unserer verschlimmern sich dadurch immer mehr. Unser Währungselend stürzt das deutsche Volk immer tiefer ins Elend. Die Lebenslage der Hand⸗ und Kopsarbeiter wird mit jedem Tage unerträglicher. Not und Sorge, seither schon ständige Gäste in vielen Familien der Arbeiterschaft, des Mittelstandes und der geistigen Berufe werden in größerem und schärferem Ausmaße in die Erscheinung treten. Die Verelendung der Sozial- und Kapitalrentner, der Kranken und Arbeitslosen steigt ins Ungemessene. Die Waren⸗ preise rlicken immer näher an die Weltmarktpreise heran. Die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie ist auf ihrem ent⸗ scheidenden Punkt angelangt. Bereits beginnen die Unternehmer mit der Verweigerung einer der verteuerten Lebenshaltung ange⸗ messenen Lohn⸗ und Gehaltszulage. An reiche Gewinne gewöhnt, wollen sie die Löhne und Gehälter der Arbeiter und Angestellten niedrig halten, um ihre Profite ungeschmälert einzuheimsen. Hin⸗ zu kommen die erhöhten Mieten, eine neue Kohlen- und Brot⸗ preissteigerung, die schlimmften Aussichten für die Zukunft.
Noch nie ist die Situation für das arbeitende Volk so kritisch gowesen wie jetzt. Auch die Sozialdemokratische Partei Deutsch⸗ lands, deren Stoßkraft durch die Vereinigung der beiden sozja⸗ listischen Parteien eine wesentliche Stärkung erfahren hat, leidet in gleicher Weise unter der allgemeinen Not und Teuerung. Alle bisherigen Erhöhungen der Parteibeiträge waren viel zu niedrig. Sie wurden durch die rasche Geldentwertung immer überholt, so⸗ daß die Partei in die größten finanziellen Schwierigkeiten kom⸗ men mußte. Die erforderliche Steigerung der Parteibeiträge auf die notwendige Höhe unterblieb mit Rücksicht auf die prekäre Lage des arbeitenden Volkes. Dabei harren ihrer immer größere Aufgaben. Die kommende Arbeitslosigkeft erfordert ein intensives Eingrelfsen ihrer Vertreter in den Kommunalver⸗ waltungen, dem hessischen Landtag und dem Reichstag. Die Ver⸗ abschtedung der Einkommenstenernovelle hat bewiesen, daß Lie be⸗ sitzenden Klassen nicht geneigt sind, die der Zeit entsprechenden Opfer zu bringen. Die bürgerlichen Partejen haben sich zum Sachverwalter der Steuerdrückeberger erniedrigt. Soll unsere
auf dem Welt⸗ Wirtschaftslage
heben, 1 und Land ihre einzige Waffe scharf, lebens⸗ und kampffähig er⸗
Ge⸗
Parteibeiträge der Geldentwertung anpassen. Die seitherigen Beiträge standen in gar keinem Verhältnis
mehr zu den Unkosten für Verwaltung und Agitation. Die Eisenhahnfahrpreise steigen fortgesetzt, die unbedingt erforder- liche Ausklärungsarbeit in den Ortsvereinen ist bei den seitheri⸗
gen Beiträgen unmöglich geworden Das Brlefporto, Papier, Zeitungen, das Verwaltungsmaterial und alle zur Aufrechterhal⸗ tung eines geordneten Geschäftsbetriebes notwendigen Arxtikel steigen fortgesetzt im Preise. Die Gehälter unserer Parteisekre⸗ täre müssen der Geldentwertung angepaßt werden. Die sogial⸗ demokratische Partei ist also vor die entscheidende Frage gestellt, ob ste die Beiträge der Geldentwertung anpassen oder ihre
Genossen! ö 2 Tätigkeit einstellen soll Letzteres kann nie und nimmer der Wille der Parteimitglieder sein. a Landesvorstand und Landesausschuß, die Vertreter der hes⸗ sischen Parteipresse und die Parteisekretäre eren in ernster, ge⸗ meinschaftlicher Beratung beschlossen, die Beiträge ab 1. Januar 3
192² für männliche Mitglieder auf 40 Mark wöchentlich, für weibliche Mitglieder auf 15 Mark wöchentlich festzusetzen. Von diesen sind an die Besirkskasse abzuführen: von den Beiträgen für männliche Mitglieder 30. 751 von den Beiträgenf ür weibliche Mitglieder 12 7 Der Beitragsleistung für die männlichen Mitglieder ist ein halber Stundenlohn monatlich zugrunde gelegt. In der kriegs⸗ zeit haben die Parteimitglieder einen Stundenlohn monatlich der Partei geopfert. Dieser Stundenlohn ist auch jetzt unbedingt nol⸗ wendig. Mit Rücksicht auf die ganz außergewöhnliche Teuerung verlangt die Partei nur einen halben Stundenlohn. Bei der Be⸗ rechnung des Parteibeitrages mußte die weitgehendste Rüchsicht auf die wirtlschaftlich Schwachen genommen werden. Die 5 ist⸗
daß die Genossen des flachen Landes mit geringeren? i möglichkeiten einen höheren Beitrag, als die Genossen in den Städten und Industriegemeinden entrichten müßten, ist ganz falsch.
Die Kreise und Unterbezirke werden aufgefordert, sofort Kreis- und Unterbezirkskonferenzen zur Festsetzung des Beitrages für die schlechter b.. Die Sekre⸗ täre haben entsprechende Weisung erhalten. 5 n
Beispiel: Ein Steinarbeiter hat einen Stundenlohn von 2⁴⁰ Mart, der halbe Stundenlohn beträgt 120 Mark oder 4 Wochen⸗ beiträge à 0 Mark. Da aber nur einheitliche Beitragsmarken zu 40 Mark herausgegeben werden, so klebt dieses Mit lied d tt 4 Wochenbeiträgen im Monat nur 3 oder statt 13 Beiträgen im Quartal 4 weniger, also 10 Beiträge à 40 Mark. 8
Die Beiträge für die Kriegsbeschadigten, Invaliden, Kriegs⸗ witnen usw. festzusetzen bleibt auch weiter den Ortsvereinen über⸗ lassen, welche dabei die größtmöglichste Rlcksicht walten lassen wollen. Kein Mitglied darf der Partei durch die A des Beitrages an die Geldentwertung verloren gehen. Wirtschafelich Schwache unter unseren Mitgliedern können fetzt schon nach dem Organifationsstatut auf begründetes Ansuchen bei dem Vorstand des Orksvereins eine geringere Anzahl von Beiträgen entrichten.
Zur Deckung unserer Schuldenlast sind den Mitgliedschaften Einigungs⸗ und Notstandsmarken zugegangen, welche hauptsächlich an wirtschaftlich besser gestellte Mitglieder vertrieben werden miissen. Die sozialdemokratische Partei kann ihren durch die Geld⸗ entwertung rapid gestiegenen Verpflichtungen nur dann fachkom⸗ men, wenn sich die alte sozialdemokratische Opferwilligkeif ernent wieder bestätigt.:
Der Bezirksverband Hessen hat die seither übliche Methode der Quartalsab rechnungen mit Rünsicht auf das hobe Porto und die teuren rucksachen beibehalten. Die Partei kann aber mit der Einsendung der Gelder nicht mehr bis zum Quarkalsschluß marten. Die Vorsitzenden und Kassierer der Ortsvereine müssen etwas mehr Rücksicht auf unsere mißliche Lage nehmen und den ge⸗ troffenen Dispositionen entsprechend handeln und monatliche à Gonto-Zahlungen der verkauften Beitriige au die 9 einschtcken. Die Gelder für die Einkgungs⸗ und Nolftandsmarken sind ebenfalls umgehend an die Bezirkskasse einzuschicken. Nur wenn die Ortsvereine Hand in Hand mit dem Bezirksvorstand ar⸗ beiten, kann die Partei aufrechterhalten werden. n
Wenn so einig und geschlossen die Kräfte des ganzen Fandes zusammengefaßt worden die Cerossen und Genossinnen in Stabt und Land den notwendigen Opfermut bekennen, dann konnen wir mit euem Mut und großer Begessterung den kommenden Kämpfen entgegenseh en..
Vorwärts im Jahre 1923, laßt euch Wien zune Vorbild sein!
5 Mit Parteigruß? Der Vandesudestand der N. S. P. D. Hessens. A. A.: W. Widmann, Bezfrkssekretär.


