Ausgabe 
8.6.1923
 
Einzelbild herunterladen

c ccc

rr

5

N

Die geiche Skellung nahm der Gene ralstaaksafwaff An. Mamrras

erschien um Justiäpalast mit einer Leibwache von Camelots du Roi. Ju den Gängen des Justizpalastes trafen sie mit dem kürzlich von den Camelots überfallenen früheren Staatssekretär und Abgeord⸗ neden Violette zusammen, der als Rechtsanwalt im Justizpalast zu tm hatte Die Camelots beschimpften Violette auf das niederträch⸗ tigste. Vöolette wurde von seinen Freunden, die ihn vor weiteren Anrempelungen bewahren wollten, fortgezogen.

. Die Bedeutung der Abstimmung über den öffentlichen Anschlag der Rede Herriots liegt besonders darin, daß in dieser Rede auch gegen die Regierung Poincarss die schärfsten Vorwürfe wegen ihrer bisherigen Passivität gegenüber den Treibereien der Royalisten ent⸗ halten waren. Sie enthielt ferner die Erklärung, daß Herriot und seine radikalen Freunde infolgedessen dem Kabinett ihre Vertrauen wh wifrden aussprechen können. Für Poincaré und seine Minister⸗

kollegen ist diese Abstimmung eine sehr peinliche Blamage, die kaum

bem Beschluß der

kabinett eine abwartende Haltung. Nach

nicht einzuräumen bereit

durch die Tatsache wettgemacht wird, daß nachträglich auch der An⸗ schlag der Rede des Innenministers Maunoury beschlossen wurde. 0

Die deutschvölkischen Scharfmacher.

Das Deutsche Tageblatt der Herren Wulle, Graefe und Henning brachte am Sonntag auf seiner ersten Seite in riesigem 1 und unter der UeberschriftIst das Landesverrat? einen

ingriff gegen den preußifchen Innenminister. Das Blatt wirft ihm vor, daß einepreußische Polizeistelle einen Fahndungsbefehl gegen Schlageter erlassen habe, der dann seine Festnahme durch die

Franzosen und seinen Tod verschuldet habe. Diesen Angriff gegen

Severing und die preußische Polizei begründet das Blatt der r Freiheitspartei mit der Feststellung, daß es sich um den Fahndungsbefehl der Polizeiverwaltung Kaiserslautern 17 Wir gestatten uns, den Herren Wulle, Graefe und 1 mitzuteilen, 8 heute Kaiserslautern immer no n enning mitzuteilen, daß bis h. Kaisersl. t ch i der baperischen Pfalz liegt. Welche Schlüsse sich daraus ergeben,

Leinersekts für das Verhalten der preußischen Polizei, andererseits

für geographischen Kenntnisse der deutschvölkischen Redakteure und Leser des Deutschen Tageblattes, möge jeder selbst entscheiden. 8

Die Regierung in Württemberg.

Der Arbeitsminister Genosse Keil ist am Montag entsprechend Sozialdemokratischen Landtagsfraktion von seinem t zurückgetreten. Das Gesamtministerium hat aus diesem Schritt keine weitere Konsequenz gezogen, sondern beabsichtigt viel⸗ mehr, im Amte zu bleiben. Zentrum und Demokraten wollen den Versuch einer Minderhettsregierung machen. Sie erwarten von der Sozialdemokratte aber gegenüber dem Minderheits⸗ Lage der Verhältnisse dürfte sich diese Erwartung bald als falsch herausstellen. Be⸗ merkenswert ist noch, daß der Sozialdemokratischen Landtags⸗ fraktion im Verlauf der Verhandlungen über die Besetzung des Innenmintisteriums u. a. die Stellu⸗ eines ehrenamtlichen Ministers, der im Kabinett nur beratende Stimme haben sollte, angeboten worden ist. Sowohl dieses Angebot wie das, die Kraft⸗ und Wirtschaftsfragen unter einem sozialdemokratischen Dirigenten entweder im Arbeitsministerium oder im Innenministerum be⸗ arbeiten zu lassen, wurde von unserer Fraktion mit Recht abgelehnt. Die von der Sozialdemokratie aus Anlaß des Verhaltens der mitregierenden bürgerlichen Parteien veröffentlichte Erklärung hat folgenden Wortlaut: Die aldemokratische Fraktion stellt fest, daß die beiden anderen Koalitionparteien ihr den Einfluß in der Staatsleitung ind, den sie nach dem Maß ihrer Ver⸗ vor dem Volke und nach ihrer Stärke beanspruchen

antwo muß und der auch von den beiden anderen Parteien grundsätzlich

als berechtigt anerkannt worden ist. Unter diesen Umständen ist die Soztaldemokratische Fraktion nicht in der Lage, sich weiterhin an der Regierung zu beteiligen.

5 2 Der polnische Zloty.

Unser Warschauer Korrespondent schreibt uns: 5 Polen hatte nach seiner Neubegründung im Jahre 1918 eine dreifache Währung: Deutsche Mark in den ehemals

ischen Gebieten, österreichische Kronen in Galizien und im Teschener Schlesien polnische Mark, von den deutschen Okkupationsbehörden eingeführt, im ehemals russischen Ge⸗

biet. Die deutsche Mark und die österreichische Krone wur⸗

den beseitigt, sodaß die polnische Mark übrig blieb. Diese

Der Münchener Hochverrats⸗Prozeß.

Das Kreuzverhör, dem der Angeklagte Fuchs am zweiten Ver⸗ handlungstage unterzogen wurde, drehte sich vor allem um die Feststellung, ob Fuchs nach dem Willen Richerts für

eine sofortige bayerische Altion eingetreten sei. Der Termin dieser Aktion war für Donnerstag, den 22. oder spätestens Freitag, den 23. Februar in Aussicht ge⸗ nommen. Als theoretische Vorbereitung dafür galt die Unter⸗ redung zwischen Richert, Fuchs, Machhaus, Meyr, Fridmann und Kautter in der Wohnung des Machhaus am 20. Februax abends. Hier wurde durch die drei letztgenannten Zeugen einwandfrei fest⸗ gestellt, daß es sich für Richert und Fuchs darum handelte, daß

Frankreich gerade im jetzigen Augenblick die bayerische Aktion

dringend benötige, damit Unruhen in Mittel⸗ und Norddeutschland entstehen, das Kabinett Cuno gestürzt werde und so der natianale

deutsche Widerstand gebrochen wurde. Dazu genüge schon die kleinste Aktion in Südbayern oder auch nur in München. Aber sie müsse sofort erfolgen, später sei sie nutzlos, denn inzwischen seien die Verträge zwischen den großen Industriekonzernen Deutschlands und Frankreichs unterschrieben, wodurch die Regierung Cuno sowieso erledigt werde. 5

Der Angeklagte Fuchs leugnet in jeder Weise sein Einver⸗ ständnis mit Richert und mit diesem Plan, verwickelt sich aber dabei in zahlreiche Widersprüche. Richert glaubte übrigens sest an diese Aktion; denn unmittelbar danach gab er durch Vermittlung von Fuchs ein Telegramm an eine ihm vertraute Saarbrückener Bank auf, das lautete:Markkauf 20, Silberverkauf 50, ich erwarte großen Marksturz in 8 Tagen. Das Gericht will u. a. auch damit beweisen, daß Richert und Fuchs durch ihre der Zertrümmerung des Deutschen Reiches.

private Geldgeschäfte gemacht

haben und machen wollten. Gleich nach der Besprechung Februar kamen aber dem Fuchs Bedenken wegen der Richerts, in München, und er veranlaßte ihn, daß er sofort München verließ, was er am andern Tage auch tat. Drei Tage später erhielt Fuchs von Richert, der inzwischen nach Paris ge⸗ fahren war, einen letzten Scheck in Höhe von 5 Millionen Mark, weitere 20 Millionen waren für die nächsten Tage angewiesen. Die Aktion wurde aber von neuem verzögert. Richert fuhr wieder nach Saarbrücken zurück und schrieb an Fuchs am 4. 3.:Depeschieren Sie, wenn die Lieferung rollt. Ich fahre dann nach Mainz, um sie dann in Empfang zu nehmen. Inzwischen wurde aber Fuchs am 28. Februar verhaftet.

Aus dem Verhör des Fuchs, das damit beendet war, sind noch eine Angaben über sein Verhältnis zu den Münchener Neuesten Nachrichten von einigem Interesse. Danach hat er im Frühjahr 1920 für den ihm befzeundeten Direktor Seitz, damals Vorstands⸗ mitglied der Deutschnationalen Partei in München, die Verhand⸗ lungen zum Ankauf der Münchener Neuesten Nachrichten geführt und auch zum Abschluß gebracht. Seine Beziehungen zu den Münchener Neuesten Nachrichten waren ja alter Natur, da Fuchs von 1904 bis 1907 Feuilletonredakteur und stellvertretender Chef⸗ redakteur war. Nach dem Verkauf der Münchener Neuesten Nach⸗ richten beim Kapp⸗Putsch 1920) war Fuchs weiterhin im Auftrage von Seitz damit beschäftigt, in demnationalen Konzern der Münchener Neuesten Nachrichten weitere bayerische Blätter einzu⸗

am 20. Sicherheit

beziehen In diesem Sinne war er bis zum 4. März 192 Auftrage 85 Verbandes tätig. Er erhielt ein ständiges gehalt. Diese Mitteilungen sind heute den Münchener Nachrichten natürlich sehr unangenehm, und in ver Redaktionsäußerungen versuchen sie, diesen ihren ehemalt Freund und Mitarbeiter alsRedaktionswanze abzutun. Der Fortgang des Verhörs brachte zunächst die Aussagen Brüder Gutermann, die beide Mitglieder des BundesBlücher sind und der Beihilfe zum Hochverrat angeklagt sind. Peer 2 sagen ist zu entnehmen, daß ste sich dem Machhaus zur Verfüg stellten im Glauben, es handle sich ausschließlich um die Bekd fung des Bolschewismus. Richtig scheint zu sein, daß? ste über die wahren Ziele seines Unternehmens im Unklaren lassen hat. Das Gleiche gilt von dem Angeklagten Berger, militärischen Leiter vom BundBlücher. Ihm war alle eine wesentlich bedeutsamere Rolle in der Verschwörung zug Auch Berger stellt immer wieder als Ziel seiner ganzen natiom Betätigung den Kampf gegen die rote Gefahr in den Vor Er hatte 360 Mann unter seinem Kommando, die er militäris in der Hand hielt. Seit Mitte Januar hielt er mit seinen jeden Samstag Appelle 8 5 in einem von der Universität zur Verfügung gestellten 8 Für die ganze Art dieser nationalen Kampfverbände ist zeichnend, daß auch 5 der Franzose Richert auf Vermittlung des Machhaus Mitglie des BundesBlücher a war und ihm eine ordnungsmäßige Mitgliedskarte auf den De namenKräuter ausgestellt wurde. Berger hat im ganzen etm 4 Millionen Mark für seine Organisation erhalten, die er auch fi diese Zwecke verwendet hat. Der eigentliche des Bunde Blücher und Vorgesetzte des Berger ist der Regierungsbaumeister Schäfer der auf der Zeugenbank wichtige Aussagen zu machen haben Verschiedene Zeugen, Studenten 180 Mitglieder des Bund Blücher haben ausgesagt, daß Berger öfter von iener beo stehenden Aktion gesprochen und Geld dazu gegeben habe. 0 ne seiner Aussprüche lautet:Wir müssen einmal anfangen: so kann es nicht weiter gehen. Ich schlage los mit hundert Mann, die andern kommen dann schon! Diese und andere Aussagen belasten d Angeklagten zunächst in erheblichem Umfang. Die ganzen Aussagen dieses Angeklagten, die im allgemei wohl der Wahrheit entsprechen dürften, zeigen die heillose politise Verwirrung, in der diese Führer der sogenannten vaterländische Kampfverbände leben und sich aufAktionen vorbereite darf nicht Wunder nehmen, daß ihr Kampf gegen den Bolsche mus in der Hauptsache auf die Sozialdemokratie eingestellt if größte Beforgnis sei immer gewesen, eine Regierung Breitschei 1 Hilferding, womit sich der Bolschewismus über ganz Deutsch ö dahinwälzen würde. Zum Schluß erklärte der Angeklagte wied holt, daß er über die französischen Zusammenhänge des nehmens von seinem Vorgesetzten Schäfer und dem Machhaus 1 5 er ziemlich viel verkehrte, vollständig im Unklaren ge worden sei.

löste ihren Kurs bald von dem der deutschen Mark los, fiel schließlich im Spätsommer 1921 auf ein Sechzigstel der deutschen Mark. Erst durch die großen Markstürze der letzten Monate kam sie wieder auf und über das Niveau der deutschen Mark.

Von Anfang an war es jedoch die Absicht der polnischen Regierung, auch die polnische Mark, die an die Okkupations⸗ zeit erinnerte, wieder zu beseitigen, und schon im Frühjahr 1919 beschloß der polnische Sejm ein Gesetz, wonach die polnische Währungseinheit der Zloth sein sollte. Zloty be⸗ deutet Gulden und war die Geldeinheit im alten Polen. Noch zur Russenzeit rechnete das Volk bisweilen danach und setzte ihn gleich 20 Kopeken Ueber den Wert des Zloty war aber in dem betreffenden Gesetz nichts gesagt. Erst im Herbst 1922, als Polen eine Goldanleihe auflegte, wurde durch ein neues Gesetz bestimmt, daß 3100 Zloty ein Kilogramm Gold enthalten sollten, d. h. der Zloty wurde

*

dem Goldfranken gleichgesetzt. Da aber Zloty nicht gep wurden und verschiedene weitere Gesetze die Berechnur des Zloty verschieden bestimmten, entstand bald ein he loser Wirrwarr. Außer der Goldparitat des Zloty gab eine gesetzliche Feststellung des Zloty nach dem Dure schnitlskurs des letzten Monats, gemessen an Dollar Schweizer Franken, eine andere gemessen am Dur schnittskurs der gleichen Währungen für die letzten 10 Tage und schließlich wurde beim letzten Budgetgesetz noch theoretischer Zloty eingeführt, wobei die an verschiede Inderziffern errechnete Kaufkraft des Gegenwerts loty in der Vorkriegszeit zugrunde gelegt wurde. Nun hat das polnische Finanzministerium, um di Wirrwarr ein Ende zu machen, in jüngster Zeit ein Ges entworfen, das die wirkliche Ausprägung von Goldmü nach der gesetzlichen Zloty⸗Wahrung vorsieht. Der rechnungskurs dieser Goldmünzen in polnische Mark 2 i

Der verlorene Sohn.

Roman von Hall Caine. 1 Erster Teil. Erstes Kapitel.

Island hatte nie einen herrlicheren Anblick gewährt. Das starre alte Nordland, das im Tageslicht stets und über⸗ gall die zerstörenden Spuren des ausgebrannten Feuers Jahr⸗ tausender auf seinem sphinxgleichen Antlitz trägt, und das man, wäre nicht das in seinem schwefelhaltigen Schoß grollende, vulkanische Leben, für tot halten würde, lag im herbstlichen Mondlicht, gleich einer mächtigen, schlafenden

Kreatur ruhig, erhaben und blau wie die Nacht da.

Der Mond stand noch am Himmel, als die aus Holz ge⸗ baute, kleine Hauptstadt sich zu regen begann. Häuser, Schiffe, Fischerboote, der Fjord vor Augen, der See im Rücken, das dunkle Moorland rund umher und die schnee⸗ bedeckten Berge darüber hinaus, alles schien in der sanften Milde seines silbernen Lichtes zu schwimmen.

Es war der für das alljährliche in Thingvellir statt⸗ findende Schafeintreiben bestimmte Tag; die Schafhürde war einige dreißig Meilen entfernt, es gab weder Eisen⸗ bahnen noch Postverbindungen und wenige Landstraßen in Island, und so mußten die jüngeren Stadter, die aus diesem Ereignis einen Feiertag zu machen beabsichtigten, sich schon frühzeitig auf ihren kleinen Ponys auf den Weg machen.

Als die Uhr vom Domturme vier schlug, fuhr Thora Neilsen, bie Tochter des Faktors Neilsen, erwachend zu⸗ sammen und sprang mit einem Satz aus dem Bette. Sie hatte am Abend vorher ihre Jalousie aufgezogen, damit der erste Tagesschimmer sie sofort am Morgen erwecken möge, aber noch ehe sie sich darüber klar wurde, daß es das Mond licht gewesen war, das auf ihren Augenlidern sein Spiel getrieben hatte, stand sie schon mitten im Zimmer und rief mit der klangvollen Stimme der Jugend und des Glückes: Tante Margret! Tantchen! Ich habe mich verschlafen! Ich habe mich verschlafen! Ich werde zu spät kommen! Tant⸗ chen! Tantchen!

Hierauf wurden die durch eine geöffnete Tür des Nebenzimmers dringenden, abb emessenen, kräftigen Atem⸗ züge durch eine ältere Stimme, eine gutmütige, ärgerlich

lingen sollende Stimme unterbrochen, die schlaftrunken

sagte:Zum Henker mit dem Modchen, sie wird das ganze Haus aufwecken!.

Dem folgte das Knarren einer Bettstelle und das dumpfe Geräusch bloßer Füße auf den Dielen. Beide Ge⸗ räusche begleitete ein ununterbrochener Strom von Schelt⸗ worten, in dem die Sprecherin sich dahin erging, daß sie keine Katze und nicht imstande sei, bei hellem Tage zu schlafen, und daß es ihr wenigstens gestattet werden müsse, sich erst das Gesicht zu waschen, wenn man sie mitten in der Nacht wecke. 0

Das Mädchen lauschte einen Moment und lachte, lachte das sorglose, fröhliche Lachen eines Menschen, der nie Kummer kennen gelernt hat. Sie war jung und ungewöhn⸗ lich lieblich, an Wuchs eher unter als über weiblicher Durch⸗ schnittsgröße, und wenn ihr Gesicht auch nicht gerade schön zu nennen war, machte es, als eines jener Antlitze, deren sanfte Züge stets, selbst wenn die Eigentümerin sich dessen unbewußt ist, ein Lächeln umspielt, doch einen schönen Eindruck.

Sie zündete ihre Kerzen an, ließ ihre Jalousie herab und begann, während sie, um ihre Gleichgültigkeit zu be⸗ zeigen, ein Lied vor sich hinsummte, sich anzukleiden. Mittler⸗ weile betrat die grollende Artillerie aus der Nebenstube in Person einer ältlichen Dame das Zimmer, die(wenn es überhaupt gerecht ist, sie während eines solchen Augenblicks zu schildern) in ihrem kurzen Unterrock, ihrer kleinen spitzen Nachthaube, ihren papiernen Lockenwickeln, die wie Enten⸗ muscheln am Bug eines frisch aus fremden Gewässern heim⸗ kehrenden Schiffes an ihrer Stirne klebten, grotesker wie gewöhnlich aussah. 0

Es war Tante Margret, der die Güte auf jedem Zug ihres alten Gesichtes geschrieben stand, deren Rede jedoch wie Sprühregen auf einen kontigen Stein fiel und nichts von Dürre wußte. Sobald sie nur ein Auge auf die sich im Anfangsstadium ihrer Toilette befindliche Thora geworfen hatte, rief sie:Seide? Zu dieser Morgenstunde? Und wer etwa wird sie unter Deinen dicken Stiefeln sehen, das bitte ich mir doch zu sagen?

Das Mädchen lachte hierzu, wie sie zu allem lachte, und sagte:Gut, dann gib mir also die wollenen. Welch ein alter Brummbär Du aber bist, Tantchen. Du wußtest doch, daß ich 95 meinem fechsstündigen Ritte vor mir früh aufstehen mußte.

Wer verlangt denn etwa einen sechsstündigen Ritt von Dir, möchte ich wissen? fragte Tante Margret atemlos h und her laufend, um dem Madchen beim Anziehen zu helfe

Du weißt sehr wohl, wer es verlangt, Tantchen, Magnus tut es. Als sie ihn zum diesjährigen Gebirg könig erwählt hatten, mußte ich ihm heilig und fest ver⸗ sprechen, daß ich zum Schafeintreiben kommen würde, und natürlich a

Gib Dir keine vergebliche Mühe, meine Liebe, ein alten Fuchs zu überlisten, sondern komm schnell und wasc Dich hier in diesem Wasser. Nicht weil Magnus Dich beim Schaseintreiben sehen möchte, sondern weil jem anders Dich dort hinführen wird, ist es.

Tantchen! rief Thora, indem sie ein triefendes Ge- sicht aus dem Waschbecken hochhob. 1

O, Du brauchst nicht wie mit Feuer übergossen daz. stehen, mein Schatz ich weiß ohnedem, daß es so ist.

Wie komisch Du bist, Tante Margret! Du weißt sowohl wie ich, daß es Magnus selbst war, der Oskar mich dorthin zu begleiten. Eigens weil er Oskar seit Rückkehr von der Universität noch nicht gesehen hatte gern zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wollte, er vom Gutshof.

Um so törichter von ihm! sagte Tante Margret. Mann, der ein Mädchen zu heiraten beabsichtigt und es rend seiner Abwesenheit einem anderen Manne anver 9 ist ein Narr, und seine Freunde sollten über ihn wa den Nur ein Einfaltspinsel schlägt auf diese Weise die Türe hinter sich ins Schloß. i 1

Oskar ist Magnus' Bruder. 5

Bruder fürwahr! Ebenso war Jakob Esaus Brudt und Kain Abels Bruder, und jene zwölf dicken, netten sellen waren Joseph und Benjamins Brüder.

Du lieber Himmel, Tante Margret, welch übler Du nur bist. Du redest von Oskar Stephenson, als ob er ein ganz verworfener Mensch sei, anstatt des Gouvernem Sohn und der Abgott aller Menschen.

Es ist leicht genug, jemand zu verteidigen, den 1 schlagen will. Ich will nichts gegen Oskar

aben. b 8 5

(Fortsetzung folgt.)