Ausgabe 
8.3.1923
 
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1 lie Rede des Reichskanzlers allgemein erwartet wurde, zeigte sich duch äußerlich vor und in dem Reichstagsgebäude. Scharen von

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Tribünen des Hauses, auch die Diplomatenloge, waren

Siderstand bis zum äußersten gegen die Vergewaltigung und die

Redaktion: giesen Bahnhofstraße 23 frusprecher 2008.

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Ewebdition: lesen Bahuhosstraße 23 Ferusprecher 2008.

ie Oberb. Volkssettung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. Der Abonnementspreiß zail den BeilagenDas Blatt der Frau und 1 8

0 Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig.

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Bekenntnis;

Verhandlungsbereit!

Der Reichstag versammlte sich am Dienstag in außer⸗ gewöhnlicher Stunde zur Entgegennahme einer Erklärung der! eichsregierung. 60 Seiten umfaßte die sorgfältig aus⸗ gearbeitete Rede des Reichskanzlers, die er diesmal mit mehr Geschick als sonst vorzutragen wußte. Seine Worte waren auf dem Boden der gegebenen Tatsachen aufgebaut; ler sagte alles, was ein verantwortlicher Politiker unter den gegebenen Umständen zu sagen vermag. Rein

epassiv war die von ihm gezogene Bilanz der französisch⸗

belgischen Ruhraktion. Nicht ein Aktivum enthielt sie, passiv blieb sie, und passiv mußte sie bleiben, trotz aller Greueltaten, trotz Verhaftungen und Ausweisungen, die der Kanzler fast eine halbe Stunde lang geschickt aneinander⸗ reihte. Das Verhalten der Ruhrbevölkerung im Verlauf der letzten acht Wochen stimmte ihn hoffnungsfroh in Bezug auf

den Ausgang dieses Kampfes, der in der ersten und zweiten

Etappe Unproduktivität statt Produktion gebracht habe, und

der in der dritten Etappe, die jetzt eingeleitet sei, nicht mehr

ergeben würde. Trotz Gewalt soll der passive Wider stand unsere Waffe bleiben. Das hervorzuheben war in Anbetracht der deutschnationalen Agitation für einen

aktiven Kampf besonders notwendig. Mehr noch als

Willen der Verständigung an. Cuno machte Verhandlungen micht abhängig von der vorherigen Räumung des Ruhr- gebiets, über die er scheinbar aus parteipolitischen Gründen kein Wort verlor, sondern lediglich von der Gleichberechti⸗ gung und Verständigung auf freiem Boden.Kein Diktat ist die Voraussetzung Deutschlands zu Verhand- kungen auch weiterhin bis an die Grenzen des Möglichen Friegsentschädigung zu leisten, bleibt unser Angebot. Deutschland hat seinen Verständigungswillen bezeugt, hat Aeichzeitig durch den Mund der verantwortlichen Politiker viederholen lassen, daß Frankreich Kohle und Koks, die es sich infriedlicher Aktion holen wollte, auch weiterhin nach ehrlicher freier Verständigung. f

Jetzt hat die andere Seite das Wort, jetzt mag Herr Poincars zeigen, daß es ihm nicht um Annexion zu tun ist, daß es ernsthaft wirtschaftliche Gründe sind, die ihn an die Ruhr führten. Nach dem Vorgefallenen in den setzten acht Wochen, nach der ganzen Art der Einstellung der französischen Außenpolitik, und auf Grund des Verlaufes

ber letzten Reparationskonferenzen glaubt in Deutschland

ein Mensch, daß die Ruhrbesetzungwirtschaftliche Sicher eiten für Frankreich ergeben sollte. Es ist deshalb nur daß die Regierung von der Rednertribüne

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bes Reichstags vor der Welt nochmals mit Entschiedenheit

sarauf verwies, daß es bisher keine deutsche Re⸗ bierung gegeben hat, die die Erfüllung der Kriegslasten abgelehnt hätte und daß insbesondere die jetzige Reichs- degierung über alle Angebote ihrer Vorgängerinnen weit

sinausgegangen ist.

Obwohl bie Telegramme zur Einberufung des Reichstags die neisten Abgeordneten erst im Laufe des Montags erreicht haben, war das Haus stark besetzt. Auch aus den westlichen Gebieten waren trotz der Verkehrsschwierigkeften die meisten Abgeordneten koch rechtzeitig in Berlin eingetroffen. Die Spannung, mit der

deugierigen sammelten sich an den Portalen, und in der Wandel⸗ lalle drängten sich Politiker, Zournalisten und viele e

iberfüllt. Der Reichstagspräösident eröffnete die Sitzung mit einem kurzen Jachruf auf das soeben verstorbene Mitglied des Hauses. Dr. Maher, den bisherigen gesandten in Paris. Dann wandte sich swebe mit wenigen würdigen und durchschlagenden Worten gegen ie Quslereien, denen Deutschland seit Wochen ausgesetzt ist. Der weichskanzer erhob sich unmittelbar darauf zu einer Nede, die ee zwar wörtlich vorlas, die aber trotzdem starken Eindruck machte. die Grundgedanken seiner Rede waren: Kampf gegen den Terror des französischen Imperialismus und Militarismus, nur passiver

eerstückelung Deutschlands, Bereitschaft zu jeder Aussprache über ie Beendigung des Kampfes durch eine Verständigung, die im Rahmen der deutschen Leistungsfähigkeit liegt, Zurückweisung aller geoßsprecherischen und kriegerischen Phrasen, kein rosenroter Opti⸗ ismus, sondern volle Erkenntnis des Ernstes der Lage, Rettung 5 Einheit des Reiches und unserer demokratischen und sozialen rrungenschaften. Etwas glücklicher hätte Herr Euno die Verzand⸗ angsfrage formulseren tönnen Es gab eine Sielle in seiner Rede, e von Uebelwollenden, aus dem Zusammenhang gerissen, als derhandlungsseindlich ausgelegt werden könnte. Betrachtet man lerbings den Gesamtgehalt der Rede, so ist nicht zu leugnen, daß

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diese Hervorhebung erkennen win den mehrfach geäußerten

Deutschland will leben!

die Reichsregierung stets zu erhandlungen bereit ist, aber sie ver⸗ tritt die Auffassung, daß die Welt ihr Ersuchen um Verhand⸗ lungen zuerst und zunächst an die Adresse Frankreichs zu richten haben würde. Bei gewissen Partien der Kanzlerrede war zu be⸗ obachten, daß die äußerste Rechte wenig angenehm berührt war, und am Schlusse war der Beifall in der Mitte des Hauses und nach links zu stärler als bei den Deutschnationalen.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 6. März.

Auf der Regierungsbank hat das gesamte Kabinett Platz genom⸗ men. Das Haus ist gut besetzt, die Tribünen sind überfüllt. Präsi⸗ dent Löbe eröffnet die Sitzung mit einer kurzen Ansprache und ge⸗ denkt dann des Ablebens des deutschen Botschafters in Paris Dr. Mayer, der 13 Jahre lang dem Reichstag angehörte. Darauf tritt das Haus in die Tagesordnung ein, auf der die Entgegennahme einer Regierungserklärung steht:

Reichskanzler Dr. Cuno:

Ohne jede Ankündigung haben französische Truppen am 3. März das Hafengebiet von Mannheim besetzt, die Herrschaft über den Hafen von Karlsruhe ergriffen und Eisenbahnwerkstätten und das Elektri⸗ zitätswerk in Darmstadt besetzt. Würde das irgendwo sonst unter ziwilisierten Staaten geschehen so würde die Welt voll der Entrüstung

über solchen Rechtsbruch sein. Da es aber an Deutschland geschieht,

so hält man es als eine kleine Erweiterung der Ruhraktion keines besonderen Aufhebens wert. Frankreich selbst bemüht sich kaum, Rechtsgründe für sein Vorgehen zu geben. Die Versenkung von Kähnen im Rhein⸗Herne⸗Kanal muß als Vorwand für diesen neuen Rechtsbruch gelten. Das Vorgehen Frankreichs, dem die im Frie⸗ densvertrag vorgesehene Begrenzung der Brückenköpfe nicht mehr

5 hat ein Regierungsvertreter im englischen Unterhaus bereits 5 f

jeder vertragsmäßigen Grundlage entbehrend gekennzeichnet. Wenige Tage vor dem Einbruch hat Frankreich die berüchtigte Blutverordnung gegen die Eisenbahner erlassen, die durch Strafbestimmungen von unerhörter Grausamkeit gezwungen werden sollen, im Widerspruch mit ihrem Diensteid an der rechtswidrigen Aktion teilzunehmen. Die französische Regierung ist in der Ver⸗ folgung des am 10. Januar betretenen Weges der Gewalt konsequent geblieben. Zwischen den beiden Nachbarvölkern, die aller Kräfte be⸗ dürfen, um die Wunden zu heilen, ist ein Haß entstanden, den wieder abzutragen, eine ungeheuer schwere Aufgabe sein wird. Es ist not⸗ wendig, weithin sichtbar ein Warnungssignal aufzustecken: die letzten sieben Wochen sind nicht spurlos an unserem Volke vorübergegangen. Protest über Protest geht in die Welt gegen Frankreichs Rechtsbrüche.

Als ginge das alles der Welt nichts an, werden diese Proteste von ihr mit einem Achselzucken hingenommen. Und doch ist es die neue von den Mächten für die Errichtung eines dauernden Friedens ge⸗ schaffene und verbriefte Rechtsordnung, gegen die sich der französische Vorstoß ebenso richtet, wie gegen Deutschland und seine demobratische Staatsordnung. Wir müssen so klar und deutlich es nur immer müg⸗ lich ist, unser eigenes Recht feststellen und die Welt warnen, daß Un⸗ recht auf Unrecht nicht immer höher bis zur Unerträglichkeit ge⸗ häuft wird..

Wir haben nichts zu verheimlichen. Wir brauchen uns nicht gegenüber dem Wunsche nach Rechnungslegung hinter verschlossenen Türen und Tagungen zurückzuziehen.

Unser Schild ist blank! Am 9. Januar teilte uns Frankreich mit, es werde eine aus In⸗ genieuren bestehende Kommission ins Ruhrgebiet entsenden, um die notwendigen Maßnahmen zur Durchführung unserer Verpflichtungen zu treffen, es denke aber nicht an eine militärische Operation oder eine Besetzung politischer Art. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Ein ungeheures Militäraufgebot im Ruhrgebiet, Verordnungen über Verordnungen, Ausweisungen und Verhaftungen, Bestrafungen und Schikanen in merhörtem Maße sind die Begleiterscheinungen der friedlichen Aktion. Insgesamt wurden 1781 Beamte ausgewiesen und 73 bestraft. Die Ausweisungen und Verhaftungen haben ganze deusche Behörden ihres Hauptes und ihrer Glieder beraubt. Brutal und zynisch ohnegleichen ist bei diesen Ausweisungen verfahren wor⸗ den. Personen von mehr als 60 Jahren wurden in kalter Winter⸗ nacht auf offener Landstraße ausgesetzt. Auch die Familien, darunter kranke Frauen und Kinder, hat man mit überlegter Graufsamkeit abgeschoben. Zu den Gefangenen läßt man weder die Angehörigen noch die Vertreter des Roten Kreuzes. Besonders roh wird gegen die braven Schutzpolizeibeamten vorgegangen, die unter großer Aufopferung bis zur Grenze der Selbstverleugnung ihren schweren Dienst verrichtet haben. Zahllos sind die Mißhand⸗ lungen mit der Reitpeitsche und dem Gewehrkolben. Wie gegen den Einzelnen, so wendet sich der Uebermut der fremden Soldateska auch gegen ganze Städte. In Recklinghausen führt der General Laignelot ein wahres Schreckensregiment. Er hat erklärt, von den schärfsten Maßnahmen nicht zurückzu⸗ schrecken, bis Recklingshausen vor ihm auf den Knien liege. Das Wohl der Bevölkerung sei ihm gleichgiltig. Diesen Worten entsprechen seine Taten. Ich brauche bloß auf das Wüten der Offiziere hinzuweisen, die während der Aufführung des König Lear in das Stadttheater eindrangen und die Zuschauer mit der Reitpeitsche vertrieben. Die Behandlung der Gefangenen ist skandalös.

Sie mlissen auf blankem Boden liegen und erhalten eine sehr mangelhafte Verpflegung. Diese Unmenschlichkeit richtet sich eben so gegen Kranle, Obdachlose und Kinder. Dazu kommen die Blut-

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taten, denen immer wieder friedliche Bürger zum Opfer fallen Die Absicht, die mit diesem Schreckensregiment verfolgt wird, ist klar: Aushöhlung der Behörden, Entfernung un bequemer Beamte und Einschüchterung der Ein⸗ wohner. Mit den Beamten teilen sich die Führer des politi⸗ schen Lebens und der Gewerkschaften, die Vertreter der freien öffentlichen Meinung, der Presse in die Ehre der Bedrückung. Wo ist die Ehre? Bei den schimpflich Gefangenen und brutal Miß⸗ handelten oder bei der Nation, die sich gern die ritterliche nennen läßt? So sieht die Passtvseite der französisch⸗belgischen Bilanz in ihrem ersten und meistbelastenden Posten aus. An die Zeiten des dreißigjährigen Krieges gemahnt,

was an Verbrechen gegen Leib und Leben, Geld und Gut in den Zeiten der Ingenieur⸗Mission an Ruhr und Rhein im Jahre 1923 geschieht. i

Der zweite Posten der Passtpseite ist die Erfolglosigkeit der Ver⸗ suche, Kohle zu bekommen. Vom 11. Januar bis 5. März hätte Frankreich 2,1 Millionen Tonnen Kohle erhalten sollen. Bekommen hat es nach Einstellung unserer Lieferungen während dieser Zeit im gangen 74000 Tommen, etwas mehr als den täglichen Betrag, der zu

liefern gewesen ware. An Holz sollte Frankreich im Jahre 1922

166 000 Festmeter erhalten. Bekommen hat es 22 000 Meter. Der Rest war bis zum 31. März 1923 zugesagt. Infolge des Ruhrein⸗ bruchs erhielt Frankreich nichts. Zu diesem Ausfall kommen die Einbußen an Reparationsleistungen und als dritter Posten erschei⸗ nen auf der Passipseite die ungeheuren Aufwendungen für die Unter⸗ haltung der Truppen, die nur zu einem nicht nennenswerten Teile durch Raub und Diebstahl gedeckt worden sind. Unproduktivität auf der ganzen Linie, das ist das Kennzeichen der Ruhrunternehmen zur Erfassung produktiver Pfänder. Trotzdem ist Poincaré mit dem Er⸗ gebnis zufrieden, obwohl in Lothringen bereits 80 Hochöfen ge⸗ löscht werden mußten, der Kokspreis um das Doppelte gestiegen ist und der Wert des Franken sank. Das An⸗ leihebedürfnis Frankreichs zur Deckung der Kosten des Ruhrunter⸗ nehmens wächst täglich. Auf diesem Wege wird Frankreich sein wirtschaftliches Ziel nicht erreichen. Eines aber hat es schon er⸗ reicht: stärker und einmütiger ist die Geschlossenheit der deutschen Bevölkerung an Ruhr und Rhein als je zuvor.

Waffenlos im groben Sinne des Wortes hat Deutschland seine

starke Wehr im Willen des freien Mannes, der dem Recht ge⸗

horcht, sich der Gewalt aber mit verschränkten Armen entsagt.

Und würden die Franzosen noch lange im Ruhrgebiet stehen und statt der deutschen Arbeiter fremde Kolonnen bringen, der Fluch der Unfruchtbarkeit würde sie verfolgen. Das Land der reichsten industriellen Schöpferkraft, der angespanntesten Tätigkeit würde ihnen weniger bringen als die Kosten ihres Aufenthalts.

Wir bekennen uns heute erneut zum passiven Widerstand, dessen

Ziel die Erreichung eines ehrlichen und dauerhaften Friedens ist. 5 Dieser passive Widerstand der Ruhrbevölkerung ist nicht von der Regierung befohlen, sondern erwachsen aus der Treue des Volkes zu seiner Heimat. Er ist über das Ruhrgebiet hinaus auf das ganze Reich übergegangen und wird dauern, bis der Tag kommt, an dem wir befreit sind von dem Drucke des Zwanges. Wir wissen, auch dieser Kampf hat seine Opfer an Leiden und Lasten und wir danken allen den tapferen Männern, deren Ehre eine ausländische Gesangenschaft erhöht, wir denken an ihre Frauen und Kinder und fühlen uns eins mit ihnen in der Verpflichtung unverbrüchlicher wirksamer Gemeinschaft. In Politik und Wirt⸗ schaft haben wir alles auf diesen Kampf und diese Gemeinschaft einzustellen. An Kohle, Rohstoffen und Aufträgen fehlt es vorerst nicht im unbesetzten Gebiete. Dem Verfall der Mark sind wir mit Erfolg entgegengetreten und wenn die Stützung der Mark neben Schiebern und Spekulanten auch manchen im ehrlichen Ringen Stehenden schuldlos schädigen mochte, so war und ist die rückfichtslose Durchführung nötig Neuen Preissteigerungen mit allen ihren schweren Folgen werden wir entgegenzuwirken suchen. Wirken wir so von der Währungssefte den Preissteigerungen ent⸗ gegen, so soll gleichzeitig eine volkswirtschesiche Gesetze beachtende, privaten Bereicherungsabsichten aber schonungslos en Fegentretende Wucherbekämpfung von der anderen Seite her

unserem gepeinigten Volke Schutz gegen Ausbeutung

und Vertrauen zum Staate geben. Die Möglichkeit einer wert⸗ erhaltenden Vermögensanlage soll dem Sparen wieder zu einem wirtschaftsvernünftigen Sinn verhelfen. An alle Besitzenden richte ich die ernste Aufforderung, sich der Zeichnung der Goldanleihe nicht zu entziehen. Ist es ein vermessenes Hoffen, daß der Geist, der in den bedrohten Grenzmarken herrscht, auch im Binnenlande stark und stärker werde? Oder ist es nicht doch bereits so, daß Paxteien immer mehr zum Werkzeug werden und immer stärker sich überall der Staatsgedanke als das Gemeinsame durchsetzt? In einer großen Gemeinschaft stehen Männer und Stände. die in anderer Auffassung groß geworden sind. Treu der Heimat, verteidigen sie dieses Recht mit der Kraft ihrer Hände und mit der ganzen Wärnze des Herzens als den Staat, der ihr Staat ist. Um diesen 8 geht es jetzt, um nichts anderes. Holz und Kohle, Geld und Güt konnte Frankreich von uns im Frieden haben bis zur Grenze unserer Leistungen, kann es heute haben nach ehr⸗ licher, freier Verständigung. Keine deutsche Regierung hat die Reparationsaufgaben grundsätzlich abgelehnt und keine bat nicht das ihre getan, um die Leistungsaufgaben im Rahmen des Möglichen zu erfüllen. Vom 11. November 1918 bis zum 30. Sep⸗ tember 1922 haben die Leistungen Deutschlands aus dem Friedens⸗ vertrage den Betrag von 50,5 Goldmilliarden oder nach dem heu⸗ tigen Dollarstand von 285 Billionen Papiermark erreicht. Diese ungeheuren Leistungen sind nicht bewirkt aus der blithenden Wirt- schaft des Jahres 1913, sondern aus der verstopften Wirtschaft des Jahres 1918. Es ist mehr als eine bloße Schätzung, a das deutsche Volksvermögen bis auf die Hälfte verringert wurde. Die

olkszeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.

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um pa siuen Widerstand

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