stand der deutschen Finanzen weitgehendst entgegenzu⸗ kommen und würde es am liebsten sehen, wenn es alle seine Bücher den Revisoren vorlegen, ihnen alle Fragen beant— worten und jede Erleichterung schaffen könnte, damit sie in der Lage sind, einen klaren und genauen Ueberblick über die
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sich nicht dazu aufgescht
Finanzlage zu gewinnen. Die ewigen Drohungen und Ultimaten hätten die Regierung in einen fortgesetzten Kon- flikt mit dem Lande gebracht.
Dank der 1 8 Fehlschläge in dem Versuch der deut⸗ schen Regierung, Hilfe t finden und bank der schrecklichen wirt⸗ schaftlichen Lage, die jetzt den Rand des Abgrundes fast erreicht hat, erhebt, Ne Hermes mit besonderer Betonung aus, eine gefährliche Drohung in unserem Lande ihr Haupt, die aus allen Schichten der Bevöllexung von uns die Kündigung des Friedens⸗ vertrages verlangt. Wir sind weißgeblutet, und ein Teil des Volkes verlangt von uns, daß wix ede weitere Bezahlung ver⸗ weigern sollen. Wir haben den Krieg verloren, wir wollen nicht betrügen und nicht jammern und klagen. Aber man soll uns nicht
ummlen, durch übermäßige Zahlungen Selbstmord zu begehen. Unser ehrlicher, guter Wille und unsere ernsten Anstrengungen, erfüllen, haben unser Elend vergrößert,
11 und Millionen und Abermilllonen Volksgenossen leiden an Entbehrung und Unter⸗ ernährung. Wir verlangen zweierlet: Eine Atempause und die
definitive Gewißheit der Summe, die wir zahlen sollen und die sich innerhalb unserer Zahlungsfähigkeit halten muß. Keine deutsche Regierung kann unterzeichnen, was mehr verlangt, als Deulschland erfüllen kann. Die Annahme höherer Forder⸗ ungen würde ein Betrug sein.— Hermes wiederholte am Schluß, daß wir die Schuldner find, daß wir bankerott sind und daß wir bezahlen wollen.„Aber ich warne die Welt davor, dieser, ob⸗ gleich jetzt schwachen und müden Nation noch einmal einen Schlag ins Gesicht zu versetzen. Den wird sie sich nicht gefallen lassen. Erhält das deutsche Volk noch eine Ohrfeige, dann wird das ge⸗ quälte Volk vom Zorn übermannt werden, wird alle Hemmungen durchbrechen und sich jenseits der Kontrolle jeder Re— gierung stellen.“
Wir verkennen durchaus nicht den Ernst der Lage und wissen, daß es Deutsche gibt. die das denken, was Hermes am Schluß des Interviews gesagt hat. Wir sind aber der Meinung, daß ein verantwortlicher Reichsminister sich nicht zum Fürsprecher solcher wahnwitzigen Ideen machen darf. Oder ist das etwa die„aktive Politik“ des Kabinetts Cuno?
Die feindlichen Brüder.
4 Der Konkurrenzkampf zwischen der neugegründeten Deutsch⸗ völkischen Freiheitspartei und den Deutschnationalen ist in vollem Gange. Der Häuptling der Deutschvölkischen Freiheitspartei, Herr Meinhold Wulle, hat die Führung dieses Kampfes für seine Ge— smmmgsgenossen übernommen und versucht jetzt in der Mecklen⸗ er Warte den ersten entscheibenden Schlag gegen die Deutsch⸗ nalen zu führen, indem er nachweist, warum er sich der Deutsch⸗ schen Freiheitspartei angeschlossen hat. Wulle betont zunächst,
15 er auf Grund seiner völklschen Gesinnung und Betätigung im
l 1920 von der Deutschnationalen Volkspartet Potsdam 11 als Spltzenkanbidat für die Reichstagswahl aufgestellt wurde. Die
Jude e, so betont er weiter, ist aber nicht allein der Inhalt völktse Politik, sondern nur deren selbstverständliche Voraus⸗ setzung. Diese Voraussetzung wird aber nach Wulle von der
Deutschnationalen Volkspartei nicht erfüllt. Mit Schmerz stellt er fest, daß sich die Deutschgationale Fraktion des Reichstages einmal zwet Stunden lang darilber unterhalten habe, ob der Abgeordnete von Braun in einer Etatsrede das Wort Juden gebrauchen soll. Angesehene Führer der Deutschnationalen Volkspartei werden be⸗ schuldigt,„starke jldische Beziehungen“ zu haben, Helfferich lasse feine Biicher im jüdischen Ullstein⸗Verlag erscheinen, bediene sich jüdischer Rechtsanwälte und gelte als Freund des jüdischen Hansa⸗ bundes. Unendlich viele Deutschnationale stehen auf dem Stafud⸗
punkt, daß die Partei nichts gegen die Juden unternehmen darf,
weil diese in England das Heft in der Hand haben und Deutsch⸗ land ohne Englands Hilfe nicht gerettet werden kann. Hergt habe sogar einmal gesagt, er wolle durchaus die anständigen Juden in der Partei haben. Die Herren Schultz⸗Bromberg, Behrens, Helfferich, Hugenberg und Hergt sollen jedesmal, wenn die Deutschvölk schen beantragten, die Juden aus der Partei auszuschließen, mit ihrem (Austritt gedroht haben, falls ein solcher Beschluß gefaßt werde. Wie die Deulschnationale Volkspartei nach Ansicht Mulles nicht bie erste Vorgussetzung jeder völkischen Politik erfüllt, so bestätigt 1 sich auch nicht im Wesen der völkischen Politik, das rücksichts⸗ losen Kampf gegen das ganze neudeutsche System fordert. Die Deutschnationale Volkspartei bezeichnet er als den rechten Flügel der Deutschen Volkspartei. Sie lebt nach einem Wort ihres Vor⸗ sitzenden Hergt nur von den Fehlern ihrer Gegner. In den Ver— sammlungen sagt sie zwar dem heutigen System schärfsten Kampf un, in Wirklichleit bewilligt sie aber jeden nachrevolutionären Etat, auch den Reparationsetat und tresbt so gewissermaßen von henten⸗ herum Erfüllungsyolitik. Wulle ist wütend darüber, daß die Partei wungen hat, zu dem Mittel der Oßstruktion zu greifen; die Arbeiten des Parlaments lahmzulegen und so Neu- wahlen herbeizuführen. Es hat ihm auch nicht gefallen. daß„unge⸗ fähr zur selben Stunde“, als Herr Hergt auf dem Görlitzer Partei⸗ tag“ den rlicksichtslosesten Kampf gegen Herrn Ebert und seine Amts- verlängerung“ ansagte, der deutschnotionale Vizenrässdent Dietrich dem Reichsprästdenten die Glückwünsche zu seiner Amtsverlängerung aussprach, g Soweit Herr Wulle, der den Kamyf gegen die Deutsch nationalen in eifriger Gemeinschaft mit dem berlichtigten Major Henning und Herrn Graese⸗Golbebee führt. Schon ruft das Auftreten dieser ehemals Deutschnationglen eifrigen Protest in deutschnatjonalen Par- teikreisen hervor. Herr Freiherr v. Freytag⸗Loripghonen fordert z. B. in der Deutschen Zeitung den entschiedenen Einspruch gegen die Kompfesweise der Wulle, Henning und Graefe, da ihre Arbeit zu einem„Juscanmenbruch der ganzen, in mühevoller Arbeit aufge- bauten, völklschen Bewegung führen“ könne. Zwar beschwert auch er sich über die schwankende Politik der deutschationglen Partei⸗ leitung, glaubt aber troßdem, daß diese Partei die richtige ist, um bie„übervartesliche“ völkische Bewegung zu beherbergen, und es folsch sel, daß sich belde Parteigruppen jetzt gegenseitig schmähen und als minderwertig herabsetzen. Die Augriffe des Herrn Wulle zelgen daß der Ruf von Frey⸗ tag⸗Loringhoven, sich gegenseitig nicht zu schmähen imd als minder— ö wertig herabzusetzen, zu spät kommt und die Auseinandersetzungen in pollem Gange sind. Dadurch beslätigt sich— um mit Freytag⸗
FVorkughoven zu reden— daß tatsächlich„Neid und polftische Dumm⸗
heit“ sowohl bei den Deutschnationalen, wie bei den Deulschvölki— schen vorherrschend sind. g
Die„Opferwilligkeit“ der Industrie.
Die Schwerindustrie hat noch in jeder kritischen Situation gezeigt, daß es mit ihrer„Opferfreudigkeit“ nicht weit her ist. Auch gegenwärtig nimmt sie zu den schwebenden Reparations⸗ fragen eine Haltung eln, die zu schweren Bedenken Anlaß gibt. Wie die Abstinenz ber deutschen Industrie im Auslande beurteilt wird, zeigt folgender Vericht des Schweizerischen Vankvereins, der sich u. a. mit der Stabilisterung der Reichsmark befaßt. In dem Bericht heißt es u. a.:
„Damit die Stabflisierung der Mark gelingt, muß sie von ganz Deutschland gewünscht und unterstützt werden. Aber wenn sich auch auf der einen Seite Regierung, Bürgertum und andere Volksklassen der Notwendigkeit der Risckkehr zu einer gesunden Währung bewußt find, lle hat es andererseits den Anschein, als ob ein Teil der Industriellen gegenwärtig jeder Maßnahme zur Sta⸗ bilisterung feindlich gesinnt sei.
Ihr hauptsächlichstes Argument besteht darin, daß die Stabilf⸗ sierung die Ausfuhr stillegen, Arbeitslosigkeit hervorrufen und so Anarchte und Hungersnot nach Deutschland bringen würde.
Allerdings könnte ein Versuch, die Mark zu einem höheren Kurse als dem der Kaufkraft der Papiermark im Lande selbst zu stabllisieren, der deutschen Industrie zum Verhängnis werden. Niemand denkt aber an eine solche aussichtslose Maßnahme. Da— gegen steht sest, daß für die normale Entwicklung aller Indust rie⸗ zweige die Rlicklehr zu einem verhältnismäßig gleich bleibenden Wertmaß unerläßslsch ist.
Daß die deutschen Industriellen, deren Guthaben in der Hauptsache in fremden Devisen und in Sachwerten bestehen, aus jeder Markentwertung Nutzen ziehen, da die Lohnsteigerxung ben Kursrückgängen nur zögernd solgt und dle, dank der Abneigung der Deutsschen gegen das eigene Geld gegenwärtig in Deutschland selbst einen beträchtlichen Abgang finden, daß also diese Erwerbs⸗ gruppe die heutigen Verhältnisse als in ihrem Interesse liegend begrüßten, ist leicht begreiflich, namentlich, wenn sie der Meinung find, hierin das Mittel gefunden zu haben, den Wiedergutmachun⸗ gen zu entgehen.
Wenn diese Industriellen glauben follten, daß dieses mo⸗ mentane Interesse sich mit dem Deutschlands deckt, dann täuschen sie sich, denn ein Land von 60 Millionen Einwohnern kann ohne ein verläßliches Wertmaß nicht bestehen.
Sollten sie liberdies im Glauben befangen sein, die anormale Konkurrenz, die sie den Industrien anderer Länder infolge der durch die Markentwertung sich ergebenen billigen Selbstkosten be⸗ reiten, sortführen zu können, so täuschen sie sich ebenfalls, denn Europa wird nicht mehr lange das Opfer eines solchen Dumping sein wollen.“
Hessen und Nachbargebiete.
Gießen und Umgebung.
Geschichtskalender. 8. Jamliar. 1077 Heinrich IV. in Canossa. 1422 Sieg der Hussiten über Kalser Siegmund bel Deutschbrod in
Böhmen.
Galileo Galilei, Entdecker der Pendel⸗ und Fallgesetze, der Sonnenflecken usw., verfolgt von der Inquisition, in Arcetri bei Florenz gestorben.
Der amevilanische Naturforscher Alfred Russel Wallace in Usk geboren.
Aufstand in Göttingen, woran sich Studenten und Blürger be⸗ teiligten.
Uebergabe von Port Arthur an die Japaner.
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1822 1831 1905
Der neue Staatsvorauschlag.
Der Staatsvoranschlag für das Jahr 1923 ist nunmehr zusammengestellt und bis auf einige Kapitel, bezüglich deren noch Verhandlungen schweben, dem Druck übergeben. Hier nach darf angenommen werden, daß der Voranschlag zu An— fang Februar dem Finanzausschuß des Landtags zugehen wird. Die Zahlen sind entsprechend dene gesunkenen Geld— wert gewaltig in die Höhe geschnellt. Der Gesamtbedarf für die laufende Verwaltung stellt sich auf 19½ Milliarden Mark, gegen 1,17 im Vorjahre. Diesem Ausgabebedarf stehen rund 19 Milliarden Mark Einnahmen gegenüber, sodaß sich ein Fehlbetrag von 680 Millionen Mark ergibt. Die Ausgabesumme bedeutet eine 250fache Steigerung des
Vorkriegsbedarfs gegenüber einem inneren Geldent— wertungsfaktor von fast 1000. Bei dieser Betrachtung
brauchte auch der budgetmaßige Fehlbetrag nicht zu er⸗ schrecken, wenn nicht immer wieder mit weiterer Geldent— wertung gerechnet werden müßte. N Die Einnahmen aus den Staatsgütern konnten gegen Vorjahr auf das 20fache, der Nettoüberschuß sogar auf das 27fache gesteigert werden. Dogegen konnten die Steuern nur mit dem 4sachen vorgesehen werden. Andere Ver- waltungseinnahmen konnten im günstigen Falle mit höch⸗ stens dem zehnfachen Betrage des vorhergehenden Vor- anschlages angesetzt werden. Der größte Teil der Einnahmen besteht aus dem Ersatz der Vesoldungserhöhungen durch das in Höhe von 10 Milliarden. Diese Kiffer beleuchtet esonders grell die zunehmende finanzielle Abhängigkeit der Länder(und der Gemeinden) vom Reich.
Die Rechnungsobschlüsse bleiben(im Gegensatz zu früher) dauernd günstig. Wie in den drei vorausgegangenen Jahren, so schließt auch für 1923 die laufende Verwaltungs- rechnung nicht nur ohne Fehlbetrag, sondern mit einem kleinen Ueberschuß von rund 5) Millionen Mark ab. Ein⸗ nahme 814 429 741 Mk., Ausgabe 808 943 829 Mk.) Gegeurevolntionäre S hüler⸗Vereinigung in Hessen.
Auf Grund der Gesetze zum Schutze des Republik sind vom Schulministerium alle gegenrevolutionären Schüler- vereinigungen aa den hessischen Schulen verboten worden, insbesondere auch die Beteiligung der Schüler am Deutsch⸗— völkischen Schutz- und Trutzbund und am Jungdeutschen Orden. Das hat den deutschnationalen Abgeordneten Werner und Kindt Anlaß zu einer Anfrage an die Regierung wegen des Verbots von„Vereinigungen zur Pflege des Deutschen Voltstums an den Schulen“ gegeben. Das Landesamt für das Vildungswesen hat hierauf dem Präsidenten des Land- tags eine Antwort zugehen lassen, in der es u. a. heißt:
Es wörde.... zu keinem Verbot gekommen sein, wenn sich diese Vereinigungen darauf beschränkt hätten, in einem solchen idealen Sinne zu wirken. Indem diese Vereinig— ungen ber, abseits von diesen Zielen, mehr oder weniger Tendenzen in den Vordergrund stellten, die, im Sinne der Ziffer 5 der von dem Landtag ausdrücklich gebilligten Ver- ordnung des Gesamtministeriums vom 26. August 1922 über das Verhältnis der Schulen zum republikanischen Staat, sich zum Teil gegen den Staat und die geltende Staatsform richteten. zum Teil Glieder der deutschen Volksgemeinschaft ihres Abkommens und ihres Glaubens wegen bekämpfen, mußten wir die Beteiligung von Schülern und Schülerinnen an ihnen verbieten.
Die Anfrage der Röogeordneten De. Wernes und Geunossen glaubt die verbotenen Lereinlgungen vergleichen zu könneg m parteipolitischen und konsessionellen Vereinigungen. Es wird torbei übersehen, daß Mireinigungen auf partzinelitischer Grund- lage, wie auch konfesstonelle Ver-insgungen an sich nicht verboten ind. Taß in den Schulen sitdssh⸗völtishe Vereinigungen bes stehen, auf die die Ziffer 5 der Verordnung vom 26. August 1922 zuträse, ist uns bis jetzt nicht ekangt geworben; soweit sie rein konsessionellen Charakter haben, können sie selhbstverständlich nicht verbolen werden, so weng wie bie protestantischen ader katholi— schen Jugendbewegungen. Wenn. sich u verbotenen Vereint
das
gungen lediglich auf Standpunkt des chrullcen vetenntussses gestellt hätten, würde der Ausschluß Andersgläubsger auch nicht zu beanstanden sein. Daß sie aber unter Voranstellung vatetländi⸗ scher Ziele und unter Betonung ihres nationalen Charakters einer ganzen Gruppe der deutschen Volksgenossen nicht nur ben Bei⸗ tritt verwehren, sondern auch die Jugend zu deren mißächtlichen Behandlung erziehen, macht sie zu einem störenden Element im Leben der Nation, dem Erwachsene gus eigener Verantwortung angehören mögen; Schülern und Schlllertnnen aber kann die Zu⸗ gehörigleit schon um deswtillen nicht gestattet werden, weil dlese Bestrebungen im offenen Witerstreit zu den Aufgaben stehen, die
die deutsche Schule zur Erziehung der Jugend im staatsbilrger⸗ lichen Sinne und in der Pflege der Einhelt des beutschen Volls⸗
gebdanlens zu erfüllen hat.
Im übrigen wollten wir bemerken, daß wir auch die Zugehörigkeit oon Schülern und Schülerinnen in nicht wahlsähigem Alter zu den Jugendgruppen der politischen Parteien pädagogisch nicht für vorteilhaft halten und uns mit dem Gedanken tragen, den Schülern und Schülerinnen die Zugehörigkeit zu den Jugendgruppen aller Parteien zu untersagen Die Frage soll jedoch erst im Reichsschulaus⸗ schuß erörtert werden. In den am 19. Juli von den Ver⸗ tretern der Länder beschlossenen„Richtlinien für die Mit⸗ wirkung der Schulen und Hochschulen zum Schutze der Republik“ heißt es:
Unvereinbar mit dem Geiste staatsbürgerlicher Erziehung ist jede Breinflussung der Schüler in parteipolitischem Sinne, wie überhaupt die Fernhaltung der Parteipolltik von der Schule eine Selbstverständlichkeit ist. Dazu ist notwendig, daß die Schüler
von Vereinigungen ausgeschlossen bleiben, deren Absichten den staatsbürgerlichen Aufgaben der Schule zuwiderlattfen. Die
Schulverwaltungen werden daher dem Vexeinsleben der Schliler erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen, insbesondere auch geeignete Maßnahmen zur Verhinderung derartiger Vereinigungen zu er⸗ greifen haben.
Die gestellten Fragen beantworten wir wie folgt:
Das Verbot des deutsch-völkischen Schutz- und Trutz⸗ bundes gründet sich auf die Auflösung dieses Bundes durch das Ministerium des Innern.
Für das Verbot des Jungdeutschen Ordens ist das durch. die Presse bekannt gewordene preußische Material maß- gebend gewesen. Wenn dieses Material auch das Mini⸗ sterium des Innern nicht zu einer Auflösung der hessischen Ortsgruppen veranlassen konnte, so können wir doch eine Mitgliedschaft von Schülern und Schülerinnen bei dem überstaatlichen Charakter dieser Organisation und der damit verbundenen Gefahr, daß die in Preußen bekundeten Ge⸗ sinnungen auch Eingang in die hessischen Organisationen finden, nicht dulden. Dic übrigen Vereinigungen sind wegen ihrer bei verschiedenen Anlässen festgestellten antisemitischen und anderen der Verordnung vom 26. August 1922 wider⸗ sprechenden Bestrebungen(Lich. Laubach, Butzbach, Bens⸗ heim, Nidda) verboten worden.
Wir sehen keine Veranlassung, die erfolgten Verbote wieder aufzuheben. Im Uebrigen verweisen wir auf das vorher Gesagte.
Aus den städtischen Betrieben. Die Wasserver⸗ sorgung läßt in unserer Stadt nichts zu wünschen übrig. Wir haben reichlich Wasser, selbst in den sehr trockenen Monaten, die in den letzten Jahren zu verzeichnen waren, wo in vielen Orten Wassermangel eintrat, versorgten uns unsere Queckborner Quellen ausreichend. Es konnte sogar an den Nachbarort Wiseck noch abgegeben werden. Ein Glück, daß noch kurz vor dem Kriege eine neue Leitung ge- legt wurde, wodurch die Wasserversorgung auf viele Jahre hinaus sichergestellt wird. Unser Leitungswasser ist auch von guter Qualität, was durch regelmäßige analgtische Untersuchungen festgestellt wird. Im ganzen förderten die Quellen in Oueckborn 2 736 600 Kubikmeter Wasser, wobei 156 600 Kubikmeter Zulauf aus den Stollenanlagen mit ein⸗ gerechnet sind. Die Länge des Gesamtrohrnetzes beträgt 103 794 Meter, davon entfallen auf das Ortsnetz in Gießen 52 139 Meter, auf das in Queckborn, welcher Ort mit ver⸗ sorgt werden muß, 8020 Meter. Die Zubringerleitung um⸗ faßt 48636 Meter. Größter Durchmesser der Leitung ist 400 Millimeter, geringster 80 Millimeter. In der Stadt sind 2750 Wassermesser aufgestellt.— Die höchste Tages⸗ abgabe an Wasser wurde am 2. Juni 1922 erreicht mit 9861 Kubikmeter, am geringsten war sie am 17. September mit 4532 Kubikmeter. Das Wasserwerk rechnet im vergangenen Jahre mit einem Ueberschuß von ungefähr fünfviertel Mil- lionen Mark, es erhält sich also selber, was auch verlangt. werden muß.
—„Offener Brief an Professor Dr. Schian“. Ver⸗ fasser des in Nr. 2 und 3 unseres Blattes zum Abdruck ge- brachten„offenen Briefes“ ist natürlich Prof Otto Weiß gerber dessen Namensunterschrift versehentlich wegge⸗ geblieben ist. Doch dürfte ein Zweifel über die Verfasserschaft bei unsern Lesern kaum bestanden haben, da wir kurz vorher Veröffentlichungen über die gleiche Angelegenheit von Weiß gerber brachten..
— Oberhessisches Museum und Gail'sche Sammlungen. Die vorgeschichlliche Abteilung ist Herrn Architekt Klein in Treis an der Lumda zu Dank verpflichtet für gütigen Hinweis auf neuere Funde diluvlaler Tierknochen in einem Quarzitbruch am Todten⸗ berg, der schon früher als Fundstelle bekannt war. Vor allem aher ist, um ihrer siedlungsgeschicktlichen Bedeutung willen, wichtig die ebenfalls Herrn Klein verdankte Mittelluna von Scherbenfunden an der slͤdlichen« Taloberkante der Lumda„im Rohr“. nahe dem Wasserbehälter; eine Vesichtigung der Stelle ergab. was schon die Art der Scherben vermuten ließ, daß hier eine vorgeschichtlsche. vielleicht steinzeitliche Wohrstätte festgestellt kst. Eine Ausgrabung. die sich auch auf die im nahen Wald gelegenen Hünengräber zu erstrecken hätte, für die aber dem Museum zur Zeit keine Mittel zur Verfügung stehen. ließe wissenschaftliche Ergebnisse erhoffen. die nicht nur für die Vorzeit des Lumdalgles von Bedeutung wären.— Steinzeitliche Scherben werden auch dem schon mehrfach bewährten Interesse und der Findigkeit des derrn Pein in Nieder⸗Bessingen verdankt: durch sie ist auf den„Fuß⸗ äckern“ eine Siedlung nachgewiesen, die auf das um 3000 vor Chr. Geb. von den unteren Donauländern aus Mitteleuropa über⸗ schwemmende Volk ber sogenannten„Vandkeramiter“ zurilckgebt: es ist die dem Vogelsberg nächstgelegene Wohnstätte diefer Kultur. die bisher bekannt geworden ist.— Wenn überall mit gleicher Sorgfalt auf die oft unscheinbaren Bodenfunde geachtet würde. wären ungeahnte Aufschlüsse über die Vorgeschichte Oberbessens zu erwarten.— Der freundlichen Vermittlung des Herrn 1 wird auch das hoch anzuerkennende Geschenk des Herrn Jakob Junker in Min ster verdankt, der einen so gut wie sicher aus der Umoebung von Geilshausen stammenden kleinen romauf⸗ schen Bronzekruzisxus als äußerst willkommene Bereicherung der kirchlichen Abteilung des Museums überwiesen.— Ueber weitere
daukenswerte Gescheute. durch die auch die üb rigen Abteflungen ev⸗


