8 Opfer fallen wollen. Alles versucht jetzt, die Ware in Gebiets⸗ teilen zu verkaufen, die bisher noch nicht unter dem Terror soge⸗ nannter Kontrollausschüsse gestanden haben. Aus der Kölner Gegend wird z. B. berichtet, daß dort aus Dortmund, Essen, 8 Witten und anderen Orten kommende Landleute angehalten wer⸗ . den, die ihre Waren nach dem Kölner Wochenmarkt bringen wollen. 5 Diese Zustände bilden natürlich eine Gefahr für die Aufrecht⸗ erhaltung der Ruhe und Ordnung. Es muß deshalb erneut die For⸗ derung ausnahmsweise Behandlung des Ruhrgebiets durch die 5 Berliner Zentralinstanzen erhoben werden. Uns scheint, daß die f jetzt ernent auftauchende unheilvolle Entwicklung nur dann einge⸗ dämmt werden kann, wenn im wesentlichen die Verpflegung des — 2 zentral von der Grenze der besetzten Bezirke aus ge⸗ regelt wird. 5
Die Beschlagnahme der Ruhrmittellinie.
Die Beschlagnahme der Mittellinie ist vollzogen. Die Stadt Gelsenkirchen gleicht in der Gegend des Rathauses und des Bahn⸗ i hofes einem großen Heerlager. Besetzt sind die Bahnhöfe Altenessen, 5 Katernberg,* Gelsenkirchen und Wanne. Ferner wurde besetzt die Hafenbahn von den Hochöfen der Gelsenkirchener Bergwerks⸗A.⸗G. f nach dem Hafen des Rhein⸗Herne⸗Kanals, außerdem der Bahnhof Riemke bei Bochum. Die West⸗Oststrecke Bochum⸗Dortmund ist heute noch frei. Der Eisenbahnverkehr im eigentlichen Industriegebiet ist jedoch völlig lahmgelegt. Ein Verlassen des Ruhrgebiets mit des 5 Bahn ist außer der Strecke Bismarck⸗Dorsten unmöglich. Die Ver⸗ 5 ierigkeiten mehren sich und wirken ungünstig auf die Lebens⸗ mittelversorgung. 5 0 Festzustellen ist weiter, daß die Franzosen augenblicklich ihre 5 Truppen aus den Landorten zurückziehen und in die Großstädte Dort⸗ mund, Gelsenkirchen und Bochum legen. In Wanne sind die Zechen unser Fritz“ und„Pluto“ neu besetzt; die Bergarbester traten in einen 48stündigen Proteststreik. Ein Kind von einem Posten erschossen. Dienstag vormittag wurde auf den von den Franzosen gesperr⸗ ten Rheinwiesen zwischen dem Düsseldorfer Hafen und dem Vororte der Schüler Hans Hermes erschossen, der mit zwei anderen Kir dort spielte. Ein Posten wies die Kinder fort, holte aus der Halle sein Gewehr, lud es vor den Augen der arglosen Kinder und se kleinen Hermes auf 3 Meter Entfernung durch die
e
1 Eine katastrophale Sprengung. Bei Lintorf erfolgte abermals eine große Sprengung eines Eisen⸗ bahndammes. Soviel bis jetzt bekannt ist, sind 60 Güterwagen und
eine Lokomotive zertrümmert worden. 8
15 Erwerblosengelder geraubt.
IJIn Buer beschlagnahmte die Besatzungsbehörde den gesamten Kassenbestand der Stadtkasse in Höhe von 44 Millionen Mark, die zur Auszahln um die Beitreibung der Geldstrafe wegen der Brückensprengung handelt, wurde nicht angegeben.
Politische Uebersicht. 0 5 Steuern und Geltentwertung.
15 Das Reichsfinanzministerium hat neuerdings eine Reihe von Gesetzentwürfen ausgearbeitet, deren Zweck ist, die Wirkungen der einzelnen Steuergesetze dem gesunkenen Geldwert anzupassen. So liegt dem Reichstag seit einiger Zeit ein dahingehender Entwurf zum Biersteuergesetz vor. 75 Beratung dieses Entwurfs im Steuerausschuß ist aber aauf Antrag der Sozialdemokratie solange zurückgestellt wor⸗ den, bis auch die entsprechenden Entwürfe für die anderen indirekten Steuern eingebracht sinh, damit die Beschluß⸗ fassung sich einheitlich auf das gesamte Gebiet der indirekten Steuern beziehen kann. Nunmehr sind auch die Arbeiten wegen der anderen Verbrauchsteuern im Reichsfinanzmini⸗ sterium abgeschlossen. Es werden folgende Entwürfe dem Reichsrat vorgelegt:
0 1. Die Zuckersteuer. Da in der geltenden Novelle zum Zuckersteuergesetz vom 8. 4. 22 der Zucker auf der Preis⸗ basis von 2000 Mk. für den Doppelzentner mit einem Satz
von 2,5 Prozent belastet wurde, der Marktpreis seit einiger
Zeit aber bereits 200 000 Mk. überschritten hat, so betrug
die Steuerbelastung in der letzten Zeit nur ein Vierzigstel
bis ein Sechzigstel der geltenden Markt⸗ bezw. Klein⸗ handelspreise. Die Vorlage will nun den Doppelzentner
Stärkezucker mit 12 000 Mk., andern Zucker mit 30 000 Mk.
belegen.
2. Die Salzsteuer soll grundlegend geändert wer⸗
0 den. Erstens sollen die Befreiungen von der Salzabgabe
ffortfallen, zweitens soll die Steueraufsicht vereinfacht und drittens die Steuer erhöht werden. Die Salzsteuer wird
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ung an Erwerbslose bestimmt waren. Ob es sich dabei
2
Friedenspreis von 20 Pfg. für 1 Kilogramm 60 Prozent
aus, so macht das bei einem jetzt etwa geltenden Preise von 120 Mk. nur noch 1 v. T. aus. Nach dem Entwurf soll nun⸗ mehr 10 Mk. von einem Kilogramm erhoben werden.
3. Die Mineralwassersteuer. Auch hier wer⸗ den bis jetzt niedrige Steuerbeträge erhoben, beispielsweise für eine Flasche Selterswasser oder Limonade 3,57 bezw. 7,5 Pfg. Es soll nunmehr erhoben werden: für Mineral⸗ wafser 10 Mk., für Limonade und andere künstlich bereitete Getränke 20 Mk., für konzentrierte Kunstlimonade 200 Mk., für Grundstoffe zur Herstellung konzentrierter Kunst⸗ limonade 4000 Mk. für das Liter. Gleichzeitig soll der Reichsfinanzminister ermächtigt werden, mit Zustimmung des Reichsrats die Steuer zu erhöhen oder zu ermäßigen.
4. Die Zündwarensteuer, die zurzeit die Zünd⸗ hölzer mit etwa 0,09 oder 0,7 v. H. belastet, soll nach dem Entwurf auf 20 Prozent erhöht werden. 1
5. Die Spielkartensteuer. Die Vorlage will ungefähr den Stand vom 10. 9. 19, dem Datum des bisher geltenden Gesetzes, wiederherstellen. Wenn damals 2 Mark für ein Kartenspiel erhoben wurden, was einer Belastung von etwa 100 Prozent entsprach, so soll nunmehr bei einem Herstellungspreis von 875 Mk. 500 Mk. Steuer erhoben werden. Eine veränderliche Wertsteuer einzuführen, wird aus steuertechnischen Gründen im Entwurf für nicht durch⸗ führbar gehalten. N
Für die Sozialdemokratie ist die Frage der Erhöhung der indirekten Steuern eine politische. Sie kann nicht ge⸗ trennt werden von der allgemeinen Forderung, das ganze Steuersystem den neuen Geldoerhältnissen anzupassen. Die veranlagte Einkommen⸗ und Vermögenssteuer ergibt Steuer⸗ beträge, die an dem Tage, an dem sie gezahlt werden, nur noch einen Bruchteil von dem ausmachen, was bei sofortiger Anwendung des Gesetzes am Steuerstichtage zu zahlen ge⸗ wesen wäre. Bevor diese Uebelstände nicht beseitigt sind, kann einer Erhöhung der Verbrauchssteuern nicht zuge⸗ stimmt werden, die den Massenkonsum belasten.
* g. Die Erwerbslosen⸗Unterstützung. Wie die Hamburger staatliche Pressestelle mitteilt, ist soeben bekannt geworden, daß wahrscheinlich schon heute der Reichsrat über eine von der Reichsregierung beantragte Erhöhung der Sätze der
Erwerbslosenunterstützung beraten wird. Der Hamburgische Senat
hat seinen Bevollmächtigten beim Reichsrat angewiesen, für eine ganz erhebliche Heraufsetzung der Unterstützungssätze einzutreten; auch da⸗ für, daß vermöge einer wesentlichen Vereinfachung des Verfahrens bei Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung die Sätze künftig der Teuerung schnell folgen sollten, hat sich der Senat bei der Neichs⸗ regierung mündlich und schriftlich verwandt. Auch die hessische Re⸗ gierung hat durch ihren Staatspräsidenten, der persönlich in Berlin an wesend war, ernsteste Vorstellungen über die dringende Nolwendig⸗ keit um schleunige und ausreichende Erhöhung der Unterstützungssätze in Berlin erheben lassen.“ Die Angelegenheit beschäftigt gegenwärtig den Vorläufigen Reichswirtschaftsrat, dessen Arbeitsausschuß sich be⸗
reits mit dieser Frage befaßt bat,
Die soziale Flut im Steigen. Tumulte in Leipzig.
Im Anschluß an Demonstrationen von Erwerbslosen im Palmengarten zu Leipzig und auf dem Reichsgerichtsplatz ist es am Montag zu Tumulten gekommen, nachdem eine Deputation der Erwerbslosen beim Rat der Stadt wegen der Erhöhung der Unterstützungssätze vorstellig geworden war. Dann gingen die Demonstranten zum Teil ausein⸗ ander. Bald darauf versammelten sich auf den Straßen einzelne Trupps. Gegen 2 Uhr nachmittags bewegte sich der Zug von Demonstranten um die äußere Promenade zum Augustusplatz nach dem Kaffee Felsche. Die Veranda wurde zerstört und die Tische und Stühle wurden in die großen Spiegelscheiben geworfen. Die anwesenden Gäste konnten rechtzeitig flüchten, so daß Verletzungen von Personen nicht vorgekommen sind. Später rückte ein starkes Polizeiaufge⸗ bot an, das das Kaffee absperrte.
Auch an anderen Stellen der Stadt machten sich ein⸗ zelne Trupps von Erwerbslosen bemerkbar, namentlich in der Peters⸗ und Grimmaischen Straße. Vor dem Mode⸗ haus Steckner kam es zu einem Zusammenstoß mit
bureau begründet diesen Ausstand mit der Ablehnung
am Bruehl sind am Nachmittag geschlossen. Vor den gre Lokalen der äußeren Stadt stehen Posten des proleta⸗ Selbstschutzes. Die Polizei ist in Alarmbereitschaft, d eine Wiederholung der Tumulte am Abend befürch 9 Im Ruhrgebiet. 0 Der Metallarbeiterstreik wird in Remscheid in u änderter Form weitergeführt. Am Montag beschloß Stadtverordnetenversammlung, alle verfügbaren mittel unter Kontrolle des Wohlfahrtsamtes Ferner wurde mit Rücksicht auf die Folgen des A der Metallarbeiter ein unbeschränkter Kredit zur N der größten Not bewilligt. Es ist zu befürchten, Streikenden in Kürze auch die Notstandsarbeiten ei Auch im Bezirk Hagen dauert der Generalstre Metallarbeiter an. In Haspe kam es am Dienste mittag zu Zusammenstößen zwischen der Schutzpol streikenden Arbeitern, weil die Schupo versuchte, e Streikposten zu vertreiben bezw. zu verhaften. Die polizei machte von den Gewehrkolben Gebrauch.
Der schlesische Landarbeiterstreik.
Seit Montag steht ein großer Teil der schlesischen Land. arbeiter im Streik. Das„zuverlässige“ halbamtliche Wolf
Arbeitgeber⸗Organisationen, lokale Lohnverhandlungen führen, weil angeblich am 4. Juni in Berlin Besprech mit den Spitzenorganisationen beginnen sollten. falsch! In Wirklichkeit haben keine Verhandlungen Berlin stattgefunden. Der eigentliche Grund zum Aus ist folgender: Während die landwirtschaftlichen P fortgesetzt erhöht werden, haben die schlesischen Landarb seit Februar d. J. keine Lohnerhöhungen mehr erhalten. Teil der Arbeitgeber, besonders die Arbeitgeber im Striegau, waren bereit, Vorschußzahlungen von 300 50 000 Mark zu leisten, die nicht zurückgezahlt sollten. In der Zentrale des Arbeitgeberverbande Schlesien war man darüber anderer Meinung. Darum der Streik ausgebrochen. Er wäre zu vermeiden gew wenn der Arbeitgeberverband den Verhältnissen Rech getragen hätte. 5 5 a Die soziale Unrast, die im Ruhrgebiet zu den beklag werten Zusammenstößen geführt hat, beschränkt sich kei wegs etwa nur auf dieses besonders leidende Indu gebiet, sie breitet sich über das ganze Land aus. Es mi die ärgsten Konflikte und Tumulte unausbleiblich wenn den Massen nicht geholfen wird, sofort geho Während man in Newyork Klage führt, daß ein qualifi Arbeiter täglich 12 Dollaz verdient, wird der bestbeze deutsche Arbeiter mit-höchstens 2 Dollar in der Woche speist. Das Gespenst der großen Ziffern hält die An massen direkt davon ab, das zu fordern. was sie un gebrauchen. Die mannigfachen Meldungen, die aus dem Ruhrgebiet, Kiel, Sachsen usw. vorliegen, sind ein kleiner Ausschnitt aus dem Bilde steigender Not steigenden Elends, gegen das alle Kräfte mobilisiert we müssen. Das deutsche Unternehmertum, das vielerort immer noch zu glauben scheint, sofortige Abhilfe hint Formalitäten verschieben zu können, lädt eine gefähr Verantwortung auf sich. Längst überholt ist heute lich die jetzt ausgegebene neue Reichsinderziffer, über Wolffs Bureau berichtet:—— f „Nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts die Kei nden ere 5. edebenshe eee 1(Er 405 Heizung, Beleuchtung, Wohnung und Pate ene im Dur Mai 3846(191/14 1) gegenüber 2954 im April. Die Gade sonach im Vergleich zu der verhältnismäßig ruhigen f dex Vormonate ein stärkeres Anziehen um 29,2 Proz. Die zlffer ohne die Bekleidungskosten ist um 27,4 Proz, auf 35 stiegen. Die Ernährungskosten haben sich gelender 711 32,0 Proz. auf das 4620fache, die Bekleidungskosten um 30,9 auf das 5724fache der Vorkriegszeit erhöht. 5 Die neue Preiswelle hat in mehr oder minder starkem alle Berichtsstädte exsaßt. Die vorstehenden Zahlen, Stand der Teuerung für den Durchschnitt des abgelaufenen
nats wiedergeben, sind unter dem Druck der weiteren Mar schlechterung zurzeit wesentlich überholt“
Der Deserteur.
Roman von Robert Buchanan. .(Schluß)
. Der Schläfer bewegt sich im Schlaf und lächelt; o dieses KdLaächeln, es entwaffnet dich vollends! Du bist nicht aus dem Stoffe gebildet, aus dem Meuchelmörder gemacht werden. Obgleich dein Hirn vom Wahnsinn getrübt ist, wohnt in 6 deinem Herzen die Liebe. Du kamst hierher, um zu morden, aher du kannst es nicht, ja, du bringst es nicht einmal über dich, dieses gebrechliche Menschenkind zu hassen..
Das Messer blitzt nicht mehr in seiner Hand, mit nack⸗ ten Füßen schleicht sich der Mann zum Fenster. Einen Augenblick bleibt er zitternd stehen, wie jemand, den man eben bei den Haaren aus dem Wasser gezogen; dann zieht er rasch den Vorhang zurück, stößt das Fenster auf und ver— schwindet in der Dunkelheit⸗
Draußen wird es plötzlich laut. Schritte Schuß kracht, dann wird es wieder still. Der lautlos, wie er gekommen, verschwunden. Mittlerweile ist der Schläfer erwacht und aufgesprungen. Er blickt zitternd in dem Gemach umher. Zu seinen Füßen blitzt das große Weidmesser, aber er sieht es nicht und ahnt nicht welcher Gefahr er eben entronnen. Sein besorgtes Gefolge sieht das Fenster offen und begreift nicht, Hand es geöffnet; der Held von hundert Schlachten erbebt, denn er ist abergläubisch und findet für dieses Rätsel keine Erklarung. 5 Aber nun heißt's die Pferde besteigen. Er hat zu lange a Trommeln und Trompeten erschallen, sein schwerer
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ertönen, ein Mann ist
Reisewagen rollt durch die Dämmerung. Dicht vor ihm erhebt sich seinen Glückstern verdunkelnd, der blutrote Schatten— Water lool
wessen⸗
Epilog. a Ein Jahr ist verstrichen. Der Ginster steht in vollster Blüte, die Seevögel sind aus dem Süden heimgekehrt,
goldene Aehren wiegen sich im Zephyr, die Lerche erhebt sich hoch in die Lüfte und läßt ihren schmetternden Gesang er⸗ lönen, das Meer ist ruhig, jeder Fels spiegelt sich in seinen Fluten, zahllose Fischerbote gleiten, ihre Netze auswerfend, darüber hin. Es ist der Jahrestag der großen Schlacht, welche das Schicksal Bonapartes entschied.
Auf dem Gipfel jener Klippe, von welcher man die Kathedrale des heiligen Gildas überblicken kann, sitzt ein Pärchen; Möwen flattern über ihren Köpfen und tief unten zu ihren Füßen glitzert das unendliche Meer. Ein wolken⸗ loser Himmel wölbt sich über ihnen.
Die eine Gestalt, hoch und hager, sitzt bewegungslos wie eine Statue und starrt mit schwermütigen großen Augen seewärts; graue Locken umwallen das Löwenhaupt— Angst, Kummer und Sorgen haben mit ehernem Griffel Furchen in das einst so sorglose Antlitz geschrieben. Dicht an ihn ge⸗ schmiegt, kauert ein schönes junges Weib, die Hand des Mannes in der ihrigen haltend und besorgt zu ihm empor blickend. Das dunkle Gewand und die safranfarbige Haube deuten darauf hin, daß sie um einen Toten trauert.
Tagtäglich suchen diese beiden das stille Plätzchen auf und sitzen stundenlang dort, die Ruhe und den Frieden der Natur genießend. Tagtäglich beobachtet das Mädchen ängst⸗ lich das langsame Verschwinden der Wolke, welche die Seele ihres Gefährten verdüstert. Er scheint, sie weiß nicht wieso, Trost darin zu finden, Hand in Hand mit ihr hier zu weilen und das Meer zu beobachten. Seine Augen blickten, wie geistesabwesend, aber ein seltsames geistiges Licht flackert in ihrer Tiefe. 0.
„Marcelle!“ flüstert er plötzlich.
„Ja, Rohan!“
starrt. Er ist allein, sein Antlitz ist so bleich, wie damals,
—
„Wenn man dort weit hinaussegeln, segeln und se könnte, käme man vielleicht bis zu dem Felsen, wo er N Manchmal sehe ich ihn ganz deutlich wie er übers Meer
als ich es sah, ehe die große Schlacht geschlagen wurde!“ „Lieber, einziger Rohan, von wem sprichst Du?“ Marcelle, zärtlich besorgt. Tränen schimmern in ihre traurigen Augen. 2 g 1 Er lächelt still vor sich hin, ohne zu antworten. S
Worte sind ihr unverständlich. Seit jenem Tage, da e wonatelanger Abwesenheit als vollständig gebro Mensch heimkehrte, spricht er oft ganz merkwürdige — von wilden Schlachten, dem Kaiser und seltsamen Be nungen; aber ihr dünken es Bilder seines verwir Geistes. Mit zärtlicher Geduld pflegt sie den Unglücklich der von Tag zu Tag ruhiger und sanfter wird, bis sie f wie ein folgsames Kind leiten kann. Sie hofft, daß sich Tages die Wolke, die sein Hirn verdüstert, vollständig wird, und ihre Hoffnung scheint sich erfüllen zu wolle Er schweigt noch immer und blickt sinnend seewö Hinter ihm erhebt sich der große Menhir, weiter unten man Kromlaix. Die Sonne beleuchtet das idyllische und küßt den Scheitel des schönen Weibchens, das si Zärtlichkeit an Rohan schmiegt. Noch ift nicht alles loren; seit seiner Rückkehr ist ihre Liehe wieder gewg und sie bleibt ihm treu und ergeben bis in den Tod Venn er von jenem spricht, der dort drüben übe großen Wasser sein Dasein beschließt, tobt er nicht Weit drüben, unter einem einsamen Palmbaum andere Gestalt, sinnend, wartend, verzweifelnd und Blice sehnfüchtig über das Wasser schweifen lassend, das tief und traurig ist wie die Gewässer der Ewigkeit, 5 ebenso unergrnüdlich.— 5 3


