ion: Gießen
Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.
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die Oberb. Volkszeitung erscheint jeden W. ittag in Gießen 5 5 9 9 1105 97 c„Das Biag bes er n 05 8 ee enwalssbck N monatlich 5500.— Mk. einschl. Bringerlohn.
a Vergntwortlicher Redakteur F. Vetters. 93 Jür den Inseralenteil verantwortlich: R. Strohwig. 8 191 1 0 von F aber& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M.
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k. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 220M Nr. 127
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Gießen, Donnerstag, den 7. Juni 1923
Der Münchener Hochverrats⸗Progef.
Nationale Hohverriter als Sölplinge der Franzosen.
Unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Neithardt b 8 t bega
n Montag vor dem Münchener Volksgericht der eee ogeß gegen Fuchs⸗Machhaus und Genosssen. Die luklage führt Staatsanwalt Kellner. Unter den Beisttzern befindet ih auch der Landesgerichtsrat Haß, der bekannte Vorsitzende aus n Prozessen gegen Leoprechting und Fechenbach. Kurz vor Er⸗ Ifnung der Verhandlungen wird bekannt, daß sich der 24jährige auptangeklagte Machhaus in der Nacht zum Sonntag auf Mon⸗ 19 in seiner Zelle erhängt hat. Es ist somit nach dem früher 6 folgten Selbstmorde des Rechtsrates Dr. Kühls der zweite, der 9 seinen irdischen Richtern entzogen hat. Angeklagt sind außer u 2 Haupttätern Fuchs und Machhaus der tschechische Staats⸗ rger Munk, der 27jährige Kaufmann Berger und zwei Brüder gutermann. Als Zeugen sind vorläufig 28 Personen geladen, runter als Hauptzeugen 4 ehemalige Offiziere, die heute als iter von sogenannten„Vaterländischen Organisationen“ bekannt 15 3 an der Aufdeckung der Verschwörung den Hauptanteil Die Verhandlung begann mit der Verlesung der Anklageschrift urch den Staatsanwalt. Daraus geht hervor, daß die Umtriebe und Machhaus bereits im Sommer 1920 begonnen haben d im November bezw. Dezember v. Is. lebhafter fortgesetzt urden, um mit Beginn der Ruhraktion ihren Höhepunkt zu er⸗ chen. Zweck der Bewegung war, einen Umsturz in München mit Im Ziel herbeizuführen, Süddeutschland dauernd vom Reiche zu trennen,
die Schaffung einer Monarchie nebensächlich und ein 1 an die bayerische Volks⸗ msturz
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chen Regentschafts⸗ dates in Aussicht genommen. Richert, der französische Gene⸗ 4 soffizier und Sendbote der französischen Regierung, kam auf nchen, bei dem persönlich anwesend daß der Um⸗
f sonderes ach imsturz, der in diesen Tagen erfolgen sollte,
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aarbrüchen unternommen ha Funk bestand darin, daß er ohlen⸗Importgesellschast“. teil hat, eine Verbindung mit hren sollte, um deren Hilfe für den Umsturz zu sichern. brigen Angeklagten hatten die besondere Aufgabe, bei einfluß⸗ beichen Leuten bewaffneter Geheimorganisationen deren Mithilfe In Umsturz zu sichern.. 45 Nach der Verlesung der Anklage beantragte der Verteidiger s Fuchs, Graf Pestalozza, Aussetzung der Verhandlung gegen Juchs, da das Volksgericht nicht zuständig sei für Hochverratsver⸗ 1 die sich gegen das Reich richten. Das Verfahren gegen ö dem Staatsgerichtshof eingeleitet werden. Das
zuchs müsse vor ö ö ese urzer Beratung, dem Antrag keine ae de 1 Verhör des Hauptangeklagten
8 Hierauf begann das s He las b 155 15sec 5 Lebenslauf eine vollständig unpolitische fle sönlichkeit nannte, da er nach Vorbildung und Können nur auf imstlerischem und literarischem Gebiet tätig gewesen sei, und zwar, sie er behauptet, mit größerem Erfolge. Seine fetzige politische etätigung sei ausschließlich von der Auffassung ausgegangen, daß rote Gefahr von Mitteldeutschland und die offtziellen Machen⸗ haften von Moskau den Untergang Deutschlands herbeiführen bürden. Deswegen habe er den Plan verfolgt, ber die bayerische Reichswehr die bewaffnete bayerische Geheim⸗ 5 organisation 1 3 6 n diese rote Gefahr vollständig gefeit zu sein. Ole siiraghe der e gegen eine solche Betätigung der Reichs⸗ ehr sollte eben durch die Verhandlungen 1 e herden. Richert war auch befriedigt von en 5 10 15 5 behauptete, daß er sie dem Reichs wehr⸗ a 1 chemaligen General im Reichswehr⸗ 1
f ine aus⸗ mmat II München eingehend vorgetragen und se 5 1 bee en habe. In seiner Verteidigung be⸗ lauptet der Angeklagte ferner, daß er damals 115 mit dem Kronprinzen Rupprecht in intimen. e and i sicht ändig orientiert gewesen sei. ind über dessen nsichten vollstän 1 1 ich 21 1 der Betätigung Ludendorffs ö e e Rupprech gegenübergestanden. Fuchs gesteht, vom Juli 1922 1 1 2 ir seine Zwe 1 Millionen Mark für sei en Hauptteil hiervon hat Richert geliefert. Den ersten Scheck von t will er„im Auftrage eines Deutsch Etwa 85 Millionen soll Mach hau
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des Bolschewismus.
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1 von C Vertrauten des a verweigerte der Angeklagte die Auskunft.
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Entspannung?
Mit Rücksicht auf die am Mittwoch in Brlilssel beginnenden Ver⸗ handlungen zwischen der französischen und belgischen Regierung wird das Ergänzungsangebot der Reichsregierung zu der letzten deutschen Note an die alliierten Mächte erst
am Donnerstag
übereicht. Die Note stimmt inhaltlich mit dem überein, was wir be⸗ reits mitgeteilt haben. Darüber hinaus vermeidet sie jede polemische Form und schließt die Behandlung aller politischen Streitfragen aus. Dennoch aber hat in erster Linie
die Reichsregierung für den Inhalt der neuen Note die N Verantwortung zu tragen. Sie hat sich bei ihrer endgültigen Formulierung von Informationen aus englischer Quelle leiten lassen, deren Richtigkeit sich 1 der Veröffentlichung des Ergänzungsangebots bald erweisen wird. 5 Die Sozialdemokratie wünscht nichts mehr und nichts weniger, als daß die Ergänzungen der Reichs regie rung zu dem ersten Angebot zu einem Kontakt führen, der schließlich Verhandlungen ermöglicht. Die allgemeine politische Lage in Europa schließt eine derartige Möglichkeit nicht von vornherein aus. Auch auf der Gegenseite ist seit dem 11. Januar infolge der katastrophalen Auswirkungen des Ruhrabenteuers die Neigung zu Verhandlungen und zur Beendigung des Ruhrkonfliktes nicht geringer, sondern größer geworden. Das trifft insbesondere auf die belgische Regierung zu, die von den Wirt⸗ schaftskreisen ihres Landes fortgesetzt zu einem baldigen friedlichen Abschluß des Ruhrabenteuers getrieben wird. Die in Brüssel be⸗ ginnenden Verhandlungen sind ein Erfolg dieses Drängens. Die allgemeine Einsicht, die sich auf wirtschaftliche Notwendigkeiten stützt, scheint der neue englische Premierminister ausnutzen zu wollen, um vor der Welt sein erstes diplomatisches Meisterstück abzulegen. Schon seit mehreren Tagen unterhält sich sowohl die Londoner wie die Pariser Presse über kommende Besprechungen zwischen der englischen und französischen Regierung, die auf englischer Seite von Baldwin geführt werden sollen, und wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird sehr bald der Tag kommen, an dem
der neue Premier Englands in Europa als Vermittler im
Ruhrkonflikt
genannt wird. Das Ziel seiner Außenpolitik läuft vorläufig darauf hinaus, eine internationale Reparationskonferenz zustande zu bringen, an der auch Deutschland beteiligt ist. Es ist jedoch kaum anzunehmen, daß diese Zusammenkunft stattfindet, bevor nicht eine Einigung unter den Alliierten erzielt ist. Dasc auch diese Einigung marschiert, ist aus übereinstimmenden Brüsseler und Londoner Mel⸗ dungen der letzten Tage zu schließen. Baldwin dürfte es deshalb zunächst als seine Hauptaufgabe betrachten, die Einigung unter den Alliierten herzustellen, der dann die gemeinsame Konferenz mit Deutschland folgt.
Zweifellos trägt diese Entwicklung für Deutschland Gefahren in sich. Insolge der erfolgten Sauncseligkeiten und der fortwähren⸗ den Hinauszögerung eines deutschen Angebotes kann es so möglich werden, daß wir, wenn auch nicht vor vollendete Tatsachen, so doch vor
5 ein gemeinsames Reparationsprogramm der Alliierten gestellt werden, dessen Erörterung im allgemeinen auch für Deutsch⸗ land zulässig sein wird, das aber in seinem wesentlichen Kern von uns trotz Verhandlungen keine Aenderungen erfahren dürfte, wenn es die deutschen Unterhändler für notwendig halten. Wir haben ein gutes Recht, von vornherein auf diese nicht von der Hand zu weisen⸗ den Gefahren aufmerksam zu machen und uns gegen sie zu wenden, weil sie im Grunde genommen auf die Methode des Diktats hinaus⸗ laufen, die nie zur endgültigen Verständigung fühven kann. Das hat die Vergangenheit zur Genüge bewiesen. Soll ein wahrer Friedenszustand in Europa wiederhergestellt werden und wollen auch die alliierten Mächte im Ernst, daß der Weg zur endgültigen Lösung des Reparationsproblems über die Verständigung führt, dann muß mit der bisherigen Methode des Diktats Schluß gemacht werden.
Die übergroße Mehrheit des deutschen Volkes will die
Verständigung
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und eben deshalb ist sie auch bereit zu den größten Opfern die im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit liegen. Das kann bei den kommen⸗ den Verhandlungen nicht außer acht gelassen werden. Ist es der Fall, danm find wir dem wahren Frieden in Europa nähergekommen.
Temps sordert bedingungslose Unterwerfung
Ein Teil des Inhalts der neuen deutschen Note ist in Paris nicht unbekannt geblieben, jo daß die Pariser Presse schon heute Ge⸗ legenheit nimmt, sich mit Einzelheiten des ergänzten Angebots zu beschäftigen. Der Temps erklärt z. B., daß falls in der deutschen Note von der Aufgabe des passiven Widerstandes nichts gesagt sei, werde der Vorschlag der Reichsregierung von Frankreich nicht in Betracht gezogen werden können. Auch der Vorschlag, ein inter⸗ nationales Schiedsgericht, oder besser eine internationale Kon⸗ ferenz von Sachverständigen, an der Deutschland teilnimmt, mit der Abschätzung der deutschen Zahlungsfähigkeit zu betrauen, wird von dem Blatt als„unpraktisch und unannehmbar“ bezeichnet. Das Pariser Blatt ist der Auffassung, daß es jetzt an England und Italien ist, alles zu tun, um zunächst dem passiven Widerstand en Ende zu machen. W
Die Lösung: 50 Goldmilliarden?
Die Annäherung über die Lösung des Reparationsproblems 5 innerhalb der Entente scheint weiter gediehen zu sein, als man is. her Grund hatte, anzunehmen. Bereits heute vormittag soll sich das englische Kabinett mit den von Englands Sachverständigen ge⸗ führten Besprechungen über das Reparations⸗Problem beschäftigen. Es verlautet, daß die Fühlungnahmen zwischen Paris, Brüssel und London drei Resultate gehabt hat. Die Endziffer, auf die sich ver⸗ mutlich die drei Regierungen einigen, soll an 50 Milliarden heran⸗ reichen. Ferner heißt es, daß eine Einigung zwischen 3 du⸗
und Belgien darüber erzielt wurde, eine Garantieleistung den Reingewinnen der großindr striellen Unternehmungen Deutschlands herbeizuführen. Als itter Punkt, über den sich eine Einigung vorzubereiten scheint, wird die“ Absicht Englands bezeichnet, mit den Vereinigten Staaten um eine Ermäßigung der französischen und italienischen Schulden zu verx⸗e handeln, dafür aber Dentschland die Verpflichtung aufzuerlegen, für eine Schuldenregelung Frankreichs und Italiens an Amerika
aufzukommen. Der neue Druck.
Die Truppenbewegungen und Verstärkungen der bisherigen Besatzung im südlichen Einbruchsgebiet dauern an. Am Dienstag vormittag zogen große Truppenaufgebote durch Gelsenkirchen und Wanne. Um 5 Uhr morgens wurde die Strecke Essen⸗Herne besetzt und sämtliche an dieser Linie gelegenen Bahnhöfe stillgelegt. Die Eisenbahner stellten sofort den Dienst ein. In Plakaten werden sie durch den General Degoutte zur Wiederaufnahme der Arbeit innerhalb 48 Stunden aufgefordert. e bringt Degoutte in Maureranschlägen zur Kenntnis, daß auch die letzte ins Ruhr⸗ gebiet führende Linie jetzt unter Verwaltung der französisch⸗helg: schen Regie steht. Die Eisenbahner denken nicht daran, dem Befehl! des französischen Oberbefehlshabers nachzukommen. Sie bereiten sich geschlossen auf ihre Ausweisung vor. Auch die Linie Herne⸗ Altenessen ist stillgelegt worden. Von Gelsenkirchen aus wurde ein wesentlicher Teil dieser Strecke fast bis nach Altenessen hin aufge⸗ rissen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Ankunft des Generals Petain, der am Dienstag vormittag in Düsseldorf eintraf, mit der in Vorbereitung befindlichen neuen Aktion, deren Zweck vorläufig noch nicht recht erkenntlich ist, in Zusammenhang steht. 83 77
Infolge dieser neuen militärischen Druckmaßnahmen ist der Verkehr mit dem Ruhrgebiet ausschließlich auf die Straßenbahnen beschränkt, die aber derart überfüllt sind, daß ihre Benutzung lebensgefährlich ist. Wenn sich unter diesen Umständen innerhalb, der Bevölkerung ein gewisser Unmut breitmacht, so ist das ver⸗ ständlich. Hierbei wirken aber auch die Folgen der neuen Mark⸗ entwertung mit. Wucher und Schleichhandel sind neuerdings wie⸗ der Tür und Tor geöffnet. Auf den Wochenmärkten des eigent⸗ lichen Industriegebfets sind Lebensmittel fast kaum noch zu haben. Das ist eine Folge des Wirkens der kommunistischen Kontrollaus⸗
Beteiligung der Alliierten an
Ueber die Herkunft der 100 Millionen Gelder, die Fuchs im Laufe der Zeit für Ausrüstung seiner bewaffneten Organisationen aus⸗ gegeben hat, erwidert er, daß er sich in der Lage eines Generalis⸗ mus einer feindlichen Armee gegenüber befunden habe, der auch das Geld nehme, wo er es eben herbekomme. Er habe für diese Zwecke auch von der Firma Mannesmann ⸗Düssel⸗ dorf Geld empfangen, und durch Vermittlung des Kronprinzen Rupprecht sei Aussicht vorhanden gewesen, von dem Fürsten Thurn und Taxis⸗egensburg Geld zu erhalten. Dieses Geld habe er für spätere Zwecke reserviert. Im weiteren Verhör verwickelt sich Fuchs in eine Reihe von Widersprüchen, da der Vorsitzende ihm immer wieder seine intimen Beziehungen und Rücksichten auf die Wünsche der Franzosen vorhält. Tatsächlich scheint es so zu sein, daß Fuchs als der Hauptverschwörer alles im Einverständnis und mit Erlaubnis des Richert und seiner Regierung gemacht hat Bei seinen Ausreden sucht er vor allem den Hauptzeugen, Major Meyr, zu belasten, den er einen Bolsche⸗ wisten⸗Spitzel nennt, der von jeher eine zweideutige Rolle, auch schon beim Kapp⸗Putsch, gespielt habe, wo er die rechte Hand Luden⸗ dorffs gewesen sei. Heute werde er in der bayerischen Reichswehr und in der Schupo nur mehr„das gemeine Schwein“ genannt. Ausführlich wird dann die Verwirklichung des direkten Um⸗ sturzes besprochen. Diese Pläne waren fertig ausge⸗ arbeitet und der Regentschastsrat für die Nacht des Umsturzes bereits aufgestellt. Fuchs selbst sollte Mind. Aeuß. werden, während die üübrigenRessorts
auf seine Mitarbeiter verteilt werden sollten, im übrigen eine Reihe
von volkstümlichen Persönlichkeiten zur Annahme von Aemtern gezwungen werden, darunter Kahr, Epp und Poehner, letzterer als Diktator. Vorher sollten die Minister g e fangen genommen werden, ebenso andere politische Persönlichkeiten, darunter Dr. Heim in Regensburg, der bei der Fahrt über die
noch ein Ausschuß von Führern der Vaterländischen Organisationen zur Seite gestellt werden sollte, sollte von einer Prätorianer⸗Garde beschickt werden. Auch der Plan zur Einführung der Gulden⸗ Währung, der von dem sich selbst gerichteten Dr. Kühls stammte, war bereits ausgearbeitet. Die Aufklärung des uninteressierten Publikums von dem Umsturze sollte geschehen durch drei Prokla⸗ mationen, die überschrieben sind:„Bayern“, 2.„Notver⸗ ordnungen“ und 3.„Rundtelegramme“. Diese drei Proklamationen waren bereits am 10. Februar gedruckt von einer Münchener Firma, deren Inhaber auch heute auf der Zeugenbank sitzt. Die Presse sollte unter Vorzensur gestellt werden. 33 Ueber alle diese Vorhaltungen des Vorsitzenden, die durch erhärtet
verschiedene voneinander unabhängige Zeugenaussagen sind, gibt der Angeklagte ganz ausweichende Antworten.
In einem Aufruf, den der Regentschaftsrat bei seinem Antritt veröffentlichen sollte, wird gegen die Berliner Regierung Stellung genommen, die bayrische Regierung als schwach bezeichnet und das bayrische Volk aufgerufen, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Sowohl der Freistaat Bayern, wie auch die Weimarer Verfassung werden für null und nichtig erklärt. Die allgemeine staatsrechtliche Verwirrung mache es dem König unmöglich, seine Hoheitsrechte auszuüben. Deswegen werde ein Regentschaftsrat eingesetzt, der die Staatsgeschäfte solange leite, bis die gesetz⸗ geberische Nationalversammlung dieses Verhältnis regele. Schließ⸗ lich wird dann eine hohe Abgabe von großen Vermögen ange kündigt zur Sicherstellung der Ernährung. Jede parteipolitische Betätigung in Bayern wird bei Todesstrafe verboten. Todesstrafe ist auch für Streiks vorgesehen. Zum Schlusse der Sitzung wird noch einmal die Geldfrage aufgerollt. Dabei erfuhr man, daß Freiherr von Cramer⸗Klett dem Juchs Mk. 150 000 gegeben hat Auch die Herzogin Karl fbermittelte ihm Mk. 30 000. Das erste Geld von Oberst Richert, 1,2 Millionen Mark, erhielt Fuchs im Jahre 1922, das zweite im Oktober. Alle
Donaubrücke„erledigt“ werden sollte. Der Regentschaftsrat, dem
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Summen will er an deutschnatjonale Verbände abgeliefert haben.


