Ausgabe 
6.6.1923
 
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5 Fepffegren Verbindungen In. Baßern na

pte Wrpert dream durch 2 München, wo er im Mittelpunkt eines sogen. bayerisch⸗vater⸗

[Die Streikbewegung

ländischen Konventilels eine schuelle Reife der französischen Annexionspläne betrieb. Seine Münchener Vertrauten waren: Prof. Fuchs, Kapellmeister Machhaus, Kohlenhändler Munk, Kauf⸗ mann Berger(biese beiden Deutschböhmen), Landwirt Guter⸗ mann, Regierungsbaumesster Schäfer. Bei einer der ersten ge⸗ heimen Zusammenkünfte führte Richert u. a. aus: Es begint sett eine neue Aera in der curopäischen Politik.

Die Ruhrgebietsoperation ist keine Fortsetzung der Nepa⸗

catlonspolitik, sondern leitet eine neue europäische Politik ein.

Unter der Vormachestellung Frankreichs wird ein europäischer

13 Völkerbund geschassen, der Frankreich, Italien, dle kleine 5 Enteate, Bayern und einzelne Teile von Deutschösterreich um⸗ 5 faßt. Frankreich bat jetzt zweifellos für die nächsten fünfzig 4 1 die erste und stärkste Rolle in Europa. Dagegen kann 150 ayern Frankreichs Dankbarkeit erwerben, wenn zur Unter⸗ e de frangösischen Ruhroperation jetzt eine Aktion in M geschicht. Zu diesenm Zweck ist ein Staatsstreich in Bayern herbeizuführen, vor allesn, um die deutsche Abwehr⸗ front an der Ruhr zu verwirren und zu zerbrechen. Meine Heren, wenn Sie nicht in diesen Tagen handeln, hat eine erische Aktion für Frankkeich kein Interesse mehr.

im die Person Richerts und wohl auch mehr oder weniger um seine Aufgabe in Banern wußten aber noch eine Reihe anderer

jönlichkeiten, die zum Tei die Aufdeckung dieser Verschwö rung, ie der jetzige Prozeß klären soll, veranlaßt haben. Zu diesen ge⸗

hören in erster Linie dem Major a. D. K. Mayr, früher Chef des 3 tenburcaus beim Wehrkreiskommando in München, und e e g. D. Kautter von der Organisation C, dann der unte Hakenkreuzler Dr. Arnold Ruge, der Ordnungs⸗ blöckler Hofrat Pixis, die beiden Kahrfreunde Sanitätsrat Dr. Pittinger und der ehmalige Polizeipräsident Pöhner, ferner Frhr. von Cramer⸗Klett und der Bezirksoberamtmann Frhr. v. Soden, bende aus der nächsten Umgebung des früheren Kronprinzen Rupp⸗ rocht, und schließlich auch der Minister des Innern, Schweyer, so⸗ wie lige Polizeipräsident Nortz, die über dle Tage von Richerts letzten Aufenthalt in München(Ende Februar) genau informiert waren. Am 20. Februar abends fand die letzte Ver⸗ schwörersitzung in Gegenwart Richerts statt, dieunter vorheriger Benachrichtigumg und Billigung ihres vaterländischen Zweckes Eine die fan denn höchsten Amtsstellen abgehalten wurde. ne Verhaftung des Richert. die, wie es heißt,aus innerpolits⸗ 0 Gründen hinausgeschohen wurde, scheiterts an der recht⸗ döeitt en Flucht des Franzosen.

Das ist die Materie des Hochverratsprozesses, der am 4. Juni vor dem lsgevicht in München begann, und das sind die Per⸗ sonen, die nach einstwefliger Kenntnis entweder zu den Ver⸗

schwö zählen, oder doch von den Umtrieben des Richert, N Machhaus und Genossen gewußt haben. Sie und zweifel⸗ los noch masch andere hochgestellte Persönlichleit wird man also entweder als Angeklagte oder als Zeugen dieser Tage vor den Schranken des Gerichts sehen wenn eine vestlose Aufdeckung aller Aar seit Jahren gepflegten politischen Beziehungen des 0 cet zu bayerischen Kreisen erfolgen soll.

Gießen und Umgebung.

Ruhrhilfe.

An das Gewerkschaftskartell Gießen gingen weiter ein:

Väcker, Gießen 15 000 /, Brauerei⸗ und Mühlenarbeiter Gießen den 4, Karl 392 a(Oberh.) 10 800 J, Ton⸗ werke Abendstern 48 180 /, Fabrikarbeiterverband Rockenberg 14 000 , durch Hrch. Schmidt 3. 10 000.

Den Gebern besten Dank!

Gewerkschaftskartell Gießen und Umgegend.

Provinzialtag der Provinz Oberhessen.

Am Samstag, den 2. Juni, vormittags 10 Uhr trat der Pro⸗ (vinztaltag zu einer öffentlichen Sitzung zusammen, im der folgende Gegenstände zur Tagesordnung standen;

. 50 ngs⸗ und Verwaltungsbericht für 1921. 0 91 dee 1 Voranschlag der Provinzialkasse. N Nena lag der Pr. 1 r 1923. Rechnungs⸗ und Verwaltungsbericht des Provinzialwasser⸗

werks in Inheiden für 1921.

5. Voranschlag des Provinzialwasserwerks Inheiden für 1923. 6. R. igs⸗ und Verwaltungsbericht der elektrischen Ueber⸗

landanlage für 1921.

7. nungs- und Verwaltungsbericht über den Bau der Ueber⸗

landanlage für 1921.

8. Voranschlag der Ueberlandanlage fiir 1923. g. Grundsätze über Anstellungen. ö 10.. der Provinz Oberhessen zur Gemeinwirtschaft erhessen. Die Sitzung wird um 10 uhr durch den Provinzialdirektor athias eröffnet, Zu Urkundspersonen die Mitglieder des inzialtages Diehl und Christ ernannt. In den Provinzialtag eten füür die Provinzialausschußmitglieder, die ihr Mandat zum rovinzialtag niedergelegt haben, folgende neue Mitglieder ein: Von unserer Partei Frau ole a ek. Ju bach und Heinrich Lachmann 3. Schlitz, der an Stelle des Genossen Repp⸗Schotten, der inzwischen verstorben ist, nachrückt. ne

Verschärfung der Lage.

Elberfeld, 4. Juni.(Eig. Drahtb.) Zm Zentrum des In⸗ dustriegebiets herrscht im allgemeinen äußersich voll ommene Ruhe. Nur jm Bezirk Hagen hat sich die Lage verschärst. Die Bezirks⸗ leitung des Deutschen Metallarbeiterverbandes hal hier den Generalstreik beschlossen. Dieser Beschluß ist auf die Gewissen⸗ losigkeit bestimmter Unternehmerkreise zurückzuführen. In Gevels⸗ berg wurden infolge des Metallarbeiterstreits Metallarbeiter ge⸗ maßregelt. Dadurch hat man einen Funken in das Pulverfaß geworfen, der schnell gewirkt hat.

Infolge der wachsenden Erregung lassen sich die Krenn im Hagener Bezirk, wenn nicht bald eine Regelung getrofsen wird, gar nicht absehen. Die Gevelsberger Arbeitgeber sind Stützen des na⸗ tionalsozialistisch orientierten Wirtschaftsbundes, der unter der Führung des deutschngtionalen Abgeordneten van Kerkhoff steht. Gegen diesen Herrn schwebt bekanntlich seit vielen Monaten ein Strafverfahren wegen Stenerhinterziehung, ohne daß es bisher zu irgend einem Verfahren gekommen wäre. Kerlkhoff und seine Leute brachten es u. a, fertig, in dieser kritsschen Zeit Herrn Geisler, der aus der Deusschen Volkspartei ausgeschlossen wurde, zu Vortragsreisen unter der ParoleBefreiung der Arbeit von der gewerkschastlichen Fessel zu verpflichten. 5

Teilstreiks werden u. g. noch aus den Grenzbezirken des neu⸗ besetzten Gebiets, so aus Hamm, Zserlohn und Hohenlimburg ge⸗ meldet. In Remscheid stimmten 87 Proz. der Metallarbeiter in einer Urabstimmung ffir die Weiterführung des Streiks.

Kurz vor Schluß der Redaktion wird noch gemeldet: Der Me⸗ tallarbeiterstreik im Bezirk Hagen ist allgemein durchge⸗ führt. In Schwelm streiken 15000 und in Hagen 20 000 Arbeiter. Der Arbeitgeberverband des Bezirks Hagen wendet sich gegen die Maßregelungen von Arbeitern. Unter 100 Firmen bestehen nur noch 4 auf Maßregelungen.

Die Lage in Köln.

Köln, 4. Juni.(Eig. Drahtb.) Am Montag wurde dis Arbeit mit Ausnahme auf der Straßenbahn überall wieder aufgenommen. Die Straßenbahnverwaltung hat einen Anschlag anbringen lassen, nach dem sich diejenigen Straßenbahner, die bis Dienstag früh die Arbeit nicht wieder aufgenommen haben, als entlassen betrachten müssen. In der Stadt machen sich die Folgen der großen Ver⸗ kehrshemmung bereits stark bemerkbar. Die Versorgung der Vor⸗ orte ist außerordentlich erschwert. Auch im Braunkohlenrevier herrscht eine starke Streikstimmung. Das Gewerkschaftskartell in Bergheim hatte am Samstag unter kommunistischem Druck be⸗ schlossen, am Montag den Generalstreik auszurufen. Da sich auch gegen diesen Streik die freien Gewerkschaften mit Entschtedenheit wandten, folgte die Arbeiterschaft dieser Parole genau so wenig wie in Köln. 4

1 0 f 0 3 g 670 t. c 5 an Rhein und Nuh [Nationalistische Radauhelden als Heimkriege Am Samstag abend landete in Köln ein großer Schiffstrans

ausgewiesener Flüchtlinge. Es kam dabei an der Dampfera stelle zu tiefbedauerlichen Radauszenen, die wahrscheinlich noch weste

zier zu schützen. Einer der Leute, den man festgenommen und i Unfallstation vom Roten Kreuz untergebracht hatte, demolierte in sinnloser Wut das ganze Operationszimmer. Ein zweiter fr zösischer Offizier, der durch Zufall in die wütende Menge ger wurde ebenfalls angegriffen. Auch er konnte nur mit Miihe von den besonnenen Beamten und Arbeitern in Sicherheit gebracht werde

Die Kampfgenossen als Deuunzianten.

Der Kriminalpolizei in Dortmund ist es gelungen, einen weiteres Spitzel zu verhaften, der in französischem Solde stand und der Ange⸗ höriger der nationalistischen Putsch⸗Organisation Heinz ist. Er hat u. a. den vom Düsseldorfer Kriegsgericht zu lebenslänglicher Zwang arbeit verurteilten Sadowski in die Hände der französischen Be⸗ satzungsbehörden gespielt. Im ganzen sitzen vier Spitzel wegen diese Angelegenheit hinter Schloß und Riegel. Die Verhafteten waren der Organisation Heinz und in anderen nationalistischen roa tionen sehr aktiv tätig. Es steht fest, daß Angehörige der Orga⸗ misation Heinz nach der Verhaftung Schlageters noch 70 000 von den Franzosen bekommen haben.

Da diese Feststellung kommen mußte, suchten ihr dienational n

Blätter entgegenzuarbeiten, indem sie fälschlich ausstreuten, Sozialisten als die Dennuzianten Schlageters ermittelt und verhafte seien. Am Südrande des besetzten Gebietes, besonders in Elberfeld, macht sich eine neue Sammelorganisation zur Aufnahme der au ge lösten Organisationen bemerkbar. Sie führt den NamenSeeste rn Die Angehörigen tragen blaue Seemützen mit gelbem Schild. kommen Leute in Frage, die bereits verbotenen natlonalsozialistische Organisationen angehörten. Im Kreis Lennep wurde ein Waffen, lager aufgefunden.Die Bewohner leisteten Widerstand. Es mußken Verhaftungen vorgenommen werden. g

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bemerkt, daß zum erstenmal mit der Frau Holzapfel eine Frau in den Propinzialtag einziehe. Er knüpft daran die Hoffnung, daß die anerkannte und segens eiche Mitarbeit der Frauen in den ver⸗ schiedenen Parlamenten dieselben Erfolge auch hier auswirken möge. Nach einem kurzen Nachruf für das verstorbene Mitglied Nepp umd des ehemaligen Provinzialausschußmitgliedes Falck⸗ Friedberg, zu deren Ehren sich die Abgeordneten von den Plätzen erhoben haben, wird in die Tagesordnung eingetreten. Die Nach⸗ tragsvoranschläge von 1921 werden einstimmig genehmigt, ebenso die Voranschläge für 1923. Da infolge der rasenden Geldent⸗ wertung die Voranschläge doch nur als formell gelten können, die eingesetzten Zahlen zum Teil überholt sind, wird dem Provinzial⸗ ausschuß die Ermächtigung erteilt, bei Kreditüberschreitung die Mittel flüssig zu machen. Eine kurze Debatte entsteht über die Straßenwalzarbeiten und Reparaturen. Das Mitglied Rabenau trat dafür ein, einen höheren Betrag für Straßenwalzarbeiten im Kreise Blidingen zur Verfligung zu stellen und an Stelle des Flicksystems die Straßen neu zu decken und zu walzen. Genosse Knaf ist ebenfalls der Meinung, daß eine vollständige kilometer⸗ weise neu hergerichtete Straße nicht viel teurer komme, wie die Flickerei. Lu vertritt die Meinung, daß nicht ein Kreis vor dem anderen vorgezogen werden könnte, die Straßen seien überall in einem schlechten Zustand, besonders im Kreise Friedberg, wo der Lastfuhrwerksverkehr nach Frankfurt recht stark sei. Er stellt den Antrag, den Antrag Rabenau dem Propinzialausschuß zu über⸗ weisen. Nachdem noch die Abg. Jost und Mogh für bessere Berlicksichtigungen bei Straßenreparaturen für die Kreise Lauter⸗ bach und Bildingen eingetreten sind, wird der Antrag Lux ein⸗ stimmig angenommen. Auf eine Anfrage Fenchel über die Kreditübenschreitung beim Wasserwerk Inheiden, teilt der Vor⸗ sitzende mit, daß diese zu Lasten der Stadt Frankfurt gehe. Lu x kritistert einig Mißstände, die sich bei dem Ablesen der Zähler be⸗ merkbar gemacht haben und tritt für angemessene Bezahlung dieser Leute ein. Zu Punkt 9, Grundsätze über Anstellungen werden die ausgearbeiteten Richtlinien einstimmig angenommen.

Zu Punkt 10 macht der Vorsitzende die Mitteilung, daß bis jetzt 220 Gemeinden der Gemeinwirtschaft Oberhessen beigetreten ind, das Unternehmen als gesichert zu betrachten sei. Der Fropinzialtag beschließt einstimmig den Beitritt der Provinz zur Gemeinwirtschaft Oberhessen.

Der Vorsitzende begrüßt die neu eintretenden Mitglieder und

Nach einer kurzen Bemerkung des Abg. Grünewald über 5 Sen pie auf der Bibertalbahn erfolgt Schluß 1 Sitzung.

Das Schwurgericht der Provinz Oberhessen trat am Montag vormittag zur Sitzungsperigde des zweiten Vierteljahrs zusammen Wie kürzlich bereits mitgeteilt wurde, standen diesmal sechs Frauen auf der Geschworenenliste, die aber, soweit sie für die Geschworenen bank ausgelost, von der Verteidigung abgelehnt wurden. Fil Montag waren zwei Fälle zur Verhandlung angesetzt, es wurde des. halb die Geschworenenbank für beide Fälle zugleich gebildet. Wegen Notzuchtsversuch hatte sich der etwa 40 Jahre alte Arbeiter O. Fourier aus Gießen zu verantworten. Die Verhandlung findet unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Aus der öffentlichen Verkündigung des Urteils geht hervor, daß dem Angeklagten N zuchtsversuch an einem 14jährigen Kinde zur Last gelegt wurde. Die Geschworenen hatten ihn unzüchtiger Handlungen an einer Frauens⸗ person mit Anwendung von Gewalt schuldig gesprochen, worauf de Angeklagte zu einer Gefängnisstrafe von 1 Jahr 3 Monaten 5 W urteilt wird. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wird seine sofortige Verhaftung verfügt.

Mordversuch war in einem zweiten, am Montag Naß verhandelten Falle dem Angeklagten zur Last gelegt. Der 69 Ja alte Schuhmacher Grüning in Burkhardt war angeklagt, die Wit Susanne Schäfer und deren Sohn, in deren Hause Gr. seit mehreren

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Der Deserteur. 15

Roman von Robert Buchanan.

All seine Pläne sind gereift, seine Befehle erteilt, er will nur noch ein paar Stunden ruhen, ehe er dem Siege zueilt, nach dem eine unersättliche Seele dürstet. Sieg? Ach ja, sein Glückostern wird ihn nicht verlassen, wird mit seinem Glanz alle Feinde blenden! Er wird sich wie ein a Racheengel erheben, mächtiger und furchtbarer als bisher! . Die Feinde glauben ihn in ihren Netzen gefangen zu haben, . aber sie werden sich täuschen!

9 Der kleine große Mann tritt ans Fenster und starrt ins 2 Dunkel hinaus, jetzt hört er deutlich die Schritte der auf und 9 ab marschierenden Schildwache; das für die Nacht ausge⸗

gebene Losungswort wird von der kommenden und der

5 gehenden Ordonnanz gewechselt. Er sieht und hört das alles 8 wie im Traum, dann zieht er den Vorhang wieder zu und

marschiert rastlos durchs Zimmer. Man klopft an die Türe, er ruft mit leiser, klarer Stimme:Herein! öEine Ordonnanz überreicht ihm ein Schriftstück; er 1 reißt es auf, überfliegt es hastig und erteilt den Befehl, ihn, falls nicht sehr wichtige Nachrichten eintreffen sollten, in den nächsten zwei Stunden nicht zu stören, da er schlafen wolle. Die Türe schließt sich sanft und Bonaparte ist wieder allein. Er liest das Schriftstück noch einmal aufmerksam, wirft es dann auf den Tisch, lockert seine Krawatte, sinkt ers in den Lehnstuhl und schließt die Augen.

Um zu schlafen? Kann er, auf dessen Haupt das Schicksal von Königreichen ruht, win dieser Nacht schlafen? O ja, und zwar so leicht und fest wie ein neugeborenes Kind! Kaum hat er die Augen geschlossen, als er auch schon fest

bie Sorgen, die ihn wachend niederdrückten, sind aus seinen Zügen verschwunden; er scheint seine Kraft abgeworfen zu haben, wie ein Gewand, das er nur am Tage trägt. Großer Gott, wie alt. wie mitleiderregend alt und gebrochen sieht er aus! Dieser grauhaarige, alte, gebrochene Mann ist Napoleon, und er schläst sanft und traumlos wie ein Kind! Und in allen Ecken und Enden der Welt wälzen sich arme, sündige, von Gewissensbissen geplagte Menschenkinder, die, vielleicht von Leidenschaft und Zorn hingerissen, ein Menschenleben vernichtet haben schlaflos auf ihren Kissen! Napoleon hat brusttief in Blut gewatet und doch schläft er wie ein Kind!

Das Feuer im Kamin ist fast herabgebrannt, die Lampe auf dem Tisch brennt niedrig, dort oben über dem schwarzen Balken schleicht etwas, nun kriecht es vorsichtig die Leiter hinab; der Kaiser stöhnt im Schlaf, die schattenhafte Gestalt kauert sich einen Augenblick am Fuße der Leiter nieder. Nun ist's wieder still und sie schleicht mit nackten Füßen bis dicht an den Schläfer heran, in ihrer Rechten blitzt ein bajonettartiges Messer, wie es die Jäger in den Ardennen tragen. Die Augen blitzen von Mordlust wehe dem Schläfer! Er tritt ganz dicht zu ihm heran. Der Anblick des Schlafenden scheint seinen leidenschaftlichen geistigen Hunger zu stillen, er neigt sich immer tiefer zu ihm hinab, schon streift sein Atem die bleichen, eingefallenen Wangen. Er richtet das Messer auf das Herz des Schläfers; dieser bewegt sich unruhig, erwacht aber nicht, denn er ist von den Strapazen des Tages zu erschöpft. Wenn er wüßte, wie nahe ihm der Tod ist! Er hat den Gipfel irdischen Ruhmes erklommen, er hat alle Könige der Erde gefesselt an den Füßen seines Thrones und nun soll dies das Ende sein? Von dem Stahl eines Meuchelmörders im Schlafe ins Jen⸗

0 N 8 schläft. Sein Kopf ist auf die Brust gesunken, er sieht bleich i und fahl aus wie ein Toter. All die heftigen Leidenschaften, 1 5

Im Vorzimmer rührt es sich, die Wache ruftWer da?, dann ist's wieder still. 4 Geist des Lebens, der du in den Lüften schwebst, un⸗ hülle die beiden Menschenkinder in dem stillen Gemach mit deinentz Atem, denn aus dir sind sie erschaffen und zu dir werden sie zurückkehren! Wer von den beiden ist jetzt kaise lich? Die Riesengestalt, die mit dem Ausdruck eines Wahr sinnigen das Messer zum Stoße ausholt oder der ge⸗ brechliche Kleine, der den Todesstoß empfangen soll? Welches von diesen beiden Menschenkindern, die jetzt die⸗ selbe Luft atmen, ist Abel und welches Kain? 4 Wie fest der Kaiser schläft! Im fahlen Lampenlicht sieht der Mörder die feinsten Linien dieses scharfgeschnitte⸗ nen Gesichtes, er studiert sie förmlich. Aber nichts wirklich Majestätisches prägt sich darin aus; müde und abgespannt wie ein schlafender Bauer, sitzt Napoleon in dem Stuhl, die eine Hand ruht auf der Lehne, sie ist weiß und klein, wie die eines Weibes. Und doch, ist dies nicht die Hand Kains, der seinen Bruder erschlug? 7 Stoß zu, Mörder! Die Stunde der Vergeltung hat schlagen! Du hast ja zu Gott und zu unsererLieben Fr vom Hasse gebetet, daß diese Stunde kommen möge! G hat deinen Todseind und den demes Stammes in deine Hand gegeben, stoß zu, stoß zu! Du zögerst? Denke doch an Jena, Eylau und Moskau; denke an die Beresina mit ihren 40 900 Toten! Denke doch an die Tausende und Tausende, die in dem großen Schnee schlafen! Stoß zu, stoß zun? Denk' an all deine Qualen, an die schlaflosen Nächte, die du verbracht, an dein verpfuschtes Leben, an deine storbene Liebe, an deine unglückliche Mutter! Stoß zu, kennt kein Mitleid, kenn auch du keines! Denke daran, dieses eine Wesen der ganzen Erde den Frieden raubt.

seits befördert zu werden?..

seinem Erwachen erwachen Krieg, Hunger und neues 6 metzel! Stoß zu, stoß zu!(Schluß folgt.)