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Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.
Gpenltion: Sieben Bahnhofstraße 22 Ferusprecher 2008.
Die Reichsregierung dürfte, wie zuverlässig verlautet, t ihrer neuen Note von dem Angebot der deutschen Wirt⸗ haft, die sich unter bestimmten Voraussetzungen bereit⸗ klärte, jährlich eine Garantie über die Gesamtsumme von 90 Millionen Goldmark zu übernehmen, Gebrauch machen. Bir haben bereits darauf hingewiesen, daß die Leistungs⸗ thigkeit der deutschen Wirtschaft größer ist als sie von naßgebenden Vertretern dieser Gruppe selbst eingeschätzt ird. Wenn die Regierung dennoch von dem ziffern⸗ büäßigen Angebot Gebrauch macht, dann ist das auf Grund hrer Zusammensetzung zu erklären und bleibt ihre Sache. erwahren müssen wir uns aber schon heute dagegen, daß 5 Entgelt die von der Industrie geforderten Voraus⸗ zungen Anerkennung finden. Die Durchführung dieser horaussetzungen würde ein neues, gutes Geschäft ür diejenigen bedeuten, die schon während des Krieges und der Nachkriegszeit reiche Gewinne gemacht haben! Bekanntlich hat die Industrie in erster Linie die Forde⸗ ing auf gänzliche Beseitigung der Ausfuhrabgabe erhoben. Bas heißt das? Im März verzeichnete die Reichskasse eine innahme von 46 855 Mill. Mk. Ausfuhrabgabe. Bei einem dollarstand von 20 000 waren das 9 390 000 Goldm., also jähr⸗ ich 112 648 000 Mk., auf die das Reich jetzt den Industriellen Liebe verzichten soll. Aber betrachten wir die„Voraus- etzungen“ weiter! Vor dem Kriege hatte die Industrie 5 Milliarden Obligationen ausgegeben, die, soweit sie icht längst in Papiermark abgelöst sind, auch gegenwärtig ö och mit ungefähr 5 Prozent verzinst werden. Während zu tieser Verzinsung früher 225 Goldmillionen erforderlich paren, genügen heute bei einem Dollarstand von 80 000 f ünnähernd 11 250 Mark in Gold. wie überhaupt anzunehmen N sst. daß der Industrie aus der Einziehung der Obligationen in Gewinn von rund 200 Millionen Mark jährlich Rente hutgeschrieben werden kann. Dieser Verdienst erfolgte natür⸗ ich auf Kosten der Rentner, die vor Jahren ihr Geld in fest⸗ N berzinslichen Papieren anlegten und jetzt die bittere Er⸗ sahrung machen, daß sie um ihr Geld betrogen werden, weil en Aktionären die Gewinne erhalten bleiben müssen. Außer ill dem verlangt die Industrie aber auch die restliche Auf⸗ hebung der Zwangswirtschaft. Hierfür kämen in erster deinie Kohle und Kali in Frage. Bei dem gegenwärtigen Dollarstand ist der deutsche Kohlenpreis um mindestens 90000 Mark die Tonne geringer als der Weltmarktpreis. Die Aufhebung der Zwangswirtschaft würde in diesem Falle bedeuten, daß die Differenz zwischen Inlands⸗ und Welt⸗ arktpreis bald ausgefüllt wird. Bei einer Jahresförde⸗
tung von 130 Millionen Tonnen käme das einem Gewinn in Gold 195 Mil⸗
on 3,9 Billionen Papiermark, das sind i 1 5 11 5 Mark, gleich. Aehnlich würden die Gewinne bei der Aufhebung der Zwangswirtschaft für Kali sein. Der Kali⸗ berbrauch beträgt rund 8 Millionen Tonnen im Jahr. Vor dem Kriege war der Preis 6.20 Mk., gegenwärtig 50 450
Mark für den Doppelzentner. Die Steigerung der Kali- bpreise auf Weltmarktpreise, die bei einer Aufhebung der Zwangswirtschaft zweffellos zu ermarten ist, müßte nach dem heutigen Dollarstand einen Preis von 124000 Mk. er⸗ geben. Das kommt einem Gewinn von 5,8 Millionen
Papiermark, in Gold 294.2 Milliaonen Mark, gleich. Nun zur Landwirtschaft! Unter der Zwangswirtschaft vurden im laufenden Wirtschaftsjahr 2 100 000 Tonnen Brotgetreide abgeliefert. Für die letzte Quote ist ein Roggen⸗ breis von 685 000 Mk. gezahlt worden. Im freien Verkehr stieg der Preis für Roggen langsam auf 2 Millionen 1 Bleibt dieser Zustand aueh wen ente der 5 gewinn für das kommende Wirtschaftsie rob ee psben oder 2,7 Billionen
aussetzung, daß mit dem Umlagepreis die Zwang abgelieferte Getreide. Selbst wenn se Summen nicht wesentlich. Man 0 zu bringen. Die hypothekarische Belastung der Landwirt- illiarden abgelöst. Das bedeutet für die Landwirtschaft
läufigen Inhalt der neuen fanden mit den Parteiführern Besprechungen über die tigsten Einzelheiten der vorläufigen Fassung statt.
englischer Seite hat sich das
Verwirklichung von Bedingungen knüpft, behandelt werden.
Besprechung mit den Parteiführern.
Die Reichsregierung hat am Montag vormittag den vor⸗ Note fertiggestellt. Am Nachmittag wich⸗
Auf Grund angeblicher Informationen von autoritativer Kabinett entschlossen, die Nennung einer Summe im Gegenwartswert und deren Abgeltung durch Jahreszahlungen aufzugeben. Statt dessen will man die
stimmten Voraussetzungen einem internationalen Sachver⸗ ständigenausschuß überlassen. Die Garantiefrage soll in erster Linie durch Verwendung des von der Industrie gemachten Angebots, das sich bekanntlich an Voraussetzungen und die
Als weitere Garantieleistung will die Regierung die Zoll⸗ einnahmen und die Einkünfte der Eisenbahn verpfänden.
Die Voraussetzungen des Reichslandbundes.
Freiheit der Preisbildung und Gewähr für Ruhe und Ordnung.
Während die Reichs regierung über vier Wochen versucht hat, eine Note zustandezubringen, dachte die deutsche Landwirtschaft nicht daran, sich mit der Frage der Abgeltung unserer Repara⸗ tionsverpflichtungen zu beschäftigen. Am Mittwoch soll die neue Note den Regierungen der einzelnen Ententestaaten überreicht wer⸗ den,— am Montag hat es endlich der Reichslandbund für not⸗ wendig gehalten, sich ebenfalls mit seiner Opferbereitschaft zu be⸗ 117 Aber immer noch nicht hat er Gelegenheit genommen, tesen Opfern in finanzieller Hinsicht einen Rahmen zu geben. Statt dessen aber wird die großtuerisch angekündigte Opferbereit⸗ schaft, über deren Maß in sorgsamer Weise geschwiegen wird, an „gewisse Voraussetzungen“ geknüpft. Diese Voraussetzungen er⸗ blickt die Vertreter⸗Lersammlung des Reichslandbundes nach dem Zentralorgan der Agrarier„auf wirtschaftlichem und innerpoliti⸗ schem Gebiet in erster Linie darin, daß nicht der Immobilienbesitz allein mit den Garantielasten beschwert wird, daß für die Inten⸗ siwierung der landwirtschaftlichen Produktfon jegliches Hin⸗ dernis beseitigt wird und daß unbedingt die
Gewähr für Ruhe und Ordnung
im Innern geboten ist.“ Unter Intensivierung der Landwirtschaft verstehen die deutschnationalen Agrarier natürlich Aufhebung jeder Zwangswirtschaft— Weltmarktpreis. Ihre außenpolitisch: Forderung läßt die Demagogie erkennen, mit der diese Herrschaften arbeiten. Als außenpolitische Voraussetzung stellen sie die Be⸗
Entscheidung über Deutschlands Leistungsfähigkeit unter be⸗
srusptecher 2008. *— 8 e Sberb. Volksseitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gi icher Red 15 1 e. 5 22 (0 e 8 urch die Post eee 0 einschl. Bestellgeld. eee e Druck: 7 Offenbacher Abendblatt G e M. ee ee e ee Mär abend. 535 Nr. 126 Gießen, Mittwoch, den 6. Juni 1923 13. Jahrgang Die neue deutsche Antwort. . 5 5 Die Reichsregierung macht von dem„Angebot“ der Industrie Gebrauch. 225 7 dingung der Erreichung des Zieles, Rhein und R c erst Gewinne dann Gpfer!] Pon Inhalt det vorläuügen Fasung. d d een t Ee Ke um im Lande den Anschein der Vaterlandsliebe zu erwecken, wäh⸗
rend ihre Voraussetzungen, vor allem aber die Forderungen der im Reichstag befindlichen Deutschnationalen darauf hinauslaufen, kein neues Angebot an die Entente zu richten. Wie soll das Ruhr⸗ gebiet befreit werden, ohne daß wir uns zu einem neuen diplo⸗ matischen Schritt entscheiden? dafür vor, daß die Opferbereitschaft der Industrie und vor allem
der Landwirtschaft noch lange auf sich warten lassen wird und daß diesen Herrschaften der Patriotismus nur durch Zwang beigebracht
werden kann. Englands Absichten.
Belgien und England drängen auf gemeinsa Handeln. 8 Vorbereitungen der französischen Regierung. Aus London wird gemeldet, daß England die Frage der deut⸗ schen Abrüstung erneut in der Botschafterkonfevenz aufgerollt hat. Dieser Schrit wird mit dem Wunsch der englischen Regierung in Zusammenhang gebracht, die Sicherheitsfrage gemeinsam mit der deutschen Reparationsfrage zu lösen. In diesem Sinne hat sich auch der neue englische Ministerpräsident gegenüber einem bekannten eng⸗ lischen Journalisten ausgesprochen. Er will das Sicherheitsproblem
mes
lösen. g In der Montagssitzung des englischen Unterhauses erklärte der auswärtigen Amtes in Beantwortung
Unterstaatssekretär des mehrerer Fragen einiger sich andauernd mit der Reparationsfrage beschäftige, es ihr aber un⸗ möglich sei, im Rahmen einer Antwort auf eine kurze Anfrage den gegenwärtigen Stand der englischen einanderzusetzen. 0 5 Wie aus Brüssel verlautet, drängt Belgien auf den Abschluß de
Ruhrabkommens durch eine endgültige Löfung der Reparationsfrage. Von England wird der belgischen Regierung in diesem Vorgehen jede Unterstützung gewährt, was in Paris nicht ohne großen Eindruck gewesen ist, wenn man auch dort versucht, England gewisse Verhal⸗ tungsmaßregeln zu diktieren. Nach Presseäußerungen, die das fran⸗ zösische Volk darauf vorbereiten sollen, scheint man sich in Paris ge⸗ zwungen zu sehen, diesem Drängen nachzugeben, wenigstens gibt man sich dort den Anschein, auf die gemeinsame Beantwortung der neuen deutschen Note eingehen zu wollen, hält sich aber nach allem noch einige Hintertürchen offen, durch die man jederzeit wieder diesen Abmachungen entschlüpfen kann. Eine gemeinsame Beantwortung sei für Paris nur möglich, wenn Deutschland in der neuen Note er⸗ kläre, daß es auf die Fortführung des passiven Widerstandes ver⸗ zichte, im anderen Falle erwarte man von England, daß es sich mit Frankreich vereine, um Deutschland bestimmte Bedingungen aufzu⸗ erlegen. In Paris wird durch Ausstreuung von llerlei Ver⸗ mutungen über den Inhalt der neuen Note Stimmung zu machen 1 0 das neue Angebot von vornherein als unzulänglich erscheinen zu lassen. g 106
liarden Hypotheken bei dem gegenwärtigen Dollarstand mit 12 500 Goldmark zu 5 Prozent zu verzinsen sind. Aus den vorstehenden zahlenmäßigen Berechnungen er⸗ gibt sich nicht nur, daß die deutsche Wirtschaft an ihre Opfer⸗ bereitschaft große Gewinne knüpft, sondern auch ein großes Interesse an der Entwertung der Mark hat, die zu ihren Gunsten die nahezu restlose Enteignung der Hypotheks⸗ und Obligationsbesitzer bringt. Eine Aufrechnung der bisher gezogenen Vorteile in Verbindung mit den künftig bean⸗ spruchten Gewinnen nach ihrem Reparationsprogramm er⸗ gibt folgendes: ö Ausfuhrabgabe 112 684 000 Goldmark Gewinne aus Kohlen 195 000 000 Goldmark Gewinne aus Kali 294 000 000 Goldmark Gewinne aus Ind.⸗Obligationen 200 000 000 Goldmark Gewinne aus Landw.⸗Hypothek. 250 000 000 Goldmark Gewinne aus Getreide 138 075 000 Goldmark Gewinne aus anderen landwirt⸗ schaftlichen Produkten 138 075 000 Goldmark Insgesamt 1 328 034 000 Goldmark In dieser Berechnung fehlt der Gewinn aus der Löschung der Grundstückshypotheken der Fabriken, des städtischen Grundbesitzes und der Villen sowie die Gewinne der Banken und des Großhandels, die aus der Konjunktur nicht weniger Vorteile gezogen haben. Außerdem verlangt die Industrie aber die Freigabe der Wohnungsbwirtschaft, die, nach ben heutigen Baukosten berechnet, eine Steigerung der Wohnungsmiete um das 15fache zur Folge haben muß. Daß die Sozialdemokratie unter diesen Umständen ihre Zustimmung zur restlosen Verwirklichung der Voraus- setzungen der Industrie nie geben wird, versteht sich von selbst. Ueber die Gegenleistungen für die Opfer einer Volksschicht, die seit Jahren nicht gedarbt hat, haben nicht Herr Stinnes und seine Freunde zu bestimmen. sondern
Politische Uebersicht.
Bayerische Französlinge.
Zum Hochverratsprezeß Fuchs, Machhaus
und Genossen.
Unser Münchener Korrespondent schreibt uns:
Gerade vor elf Monaten in der ersten Juliwoche 1922, saß auf der Anklagebank des Volksgerichts München ein wappen⸗ gegierter junger Mann der des Verrats am Vaterlande beschuldigt war; Leoprechting. Man erinnert sich, daß dieser Prozeß eine Verschwörung gegen den Bestand des Deutschen Reiches aufdeckte, die angezettelt und finanziert war vom offiziellen Vertreter Frank⸗ reichs beim Freistaat Bayern. Die Ergebnisse des Prozesses, die dem Gesanbten Dard eine schwece Bloßstellung brachten, wiesen den Pariser Imperialisten bei der Verfolgung ihrer Pläne neue Wege. Wohlvertraut mit den e bayerischer Parti⸗ lularisten und Separatisten beauftihagten sie den Monsicur Richert, einen schon mehrfach mit politischen Aufgaben betrauten höheren Militär, an Stelle Dards die Fäden in Bayern in die ind zu nehmen. Richert war nicht etwa ein Neuling auf bayerischem Boden; denn es ist nachgewiesen, daß er bereits im Dezember 1921 mit hochgestellten Personen in München Konserenzen hielt und der Inspirator jener Kreise war, deren politische Auffassung schon im November 1921 vom Vorsitzenden des Bauerischen Ord⸗ nungsblocks, dem sattsam bekannten Dr. Tafel, folgendermaßen gekennzeichnet wurde: 7
„Die Berliner Regierung erweist sich als unfähig, die vielen Nöte, in denen das Deutsche Reich sich befindet, Herr zu wer⸗ den. Der Reichswagen rollt unaufhaltsam dem Abgrund zu und muß früher oder später zerschellen. Darum ist es klüger und ein Gebot der Selbsterhaltung, das gefährdete Fahrzeug zu verlassen, solange es noch Zeit ist. Bayern muß sich von Berlin unabhängig machen. Bayern ist aber kein selbständiges Wirtschaftsgebiet, es kann sich nicht selbst ernähren, und vor allem reicht seine eigene Kohlenförderung bei weitem nicht aus, den Bedarf von Gewerbe und Verkehr zu decken. Folglich muß es sich an eine Großmacht anschließen, die ihm die Lieferung der fehlenden Existenzmittel gewähcleistet. Diese Großmacht kann nur Frankreich sein.“
Diurch die Leoprechting⸗Aufdeckung erlitt die Aktivität all dieser Bestrebungen einen leichten Rückschlag. Richert betätigte sich
darüber fällt der Gesetzgeber die Entscheidung.
obgegolten sind, pro Tonne 50 95 000 77 N b ür das bisher un N ee ve le Geltentwertung der letzten Zeit, die vom Erntejahr nur kurze Zeit umfaßt, berücksichtigt wird, verringern sich die wes N wird nicht sehlgehen, den Gewinn aus den übrigen e schaftlichen Produkten mit einer gleichen Summe in nsatz ist mi j illi zoldmark vor dem Haft ist mit ungefähr 10 Milliarden Go e en Sicherlich sind davon mindestens illi im Zinsen⸗ ü von 250 Millionen Goldmark im 10 5 775 berücksichtigen ist, daß die restlichen 5 Mil.
Das ist und bleibt die Auffassung der Sozialdemokratie!
als Kohlenkommissar im Saargebiet. Erst mit der Ruhrbesetzung machte man auch einen neuen Vorstoß in
Jedenfalls liegen endlose Anzeichen
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Bayern. Seine wohl⸗
fzeitung
liberaler Abgeordneter, daß die Regierung 2
Reparationspolitif aus⸗ 8


