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Austritt Amerikas aus der Rheinland⸗
ö kommission.
Havas meldet aus Woshington: Wie das Staatsdeparte ⸗ neut mitteilte, hat Präsident Harding den General Allen, ö er nach der Abreise der amerikanischen Truppen in Koblenz erblieben war, ongewiesen, künftig an den Beratungen der Interalliierten Rheinlandkommission nicht mehr als offzieller geobchter teilzunehmen.
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pPeouinsche uepersicht
Der Stier im Porzellanladen.
Die Reparationskommission hat gestern auf Vorschlag barthous und des belgischen Delegierten Delacroix mit drei timmen bei Stimmenthaltung des englischen Delegierten ulgende Resolution angenommen: Nachdem die Repa⸗ ntionskommission von der Antwort Deutschlands vom Februar Kenntnis genommen hat, hält sie ihre Ent⸗ chließung vom 2. Januar aufrecht. Weiter hat die Repa⸗ mtionskommission mit drei Stimmen bei Stimmenthaltung es britischen Delegierten beschlossen, das Programm der bolzlieferungen, wie es im Juli festgelegt wurde, beizu⸗ Nhaln, e ee Das anglo⸗amerikanische Abkommen fertig. Dey endgültige Vertrag in der Frage der englisch⸗amerika⸗ ischen Schulden ist zwischen der amerikanischen Schulden⸗ onmnission und
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6 1 Sir Geddes abgeschlossen worden. Der gext ist o nach England gekabelt worden Die Total⸗ ennme der sulden beträgt nach Abzug der bereits gezahlten
numme 4004 128 033 Dollar. Die Zinsen betragen bis 1923 3 vom andert, von dann ab 31e nom Hundert bei einer Amortisation von 5 vom Hundert während 62 Jahren.
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Attentat auf den bulgarischen Ministerpräsidenten.
Die Grazer Tagespost meldet aus Sofia: Als am 1. Februar finisterpräsident Stambulinski die Nationglpersammlung verließ, nurübten vier Personen ein Attentat auf ihn: Sie warfen eine dwmbe und gaben vier Schüsse ab. Der Fbaufsenr Stambulinskis uurde getötet, sein Diener und ein Polizist wurden schwer verwun⸗ t. Stambulinski selbst blieb Auge Zwei der Attentäler rden verhaftet, sie gehören der Komitadschi⸗Organisation an.
0 Ermäßigung der Lohnsteuer.
Am Samstag fand im Reichsfinanzministerium eine esprechung mit den Spitzenorganisationen der Gewerk⸗ ften über die Erhöhung der steuerfreien Abzüge statt. tsprechend den Vorschlägen, die vor einigen Tagen von sozialdemokratischen Fraktion gemacht worden sind, rde vereinbart: 1. daß ab 1. März eine Verdreifachung steuerfreien Beträge eintritt, vorbehaltlich einer weiteren Ade tung; 2. als Ausgleich für den Monat Februar für die Wochenlohnempfänger für die letzte Lohnwoche Februar bezw. die letzten sechs Lohntage(Kurzarbeiter) Haige Steuerfreiheit eintreten; für die Monatsempfänger zurd dementsprechend die Gesamtsteuerleistung im Jebruar
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Neuregelung der Abzüge soll sofort dem Reichsrat und Reichstag zugehen. 8
Gemeinwirtschaftliche Ausnützung der Wasserkräfte. Im Wasserwirtschaftlichen Ausschuß des Reichs wirtschafsts rats ein Antrag der Abteilung II(Arbeitnehmer) zur Beratung, der i bessere Ausnutzung der Wasserkräfte bezweckt. Der Ausbau der ischen Wasserkräfte müsse, so betonte der Berichterstatter, mit
1. vierten Teil ermäßigt werden. Eine Vorlage über di 0
Auhdruck betrieben werden umd dabel die gemeinwirtschaftlichen Ge⸗ serspunkte maßgebend sein. Wasserkräfte dürften nicht auf unbe⸗ sscränkte Zeit und zinslos Privaten überantwortet werden. Von alm Seiten wurde anerkannt, daß auf dem Gebiete der Wassexkraft⸗ cu nutzung Süddeutschland, insbesondere Baden und Bayern bereits Justergültiges geschaffen hätten; von einer befriedigenden Wasser⸗ A wirkschaft das Deutschen Reiches sei man aber noch weit ent⸗ en Eine reichsgesetzliche Regelung käme nur in Betracht, wenn
die Wasserkräfte vergesellschafte. Wenn dieses Ziel nicht verfolgt rde, könne das Reich nur im Aufsichtswege eingreifen.
Bei dieser Gelegenheit teilte ein Vertreter des Reichsverkehrs⸗ tisteriums mit, daß für die der Reichs verwaltung unterstehenden Hebaxen Wasserstraßen zur Zeit eine Wasserstraßenordnung ausge⸗ zeitet werde, die sich auch mit der Ausnutzung der Wasserkräfte an im Reichseigentum befindlichen Flüssen befasse.
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Zeutse völkische Chutzbe
Der Führer der„Deutschvölkischen Freiheitspartei“ wollte in een Tagen in Ostpreußen verschiedene Propaganda⸗Versamm⸗ umen abhalten, die der preußische Minister des Innern, Genosse erering, aus sehr begreiflichen Gründen verbot. Die Partei des gerrn Wulle hat deshalb an den Reichskanzler ein Schreiben ge⸗ Acktet, in dem sie ihm„unerhörte Verfassungsbrüche“ zur Kenntnis i 5 Sie beklagt sich darüber, daß die öffentlichen Versammlungen Herrn Wulle verboten wurden, daß aber zur selben Zeit der
tralperband jüdischer Stagtsbsirger“ und die Kommunistische utei Versammlungen abhalten konnten. Die Freiheitspartei bittet
e eee eee eee Stadttheater Gießen. Am Freitag kam die Operette„Gas parone“ im Stadt⸗ leiter zur Aufführung. Ein Werk Millöckers, blickt die
duxette schon auf ziemliches Alter zurück. Vor etwa 30 Jahren nude sie an allen Fheatern unzählige Mal gegeben und manch ihrer odien verbreiteten sich im Volke. Der Text von Zell und Lem ze ist zweifellos gehaltvoller wie in vielen anderen Operetten, n Sizilien spielende Handlung erregt bei dem Zuschauer In⸗ se. Unter Rudolf, 6 0 1 Leitung wurde glänzend und flott delt. Ilse Wissendorf als Gräfin Carlotta war darstel⸗
ch und immlich hervorragend. Dasselbe gilt von Lu Wan⸗ uu, die eine ganz reizende Sora gab. Kurt Richter als Conte Eninio war in seinen Auftritten frisch, sympathisch und sang mit rem Schliff. Ganz ausgezeichnet spielte Richard Hellborn . Wixt ozso, gerissen, voller Humor. Köstlich war er in hem Lied;„Er soll dein Herr sein....“ Rudolf Goll(Po⸗ in) war wie imme run übertrofflich in seiner Komik, ebenso wupde e lächerliche Figur des Sindulso von Martin Jacob vorgzaglich ee Char kteristisch in Maske und Spiel war Heinz Bechslein En faelo), Eutse Schübert⸗ Jüngling errang sich in ihrer de als Duenna Zenobia auch machen Heiterkeils⸗Ersolg, be⸗ Jaiers nach ihrem Fouplet„... es gibt ja keine Männer mehr.“ übrigen Darsteller verdienen ebenfalls volles Lob, die Chöre urch die Chorvereinigung Arminius unterststzt— boten eine gute Leistung. Die musikalische Leitung lag in den bewährlen aden des Kapellmefsters Karl Knsfübel,
Saher den Reichskanzler„g
a r„glitigst“ folgende Fragen zu beantworten: va] Sind die Rosinen im Kuchen der Versassung nur noch für Zuden und Kommunisten da? b) Ist die persönliche Freiheit für alles, was nicht Jude und Kommunist ist, aufgehoben? c) Desgleichen Versamm⸗ lumgsfreiheit? d) Wo darf ein Relchstagsabgeordneter seinen poli⸗ tischen Freunden Rechenschaft ablegen?“
Der Reichskanzler wird hoffentlich diesen unverschämten Brief
so behandeln, wie es sich gehört. Wir aber möchten den Deutsch⸗ völkischen gegenüber betonen, daß die Verfassung für alle deutschen Staatsbürger gilt, deren Ziel nicht Verunglimpfung und Beschimnpf⸗ ung der Staatsform, ihrer Hoheitszeichen und ihrer führenden Mi⸗ nister ist. Solange die Deutschvölkische Freiheitspartei an einen ge⸗ waltsamen Umsturz denkt und gelegentlich mit Gewaltanwendung gegen Republikaner droht, solange steht sie außerhalb der Verfassung und hat keinen Anspruch auf irgendwelchen Schutz.
Hessen und Nachbargebiete.
Gießen und Umgebung.
1 0 8 8 Vaterländische Streilkasse.
Es gingen weiter bei uns ein:
Nispel⸗Weißbeck 100.— Mk., M. Hardt 5000.— Mk., A. P. 20.— Mk. Zusammen 5120.— Mk. Bereits quittiert 207 430.— Mk. Zusammen 212 550.— Mk.
Den Gebern herzlichen Dank.
entgegengenommen. 1 Verlag der Oberhessischen Volkszeitung.
Mieterschutz.
Ueber diesen Gegenstand schreibt der Vorsitzende des Bundes deulscher Mintervereine J. Herrmann in Dresden:
Dem Plenum des Reichstages wird demnächst der Entwurf eines Mioterschutzgesetzes zur Beratung bezw. Verabschiedung zugehen. Um dieses Gesetz wind schon seit langem von den nächstbeteiligten In⸗ teressengruppen— Mietern und Vermietern— ein heftiger Kampf geführt. Erstere wünschen Ausbau, letztere die Aufhebung des Mieter⸗ schutzes. Die Verhandlungen im Wohnungsausschuß ließen bereits deutlich die Schwierigkeiten erkennen, und die jetzt beginnende zweite Leer im Ausschuß dürfte längere Zeit, als das sonst üblich it, Fcanspruchen. Notwendig ist unbedingt, daß auf dem Gebiete des Mieterpschutzes endlich einmal klare Bahn geschaffen wird, das würde wesentlich zu einer Entspanmung der Lage der beiden Streitparteien beitragen. Zur Zeit lehnen die Hausbesitzer das Gesetz einmütig ab.
Worum geht der Kampf? Doch mr darum, am Stelle von Kriegs⸗ verordnungen einen einfachen Rechtszustand zu schaffen, der in den heutigen Werrwarr Klarheit bringt, und um Nechtsgedanken in ein Gesetz zu legen auf die die Mieter schon seit Jahrzehnten Anspruch haben. Ist es nicht schon immer als ein Unrecht empfunden worden, wenn einem Mieter, oft genug ohne wirklich zwingenden Grund, die Wohnung gekündigt wurde, und er aus dieser und der ihm be⸗ sonders zusagenden Wohnlage ohne weiteres heraus mußte? In welche wirtschaftliche Bedrängnis wurde doch dadurch oft genug ein Mieter gebracht, von den heutigen Verhältnissen ganz zu schweigen. Oder war es etwa recht, wenn ein Geschäftsinhaber durch schamlose Konkurrenz ausgemietet wurde, nur weil der gewissensose Konkur⸗ rent über einen großen Geldbeutel verfügte und deshalb höhere Miete bot? Oder war es recht, wenn eine durch Krankheit oder anderes Unglück himgesuchte Familie, die beim besten Willen am Quartals⸗ ersten die Mücte nicht aufbringen konnte, gar noch durch Kündigung noch tiefer ins Unglück gestoßen werden konnte? Gewiß wird oft genug der einsichtsvolle Hausbesitzer Rücksicht genommen haben. Es gibt aber auch andere.— Deshalb muß ein Rechtszustand geschaffen werden, der das verhindert. Hier soll das Mieterschutzgesetz mit seinem Grundgedanken eintreten für ein Wohn⸗„Recht“. Man sage nicht, daß es dieses ja schon immer gegeben habe. Das Recht des B. G. B. ist oft genug gewissen Mietverträgen zum Opfer gefallen, und nicht umsonst hat der Mitschöpfer des Mietrechts im B. G. B., der Leipziger Rechtsgelehrte Geh. Rat Dr. Sohm, dem Dresdner Mieter⸗ verein schon 1901 ins Stammbuch geschrieben:„Das Mietrecht ist erschlagen worden, deshalb müssen die Mietervereine eine Macht werden, das sind sie dem deutschen Volke schuldig.“ Da nun einerseits die Wohnungsnot keine vorübergehende Erscheinung ist und ander⸗ seits das Unxecht der Vergangenheit beseitigt werden soll, muß auch der Mieterschutz in seinem Inhalt und in dem Verfahren den ver⸗ änderten Verhältnissen angepaßt und ausgebaut werden. Es würde, darüber mag sich jeder im laren sein, zu schweren Erschütterungen kommen, wenn man etwa glaubte, die Mieter künftighin weiter nur als Lasten⸗ und nicht als Rechtsträger behandeln zu können.
Nach dem Regierungentwurf(§ 1) soll der Streit über die Be⸗ endigung des Wohnrechtes— also die Kündigung— nicht mehr dem Vermieter überlassen werden, sondern soll in Form der Klage vor den mit Laien besetzten Amtsgerichten ausgetragen werden. Dieses „Mietgericht“ fordert die Mieterschaft mit allem Nachdruck. Vor diesem Gericht sollen alle das Mietverhälmis betreffenden Sachen erledigt werden. Das Nebeneinander zweier Verfahren, das eine wegen Kün⸗ digumgsgemehmügung vor dem Mieteinigungsamt, und das andere wegen Durchführumg einer Räumungssache vor dem Amtsgericht, wird beseitigt und das ganz Verfahren vor eine Stelle geholt und dort gleichzeitig mit den Sicherheiten umgeben, die unsere Recht⸗ sprechung kennt. Die Parteien sollen nach gründlicher, mit geord⸗ neter Beweisführung ausgestatteter Verhandlung ihr Recht finden. Mit dem„Miotgericht“ würde ein bedeutsamer Anfang zur Justiz⸗ reform gemacht werden, da praktisch festgestellt werden kann, welchen Wert die Zuziehung des Laienelements für die Schaffung einer für alle Kreise des Volkes verständlichen Rechtsprechung hat. Ge⸗ rade auf diesam Gebiete wird die Heranbildung des Laienelements von ganz besonderer Bedeutung sein.
Dringend notwendig und auch vorgeschen sind Aenderungen der Bestimmungen über Mieteinigungsämter. Hoffenflich braucht künftig keine Partei mehr die Entscheidungen der Mieteinigungsämter als „ungbwendbares Verhängnis“ hinzunehmen. Es ist nicht der Zweck. dicser Zeilen, auf Einzelhelten des Gesetzes hinzuweisen besonders da es sich ja erst um den Entwurf, wenn auch unn efnen schon durch⸗ beratenen, handelt. Noch ist alles im Fluß. Hier soll mrr der alles libe rragende Leitgedanke herausgehoben werden, der darin gipfelt: Wohn ⸗„Recht.“
Weitere Spenden werden gerne
Ende der Umlaufssrist des Notgeldes der Provinz Oberhessen.
Eine Belanmtmach na des Provinzialdirektors besagt:
Die Umlaussfrist für das von der Provinz Oberhossen aus⸗ gegebene Notgeld läuft mit dem 5. Februar 1923 ab. Die Ein⸗ lösung erfolgt vom 6. bis 28 Februar bei folgenden Banken in Gießen, deren Fllialen und Nlederlassungen in der Provinz Ober⸗ hessen: Darmstäd ter“! und Nationalbank, Deutsche Vereinsbank, Direltjon der Diskonto⸗Gesellschaft, Mßtteldeutsche Creditbank, Commerz⸗ und Privat⸗Vank. Handeols⸗ und Gewerbebank.
Notgeldscheine, bie noch dem 28. Febeuar 1923 werden sollten, können nicht mehr eingelöst werden.
— Neubau eines physiologischen Instituts in Gießen. Dex Landtag hat seinerzeit die Mittel für den Neubau eines physiologischen Instituts bewilligt, im ganzen mit den Nachforderungen 48750000 Mk. Bisher sind aber schon 9 200 000 Mk. verausgabt und der Bau ist erst bis zur Sockelhöhe gediehen. Nach Berechnung des Hochbauamtes würde die Fertigstellung des Rohbaues nicht weniger wie 283 Millionen Mark kosten, die in Aussicht ge— nommene Warmwasserleitung ist auf 30 Millionen veran— schlagt worden. Trotzdem beantragt das Landesamt für
vorgelegt
Bildungswesen, den Bau unbedingt weiler zuführen, da es sich darum handelt, die dringend notwendigen Räume für 200 Studierende der Landwirtschaft zu beschaffen. Andern. falls würde das Bestehen des landwirtschaftlichen Instituts schwer gefährdet.
— Volls bildungs- und Unlerhaltungsabend. Eine große Anzahl Besucher hatten sich am Samstag abend im Saale de Liebigs höhe eingefunden, um die Darbietungen zu genießen, die der von den Gießener Gewerkschaften veraustaltete Unterhal ungs⸗ abend bringen sollge. Und es kann wohl gesagt werden, daß alle Zuhöcer von dem Gebotenen befriebigt waren. Der Abend verlief auf das Beste und wir glauben, daß auch die Vo— Mitglieder des Stadtheaters— mit ihrem Publikum zufrieden waren, das es an Aufmerkfamleit nicht fehlen ließ und alch nicht an Beisall. Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen— dieses Wort Goethes konnte dem reichhaltigen und ab wechselumas⸗ beichen Programm das abgewickelt wurde, als Nach einem Musikvortrag. Duverture aus sana Herr Kurt Richter die Bildnisgrie flöte und ein weiteres Lied aus Zar und Zimmermann. Der Sänger verfügt über ein volles, wohlklingendes Organ, sein spannend angehörter Vortrag verfehlte seine Wirkung nicht. Sehr angebracht war es. daß von dem Leiter des Abends, Heern Rich. Hellborn über die Personen der Versasser der zum Vortrag kommenden Stücke einige Angaben gemacht wurden, die sicher vielen willkommen waren. Tiefen Eind cuck erzielte Rose Ru bez mit der Rezitation„Schön Adelheid“, ebenso Karl Juhnke und Kitty Franke mit ihren sormvollendeten Vorträgen. an nal wurde nur etwas zu leise gesprochen, so daß hier und da ein Satz umperständlich blieb. Hellborn brachte Feelligraths wuchtiges„Die Toten an die Lebenden“ wirkungsvoll zum Vor⸗ trag. Im zweiten humoristischen Teil brachte Cläre Türk aller⸗ liebste Kindergeschichten die viel Hefterkeit exregten. Ebenso er⸗ delten die Gesangsrorträge von Frau Schubert⸗ Jüngling verdtenten Beifall— Wolf Leutheiser wußte durch mehrere Couplets die Hörer aufs Beste zu untechalten und schließlich ließ Hellborn noch eine Menge Schnurren und Witze los. Sehe gelungen war darunter das auf fünf verschiedene Arten vorge⸗ tragene„In einem kühlen Grunde“.— Mit einem Wort: Es war ein prächtiger Abend Gutes und Vieles wurde geboten und es zu wünschen, daß etwas Aehnliches in Bälde nochmals wiede wird. Den Mitwirkenden gebührt Dank, sie haben sich in der 2 ein Verdienst erworben.
Zar und Zimmermann aus der Oper Zauber⸗
— Unfallverhütung und behandel e S am Son Jin einem Vortage im ichtspielhause, Bahnhosst aß 4
völlig abgesogen und dadurch der Arbeiter eiche— Durch den film. en gezeigt, für die in allen größeren Betrieben Vorkehrungen getroffen sein müssen, namentlich sollen stets Verbandsmittel, sauber und gut aufbewahrt, vorhanden sein.— Von den Anwesenden wurden die lehrreichen Ausführungen beisällig aufgenommen. Es wäre sehr wünschenswert gewesen, wenn sich die Arbeiterschaft in weit größerer Zahl eingefunden hätte, als es der Fall war. Gerade an derartigen Dingen müßte sich viel mehr Interesse zeigen. Die Ge⸗ werkschaftsbewegung, wie auch die sozialdemokratischen Vertreter im Reichstage sind jederzeit für Ausbau der Gesetze und Bestim⸗ mungen für Unfallverhütung eingetreten. Gesetze gllein helfer aber nicht, sondern die Arbeiter müssen ebenfalls das tun. einer erst einem Unfall zum Opfer gefallen, ist es zu spät, das Verhüten ist die Hauptsache!— Heute, Dienstag, abends 8 Uhr findet im großen Hörsaale der Universität nochmals ein Filmvor⸗ trag über das gleiche Thema statt. Wir machen darauf noch be⸗ sonders aufmerksam.
Das orientalische Schattenspiel. Im Auftrage der Gießener Literarischen Gesellschaft sprach Prof. Kahle, Leiter des orientali⸗ schen Instituts, der seit 1003 längere Zeit in Kairo lebte, über eine altägyptische Volkskunst, die dort vor 20 Jahren noch an ziemlich üblen Oxten gezeigt wurde, das orientalische Schattenspiel. Au⸗ schließend führte er einige alte Schattenspielfiguren vor, aus Leder kunstvoll ausgeschnitten und mit farbigen Einlagen versehen, die er selbst bei Figurenschnitzern erworben hatte. Sie werden beim Spiel mit Stangen fest an die Leinwand gepreßt aud von hinten so beleuchtet, daß sie sich schwarz auf der Leinwand abzeichnen— ein Verfahren, das noch der junge Goethe kennen lernte und das im 17. und 18. Jahrundert auch in Deutschland sehr beliebt war. Justinus Kerner hat mehrere Schattenspiele verfaßt, und bekannt sind besonders die Stücke, die Graf Pocci in München für die Kin⸗ der gaschrieben hat.— Aus dem Orient ist diese Volkskunst zu uns gelangt. Aber Aegypten war nicht ursprünglich das Land, dem wir ihre Erfindung verdanken. Im 11. und 12. Jahrhundert spielte sie in Arabien eine so bedeutende Rolle, daß selhst berühmte Mystiker in ihren Werken darauf Bezug nehmen. Am Geburtsfest des Propheten, beim Thronbesteigungsfest des Sultan, bei allen Heili⸗ genfesten war das Schattenspiel in Aegupten die Volksbelustigung. Im allgemeinen dauerte so ein Spiel drei Stunden, aber das Kla⸗ sberspiel wurde an 28 Abenden des Fastenmongts in Fortsetzungen aufgeführt, eine Leistung sür den Sprecher, wenn man bedenkt, daß es weder Bücher noch Handschriften gab, die den Juhalt des Spiels festlegten. Nur im Gedächtnis der Spieler ward diefs Kunst jeder Generation erhalten. Ein Jahrmarktsspiel aus dem 13. Jahrhun⸗ dert enthielt 27 Tynpen von Gestalten, die mit ihren Künsten auf⸗
traten. Was mag das für eine Freude für Auge und Ohr gewesen sein! Die Forschung glaubte eine zeitlang die Heimat des Schat⸗
tenspiels in Indien, besonders in Hinterindien(auf Javal. Dort hat man seine große Beliebtheit nachgewiesen. Von Javg wurde es nach Siam übertragen. Die neueste Forschung fand endlich feinen Ursprung in China. 68 Stücke sind gesammelt worden und ein amexikanisches Museum bewahrt noch über 1000 Schattenspiel⸗ figuren. Die uralte Ahnenverehrung mit ihren mystischen Fawi⸗ liensitzungen gab dort den Anstoß dazu. Zwischen 600 und 900 nach Christi nahm das Schattenspiel in China mit der Entwicklung der dramatischen Kunst seinen großen Aufschwung. Die Mongolen haben es nach dem Westen gebracht, nach Persien und Indien, auf diesem Umwege nach Aegypten und Europa. Der Vortrag des
Prof. Kahle war sehr lehrreich und unterhaltend. Ejye leine Aufführung eines Schattenspiels unter mangelnden Umständen wirkte erheiternd! K. st.
Personenschädengesetz und soziale Fürsorge. Vom Versorgungs⸗ amt wird geschrieben: Das Personenschädengesetz vom 15. Juli 1922 gewührt, soweit es nicht im einzelnen anders vorschreibt, den durch den letzten Krieg sowie durch innere Unruhen an Leib und Leben beschädigten Personen die Versorgung nach dem Reichsversorgungs⸗ gesetz. Diese Versorgung umfaßt auch soziale Jürsorge. Die Fülr⸗ sorge ist von den Amtsstellen der soziglen Fürsorge nach den dom Reichsausschuß der Kricgsbeschädigten⸗ und Kriegshinterbliebenen⸗ fürsorge aufgestellten Richtlinsen durchzuführen. Ausführungsbestim⸗ mungen werden den Vollzug des Gesetzes näher regeln. Um der Not, die bei einem Teil der in Frage kommenden Personen herrscht, steuern zu können, sind die Hauptstirsorgestellen und Fürforgestelle für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene ermächtigt worden, die sozigle Fürserge aufzunehmen, ohne das Erscheinen der Ausführungs⸗ often abzuwarten. — Das Schwurgericht der Provinz Oberßhessen tritt am Montag, den 5. März, vormittags 9% Uhr unter Vorsitz von Landgerichtsvat Funk zur Sitzungsperiode des 1. Vierteljahres 1923 zusammen,
Leitsatz dienen.


