Bahnboffraße 23 derusprecher 2008.
berhessische
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kitung
entlitin: Gleßtt Bahnhofstraße 23 Ferusprecher 2008.
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Nr. 4
Gießen, Samstag, den 6. Januar 1923
183. Jahrgang
8985*
N* 13
Nenjahtsgruß aus Amerika.
Von Dr. Reinhard Strecker.
Es drängt mich, Freunden und Mitarbeitern einen Neu⸗ fjahrsgruß über den Ozean zu senden; die Gedanken sind dauernd daheim und vergleichen die gewaltigen Eindrücke hier mit den Er⸗
innerungen dort, Erinnerungen an Vorkriegszeit und Nachkriegs⸗ zeit. Das Herz ist voll von dem, was man sagen möchte, aber ein Zeitungsartikel ist ein viel zu enger Raum, um auch nur das
Wichtigste zu umfassen. Als ich von daheim abreiste, der Einladung amerikanischer
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Freunde folgend, bekam ich von berufenen Stellen die Mahnung mit, die Stimmung der Deutschamerikaner zu schonen. Sie seien immer noch monarchistisch und sie seien gegen die Prohibition,
und es sei zu fürchten, daß sie die Lust zu helfen verlören, wenn sie von einem republikanischen Deutschland darum angegangen würden. Bei der deutschen Votschaft in Washington hörte ich, daß ein volksparteiliches Außenministerium auf die Amerikaner wohl den besten Eindruck machen werde, weil es die sachver⸗ sbändigste Wirtschaftspolitik machen würde, während man eine zu weit links gerichtete(lies: demokratisch⸗sozialistische Regierung!)
in Amerika nicht wünsche. 5 Ich bin jetzt 2 Monate in New⸗York, Philadelphia und Washington und 1. Woche in Toronto in Kanada gewesen.
(Morgen soll die Reise nach Chicago und Minneapolis weiter- g gehen.) Was ich erlebt habe, sieht nun doch in wesentlichen N Punkten anders aus, als das oben slizzierte Bild. Allerdings: die deutsch⸗amerikanischen Zeitungen sind gegen die Republik, ind gegen die Prohibition. Aber daß sie durch diese ihre Haltung eine Annäherung zwischen Deutschland und Amerika erleichterten,
kann nur ein politisch Blinder behaupten. Freude hat an dieser altung zumeist wohl deutsches Alkoholkapital, das an diesen
eitungen stark interessiert ist, und die deutsche Reaktion, die be⸗ sauptet, in Deutschland nicht genug Schimpffreiheit zu haben und
1 ierten nationaltstischen Wahlmache. Die deutsch⸗amerikanische Presse ist nicht„die“ deutsch⸗ameri⸗ flranische Meinung(so wenig wie die vom heimischen Kapital orrumpierte deutsche Presse diejenige des deutschen Volkes ist). 1 1 daß diese Presse— leider!— manchen um sein natür⸗ 9 liches, gesundes Augenlicht in der Politik betrügt. Ich sprach werschiedene angesehene deutschamerikanische Gelehrte, die sich bitter über jene Presse beklagen und zugleich darüber, daß sie gar keine Unterstützung bei den offiziellen Instanzen des neuen 3 Deutschland fänden, wenn sie sich für dessen Ideale, für die * Weimarer Verfassung und für deren gerechte Würdigung im 0 sland einsetzten. Es ist unseren offiziellen Vertretern auch 115 nicht gelungen, Amerika mit der neuen deutschen Fahne ö bekannt zu machen. Wo man uns Deutsche zu ehren sucht, er⸗ 0 scheint immer noch die frühere kaiserliche Fahne, während es so 0 leicht wäre, gerade hier den Sinn von Schwarz⸗rot⸗gold auch 0 dem Amerikaner einleuchten zu machen, der auf einem der herr⸗ llichsten Plätze New Yorks, nahe der Columbia⸗Universität, das 0 kmal von Karl Schurz, und damit die Erinnerung an das eutschland der wackeren, alten Achtundvierziger vor Augen hat. ö Ich habe in meinen Vorträgen hier diese Anknüpfung oft gesucht, 1 habe in diesem Zusammenhange von unserer Weimarer Ver⸗ fassung gesprochen(die von der hiesigen Friedensgesellschaft mit guter Einleitung in englischer Sprache veröffentlicht wurden) und konnte von da aus die große Kulturbedeutung des deutschen dealismus von der Wende des 18. Jahrhunderts ins Gedächt⸗ mis zurückrufen. Ich registriere nur Tatsachen, wenn ich mit⸗ teile, daß mir in deutschen Versammlungen der Wunsch geäußert awurde, mehr von diesem neuen, kommenden Deutschland zu hören, und daß mir das Vorlesen einiger Paragraphen der Weimarer Verfassung in englischen Versammlungen starken Beifall in⸗ itten meiner Ausführungen einbrachte. Wir haben also wahr⸗ ftig gar keinen Anlaß, unsere neue Fahne und Verfassung ängstlich zu verstecken. Soweit wir nicht blind sind für den Wert neuer Brücken zur Verständigung mit anderen Völkern, werden wir solche in dieser Richtung suchen müssen. Ich machte die großen internationalen Versammlungen mit gegen den Alkoholismus in 1 hiladelphia und Toronto. Ich fand bei den Vertretern der anderen Völker die gleiche Stimmung. Für unser Verhalten gegen Belgien hat man keine Entschuldigung. Für die Gewaltsamkeiten des Friedens von Versailles, z. B. die erzwungene Fernhaltung Deutsch⸗Oesterreichs von uns, aber auch nicht. Eine Unterredung mit einem englischen Universitätsprofessor schloß mit dessen Aeußerung, Deutschlands Aufgabe, wie sie in der neuen Ver⸗ fsüassung zum Ausdruck kommt, ist so schwer, wie sie noch kein Volk 4 in der Weltgeschichte gehabt hat. Wenn aber Deutschland mit der Verwirklichung seiner neuen Verfassung fertig wird, wird es der Eckstein des europäischen Friedens sein. Mit der Alkoholfrage 1 steht es ähnlich. Die albernen Märchen von der Vermehrung der Trunksfucht, von den schweren Schäden der Prohibition werden durch den Augenschein ebenso wie durch eine gewissenhafte Statistik widerlegt. Gewiß hat das Gesetz und seine Durch⸗ führung noch manche Llicke. Aber seine hundertjährige Vorge- schichte und seine vielfach gerade von deutschen Gelehrten gegebene wissenschaftliche Begründung garantiert den Vestand. Das Er⸗ gebnis der Kongreßwahlen, von den Alkoholinteressenten vielfach entstellt wiedergeben, gefährdet die Prohibition nicht. In den dunkelsten Vierteln derchroßstädte haben sich die Kneipen in Läden und Wohnungen verwandelt. Mir ist bis setzt noch nicht ein ein⸗ ziger Betrunkener begegnet; dagegen konnte ich überflüssig ge— wordene Trinkerheilanstalten, Akoholanstalten, Alkoholkranken⸗ häuser und Gefängnisse selbst feststellen. Es gibt auch keinen nationalökonomisch gebildeten Deutschen, der seine Augen vor der Bedeutung dieser Tatsache der prinzipiellen Alkoholfreiheit dieses großen Volkes verschlösse. Ferner sind die deutschen methodistischen und baptistischen Gemeinden wärmste Verfechter des Prohibktions⸗
6,40 Uhr abgebrochen.
Die Pariser Konferenz abgebrochen.
Keine Verständigung aber herzliche Beziehungen.
Das Ende.
Die Pariser Konferenz wurde Donnerstag nachmittag Der französische und der englische Ministerpräsident kamen gemeinsam zu der Entscheidung, daß eine Einigung in der Festsetzung der Repa⸗ rationen nicht erzielt werden könne, wobei jedoch der Hoffnung Ausdruck gegeben wurde, daß die Uneinigkeit nur eine zeitweilige sein wird und nicht den Bruch der Entente zur Folge habe. Die englische Abordnung fährt Freitag früh nach London zurück. Die belgische und die italienische Abordnung verbleiben bis zun, Abend. Zwischen Frank⸗ reich, Italien und Belgien werden die Verhandlungen auf anderem Wege als dem der Konferenz fortgesetzt werden.
Die letzte Sitzung.
Die dritte Sitzung der Konferenz begann mit einer Erklärung Bonar Laws und der Ueberreichung eines englischen Memorandums. Danach wird von der englischen Regierung das von ihr eingereichte Programm in vollem Umfange aufrecht erhalten, die Haltung der englischen Delegation habe keinerlei Aenderung erfahren. Die Alliierten müßten sich entscheiben zwischen dem französischen Plan, der zwar sofortige, aber geringfägige Zahlungen Deutschlands zum Ergebnis habe, und dem englischen Vorschlag einer definitiven Ne⸗ gelung des Reparationsproblems. der allerdings nicht unmittelbar, sondern erst später ein Maximum deutscher Leistungen verbürge.
Darauf nahm zuerst der italienische Vertreter Della Torretta das Wort, um einen Vermittlungsvorschlag Mussolinis ausemander⸗ zusetzen, der sich, wie erklärt wird, dem französischen Standpunkt sehr nähert und die französischen Forderungen in einigen Punkten noch übertrifft. Nach einer einstündigen Unterbrechung, in der die Eng⸗ länder sich zu einer Beratung zurückzogen. nahm der belgische Ver⸗ treter das Wort. Zum Schluß sprach Bonar Law, der im wesent⸗ lichen nur sagte, daß nichts anderes übrig bleibe, als die Konferenz abzubrechen.
Ueber den Verlauf meldet der Koerespondent der Frankf. Zig. noch: Zu der feutigen letzten Sitzung. den Anteralsiierten Konferenz ist noch nachzutragen, daß Poincars den italienischen Vermittlungs⸗ nonseog e Piskussion angenommen, jedoch aufs neue jede Debatte über den englischen Vorschlag, sowie liber das neue von Bonar Law überreichte Memorandum abgelehnt hat. Die Unterbrechung der Sitzung ist daraufhin auf Antrag Bo⸗ nar Laus beschlossen worden, der die Pause benützte. um sich vor der endgültigen Entscheidung nochmals mit seinen Ministerkollegen in London in Verbindung zu setzen. Als die Delesnerten um 8.30 Uhr erneut zusammentraten, stand es bereits außer Zweifel, daß die Konferenz mit einem Bruch zu Ende gehen würde.
Die Erklärung Bonar Laws.
Bonar Law hat in' der Schlußsitzung der Konferenz folgende Erklärung abgegeben:
Die Regierung Seiner Majestät ist, nachdem sie die französischen Vorschläge mit der größten Ars. merksamkeit geprüft hat, zu der klaren Ansicht gekommen, daß diese Vorschläge, wenn man sie zur Ausführung bringt, nicht nur nicht die Ergebnisse zeitigen werden, die sie er— reichen sollen, sondern wahrscheinlich ernste und selbst unheilvolle Folgen für die wirtschaftliche Lage Europas nach sich ziehen werden. Unter diesen Umständen kann sich die britische Regierung diesen Vorschlägen weder anschließen noch eine Ver— antwortung hierfür übernehmen. Die Re⸗ gierung Seiner Majestät will aber zu gleicher Zeit der Re— gierung der französischen Republik versichern, daß sie es außerordentlich bedauert, daß eine unversöhnliche Meinungsverschiedenheit in einer so
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gedankenz, und sie sind in einem allgemein unter kirchlichem Ein— fluß stehenden Land wie Amerika von nicht zu unterschätzender . Für die moralische Wiederaufrichtung Deutschlands unter den anderen Völkern sind sie jedenfalls mehr wert, als pie sich isolierenden und dadurch selbst ausschaltenden bierpatrigtisch⸗ monarchistischen Kreise.
Erschittternd wirkt immer wieder der Gedanke, wie anders heute Deutschlands Situation wäre, wenn es durch eine klügere Politik dieses Land hier mit seinen ungeheuren Kräften dem Kriege fernzuhalten verstanden hätte. Aber die rechtzeitigen Warnungen fanden ja leider bei unseren Ludendorff und Genossen blinde Augen. Und hier wundert man sich nur, daß so falsche, lelchtsinnige Propheten wie die Herght oder Helfferich trotz allem ihre politische Rolle vor einem großen Tell unseres Volkes immer noch nicht eusgespielt haben. Für BVethmann⸗Hollwegs guten Willen und richtige Auffassung habe ich hier gerade auch unter Deutschamerikanern manches anerkennende Wort gehört. Wir wir konnten, sagte mir ein guter Deutscher hier. Aber Spolitik Ludendorffs mutete uns zu viel zu. Wie sollten 10 Prozent gegen 90 Prozent die amerikanische Kriegspolitik ver⸗ hindern. Das war ein Zusammenprall bei dem wir unter die Räder kommen mußten. Und in der Tat, das Deutschtum hier hat einen schweren Stoß bekommen. Es wird keine ganz einfache Aufgabe sein, es einigermaßen zu rehabilitieren. Das„Wie“ im einzelnen zu erörtern, würde zu weit führen. Nur soviel im all⸗ gemeinen: die geistig kulturellen Werte müssen auch hier neben oder sogar vor den wirtschaftlichen helfen. Und nicht troͤtzige Iso⸗ lierung, sondern nur verständnisvolle Mitarbeit an den Kultur— gielen der anderen Völker wird die neue Eingliederung Deutsch
ernsten
daß aber dadurch die freund⸗ schaftlichen Gefühle nicht nur der britischen Re⸗ gierung, sondern, wie sie überzeugt ist, des britischen Volkes gegenüber der fränzösischen Regierung und dem französischen Volke un verändert bleiben.
Poincarés Erwiderung.
Poincaré hat hierauf die folgende Erklärung abge⸗ geben:
Die Regierung der französischen Republik hat ihrerseits die britischen Vorschläge sehr aufmerksam und sehr streng geprüft. Je mehr sie sie studiert hat, desto mehr mußte sie erkennen, daß sie eine wesentliche Herabsetzung der französischen Forderungen in sich schließen sowie ein Um⸗ stoßen des Vertrages von Versailles, und daß es unmöglich sei, eine derartige Lösung anzu⸗ nehmen. Die Regierung der Republik bedauert lebhaft, doß sie sich über diese ernste Frage mit der britischen Re⸗ gierung nicht hat einigen können, aber sie dankt der britischen Regierung für ihre freundschaftlichen Gefühle und sie kann ihr die Versicherung geben, daß trotz dieser Verschiedenheit der Ansichten die Gefühle der Regierung der französischen Republik und der französischen Nation gegen⸗ über England unveränderlich herzlich bleiben werden.
Rücktritt des belgischen Ministerpräsidenten.
Der belgische Ministerpräsident Theunis hat dem König sofort nüch dem Abbruch der Konferenz telegraphisch seine Demission angeboten.
5 5 2 Die Stellung der Reichsregierung. Aus Berlin wird uns telephonisch gemeldet:
Als am Donnerstag abend der Abbruch der Pariser Konferenz bekannt wurde, erklärte uns eine hochstehende politische Persönlichkeit des Reichskabinetts auf die Frage „Wie stellt sich die Reichsregierung zu dieser neuen Situation“:„Für uns ist die Situation nun sehr einfach. Der Grund zum Abbruch der Konferenz war bekanntlich nicht der Streit um den Zahlungsmodus, sondern die Ver⸗ schiedenartigkeit der Auffassungen über die Notwendigkeit von Pfändern. Eine Pfänderpolitik wird bekanntlich in Deutschland von allen Parteien abgelehnt. Es besteht also jetzt die Einheitsfront.“ f
Diese Gedankengänge zeigen, worauf die Regierung hinaus will. Sie denkt nicht daran, vorläufig eigene Aktivität zu zeigen, sondern glaubt dies dem Auslande über⸗ lassen zu müssen, da ein„Nein“ doch von allen deutschen Parteien getragen wird. Wir betrachten die Situation nicht so„einfach“, wie sie sich maßgebende Regierungsstellen aus⸗ malen und glauben, daß es immer noch Pflicht der deutschen Regierung ist, trotz der bestehenden Aussichtslosigkeit einen Versuch zu machen, neuem Elend vorzubeugen und ein bevorstehendes Ultimatum Frankreichs wenigstens zu ver⸗ hindern zu suchen. Die Spekulation auf eine Uneinigkeit der Alliierten und den Zusammenbruch des Ententebünd⸗ nisses ist salsch. Die Entente besteht fort, ebenso lebt die Reparationskommission weiter und auch der Rücktritt des belgischen Ministerpräsidenten hat mit dem Abbruch der Pariser Konferenz nicht das geringste zu tun. Theunis hat
Angelegenheit besteht,
lands in die weltgeschichtlichen Zusammenhänge der Gegenwart ermöglichen. Hier hätte die deutsche republikanische Regierung große und schöne Möglichkeiten, von denen aber bisher noch keine richtig erkannt worden zu sein scheint. Unsere Botschaft in Washington kostet uns Milliarden. Sie ist noch stark auf das Re⸗ präsentative zugeschnitten. Wir könnten hier große Summen ein⸗ sparen und trotzdem erheblich viel mehr für die deutsche Republik leisten, wenn wir die repräsentativen Kräfte durch wirklich aktive ersetzten und von ihnen nach allen Seiten hin in Presse, Kirche. Vereinsleben, Alkoholbekämpfung usw. nicht nur sachkundige, son⸗ dern auch pfychologisch-feinfühlige Belebung und Anxegung aus⸗ gehen ließen. Man muß hier auch einmal hören, was für wahn⸗ sinnige Summen auf amerikanischem Boden für eine kindisch törichte Kriegspropaganda ausgegeben wurden und zum Teil in den Taschen einzelner hängen blieben, um die ganze Unwahr⸗ haftigkeit jener Schildhalter des alten Regimes zu ermessen, die der republikanischen Regierung Verschwendung und Futterkrippen⸗ wirtschaft vorwerfen.
Alles in allem, die deutsche Republik soll nur erst einmal sich selbst ernst nehmen, dann wird sie, auch von den andern bald ernst genommen werden. Ohne das aber bleibt alles Bemühen um moralischen und materiellen Kredit in der Welt vergeblich. Die amerikanische Presse empfand den Sturz Dr. Wirths durchaus nicht als erwünschte Verschiebung nach rechts, sondern als neue Er⸗ schiltterung der dentschen Republik, als neues Fragezeichen hinter der Weimarer Verfassung, ja als neues Spiel mit dem Feuer u Sturz in das Chaos.„Diseite moniti!“ Wir sollten wirklich endlich lernen, nachdem wir genügsam gewarnt worden sind.
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