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5 fordert hohe Anforderungen an Mut, Selbstbe⸗ berrschung und Zähigkeit.“ glb Den Gipfel gemeinen Verrates am rheinischen Heimat⸗ 1 ande hat der berüchtigte Separatistenführer Smeets er⸗ 4 Flommen mit der Aufforderung:„Frankreich lasse sich aus u. einen indochinesischen Besitzungen eine halbe oder eine Rar/ anze Million Kulis kommen, die, von einer Hand— n oll Reis lebend, ganz andere Arbeit leisten als unsere ver⸗ 7 öhnten Proleten!“ Daß die jetzigen Machthaber der„west— „ ichen Demokratie“ mit ihren erhabenen Erinnerungen an * ie Menschenrechte der großen Revolution ein solches Ueber— „le tumpentum benützen, schützen und stützen, das gehört zu Mar ieser Zeiten schmerzlichsten Schande. 4 Alles ist jetzt varläufig in Deutschland: der Stand 5 der Valuta, die Gehälter und Lohne wie alles andere, ein⸗ lt sahließlich die Ruhrbesetzung. Der Vorläufige Reichswirt⸗ schaftsrat beschäftigt sich gegenwärtig mit dem Entwurf lane ines Gesetzes über eine vorläufige Ar⸗ 5 eitslosenversicherung.„Vorläufig“ deshalb, weil f wie in der Begründung des Entwurfs ausgeführt wird („bei der Dauer und der Iytensität der Wirtschaftskrisen 15 ind der unberechenbaren Lage des Arbeitsmarktes“ der W oraussichtliche Aufwand sich unmöglich schätzen f ißt. So bleibt eben notgedrungen in Deutschland infolge ent des unseligen Einbruchs des Feindes alles bis auf weiteres „ dorläufig, mit andeern Worten ganz unsicher und ungewiß. 1%(rostlose Lage! 5 J 5 m Dem„großherzoglichen Hofe“ aber im Frei ⸗ 1 taat Hessen will eine Koalition des Zentrums, der Mü Teutschen Volkspartei und des Bauernbundes ein Mil⸗ um, liardengeschenk machen. Weil der frühere Groß⸗ ö 1 lerzog in dieser Zeit allgemeiner Not seine Hofbeamten und „„ miener von 19 auf 30 vermehrt bat, veranstalten die Rechts⸗ Nin Arteien eine Hilfsaktion für diesen besonderen Notstand. , Gir Sozialdemokraten erblicken in dieser Nothilfe für den 10 DTarmstädter Hof eine ungewöhnlich starke Herausforderung 6 gegenüber der Revolution vom 9. November 1918. Wir sehen W were innere politische Kämpfe voraus und werden es mit 51 gelen Mitteln zu verhindern suchen, daß die Reaktionäre der 1. bs jetzt mißlungenen großen Koalition durch eine solche
umd belgischen Soldaten
25 Schülern, bbarbarischen Methoden erinnern,
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f ist klar.
körperlich zu zermürben. Dahin gehört die Methode plan⸗ mäßiger Herausforderung,
ist die einfoche Tatsache der uner schbütterlichen Ge⸗
Höchst willkommenen Vorwand geben.
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Nr. 53
Gießen, Montag, den 5. März 1923
18. Jahrganb
Wochenschau.
Genosse Otto Wels hat die Stellung der Sozialdemo⸗ ratie zum Ruhrkonflikt mit einigen scharfen Sätzen ut gekennzeichnet. Wir erblicken in den Vorgängen in Westfalen einen Kampf der friedlichen Arbeit egen die bewaffnete Roheit. Wir halten an der rfüllungspolitik in den Grenzen der deut⸗ chen Leistungsfähigkeit fest, weil nur dadurch er Friede Europas verbürgt werden kann. Wir verlangen, aß von der Regierung jede Möglichkeit zu Ver ⸗ andlungen ausgenutzt werden muß. Banditen und Vandalen, freche Straßenräuber und rohe Zerstörer: so muß man die militärischen Vertreter Betätiger der„französischen Politik im tuhr gebiet“ bezeichnen. Freche Ueberfälle, von oben efohlen oder auf eigene Hand ausgeführt, von französischen auf Kassen und Personen zum wecke der Ausraubung! Rohe Ausplünderung und Ver- üstung von Amtsgebäuden, wirtschaftlichen Zentralen, hnhöfen durch kommandierte Straftruppen. Auspeitschung Mißhandlung von Gefangenen. Solche was die körperliche und lische Folterung deutscher Weißen anlangt, bedenklich an die Kongogreuel der Belgier gegen die afrikanischen Schwarzen. Auf solchen Tiefstand ist nunmehr die famose enieur⸗Expedition Poincarés herabgesunken. Die Taktik der Pariser Gewaltmenschen Man sucht jetzt die Ruhr⸗Bevölkerung seelisch und
die während dieser Woche mamentlich in Bochum durch eine Reihe schwerster Aus— sschreitungen, sowie durch unerhörte Schikanen und Quäle⸗ reien geübt worden ist. Was die Franzosen in Wut versetzt,
schlossenheit des deutschen ausharrenden Widerstandes. Diese bewundernswerte Methode ist matürlich auch die einzig mögliche. Selbst in der Kreuz⸗ zeitung kommt ein General zu dem richtigen Ergebnis:„Im jetzigen Augenblick wäre Herrn Poincaré nichts erwünschter, als ein großer Ausbruch elemenkarer deutscher Auflehnung. Aktive Gegenwehr würde ihm zur schonungslosen An⸗ svendung seiner überlegenen mlitärischen Machtmittel einen Die passive Resistenz, ünsonderheit von der Bevölkerung an Ruhr und Rhein, er⸗
„Revision der Domanenfrage“ der hessischen Republik wirt⸗
waftlich das Rückgrat brechen.
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Dem Endkampfe entgegen. N
Die Vergewaltigung der Eisenbahnen.
Am Mittwoch der vergangenen Woche wurde in Paris von französischen und belgischen Ministern der Beschluß ge⸗ faßt die Eisenbahnen des besetzten Gebietes in eigene Regie zu übernehmen. Dieser Beschluß soll jetzt durch die Rhein⸗ landkommission„verwirklicht“ werden. Ueber acht Tage hat dieses Institut für Völkerrechtsverletzung also gebraucht, um den Pariser Befehl in die Form einer Verordnung zu kleiden. In der Tat, eine schwierige Geburt! Es wird bestimmt, daß an Stelle der deutschen Eisenbahnverwaltung ein französi— scher und belgischer Eisenbahndirektor mit gleichen Rechten die Regie des Verkehrs übernehmen sollen. Sie haben außer der Erledigung technischer, kommerzieller und fininzieller Aufgaben, das Recht, Einberufungen von Personal vorzu— nehmen und kollektive oder einzelne Entlassungen zu veranlassen. Wir sind überzeugt dovon, daß die so neu ge— schaffene Instanz sich ebenso als überflüssig erweist, wie die belgisch⸗französische Ingenieurkommission, die jetzt über acht Wochen in dem Essener Hotel„Kaiserhof“ auf Kosten Bel⸗ giens und Frankreichs ouf großem Fuße lebt und noch nicht einen Handstreich praktische Arbeit geleistet hat.
Schon einmal mußten wir darauf verweisen, daß zur Aufrechterhaltung des komplizierten Efenbahnnetzes im Westen mehr gehört als Befehle erteilen, daß vor allen Dingen ein großer Stab von Personal notwendig ist und dieses Personal mit Land und Leuten bekannt sein muß. Diese Voraussetzungen können die Besatzungsmächte tros aller Anstrengungen nicht im geringsten schaffen. Das in Frankreich und Belgien vorhandene Eisenbahnpersonal ist bereits jetzt auf das notwendigsle Maß reduziert, um über⸗ flüssige Kräfte für das Ruhrgebiet sreizubekommen. Aber diese Krafte sind, wie die vielen Eisenhahnzusammenstöße der letzten Wochen schon beweisen, den schwierigen Verhält⸗ nissen im Ruhrgebiet keineswegs gewachsen. Daß diese Minderwertigkeit selbst durch die Androhung der Todesstrafe von deutschen Eisenbahnern nicht herabgesetzt wird, das be— weist der an andere Stelle wiedergegebene Aufruf der„Deut— schen Eisenbahnerverbandes“. Nach den Erfahrungen aus den vergangenen Wochen ist hiervon auch die Besatzung überzeugt. Wenn sie trotzdem den Versuch macht, die Eisen⸗ bahn selbst zu verwalten, dann mit der ausschließlichen Ab⸗ sicht, auch durch diese Maßnahme indirekt moralische Aus⸗ wirkungen zu erzielen. Ihre Taktik ist keineswegs ge— ändert, sie ist konseguent durch die neuesten Anordnungen auf das Endmaß gesteigert. 5
Den Direktoren ist, wie bereits gesagt, das Recht ge⸗ geben, kollektive oder einzelne Entlassungen vorzunehmen. Von diesem Recht werden sie Gebrauch machen, formell die deutschen Eisenbahner aufgefordert wurden, sich ihren Anordnungen zu fügen und nachdem das abgelehnt worden ist. Unter dem Vorwand der Arbeitsverweigerung wird so schließlich auch der Verkehr auf den bisher noch in Betrieb befindlichen Strecken stillgelegt und erreicht, was man will: die restlose Stillegung des Eisenbahnverkehrs, die Unterbindung jeder Zufuhr, und damit ergeben sich für die Abwehrfront zweifellos große Gefahren.
Die Reichsregierung hat die ausländischen Regierungen über die letzten Vorgänge im Ruhrgebiet bereits durch um⸗ fangreiches Material unterrichtet. Wir erachten es als dringepd notwendig, daß sie auf diesem Wege fortfährt und auf schnellstem Wege die Welt fiber die konsequent ange— strebte Hungerblockade der Franzosen und Belgier eingehend unterrichtet. Von der Art und Weise in der das geschieht, hängt es ab, ob die Welt in dem Kampf gegen den Magen des einzelnen Bewohners an der Ruhr weiter teilnahmslos verharrt.
Die Franzosen in den Darmstädter Eisenbahnwerlstätten. Samstag früh 6 Uhr haben französische Truppen die Darmstädter Eisenbahn-Werkstätten in der Richtung Weiterstadt besetzt. Auf einer hochge— legenen Brücke sind Maschinengewehre aufgestellt, die den Bahnhof beherrschen. Die Arbeiter haben den Betrieb eingestellt. Der Hauptbahnhof ist vor⸗ läufig nicht besetzt und der Verkehr bis jetzt nicht
gestört.
Das Maunheimer Hafengebiet besetzt.
Samstag vorm. 6 Uhr sind ca. 300 Franzosen im Ge⸗ biete des Mannheimer Industrie- und Handelshasens ein⸗ gerückt. 120 Mann kamen mit Bagage in die Neckarvorstadt und besetzten die Hildaschule. 100 Mann stehen in der Industriestraße und 70 Mann auf dem Bahnhof Luzenberg.
nachdem
verstärkter militärischer Besetzung.
Das Journal des Debats schreibt in einem Artikel über die Ruhrbesetzung, daß im Falle der Fortsetzung des deutschen Widerstandes von französischer Seite mit einer Verstärkung der militarischen Besetzung gerechnet werden müßte. Zu diesem Zwecke müßte die Demobilisierung der jetzigen Jahresklasse hinausgeschoben werden und es könne auch notwendig werden, daß Kolonialtruppen zur Ablösung der Besatzungstruppen gebraucht werden müßten. Das Blatt fügt hinzu, daß diese Truppen sich immer„ausgezeichnet be⸗ nommen“ haben und daß der deutsche Kampf gegen deren Verwendung im besetzten Gebiet auf unlauteren Motiven beruhe. Der diplomatische Mitarbeiter der Daily News will in diesen Ausführungen einen zu beachtenden Fingerzeig sehen..
Was bie Ingenienrkommissiou tun soll.
Drohung mit
Havas veröffentlicht ein längeres Communiqus zur Begründung
der neuerbings verfügten Verlegung des Sitzes der Ingeni⸗ eurkommisston für das Ruhrgebiet von Essen nach Düssel⸗ dorf. Es heißt darin daß nur die Chefs der einzelnen Kommissionen nach Düsseldorf übergesiedelt seien, die Mitglieder selbst aber ihre Tätigkeit nach wie vor im Zentrum des Industriegebietes ausüben würden. Der wahre Grund der Maßnahme dürfte in den seit den ersten Tagen der Rührbesetzung r Kompetenzkonflikten zwischen den militärischen und zwwilen Okkupativnsbehörden zu suchen sein, die min damit endigen, daß die Ingenieure des Herrn Coste kurzerhand unter das Kommando des Generals Degoutte gestellt werden. Das amtliche Communiqus teilt ferner mit, die Periode der vor⸗ bereitenden Maßnahmen sei für die Ingenieurkommisston nunmehr zu Ende. Diese werde nunmehr eine aktivere Rolle zu übernehmen hoben, die die direkte Nutzbarmachung des industriellen Reichtums des besetzten Gebiets zum Ziele habe. Allerdings, heißt es im Com⸗ muniqué weiter, werde sich die wirtschaftliche Ausbeutung des Ruhr⸗ gebietes den vorhandenen Möglichkeiten anpassen und sich darauf be⸗ schränken müssen, den Alliierten einen möglichst großen Teil der Sachleistungen zu sichern, auf die sie nach den bestehenden Ab⸗ machungen Anspruch hätten. Mehr hätte überdies die Operation im Ruhrgebiet niemals bezweckt. Die Herren Millerand, Poin⸗ caré und die anderen Mitglieder der Regierung, soweit sie sich in den letzten Tagen über die Ruhrpolitik geäußert haben, waren weniger bescheiden in ihrer Zielsetzung. 1 5 Es kann in diesem Zusammenhang allerdings nicht ganz ohne, so bemerkt der Pariser Korrespondent der Frankf. Ztg., Bedeutung sein, daß auch der Temps, der bisher wie alle übrigen vom Quai d'Orsay inspirierten Organe mit Entschiedenheit betonte, daß nur durch direkte Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich die Ruhrfrage liquidiert werden könne, heute einschwenkt, indem er von der Möglichkeit spricht, daß Deutschland sich an die Ge⸗ samtheit der alliierten Mächte wenden könne. Es müsse allerdings in diesem Falle präzise und schriftlich miedergelegte offizielle Vor⸗ schläge machen.
Die Frage der Verhandlungen.
Der Antrag der englischen Arbeiterpartei im Unter⸗ hause, die Parlamente der Ententestaaten aufzufordern, Kommissionen zu bilden, um gemeinsam über die Beilegung des Ruhrkonfliktes und die Möglichkeit der Regelung der Reparationsfragen zu erörtern, wird jedenfalls von der konservativen Regierungsmehrheit abgelehnt werden.
Bonar Law erklären lassen, daß er für den Plan große persönliche Sympathien bekunde und bei seiner Besprechung kein Hehl daraus machen werde, daß er gleichzeitig aber bei dieser Gelegenheit auch die Gründe darzulegen gedenke, die gegen die Annahme der Forderung sprechen. l
Im übrigen wird die Frage der Verhandlungen in der Pariser Oeffentlichkeit bei Besprechungen über die Ruhr⸗ aktion immer mehr Gegenstand, eingehender Erörterung. Der bekannte französische Jonrnalist Philippe Millet, der ein Anhänger der Ruhrpolitik Poincarés ist, teilt in seinem neuesten Heft„Das neue Europa“ mit, daß Poincars und Theunis während ihrer letzten Zusammenkunft tatsächlich den Beschluß gefaßt haben, ein französisch⸗belgisches Pro⸗ gramm für den Fall irgendwelcher Verhandlungen mit Deutschland ausarbeiten zu lassen. Millet ist der Auf⸗ fassung, daß bei„Abschluß“ der Ruhraktion sämtliche schwebenden Probleme, die bisher zwischen Frankreich und
Deutschland zu fortgesetzten Konflikten führten, ein für alle⸗
mal geregelt werden müßten. Als eine Voraussetzung be⸗ trachtet er die endgültige Festsetzung der deutschen Schuld, sowie genauen Abmachungen über deren Abtragung. Ferner müsse die Sicherheit der Ostgrenzen Frankreichs und Bel⸗ giens garantiert werden, und es wäre gut, anläßlich dessen auch die zukünftigen Beziehungen zwischen lothringischem Erz und westfälischer Kohle zu regeln. Eime Sicherung der Ostgrenze sieht er in einer dauernden Neutralisierung des Rheinlandes, zu der sich keine deutsche Regierung bereit er klären kann. Weiter ist Millet der Aufassung, daß die Ziffer der deutschen Schuld möglichst niedrig eingesetzt werden
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Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.
bestehenden Reibungen und
Der Antrag steht am Dienstag zur Debatte. Jetzt aber schon hat


