Bewegun e Außwüchse geben. An der Auf⸗ igkeit N e der e Regierung meiften 9 Redner beantragt deshalb, die Beschlußfassung auszusetzen.
der Ausnahme zustand aufgehoben, so erledigt sich der An⸗
rag dadurch von selbst.
babe Antrag über bie Versammlungss 0 11 b e über die. K
0 der Aussorgche über den Haushaltsplan fragt Abg. Robert . 8% s der vormalige Wirtschaftsminister,* die Re⸗ g f 5 den Vorgängen am Effekten⸗ und Depisenmarkt
ö der Börsen ohne weiteren Eingriff zusehen wolle. Dem Ueber⸗ 0 von Spekulation miisse durch die Regierung unbedingt Ein⸗
f setan werden. Die Uebermaß sei eine srobe wolkswirtschast⸗
6 efahr. Abg. von Gräfe(Deutschwölk.) steht in der Devisenper⸗ ordnung nicht den richtigen Weg zur ilse, da sie nur dem 147 dandel Hemmungen auferlege, die Hamsterer aher nicht treffe. Es sei richtiger, die Industrie von den hohen Aus fuhr⸗ len zu 2 Wir erkennen die Bestrebungen des Reichs⸗ lauzlers an, eine nationale Einheitsfront zu schaffen; dann dürfen aber die deulschwölkischen Kreise nicht in einer Weise behandelt werden, die ste außerordentlich erbittern muß. Man habe die 370 Nationalsozialtsten in Gera wie einen Verbrecherzug behandelt. Die Kommunisten konnten in Leipzig allerlei Reden halten, aber den Deutschvölkischen will man das Wort verbieten. 9 Neichsminister des Innern Oeser: So sehr wir bereit sind, dee Rechte des Reiches zu verteidigen, so sehr müssen wir auch die Rechte der Länder achten. Von der Thüringer Regierung liegt wegen der Vorgänge in Gera noch keine Auskunft vor, ich kann daher nicht prüfen, ob der schwere Vorwurf der Unwahrhaftig⸗ 4 den Herr von Gräfe gegen sie erhoben hat, berechtigt ist. Zu dem
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Versammlungsverbot in Ostpreußen
hat mir der preußische Innenminister mitgeteilt, daß die Gründe außen⸗ und iimenpolitisch sehr ernst seien und daß das Verbot zurzeit nicht aufgehoben werden könne. Auf Verlangen des Abg.
„
von Gräfe verliest der Minister dann eine Auskunft aus Lübeck über die Gründe des dortigen Versammlungsverbots, in der es heißt:„In allen öffentlichen Versammlungen, in denen der Abg. U von Gräfe aufgetreten ist, sanden erhebliche Störungen der Ruhe * und Ordnung statt.(Lebh. Hört. Hört!) Seine bisherigen Wähler
mit der Gründung der Deutschpölkischen Freiheitspartei nicht zufrieden und haben ihn wiederholt aufgefordert, sein Mandat niederzulegen, so daß Störungen seitens der Deutschnationalen zu 0 erwarten sind.(Heiterkeit ünd Hört! Hört!) Vei den Kom⸗ 1 munisten und Sozialdemokraten bestand zudem die Absicht, die 0 Versammlung zu sprengen.(Hört! Hört! rechts.) Durch die Be⸗
stchigung des nationalsozialistischen Partestages hatle die Frei⸗ beitsvaszel bewiesen, daß es ihr nicht auf die Einheitsfront in der
5 an⸗ 1
auf die wirtschaftlichen F micht die Absicht der Regierung, der Entwicklung passiv zuznsehen.
Voraussichtlich beim Wiederzusammentritt werde dem Reichstag
11 J
kein Notgesetz zugehen.
Abg. Hoffmann⸗ eld(Soz.) bestätigt, daß die Natjonal⸗ e i iknüppeln und Revolvern ausge rüstet waren.
mit Giunmiknü J bg. v. Gräfe(Deutschvölk.]) erbietet sich, Zeugen für seine
Angaben K eie 15
Damit schließt die Aussprache. Die Haushaltspläne für den Neichspräsidenten und den Reichskanzler werden bewilligt, Der An⸗ trag Müller⸗Franken(Soz.) auf Aufhebung der bayerischen Aus⸗ mahmeverordnung wird zurückgestellt.
0 Der Reichstag tritt dann einmütig dem Vorschlag seines Aus⸗
ist und am Ende des Geschäftsjahres rund 180 betrug.
Dr.
tenbank in München 12 Milliarden sür die sächsische Bank in Dresden 6 Milliarden, 127 die württembergische Notenbank in Stuttgart und für die badische Notenbank in Mannheim je 3,0 Mil⸗ liarden. Das Notenausgaberecht für die Banken wird gleichfalls 92 900 1 auf bis zu 18 Milliarden für die beiden ersten und auf 6,3 Milliarden für die beiden letztgenannten Banken. Die Vor⸗ lage wird in allen drei Lesungen angenommen.
Prästdent Löbe schlägt dann vor, die nächste Sitzung am Dienstag, den 6. Februar vorzunehmen, aber noch einer längeren Debatte über die Geschäftsordnung wird dann beschlossen, die nächste Sitzung erst am Montag, den 12. Februar, 2 Uhr nachmittags, stattfinden zu lassen,
t en. Das steuerfreie Kontingent f f 5 Das steuerfreie Kontingent soll betragen: für die
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Hessen und Nachbargeblete.
Gießen und Umgebung.
Vaterländische Streiktasse.
68 ang weiter bei uns ein:
H. D. 3000 Mk., Ergebnis einer Ortssammlung des Wahl⸗ vereins Queckborn 46080 Mk., V. 200 Mk. Zusammen 40 280 Mk. Bepeits quittiert 158 150 Mk. Sa. 207 430 Mk.
Den Gebern herzlichen Dank. Weitere Spenden werden gerne
entgegengenommen. Verlag der Oberhessischen Volkszeitung.
Finanzielles aus Giesseu. (Schluß.)
Zu dem Rechnungsabschluß der Gießener Stadtverwaltung über das Jahr 1920 örgchten wir einige Zifsern. Diesen sei noch kurz das folgende hinzugefügt. Die Allgemeine Ver⸗ waltung machte einen Zuschuß von 14 Millionen Mark er⸗ forderlich. Für die Schuldentilgung mußten 409 700 Mek. aufgebracht werden, wobei die Tilgung der den stüdtischen Be⸗ trieben überwiesenen Kapitalien mit inbegrissen ist. Die Kapitalzinfen erforderten 592 532 Mk. Einen nur geringen Zuschuß— 13343 Mk.— mußten zu den Klesgruben. Steinbrsichen und Kraftwagenbetrieb geleistet werden.
Die Verbrauchsabgaben erbrachten 30 399 Mk. Von den Anteilen an der Reichseinkommensteuer erhielt die Stadt 4027538 Mk. von der Reichsumsatzsteuer 76 150 Mk. Die Grund- und Gewerbesteuer erbrachte 1669 154 Mk., die Grunderwerbsteuer 355 244 Mk. Durch die fstädtische Vergnügungssteuer gingen 70 223 Mk. ein. Die Hunde⸗ steuer erbrachte 19904 Mk. die Wertzuwachs steuer 64 194 Mk.
Die hier aufgeführten Beträge der Steuer⸗Cinnahmen er⸗ scheinen unter den gegenwärtigen Geldverhältnissen äußerst gering⸗ 1 Man muß bei deren Betrachtung die bedeutende Geld⸗ ntwertung berücksichtigen. die feitdem eingetreten ist. Der dem⸗ nüchst erscheinende Voranschlga für 1923 wird demgegenüber ganz gewaltige Ziffern bringe.
— Die Entwicklung per Meuschheit lautete das Thema, das im zwellen, am Donnerstag abgehaltenen Bildungsabend der Redner. Prof. Hüter, behandelte. Ueberaus zahlreich hatten sich die Hörer dazu eingefunden, die mit großer Aufmerksamkeit die interessanten Darlegungen des Vortragenden verfolgten. Er legte dar wie ssch nack den wissenschaftlichen Forschungen die Entwicklung des Menschen aus tierischen Anfängen heraus wahr⸗ scheinlich vollzogen hat und verbreitete sich dann über die Kultur⸗ elemente, wie Sprache Feuerwerkzeuge usw., die der Mensch als spezifisches Gehirntier in seinen Dienst zu seiner Weiterentwicklung gestellt hat. Zahlreiche Fragen aus dem Zuhörerkreise bewiesen die lebhafte Teilnahme mit der man die Ausführungen verfolgt hatte.— Nächsten Donnerstag folgt Fortsetzuna des Vortrages.
— Die Vereinigung für Feuerbestattung von Gießen und Umgegend hielt am 1. Februar ihre Generalversammlung im Kaufmännischen Vereinshaus ab. Aus dem Jahresbericht ist zu entnehmen, daß die Mitgliederzahl dauernd im Steigen begrissen Die Be⸗ mühungen des Vorstandes, durch die Stadt die Errichtung eines Krematoriums zu erreichen, sind bis heute noch ohne Erfolg geblieben. Angeblich steht die Stadt den Bestrebungen des Vereins symphatisch gegenüber, sodaß mit Errichtung eines Krematoriums bald zu rechnen wäre. Der alte Vorstand wurde wiedergewählt mit Ausnahme des 2. Schriftführers, zu dem Herr Rechtsanwalt Maeuser bestimmt wurde. Herr Amtsarzt Dr. Schüppert
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berichtete dann nach in Kußerst interessanten Ausführungen über bie stetige Zunahme der Feuerbestattungen und die weitere Er⸗ richtung von Verbrennungsöfen. Er führte u. a. aus, daß er Gelegenheit hatte, in seiner amtlichen Eigenschaft den Aus⸗ grabungen, der Leichenreste der auf demneuen Friedhof beerdigten a in ichen Gefangenen, beizuwohnen. Der hiesige Friedhof ei einer der bestangelegtesten. Trotzdem ist er der Au ang, daß mancher, der mit der Feuerbestattung nicht symphatisiert, so⸗ fort Anhänger werden würße, wenn er bie Leichen reste häte sehen können. Es sei deshalb das einzig richtige, daß man die Le iche so schnell wie möglich in seine ursprünglichen Vestanbteile zur lick versetze.— Der Jahresbeitrag wurde auf 50.— Mk. echöht. Die Umlagengebühr soll monatlich vom Vorstand ben Venhältnissen entsprechend. neu, festgesetzt werden,— An alle, die der Jeuer⸗ bestattung sumphatisch gegenüber stehen, ergeht hiermit nochmals die Aufforderung, sich der Vereinigung anzuschlie ßen. Oeffentliche Bücherhalle. Im Januar wurden 2191 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erßählende Literatur 1286,
Zeitschriften 131, Zugenbschziften 252, Literalurgeschichte 18, Ge⸗
dichte und Dramen 39, Länder⸗ und Völkerkunde 80, Kultur⸗ geschichte 35, Geschichte und Biographien(0, Kunstgeschichte 40, Naturwissenschaft und Technologie 121, Heer⸗ und Seewesen 4, Haus⸗ und Landwixtschaft 11, Gesundheitslehre 7, Religion und Philosophie 28, Stagatswisenschaft 15, Sprachwissessuschaft 7, Gvemdösprachliches 11 Bände, Nach auswärts kamen 46 Bände.
— Lichtbilder⸗Vorträge über Unfallverhütung. Im Anschluß an die Vorführung des Lehrfilms über Unfallverhütung von gestrigen Sonntag finden morgen Dienstag, abends 8½ Uhr im großen Hörsagal der Universität weitere Lichtbildervorführungen mit Erläuterungen gewerblicher und gesetzlicher Vorschriften über Unfallverhütung statt. Auch wird damit eine Ausstellung ver⸗ bunden sein Eintritt ist frei. Wir machen die Arbeiterschaft hierauf besonders aufmerksam und empfehlen den Besuch dieser belehrenden Vorführungen.
Erhöhung der Alters⸗ und Invalidenrente: Angesichts der fata⸗ strophalen Geldentwertung hat die Reichsregierung dem Reichstags⸗ ausschuß für Sozialpolitik eine neue Verordung über die Erhöhung der Unterstützungssätze auf Grund des Notstandsgesetzes vom 7. De⸗ zember 1921 zugehen lassen. Demnach werden erhöht: die Alters⸗ und Invalidenrente von 43 200 auf 60 000 Mark, die Witwenrente von 34 200 auf 48 000 Mark und die Waisenrente von 19 200 auf 27 000 Mark. Diese Sätze wurden im Ausschuß allgemein als völlig ungenügend bezeichnet. Unsere Genossen beantragten deren Ver⸗ dreifachung. Beschlossen wurde, ab 1. Januar 1923 folgende Unter⸗ stützungssätze zu zahlen: Für eine Invalidenrente 120 000 Mark, für eine Witwer⸗ oder Witwenrente 108 000 Mark und für eine Waisenrente 60 000 Mark. Die Sätze erhöhen sich für jedes Kind einheitlich ohne Rücksicht auf die Kinderzahl um 15 000 Mark. Die Freigrenze für das Arbeitseinkommen ist auf 120 000 Mark und die für Bezüge aus öffentlichen Kassen oder pripgten Pensionskassen auf 36 000 Mark erhöht worden. Wenn diese Sätze auch weit über die von der Regierung vorgesehenen hinausgehen, so sind sie doch an⸗ gesichts der furchtbaren Geldentwertung noch keineswegs aus reichend. Die Regierung wird schon in kürzester Zeit ein weiteres tun müssen und die Sozialdemokratie wird dazu beitregen, die unbeschreibliche Notlage weitester Volkskreise nach Möglichkeit zu lindern. Dem Aus⸗ schuß liegt ferner ein Gesetzentwurf über die Erhöhung der Zulagen in der Unfallpersicherung und ein anderer über Hilfeleistung für Kapitalkleinrentner vor. Die Beratungen über diesen letzten Entwurf werden in den nächsten Tagen beendet werden. Der Ausschuß will die Vorlagen so gestalten, daß sie möglichst alle die Volkskreise er⸗ faßt, die bisher von jeder gesetzlichen Versorgung ausgeschlossen waren.
— Der Zeigefinger als Zahnbürste. Zahnbürsten sind heute furchtbar teuer und daher werden sie wohl noch weniger allgemein benutzt werden, als es bisher der Fall war. Die Zahnbürste ist aber gar kein so notwendiges und unersetzliches Werkzeug, wie sie uns seither besonders durch die Hersteller der Zahnputzmittel geschildert wurde, und wir können auch ohne sie unsere Zähne gut pflegen. Dies behauptet Obermedizinalrat Dr. Kühn in einem Aufsatz der Mün⸗ chener Medlzinischen Wochenschrift, in dem er den Zeigefinger als Ersatz für die Zahnbürste empfiehlt. Er hat früher bei seinen amt⸗ lichen Besichtigungen der Volksschulen festgestellt, daß nur ganz wenige Kinder eine Zahabürste besitzen und noch viel weniger sie regelmäßig anwenden. Bei den jetzigen hahen Preisen für Jahn⸗
Schiolkindern und armen Leuten den
ns einmal die Zähne mit der 0 1 es, ihnen einen Weg anzugeben,
wie sie auch ohne Zahnbürste eine gründliche Zahnreinigung und Pflege durchführen können. Wir besitzen nun einen billigen und ausreicherden Ersatz für die Zahnbürste in unseren eigenen Zeige⸗ fingern. Ob wir dabei igefinger verwen⸗ N nere Den A
den rechten oder linken Ze
1 bei, den Einspruch des Reichsrats gegen den Gesetzentwurf 1 die Erstattung von Rechtsanwaltsgebühren zurückzimweisen. * Darauf vertagt sich das Haus auf 20 Minuten. Auf der Tagesord⸗ 1 mung der alsdann beginnenden o zweiten Sitzung stehen Zulagenerhöhung bei der Unfallversicherung und Metallreserve 5 der Privatnotenbanken. 5 0 Der Gesetzentwurf über eine Erhöhung der 10 Zulagen in der Unfallversicherung 1 ird angenommen. Durch die andere Vorlage sollen die für die 6 Privatbanken festgesetzten Beträge für steuerfrejes Kontingent und * Motenausgaberecht angesichts der fortschreitenben Geldentwertun 1. a N 88 0 1. Arbeitsloyn und Arbeitszeit vor 500 Jahren. 4 Die zahlenmäßig riesigen Summen, die heute die 1 miueisten Arbeiter als Arbeitsentlohnung erhalten, stehen be⸗ 4 ganntlich in gar keinem Einklang zu den Preisen, die die 11 Lebensmittel kosten. Früher war der Ausgleich zwischen 10 John und Preisbildung entschieden ein gerechterer und N günstigerer; auch um die Dauer der Arbeitszeit brauchte 1 micht groß gekämpft zu werden. Zahlreiche, historisch ein⸗ * wandfreie Belege hierfür— sie finden sich u. a. gesammelt 9 In A. Damaschkes„Geschichte der Nationalökonomie“(Jena, 1 Zustav Fischer)— sind vorhanden. 4 5 * Hier einige Proben: Es erklärte der Bischof Antonius 114 von Florenz in seiner Summa theologica(1450), daß„für 1 bie Gewinnung des Lebensunterhaltes eine kurze Arbeits⸗ * eit genüge“. Es galt als charakteristisch für besonders hab⸗ * gierige Leute, wenn sie mehr arbeiteten, als sie für sich und „bas Wohlbefinden ihrer Familie gebrauchten. Die Ent⸗ 75 iohnung war im allgemeinen eine recht beträchtliche. In 10 ZBachsen konnte um diese Zeit ein Bauhandwerker für seinen e Wochenlohn drei Schafe und ein Paar Schuhe b urstehen. Um 1500 konnte jeder Bauhandwerker in Nieder— L. üsterreich für einen Tagelohn 8 bis 10 Pfund Ochsenfleisch 17 sbluaufen. Hundert Jahre früher wurde der Maurergeselle in
7 Fremen so bezahlt, daß er für die Entlohnung einer acht⸗
f gigen Arbeit ein settes Schwein erstehen konnte.
Zielfach waren die Kleinbetriebe jener geit sogar schon
J egal So erhielten die Straßburger Webergesellen und die Ulmer Goldschmiedegesellen(nach einer Hand-
perksordnung von 1346) ein Drittel
1 Meistererlöses von der gemeinsam geleisteten
bis die Hälfte des Arbeit. Der Handpperksgeselle stand bekanntlich im ganzen Mittelalter bei seinem Meister nicht nur in Lohn, sondern auch in Logis und Beköstigung. Diese war, gleichfalls genau — und guskömmlich— geregelt. So berichtet Butzbach in einem„Wander büchlein“?„Das gewohnliche Volk hat selten bei der Mittags⸗ oder Abendmahlzeit weniger als vier Ge⸗ ichte. Zur Sommers zeit überdies noch morgens als Früh- tück Klöße mit in Butter gebackenen Eiern und Käse; bendrein nehmen sie außer dem Mittagsmahl noch des Lachmittags als Vesperbrot sowie zum Nachtessen Käse mit Zrot und Milch.“ Und die Gesellen sahen peinlich darauf, aß sie in nichts zu kurz kämen; das Zusammengehörigkeits-
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gefühl hatte unter ihnen eine starke Solidarität erzeugt. Eine sächsische Landesordnung jener Tage spezialisiert denn auch das Essen, das der Handwerksgeselle zu verlangen habe, folgendermaßen:„Den Werkleuten sollten zu ihrem Mittag⸗ und Abendmahle nur dier Essen(Gänge), an einem Fleischtage eine Suppe zwei Fleisch und ein Ge⸗ müse, auf einen Freitag und einen anderen Tag, da man nicht Fleisch isset, eine Suppe, ein Essen grüne und dörre Fische, zwei Zugemüse“ gegeben werden. Auch die Arbeits- zeit war geregelt; sie richtete sich meist nach der Lichtdauer. Eine Vergwerksordnung um 1509 setzte sogar die Arbeits- zeit für die Bergknappen auf sieben Stunden fest.
Wenn man von dieser Verköstigung liest, möchte man ausrufen wie der Handwerksbursche, dem bei knurrendem Magen von einem Traum mit den herrlichsten Gerichten er— zählt wird, bis er es nicht mehr aushält und er dazwischen fährt:„Halt's Maul jetzt, sonst hau ich dir eine runter.“
Daß es sich natürlich nicht immer so in Deutschland leben ließ, wie da geschildert, wissen wir auch. Wir brauchen auch nicht so weit zurückzugehen, um feststellen zu können, daß die sagenhaft hohen Löhne der Arbeiter doch recht niedrig sind. Aber wundern müssen wir uns darüber, was es früher in einflußreichen Stellen für einsichtige Leute ge⸗ geben hat wie den Bischof Antonius und den Verfasser der sächsischen Landesordnung. Was würden unsere Haus⸗ frauen von heute für Augen machen, wenn ihnen eine Landesordnung für das Hauspersonal eine solche Speisen⸗ ordnung vorschriebe, wo sie doch nicht einmal für den Ab⸗ schluß eines einfachen Lohntarifs zu haben sind. Gewiß können sich auch manche Hausfrauen ein solches Essen nicht leisten, wer sich aber für die ihm obliegende Arbeit Leuse halten will, soll sie auch angemessen entschädigen und be— handen. Und es darf nicht so sein, daß der Arbeiter bei aller Arbeit die notwendigsten Lebensmittel nur noch aus dem Schaufenster kennt.
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„Fühl in des Throues Glanz die hohe
Wonne ganz.“
Angesichts der immer offener und dreister sich erhebenden mo⸗ narchlstischen Propaganda ist es doch angebracht, dem deutschen Volke wieder einmal vor Augen zu führen, mit welcher Liehe seine„an⸗ gestammten“ Fürstenhäuser für es sorgten. Es ist sa bekannt, daß zahlreiche dieser Potentgten ihre„Untertanen“ massenhaft als Sol⸗
daten an England verkauften, um gegen die Amerikaner zu kämpfen. Es waren dies die Höfe von Braunschweig, Hanau, Ansbach, Waldeck und Zerbst. Am fürchterlichsten aber trieb es der Landgraf von Hessen⸗Kassel. Die Fürsorge dieses edlen Herrn von Gottes Gnaden für seine dort kämpfenden treuen Hessen ging sogar so weit, daß er seinen Oberbefehlshaber, den Baron von Hohendorf, aufsfor⸗
doch ja dafür Sorge zu tragen, daß möglichst viele seiner deslbinder auf fremden Schlachtfeldern bluten sollten. Erhielt er doch für jeden Mann, den er lieferte, 30 Taler, für jeden Ge⸗ fallenen aber 20 Pfund= 140 Taler. Zur Bestätjgung des hier Gesagten führen wir einen Brief des Seelenverkäufers an den Baron Hohendorf vom 8. Februar 1777 an. Er lautet:
„Ich erhielt zu Rom bei meiner Rückkunft von Neapel Ihren Brief vom 27. Dezember letzten Jahres. Ich ersah daraus mit un⸗ aussprechlichem Vergnügen, welchen Mut meine Truppen bei Trenton entfalteten, und Sie können sich meine Freude denken, als ich las, daß von 1950 Hessen, welche in dem Gesochte waren, nur 300 ent⸗ flohen. Da wären denn gerade 1650 erschlagen, und ich kam nicht gens er Klugheit anempfehlen, eine genaue Liste an meine Be⸗ vollmächtigten in London zu senden. Diese Vorsicht werd um so mehr nötig sein, als die dem englischen Minister zugesandte Liste aufweist, daß nur 1455 gefallen. Auf diesem Wege sollte ich 160 050 Gulden verlieren. Nach der Rechnung des Lords von der Schatzkammer würde ich bloß 483 450 Fl. bekommen, statt 643 500 Fl. Sie sehen wohl ein, daß ich in meiner Forderung durch einen Rechnungsfehler gekränkt werden soll, und Sie werden sich daher die äußerste Mühe geben, zu beweisen, daß Ihre Liste genau ist und seine unrichtig. Der britische Hof wendet ein, daß 100 verwundet seien, für welche sie nicht den Preis von Toten zu bezahlen brauchten. Erinnern Sie daran, daß von den 300 Lacedämonsepn, welche den Paß von Ther⸗ mopylä verteidigten, nicht einer zurlickkam. Ich wäre glücklich, wenn ich dasselbe von meinen braven Hessen sagen könnte. Sggen Sie Major Miedorff, daß ich außerordentlich unzufrieden bin mit seinem Benehmen, weil er die 300 Mann gezeltet habe, welche von Trenton entflohen. Während des ganzen Feldzuges sind nicht 10 von seinen Leuten gefallen.“
Ein Kommentar zu diesem schrecklichen Dokument ist eigentlich überflüssig. Es ist noch entsetzlicher als jener fürchterliche Urias⸗ Brief. Bemerkt sei noch, daß im ganzen 29 166 Mann verkauft wur⸗ den, von denen 11843 umkamen. Diese für die damalige Zett sehr beträchtlichen Summe flossen alle in die Privatschatulle des Seelen⸗ verkäufers, der sie mit seinen Maitressen bei rauschenden Festen verpraßte, während sein Volk blutete. Und das trug sich nicht etwa
*
im dunklen Mittelalter zu, sondern zur Zeit des sogenannten„auf⸗
geklärten“ Absolutismus. Welche Achtung mag das Ausland vor solchen Fürsten gehabt haben, aber auch vor einem Volke, das sich wie das Vieh verkaufen ließ. Bekanntlich soll ja Friedrich der Große im Hinblick auf diese Vorkommnisfe veranlaßt haben, daß die heffi⸗ schen Soldaten hei Minden Viehzoll bezahlen mußten.
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