Ausgabe 
4.5.1923
 
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schredener Art standen dem entgegen. Trotzdem haben wir den Schritt gewagt, um abschließend zu sagen, was wir als ehrliche Män⸗ ner können und wollen. Was wir in der Note vorgeschlagen haben, hält sich grundsätzlich im Rahmen der bisherigen Regierungserklärun⸗ gen. Was die Reparationssumme anlangt, so haben wir erneut den Versuch gemacht, zahlenmäßig eine Abgrenzung für unsere Verpflich⸗ ungen zu finden. Dieser Versuch war schwerer als jemals zuvor qs den Gründen, die ich bisher nannte und die vor allen Dingen in der fortgesetzten und nicht berechenbaren Wertminderung im besetzten und im Einbruchsgebiet und damit für die gesamte Wirtschaft be⸗ stehen. Wir haben erneut, wie es auch der Außenminister im Reichs⸗ tage angedeutet hatte, als Ausgangspunkt der Verhandlungen die 30 Milliarden Goldmark gewählt, die durch Anlefhen aufgebracht wer⸗ den sollen. Wir konnten das km, ohne gegen unser Gewissen zu ver⸗ stoßen, weil die Berücksichtigung der Minderung unserer wirtschaft⸗ lichen Kraft, unserer Leistungsfähigkeit und der durch den Schaden⸗ altsgleich entstandenen Summe sich automatisch in dem Verhalten des internationalen Kapitalmarkt und in dem unserem Angebot eingefüg⸗ ten elastischen Faktor auswirken mußte. Die Notwendigkeit einer Er⸗ holumgsfrist eines Moratoriums von 4 Jahren ist organisch dadurch anger, daß die Zinszahlungen der ersten vier Jahre dem erzielten Anleihebetrage entnommen werden sollen. Die Schuld von 30 Mil⸗ liarden wird auch, wenn wir die vier Jahre benutzen, um mit ganzer Kraft den Wiederaufbau unserer Finanzen und der Wirtschaft zu för⸗ dern, schwer auf uns lasten. Die Sachlieferungen, soweit sie durch den Einbruch unterbrochen waren, sollen wieder aufgenommen und ihr Gegemwvert auf unsere Schuld angerechnet werden. Die deutsche Regierung ist überzeugt, daß kein Unbefangener, der die Schmälerung der Produrtionsbasis Deutschlands und die Ver⸗ minderung seiner Vermögenssubstanz durch die bereits bewirkten großen Leistungen berücksichtigt, Deutschlands Leistungsfähigkeit höher einschätzen kann, als unser Angebot es tut. Wir wollen unter allen Um⸗ ständen daß das, was wir zusagten, erfüllt werde, so sind wir bereit, für die Beträge, die wir im Anleihewege erhalten, jedwede wirt⸗ schaftliche Sicherheit zu stellen. Wir wollen und wir werden es durchflihren, daß über die Objekte und Werte hinaus, die unter dem Vertrag von Versailles fallen, auch die deutsche Wirtschaft und gwar die gesamte deutsche Wirtschaft, nicht nur die Industrie und die Landwirtschaft, sonderen auch Handel und Finanz mit ihren gesamten Kräften sich bereit stellen und zwar in bongreter, nötigen⸗ falls im Wege der Gesetzgebung formulierter Form für die Sichev⸗ heit der Anleihe, die wir auf dem Weltmarkte erhalten. Nur im Wege der Verhandlungen von Mann zu Mann kann gefunden werden, was den anderen eine genügende Sicherheit zu sein scheint. Wir werden in der Erfassung, insbesondere der gesamten deutschen Wirtschaft, alles tun und damit mit der durch das Gesamtinteresse gebotenen Rücksichtslosigkeit vorgehen. Der Betrag von 30 Mil⸗ liarden wird vielleicht der Welt zu gering erscheinen, aber die Welt neigt dazu, zu vergessen, daß diese 30 Milliarden gar nicht alles find, was wir leisten. Man vergißt, was wir bisher an unge⸗ heueren Leistungen bereits vom Neiche aufgebracht haben. Selbst während der Zeit der Ruhrbesetzung und der Besetzung weiterer deutscher Landesteile hat Deutschland in der Einlösung der bel⸗ gi Schatzwechsel das gehalten, was es zugesagt hatte. Deutsch⸗ land wird zur Abtragung der schweren Lasten nur fähig sein bei Wiederherstellung seines Kredites und seiner inneren finanziellen 0 g. Dazu zu tun, was an uns liegt, sind wir alle entschlossen. ir haben es beim Angebot einer Reparatitonssumme, die zahlen⸗ mäßig ungrenzt oder durch Sachverständige findbar sein soll, nicht bewenden lassen. Wir wissen, daß in Frankreich ein starker Wunsch 125 Ausgleich wirtschaftlicher Interessen zwischen Frankreich und and besteht. Die deutschen Interessen, insbesondere die Industriellen des Ruhrgebietes waren jederzeit bereit, eine solche Verständigung herbeizuführen. Auch heute noch wird die deutsche Wirtschaft sich einer solchen Zusammenarbeit nicht entziehen. Wir haben auch die Frage der politischen Sicherungen ffir Frankreich und Deutschland nicht unerörtert gelassen. Wir hatten den Vor⸗ cher macht, daß die am Rhein interesstierten Staaten sich gegen⸗ seftig verpflichten sollten, für ein Menschenalter ohne Plebiscit keinen Krieg gegeneinander zu führen. Um Frankreich Sicherungen geben, find wir zu jeder, den Frieden sichernden Vereinbarung reit, die auf Gegenfeitigkeit beruht. Wir müssen, um zu einer ösung der Reparationsfrage zu kommen, die Wiederherstellung status quo ante in dem Einbruch und dem altlbesetzten Gebiet Ausgangspunkt unserer Verhandlungen machen, wie dies auch der Bevölkerung in den besetzten Gebieten gefordert wird. Ausgangspunkt der Verhandlungen müssen wir weiter die rderung machen, daß die Gefangenen in Freiheit gesetzt und den lusgewiesenen ihre Wohnstätten und Aemter zursickgegeben werden. nn ich die Aeußerungen der französischen Presse betrachte, die fast so aussehen, als sollte die Titr zu Verhandlungen zugeschlagen jp ꝛ˙̃˙Üidͤͤ r

Der Wortlaut der Note.

Die den Regierungen übergebene Note hat folgenden Wortlaut:

Die deutsche Regierung hat von jeher den Standpunkt vertreten und steht sich durch die gegenwärtige internationale Diskussion ver⸗ anlaßt, von neuem zu bekonen, daß Fragen, von deren Regelung der auch von Deutschland gewünschte Wiederaufbau der zerstörten Gebiete und darüber hinaus die wirtschaftliche Gesundung und der Friede Europas abhängen, nur auf dem Wege gegenseltiger Ver⸗ ständigung gelöst werden können. Die im Widerspruch hiermit er⸗ folgte Besetzung des Ruhrgebiets hat die Bevölkerung mit passivem Widerstand beantwortet. Die deutsche Regierung teilt den Wunsch aller Besonnenen, daß die täglich sich verschärfende Spannung gelöst und der nutzlosen Zerstörung wirtschaftlicher Werte Einhalt getan werde. Sie hat sich daher entschlossen, nochmals einen Versuch in dieser Richtung zu machen, ohne damit ihren Rechtszustand zu ver⸗ lassen oder den passiven Widerstand aufzugeben, der fortgesetzt werden wird, bis die Räumung der über den Vertrag von Ver⸗ sailles hinaus besetzten Gebiete und die Wiederherstellung vertrags⸗ mäßiger Zustände in den Rheinlanden erreicht sind. 1

Trotz der Ereignisse der letzten Monate hat Deutschland an seiner Bereitwilligkeit festgehalten, für Zwecke der Reparationen, namentlich für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete zu le sten, was immer in seiner Kraft steht. Jeder Versuch, diese Bereitwilligkeit in die Form praktischer Vor⸗ schläge zu kleiden, wird jedoch dadurch erschwert, daß es bei der Verfassung der deutschen Finanz⸗ und Wirtschaftsverhältnisse nicht möglich ist, die Leistungs fähigkeit Deutschlands in festen, endgültigen Ziffern abzuschätzen. Daher muß jede Lösung einen elastischen Faktor enthalten, der der gegenwärtigen Unmög⸗ lichkeit einer sicheren Abschätzung Rechnung trägt. Ferner ist zu beachten, daß Deutschland, da ihm Ueberschssse einer produktiven Wirtschaft fehlen, für die nächste Zett größere Kapitalbeträge aus eignen Mitteln nicht aufzubringen vermag und deswegen hierfür auswärtiger Anleihen bedarf, deren Aufnahme die Wiederherstellung des deutschen Kredits zur Voraussetzung hat. Von diesen Erwägungen ausgehend, und im Einklang mit den Grundgedanken des für die Pariser Januarkonferenz pon ihr bereit⸗ gestellten Planes faßt die deutsche Regierung ihre Vorschläge zum Reparationsproblem und den damit verbundenen politischen Fragen wie folgt zusammen: 5

Die Gesamtverpflichtung Deutschlands zu finanziellen und Sachleistungen aus dem Vertrage von Versailles wird auf 30 Milliarden Goldmark festgesetzt, die mit 20 Milliarden bis zum 1. Juli 1927, mit 5 Milliarden bis 2 1. Juli 1929 und mit 5 Milliarden bis zum 1. Juli 1931 durch Ausgabe von Anleihen zu normalen Bedingungen auf den internationalen Geldmärkten aufzubringen sind.

1. Die ersten 20 Milliarden Goldmark werden sofort zur Zeichnung aufgelegt, die Anleihezinsen bis aum 1. Juli 1927 werden aus dem Auleiheerlös entnommen und in einem von der Repara⸗ tionskommission zu beaufsichtigenden Fonds sichergestellt. Sowett die 20 Milliarden Goldmark bis zum 1. Juli 1927 nicht durch An⸗ leihen aufgebracht werden können sind sie von diesem Zeitpunkt ab mit 5 Prozent zu verzinsen und mit 1 Prozent zu tilgen..

2. Falls die beiden Beträge von je 5 Milliarden Goldmark bis zu dem dafür vorgesehenen Termin im Anleihewege zu normalen Bedingungen nicht voll aufzubringen sind, soll eine un par⸗ teiische internationale Kommüfsion darüber entscheiden, ob, wann und wie der nichtgedeckte Rest aufzu⸗ bringen ist. Die gleiche Kommission soll im Juli 1931 auch dar⸗ über entscheiden, ob, wann und wie für die Zeit vom 1. Juli 1923

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werden, bevor sie noch geöffnet ist, so hege ich keine übertriebenen Hoffnungen, daß unser heutiger Schritt zu Verhandlungen flih ren wird. Aber wir hoffen auf die Erkenntnis oer Welt, daß dieser Konflikt an der Ruhr ein Wahnsinn ist, nicht nur für die Be⸗ teiligten, sondern zugleich für die ganze Welt, schon wegen der Be⸗ lastung der weltwirtschaftlichen Beziehungen und der Minderung ihres Wiederaufbaues. Und so senden wir die Note ab mit dem Wunsche, daß sie zu Perhandlungen führt, zu offenen freien Ver⸗ handlungen, in denen wir mit aller Offenheit unsere Lage darlegen und uns zu einer Leistung bekennen wollen, die bis zur Grenze un⸗ seres Könnens geht. Wir senden sie aber auch in dem Willen ab, daß unser Widerstand undunsere Abwehr solange der Einbruch uns dazu nötige, nicht erlahme, sondern fortgesetzt werde, damit wir das Vaterland unseren Kindern erhalten. Zum Schluß richtete der Reichskanzler die Aufforderung an die Minister⸗ präsidenten zur Zusammenfassung aller Kräfte in den Ländern des Reiches.

ab die zunächst nicht vorgesehenen Zinsen nachträglich auß sind. Als. internationale Kommission fol woder das Anleihekonsortium, das die ersten 20 Milliard mark gegeben hat, oder ein dem Vorschlage des Staats Hughes entsprechendes Komitee von internationalen 9 leuten, in dem Deutschland gleichberechtigt vertreten 1 Schiedsgericht, bestehend aus je einem Vertreter der Repg kommisston und der deutschen Rgierung, sowie einem Obmt dessen Ernennung, falls sich die beiden anderen Mitgliede feine Person nicht einigen, der Präsident der Vereinigten von Amerika gebeten werden soll. 5 1 3. Deutschland wird in Anrechnung auf seine Schuld nah den Bestimmungen der bestehenden Verträge Sachleistung m a führen, über deren Ausmaß nähere Vereinbarungen 0 halten bleiben. Die deutsche Regierung ist überzeugt, daß sie mil diesem Vorschlag bis an die äußerste Grenze dessen gegangen f 1 Deutschland bei Anspannung aller Kräfte zu leisten vermag] i nach der durch die Ruhrbesetzung verursachten Stönn Schwächung der deutschen Wirtschaft ernste Zweifel, ob Vorschlag die Leistungsfähigkeit Deutschlands überstel deutsche Regierung ist ferner davon überzeugt, daß kein sangener, der die Schmälerung dr Produktionsbasis Der land und die Verringerung seiner Vermögensubstanz durch die sherest bewirkten großen Leistungen berücksichtigt, bei objektiber Bem

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teilun öheren Schätzungen gelangen kann. Sollte dichs Auf fanlen 8 55 anderen Seite geteilt werden, so schlägt die eu 105 Regierung vor, entsprechend der Anregung des Stag 0 Hughes das gesamte Reparationsproblem einer von fehr polj⸗ 1 Einwirkung unabhängigen internationalen Kommi* zu unterbreiten. Die deutsche Regierung ist bereit, für die von ihr angsotenen Leistungen. J spezielle Garantien zu bestellen. Der gesamte Besitz und alle Einnahmequellen dig den schen Reiches und der deutschen Länder sind bereits nach dem von Versailles haftbar. Nur im Wege der Verhandlung mit sgen ternationalen Anleihekomitee und der Reparationskommissi ö sich feststellen, wie für den Anleihedtenst diese Haftung kemkret zu gestalten ist und welche Garantien im einzelnen zu bestelpn sind. Außerdem ist die deutsche Regierung bereit, nach Maßgabe 2 6 zu treffenden Vereinbarungen durch geeignete Maßnahmen auch a gesetzlichem Wege dafür zu sorgen, daß die N gesamte deutsche Wirtschaft zur Sicherung des Auleiheb. tes herangezogen wied. Die Sachlieferungen sollen durch fanhfristig Privatverträge unter Ausbebingung von Vertrags strasen fesicher werden. 0 Die Durchführung i f der Deutschland obliegenden Verpflichtungen ist abhängig Stabilisierung der deutschen Währung. Kann in Verbinden der Regelung des Reparationsproblems die deutsche Währm mäßig und auf die Dauer stabflistert werden, so werden glachzeiti die Beschwerden der anderen Industrieländer über einen un deutschen Wettbewerb verschwinden. Nach der Siabilisieru es auch möglich sein, im Reichshaushalt die Ordnung zu schaffe deren Deutschland und seine Gläubiger bedürfen. 8 ö Zur Verwirklichung dieses Programms ist es, auch in de. Pres der Anleihegläubiger, notwendig, daß die gewaltsame Ege fung von Pfändern und die Anwendung von Sanklen nen künftig unterbleiben, und daß Deutschland von den fit nog auf ihm lastenden unproduktiven A und von den pff und wirtschaftlichen Fesseln befreit wird, dazu, daß die Esm hei der Verwaltung für das gesamte Gebiet Deulbch 0 baldigst wiederhergestellt, von der im Vertrag um Ver sailles vorge sehenen Möglichkeit, Deutschland die wirtschaftl iche Rleic⸗ berechtigung zu versagen, kein Gebrauch mehr gemacht in Stabilisierung der Mark die Einfuhr deutscher Waren nicht mehr den Beschränkumgen wird, die durch den Niedergiig der deutschen Währung veranlaßt waren. U f Um dem Frieden Europas in gemeinsamer wirtschafklicher A, beit zu dienen, und um die natürlichen wirtschastlichen ö

ch von lebenswichtigen Waren zwischen den gten gärdem geschaffen werden. Dazu gehört insbesondere der Abschluf lang⸗ I 800 een, Vertrüge über die Lieferung.

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Der Deserteur.

0 Roman von Robert Buchanan.

Auͤber Ihre beiden Neffen, die befinden sich doch hoffent⸗ lich wohl? Haben auch sie an der großen Schlacht vor Sar teilgenommen? fragte der Wanderlehrer mit einem

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tenblick auf Mutter Derval, die ihr vergrämtes Gesicht erwartungsvoll auf den Korporal richtete.

Sie stehn in Gottes Hand und Gott wird sie erhalten. (Sie erfüllen als wackere Männer ihre Pflicht im Dienste einer ruhmreichen Sache und Gott wird sie nicht verlassen.

Wenn jeder dies von seinen Angehörigen denkt, so ist es denn doch nicht ganz einerlei, ob bei Leipzig 50 oder 50 000 gefallen sind. Stehen nicht alle in Gottes Hand? Und warum sollte er so viele, die ja ebenfalls ihre Pflicht erfüllen, eher verlassen, als gerade Ihre Neffen?

Noch ehe der Korporal antworten konnte, trat zur offenen Tür ein Mann ein, der einen gar traurigen Anblick bot. Sein Gesicht war schmutzig und unrasiert; statt des Hutes oder einer Mütze hatte er ein buntes Taschentuch um den Kopf geschlungen. Unter dem zerfetzten Soldatenmantel lugten die ausgefransten Enden einer abgetragenen Hose hervor, er war barfuß. Eines seiner Beine war mit einem blutigen Lappen umwunden. Diese auf einen Stock ge⸗ stützte Jammergestalt blieb mitten in dem Gemach stehen. Das Gesicht zeigte den unglücklichen Ausdruck, den man bei einer sehr alten Dohle im letzten Stadium der Unreinlichkeit und des Mauserns beobachten kann.

Gott schütze alle hier Anwesenden! grüßte der Mann mit heiterer Stimme.

Willkommen, lieber Mann! entgegnete der Korporal herablossend und deutete auf die Ofenbank. Er hielt den Ankömmling für einen Bettler.

Dieser rührte sich nicht, stützte sich noch sester auf seinen Stock, starrte zuerst Marcelle, dann Allain und Jannik mit diabolischm Grinsen an.

Heilige Mutter Gottes, das ist ja unser Gildas! schrie Frau Derval entsetzt und sprang auf.

Die beiden Burschen fuhren von ihren Sitzen am Früh⸗ stückstisch in die Höhe, Marcelle von ihrem Spinnrad, der Korporal ließ in seinem Schreck die Pfeife zu Boden fallen, wo sie in Scherben zerbrach. Im nächsten Augenblick um⸗

armte und herzte die Mutter schluchzend ihren heimgekehr⸗Vor Dresden! Am zweiten Tag; von dort

ten Sohn, denn es war wirklich Gildas Derval. Du lieber Himmel, wie sah aber der früher so adrette und saubere Bursche aus! Zerfetzt und zerrissen, mit Straßenkot be⸗ schmutzt, stark von der Sonne gebräunt, von den Kriegs⸗ strapazen abgezehrt, eine entstellende blutrote große Narbe über dem rechten Auge diese gräßliche Vogelscheuche konnte wirklich nur das zärtliche Mutterauge erkennen. Noch ehe sich die anderen von ihrer Erstarrung erholt hatten, schrie Frau Derval abermals entsetzt auf:Heilige Mutter Gottes er hat ja einen Arm verloren!

Und sie hatte nur zu recht, der eine Aermel des Soldaten⸗ mantels hing schlaff zur zur Seite hinab. Die Mutter jammerte, aber Gildas lachte nur und nickte dem Onkel ver⸗ ständnisvoll zu. Nun näherte sich Marcelle und umarmte ihn, dann Jannick und Alain, zuletzt der Korporal mit stolz⸗ flammenden Blicken. Er schlug dem jungen Invaliden mit der flachen Hand auf den Rücken, küßte ihn auf beide Wangen und schüttelte ihm dann herzhaft die Hand.

Die arme Mutter umflatterte ihn wie ein Vogel sein Junges und war die erste, die nach Hol frug. Gildas, den acht zärtliche Hände in den großen Lehnstuhl gedrückt hatten und vor dem die Mutter kniete. um seinen verbundenen Fuß zu untersuchen, streckte den gesunden Arm aus und streichelte den ergrauten Scheitel der Mutter:Hol ist ganz munter, Mutter und sendet Dir die besten Grüße. Er hat nicht eine einzige Schramme bekommen, während ich so zugerichtet wurde! Sehen Sie, Meister Arfoll, wandte er sich an diesen,wie ich ein Pechvogel bin, mußte ich gerade invalid werden, als der schönste Rummel begann. Ich habe eine Schußwunde bekommen, Onkel! Zuerst dachten die Aerzte, den Arm erhalten zu können, aber als man mich ins Hospital brachte, schwups, da kam der Chirurg mit seiner Säge und eins zwei krrrr, ehe ich auch nur das Maul aufmachen konnte, war er unten! Er preßte die Zähne zusammen und ahmte das Sägegerassel nach. 5

Die gequälte Mutter zitterte und fiel bei dieser Er⸗ zählung fast in Ohnmacht, aber der Korporal nickte zu⸗ stimmend, als ob er sagen wollte:Mein Gott, was liegt an einem Arm! Die Hauptsache ist, daß der Junge sich brav gehalten hat!

Wo hast Du die Wunde bekommen,

Du mein Sohn? fragte Arfoll mit zitternder Stimme.

die Ambulanz nach Leipzig. Als ich kräftig genu⸗* wurde ich mit vielen anderen Kameraden entlassen Ich hatte bis Nantes einen amtlichen Geleitschein und guse Ge⸗ sellschaft, von dort marschierte ich und noch einer nulh St. Gurlott, wo wir uns trennten. Ich kam direkt nach Hause und bin wieder bei Euch. So geht es in der Welt!

Mittlerweile hatte der Korporal aus dem Speisehrank eine Schnapsflasche und einige Gläser geholt. Daß erste reichte er dem jungen Invaliden:Trink, mein Sohhll Auf Dein Wohl! ö

Gildas stürzte das scharfe Zeug auf einen Schluls hin⸗

unter und ließ sich das Glas noch einmal füllen:Kein schlechter Tropfen das! Auf Euer aller Wohl! Damm blickte er zu Marcelle auf, die sich zärtlich über ihn neigte und sagte mit der Gönnermiene eines Veteranen:Ich will Dir was verraten, Kleine. Seit ich Frankreich verlassen mußte, habe ich kein auch nur annähernd so hübsches Mädchen ge⸗ sehen wie Du eins bist. Marcelle flüsterte ihm etwas ins Ohr, worauf de Held lächelnd sein Hemd aufknöpfte und ihr die an einem Hande hängende Münze zeigte, die sie vor seinem Abmatsih um Mitternacht in denBlutpfuhl Christi getaucht hatte Mar⸗ celle küßte den Bruder noch einmal und erhob ihre Wlicke dankend zum Himmel. Sie war überzeugt, daß nur ihr Talisman ihn am Leben erhalten habe.

Arfoll, der den Familienkreis nicht länger du seine Anwesenheit stören wollte, beglückwünschte Gildas nalßmal zu seiner Heimkehr und empfahl sich. Nun wurde del des Tages mit Fragen über den Kriegsschauplatz besfürmt, die er mehr mit seiner Phantasie entstammenden uhrasen als der Wirklichkeit entsprechend beantwortete. 0 Familienmitalieder machten viel Wesens mit dem mehr einer Vogelscheuche denn einem Kriegshelden ähnlichen Inliden. Neben ihm erschien augenblicklich selbst der Korvon mit all seinenvornehmen Beziehungen eine Null. Mildas sprach auch mit seinem Onkel wie mit den anderen i dem a e gönnerhaften Ton eines alten Veteran und

achte sich über die altmodi i een lustig. schen Gesinnungen Onkel!

Hast auch Du den Kaiser gesehen? Mit Deinen Augen gesehen? forschte dieser gespannt.

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