Ausgabe 
3.1.1923
 
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Hessen und Nach bargebiete. . und umgebung⸗.

N Die Not der Presse. Sämtliche deutschen Zeitungen sagen sich genötigt, ihre 5 Bezugspreis am 1. Januar wiederum zu erhöhen. Mit Recht hat die Handelskammer zu Dormund vor wenigen Tagen in ihrer Vollversammlung die folgende Entschließung g gefaßt:Die immer größer werdende Not der deutschen 8 Tages. und Fachzeitungen gebietet, daß Staats⸗ und Ge⸗ meindebehörden sowie Handel und Industrie der Presse in erhöhtem Maße ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Für die 1 a deutschen Volkes ist die Presse als die Ver⸗ treterin der öffentlichen Meinung und als Bindeglied der wirtschaftlichen Beziehungen zum Auslande von unschlitz⸗ barem Werte. Eine Verkümmerung des deutschen Presse⸗ wesens muß deshalb mit großer Sorge erfüllen. Nur unter erheblichen Opfern haben die deutschen Zeitungen ihre bis⸗ herige Bedeutung und Unabhängigkeit zu behaupten ver⸗ sucht. Soll ihnen das auch weiter möglich sein, so bedarf es der Unterstützung aller Kreise. Die Handelskammer zu Dortmund hält es deshalb für ihre Pflicht, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Notlage der Presse hinzuweisen und alle Kreise des Wirtschaftslebens sowie die Behörden aufzu⸗ fordern, der Tages⸗ und Fachpresse durch Zuwendung von Anzeigenaufträgen und Aufrechterhaltung des Bezuges

Unterstützung zuteil werden zu lassen.

Es erübrigt sicf, diesen die Sachlage durchaus treffen⸗ den Ausführungen irgenetwas hinzuzufügen. Bemerkt sei jedoch, daß die Gießener Handelskammer sich zu einer ähn

lichen Entschließung noch nicht hat aufraffen können, sonst hätte sie das Abonnement auf die Oberhessische Volkszeitung für Januar nicht aufgegeben.

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Arbeiter, lernt erkennen. 5 Ein Gewerkschaftsführer schreibt: Stundenlang haben sich die Mitglieder der Verhandlungskommission mit den Arbeitgebern herumgestritten über die Löhne für den kommenden Monat. Klar und ohne jede Uebertreibung wurde in der Begründung der Lohnforderung die mehr und mehr steigende wirtschaftliche Verelendung der Arbeiterschaft geschildert. Fast war anzunehmen, daß überhaupt keine Gegenargumente angeführt werden könnten gegen das vor⸗ gebrachte einwandfreie Material. Aber es lommt, wie immer bei derartigen Verhandlungen anders. Ausgerüstet mit ge⸗ schickt zusammengestelltem Material, mit dem sich bekanntlich 5 alles beweisen läßt, stellen die Arbeitgeber Behauptungen 0 auf, daß die Arbeiter die Lohnhöhe der Vorkriegsjahre 6 bereits erreicht und sogar noch überschritten haben, daß die Teuerung nicht so weit vorgeschritten sei, wie von den Ar- 0 beitervertretern geschildert wurde, daß die Löhne der jugend

( llichen Arbeiter viel zu hoch sind usw. Da befällt den ein⸗

0 zelnen Verhandlungsteilnehmer oft ein recht bittres 1 Empfinden und oft erwacht in ihm der Wunsch:Könnte doch * jeder Arbeiter wenigstens einmal an einer solchen Ver⸗ W handlung teilnehmen, sein Interesse für die Arbeiter-

bewegung würde dann sicher ein besseres werden.

Nun sind wir auf dem Heimweg, abgespannt und un⸗ befriedigt. Durch die Eingangspforte des Bahnhofs strömt ein ununterbrochener Zug von Arbeitern aus allen mög⸗ ö lichen Industrien. Viele von ihnen eilen nach den Zeitungs⸗ 0 berkaufsstönden und kaufen sich eine Zeitung. Aber welche Zeitung kauft denn eigentlich dort der abgeschuftete Prole⸗ tarierꝰ

Bürgerliche Presseerzeugnisse, das ist die geistige Kost vieler Arbeiter, für deren Löhne wir vorher gekämpft, deren schlechte Lebenshaltung wir vorhin geschildert haben. Sie kaufen die unternehmerfreundlichen Zeitungen und lesen während der Fahrt, wie ihre Führer beschimpft werden; sesen, daß der Achtstundentag allein die Schuld an der,

Teuerung trägt, lesen das Märchen von der erdolchten

ont. lesen, daß die hohen Löhne schuld an der Mark⸗ stwertung sind, lesen, wie die Unternehmungen ihrer inde, der Reaktion, der Mordrealtion, beschönigt und so⸗ t umterstütt werden und dergleichen mehr. Sie lesen es

1 schämen sich nicht. Nein, es steigt ihnen nicht die Röte orns oder die Schamröte ins Gesicht, daß sie durch den der Zeitung ihre erbittertsten Feinde unterstützt haben. werden morgen wieder eine Zeitung kaufen, weil die geutige sointeressant war.

Ihr Arbeiter, die ihr solche Zeitungen lest, lernt euch schämen! Wo ist eure Arbeiterehre? Ihr gebt der Reaktion das Geld, mit dem sie die Knute kauft, die euch schlagen wird, wenn euch die Zeitungen in den Schlof gelullt haben. Arbeiter, lernt euch schamen! Wenn ihr das gelernt habt, dann werdet ihr diese Zeitungen nicht mehr kaufen.

Dann werdet ihr die Arbeiterpresse im Hause haben, und die

Liügenblätter werden daraus verschwinden.

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Eine Wahlergebnis⸗Berechnung, die zu verschiedenen Resultaten führt, je nachdem man verschiedene Systeme an wendet, ist uns vor kurzem vorgelegt worden und wir wollen sie unseren Lesern mitteilen. Bekanntlich wird bei

Berechnung der Mandatsziffer, die bei der Verhältniswahl auf die einzelnen dabei beteiligten Parteien entfallen, das stem des Belgiers de Hondt angewendet, das auch durch iser Wahlgesetz in Hessen vorgeschrieben ist. Danach er die höchste Stimmenziffer immer ein Mandat zuge- nachdem die auf die einzelnen Wohlvorschläge ent fallenen Stimmenzahlen durch 2. 3, 4. usw. geteilt worden sind. Wir haben mehrfach Beispiele davon gegeben. Das de Hondtsche System wird als das einfachste, praktischste un als unbedingt du richtigen Ergebnissen führend angeseh

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Gießen, Mittwoch, den 3. Januar 1923.

Es muß dabei also das Gleiche herauskommen, als wenn man nach der gewöhnlichen Rechnung mit der Zahl der zu vergebenden Sitze die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen teilt und darauf mit der gewonnenen Ziffer die auf die ein⸗ zelnen Wahlvorschläge gefallenen Stimmenzahlen teilt und so die Sitze errechnet. Bei der letzten Gemeinderatswahl in Merlau waren nun zwei Listen aufgestellt, eine von den Bauern, die andere von unseren Genossen. Erstere er⸗ hielt 122, unsere 80 Stimmen. Wie verteilten sich nun die Mandate? Neun Sitze waren zu vergeben. Nach dem de Hondtschen System erhält die erstere Liste mit den 122 Stimmen 6 Sitze, die andere nur 3. Die letzten Teilziffern sind 20 und 20, mithii mußte das 9. Mandat der ersten Liste zugeteilt werden. Anders geht die Rechnung nach der gewöhnlichen Berechnung aus. Danach bleibt, nachdem 8 Sitze verteilt sind, für die erste Liste 9 als Rest, für die zweite dagegen 12, es mußte daher dieser, da sie die größte Restsumme aufweist, das 9. Mandat zufallen! Das geht aber nicht, denn das Gesetz schreibt das de Hondtsche Berechnungs⸗ system vor. Bei dieser Gelegenheit sehen unsere Genossen auch, wie es auf jede Stimme ankommt; hätte unsere Liste nur zwei Stimmen mehr aufgebracht, so mußte ihnen das neunte asendat unbedingt zufallen!

Stellenbesetzung im Schulministerium. In die Volks⸗ schulabteilung des Landesamts für das Bildungsministerium sind als ständige Hilfsarbeiter mit der Amtsbezeichnung Schulrat der Lehrer Friedrich von Darmstadt und der Seminarlehrer Hofmann von Alzey berufen worden. Friedrich ist Darmstädter Kreisvorsitzender des Deutschen Lehrervereins und gehört als Mitglied der Sozialdemokrati⸗ schen Partei der Darmstädter Stadtverordnetenversamm⸗ lung an.

Oeffentliche Parteiversammlung. Die öffentliche Versamm⸗ lung des Wahlvereins vom 29. Dezember, deren einziger Tagesord⸗ mungspunkt ein Vortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen Beck⸗ mann über die innerpolitische Lage war, zeitigte einen außerordent⸗ lich günstigen Verlauf. Das zur Verfügung stehende große Doppel⸗ zimmer des Gewerkschaftshauses war nahezu nicht in der Lage, die sämtlichen Anwesenden in sich aufzunehmen. Genosse Beckmann führte in mehr als einstündigem Vortrag aus, daß man bei der Berücksich⸗ tigung der derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Lage nicht außer Acht lassen dürfe, daß wir am Ende eines verlorenen Krieges stün⸗ den, unter dessen Folgen wir noch lange Zeit zu leiden hätten. Wer diese Tatsache gerecht würdigt, wird nicht zu der Ungerechtigkeit kommen, auf die sozialistische Regierung im Reiche, die es übrigens niemals gegeben hat, zu schimpfen. Der Friede von Versailles und das Abkommen von Spaa haben uns wirtschaftlich in allen Teilen untergraben. Der derzeitigen wirtsachftlichen Notlage gerecht zu wer⸗ den, vermögen auch die vielen Milliarden zu zahlenden Steuern nicht, insbesondere insolange nicht, als man nicht die Steuerquelle anfasse, die die Belastung am besten vertragen kann und das ist das Kapital. Wenn man bedenkt, daß die unpopulärste aller Steuern 80 Milliar⸗ den Mark aufbringt, so wird man einsehen, welche Lasten gerade auf den Schultern der wirtschaftlich Schwächeren liegen, nämlich auf der breiten Masse. Im vorigen Jahre wäre vielleicht durch Ergreifung der Sachwerte der Defizitwirtschaft zu begegnen gewesen, ob das heute noch ginge, sei zweifelhaft. Alle Steuern, die die Lasten der breiten Massen etwas lindern könnten, würden von der bürgerlichen Mehrheit des Reichstages zu Fall gebracht. Der größte Teil des Reichsnotopfers und die Nachkriegsgewinnsteuer sei nicht durchzu⸗ bringen gewesen und zuletzt sei auch noch die Zwangsanleihe abge⸗ lehnt worden. Wenn man berücksichtige, daß Lohn⸗ und Gehalts⸗ empfänger ihre Steuern sofort bezahlen, während die Angehörigen der freien Berufe dies erst nach Ablauf eines, manchmal mehrerer Jahre täten, so käme man zu dem rechnerischen Ergebnis, daß z. B. die Steuer für den Monat November zu 71 Prozent von den Lohn⸗ und Gehaltsempfängern bezahlt würde. Dem Besitz gelingt es immer, billig wegzukommen. Was die Ernährungsfrage anlange, so sei die⸗ selbe ein Produkt der so viel gepriesenen freien Wirtschaft. Hätten wir die Zwangswirtschaft noch, für die die Linke immer eingetreten sei, dann würde das Brot heute billiger sein und benötige vor allen Dingen nicht der vorgesehenen Streckung. Außerdem sei zu beachten, daß die fortwährende Bewilligung höherer Preise für die Landwirt⸗ schaft in aller Kürze einen Brotpreis von etwa 600 Mark zeitigen dürfte. Wie es mit dem Brot stünde, ähnlich sei es auch mit Kar⸗ toffeln und mit Zucker. Zu dieser unangenehmen wirtschaftlichen Lage käme dann noch die unangenehme Wirtschaftskvisüs, die eine Stabili⸗ sierung der Mark unmöglich mache und die nur ein weiteres Steigen des Dollars im Gefolge hätte. Was die Frage der Koalition an⸗ lange, so könne man hierüber geteilter Meinung sein. Er, Redner, freue sich, daß unsere Parteigenossen in einer Regierung, die von Leuten wie Stinnes, Becker u. a. besetzt sei, nichr teilnähmen. Man solle auch bedenken, daß nach den eigenen Worten von Stinnes und Lersner man in erster Linie die Absicht habe, den Achtstundentag zu erdrosseln, um so immer wieder die Möglichkeit einer Reparation, bezw. die Möglichkeit der Erhöhung der Reparation alles auf die Schultern der Arbeiter abzuwälzen. Bedauerlich sei es nur, daß man der Durchsetzung der 10 Forderungen des Gewerkschaftsbundes keinen oder nur sehr wenig Nachdruck verliehen hätte. Vielleicht hätte man seinerzeit diese 10 Forderungen durch einen Generalstreik erzwingen können. Was die Frage des Reichstags endlich anlange, so gebe zu⸗ nächst das Beispiel in Sachsen zu Bedenken Veranlassung, ob ein derartiger Aufwand an Gold und sonstigen Gütern zweckmäßig sei angesichts der Wahrscheinlichkeit, daß sich das gesamte Bild doch nicht allzusehr ändere. Ein Hauptbedenken aber gegen die Reichs⸗ tagsauflösung sei der Umstand gewesen, daß in einer Zeit höchster Krise, wie sie eben bestanden hatte, das deutsche Volk nicht zwei Monate und länger ohne Volksvertretung hätte sein können. Zu Bedenben gebe der Geist, der in der Justig und in der Verwaltung und in der Reichswehr stecke. Bayeryn sei der Hort der Reaktion, aber auch in anderen kleineren Staaten sei es manchmal nicht viel besser. Die Reichswehr sei, insbesondere ihre Spitze, keine Stütze der Republik, sondern eine Gefahr für die Republik. Am allermeisten treffe dies für ihren Führer, den Minister Geßler, zu. Wenn man von allen diesen Gesichtspunkten aus die politische Lage und zwar die innere und äußere kritisch betrachten, so mütsse das jeden Denkenden dazu führen, zusammen zu arbeiten, Arbefterschaft mit Beamten u. s f., werktätiges Volk gegen Kapitalismus. Nur so seien unter Umständen alinstigere Verhältnisse herbeizuführen. An der sich anschließenden Disbussion beteiligten sich zahlreiche Genossen. Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, ob es angebracht oder wünschenswert sei, daß in Hessen eine Verbreiterung der Koalitions regierung nach rechts einzutreten hibe. Nachdem sich der weitaus größte Teil der Diskussionsredner dagegen ausgesprochen hatten und nur vereinzelte, sich dafür ausgesprochen hatten, nahm die Versammlung eine ein⸗ sbimmige Resolution an, gerichtet an die sozkaldemokratische Fraktion des Hessischen Landtages und eine für die Partei des Inhalts, daß e der einstimmige Wunsch der Versammlung sei, daß eine Verbrei⸗ n der Koalitlon in Hessen nach rechts unter allen Umständen zu anterbleiben hat.

erhessischen Volkszeitung Nr. 1

Eine erhebliche Verschüärfung der Regierungskrise hat das Ministerium des Innern herbeizuführen für notwendig gehalten. Es hat gegen ein Vorstandsmitglied des Ver⸗ bandes der Polizeibeamten das Disziplinarverfahren mit dem Ziele der Dienstentlassung eröffnet. Der in Disziplinar⸗ untersuchung gezogene Beamte hat iichts weiter getan, als in einer Mitgliederversammlung pflichtgemäß die Interessen des Verbandes wahrzunehmen. Wir versagen es uns, heute und an dieser Stelle auf diese gegen das Koalitionsrecht der Beamten gerichtete Herausforderung näher einzugehen. Das wird sicher an anderer Stelle geschehen.

Fahrplanänderung auf der Strecke Gießen Fulda. Amtlich wird gemeldet: Vom 1. Januar 1923 an treten auf der Strecke Gießen Fulda folgende Fahrplanänderungen ein: Pz. 556 wird zwischen Lauterbach Nord und Burg⸗ und Nieder⸗Gemünden wie folgt geändert: Lauterbach Nord ab nachm. 5.48 Uhr, Wallen⸗ rod ab 6.00, Renzendorf ab 6.08. Alsfeld an 6.17, ab 6.24, Zell⸗ Romrod ab 6.34, Ehringshausen an 6.46, ab 6.49, Burg⸗ und Nie⸗ der⸗Gemünden an 6.55, ab 6.59 nachm. und weiter wie bisher. 33. 559 erhält zwischen Grünberg und Fulda folgende Fahr⸗ 3 planänderungen: Grünberg an nachm. 8.12, ab 8.15, Mücke 5 an 8.24, ab 8.27, Nieder⸗Ohmen ab 8.34, Burg⸗ und Nieder⸗Ge⸗ 1 münden an 8.42, ab 8.45, Ehringshausen ab 8.54, Zell⸗Romrod ab 1 9.10, Alsfeld an 9.23, ab 9.27, Renzendorf ab 9.38, Wallenrod ab 5 9.47, Lauterbach Nord an 9.58, ab 10.07, Angers bach ab 10.14, Salzschlirf an 10.20, ab 10.23, Großenlüder ab 10.34, Oberbim⸗ bach ab 10.40, Fulda an 10.54 nachm. 5 a

Zum Wegfall der Altersrenten. Das Gesetz über Aenderung des Versicherungsgesetzes für Angestellte und der Reichsver⸗ sicherungsordnung vom 10. November 1922 hat die Altersrente beseitigt. Vom 1 Januax 1923 an werden keine neuen Alters⸗ renten mehr festgesetzt. Alle 65 Jahre alten bei der Invaliden, versicherung versicherten Personen haben, wenn sie die Wartezel erfüllt haben, Anspruch auf Invalidenrente. auch wenn sie nicht imvalid sind. Die bisher festgesetzten Altersrenten bleiben be⸗ stehen können aber in die höheren Invalidenrente umgewandel! werden. Die Umwandluma der Alters⸗ in Invalidenrente erfolgt nicht ohne weiteres durch die Landesversicherungsanstalten. Es ist vielmehr ein Antrag des Rentenempfängers erforderlich. Die Umwandlung ist auch nur dann möglich, wenn der Alters rentner während des Bezugs der Rente weiter geklebt und die Anwart⸗ schaft aufrechterhalten bat.(Mindestens 20 Beiträge in zwei Jahren.) Wo diese Voraussetzung erfüllt ist, ist den Alters rentnern zu empfehlen bei der zuständigen Landes versicherungs⸗ anstalt einen Antraa auf Umwandlung der Alters⸗ in eine In⸗ validenrente zu stellen.

Abänderung der Lohnstufen, Grundlöhne und Beiträge z den Krankenkassen. Die Allgemeine Ortskrankenkasse des Land⸗ kreises Gießen und die Landkrankenkasse des Landkreises Gießen geben im Anzeigenteil der heutigen Nummer bekannt, daß mit Wirkung vom 1. Januar 1922 die Lohnstusen, Grundlöhne und Beiträge neu festgesetzt worden sind vorbehältlich der Zustim⸗ mung der Aufsichts behörden.

Wichtige städtische Bekanntmachungen. Im Inseratenteil der heutigen Nummer werden eine Reihe wichtige Bekanntde 1 der Stadt Gießen veröffentlicht. auf die wir besondg er. 2 inweisen. 4

Neuer Gaspreis. Infolge weiterer Verteuerung über⸗ Kohlen und Betriebsmaterialien usw. sieht sich das städtische Gaser⸗ und Wasserwerk gezwungen nom 1. Januar ab den Gaspreis aue 165. Mark für den Kubikmeter zu erhöhen.(Siehe Inserat.)

Der Steuerabzug 1923. Im Anzeigenteil befindet sich eine Bekannmachung der Finanzämter über den Abzug von der Lohn. und Gehaltssteuer wie er durch die jüngste Einkommensteuer⸗

Novelle für 1923 stattzufinden hat. Es kann nur empfohlen wer⸗ den, die Betenntmadfta zur beachten. Kreis Friedberg⸗Bͤdingen.

Bad⸗Nauheim. 1. Januar. Ein kurzes Mandat. Durch die Wahl eines Stadtverordneten zum Beigeordneten wurde am 28. Dezember Herr Heinrich Will zum Stadtverordneten bestimmt. er konnte sein Amt aber nur bis zum 31. Dezember ausüben da dann sein Mandat erloschen war. Am 1. Januar treten die neu⸗ gewählten Stadtverordneten ihr Amt an.

Kreis Alsfeld⸗Lauterbach.

Landenhausen. Am 31. e ist der 35 Jahre alte Schneider Falk aus der Gefangenschaft in Frankreich zurückge⸗ 0 kehrt. Falk wurde im Jahre 1914 bei einem Patrouillenritt ge⸗ fangen genommen. Er trug bei der Gefangennahme eine fran⸗ zosische Damenuhr bei sich, die ihm von einem Kameraden zu Aufbewahrung übergeben worden war. Falk wurde deswegen zu 20 Jahren Zuchthaus bestraft. Weihnachten wurde er begnadigt und traf am 31. Dezember nachmittags in Lauterbach ein. Be⸗ wohner von Landenhausen, sowie Kameraden aus der Umgegend, die ebenfalls in Gefangenschaft waren, waren am Bahnhof ver⸗ sammelt, um dem Heimkehrenden einen schönen Empfang zu be⸗. reiten. Der Kreisrat und. andere. hielten An⸗

rachen. Alsdann ging es auf zwei mit Tannenre. Fate Wagen, mit je 4 Pferden bespannt, unter den Klängen 0 einer Musikkapelle, voran eine Abteilung Radfahrer. Falk ist 1 noch nicht verheiratet, doch wartete daheim eine Mutter auf. die Rückkehr ihres Sohnes, aber leider vergebens, da die Mutter in diesem Sommer starb. In dem umliegenden Ortschaften soll für Falk eine Sammlung veranstaltet werden.

Marburg⸗Kirchhain.

Marburg. Räuberischer Ueberfall. Ein väuberischer Ueberfall würde vorige Woche an dem Kontordiener Abt von den Tapetenfabrik verübt. Als derselbe von der Reichsbank 600 000 Mark geholt hatte wurde er in der Afföller Straße von drei Männern überfallen nach seinen Angaben vor den Leib getreten und ihm Pfeffer in die Augen geworfen. Die Tasche mit dem 1 Geld wurde ihm entrissen. Die Verfolgung der Täter wurde aufn genommen, aber ohne Erfola. Daß so etwas in Marburg am hellen Tage passieren kann ist ein Rätsel. 3

Dollarstand gestern mittag 12 Uhr: 7400 Mark.

8 Eingesandt. (Für Form und Inbalt der unter dieser Rubrik zum Abdruck kom⸗ menden Artikel übernimmt die Redaktion keine Verantwortung.) Zu dem ArtikelVersäumte Ernte von Feldfrüchten in Nr. 299 des Gießener Anzeigers erlaube ich mir als ehemaliger Verwalter des Hofgutes Obbornhofen der Ooffentlichkeit folgen⸗ des mitzuteilen: 1 An Ort und Stelle konnte ich mich davon überzeugen, daß die am 6. Dezember von der Gendarmerie in 67 Morgen Land fest⸗ gestellten Kartoffeln am 28. Dez. noch nicht geerntet waren. Auf einem anderen Acker liegen heute noch 500-600 Zentner ausge⸗ 8 machte Kartoffeln im freien Felde umher. Außer den 10 Morgen nicht geerntete Zuckerrüben stellte ich noch 5 Morgen ausgemachte Rüben auf freiem Felde fest. Ferner liegt heute noch eine Wiese Grummet, das selbstverständlich perfault ist. Auch ist bis heute noch kein Weizen gesät. 8 Im Interesse der Volksernährung dürfte wohl die Frage er⸗ laubt sein, ob es ratsam ist, einem Pächter mehr Land zu lassen, als er bewirtschaften kann. Otto Werner.