der sächsischen Arbeiterschaft hineinzutragen. Die meisten
Organisationen unserer sächsischen Genossen haben es abge⸗
lehnt, Abwehrorganisationen gemeinsam mit den Kom⸗ munisten zu schaffen, da die sozialistischen Arbeiter nicht daran denken, sich von der klaren Linie sozialistischer Politit durch die Kommunisten ablenken zu lassen. Die K PDD. hat das in Verhandlungen mit dem Landesausschuß der sächsischen Partei zum Anlaß genommen, diese Haltung unserer Ge⸗ nossen als einen„Bruch der getroffenen Vereinbarung“ zu bezeichnen und sich„völlige volitische Handlungs⸗ freiheit“ vorzubehalten. Diese Erklärung haben sie ab⸗ gegeben, trotzdem unsere Genossen in der weitestgehenden Weise versucht haben, eine gemeinsame Basis zu finden. Es muß abgewartet werden, wie sich die Dinge in den nächsten Tage weiter entwickeln. Da die Entscheidungen für diese Haltung der Komunisten in solchen Fragen von außerhalb diktiert werden, kann man noch nicht end⸗ gültig feststellen, ob sie wirklich jetzt den Moment für gekom⸗ men erachten, die eben erst mit ihrer Zustimmung gebildete sächsische Regierung zu stürzen. Sie müssen schließlich selber wissen, was sie tun wollen. Die Sozialdemokratie hat keine Veranlassung, ein solches Verhalten der Kommunisten zu fürchten. Ihre Zersplitterungsversuche wer⸗ den an dem Willen der sächsischen Arbeiter restlos scheitern.
Auflösung der Familiengüter.
Das Presseamt Thüringen teilt mit:
Nachbem der Landtag von Thüringen das Nachtragsgesetz über Auflösung der Familiengüter verabschiedet hat, steht seine Ver⸗ öffentlichung und der Erlaß der Ausflihrungsverorbnung unmittel⸗ bar bevor. Es ist bestimmt, daß das Zwangsauflösungsverfahren eingeleitet werden muß, wenn nicht am 1. Oktober 1923 der Ent⸗ wurf eines Familienschlusses zur freiwilligen Auflösung des Fanellienguts eingereicht ist oder wenn ein rechtzeitig eingereichter
nicht bestätigt wird. Der Familienschluß muß den zwingenden Vorichriften des Gesetzes und der Verordnung Rechnung tragen. Er Hat sonst keine Aussicht auf Bestätigung. Auch wenn er nicht bestätigt werden kann, gilt die Frist als nicht gewahrt und die Zwangsguflösung tritt ein. Die Zwangsauflösung beengt nicht nur die Freiheit der Entschließung der Berechtigten, sondern bewirkt erhöhte Kosten. Den Famtliengütern, die von der Zwangsauflösung betrossen werden, wird ein erhöhter Anteil an den gesamten Kosten des Auflösungsrerfahrens und seiner Einrichtungen auferlegt werden. Die Familiengutsbesitzer und die zum Familtenschluß be⸗ rechtigten Familien mitglieder nützen daher sich selbst, wenn ste die Freiwillige Auflösung mit allem Nachdruck betreiben, die zwingenden Bestimmungen des Gesetzes und der Verordnung im Familien⸗ f uß beachten und den Famtlienschluß möglichft bald beim Auf⸗ loösungsamt einreichen. Das neue Gelbstrafengesetz.
Am 1. Ma tritt das vom Neichstag verabschiedete Geld⸗ strafengesetz in Kraft, durch dessen Bestimmungen die Ge⸗ richte instand gesetzt werden sollen, bei der Bemessung aller Geldstrafen der Geldentwertung Rechnung zu tragen. Das war bisher in keiner Weise der Fall. So haben wir es in diesen Tagen erlebt, daß in dem Beleidigungsprozeß des Ge⸗
Rnossen Kuttner gegen Davidsohn dieser zur Höchstgeldstrafe von ganzen 600 Mark verurteilt wurde. Das neue Gesetz wird hier Wandel schaffen. Allerdings gelten seine Vor- schriften erst für die seit dem 1. Mai 1923 begangenen Straf⸗ talen In Zukunft ist die Mindestgelöstrafe bet allen Ver⸗ brechen und Vergehen des gesamten Reichs- und Landes⸗ 9 echts 1000 Mark, die Höchststrafe 10 Millionen Mark, bei 1 5 Uebertretungen 300 Mark bezw. 300 000 Mark. Die Geldstrafe kann jedoch bis auf 100 Millionen Mark erhöht werden, wenn das Verbrechen oder Vergehen auf Gewinn⸗ sucht beruht. Die Geldstrafe soll auf alle Fälle stets den Gewinn oder das Entgelt des Täter übersteigen; zu diesem Zweck kann auch jederzeit die gesetzliche Höchstgeldstrafe über⸗ schritten werden.
Hilfe den Invaliden der Arbeit. Deutschland hat augenblicklich über 3 Millionen Invaliden, Er⸗ werbsbeschränkte und Erwerbsunfähige zu versorgen. Ihre Not hat sich in letzter Zeit außerordentlich verschärft. Der Zentralverband der Invaliden und Witwen Deutschlands hat sich daher mit einer Ein⸗ gabe an die gesetzgebenden Körperschaften des Reiches gewandt und folgende Hllfsmaßnahmen vorgeschlagen: ———.
1. Aenderung des Schwerbeschädigtengesetzes dahin, daß in pri⸗ vaten Betrieben 3 Prozent Erwerbslosenbeschränkte statt bisher 2 Prozent beschäftigt werden sollen. 2. Bildung von Wohlfahrtsaus⸗ schüssen für Schwererwerbsbeschränkte in den Betrieben. 3. Errich⸗ tung einer Reichs zentrale für Erwerbsbeschränktenfürsorge mit einem Reichsbeirat zur Bearbestung der Angelegenheit der Erwerbsbe⸗ schränkten. 4. Einrichtung gemeinnütziger Erwerbsbeschränkten⸗Werk⸗ stätten zur Umschulung. 5. Ausbau und Reform der Invaliden⸗ und Unfallgesetzgebung im Interesse der Erwerbsbeschränkten.
Gießen und Umgebung.
Das zurückgezogene Volksbegehren.
In unserem Blatte war mehrfach auf das Volks ⸗ begehren hingewiesen worden, das vom Reichsbund für Siedlung und Pachtung beantragt worden war. Der Gesetz⸗ entwurf, über den beim Volksbegehren abgestimmt werden sollte, wurde bereits vor einiger Zeit im Amtsver⸗ kündigungblatt abgedruckt und dabei bekannt ge⸗ geben, daß die Einzeichnungslisten in der Zeit vom 18. April bis 1. Mai ausliegen würden. Wir haben dann an dieser Stelle noch eingehende Erläuterungen über die technische Durchführung der Volksabstimmung gebracht, wie sie sich aus der Reichsverfassung ergibt. Daraus ging schon hervor, daß die Sache gar nicht so einfach und leicht durch⸗ zuführen. In Nr. 89 unseres Blattes haben wir eine Darlegung unseres Parteivorstandes über diese Angelegen⸗ heit gebracht, in der gegen den zur Abstimmung gestellten Gesetzentwurf beachtliche Einwendungen erhoben und zum Schluß bemerkt wurde, daß für die Partei kein Grund vor⸗ liege, gegen das eingeleitete Siedlungsverfahren Stellung zu nehmen, daß aber den Parteigenossen auch nicht geraten werden könnte, sich daran zu beteiligen.
Nunmehr hat der Bund für Siedlung und Pachtung Abstand von der Durchführung des Volks⸗ begehrens genommen, weil es ihm nicht möglich war, die Gemeinden mit den Eintragungslisten zu versehen und weil auch aus den eigenen Reihen des Bundes Ein⸗ wände gegen den Gesetzentwurf vorgebracht wurden.— Von zuständiger Stelle wird darüber u. a. mitgeteilt, daß das
vor einem Jahre beantragte Volksbegehren zur Ergänzung
des Reichssiedlungsgesetzes im Dezember 1922 zugelassen wurde, nachdem die Vertrauensleute wiederholt mündlich und schriftlich versichert hatten, daß der Antrag ernstlich ge⸗ meint sei, das Volksbegehren unter allen Umständen durchge⸗ führt werden solle und daß die Eintragungslisten entsprechend dem Gesetz auf ihre Kosten beschafft und den Gemeinden in ausreichender Zahl zugestellt werden würden. Darüber ist der Bundesvorsitzende wiederholt über die Schwierigkeiten eines Vollsbegehrens belehrt worden.
Nun hat der Bund von der Durchführung des Volks⸗ begehrens Abstand genommen, sondern macht für einen neuen, abgeänderten Gesetzentwurf Stimmung. Gegen eine derartige Handhabung oberster Volksrechte muß entschieden Verwahrung eingelegt werden. Ter große wahltechnische Apporat der staatlichen und gemeindlichen Wahlbehörden ist nutzlos in Gang gesetzt worden wodurch dem Reiche und den Gemeinden nicht unbeträchtliche Kosten erwachsen sind. Das Vorgehen des Bundes für Siedlung und Pachtung ermangelt des politischen Verantwortungs⸗ gefühls. 5
Eine gelbe„Aktion“ gegen die Maifeier.
In seiner Samstag⸗Nummer brachte der Gieß. Anzeiger einen Aufruf des sogenannten„Nationalverbandes deutscher Berufsverbände“ zum Abdruck— eine in den weitesten Krei⸗ sen röllig unbekannte Organisation. Von welchem „Geiste“ sie beseelt ist, zeigen folgende Sätze in dem Aufruf:
„Für die nationalen Arbeitnehmer ist der 1. Mai angesichts der herrschenden Zustände im deutschen Volk und Vaterland ein Tag der Einkehr und des besonderen Gedenkens ihrer in Schmach und Bande, Not und Elend liegenden Volksgenossen an Rhein und Ruhr.
4
Es ist ein Tag der Feststellung, daß diese Za nur durch Verirrung eines großen Volkstesses z „Internationale“ heraufbeschworen sind, und daß m nachdrücklichste staatsbürgerliche Erziehung inshe der deutschen Arbeitnehmerschaft das deutsche dem⸗Untergang bewahren kann. 1
Die Gauleitung„Sessen⸗Lahn⸗Rhein des 1 verbandes deutscher Berufsverbände“ fordert d 4. 1 nehmer auf, am 1. Mai in ordnungsmäßiger We Arbeit nachzugehen, sich gegen Uebergriffe irgen internationaler Heißsporne nachdrücklich zur
setzen und den Veranstaltungen der„Weltpe brigerer“
fern zu bleiben.“ 4 5 Es ist wohl nicht nötig, ein Wort zu diesem
Blech zu sagen. Man könnte zu dem Glauben kon
sei aus einer Flugschrift des seligen Reichsverbande
die Sozialdemokratie abgeschrieben. In Gießen und Wetzla
sation bestehen. Wie viel halbe Dutzend Mitglieder f haben mögen? 5
— Ueber die volkswirtschaftliche Bedeutung des Ru sprach am Freitag abend Genosse Dr. M. QOuarck im g sale der Universität. Leider war der inhaltreiche Vortrag, e kanntlich die Gießener Volkshochschule veranstaltete, nur mä sucht, erfahrungsgemäß finden um diese Jahreszeit im alg solche Vorträge geringeres Interesse als sonst. Quarck wie auf Bestimmungen im Friedensvertrag hin, um dadurch eisg die Rechtswidrigkeit der Besetzung des Ruhrgebiets da Gestützt auf zahlreiche statistische Ziffern schildert er weiten in der Welt kaum ein zweites Mal anzutreffende imdustgel wickelung, die sich im Ruhrgebiet in steigendem Maße vollzoge Dieser Landesteil set dadurch zu einer Kraftquellen⸗Sammli ganz Deutschland geworden. An der Entwickelung der vet Industrien sieht man, was das Gebiet bedeutet, nur Unverstan l meinen, daß Deutschland ohne dieses existieren könne. Am sten ist natürlich die Steinkohlenförderung, der beste Koks filr! schickung der Hochöfen werde hier produziert. Gewaltige 9 haben sich dort entwickelt, Redner erwähnt die 5 größten, zusammen 200 000 Arbeiter beschäftigen. Hier hat auch die! tration der Unternehmungen in Trusts und Kartelle die Fortschritte gemacht. Es gelang z. B. dem Kohlensyndikat, di derung und den Verkauf der Kohle völlig in seine Hände; men, sowohl sämtliche Kohlenzechen, als auch alle Kohlenhän 0 vom Syndikat abhängig. Diese wenigen Großen üben eine ge Macht aus. Als das Gesamtergebnis der Entwicklung der industrie kann noch angeführt werden, daß nach einer vor den veröffentlichten Statistik der Millionäre die meisten aus den gebiet stammen bezw. ihre Millionen dort aufgebäuft habe steht die Lage der Arbeiter im schärfsten Widerspruch. 3 spricht Redner die Ueber zeugung aus, daß es den Franzosch lingen werde, die Feinheiten des riesigen Produktions⸗ unk kehrsapparats im Ruhrgebiet zu beherrschen. Die Aus Redners fanden beifällige Aufnahme. 4
— Stadtverordneten⸗Versammlung. Morgen, Donn nachmittags 5 Uhr findet eine öffentliche Sitzung der 8 ordneten statt, in der 26 Gegenstände auf der Tagesordnung Daraus sind hervorzuheben: Erhebung einer Nachtragsumla Aufbringung der Kosten der Handwerkskammer. Erhöhn Vergnügungssteuer. Festsetzung des Ausschlags für die und Gewerbesteuer für 1922. Gewährung von Baukostenvorsshißs an die Baugenossenschaft 1894. Beitritt der Stadt Gier
Gemeinwirtschaft Oberhessen. Zuschuß der Stadt Gießen;* 15
hochschule Gießen. Ruhegehaltsverhältnisse der außerplaun Beamten(Bediensteten). Eine Reihe Kred tbewillig⸗ für Bauarbeiten, Gas⸗ und Wasserleitungsverlegungen un willigung von Baukostenvorschüssen an die Baugenosse Rechnungsabschluß des Elektrizitätswerkes für das 9 Tarifvertrag für die Aushilssangestellten. Schulgeld. des Schulgeldes für die in Gießen nicht sortbildungsschu Schüler der gewerblichen und kaufmännischen Abteilung der bildungsschule. Antrag der Stadtv. Haupt und Gen. 1 willigung von Mitteln zur Errichtung einer Volksküche. ordentliche Notstandmaßnahmen für die Rentenempfänger 9 validen⸗ und Angestelltenversiche rung. — Die Frankfurter Nachrichten, ein auch in unserem Beil ve breitetes Blatt, ist, wie es selbst mitteilt, von Hugo Stins gekauft worden. Eine ähnliche Nachricht ging schon im vorigen durch die Presse, nach der neuerlichen Meldung zu urteilen, Geschäft aber erst etzt zustande gekommen. Das Blatt nahm eine reaktionäre Haltung ein, und wird sich vermutlich auc kunft nicht bessern.— Immer wieder muß die arbestende Beil darauf hiegewiesen werden, daß sie ihre Presse nachb
lichst unterstützen muß wenn sie ihre Interessen wahre
Der Deserteur. 0
* Roman von Robert Buchanan.
Das Innere der Kapelle machte einen düsteren, unheim⸗ lichen Eindruck; ein Teil des Daches fehlte und der Regen platschte erbarmungslos auf das Steinbildnis„Unserer lieben Frau“, welches auf einem niedrigen Sockel stand, an einer Stelle, wo sich früher ein Altar erhoben haben mochte. Es war nichts weniger als ein Kunstwerk, aber der Volks- mund schrieb dem arg verstümmelten Ueberrest doch noch göttliche Macht zu. Rund um den Sockel lagen milde Gaben: gewöhnliche Rosenkränze, Blumensträuße aus „Wachs, allerlei bunte Lappen und auch Schmuckgegenstände. Der einst gepflasterte Fußboden der Kapelle wies nur noch wenige Quadersteine auf, Gras und Nesseln wucherten hier wild und streiften die Füße der Madonna.
Der alte Mann sah sich seufzend in dem düsteren Raume um, nahm dann seinen Rucksack von der Schulter. öffnete ihn und packte ein Stück Schwarzbrot aus. Er hatte kaum zu essen begonnen, als er durch den Laut einer menschlichen
Stimme aufgeschreckt wurde, die aus dem Innern der Kapelle zu dringen schien. Er versuchte das Dunkel zu durchdringen, vermochte jedoch keine menschliche Gestalt zu unterscheiden; als sich aber der Laut wiederholte, stand er auf, schritt auf den Altar zu und entdeckte vor dem Bildnis die flach hingestreckte Gestalt eines Mannes mit dem Gesicht nach unten. Er mußte entweder schlafen oder in Ohnmacht gefallen sein. Tiefes Stöhnen entrang sich seiner Brust, sein abgezehrter Körper war notdürftig mit Fetzen bekleidet, lange wirre Locken, aus denen das Wasser rieselte, hingen ihm über die Schultern herab. Er zitterte vor Kälte, denn er war vom Regen ganz durchnäßt. Der alte Mann neigte sich besorgt über ihn, aber er rührte sich nicht. Erst als er ihn sanft ansprach, sprang er auf und blickte wild und mit blutunterlaufenen Augen um sich. Es war ein herzzer⸗ reißender Anblick, diesen verwilderten und verängstigten 5 755 Riesen zu sehen, in dessen Augen der Wahnsinn dauerte.
„Rohan! Rohan Gwenfern, Du hier?“ flüsterte Meister Arfoll entsetzt, denn dieser war es.
Rohans Arme, die wie zur Abwehr ausgestreckt waren, sielen schlaff an die Seite hinab, während er seinen alten Gönner mit wild rollenden Augen anglotzte. Erst allmählich wich der raubtierartige Ausdruck aus seinen Mienen und machte einem träumerischen Platz.
„Sie sind's, Meister Arfoll?“ kam es schluchzend aus seiner Kehle.
Der Wanderlehrer streckte ihm beide Hände entgegen und blickte dem Gehetzten zärtlich ins Gesicht. Eine Weile brachten beide kein Wort hervor, die Aufregung schnürte ihnen die Kehle zu. Endlich rief der Alte erschüttert:„Mein Sohn, Du lebst! Gott sei Dank Du lobst! Drüben in Traontli ging die Kunde, Du seist tot! Aber ich konnte es nicht glauben. Gott sei Donk, Du sebst! Ich suchte vor dem Wetter Schutz; das hier ist ein böser Ort und die ihn auf⸗ such, haben böse Herzen! Was tatest Du hier, mein Sohn? Beten? Zu unserer Frau vom Hasse?!“
„Ja,“ entgegnete Rohan mit scheu zu Boden gesenkten Blicken.
„Ah, mein Sohn, Deine Feinde waren grausam gegen Dich. Möge Gott sich Deiner erbarmen, mein armer Rohan!“
„Ich flehe nicht zu Gott, sondern nur zu ihr!“ rief er mit hohler Stimme und zornflammenden Blicken.„Nie⸗ mand kann mir helfen, wenn sie es nicht kann. Ich habe schon oft hier gebetet und wilde Flüche auf das Haupt des Kaisers herabbeschworen!“ Plötzlich wandte er sich mit aus⸗ gebreiten Armen dem Altar zu und tief:„Mutter Gottes, erhöre mich! Mutter des Hasses, erfülle mem Flehen binnen emem Jahre! In einem Jachre! Du hast es mir ver— sprochen!“
Sein totenblasses Gesicht war von Leidenschaft ver⸗ zerrt; er wollte sich in seiner Verzückung wieder auf den seuchten, kalten Boden vor dem Bildnis der Madonna nie— derwerfen, aber Meister Arfoll hinderte ihn sanft daran: „Komm, mein Sohn, wir wollen lieber ein wenig mitein⸗
meinem Rucksack ist Brot, Käse und etwas Rolwei wollen, wie in den guten alten Zeiten. zusammen e n trinken und dabei erzähle ich Dir alles, was ich draißt der Welt gehört habe.“ 0 Die sanfte Art des Lehrers wirkt beruhigend Rohan; er folgte ihm wie ein Lämmchen zu dem Sun neben dem Eingang. Hier nahmen die beiden vom e sal schwer geprüften Männer Seite an Seite Plaß Kapelle war jetzt ganz finster geworden; der Regen aufgehört, aber der Sturm wütete noch immer mit e Heftigkeit. Meister Arfoll packte seine Vorräte auß nöligte den der Nahrung bedürftigen Gast, wacker
ander plaudern. Ich habe Dir Neuigkeiten zu 10
sprechen; dann reichte er ihm die Feldflasche, die eint ent f
Landwirtin am Morgen mit kräftigem Rotwein 0 hatte Rohan tat einen guten Schluck, das Blut kel mählich in seine Wangen zurück, der raubtierähnlicht druck verschwand aus seinen Zügen und er bean alle Fragen, die Arfoll bezüglich seiner letzten stellte. N ö Nach jener furchtbaren Szene in der Hütte seine nm hatte er mehrere Tage in der von den Menschen gen Moorebene verbracht, um schließlich in die Grotte des gen Gildas zurückzukehren. 1 „ eb mögen die Häscher kommen, sie werden sinden! Ich, Meister Arfoll, nachdem ich den alten 11 umgebracht hatte, konnte ich es im„Trou“ nicht auese Ich sah den ormen Alten immer vor mir mit bl Wunde. die starren Augen vorwurfsvoll auf mich nr Glauben Sie mir, es ist furchtbar, Blut zu veig n Pipriac war im Grunde ein guter Mensch und det Freund meines Naters. Heilige Mutter Gottes, eines ch Todes zu sterben! Ich muß immer daran denken: mic wisser läßt mich weder bei Tag noch bei Nacht ruhen! gebens sag ich mir, daß ich das nicht gewollt und nuf Notwehr niich verteidigt habe!“ i 0 1
(Fortsetzung folat.) 8
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