ratische Verfassung und die Republik schlitzen will. Imm
bleibt das Wort Wilhelm Liebknechts wahr:„Die Ni en Abonnenten und Leser der feindlichen Presse sind größtenteils Glieder des arbeitenden Volkes und gerade sie sind es, welche dieser zur Knechtung bestimmten Presse die ungeheure Macht verleihen, über die sie verfügt. Der Arbeiter, der statt eines Arbeiterblattes ein Or⸗
des gan der Arbeiterfeinde hält, begeht einen geisti i
.* K igen Selbstmord, ein it dien! Verbrechen an seinen Brlidern, an seiner Klasse. Die Presse ist hene er Jg das wirksamste Mittel der Knechtung. Bemächtigen wir uns dieses
% cke und die Presse wird das wirksanste Mittel der Befreiung
rge dur 50— Untersuchungsstation für pfychopathische Kinder bag Direktion der psychiatrischen Klinik in Gießen tt 7 at daß
ö sich in der Klinik Einrichtungen zur Beobachtung und Behandlun, 1 55 psychopathischen Kindern befinden. Die Amn ne e e em sind dieselben wie sie im allgemeinen in der Klinik gelten. Im 1 ln Hinblick auf das Reichsgesetz für Jugendwohlfahrt vom 9. Juli charge 41922, besonders in Bezug auf die Fürsorge⸗Erziehung(§ 62—70)
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ist diese Einrichtung von Bedeutung, da die Unterbringu i
dn Fürssorge⸗Erziehung unter ärztlicher Mitwirkung 1 0 soll Es iter“ sind dabei besonder„Minderjährige, die an geistigen Regelwibrig⸗
keiten leiden, Psychopathie, Epilepsie, genannt.
br. Wieseck. In der Gemeinderatssitzung am Frei⸗ tag wurden die ausgeschriebenen Arbeiten zum Innenausbau von
Schwererziehbarkeit usw.“
des Au. zwei Doppelhäusern genehmigt. Der Bürgermeister und Ge⸗ a meinderat Lauden werden beauftragt, 9055 14255 Firma e. 5. Vorn Müller⸗Gietzen wegen der Lieferung der Türen in Verbindung zu 5% treten.— Die Planjserung des Sportplatzes sollte ver⸗ im 11 geben werden. Das finanzielle Ergebnis war dem Vürgermeister c dun für die Gemeinde zu drückend. Noch Rücksprache mit dem größeren an Teil der Gemeinderäte sollte der Bürgermeister Rücksprache mit wan den beiden Turnvereinen nehmen, damit diese, als die zunächst er m Interessierten, die Planierung übernehmen. Dieser einzig richtige an ˖ 0 5 5 fand aber nur auf einer Seite Verständnis. Nach der Mit⸗ 5 be teilung des Bürgermeisters hätten ihm maßgebende Angehörige wenn b des zinn Lahn⸗Dünsberg⸗Bund gehörige„Turnvereins“ zu er⸗ kennen gegeben, daß sie kein Interesse an der Instandsetzung des der vers f es hätten.(1) Die„Freie Turnerschaft“ sagte zu, mit Unmenge Verlangen allerdings, fitr diese nicht geringe Arbeit und die große ne. J 5 Summe Geld, die der Gemeinde dadurch erspart wird, Sicherungen Wag fh ö 7 72 verlangen. Diese bestanden in der Einräumung des Vorzugs⸗ aal benutzungsrechts und der Gewährung einer Summe, um die ent⸗
standenen Auslagen decken zu können. Der Gemeinderat beschließt, der„Freien Turnerschaft“ ein Vorzugsrecht auf 15 Jahre einzu⸗ räumen und die Auslagen bis zum Betrage von 300 000 Mk. zu er⸗ sstatten.— Ein gleichzeitig vorliegendes Gesuch des„Turnvereins“
ihm einen Schulhof als Uebungsplatz zu überlassen, wird zu⸗
nächst an den Schulvorstand verwiesen.— Zur definitiven Besetzung von zwei Lehrerstellen äußert der Ge⸗ meinderat an der maßgebenden Stelle seine Wünsche.— Der Zu⸗ schuß der Gemeinde zu den Solbadekuren hiesiger Kinder wird ge⸗ battelos einstimmig genehmigt.— Für die neugegründete Frei ⸗ willige Feuerwehr wird die Anschasfenng von 10 Uniform⸗ röcken und 10 Steigergürteln genehmigt, Die Anschaffung, der mech. Schiebeleiter wird zursickgostellt.— Unter„Mitteilungen“ gibt der Vorsitzende u. a. Kenntnis von einem Schreiben des Kreis⸗ annts, wonach dasselbe dem seinerzeitgen Beschluß der Bau⸗ hütte Gießen mit 1 Million Mark Einlage bei⸗ zutreten, die Genehmigung erteilt.
Kleine Nachrichten.
Franksurt a. M., 20 April. Vom Spiel ins Unglück. Im Stadtteil Bockenheim lief ein 11jähriger Schüler beim Spiel geradewegs in die Straßenbahn, die ihm ein Bein glatt abfuhr.
Frankfurt a. M., 29. April, Museumsdiebstähle. Aus dem Völkermuseum wurden letzthin mehrere japanische Figuren aus Elfenbein und eine koftbare 35 em hohe Porzellanvase gestohlen.
Frankfurt a. M., 29. April. Vom Arbeitsmarkt. Die Lage des Arbeitsmarktes hat sich in der letzten Berichtswoche weiter⸗ hin verschlechtert. Arbeitsgesuche und Unterstützungsempfänger neh⸗ men um je 500 zu, die offenen Stellen blieben um 300 hinter der Vorwoche zurück. Auf dem Arbeitsamt meldeten sich 7638 Arbeits⸗ suchende, 20—30 offene Stellen waren gemeldet. Für männliche Per⸗ sonen kamen auf 100 offene Stellen 900 Arbeitsgesuche.
Eschallbrücken, 29. April. Ein Franzosengaul deser⸗ tiert. Einem französischen Posten ist ein Pferd durchgegangen und hier in den unbesetzten Ort gelaufen. Das Pferd wurde durch Ver⸗ mittlung der Neichsvermögensverwaltung auf dem Truppenübungs⸗ platz wieder zurfckgegeben.
Bodenheim, 29. April. Wegen einem angeblichen Sa⸗ botageakt an der Eisenbahn haben die Besatzungsbehörden in den Gemeinden Bodenheim, Nackenheim und Nierstein den Nachtverkehr von 9 Uhr abends bis 5 Uhr morgens bis auf weiteres verboten.
Aus der Naturgeschichte eines Hochverräters.
Ein in französische Eisenbahndienste übergetretener Eisenbahn⸗ sekretär namens Kurt Pritsch hat eine besonders bewegte Ver⸗ gangenheit hinter sich. Wir erfahren darüber folgende interessante Einzelheiten: Pritsch wurde 1883 in Beuthen als Sohn eines Regie⸗ nungsrates geboren, studierte Jura, fiel zweimal durch das Referen⸗ darexamen, wurde 1909 Leutnant, mußte aber„zwecks Nachsuchung der Auswanderungserlaubnis“ noch im gleichen Jahre seinen Ab⸗
schied nehmen und trieb sich dann vagabunbierend in Oesterreich herum. 1911 trat er in den unteren Eisenbahndienst in Nassau ein, machte Schulden über Schulden und ließ sich auch sonst mancherlet zuschulden kommen. Im Kriege brachte er es zum Hauptmann, später war er in Bad Ems Beamtenvertreter und als solcher ein„Stänker.“ Hier betätigte er sich eifrig als Mitglied der sonderbündle rischen Be⸗ wegung und war zuletzt Redakteur des Republikaner in Ems. Gegen ihn schwebt ein Gerichtsverfahren wegen Unregelmäßigkeiten im Gepäckverkehr(Unterschlagung) und Bebrohung eines Vorgesetzten mit der Ausweisung. Vom Dienst ist er dispensiert. Auf sein 5 konto kommen die Ausweisungen so vieler Bad⸗Emser Bürger.— Und 8 sescher Lump ist Vertrauensmann der Franzosen.— Wir gratulieren!
Aus den amtlichen Bekanntmachungen.
Das Amtsverkündigungsblatt für das Kreisamt Gießen vom 27. April enthält: Preisbeschilderung von Gegenständen des not⸗ wendigen Lobensbebarfs.— Die Ausflihrung des Reichsgesetze⸗ die Fleischbeschau betreffend; hier, Die Festsetzung der Schlacht⸗ und Beschauzeiten.— Nevision Bierdruckapparate. Er⸗ hehung der Erwerbslosenunterstützung.—. Erwerbslosenfürsorge. — Wahl der Versicherungsvertreter als Beisitzer des Versiche rungs⸗ amts beim Kreisamt Gießen. Kirchen⸗ und Stiftungsvor⸗ anschläge für 1923 und 1923/25.— Dienstnachrichten.— Polizei⸗ liche Bekanntmachungen. 0 15
Gefunden und verloren. In der Zeit vom 28. März 1923 bis 15. April 1923 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 2 Broschen, 1 Haarreif, mehrere Schlüssel und Schlüsselbunde, mehrere Geld⸗ träge, 2 Damengürtel, 1 Armband, mehrere Geldtaschen und Hand⸗ beutel, 1 Füllfederhalter, 1 Patronengurt von einem Maschinenge⸗ wehr, 2 Portemonnaies, 1 Regenschirm, 1 Halskette; verloren: 1 goldene Damenarmbanduhr, 1 braunlederne Aktenmappe mit In⸗ halt, 1 grauer Damenhandschuh, 1 bellbrauner Damenhandschuh, 1 Fünftausendmarkschein, 1 Kartosselhacke, 1 silberne Handtasch⸗ mit Juhalt. Die Abholung der gefundenen Gegenstände kann au jedem Wochentag von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags beim Polizeiamt, Zimmer Nr. 1. erfolgen.
Brieftasten. g
Notiz und Inserat für die Bezirksmai⸗ nachmittag ein: für die Aufnahme in der Mehrere Einsendungen(Gedichte) konnten
sch. Ober⸗Schmitten. feier traf erst am Samstag Mainummer zu spät. keine Verwendung finden.
Versammlungs kalender.
Frauengruppe der Ver. Soz. Partei. Donmers⸗ 8 Uhr im Gewerkschaftshaus Nähabend. e
Gießen. tag, den 3. Mai, abends
1 Bilder aus Alt⸗Gießen. (Fortsetzung.)
19 Nach diesem historischen Rückblick wenden wir uns einem Spa⸗ ziergang durch die Stadt zu. Entschulbige, lieber Hörer, wenn wir dabei manchmal einen Sprung machen, aber wenn man in einer Straße ist, fällt einem gerade eine wichtige Begebenheit ein, die sich in einer anderen ereignet hat.
Bginmen wir unseren Rundgang mit dem Bahnhof, jenem wun⸗ derbaren Bauwerk, in dem sich mir der Einheimische zurecht findet, und das darum jeder Gießener heilig halten sollte. Die Anlage zeichnet sich durch mancherlei aus, eimnal dadurch, daß seit ihrer Fexrtigstellung in den vierziger Jahren glaube ich, unausgesetzt daran N ggebestelt und gebaut wird. So zeigt der Bahnhof, wie richtig umsexre deutsche Sprache ist, wenn sie einen Unterschied macht zwischen fertig“ und„ganz fertig“. Zum andern ist auch die Lage eine selten
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koste„gweckmäßige, auf einem Berggipfel, hart an der Lahn und unmög⸗ ut 9 lich, sich in die Breite auszudehnen. Es ist ein Denkmal bürgerlichen zießen zu Gemeinsinms. m als bei Anlage des Bahnhofes die Frage auf⸗ uße rp geworfen wurde, ob man denselben dahin legen solle, wo er sich jetzt willig befindet, oder besser in die Stephansmark, gab Liebig den Ausschlag, ungen ru. indem er erklärte von Gießen wegzugehen, wenn man den Bahnhof 1 nicht an seime jetzige Stelle lege, da ansonst(das wurde natürlich das N! nicht laut gesagt), sein Haus am Seltersweg im Werte sinke. Der geld, eg Gießener brachte„feinem“ Liebig das Opfer, und wirklich war es issue Lauch Liebig, der dem neuen Bahnhof ein hohes praklsches Interesse teilung de entgegenbrachte, indem er von ihm aus bald darauf mit Sack und Gen.* Pack, Kind und Kegel nach München abdampfte und Gießen den küche. Rücken drehte. Uebrigens soll bei dieser Gelegenheit nicht unerwähnt wien Fleiben, daß ber jetzige Bahnhof auch schon einen Vorgänger hatte,
ö der sich auf dem Oswaldsgarten befand und seine Entstehung dem Umstand zu verdanken. hatte, daß die Bahn zwischen Gießen und Langgöns wegen der streitigen Bahnhofsfrage eine mehrjährige Llicke aufwies, sonst aber von Kassel bis Frankfurt durchlief.
u intelaß l Der Weg zum Bahnhof ging entweder dem jetzigen Bahndamm Blatt n entlang und am Felsenkeller herauf oder iber Selters weg, Liebig⸗ ulich ur! straße. Die Brücke über die Wieseck in der Bahnhosstraße eristierte
noch nicht, und auch eine Bahnhofstraße gab es nicht, sondern nur einen Reichensand, aus dem später der gewissenhafte Gießener die Reiches sandbahnhofstraße schuf⸗
Gehen wir die Bahnhofstraße herunter, die so zweckmäßig an⸗ gelegt ist, daß der Ortsfremde, wenn er aus dem Stadtinnern kommt, sie gar nicht findet, so passieren wir eine weitere Stelle, an der früher die Gießener Welt mit Brettern zugenagelt war, und deren Be⸗ seitigunosstelle, vor dem jetzt Metzger Möhl'schen Hause wegen ihrer zweckmäßigen Unpassierbarkeit zur Zeit des Russisch⸗Türkischen Krieges den Namen„Schipkapaß“ erhielt. Vorher sind wir am Tiefenweg vorbeigekommen, in dem früher, als das Pumpwerk hinter der Schule an der Westanlage noch nicht stand, die Bewohner sich
sten Bürgermeister, der bei einem l der Name der Straße offenbar mit Recht den Schluß zulasse, daß sich hier der tiefste Punkt der Stadt befände, der für die bevor⸗ stehende Anlage der Kanalisation von Wichtigkeit sein werde. Diese weise Erkenntnis soll unseren dameligen Stadtpätern so sehr im⸗ poniert haben, daß sie sich bei der Wahl ganz allein von ihr lenken ließen. Zwar mag mancher Stadtvater nachher Reue empfunden haben, und einer gar, der wegen angeblicher Terraispekwlation von
an Tagen des Lahrllochstendes in Waschbütlen ihre Besuche ab- statteten. Diefem Wege verdankt auch Gießen einen seiner bedeutend⸗ Rundgang festgestellt hatte, daß
dem Herren Oberbürgermeister in die Oeffentlichkeit gezerrt wurde, war darob sehr erbost, so erbost, daß er, er stand mit einer Bäckerei, aus der der Bürgermeister seine Backwaren bezog, in Beziehung, es bewirkte, daß„das Mißgeburt am annern Tag kei Weck bekam.“
Vom Ende der Bahnhofstraße biegen wir zuerst links ab in die Neustadt, die ihren Namen daher trägt, daß sich an dieser Stelle vor vielen hundert Jahren die Cvakuierten aus dem benachbarten Dorf Kroppach ninderließen und einen damals somit neuen Stadt⸗ teil begründeten. Ihren damaligen neuzeitlichen Charakter hat die Neustadt denn noch gar lange bewahrt, denn in ihr lagen die Mist⸗ haufen um längsten noch vor der Tür und tummelte sich das Feder⸗ vieh am längsten auf der Straße, in ihr wird auch heute noch vom Osse' Noll und anderen bekannten guten alten Gießenern die Land⸗ wirtschaft hochgehalten. Die Neustadt bringt uns zur Lahnbrücke, die in den vierziger Jahren neu erbaut wurde und an deren Er⸗ bauung auch Liebknecht eifrig teilnahm. Die alte Brücke lag etwas stromaufwärts, von ihr hatte sich einst der alte Heichel heim, des Lebens müde in die kühlen Fluten der Roßkaut gestürzt und im Sprunge„Feuer“ geschrien. Auf dem Rückweg zur Stadt wollen wir noch dem Promenadenhaus ein paar Worte widmen. Es ist wie das Neustädter Tor eine Erinnerung daran, daß hier einst der Gießener Bürger und Ansässer noch um die vier Scheunen oder vor⸗ nehmer ausgedrückt„üwer die Promenad'“, ging bis ihm durch den prächtigen Bahndamm, der Gießen in so weitsichtiger Weise vom Flusse abschnitt, dieses Vergnügen genommen wurde. Auch an der alten Sandgasse wollen wir nicht vorüber gehen, die das alte Arrest⸗ haus birgt, das so manchem Freiheitsdenker und ⸗kämpfer der 30er und 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts mentgeltliche Unterkunft gewährte. Dicht dabei stand das„Gießener Bürgerliche Brauhaus“, wenn ich so sagen darf, dessen Bedeutung heute och an zwei alten Inschriften ersichtlich ist, die sich im Eingang befinden. Heute ist bas „Bürgerbräu“ ein Eisen⸗ und Herdlager der Firma Pistor— sie transit gloria mundi. Wir gehen dann weiter und kommen in die Marktstraße. Die Wettergasse, oder wie sie der alte Gießener noch bezeichnet, die Kühgasse, war vor der Emanzipation der Juden das Ghetto, hier machten sie, die alle nahe mit einander verwandt, ihre Geschäftchen. Keiner gönnte dem andern etwas, und als der eine B. einmal in Frankfurt angehalten wurde, weil er beinen Schutz⸗ schein hatte und somit straffällig war, bat er den Konstabler, der ihn zur Wache bringn wollte, doch noch einen Augenblick zu warten, bis sein Bruder, der gerade einmal ausgetreten sei, wiederkomme, der auch keinen Sckutzschein hatte. Soziales, ja fast kommunistisches Emp⸗ findn verbot es dem guten B. dazu beizutragen, daß durch Straf⸗ ersparnis oder gar durch Abschluß eines Geschäftes in Abwesenheit des gerade sestgenommenen Bruders die Vermögensmassen in der Familie eine ungleiche Verteilung bekommen könnten.
Auf dem nahen Marktplatz fällt uns das Rathaus auf, das in seinen engen Räumen einst die Universität und das Gymnasium barg und die Hirschopolheke, in der ein Prediger bes westfäl schen Friedens das Licht der Welt erblickte. Einst stand auf diesem Markfwlatze ein alter Ratsbrunnen, dessen zierende Löwen jetzt über die Beschlüsse unserer Stadtväter wacken, ich hätte beinahe gesagt, das Haupt schütteln, aber das können sie ja gar nicht, sie sind ja aus Stein. In der Mäusburg, die mit Mäusen nichts zu tm hat und ihren Namen von einem Hause tragen soll, in dem die„Mauth“, eine Art Oktroi erboben wurde, finden wir noch ein paar alte Häuser aus Gießens grauester Vergangenheit mit ihren ehrwürdigen Namen zum„Nit“er“, zum„Stern“ und so weiter, Häusernamen, die dann
Schlachthaus, zuletzt identisch mit der Freibank, denn ein anständiger Metzger, der etwas auf seinen Ruf gab, soll nicht darin geschlachtet haben. Die Schulstraße nebenan war vorn und hinten zu und nur
durch schmale Zugänge zu erreichen. So manches Gebäude, das ssch dort befand, so manche Freude von jung und alt ift von dort ver⸗ schwunden, und mit leiser Wehmut gedenke ich der je der Kind⸗
heit, da man zur Oster⸗ und Weihnachtszeit dicht gedrängt vor den Schaufenstern des Konditor Lind, des„jungen Lind“, wie er hieß, stand und die ausgestellten Osterhasen und die Knusperhäuschen be⸗ wunderte; auch die alte Schule, die der ganzen Straße den Namen gab, und der Alexander Meyer, der Mark, der Fronhäuser, der Weitzenkorn, Rickers Buchhandlung, der Spruck, alle, alle haben sie sich von dort verzogen, nur einer ist konservativ dort geblieben(war⸗ um auch nicht?) der Gießener Anzeiger.
Ulber den Kanzleiberg begeben wir uns ins alte quartier latin auf den Brand. Seine Entstehung ist genugsam bekannt, und nur einiger weniger Baudenkmäler sei gedacht, die zum Teil nicht mehr stehen. Die alte Burgkirche, das alte Hofgericht, das den Markt⸗ lauben Platz machen mußte und ganz am Ende eine alte Kasematte aus der Festungszeit, der Mordkeller genannt, in dem aber niemals, ein Mord begangen worden sein soll. Im Gegenteil, der ringsum mit Grün umgebene, geschützte Platz, der ein beliebtes Stelldichein zwischen dem nahe kasernierten Soldaten und seinem Schatz be⸗ günstigte, läßt auf alles andere denn auf Mord schließen. In der alten Reitbahn. d. h. der überdachten, befand sich die Anatomie, da⸗ neben die Zehntscheuer mit der davor liegenden Hauptwache, jetzt Gendarmerie⸗— Verzeihung, ich glaube, es heißt jetzt anders— Kaserne. Gegenüber vor dem Eingang der Senckenbergstraße befand sich der Marstall, dessen Leiter, man denke an den alten Balser, dem Wein nie abhold waren. Daß Marstall von dem mittelhoch⸗ deutschen Wort Mähre stammt, mag richtig sein. 5
Zwischen altem und neuem Schloß stand die Universität, im Hintergrunde befand sich die Frauenklinik. Das jetzige Kreisamt, freilich in etwas vereinfachter Form, war das Gymnasium, in dem sich Ecksteins bekumter„Besuch im Karzer“ aospielte. Wir gehen dam zuriick zunn Kirchenplatz, von dem lobend hervorgehoben mer⸗ den muß, daß er noch das alte Gießener Hühneraugenyflaster kon⸗ serviert, denn bis zu ihm hat sich die Flut des Asphalts noch nicht ergossen. Hinter der Stadtkirche mit ihrem uralten Turm, der üb⸗ rigens mit der Kirche selbst in keinem fundamentalen Zusammen⸗ hang steht, befinden sich die ältesten Häuser Gießens, alte Burg⸗ mannenhäuser teilweise avs dem 13. Jahrhundert, darunter maiches Kunstdenkmal wie das Vergolder Leibsche Haus. im ehemaligen Hotel Einhorn befand sich das Stadttor, Walltor genannt, da var auf dem freien Platze stond die Gerichtslinde, hier wurde Gericht gehalten. Etwas weiter nordwärts ist die Zozelsgasse, in der sich die Synagoge, das jetzige Rumpfsche Haus, befand. Hier entstand einst umter den frommen Betern Streit, bei dem es zu Tätlichkeiten kam. Die Polizei mußte einschreiten, und der Polizeirat in höchst eigener Person erschien und erkundigte sich, was denn los sei. Ein kräftiger Hieb mit einem Betschemel über den Kopf und die Mitteflung, mau babe heute Freudenfest, ließen ihn beruhigt nach Hause ziehen. Der Streit war dadurch entstanden, daß Zweie in Streit geraten waren, wer das Hoen(sogenannte Schofar), das bei bestimmten Gelegen⸗ heiten zu ertönen hatte, blasen dürfe. Der Streit wurde ob des betrübenden Vorkommnisses von dem Kreisamt dahin geschlichtet, daß die Ehre des Schosarblasens zugunsten der Kreiskasse zuklinftig versteigert werden sollte, der Racker von Staat war wieder der
auf ibre Besitzer überaingen, z. B. der„Sternnol“ In, der nahen
Wagengasse befand sich ein Muster einer sanstären Anlage, das
tertius gaudens.(Fortsetzung folgt.) D
Fthämliche Pekannlmachunge n. BVe'auntmachung.
170 Infolge Erhöhung des Stallpreises für Vollmil e, der Molkereispanne und der gestiegenen Ualosten be⸗ rechnet sich der Milchpreis ab 1. Mai 123 für da⸗ im Milchgebiet der Stadt Gießen ee e 5.— Mik.
weten beir
Zur Deckung der beson deren Unkosten die durch den Bezug von Milch aus⸗ wärliger Molkereien eutstehen wird von
jedem an Verbraucher abgegebenen Liter begeben.
160 sich mühin auf 0„ das Liter und ist gemäß Beschluß der staol⸗ . ee vom 28. April 1923 mit Wir⸗ kung vom 1. Mat 1928 en Krast.
Gießen, ben 30. April 1923.
Der oberbohr ge rnelter. J. B.: i ö
Dr. Seib.
7 1.
Arbeitsvergeb un. Unter Hinweis auf den Erlaß, das Verdinaungs⸗ vom 16 vorschrüten werden für den Neubau einer Beamten-⸗ wietwohunng zu Reiskirchen folgende Ardeizen öffem⸗ lich aue geschrieben: Erd⸗ und Maurerarbeiten, Dach deck rarbeiten,
Spenglerarbeiten und Schmiedearbeiten.
Pläne und Vertragsbedingungen liegen vom 1. Mai 1923 ab bei dem Regierungsbaurgt bei der Kreis⸗ verwaltung Zimmer Nr. 18 zur Einsicht offen gebotsunierlagen werden zum Her stellung⸗preis ab⸗
Termin in Gegenwart erschienener Bewerber. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 27. April 1928.
Juni 1893 nebst Ergänzungs-
Wllterei nisse
Oeffeutlicher N
8 realschule, Eingang Bismarckstraße. freundlichst eingeladen wiro eine freiwillige Kollette erhoben
Das Schicksal Europas und die kommenden großen (nach biblischer Weissagung).
den 2. Mai abends 8½¼ Uhr, im Singsaal der Ober
Zur Deckung der Unkosten
CCC 0
Stadt⸗Theater
Freitag, den 4. Mai 1925 abends 8 Uhr Wohltätigkeiks⸗ (Symphonie)-Konzert
ortrag Mittwoch, Jedermann ist
Redner 5. Beck.
Frucht⸗
9
äcke
An⸗
i in K von 45—. 1e 0 feier wales in en den use. egeden pus ene dee g. Ha 10. var. 929 5 käufer an 152 scädt. Leben emittelamt schlossen und postfrei bis zum 12. Mai 19 6, vorefs mit blauen Streifen abzuuhren). Stleinverkaulspreis er- mitzags 10 Uhr bei mir einzureichen. Die Eröffnung 5 0
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7
ts nach Alsfeld. „Geschäftsst. d. Bl.


