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deen, wenn es heute nach derselben Methode verfährt. Der
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Gahuhofftraße 23 ktusprecher 2008.
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Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.
Fppehition: Gleßen Bahnhofstraße 23 Ferusprecher 2008.
— Die Oberh. Volkszeitung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen.
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0 Nr. 27
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Gießen, Freitag, den 2. Februar 1923
18. Jahrgang
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Die neue Krise im Orient.
Die Orientkonferenz in Lausanne ist von neuem in ein Fitisches Stadium getreten. Vor Wochenfrist etwa legten gland, Frankreich und Italien der türkischen Delegation enen sehr eingehend ausgearbeiteten Plan vor, der die ung aller strittigen Punkte vorsah. Die Vorschläge nen den türkischen Forderungen in weitem Maße ent- Zen. Es hieß, daß sie die Grenze des Entgegenkommens deuten, zu dem sich die Entente der türkischen Regierung E verstehen könne. Es wurde versichert, daß sich de Alliiserten feierlichst verpflichtet hätten, von diesen Hchtlinien nicht abzugehen. Noch vor dem 1. Februar sollte si die türkische Delegation entscheiden, ob sie die Friedens⸗ veschläge ablehne oder annehme. Neue Diskussionen jäten nicht mehr stattfinden. Wenn auch, eindeutige Jeldungen über die Haltung der Türkei nicht vorlagen, so datete doch manches darauf hin, daß sich die türkische Re⸗ gung darauf vorbereitete, im letzten Augenblick nachzu⸗ chen. Ein Friede stand in Aussicht, der der unabhängigen Tu ei das Leben zu ermöglichen versprach und darüber aus ihr wertvolle Vorteile brachte. Aber dieser Frieden ist es offenbar, den der französische isterpräsident Poincaré am meisten fürchtet. Er ließ die zalistische Regierung wissen, daß der von den Alliierten elegte Vertragsentwurf nicht das letzte Wort Frank- bedeute, und daß die französische Regierung selbst bei kiem Abbruch der Konferenz bereit sein werde, die Ver⸗ hardlungen allein fortzusetzen. Es ist bekannt, daß Frank⸗ teich durch das Abkommen von Angora den Vertrag von Seres gebrochen hatte, es ist bekannt, daß es England nach bet“ Zusammenbruch des griechischen Expeditionskorps in 5 10 Frage der neutralen Zone von Tschanak durch die Zurück⸗ shurne der französischen Besatzungstruppen ein zweites Mal Ihn den Rücken fiel. Es kann also keine Verwunderung er⸗
tend ist durchsichtig. Die Regierung Poincars hält Eng⸗ dauernd im Orient in Atem, um desto ungenierter ihre
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Die öffentliche Meinung Englands hat längst mit N Funkreich gebrochen. Die neue Intrige Frankreichs wird llibbitteren Gefühle der Engländer steigern. Aber die eng⸗ lie Oeffentlichkeit ist nicht die englische Regierung. Wir spoisen, wie vorsichtig die englsche Regierung Frankreich be⸗ laddelt. Unser Sonderberichterstatter im Ruhrrevier hat ert kürzlich darauf hingewiesen, daß die wohlwollende Neu⸗ krastät der englischen Besatzungsbehörden im Brückenkopf än weitergeht, als es die Feststellung des obersten eng⸗
xis im Ruhrgebiet erlaubt. Und so begnügt sich der eng⸗ [ße Vertreter in Lausanne, Curzon, dem wieder einmal
IPincaré alle Trümpfe aus der Hand schlägt, vorläufig da⸗ t den Informationen en Glauben zu schenken.
über die Haltung Frankreichs
Das Vorgehen, wenn es den tachen entspreche, stehe im schärfsten Gegensatz zu allen linbarungen der Alliierten und er könne nicht annehmen,
ro deutlich wie der Tadel erscheint die Notbrücke, die m ins französische Lager hinüberschlägt, um die Situation er einzurenken. ö
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ö on; davon zu unterrichten. Das ist sehr deutlich gesagt, U I ö
U Aus der Ferne betrachtet nimmt sich die Kompromiß. ü der englischen Regierung in der orientalischen Frage e nermaßen verwunderlich aus. Das Ansehen Englands Hank des französischen Gegenspiels im Orient in den einen katastrophalen Niedergang erlitten, Enand mußte sich von einer rückwärtigen Linie in die tere zurückziehen. Das Ziel einer Gesamtbeherrschung leinen asiatischen Türkei ist borläufig gänzlich aus dem kigtswinkel enschwunden. Auf den Gedanken der unein⸗ eänkten Kontrolle der Dardanellen mußte England nach
ezens verzichten. Ictzt stehen die Interessen in den Oel- ten von Mossul auf dem Spiel. Wieder ist es Frank⸗ das die Gegenmine legt, wieder zeigt sich, daß sich kakreich, indem es sich zum Beherrscher Curopas aufwirft. ah zum Beherrscher des nahen Orients macht. Wie ge⸗ 0 sieht England aud dieses siegeslüsterne Frankreich und
sün nicht den Trennungsstrich zu ziehen, den Frankreich . lange gezogen lat. Im Orient droht sich ein neues N bitter zusammenzuballen, von dem auch England nicht gelührt bliebe. Wird England den Weg ins Freie finden? 1 George ne seinen Platz nicht zuletzt deshalb Taßren, weil er diesen Weg nicht gefunden hat. Man kaan n sagen, daß sein Nachfolger bisher ein besseres Heil— ie für die Wunden gefunden hat, die Frankreich England
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zient schlagt.
6 Neue Sanktionen.
Die Sperrung aller Kohlentransporte.
Die französische Regierung hat am Mittwoch dem deutschen Geschäftsträger in Paris, Botschaftsrat von Hoesch, eine Verbalnote überreicht, die noch einmal alle an⸗ geblichen Vertragsverletzungen und Widersetzlichkeiten Deutschlands aufzählt und dann mitteilt, daß von heute, 1. Februar ab alle Kohlen- und Kokstransporte aus dem Ruhrgebiet nach Deutschland gesperrt sein werden. Am
Schlusse der Mitteilung wird betont, daß sich Frankreich weitere Sanktionen, die sich später als notwendig erweisen sollten, vorbehält. Eine gleiche Note ist von der belgischen Regierung dem deutschen Geschäftsträger in Brüssel zuge⸗ stellt worden. Die beiden Noten werden vom Pariser Aus⸗ wärtigen Amt als esufache Mitteilungen bezeichnet, die von der deutschen Regierung keine Antwort verlangen.
Die Errichtung der Zollgrenze erst später. Die jetzt angekündigte Verhinderung der Kohlen- transporte nach Deutschland bedeutet nicht zugleich die Ein⸗ führung der Zollsperre, sondern diese soll, wie Pariser
Blätter wissen wollen, erst später an die Reihe kommen.
Die neueste Verfehlungsfeststellung.
Am Mittwoch hatte Poincaré eine Besprechung mit Barthon, dem Vorsitzenden der Reparations⸗Kommission, da bekanntlich nach der Entscheidung der Reparations⸗Kommission Deutschland gestern 500 Millionen Goldmark zahlen sollte. Da dieses nicht ge⸗ schehen ist und nicht geschehen konnte, ist mit Bestimmtheit anzu⸗ nehmen, daß die Reparations⸗Kommission,— d. h. der französische und belgische Vertreter unter wohlwollender Zustimmung des italienischen Vertreters und bei Stimmenthaltung des englischen — eine neue„vorsätzliche Nichterfüllung Deutschlands“ feststellen wird. Dach alle diese Beschlüsse der Reparations⸗Kommission sind ungültig, da sie nicht einstimmig zustande gekommen sind.
Androhung schärfster Gewaltmaßnahmen.
Eine offizielle Ankündigung wird, wie Telunion aus Paris meldet, wahrscheinlich noch heute an Deutschland ge— richtet werden, worin der Reichsregierung die bevorstehende Anwendung einer ganzen Reihe von scharfen Maßnahmen mitgeteilt wird. Es wird dabei darauf hingewiesen werden, daß noch weitere schwere Maßnahmen vorgesehen sind, wenn Deutschland die französische Regierung dazu zwingen würde. Weiter teilen die gestrigen Abendblätter mit, daß zunächst eine ganze Reihe oberer Beamten aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen werden soll. Auch soll die ganze Kohlenzufuhr nach Deutschland gehindert werden.
Neue Truppen für das Ruhrgebiet.
Die Franzosen lassen immer neue Truppen heranrollen. Immer mehr Bataillone werden aus Frankreich und Elsaß⸗Lothringen an die Ostgrenze geworfen. Aus dem Elsaß sind zwei ganze Armeekorps unterwegs. In Hörde sind 11 Tanks und eine Kompagnie des 172. Infanterie⸗Regiments eingetroffen.
Nach den Beamten die Arbeitervertreter.
Nach einer Meldung des Vorwärts wollen die Besatzungs⸗ behörden, sobald alle führenden Amtspersonen über die Grenze des besetzten Gebietes gebracht worden sind, das gleiche System auf die Gewerkschafter anwen⸗ den, wenn die Arbeiterschaft weiter auf ihrem passiven Widerstand verharrt. Der Anfang mit der Ausweisung von Gewerkschaftern ist bereits gemacht. In Essen wurde der Ver⸗ trauensmann des Verkehrsbundes ausgewiesen. Auch an anderer Stelle sind Vertrauenspersonen der Gewerkschaf— ten, die an der Organisation des passiven Widerstandes be— teiligt waren, aus ihrem Heimatlande gewaltsam sent— fernt worden.
Verhaftete Gewerkschaftsführer nuf freiem Felde ausgesetzt.
Die in Essen am Dienstag verhafteten Gewerkschaftsführer der Beamten und Angestellten sowie des Post- und Telegraphenpersonals sind ins unbesetzte Gebiet abgeschoben und dort auf freier Landstraße abgesetzt worden.
Attentate auf die Preßfreiheit.
Die französischen Besatzungstruppen erlauben sich nun auch die schroffsten Eingriffe in die Pressefreiheit. So ließ in Recklinghausen der französische Kommandeur alle Redak— teure zu sich rufen, verbot ihnen Mitteilungen über den Vor⸗ marsch der Truppen und den Gebrauch von Wörtern wie Ver⸗ tragsbrecher, Eroberer usw. Auch in Bochum wurden sämt⸗ liche politischen Redakteure vor den französischen Komman— danten geladen, der u. a. verlangte, daß der Name Poincaré überhaupt nicht genannt werds.
Widerstand gegen den Terror der Tanks und Maschinengewehre.
Die Arbeiterschaft der Werkzeug⸗ und Autofabrik Lumeg in
Bochum hat am Dienstag den Beschluß gefaßt, die Wiederher⸗ stellung reparationsfähiger französischer und belgischer Auto⸗ mobile abzulehnen. Auf Grund dessen erschien am Mittwoch morgen in der Stadt Bochum ein Bataillon französischer Soldaten in Begleitung von Maschinengewehren und mehrerer Tankauto⸗ mobile. einzelnen Straßenecker stellte man Maschinengewehre bereitschaft auf. Nachdem dieser„Sicherungsakt“ gegen eine Be⸗ völkerung ohne Waffen in geradezu lächerlicher Weise durchge⸗ führt war, besetzten ungefähr 30 französische Soldaten mit aufge⸗ pflanztem Bajonett unter Führung eines Offiziers die Fabrik. Der Betriebsrat lehnte abermals die Ausführung der von den Franzosen verlangten Arbeiten ab und protestierte entschieden gegen diese gewaltsame Betriebsstörung. Die Franzosen ver⸗ suchen augenblicklich die Wagenparks fahrtbereit zu machen, bisher jedoch ohne Erfolg.
Gleichzeitig wurden nach starker militärischer Absperrung der in Frage kommenden Gebiete neue Verhaftungen vorgenommen. Unter anderem sind der Postdtrektor und der Telegraphendirektor sestgenommen worden. Auch auf dem Zollamt wurden Verhaf⸗ tungen vorgenommen. Den Vorsteher des Telegraphenbauamtes suchten die schwerbewaffneten Eindringlinge vergeblich.
Mittwoch mittag erschien vor der Handelskammer in eine französische Kampagie, die von mehreren Tanks begleitet war, um den Syndikus der Handelskammer festzunehmen. Die Aktion verlief erfolglos, da der Syndfkus nicht anwesend war. In Bochum wird an Franzosen keinerlei Ware verkauft, auch werden keinerlei Dienstleistungen von seiten der Bevölkerung verrichtet. Die französischen Soldaten sind daher dazu übergegangen, aus den einzelnen Geschäften mit Gewalt Waren, die sie zu wünschen, zu entnehmen. Zahlreiche Geschäftsleute sind bereits
erwerben
lkszeitung
Die Hauptstraße wurde vollständig abgesperrt und an
in Schuß⸗
mit Verhastung und Ausweisung bedroht worden, bisher haben
aber noch keinerlei Verhaftungen stattgefunden. In einer Reihe von Fällen, in denen die Franzosen mit Gewalt Waren entnom⸗ men haben, ist eine Bezahlung nicht erfolgt.
Die Besatzungstruppen sind in großer Besorgnis, woher sie den Betriebsstoff für ihre Lokomotiven und sonstigen Maschinen beziehen sollen. Vielerorts traten sie an die Amtsvorsteher heran und fordern von diesen Kohlen. Mit einer Bescheinigung des Amtes Weitmar verlangten die Truppen auf der Zeche„General“ eine bestimmte Kohlenmenge, was ihnen jedoch verweigert wurde. daraufhin wurde der Rechnungsfffhrer der Zeche verhaftet. Als die Truppen mit aufgepflanztem Bajonett auf dem Zechenplatz er⸗ schienen, um die Kohle gewaltsam zu nehmen, griff der Betriebs⸗ rat ein. Zwei Betriebsratsmitglieder wurden verhaftet Da die Arbeiter eine drohende Haltung einnahmen, mußten die ver⸗ hafteten Betriebsratsmitglieder wieder freigelassen werden. Die Belegschaft der Zeche hat heute zum Ausdruck des Protestes nicht gearbeitet. 1
Der Widerstand der Eisenbahner.
Die leitenden Beamten der Eisenbahndirektion Essen sind am Mittwoch von den französischen Besatzungsbehörden aufgefordert worden, zu erklären, ob sie den Anordnungen der französischen Besatzungsbehörden Folge leisten wollen. In der Sitzung, an der sämtliche Dezernenten und Silfs⸗ dezernenten der Eisenbahndirektion Essen teilnahmen, wurde beschlossen, die Frage glatt zu verneinen. Ebenso wurde Protest gegen die Verhaftung der leitenden Eisenbahn⸗ beamten erhoben. Die Franzosen stellten sodann die An⸗ forderung, daß die Dezernenten und Hilfsdezernenten aus ihrer Mitte einen Präsidenten wählen sollten. Auch diese Forderung wurde abgelehnt. Die Vertretung des Eisenbahn⸗ direktions-Präsidenten hat der dienstälteste Beamte einst⸗ weilen übernommen.
Arbeitsaufnahme in Ludwigshafen.
Die Besatzungsbehöede in Ludwigshafen hat am Mittwoch die von den Eisenbahnern gestellten Forderungen nach Wiedereinsetzung des Eisenbahnpräsidenten und der Beamten der Direktion und der Zurücknahme der Reanisitionsbefehle bewilligt. Gleichzeitig wurde erklärt, daß das Personal unter den alten Bedingungen weiterar⸗ beiten könne. Daraufhin wurden die deutschen Eisenbahner von den zuständigen deutschen Behörden aufgefordert, die Arbeit wieder auf⸗ zunehmen. Auch auf den anderen Bahnhöfen der Pfalz wird die Arbeit wieder aufgenommen werden.
Meinungsaustausch im Völkerbundsrat. Unter den Mitgliedern des Völkerbundsrats, der gegen- wärtig in Paris tagt, ist, wie der Vertreter der Vossischen Zeitung erfahren will z. Zt. ein Meinungsaustausch darüber im Gange, ob der Völkerbund doch in irgend einer Form sein
Interesse an der Ruhrfrage zu erkennen geben könnte. An diesem Meinungsaustausch nahm auch der französische
Delegierte beim Völkerbundsrat, Viviani, teil, doch gilt es als ausgeschlossen, daß Branting oder ein anderer Teil- nehmer der Völkerbundstagung einen Antrag einbringt, dem Frankreich nicht im Voraus zugestimmt hat.
Verschiebung der Kammerdebatte über die Nuhraktion.
Die Diskussion über die Ruhraktion, die am Freitag in der Pariser Deputiertenkammer beginnen sollte, wird auf Wunsch der Regierung ohne Angabe eines Termins vertagt werden. Die Gruppen der Kammer sind der Ansicht, daß eine öffentliche Aus— einandersetzung über die Ruhraktion im Augenblick noch sehr ge—
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