Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 12
Gießen, Freitag, den 1. Juni 1923.
Gießen und Umgebung.
Wenn der Dollar steigt
der nun glückkich auf 60 000 Mk. und darüber geklettert ist, folgen die Preise aller Waren im eiligsten Tempo nach. Von vielen Seiten wird geklagt, daß die Geschäftsleute die Preise in den Schaufenstern nicht schnell genug ändern können, was häufig von Tag zu Tag und dann unter dem Vorwand der Neudekorierung des Schaufensters geschieht; ein Vorgang, der bei fallendem Dollarkurs nicht zu beobachten war. Der Magistrat der Stadt Leipzig erließ kürzlich folgende Bekanntmachung an die Geschäftsleute: Die Anpassung der Preise an den Dollarkurs verläßt den Boden der ordnungsmäßigen Kalkulation und ist gesetz⸗ lich unzulässig. Wenn diese Geschäftsleute trotz der wiederholt ansgesprochenen Warnungen der Preis- prüfungsstelle von diesem Verfahren nicht Abstand nehmen wollen, so werden sie der verschärften Kontrolle durch die Polizei und durch die Verbraucherschaft unterzogen werden. Die Preisprüfungsstelle wird alle Fälle, in denen auch nur der geringste Verdacht dafür besteht, daß der Boden der gesetzlichen Kalkulation verlassen worden ist, der Be⸗ strafung zuführen. Auf der anderen Seite muß aber auch das Publikum immer wieder davor gewarnt werden, daß es über den Bedarf hinaus einkauft und durch übermäßige Nachfrage den Warenbestand in den Ge⸗ schäften verringert und verteuert.
So notwendig eine verschärfte Kontrolle ist, so muß doch darauf hingewiesen werden, daß neben den Maßnahmen gegen Kleinhändler, die sich strafbar machen, vor allem ein Einschreiten gegen die wuchernden Groß händler und Produzenten notwendig ist. Die inländischen Getreidepreise zum Beispiel werden Tag für Tag nach dem Dollarkurs bemessen. Warum geht man dagegen nicht vor? Die Viehpreise wer⸗ den ebenfalls dauernd in die Höhe getrieben. Die erforder— lichen Maßnahmen gegen diesen Wucher bleiben aber aus.
Es ist unbedingt notwendig, daß gegen übermäßige Preistreiberei mit Entschiedenheit vorgegangen werde. Die Geschäftsleute aller Art sollten bei den heutigen traurigen Zeiten die nötige Einsicht bekunden und sich mit einem Verdienst begnügen, der ihre Existenz ermöglicht. Der Brotpreis steigt auf mehr als das Doppelte, andere Lebens- bedürfnisse bleiben nicht zurück— wo sollen schließlich die arbeitende Bevölkerung, die Sozial⸗ und Kleinrentner die Mittel aufbringen? Dabei sind viele nur noch einige Tage in der Woche beschäftigt. Werden die Preise ins Ungemessene getrieben, so kann es zu unliebsamen Vorfällen kommen!
— Skandalöses Wetter. Neben steigenden Preisen und traurigster Wirtschaftslage auch seit Wochen ein wahres Hundewetter! Es ist, als wenn die Menschheit alles nur mögliche Ungemach durchkosten müßte. Nach der Bauern⸗ regel soll zwar der Mai kühl und naß sein, aber diesmal ist das des Guten wirklich zu viel. Teilweise leiden die jungen Gemüsepflanzen in den Grabgärten empfindlich darunter. Durch den anhaltenden Regen sind schon die Flüsse gestiegen, die Wieseck ist nahe daran, aus ihrem Ufer zu treten.
— Höhere Wohnungsmieten. Nach einer Bekanntmachung im heutigen Blatte hat das Kreisamt auf Einspruch der Hausbesitzer die Hundertsätze auf die Wohnungsmieten neu festgesetzt, so daß die Gesamtsätze 15 540 Proz. betragen. Diese Sätze treten vom 1. Juni ab in Kraft.
— Erhöhung der Elektrizitätspreise und der Straßenbahn⸗ Fahrpreise. Nach Bekanntmachungen des Elektrizitätswerkes i! heutigen Blatte beträgt jetzt der Preis für die Kilowattstunde Lichtstrom 1400 Mk. Das ist mehr als ein Drittel wie im vorher⸗ gegangenen Monat. Zwar müssen die städtischen Werke sehen, daß sie sich selber erhalten, aber wie soll es bei der ungeheuren Steige⸗ rung des notwendigen Lebensbedarfs den Lohnempfängern mög⸗ lich sein, das Geld aufzubringen?— Der Fahrpreis der Straßen⸗ bahn ist auf 250 Mk. bis zu 9 Teilstrecken und 350 Mk. für über 9 Teilstrecken erhöht worden. Wir verweisen auf die Bekannt⸗ machungen.
— Konzert der Gießener Studentenhilfe. Wir möchten nicht verfehlen, unsere Leser auf das Konzert der Gießener Studenten⸗ hilfe am kummenden Samstag, den 2. Juni, abends 7,30 Uhr (pünktlich) in der Neuen Aula aufmerksam zu machen. Nicht nur, daß es gilt, die schwer mit der wirtschaftlichen Lage kämpfende Wirtschaftsorganisation unserer Universität zu unterstützen, viel⸗ mehr bietet die Person der Mitwirkenden und das sorgsältig zu⸗ sammengestellte Programm Gewähr für einen besonders genuß⸗ reichen Abend. Frau Dr. Handloser, welche in Gießen durch ihre musikalischen Leistungen sich einen Namen gemacht, wird Lieder von Schubert, Strauß. Beethoven, Brahms und Pfitzner, sowie D' Albert und Meyerbeer zum Vortrage bringen. Die Begleitung hat Herr cand. phil. Karl Roller übernommen.— Herr Eberhard Delp aus Darmstadt. dessen künstlerische Gaben in den Kreisen der Gießener Konzertfreunde mit Recht hohe Anerkennung gefunden haben, wird die Sonate Op. 66 von Arnold Mendelssohn, sowie Variationen über ein Thema von Paganini Op. 35 von Brahms zum Vortrage bringen. Im übrigen verweisen wir auf die An⸗ zeige in unserem Blatte.
— Aus dem oberen Wettertal wird uns über den Stand der Feldfrüchte und des Futters geschrieben: Der nach der Frühjahrs⸗ Trockenperiode niedergegangene reichliche Regen hat ein gutes Wachstum bei den Getreidearten hervorgerufen.„Für das Schossen des Roggens war der Regen noch im letzten Momenke gekommen. Die Kleeäcker stehen üppig, die Wiesen, die durch den nillden, feuchten Winter schon gut angesetzt hatten, quellen geradezu Futter. Der Raps(Dintersamen), von dem man erst dachte, er hätte durch den späten Frost Schäden gelitten, steht lückenlos in den fettesten grünen Schoten. Wenn das Erntewetter gut wird, gibt es dieses Jahr eine Rekordernte in Raps. Vielleicht wird dann, wenn der Dollar so weiter steigt, das Oel etwas billiger. So gut der Regen für das Pflanzenwachstum und das Entzweigehen der schlecht ausgefrorenen Stürzschollen war, so nachteilig war er, vereint mit der kalten Wit⸗ terung des Monatsanfangs, für die gesteckten Kartoffeln, sowie Mais und Bohnen. Die Kartoffeln gehen fehlerhaft auf, viele sind in der Erde hart geworden und treiben nicht aus. Mais und Bohnen sin durch das lange Liegen in der Erde modrig geworden und müssen! umgepflügt werden. Wo Mais und Bohnen aufgegangen sind, sehen“d die jungen Pflanzen gelb aus und können weder leben noch sterben. Jetzt werden die ersten Dickwurz gesetzt.
Sie sind dieses Jahr recht
selten, denn nur die sehr früh gesäten Pflanzen haben die richtige Größe erreicht. Die in der Hauptsaatzeit ausgestellten Dickwurz⸗ äcker sind meist von Ungeziefer gefressen worden und werden zum größten Teil jetzt umgepflügt. Vorige Woche hat es die ersten Bienenschwärme gegeben. Sie sind dieses Jahr nicht stark, aber es scheint ein richtiges Schwarmjahr geben zu wollen. Der Imker sagt: Viele Schwärme, wenig Honig— viel Honig, wenig Schwärme und wird auch wohl recht haben. n. — Wert der Sach⸗ und Naturalbezüge. In einer Bekannt⸗ machung des Landesfinanzamtz im heutigen Blatte sind die Sätze sestgelegt, die vom 1. Juni ab für Sachbezüge beim Steuerabzug vom Lohn in Anrechnung kommen. Auf die Bekanntmachung sei an dieser Stelle besonders hingewiesen mit dem Bemerken, daß für die land⸗ und forstwirtschaftlichen Deputate besondere Sätze in Anwendung kommen, die bei den Finanzämtern zu erfahren sind.
t. Trohe. Unsere Schulkinder sammeln zur Zeit eifrig die Blüten der Taubnessel, von deren Erlös sie shren diesjährigen Ausflug bestreiten wollen. Unser Lehrer Herr Dr. Kraushaar plant, wie jedes Jahr, auch diesmal wieder eine größere Tour mit den Kindern ins Gebirge zu unternehmen und diesmal gilts die Rhön zu durchstreifen. Wir wünschen den Kindern viel Glück zu ihrer Sammeltätigkeit, damit sie die Geldmappe ihrer Eltern nicht allzusehr im Anspruch zu nehmen brauchen.
— Nödgen. Sonntag, den 3. Juni findet hier bei Gastwirt Wilhelm Wagner ein Sängertag sämtlicher Veraine des Herrn Konrad Nicolai⸗Großen⸗Buseck statt. Sangesfreunde sind herzlichst eingeladen.
Westerwald und Unterlahn.
— Die Franzosen an der Lahn. Der Betrieb auf der Lahnbahn macht den Franzosen besonders große Schwierigkeiten. Die von ihnen gefahrenen Züge kommen nur mit stundenlangen Verspätungen an ihrem Ziele an. Am 23 Mai, abends ist ein Leerzug von Diez nach Koblenz fahrend im Laurenburger Tunnel liegen geblieben und mußte nach Nassau geoͤrückt werden. Der entlassene Eisenbahnsekre⸗ tär Pritsch, der in Bad Ems sich den Franzosen zur Verffigung stellte, bearbeitet das Personal der Bahnhöfe der Lahnstrecke und fordert es auf, den Eisenbahndienst wieder zu übernehmen. Er behauptet den Bediensteten gegenüber, in' Wiesbaden und anderen Orten habe das Personal den Dienst zum größten Teil wieder aufgenommen, die Arbeitsaufnahme geschehe weniger im Interesse der Franzosen als im Inte resse der Eisenbahner und der rheinischen Bevölkerung. Die Behauptungen des Pritsch sind blanker Schwindel.
— Arbeitslosigkeit herrscht im Lahntale in bedenklichem Ausmaße und sie nimmt immer mehr zu. Fast ein Sechstel der organisierten Arbeiterschaft ist erwerbslos oder nur mit Notstandsarbeiten und Kurzarbeit beschäftigt. Da ist es um so mehr zu begrüßen, wenn neue Arbeitsgelegenheit erschlossen wird. Die Kalkindustrie scheint trotz der Verkehrshemmnisse und der fast vollständigen Lahmlegung des Baugewerbes noch genügend Aussichten auf Profit zu zeigen. So wurde jetzt bei Weinbach ein neuer Kalksteinbruch in Angriff ge⸗ nommen. Die Steine werden vorläufig in rohem Zustande verladen. Auch die Firma Krupp hot eine neue Eisensteingruppe in der Nähe von Ernsthausen in Angriff genommen.
Marburg⸗ Kirchhain.
Marburg. In der hiesigen Allg. Ortskrankenkasse belaufen sich nach dem Geschäftsbericht die Einnahmen im abgelau⸗ fenen Geschäftsjahr auf 14957 945,29 Mk. und die Ausgaben auf 15 052 217,97 Mark. Als Kassenbestand verbleiben 95 430,34 Mk. Das Vermögen der Kaffe hat sich um 1 789 412,89 Mk. vermehrt. Die durchschnittliche Mitgliederzahl betrug 6209 gegenüber 5947 im Jahre 1921. 5273 waren hiervon versicherungspflichtig und 936 freiwillig versichert. Die Anzahl der Arbeitgeber betrug 1520. An Beiträgen gingen 13 913 042,34 Mk. ein, was auf den Kopf des Mitgliedes 2240,78 Mk. beträgt. Die Ausgaben verteilen sich auf Arztkosten 4 820 643,67 Mk., Zahnärzte 818 146,50 Mk., andere Heilpersonen 197,10 Mk., Arznei und sonstige Heilmittel 304 095,59 Mk., Kranken⸗ hauspflege 573 704,20 Mk., Krankengeld 2 028 861,85 Mk., Persönliche Verwaltungskosten 1472 084,20 Mk. Die Ausgaben für die Familien⸗ hilfe(Mehrleistung), für die ein Beitrag nicht erhoben wird, beträgt 486 157 Mk. Von den reinen Ausgaben entfallen auf den Kopf des Mitgliedes für ärztliche Behandlung 739,94 Ml.= 30,5 Prozent der reinen Ausgabe. Aerztliche Behandlung für Familienangehörige 36.62 Mk.= 15 Prozent, zabnärztliche Behandlung 131,77 Mk. 5,4 Prozent. Die Krankheitsfälle(verbunden mit Erwerbsunfähig⸗ keit) belaufen sich auf 3054; davon entfallen auf die männlichen Mit⸗ glieder 1816, auf die weiblichen 1238. Die Krankheitstage betrugen 51 937, von denen auf die männlichen 27 535, und auf die weiblichen Mitglieder 24 402 entfallen. Der durchschnittliche mit Erwerbsun⸗ fähigkeit verbundene Krankenbestand am 1. eines jeden Monats be⸗ trug 253= 4 Prozent der Gesamtmitgliederzahl. Für die Kasse waren im Berichtsjahr 35 Kassenärzte tätig.
Kleine Nachrichten.
Frankfurt a. M., 30. Mai. Millionendiebstähle bei der Stadt. Der Nachtwächter Peter Schließmann hat im Laufe der letzten Wochen in den ihm zur Betreuung anvertrauten Räumen der städtischen Materialverwaltung Stoffballen im Werte von 10 Mil⸗ lionen Mark gestohlen. Dem Manne wurde das Handwerk dadurch sehr erleichtert, daß er von seinem Kontrolleur den Schlüssel zur Kontrolluhr ausgehändigt erhielt, wodurch es ihm möglich war, über⸗ haupt nicht aufzupassen, sondern die Kontrolluhr schon bei Beginn des Dienstes zu stechen.
Frankfurt a. M., 30. Maj. Frankfurter Getreide⸗ börse. Bei weiter scharf ansteigenden Preisen wurden bezahlt für je 100 Kilo Weizen(Wetterauer) 205—210 000 Mk., Roggen 190— 195000 Mk., Gerste 160—170 000 Mk., Hafer inl. 140160 000 Mk., Weizenmehl südd. 360—400 000 Mk., Roggenmehl 225-240 000 Mk., Kleie 85-90 000 Mark.
Landfriedensbruch⸗Prozeß in Berlin. Der große Landfriedens⸗ bruchprozeß wegen der kommunistischen Ausschreitun⸗ gen vor dem Zirkus Busch im Oktober vorigen Jahres anläß⸗ lich der Kundgebung des Bundes für Freiheit und Ordnung wird nunmehr am 29. und 30. Juni vor dem Schwurgericht des Land⸗ gerichts J zur Verhandlung gelangen. Die Anklage richtet sich gegen den Stadtverordneten Dr. Rosenberg, den Redakteur der„Roten Fahne“ Steinicke den Kassierer der Kommunistischen Partei Jegelka und 13 Arbeiter, sämtliche Mitglieder der Kommunistischen Partei.
Anklage gegen den Freiherrn v. Kähne. Gegen den Schloßherrn auf Petzow, v. Kähne, ist jetzt Anklage wegen vorsätzlicher Tötung erhoben worden. Die vorsätzliche Tötung soll an dem 16jährigen Obstzüchter Laase zus Geltow begangen sein, dessen Leiche vor einiger Zeit in einem Walde verscharrt aufgefunden worden ist, der zum Besitztum Kähnes gehört. Die Verhandlung gegen Kähne soll in der am 11. Juni beim Landgericht Potsdam beginnenden Schwurgerichtsperiode stattfinden.
Beraubung einer Leiche. In Berlin wurde, wie dortige Blätter berichten, auf dem latholischen Michaelkirchhof die Leiche der 21jährigen Tochter eines Fabrikanten abgestellt. Die Tote war mit einem weißen Spitzenkleid im Werte von 300 000 Mark bekleidet. Als am Tage vor der Beerdigung die Mutter die Tochter noch ein⸗ mal sehen wollte, entdeckte man beim Oeffnen des Sarges, daß die Leiche sämtlicher Sachen beraubt war.
und Vokalkomponist in der Musikwelt und in den Kreisen der
Aufblühen des Handelsverkehrs auf der Donau. Die Bedeutung der Donauschiffahrt, deren deutscher Mitte! Regensburg ist, und das Aufblühen des Hamdelsverkehrs 60 Südosten geht am besten hervor aus dem Ausbau einer Hand flotte, der der„Bayerische Llond“ in Regensburg durchge t Eben ist der letzte Schleppdampfer des jetzigen Baup vom ersten Bürgermeister der Stadt München, dem Schmidt, im Beisein des bayerischen Ministerpräsidenten Namen„München“ getauft und vom Stapel gelassen wo
Freiwilliger Tod einer ganzen Familie. In Wies hat eim 59jähriger städtischer Brunnenarbeiter Schu st selbst, seine bei ihm wohnende Tochter und deren 11jäh oigen aus Verzweiflung wegen Krankheit und Nahrungssorgen Leuchlgas vergiftet.
Ueber den deutschnationalen Redakteur Reis, der f einiger Zeit wegen Gattenmordes vor dem Schw in Marienburg zu verantworten hatte, aber freigesprochen meldet die Voss. Ztg. daß er in französische Dienste get als Redakteur eines framzösischen Blattes im besetzten G. e Das freisprechende Urteil wurde damals fast allgemein als 8
hrt 4055
urteil bezeichnet.
Lokale Parteinachrichten. Unterbezirk Nidda. 2 Sommtag, den 3. Juni. Unterbezirkskonferenz in Nidda, n müttags 2 Uhr, bei Gastwirt Rudolf Rings haufen.— ordnung: 1. Organisationsfragen des Unterbezirks. Stocck⸗Nidda. 2. Frauen⸗ u. Jugendfragen. Ref.: Gen. Lehren Vilbel. 3. Verschiedenes.— Die Ortsvereine Nidda, Unte ten und Kohden, sowie die Parteifreunde von Michelnau, Salzhausen, Geiß⸗Nidda Borsdorf, Fauerbach, Schwelkartz Ober⸗Widbersheim und Wallernhausen sind hierzu e Zu Punkt 2 der Tagesordnuma ist der Besuch der Frauen
wlünscht. Mit Parteigruß 5 Storck, Unterbez 8 Arbeitsrecht, Gewerkschaftliches, Arbeiterbewegun
Der grundsätzliche Achtstundentag.*
Der Reichsverband der deutschen Industrie, an dessen Spitze Stinnes, Thyssen, Klöckner, Vögler, v. Stemens, v. Borsig stehen, hat sich bekanntlich in Interesse der Reparationsleistu der Entsetzung des Ruhrreviers und damit der Wiedergesundung deutschen Wirtschaft zu großen Opfern aufgeschwungen. Die dustrie will dem Reiche einen Teil ihrer Sachwerte verpfänden mit es die nötigen Anleihen aufnehmen kann. Allein diese„O deren Größe man noch nicht einmal recht sehen kann, werden wisse Gegenleistungen des Staates gebunden die in dem Schr der Industriekönige aufgeführt find. Es soll jene Aktivität Zahlungsbilanz wiedergewonnen werden, die zu einer Stabilit der Währung führt. Dem stehen zumächst die Demobilmachung schriften im Wege, die aufgehoben werden müssen, damit der Arbeiter endlich wieder vogelfrei wird. Er darf dafür wieder in den glorreichen Tagen vor dem Kriege den vierten oder fl Teil seines Arbeitsverdienstes für Wohnungsmiete zahlen. 1 muß seine Arbeitskraft voll einsetzen für quantitative und qu 5 der ion für das Ausland.
Zwar soll der Acht stundentag grundsätzlich stehen bleiben. Das Unternehmertum will nur Tariffr um durch Aussperrungen— bei denen es auch nach Einführm Erwerbslosenversicherung keine Unterstützung gibt— die 2 träge mit etwas längerer Arbeitszeit, von 10 und 11 E nach der„Notlage“ der Industrie, des Handels und Ge
dem Plebs schon fertig werden; durch Hunger wird er mütrbe.
Die Gewerkschaften müssen zu dieser Opferbereitschg Industrie ungesäumt Stellung nehmen und ein deutliches A mitreden, solange es noch Zeit ist. a 5
Arbeiter, bleibt dem besetzten Gebiet fern! l
Unsere Klassengenossen im besetzten Gebiet haben schun unter den Unbilden der fremden Eindringlinge zu le Hart kämpft das arbeitende Volk im Ruhrgebiet. sollten aber doch keine Arbeiter aus dem unbesetzten G kommen und ihnen in den Rücken fallen! Das mag u immer beabsichtigt sein. Es geschieht aber, nament wenn man glaubt, jetzt im Ruhrgebiet Arbeit finden können. Es ist sogar schon vorgekommen, daß Zugereist an der Sache des deutschen Volkes zu Verrätern g worden sind, indem sie sich den Franzosen zur Verfügung nz stellten. 3
Arbeiter im unbesetzten Gebiet! Haltet Unaufgeklär davon ab, diesem schändlichen Beispiel zu folgen! Auch mi Uebelwollenden, die in voller Kenntnis der Sachlage dorthf gehen, ist ein ernsthaftes Wort zu reden. Sorgt für de haltung des Zuzuges! 4
1 byzantin sahnslos mi. Ahne abtret alen„letzte
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1
Aus den amtlichen Bekanntmachungen.
Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 40 vom 29. Ma Mehl⸗ und Brotyr
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sorge.— Miete für die Dienstwohnungen der Lehrer.— ö meiner hessischer Jugendseiertag.— Wahl zum Provinzialtag.
Bücher und Schriften. 5
Ein neuer Volkschor. Prof. Paul Büttner, der als Sympho 1 beitersänger gleich geachtete und geschätzte Meister, bee eben im Chorverlag von J. Günther, Dresden, einen höchst beachten? werten Männerchor:„An Bebels Grab“ nach einer Dichtung von 0 5 Steiger. Das Werk ist bei vornehmer Harmonisierung, wegen seine mächtig packenden Steigerungen von außerordentlicher Wirkung. Die wenig komplizierte Führung der Stimmen licht auch kleineren Chören eine erfolgreiche Aufführung. Der 6 1 eine ungemein wertvolle Bereicherung der ziteratur.
Versammlungskalender.
Klein⸗Linden. Soz. Wahlperein. Samstag, 2. abends 8¼ Uhr, wichtige Mitgliederversammlung im Ver lokal. Alles erscheinen. 1
Daubringen. Wahlverein. Samstag, 2. Juni, ab 8% Uhr. Mitgliederversammlung bei Joh. Emil Schäfer, scheinen aller Mitglieder unbedingt erforderlich,
Gießen. Freie Turnerschaft. Samstag, den 2. abends 8% Uhr: Monatsversammlung im Gewerkschaftsha nerzimmer. Das Erscheinen der Mitglieder ist erwünscht.
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Dollarstand Donnerstag Mittag 12 Uhr: 67


