Ausgabe 
1.6.1923
 
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Summe, die art hat. Was Frankreich erwartet.

Der Pariser Temps gibt der deutschen Regierung in seiner gestrigen Ausgabe verschiedene Erklärungen über den Inhalt des neuen Angebots, wenn es in Frankreich Zu⸗ stimmung finden soll. Zunächst spricht er davon, daß Frank⸗ reich und Belgien daran arbeiten ein Weltreich der Ge⸗ rechtigkeit-zu schaffen, in dem die Schulden bezahlt werden, die Unabhängigkeit eines jeden Volkes gesichert und der Friede geschützt werden soll. Zu diesem Zwecke sei Voraus⸗ setzung für Verhandlungen die Einstellung des passiven Widerstandes und die Anerkennung des Reiches, daß die Räumung der Ruhr nur nach Maßgabe der deutschen Zahlungen ersolgen kann.

Zweitens wird der deutschen Regierung der Rat er⸗ teilt, keine feste Gesamtsumme in ihrem Angebot zu nennen. Das wird darauf zuriickgeführt, daß die An⸗ sprüche der englischen Regierung noch nicht bekannt seien und deshalb die Gefahr bestehe, daß ein ungenügender Totalbetrag genannt wird. Drittens wünscht der Temps, daß Deutschland die Forderung nach Festsetzung der deut⸗ schen Zahlungsfähigkeit durch ein Sachverständigenkomitee nicht wiederholt. f

Die neuen Kohleupreiserhöhungen. 5 Die Kohlenpreisverhandlungen sind, wie die Telunjon erfährt, für sämtliche Reviere mit Ausnahme des mitteldeutschen Braunkohlen⸗ bergbaues abgeschlossen. Die Preise sind im allgemeinen in demselben Umfange erhöht worden wie die Löhne. Die Erhöhungen der Netto⸗ preise je Tonme betragen für Ruhrfettförderkohle 76 210 Mk., Ober⸗ schlesien 46 500 Mark, Niederschlesien 53 574 Mark, Sachsen 65 860 Mark, Ibbenbüren 53 574 Mark, übriges Niedersachsen 48 782 Mk., Aachen⸗Eschweiler 65 388 Mk. Nordstern 74 208 Mk., Rohbraunkohlen 9830 Mk., Briketts 34 520 Mk. In diesen Erhöhungen ist die Er⸗ 0 höhung der Abgabe für den Bergmannswohnungsbau bei Steinkohlen um 1500 auf 2100 Mark, bei Braunkohlen⸗Briketts von 660 auf 1200 Mark enthalten. Der Bruttopreis für westfälische Fettförder⸗ kohle beträgt etwa 221000 Mark gegenüber 457 000 Mark flütr gleich⸗ wertige englische Kohle in Hamburg.

Politische Uebersicht.

Regierungskrise in Thüringen?

Aus Weimar wird uns geschrieben:

Seit einigen Tagen sind zwischen der VSD. und der KPD. Verhandlungen geführt worden, um für den Frei⸗ staat Thüringen ein von beiden Parteien anerkanntes Pro⸗ gramm für eine gemeinsame Regierungspolitik aufzustellen.

1 Diese Verhandlungen sind jetzt infolge der Haltung der KPD. gescheitert, sodaß die seit längerem schleichende Krise zu einer offenen Regierungskrise geworden ist. Die Partei⸗ leitung der VSPDD. hatte als Grundlage für die Verhand⸗ lungen ein Programm ausgearbeitet, das Vorschläge ent⸗ hielt für Maßnahmen zum Schutze der Republik und der Arbeiterbewegung, zur wirksamen Bekämpfung des Wuchers, für eine Amnestierung der Opfer der Klassenjustiz und vor allem zur Errichtung einer Arbeiter⸗ und Ange⸗ stelltenkammer als Interessenvertretung für die Arbeit⸗ nehmerschaft des Landes Thüringen. All diese Vorschläge fanden vor den Augen der Kommumisten, die allerorts nach (der Arbeiterregierung schreien die sie in Thüringen haben und mit ausgestalten können, keine Gnade. Denn sie wollen auch hier die Dinge weitertreiben. Doher erklärte ihre Verhondlungskommission,daß die Vorschläge der VSD.

Streikabbruch im Ruhrgebiet.

Dortmund, 30. Mai.(Eig. Drahtber.)

Langsam nimmt die Besserung der Lage im Ruhrgebiet an Um⸗ fang zu. Im Landkreise Dortmund wird bereits seit Mittwoch auf der Mehrzahl der Zechen wieder gearbeitet, in Hörde und dessen Landkreis ist die Arbeit ebenfalls wieder aufgenommen. Auch in den Landkreisen Hattingen und Gelsenkirchen ist der Streik mit Ausnahme von kleinen Teilstreils beigelegt. In Witten sind die Streikenden am Mittwoch morgen vollzählig mit Ausnahme eines Betriebes wieder zur Arbeit angetreten. Verschlechert hat sich die Lage nur im Bezirk Hamm, wo die Belegschaften der Zechen Herne 3, Königsborn 2, 3 und 4, de Wendel und Hellwig, ebenso wie in Wattenscheid wider Er⸗ warten nicht zur Arbeit angetreten sind.

Die allgemeine Wiederaufnahme der Arbeit hat ihre wesentliche Ursache in der 50% igen Erhöhung der Bergarbeiterlöhne. Schon daraus ergibt sich, daß die Auffstände weniger infolge der kommu⸗ nistischen Hetze als durch die allgemeine wirtschaftliche Not entstanden sind. Daß nach der 50prozentigen Lohner⸗ höhung die Aussichten für eine Weiterführung des Streiks äußerst schlecht sind, sehen jetzt auch die Kommunisten und Unionisten ein. In Bochum fordern z. B. auch die Unionisten zur Beilegung des Streiks und zur Wiederaufnahme der Arbeit durch Plakate auf. Das gleiche geschah an einer ganzen Reihe anderer Orte. Nur vereinzelt wird versucht, die Streikenden weiterhin von der Arbeit abzuhalten. Hierbei spielen in der Hauptsache agitatorische Gründe mit. Die Kommunisten versuchten die Unjonisten in der Agitation zu über⸗ bieten und andererseits stellt die Union alles an, um die kommuni⸗ stische Führung herabzusetzen oder ihr dort, wo der bewaffnete Kampf blutig und erfolglos verlief, die Schuld in die Schuhe zu schieben. Beiden Richtungen fehlt sowohl in Westfalen wie im Rheinland die einheitliche Führung. Jede Ortsgruppe macht, was ihr beliebt und was sie nach eigenem Gutdünken für notwendig hält. Erst durch die Wirkung ihrer Strategie werden sie langsam klug. In Essen wurde z. B. von einem kommunistischen Kontrollausschuß durch Ge⸗ walt vorübergehend eine erhebliche Preissenkung vorgenommen. Der⸗ selbe Kontrollausschuß mußte jedoch nach 48 Stunden die gewalt⸗ sam gesenkten Preise ganz erheblich wieder erhöhen, nachdem er zu der Einsicht gekommen war, daß seine Methode unzweckmäßig war. In Gelfenkirchen wurde der Verkauf von Waren zum Einkaufspreis mit dem Erfolg durchgeführt, daß sich von auswärts Leute einstellten und billig einkauften, die im Besitz von Geld waren, während die wirklich notleidende Bevölkerung von der gewaltsamen Preisherab⸗ setzung nichts prositierte, da sie durch die sinnlosen Streiks ohne Barmittel war.

Die direkte Beteiligung einzelner maßgebender Ruhrkommunisten an der Anarchie der letzten Tage ist nicht abzustreiten. Für ihr Verhalten aber die gesamte kommun istische Partei verantwortlich zu machen, wäre umrecht. Es gibt auch im Ruhrgobiet viele Kommu⸗ nisten, die die Hetze ihrer direktionslosen Parteigenossen entschieden verurteilen und von dem, was einzelne ihrer Glaubensvetter getan haben, weit abrücken. Besonders rege war die kommunistische

zelnen Zeitungen, der gewaltsame Sturm auf die Feuerwe 1 ö

Leitung des Bezirks Bochum an dem Aufruhr betelligt. Voce Genossen stellen fest, daß neben der Streikleitung i sem Bezirk auch eine unionistisch⸗kommunistische Kampfleitn standen hat. Ihr sind in der Hauptsache die Angriffe auf

Ordnungsmannschaften, das Vertreiben Hunderter von Arbeitern ihren Arbeitsstätten usw. zuzuschreiben. Aber auch andere Elet waren beteiligt! In Bockum wurde z. B. außer einer ganzen Re von Verbrechernaturen ein 20jähriger Arbeiter festgenommen sich zu einer kommunistischen Hundertschaft zählte, gleichzeitig al im Vefitz eines Mitgliedsbuches einer katholischen Arbeiterverein

war. 5 ö

Die jetzt in die Wege geleiteten gerichtlichen Verhandlungen die Führer des Aufruhrs werden über den Ursprung der Be an der Ruhr und über die Mittel die zu diesem Zwecke aufge wurden, sicherlich noch nähere Aufklärung schafsen. Daß die Fre ihre Hand im Spiele haben, ist kaum noch zu bezweifeln. Gibt selbst die französische Presse dafür ganz bestimmte Anhaltspunt Aber auch andere Anzeichen sprechen dafür. Am Dienstag abend fan in Hörde eine Streikversammlung statt, in der die Wiederan der Arbeit beschlossen wurde. Ein führendes Mitglied der 8 nisten, Sciech, führte in dieser Versammlung aus, daß vor 14 8 in Dortmund im Reinoldushof in einer kommunistischen Funktit dem versammlung ein Redner namens Schleiber aus Berlin erklärt daß er mit den Franzosen über ganz bestimmte Fragen ver handelt habe. Nach seinen weiteren Angaben hat ein franzö⸗ sischer General an die K. P. D. das Ansinnen gestellt, in Ruhrgebiet die Räterepublik auszurufen. Die kommu nistischen Unterhändler sollen sich hiermit unter der Vorauss. einverstanden erklärt haben, daß die Franzosen Maschinen, gewehre und Munition zue Verfügung stellen. An dieser Forderung sollen dann später die Verhandlungen mit den Franzosen gescheitert sein. Seiech wurde in der Versammlung drei Mal ge⸗ fragt, ob das, was er sage, richtig sei. Er antwortete jedesmal:J. das stimmt! J 0

Sollen die blutigen Ereignisfe für die Zukunft verhindert wer⸗ Mit den, dann muß vor allem dafür gesorgt werden daß die Arbester wenigstens das Notdürftigste zum Lebensunterhalt erhalten. Es if schon eine Zumutung, die ihresgleichen sucht, wenn auf der eine Seite der Dollar fortgesetzt steigt und mit ihm die Lebensmittelpres in die Höhe gehen, ohne daß aber auch nur das geringste getan wird um für die Arbeiterschaft das tägliche Brot durch Lohnerhöhungen sicherzustellen. Auch die jetzt erfolgte Erhöhung für die Bergarbeit schaft kann mit Ricksicht auf den rapiden Sturz der Mark nur vorläufig betrachtet werden. Darüber herrscht im Ruhrgebiet i halb der Arbeiterschaft nur eine Auffassung. Es muß deshalb s. und ausreichend entweder flir eine Verbilligung der Leben gesorgt werden oder aber eine Steigerung der Löhne ei die zu der allgemeinen Preissteigerung im Verhältnis steht.

nicht nur keine Grundlage für eine Arbeiterregierung Thüringens bilden, sondern daß sie auch keine genügende Grundlage zu einer ferneren Unterstützung einer sozial⸗ demokratischen Regierung darstellen. Außerdem sei es für die KPD. unmöglich, auf der von der VSD. vorge⸗ schlagenen Grundlage die gegenwärtige Regierung weiter zu unterstützen,da die elementarsten Forderungen der proletarischen Klasse abgelehnt werden. *

Hitlers Schrittmacher.

(Von unserem Münchener Korrespondenten.)

Die inneren Schwierigkeiten der bayerischen Regierung liegen in ihrem Verhältnis zu e Verbänden und zu den Kampfverbänden, die heute zwar in gewissen Gegensätzen zueinander stehen, in sogenannten Ernstfällen sich aber zweifellos aufs beste er⸗ gänzen würden. Ueber diese Verbände ist bekanntlich die Regierung Lerchenfeld gestürzt, und trotz der Rechtsschwenkung der Regierung Knilling entspricht auch sie noch keineswegs den Wünschen dieser Verbände. Da der Minister des Innern, Schweyer, die Staats⸗ autorität gegen diese Rechtsultras nach Möglichkeit aufrechtzuerhalten hat, ist es natürlich seine Person, gegen die sich die Abneigung der vaterländischen Aktivisten in erster Linie wendet. Es ist darum nur

des Krieges schon einen ziemlich dickleibigen politischen Persom

eine Frage der weiteren Kräfteentwicklung und damit eine 0 der Zeit, wann die Regierung Knilling oder zum mindesten Mitglied Schweyer und das ist das wahrscheinlichere einem geeigneteren Nachfolger Platz machen muß. Von diesem Nachfolg wind heute schon geredet. Es ist dies der einzige Abgeordnete des bayerischen Landtages, der schon vor Irhresfrist bei Versomml g unter freiem Himmel den demagogischen Sprüchen eines öffentlich Betfall zollte, wenn er es andererseits nicht versäumte, imparlamentarischen Sumpf recht kräftig mitzuschwimmen, ihm seine Fraktion die Flossen freigab. N g Dieser Herr hat seit seinen unvergeßlichen Malzschiebungs⸗ anderen Funktionen im Münchener Generalkommando III

N 5 Bann

4 iibeiter⸗

Erst jüngst kam ein neues Blatt hinzu, und zwar aus einer Schri in der der literarische Hoflakei der Wittelsbacher, der Herr Achleitner, mehreren nach revolutionären bayerischen Royalisten tische Kränze gewunden hat. Zu diesen Herrschaften gehört vo auch derschneidige Bezirksamtmann von Dachau seligen denkens, Herr Dr. Roth, von dem in der erwähnten Schrift u. erzählt wird, wie er dem fliehenden König Ludwig III bis an di österreichische Grenze folgte und beim Hinüberschaffen der königliche Habseligkeiten, den wenigen Kleidern und dem biffel Wäsche, be lich war. Vor allem aber dann, wie er im nahen Kufstein im Egger das Hauptquartier aufschlug und dasselbe auf ein

Weibergerede hin in einer stitrmischen Novembernacht in se i hier er

bersamme

Der Deserteur.

Roman bon Robert Buchanan.

Ein Schrei Marcelles unterbrach den Redestrom des falten. Sie sprang auf, denn mitten in dem Gemach stand Rohan ein gebrochener Greis! Der plötzliche Schreck schien die Macht gehabt zu haben, ihn in seine frühere Ge⸗ stalt zu verwandeln und ihm wieder den Ausdruck eines ge⸗ hetzten, halbverhungerten Tieres zu verleihen. Auf dem abgehärmten Gesicht spiegelten sich seine Seelenqualen deut⸗ lich ab. Mit wilden, hungrigen Blicken starrte er von einem der Anwesenden zum anderen, ohne ein Wort zu sprechen.

Rohan! schrie der Alte, nach Atem ringend.Gildas, schließe die Türe!

Das geschah sofort. Zur Vorsicht schob der Held von Dresden auch noch den Riegel vor. Im Nu standen die bei⸗ den Frauen neben Rohan, die Witwe schluchzend, Marcelle totenblaß, aber trockenen Auges. Derval erhob sich schwer fällig und näherte sich taumelnd seinem Neffen:Fürchte nichts, mein Junge; sie sind wohl hinter Dir her, aber ich werde die Sache schon in Ordnung bringen. Du hast Dich widerspenstig benommen, aber sie werden durch die Finger sehen, wenn Du jetzt wie ein Mann handelst. Wir haben reine Minute zu verlieren. Kreuze den großen Sumpf und Du wirst vor ihnen St. Gurlott erreichen. Geh' geradeaus in die Rosengasse und melde Dich beim Hauptmann Figuier, sag' ihm, daß ich Dich schicke Großer Gott, ist der Junge verrückt? schrie der alte Mann auf.

Die Frage schien ganz berechtigt, denn Rohan starrte, ohne ein Wort von dem zu hören, was er ihm sagte, in die Luft und lachte vor sich hin.

Vor Angst zitternd, klammerte sich Marcelle an seinen Arm und sprach auf ihn ein:Rohan! Verstehst Du denn nicht? Sie sind wieder hinter Dir her, und wenn Du Dich nicht freiwillig stellst, wirst Du erschossen. 5

»Und wenn ich mich stelle? fragte er ruhig, aber mit heiserer Stimme.

Dann wird man Dir alles verzeihen, nahm der Korporal wieder das Wort.Man wird Dir eine Flinte und einen Tornister geben, Du wirst Dich der großen Armee anschliehen, Dich mit Ruhm bedecken und, wenn der Krieg

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vorbei ist, als tapferer Mann zu uns zurückkehren. Meine kleine Marcelle wird Dich erwarten und Dir als Gattin in Dein Haus folgen.

Der alte Mann hatte sich ganz warm gesprochen, obgleich ihn die Haltung und der geistesabwesende Blick Rohans verwirrte.

Und wenn ich mich nicht freiwillig stelle, was geschieht dann? fragte Rohan, keine Auge von Marcelle wendend.

Dann wird man Dich wie einen tollen Hund erschießen; aber Du wirst mit Gottes Hilfe nicht so unvernünftig sein, Deinen letzten Rettungsanker nicht zu ergreifen, bemerkte Onkel Ewen besorgt.

Gibt es keinen anderen Ausweg?

Nein! Du vergeudest nur die kostbare Zeit, mein Junge! N

Toch, es gibt einen, erklarte Rohan mit derselben heiseren Stimme und demselben geistesabwesenden Blick. Als aller Augen sich fragend auf ihn richteten, fuhr er fort: Wenn der Kaiser aus der Welt geschafft würde!

Der Alte sank entsetzt in seinen Stuhl.

Gott behüte ihn davor! Schon der Gedanke ist Verrat!

Ohne die Worte des Onkels zu beachten, die Augen noch immer fest auf Marcelle gerichtet, flüsterte Rohan, als ob er nur mit ihr spräche:Wenn man ihn allein, im Schlaf, von der Dunkelheit der Nacht geschützt überraschen könnte, das wäre eine gute Tat! Es wäre ein Leben statt Hundert⸗ tausender und die Welt hätte ihren Frieden!

Rohan! schrie Marcelle entsetzt auf und wich scheu vor ihm zurück, denn in seinen Augen lauerte der Mord; sein Antlitz war verzerrt, er umklammerte mit seinen Fingern ein unsichtbares Messer.

Bei den Gebeinen des heiligen Triffine, er spricht vom Kaiser! murmelte Gildas.

Hinweg von seiner Seite, er lastert und ist gefährlich! schrie der Korporal Marcelle zu.

Das ist richtig, entgegnete Rohan, sein totenbleiches Antlitz dem Korporal zuwendend,aber Du kannst ruhig sein, Onkel, ihr werde ich nichts tun niemanden der hier Anwesenden! Gute Nacht, Onkel Ewen: lebe wohl, Tante Derval und auch ihr, Marcelle und Gildas! Ich gehe!

Bleib, Rohan! schrie Marcelle, seinen Arm umklam⸗ mernd.Wohin gehst Du?

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Er schüttelte sie ab und verließ, ohne zu antworten, do Gemach. Der Korporal stöhnte verzweifelt auf, Gildas einen langgezogenen Pfiff zwischen seinen Zähnen ertönen, die Witwe schluchzte und Marcelle sank die Hand aufs Herz gedrückt, in den nächsten Stuhl. Rohan war wie ein Gei aus ihrem Gesichtskreis verschwunden. Als die Abgesand Bonapartes gegen Abend ihre Haussuchungen fortsetzten. konnten sie keine Spur von ihm finden.

Sechsunddreißigstes Kapitel.

Der Anfang vom Ende. f 9 Die große Armee des Kaisers marschiert der Grenze zu 0 am nic wo sie erscheint, werden die üppigen Saatfelder niederge⸗ um

treten, der Vogelsang verstummt, die schweren Räder der Kanonen graben tiefe Furchen in die Erde. Endlose Sol⸗ datenreihen ziehen durch stille Dörfer, die Luft widerhallt von dem Gemurmel und Getöse, welches jedem Krieg vor⸗ angeht und jeden begleitet. Gehorsam bewegt sich die formierte Menschenkette fort und in ihrer Mitte schreite still und unsichtbar wie der Tod auf seinem weißen§ der unheilvolle bewegende Geist des Ganzen. Im Nachtral der großen Armee folgen die menschlichen Schakale Krähen, jene Elenden, die auf den verlassenen Schla dern ihr verrufenes Handwerk treiben. Unter jenen, die hinter den marschierenden Trup g einherlungern, sieht man einen Menschen, der, nach seinem Aeußern zu urteilen, aus der Klasse der Elendesten Elenden stammen muß. Ein hageres, verkommenes, kre und verzweifelt aussehendes Geschöpf, das weder ein noch Verwandte zu haben scheint und, wie die Krähe d Jäger, der Armee von Ort zu Ort folgt bemüht, eine Ben zu erhaschen, die jene übersehen oder weggeworfen hat. Da Saar hängt ihm wirr über die Schultern herab, der ö Bart ist ungekämmt und der Körper in Lappen i Nacht um Nacht schläft er im Freien oder in Scheunen, von wo ihn oft wilde Dorfhunde vertreiben. Zuweilen sp er französisch, in der Regel aber brummt er einen Di vor sich hin, den nur wenige Leute verstehen. Wenn sich jemanden nähert, so geschieht dies nur, um stets die e Frage zu stellen:Wo ist der Kaiser? Wird er diese E passtieren? (Fortsetzung folgt.)