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1.6.1923
 
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Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.

zeitung

kpeniton: Gießen Bahnhofstraße 23 Jernsprecher 2008

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Nr. 122 g ö

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Gießen, Freitag, den 1. Juni 1923

18. Jahrgang

U 18 g 18 s Rettung durch Zwang. A Handeln nicht Verhandeln. N. Als die freien Gewerkschaften im Jahre 1920 nach dem Scheitern des Kapp⸗-Putsches an die damalige Regierung hestimmte politische Forderungen stellten und auch bei an⸗ en Gelegenheiten ähnlich vorgingen, wurden sie von der 0 dechtspresse fortgesetzt alsNebenregierung beschimpft. In ebg Wirklichkeit war der Sinn aller Aktionen der freigewerk⸗ chaftlich organisierten Arbeiterschaft nicht Selbstzweck, son⸗ dern der, neues Unheil zu vermeiden, den Bestand der 0 epublik zu sichern, der Allgemeinheit zu dienen. Noch nie, unter welcher Regierung es auch sei, haben die Gewerk. sschaften ihre. Pflicht gegenüber dem Vaterland verletzt. Stets un anden sie ihren Mann, wenn die Not des Volkes es erfor⸗ erte; noch jederzeit waren sie bereit, im Rahmen der Kraft per arbeitenden Bevölkerung Deutschlands für Opfer einzu⸗ reten. Niemals aber hat sich die deutsche Wirtschaft von leichen Grundsätzen leiten lassen. Sie weiß wohl, daß die Begenwart mit ihren innen- und außenpolitischen Gefahren (Opfer erfordert, aber anstatt diese Opfer freiwillig und Iacgern unter äußerster Kraftanstrengung zu geben, knüpfen e an jede Million Mark, die sie dem Staat in seiner größ⸗ Wen Not zur Verfügung stellen wollen, Bedingungen, deren Annahme nicht nur zu der Behauptung einer industriellen Nebenregierung berechtigte, sondern die staatliche Macht restlos den deutschen Wirtschostsgruppen ausliefern und obendrein einen angenehmen Verdienst sichern würde. taligt Kücheute vernimmt man kein Wort von einerNebenregierung arett der Industrie, keinen Ton von dem mangelnden Pflicht⸗ Ih f efühl dieser Herrschaften. Sie erhalten im Gegenteil für a0 5 Pflichtverletzung das Lob der bürgerlichen Arbeitsge- Braun ba lieinschaft und die Anerkennung der Reichsregierung. N Es ist erfreulich, daß trotz des Lobes der bürgerlichen steichstagsfraktionen und der Regierung ein Teil der bürger⸗ Presse sich zur wahren Sachlage bekennt und zugibt, die 200 Millionen Goldmark, die die Industrie dem Reich jetzt freiwillig anbietet, in keinem Verhältnis zu den direkten Gewinnen steht, die ihr durch die Geldentwertung gefallen sind. Was hier von der Industrie gesagt wird, rifft auch auf die Landwirtschaft zu, die vor dem Kriege vollkommen verschuldet war, inzwischen aber durch die fort⸗ ülgesetzte Geldentwertung in die Lage gekommen ist. ihre Hypotheken zu ganz billigem Gelde abzustoßen. Von bürger⸗ (licher Seite wird der Gewinn der Landwirtschaft durch die wverkang unter der Voraussetzung, daß sie vor dem Kriege zu 60 Prozent hypothekarisch belastet war, auf ins⸗ vortelbüt! gesamt 18 Milliarden Goldmark beziffert. Trotzdem aber tal denken auch, die Agrarier, ebensowenig wie die Industrie, Nr fen daran, von diesem Gewinn dem Reich ohne Bedingungen auch nur einen kleinen Teil zu überlassen. Aus diesem Ver⸗ L gut Al belten ergibt sich die Stellung der Reichsregierung bei der a5 05 Ausarbeitung der neuen Note. Daß gezahlt werden muß 1 1 Labund Garantien zu leisten sind, erkennt die deutsche Wirtschaft ler en. Wie und auf welche Art das zu geschehen hot, müssen Loeichsregierung und Parlament feststellen, ohne daß sie sich ek auch nur im geringsten auf irgend eine Bedingung einlassen, die von Seiten der Wirtschaft gestellt werden. Wo sollte es OSSele l pinführen, wenn jeder deutsche Staatsbürger, der vom Reiche 88e in Anbetracht seiner Not zu einer sinanziellen Leistung ver⸗ liche la, pflichtet wird, seine Bedingungen stellt? Vor lauter Be⸗ 8 0 dingungen würden wir schließlich weder aus noch ein wissen, Iober das Reich könnte darüber zugrunde gehen. Wenn die Nähns deutsche Wirlschaft nicht anders will wenn sie nicht einsieht. daß die Erhaltung der Volksgemeinschaft Opfer des Besitzes 7. At erfordert, dann muß ihr die patriotische Pflicht durch gesetz⸗ sbteru liche Zwangsꝛnaßnahmen klargemacht werden. Je schneller Ahab das geschieht, desto mehr Unheil kann verhindert werden. ha Schon tritt die belgische Regierung mit einem neuen Reparationsplan vor die Oeffentlichkeit, der, wenn auch in

einer Methode undurchführbar, doch die Möglichkeit zu einer Ententemächte

17 4 wesentlichen Annäherung innerhalb der n(J bietet. Während der Gesamtertrag des ena,. mt vom Januar 1923, im Gegenwartswert umgerechnet, 37.5

40. el Milliarden Goldmark ergab, ist der belgische Plan auf einen ell. 0 Gegenwartswert von 40 Milliarden Goldmark beziffert. Die

lar( belgische Regierung verzichtet aljo auf ihren bisherigen . Standpunkt, der dem französischen fast gleichkam und dar⸗

5 Aust auf hinauslief, neue Reparationsperhandlungen nue auf l gen der Basis des Londoner Zahlungsplanes zu führen. In ge⸗ al. 6 wissem Sinne ist die französische Regierung nunmehr isoliert.

Sie dürfte sich deshalb zu einem Kompromiß zwischen der 1 15. Auffassung entschließen müssen, kann, wenn die Reichs⸗

10 englisch⸗belgischen und ihrer Au . der dann zu einem Ultimatum führen 5 die 9 regierung sich mit ihrem Angebot nicht beeilt. Gänzlich un⸗

diskutabel ist jedoch die belgische Methode zur Erzielung

Augenblick im Interesse der Reichseinheit und des Volkes notwendig

Mehr Entschlossenheit! Die Stellung der sozialdemokratischen Partei. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion hat sich am Mittwoch in einer mehrstündigen Sitzung mit der gegen⸗ wärtigen politischen Lage befaßt und die Schritte besprochen, die im

sind. Gleichzeitig beschäftigte er sich mit dem sogenanntenAngebot der Industrie an die Reichsregierung und lehnte es auf das Entschiedenste ab, die selbstverständliche Erfüllung der staats⸗ bürgerlichen Pflichten von irgendwelchen Voraussetzungen oder Be⸗ dingungen abhängig machen zu lassen. Sowohl über die Not⸗ wendigkeiten des Augenblicks, als auch über die Bewertung des An⸗ gebots der deutschen Industrie stimmen Reichstagsfraktion und Ge⸗ werlschaftsbund vollkommen überein. Schon am Donnerstag dürften unsere Gewerkschaften durch eine schriftlich formulierte Stellungnahme diese Uebereinstimmung zum Ausdruck bringen. Sie denken nicht daran, einer Kaste zuliebe den Achtstundentag antasten zu lassen oder in einem Augenblick Zugeständnisse zu machen, die auf größere Ver⸗ dienstabsichten hinauslaufen, wo das ganze Volk Opfer bringen muß, und sie sind andererseits der Meinung, daß die Methode der In⸗ dustrie, sich arm zu stellen und das staatliche Vermögen vor dem 15 50 115 Auslande zu überschätzen, einer entschiedenen Klarstellung edarf. 0

Erfreulich ist die Entschiedenheit, mit der unser Fraktionsvorstand die Bedingungen der Industrie ablehnt. Wir dürfen versichern, daß er seine Vertreter beauftragt hat, mit der gleichen Entschiedenheit die Auffassung der Partei gegenüber der Regierung zu vertreten und daß die Persönlichkeiten des Fraktionsvorstandes, die die Verhand⸗ lungen mit Herrn Cuno über den Inhalt der neuen deutschen Note führen werden, bisher nichts an Entschlossenheit fehlen ließen und weiter fehlen lassen werden. Für die Haltung der Sozialdemokrati⸗ schen Partei sind in erster Linie die innen⸗ und außenpolitischen Ver⸗ hältnisse maßgebend. Die Zustände im Ruhrgebiet wir⸗ kensichlangsam zum Chaos aus. Kein Opfer erscheint uns deshalb zu groß, um dieses Chaos zu verhindern und gleichzeitig das Ruhrgebiet von der fremden Besatzung so schnell als möglich wie⸗ der frei zu machen. Leider besteht dieser Wille, durch Opfer zur Freiheit zu gelangen, nicht in allen Schichten der Bevölke⸗ rung, und auch die Regierung versagt es sich, mit der notwendigen Eile und Tatkraft die Zeit verkürzen zu helfen, die deutsche Arbeiter im Ruhrgebiet noch unter Bajonetten verbringen sollen Eine Rück⸗ frage jagt die andere, eine Verhandlung folgt der anderen. So ge ht 55 10 05 Zeit verloren, die zu Besserem ausgenützt werden önnte.

Unter diesen Umständen ist zu viel Entschlossenheit besser als zu wenig. Das gilt hauptsächlich in bezug auf die Behandlung des An⸗ gebots der Industrie und auf die Garantieleistungen der Landwirt⸗ schaft. Genau wie der industrielle Reichsverband, knüpfen auch die Agrarier an die notwendigen Opfer Bedingungen innen⸗ und außen⸗ politischer Art und betonen mit besonderem Nachdruck. daß sie nur Oyfer bringen, wenn ihre Bedingungen Anerkennung finden und er⸗ füllt werden. Die Behauptung, daß die Land wirtschaft bereit sei, ebenfalls 200 Millionen Goldmark zur Erledigung der Renarations⸗ lasten jährlich zur Verfügung zu stellen, wird bestritten. Die Land⸗ wirtschaft scheint noch nicht einmal bereit, diese Summe aufzubringen, vielmehr erwartet sie, daß ihr in Bezug auf die Verteilung der Lasten unter Industrie, Handel und Banken ein Vorzug zuteil wird, daß sie von allen den geringsten Anteil zu zahlen hat. So suchen die finanzkräftigen Kreise sich gegenseitig die Lasten aufzubür⸗ den, und es dürfte uns nicht wundern, wenn sich in den nächsten Tagen in dieser Hinsicht ein öffentlicher Streit entwickelt. Dafür haben unsere Sachwertbesitzer kein Verständnis daß die Zeit drängt und eine Note abgeschickt werden muß. die einwandfrei fiber diese Garantieleistungen der deutschen Wirtschaft Aufklörung schafft.

Hier kann nur entschlossenes Vorgehen, ge setzlicher Zwar helfen. Zwar denkt Herr Cuno am Tage lieber dreimal an einen Rücktritt, den er bei jeder Gelegenheit an⸗ droht, als einmal an die notwendige Tatkraft zum Entschluß. Er handelt frei in dem Bewußtsein, daß niemand Neigung zeiat, seine Erbschaft anzutreten. Dennoch glauben wir, daß durch Entschlossen⸗ heit der Mehrheit des Parlaments hierzu braucht man die Deutsch⸗ nationalen nicht, ouch dem gegenwärtigen Reichskanzler klarge⸗ macht werden kann, daß ein konkretes deutsches Angebot schnell ab⸗ geschickt werden muß. Soweit wir unterrichtet sind, st die bürgerliche Arbeitsgemeinschaft mit der Sozialdemokratie einer Meinung dar⸗ über, daß es möalich ist, in dem neuen Angebot einen Gegenwarts⸗ wert von 30 Milliarden Goldmark vorzuschlogen, die durch Jahres⸗ leistungen, deren Höhe noch festzusetzen ist, abbezahlt werden können. Nie war die Sozialdemokratie der Auffassung, daß die Regierung über die Höhe ihres letzten Angebots nicht hinausgehen kann wenn sie auch Verständnis dafür hat, daß es demehrbaren Kaufmann

Große Besprechungen in Berlin.

nicht ganz leicht fällt. Immerhin aber steht uns über die Ehre des Kaufmanns Cuno das Wohl der Volksgemeinschaft. ir müssen endlich zu Verhandlungen kommen, die möglich sein werden, wenn sich Regierung und Parlament dazu entschließen, in dem neuen deut⸗ schen Angebot eine Annäherung an den letzten englischen Reparations⸗ plan zu suchen. Bieten wir 30 Milliarden Gegenwartswert an und werden Garantien geleistet, die der Kraft der deutschen Sachwert⸗ besitzer entsprechen, dann dürste zum mindesten die Möglichkeit zu einem Kontakt bestehen. Zur Erreichung dieses Zieles gehört aber zunächst vor allem Kraft zum Entschluß 1 den inneren Feinden der Republik, den Staatsbürgern, die lieber das Reich zu⸗ grunde gehen lassen als daß sie Opfer bringen.

Reichsregierung und Auswärtiger Ausschuß. Der Berliner Lokalanzeiger berichtet: Wie verlautet, handelte es sich bei den Verhandlungen des Auswärtigen Ausschusses des Reichsrats, die vertraulichen Charakter trugen, um die weitere Vorberatung der deutschen Er⸗ gänzungsnote. An der Sitzung nahmen die Ministerpräsi⸗ denten der Lander teil, die sich im wesentlichen den Auf⸗ fassungen der Mehrheitsparteien angeschlossen haben. Ob⸗ wohl sämtliche bei dem Ergänzungsangebot in Betracht kommenden Fragen mit den Parteiführern bereits eingehend erörtert find, werden parlamentarische Beratungen voraus- sichtlich erneut nötig werden, denn mehrere Parteien haben den Wunsch, die Frage der Garantien und der deutschen Leistungsfähigkeit noch einmal durchzusprechen. Man denkt sogar an einen besonderen parlamentarischen Ausschuß zur Prüfung der deutschen Ergänzungsvorschläge, um so dem deutschen Schritt Rückhalt und gemeinsames Vorgehen von Regierung und Parlament zu geben. Wie weiter mitgeteilt wird, hat der Reichsverkehrsminister dem Hauptbeamtenrat

der deutschen Industrie Stellung zu nehmen und seine An⸗ sicht schriftlich niederzulegen. damit Minister Gröner die Stellungnahme der Spitzenvertretung der deutschen Reichs⸗ bahnbeamten dem Kabinett übermitteln kann.

Die Stellung der Eisenbahnbeamten.

Der Hauptvorsland der Gewerkschaft deutscher Reichsbahn⸗ beamten erklärt zu den Plänen über die Verwaltung unserer Eisen⸗ bahnen in einer Entschließung mit Nachdruck, daß unter allen Um⸗ ständen die Reichsbahnen im Besitz und Betrieb des Reiches bleiben müssen. Die deutsche Eisenbahnbeamtenschaft, die an ihrem auf Her öffentlichrechtlichen Grundlage beruhenden Berufsbeamtentum un⸗ erschütterlich festhält, würde es nicht ertragen, irgendwie geartete Gewalten, seien es internationale Syndikate oder sonstige mit der Sonveränjtät des Deutschen Reiches unvereinbare Instanzen. unterstellt zu werden. 15

Auch die christlichen Gewerkschaften.

Auch die nicht freigewerkschaftlichen Organisationen wenden sich gegen eine Verwirllichung der industriellen Forderungen, wie sie in dem Angebot aufgestellt wurden. Der Hauptvorstand der Gewerkschaft deutscher Relchseisenbahnbeamter verlangt neuerdings mit Nachdruck, daß die Eisenbahnen unter allen Umständen im Be⸗ sitz und Betrieb des Reiches bleiben müßten. In einer allerdings sehr zurückhaltenden Zuschrift der leitenden Kreissn des deutschen Gewerkschaftsbundes heißt es u. a.:

Die Form des Briefes der Industrie an den Reichskanzler scheint uns nicht gerade geschickt zu sein. Insbesondere heben wir hervor, daß bei aller Anerkennung der Pflichten der Arbeitnehmer, auch ihrerseits zur Ermöglichung von Tributzahlungen beizutragen. sozialpolitisch und wirtschuftspolitisch die Auffassung der Industrie in der vorgeschlagenen Form in diesem Ausmaß für die Arbeiter nicht tragbar ist. 8 ö

8 Herr Cuno!

Auswärtigen Ausschusses und der künf⸗

Zu der Sitzung des U Cuno wird uns aus Berlin noch tele⸗

tigen Haltung des Herrn phonisch gemeldet:

Herr Cuno, der heute über den Inhalt des neuen deutschen An⸗ gebots so und morgen wieder anders denkt, hat sich bisher, ohne daß uns das unangenehm wäre, nicht dazu entschlossen, seine Konsequenzen zu ziehen. nettsrat mit der Autwort an die steht auch von dieser Sitzung wieder Rücktritt des Herrn Cuno bringt.

Ententemächte beschäftigen und es zu befürchten, daß sie den Die Sitzung des Aus⸗

dazu imstande wären. Auf Grund welcher Berechnung die belgische Regierung zu der Auffassung kommt, daß die deut⸗ schen Eisenbahnen einen wesentlichen Teil der Reparations⸗ lasten aufzubringen vermögen, ist uns nicht klar. Wir wollen hoffen, daß es bald möglich ist, die Defizitwirtschaft der deutschen Eisenbahnen zu beheben. Daß das aber nicht zu den Ueberschüssen führen kann, die die belgische Regie⸗ rung errechnet, sollten schon die Verhältnisse in Frankreich zeigen, wo trotz einer einigermaßen stabilen Währung die Eisenbahnen immer noch einen Zuschuß erfordern. Zu be⸗ rücksichtigen ist, daß uns durch den Versafller Vertrag wich⸗ tige Linien und damit Einnahmequellen(Elsaß⸗Lothringen) genommen wurden, während auf der anderen Seite Linien befahren werden müssen(3. B. nach Ostpreußen), die nie die

Reparationseinkünfte. Schon in sich hat der belgische an einen Widerspruch. Er fordert die Deckung des Etats,

will uns aber gleichzeitig sämtlicher Quellen berauben, die

s Belaftung der deutschen Industrie, wie sie von der belgischen

Regierung gefordert wird. Die von Belgien vorgeschlagene Beteiligung an den deutschen Industrieunternehmungen lautet auf eine Erfassung der Sachwerte hinaus, wie sie seit langem von der Sozialdemokratie als Rettung aus dieser Situation gefordert wird.

Jedenfalls spricht die Entwicklung der Verhältnisse im Ruhrgebiet und die Neuorientierung Belgiens in der Re⸗ parationspolitik für die Notwendigkeit einer schnellen Aus- arbeitung des neuen deutschen Angebots. Wir können uns den Luxus nicht erlauben, die Passipität der Reichsregierung täglich mit neuen Milliarden zu bezahlen, und ebensowenig ist ein neues Ultimatum der Gesamtentente erträglich. Es muß deshalb gehandelt und nicht verhandelt werden. Vor allem aber darf die Leitung des Staatswesens nicht an den

Selbstkosten aufbringen werden. Anders ist es mit der

Reichsverband der Industrie verhandelt werden.

im Reichsverkehrsministerium nahegelegt, zu dem Angebot

Heute, Donnerstag, wird sich ein Kabi⸗

wärtigen Ausschusses des Reichsrates scheint für den Reschskanzler in