Ausgabe 
1.2.1923
 
Einzelbild herunterladen

A

S

285

1 5

36

2 **

*

2 2

8

11 M

eee der

minister Dr. Heinze erklärte, der Abbau der Schutzgesetze sei eine 1 iti

Umständen zu sichern, während die übrigen Volksgenossen an⸗

M menschliche Lanöschast

Er ve ihren baldigen Abbau,

da sich entspannt habe. Reichs fustig⸗

Hochpol über die nur das Gesamtkabinett nach Fühlung⸗ nahme mit den Parteien befinden könne.. Genosse Hermann Müller⸗ Franken behielt sich eine eingehende Stellung für das Plenum vor, betonte jedoch, daß eine Entspannung bisher nicht eingetreten sei. Von Südbayern aus würden von den Geheimbündlern über Franken und Thüringen hinweg der Versuch gemacht, nach Preußen vorzustoßen. Die Bewaffnung der Rechts⸗ radikalen werde dabei von gewissen amtlichen Stellen in Bayern be⸗ günstigt. Die Beweise dafür würden im Plenum erbracht werden. *

Das neueste Attentat auf die Presse.

Nach sechsstündigen, zum Teil sehr erregten Verhandlungen, hat der Reichs wirtschaftsminister am Dienstag den Februarpreis für das Zeitungspapier auf 1170 Mark für das Kilo, die beinahe das 3000 fache des Friedenspreises gibt, festgesetzt, das in der Vorkriegs⸗ zeit 25 Pfg. pro Kilo kostete. Gegen diese Preisbildung(90 Mark mehr als vorgesehen) erhoben die Zeitungsverleger Protest.

Hessen und Nachbargebiete. f Gießen und Umgebung. 8 Geschichts kalender.

1. Februar.

1306 Zerstörung der ersten steinernen Mainbrücke in Frankfurt.

1620 Beginn der Gegenreformation in Böhmen.

1908 Attentat auf König Carlos J. von Portugal und den Kron⸗ prinzen Louis Philipp. Beide tot.

1910 Der Dichter Otto Julius Bierbaum in Dresden gestorben.

1911 Annahme des Wertzuwachssteuergesetzes im Reichstage.

1918 Verschärfter Belagerungszustand in Berlin.

Der Parteivorstand zu Ulrichs 70. Geburtstag.

Zum 70. Geburtstage ist dem Staatspräsidenten Gen. Ulrich von dem Parteivorstand der deutschen Sozialdemo⸗ kratie das BuchDie Rheinlande in der Franzosenzeit(1750 bis 1815) mit folgender Widmung übersandt worden:

Lieber Ulrich!

a In einer Zeit, in der französische Gewalthaber wieder einmal ihre alten Rheinlandpläne verfolgen, stehst Du an Deinem 70. Ge⸗ burtstage auf angegriffenem hessischem Boden an der Spitze der Abwehr. Wir senden Dir zu diesem Tage die herzlichsten Glück⸗ wünsche und hoffen, daß unter Deiner Führung der hessische Boden ebenso sicher von französischer Fremdherrschaft befreit werden wird, wie das in diesem Buche Conrady für die Zeit vor einem Jahr⸗ hundert beschreibt.

Für die deutsche Sozialdemokratie: Hermann Müller.

Berlin, den 28. 1. 1923.

Das Kilo Zeitungspapier 1170 Mark.

Wie heute gemeldet wird, beträgt im Monat Februar der Preis für 1 Kilogramm Zeitungspapier 1170 Mart und ist noch um 90 Mark für das Kilogramm höher, als für die Berechnung des Bezugspreises angenommen wurde. Wie gewaltig die Steigerung ist, kann man daran ermeessen, daß der a

Preis im Januar 560 Mark

betrug. Dazu kommt die Steigerung aller anderen Kosten. Die Zeitung ist auch für die Uebermittlung der Nachrichten auf Post, Telegraph und Telephon angewiesen und wie hoch sich hier die Kosten für einen Brief oder ein gewöhnliches Telegramm oder Telephongespräch belaufen, weiß jeder⸗ mann, auch wie sich die Preise für Gas, Elektrizität, Kohlen beziffern. Wer dennoch etwa nicht recht überzeugt sein sollte von der Notwendigkeit des höheren Bezugspreises, der ver gleiche einmal den Preis für seine Zeitung mit dem Preis der notwendigsten Lebensmittel und ziehe dann einen Ver⸗ gleich mit der Vorkriegszeit. Der Unterschied ist sehr groß und er wird noch größer sein am Ende des Monats, da die Zeitung noch immer für den am Anfang festgesetzten Preis geliefert wird, zu dessen Berechnung die Unkosten vom Monatsersten zugrunde gelegt wurden.

Ablehuung des Wiederbeschassungspreises durch das Reichsgericht.

Wir geben in der vom Handel bestrittenen Frage einen Aus⸗ zug aus dem Urteif des 1. Strassenats des Reichsgerichts vom 19. Dezember 1922 wieder der wie folgt lautet:

So sehr es auch zu allgemeinem volkswirtschaftlichem Nutzen gereicht wenn der Kaufmann durch Bezug neuer Waren gleicher Art zur Fortführung des Geschäfts und damit zur Versorgung der Verbraucher imstande ist. so wenia darf dies doch ausschließ⸗ lich auf Kosten der Verbraucher und unter unbilliger Verteuerung der Gegenstände des täglichen Bedarfs geschehen. Dem Kaufmann kann auch nicht ein Sonderrecht dahin eingeräumt werden, für jede verkaufte Ware eine gleiche Ersatzware anschafsen zu können und auf diese Weise sich den Bestand seines Virmögens unter allen

c eee eee dr, e N.

Franz Schrekler:Der ferne Klang. Vorige Woche wurde im Darmstädter Landestheater eine neue Oper von Franz Schreker zum ersten Male aufgeführt. Die Eigenart des Werkes und die seines Schöpfers rechtfertigt eine Würdigung. Die moderne Oper het in Richard Strauß ihren stärksten Vertreter gefunden. Eugen d' Albert, bedeutender Klavieckünstler, aber weit weniger hervorragend als Komponist, bleibt schwach neben ihm, Fr. Schrekers Musik indes immer noch interessantes Virtuosentum. Allen drei ist die Absicht gemeinsam, unbedingt neuartig zu erscheinen, als etwas ganz Besonderes, und den Kunstsinn der Mitmenschen durch die Fremdheit der Tonsolge und Tonschwingungen zu verblüffen. Dos Schlagwort für dies Verfahren heißt: Expressionismus. Ab⸗ gesehen von Richard Strauß, der außer aller Diskussion steht, weil er nicht nur waghalsige Sprünge macht, sondern zweifellos gesunde In⸗ tuition hat, was wollen die beiden anderen denn ausdrücken? Ist etwaSoirocco eine Schöpfung d' Alberts, wo sich der Künstler mit dem Lebenswillen seiner Zeit auf Sein oder Nichtsein auseinander⸗ setzt, wie es Unruh in seinen Dramen tut? Wenn der fallende Vorhang Schrekersfernen Klang endet, ist man da in seine mensch⸗ liche Kläglichkeit gebannt, fühlt man sich so, weil die längst ersehnte Tat geschah, die ein Luther für sich mit den Worten begann: Ich kann nicht! Gott helfe mir! Franz Schreker kann etwas anderes nicht: Mit Musik tausend Poren aufreißen erniedrigtem Menschen⸗ tum, wie Musik Sturm läuten, daß man zu Tode erschrickt, weil man denkt, das ist das jüngste Gericht! Richard Strauß bringt es fertig, die Posaune von Jericho zu blasen und dann wieder wie ein Hirten junge auf der Schalmei den Frieden des freien Menschen zu preisen. Strauß entsesselt mitElektra die unerhörte Dämonfe der n Leidenschaft, und dam wieder hüllen seine Töne die in den süßen Zauber des Märchens(die Frau ohne

dauernd elne Verminderung ihres Vermögens hinnehmen müssen. Daraus daß der erzielte Reingewinn zur Kapitalbildung und Fortführung des Geschäfts dient, folgt noch nicht notwendig, daß er so hoch sein muß, um Erfatzware in gleichem Bestande und Umfange anzuschaffen und daß der Gewinn bis zu dieser Höhe nicht übermäßig hoch sein kann. Auch volkswirtschaftlich liegt hierzu keine Nöligung vor, da der Steigerung des Preises natur⸗ gemäß eine Verringerung der Nachfrage gegenüber steht, sonach eim gleich hoher Warenbestand nicht schlechthin erforderlich ist. Auch einen Anspruch auf einen gleichbleibenden Umsatz hat lein Kaufmann. Die Zulassuna der unbedingten Einsetzung des Wibederbeschafsungspreises als Einstandspreis oder seiner sonstigen Berücksichtigung bei Bemessung des Reingewinns würde aber zum Nachteile der Verbraucher gerade das herbei⸗ führen, was das Gesetz verhüten will, nämlich den auf Grund einer Notmarktlage gebildeten Preis zu fordern. Denn wollte man den Wiederanschaffungspreis schlechthin zulassen und das müßte man wenn der Erfolg erreicht werden soll. wie er vor⸗ stehend gebennzeichnet wurde und von den Vertretern dieser Auf⸗ fassung verlangt wird. so müßte man auch einen auf Preis⸗ treiberei beruhenden Wiederanschaffungspreis als Einstandspreis eiusetzen. Auf einer solchen beruht aber vielsach die eingetretene Preissteigerung. Damit würde aber der Zweck des Gesetzes hin⸗ fällig werden. Es würde nur auf anderem Wege der aus einer Notmarktlage erzeugte Notmarktpreis wieder zugelassen werden. Aus diesem Grunde hat der Senat auch bereits die Einsetzung des auf einer Notmarktlage beruhenden Wiederbeschaffungspreises abgelehnt. Ein auf das normale Maß he cabgeminderter Wieder⸗ anschaffungspreis dagegen würde nicht zu dem gewollten Erfolge führen den nur die Zulassung des tatsächlich bestehenden Wieder⸗ anschaffungspreises erreichen kann. Im übrigen ist es auch praktisch undurchführbar, den Wiederbeschaffungspreis als Ein⸗ standspreis in die Berechnung des Verkaufspreises einzusetzen. Mit demselben Rechte müßten dann auch die künftigen Steigerungen der Unkosten Berücksichtigung finden. Das alles ist aber bei der Berechnung des zukünftigen Verkaufspreises noch gang unsicher und kann höchstens bei der Bemessung der Risikoprämie Berück⸗ sichtigung finden. Berechtigt könnte überdies die Einsetzung des Wiederbeschaffungspreises selbstverständlich nur dort sein wo auch tasächlich eine Wiederanschaffung der gleichen Ware stattfindet. Der Wiederbeschaffungspreis hätte nach der eigenen Verteidigung seiner Anhänger dann keine Berechtigung, wenn beabsichtigt ist, aus dem Erlöse der verkauften Ware solche anderer Gattung anzuschafsen oder diese Auschaffung überhaupt zu unterlasseu. Ob dieser Fall vorliegt oder nicht. insbesondere ob nach der Berech⸗

mung des Verkaufspreises etwa die Absicht der Wiederbeschaffung

aufgegeben wird, läßt sich aber kaum feststellen. Ebenso wäre die Zulassung des Wiederanschaffungspreises nicht gerechtfertigt, wenn der damit erzielte höhere Gewinn ausschließlich oder zum größten Teil gar nicht zur Vermehrung des Geschäftskapitals. sondern zur Ermöglichung gesteigerten Wohllebens verwendet wird. Nach alledem würde die Einsetzung des Wiederanschassungspreises in den Fällen, in denen sie allein nach den Gründen feiner Ver⸗ teidiger berechligt wäre eine Verschiedenheit der Preise bewirken. die auf dem Markte ganz undurchführbar ist. Hiernach versagt die Berücksichtigung des Wiederanschaffungspreises für die Frage, ob ein Reingewinn übermäßia ist oder nicht...

Den Standpunkt. den hier das Reichsgericht einnimmt. haben wir eingenommen. seitdem die Frage des Wiederbeschaffungs⸗ preises aufgetaucht ist. Die Darlegungen sind zutreffend und nicht zu widerlegen.

Die Verbraucher dürfen nun auf Grund dieser Reichsgerichts⸗ entscheidung erwarten. daß die Preisprüfungsstellen und die Ge⸗ richte das Maß von Schutz gegen Ueberteuerung bieten das lange genug entbehrt wurde. So stark isr das Uebel willkürlicher und wucherischec Preissteigerungen eingerissen, daß nun größte Energie nötig ist, es wieder zu beseitigen.

Das teuere Bier.

Das Glas Bier in einer Dosis, wie man sie früher nur in der Apotheke bei der Abgabe von Heilmitteln kannte, kostet nun 100 Mk. Den gleichen Preis hat der Aepfelwein erlangt, während eine Flasche nur elfprozentigen Bieres 200 Mk. kostet. Für die meisten Menschen wird die Preis⸗ frageWie schmeckt Bier? kaum noch zu beantworten sein und wenn in Berlin noch Castans Panoptikum mit Aus⸗ stellung von Abnormitäten bestehen würde, so könnte es jetzt als größtes Wunder der Welt den Menschen zeigen, der noch zu jedem Frühstück sein Glas Bier trinkt. Der Andrang der Schaulustigen würde riesig sein und das Erstaunen darüber, daß es so etwas noch gibt, nähme kein Ende..

Was sich die wütendsten Abstinenzler nicht haben träumen lassen, das ist heute schon eingetroffen. Keine Polizeimacht hätte es wagen dürfen, Wirtschaften in einem Maße zu schließen, wie sie heute infolge des Rückganges des Bierkonsums und des Bierbedürfnisses ihren Laden zu machen müssen. Bei einem rechtlichen Verbot oder einer gesetzlichen Einschränkung wären die Proteste der bedrohten Existenzen zahllos gewesen und doch hat sich die wirtschaft⸗ liche Umschaltung ohne fremde Hilfe und ohne öffentliche Mittel ganz reibungslos vollzogen. Die meisten werden sich heute in ihrer neuen Existenz weit wohler fühlen als ehe dem und nur wenige werden ihrem entschwundenen Dasein als Wirte oder Gehilfen nachtrauern. Wir heben das her vor, um zu zeigen, wie grundlos oftmals Befürchtungen sind. Als die Konsumvereine ihre Geschäfte eröffneten, Warenhäuser ihr Kaufhäuser errichteten und als der Plan auftauchte, verschiedene Gewerbe zu kommunalisieren, um

e eee eee t=.

rr 8 2 Schatten.) Aber Franz Schreker? Ob sein Werk heißtder Schatz⸗ gräber,die Geächteten oder endlichder ferne Klang, immer ist es mit dem Intellekt konzipiert, zusammengedüftelt, Mosaik neben Mosaik, wobei keine Ordnung dem Künstler genügt. Einmal äußerte er sich: Ein moderner Komponist schreibt selbstverständlich keineMe- lodie. Darüber sind sich nachschaffende Künstler, Publikum und der Durchschnittskritiker einig. Das ist Franz Schrekers Steckenpferd. Damit will er Schach matt setzen. Kommen ihm wirklich ganz un⸗ bewußt melodische Klänge gleich bricht er sie jäh ab, seziert sie mit Dissonanzen ober mit Geräuschen, die Natfürliches nachahmen wollen.

Das berührt gerode nicht unangenehm, denn man fängt an nachzu⸗

denken, was wohl wieder gemeint sei: unglückliche Liebe? Kegel- spiel? Wirre Laute e Sphärenmusik, Waldesrauschen, tobendes Meer? Philistergeschwätz? Dirnengelächter? Was sagen die Töne, die manchmal von irgendwoher in unser Ohr tropfen? Man verliert die Begeisterung beim Nachdenken und wird nicht recht mitgerissen. So wirkt Schreker! Die Handlung ein Künstler sucht den fernen Klang, dem ihm einst eine Jugendligbe vorübergehend geschenkt hat. Jahrzehnte später stirbt er in dem Augenblick, da ihm der ferne Klang in den Armen der einst Geliebten wiederum, dies⸗ mal dauerndes Eigentum wird. Aber was hat er nun davon? Er stivbt. Zwischen Anfang und Beschluß dieser Handlung ist viel All⸗ tägliches, Staffage, vom Regisseur(Gustav Hartung) prachtvoll aufgeputzt. Ueberhaupt, ich weiß nicht, worsiber wurde am Ende eigentlich gejubelt? Das ganze Theater stand auf den Beinen und schrie. Ich glaube, das galt mehr Hactung und Michael Balling, dem musikalischen Leiter, als Franz Schreker, und dann zum min desten den guten Sängern, Fanny Cleve(Greta Graumann),

Alctis af Enehjelm(eitz, ein junger Künstler) und den andern. Karl Stork.

deren Schäden abzustellen, erhob sich dasselbe Geschret. graut und Wille des Menschen wagen oft nicht etwas durchzu⸗ führen, was nur kurze Zeit spater eine Selbstverständlich⸗ leit ist.

Wie Herr Thyssen dieEinheitsfront aussaßßt. Wir lesen in der Parteipresse: Die Direktion ber Maschinenfabrit vou Thyssen u. Co.(HauptinhaberNationalberos Fritz Thyssen, für dessen Befreiung die Arbeiter und Angestellten große Opfe⸗ gebracht haben), hat nach dem halbstündigen Proteststreik gegen die Besetzung des Ruhrreviers an das gesamte Personal folgende Verfügung erlassen:

An sämtliche kaufmännischen Bureaus! Es wurde sestge⸗ stellt, daß gestern früh in einem Teil der kaufmännischen Bureaus in der Zeit von 11 bis 11½ Uhr nicht gearbeitet wurde. Diese Zeit muß unbedingt im Lause dieser Tage am einem der freien Tage nachgearbeitet werden. Die Herren Abteilungsvorsteher wollen berichten, daß dieses geschehen ist. Die Direktion. gez. Dr. Härle.

Die Verfügung spricht lauter als die patriotischen Phrasen der Unternehmer, die zum Opfer für die Not des besetzten Gebietes auffordern. Bei einer solchen Gesinnung des Unternehmertums müßten Arbeiter, Angestellte und Gewerkschaften sich wohl über⸗ legen, ob es überhaupt einen Zweck hat, gemeinsame Aufrufe mit den Scharfmachern aus Industrie und Finanz zu erlassen. Das fühlbare Opfer wird ausschließlich auf Seiten der Lohn⸗ und Ge⸗ haltsempfänger sein, während die Sachwertbesitzer aus ihren In⸗ vastonsgewinnen alles wieder vielfach einholen werden.

Der Provinzialtag für die Provinz Oberhessen tritt am Samstag, den 10. Februar, vormittags 10 Uhr zu einer Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung steht: 1. Konstituierung; 2. Entscheidung über die Gültigkeit der Wahl der Mitglieder des Provinzialtags; 3. Festsetzung der Tagegelder und Reisekosten der Mitglieder des Provinzialtags usw. Hiernach Wahl des Prov.⸗Ausschusses. 4. Entscheidung über die Gültigkeit der Wahl der Mitglieder und Ersatzmänner des Provinzialausschusses.

Einführung des Ueberweisungsverkehrs mit dem Saargebiet. Am 1. Februar wird mit dem Postscheckamt in Saarbrücken ein Postüberweisungsverkehr eingerichtet. Die Aufträge können auch telegraphisch erledigt werden. Ueberweisungen für Konten beim Postscheckamt in Saarbrücken werden im einzelnen bis 3000 Mark ohne besonderen Nachweis ausgeführt. Bei Ueberweisungen über höhere Beträge sind Inhalt und Zweck des Geschäfts, für das die Zahlung dient,, anzugeben und durch Nachweise zu belegen. Die Reichs⸗ und Staatsbehörden sowie die Reichs⸗ und Staatsschuls⸗ buchverwaltungen können Ueberweisungen nach dem Saargebiet ohne besonderen Nachweis in jeder Höhe ausführen. Die Ueber⸗ weisungen sind gebührenfrei.

Ruhrhilfe. Der Beamten⸗Ausschisß der städtischen Beamten und die Vertretung der städtischen Angestellten haben beschlossen, daß zunächst 2 Prozent der am 22. und 25. Januar ds. Js. ausgezahlten Bezüge der städti⸗ schen Beamten, Beamten⸗ Anwärter und Ange⸗ stellten für die Ruhrhilfe durch den Herrn Oberbürgermeister zur Verfügung gestellt werden.

Der Verein für Sterbeunterstützung Gießen hielt am Sonn⸗ tag, den 28. Januar d. J. seine Genecalversammlung im Post⸗ keller ab, die erfreulicherweise recht gut besucht war. Aus dem Geschäfts⸗ und Kassenbericht war zu entnehmen, daß sich der Verein gut entwickelt hat und auf einer gesunden Grundlage steht. Die Neuanmeldungen von Mitgliedern überstieg bei weitem die Aus⸗ geschiedenen. In Anbetracht des wirtschaftlichen Niederganges war sich die Verstmmlung bewußt. daß eine Sterbeunterstützung heute nicht mehr io bemessen sein kann, daß damit bei einem Sterbefall die Kosten auch nur annähernd gedeckt werden können, da sonst die Beiträge, hauptsächlich für die wirtschaftlich Schwachen, kaum aufzubringen sein würden. Diesem Umstand Rechnung tragend, wurde die Erhöhung des Sterbegeldes für einen Sterbe⸗ fall auf 15 000 Mk. und die im Umlageverfahren zu entrichtenden Beiträge auf 10 Mr pro Sterbefall beschlossen. Für das Ein⸗ kassieren der Beiträge sind 10 Mk. peo Quittung für einen doppelten Sterbefall von den Mitgliedern zu entrichten. Die Aus⸗ zahlung der erhöhten Sterbefallunterstützung beginnt mit dem. 1. März 1923. Der scitherige langjährige Vorsitzende, Schuh⸗ machernteister Seidewand, ist aus Gesundheitsrücksichten nicht mehr in der Lage, sein Amt weiterzuführen und wird an dessen Stelle Herr Schreinermeister Reitz, Ederstraße 3. zum 1. Vor⸗ sitzenden gewählt, bei dem auch nunmehr die Anweisungen bei einem Sterbefall abzuholen sind. Die Versammlung ernannte Herrn Seidewand in Anbetracht seiner hohen Verdienste um den Verein zu seinem Ehrenvorsitzenden 5

Eingestellte Züge. Vom 1. Februar an fallen noch folgende Züge ab Gießen aus: 1. Gießen⸗Cassel: D⸗Zug 75 ab. Gießen 11.32 abends, Pers.⸗Zug 773 ab Gießen 12.32 mittags. 2. Gießen⸗ Frankfurt: D⸗Zug 76 ab Gießen 8.08 vor⸗ mittags, Pers.⸗Zug 776 ab Gießen 2.45 nachmittags. 3. Gie ßen⸗ Fulda: Zug 557 ab Gießen 3.40 nachmittags, Zug 562 ab Lauterbach 2.14 Uhr. 8

Fernsprechgebühren in Großenlinden. Für die Fernsprech⸗ anschlüsse in Großenlinden beträgt nach§ 3 des Fernsprech⸗ gebührengesetzes vom 11. Juli 1921 die Grundgebühr vom 1. April 1923 ab 420 Mk. außerdem wird ein Teuerungszuschlag von z. Zt. 2900 v. H. erhoben. Die Teilnehmer sind berechtigt, ihre Anschlüsse bis zum 28. Februar auf den 31. März zu kündigen.

Das Gießener Volksbad ist jetzt nur Donnerstag, Freitag und Samstag von 9 Uhr vormittags bs 7 Uhr abends geöffnet und Sonntags von 9 Uhr bis 1 Uhr mittags. Das Schwimm⸗ bad ist Sonntags für Personen beiderlei Geschlechts geöfftet. Wir weisen auf die Bekanntmachung des Volksbades im heutigen Blatte hin.

Bildungsvorträge. Heute abend 8 Uhr hält Prof. Hüter seinen ersten Vortrag überDie Entwicklung der Menschheit. Anfang 8 Uhr im Gewerkschastshause.

Auf den Unterhaltungsabend, den die Gewerkschaften Gießens am Samstag abend im Lokale derLiebigshöhe veran⸗ stalten, sei an dieser Stelle nochmals hingewiesen. Karten sind in der Expedition der Oberhessischen Volkszeitung zu haben.

kreis Friedberg⸗ Büdingen. Mißstände in der Brennholz⸗Versorgung.

Die Gewerkschaften von Hirzenhain haben an das hessische WMinisterium folgende Eingabe wegen der Brenn⸗ holzversorgung gerichtet:

Im Auftrag unterzeichneter Organisationen gestatten wir uns, dem Hessischen Gesamtministeriuun folgendes vorzutragen:

Die Beschaffung von Brennholz flir das laufende Jahr hat sich mit solchen Schwierigkeiten ausgewirkt, daß die werktätige Bevöl⸗ kerung nicht nur im Orte, sondern in ganz Hessen nicht in der Lage ist, auch nur den kleinsten Bedarf zu erstehen. Grundsätzlich ist zu beachten, daß für den Gesamtbedarf der Bevölkerung zu wenig Holz geschlagen worden ist. Es liegt die Vermutung nahe, daß dieses in gewisser Absicht geschehen ist, um künstlich die Preise in die Höhe zu treiben. Als Beispiel diene aus mehreren nur eins: Die am 24. ds. Mts. von der staatlichen Obersörsterei Konradsdorf abgehaltene Versteigerung, welche in 8 Orten ortsüblich belannt gemacht wurde, und dadurch bewirkte, daß zirka 1000 Interessenten anwesend waren, für welche nur zirka 90 Raummeter Brennholz zum Angebot kamen, was natürlich bewirkte, daß Preise bis zu 50 000 Mark, det anderen Versteigerungen bis zu 60 000 Mark pro Raummeter erzielt wurden. Wir überlassen es dem Urteil Ihrerseits, ob es nach ongeführten Fällen der werktätigen Bevölkerung, die heute kaum ihr nacktes Leben fristen kann, das erforderliche Quantum Holz zu erstehen möglich ist. Besonders sei sestgestellt, daß in den meisten Fällen in hiesiger Gegend nur Holz als Hausbrand in Frage kommt,

Arstlichen Rentämter großen daraufeee zu haben de rar

n inshbesondere Wert