Ausgabe 
4.10.1849
 
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Weinung auch in Zeiten der Noth Ausdruck zu verschaffen, und daß eine Niederlage den Glauben an das Recht der freien Märner nur noch verstärkt hat!

Wähler unsres Bezirs! seid eifrig, seid treu eurer Ueberzeu⸗ gung und zeigt Euch durch männliches Betragen der Rechte eines freien Mannes würdig, und kein Mensch wird sie Euch vorenthal⸗ ten können.

Gießen, 29. Sept. Abends, nach der Ankunft der Mecklen⸗ burger war im Gastzimmer des Einhorns eine große Menschenmasse versammelt. Beim Schalle der Regimentsmusik tranken die, über ihren letzten Sieg erfreuten Reaktionäre mit den mecktenburger Offi⸗ zieren brüderlich ihr Schöppchen, als sich Major Peppler von hier erhob. Major Peppler ist ein alter Soldat und steis schlagfectig im Reden und Ausbringen von Toasten, wie sel len ein Anderer. Als die Geselschaft erwartungsvoll lauschte, richtete Herr Major Peppler, das Glas in der Hand, folgendeinhalisschwere Worte an die mecklenburger Ofsiziere:Meine Herrn! Sie werden mir erlauben, wenn ich mir erlaube, ein Corps nicht ganz unbeachtet vorüberziehen lassen zu dürfen, das in Baden so eifrig für Gesetz und Ord⸗ nung gkämpft hat, wo man in der Zeitung gelesen hat. Meine Herrn! ein Corps, wo sich als Mensch und Mitbürger stets menschlich bewiesen hat, das brave mecklenbuger Corps es lebe hoch! 800

Diese Perlen der Beredsamkeit verdienen der Nachweli aufbe wahrt zu werden. Pitt und Bürgermeister Ramspeck waren große Redner, sie haben ihren Meister gefunden. Allah ist groß und Muhamed ist sein Prophet.

n* Gießen, 30. Sept. Wir verfehlen nicht, einer hohen Staatsregierung den Herrn Hofgerichtsrath von Helmold als einen Hauptwühler zu denuneiren. Derselbe forderte nömlich während des gestrigen Einzugs der Mecklenburger die hiesigen Bürger zur Errichtung von Barrikaden auf, welche Aufforderung jedoch an dem gesetzlichen und ordnungsliebenden Sinne der hiesigen Einwohnerschaft scheiterte. Derselbe Herr Hofgerichtsrath kaufte neulich bei einem hiesigen Spengler eine Kaffemaschine und äußerte dabei, dies sei das letzte Geld, welches er Gießen zu verdienen gebe, da die demo⸗ kratische Bürgerschaft Gießens die Herabsetzung der hohen Besols dungen der Beamten verlange.

Gießen. Wir haben in Erfahrung gebracht, daß unter De⸗

nen, welche den edlen Trützschler in Manaheim an seiner Abreise verhinderten, ihn festhielten und ihn so seinen Henkern überliefer⸗ ten, auch ein Hessen-Darmstädter war Eberhard mit Namen. Sein Namen wird nicht vergessen werden. Unsere Freunde in Mannheim mögen ihr Verzeichniß mit dem Namen dirses Häschers vermehren. 5 Gießen, 1. Okt.(Eingesandt.) Die vorgestern hier ein⸗ quartirten Mecklenburger Dragoner haben kein gutes Andenken hin⸗ terlassen. Den Wirth zum Hirsch, Herrn Vecker mißhandelten ste, zerschlugen Thüren, Fenster und Tische, nachdem ste sehr gut be⸗ wirthet worden waren, kurz vor ihrem Abmarsch. Herr Becker ist enischiedener Demokrat, und mit der Anrede der Mecklenburger: Nun, verfluchter Demokrat, wollen wir mit Dir abrechnen, ging der Skandal los. Aber man wird ihnen nicht viel thun, sie strei⸗ ten ja für Ruhe und Ordnung, ste lechzen nach Demokratenblut. Recht so, fahrt nur so fort, ihr Streiter für Ruhe und Ord⸗ nung, die Saat wird blutig aufgehen. Wer Rache säet, wird Rache ärnd ten. g

Gießen, 1. Okt. Eine Frau von hier erzählte, Herr Pro⸗ sessor Köll er habe ganze Trupps Mecklenburger mit Wein(oder

*) Dieser Toast ist von einem der Anwesenden wörtlich nachge⸗ schrieben worben.(D. Red)

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Schnaps?) traktirt; taumelnd seien sie aus dem Hause desselben ge⸗ kommen und andere Trupps seien nachgekommen. Galt'es vielleicht einer Aufwiegerung gegen die Demokraten? Man sollte es fast glauben, wenigstens zogen die Soldaten nur Nachts bewaffnet durch die Straßen und fielen einzelne Leute an ꝛe. So beträgt sich nicht der brave Soldat, so betragen sich nur rohe Bauern, gegen die nichts mehr schützt als Säbel und Flintenkugel. Aber dennoch sind esbrave, pflichtgetreue Krieger, denn sie retteten die

Reaklion.

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* Gießen, 2. Okt. In der gestrigen Sitzung des März⸗ Vereins wurde beschlossen, eine Kommission zu ernennen, welche in Verbindung mit einigen Mitgliedern des demokratischen Vereins, es sich zur Aufgabe machen soll, die, seit neuester Zeit wiederum stark florirenden Schmähartikel gegen die hiesige Einwohuerschaft zu wi⸗ verlegen und die nöthigen Schritte zu ergreifen, um die nieder- trächtigen Buben zur Bestrafung zu ziehen, welche sich erfrechen können, die Gießner Bärger mit so großartiger Gemeinheit zu be⸗

sudeln. Ueber die Verfasser dieser Artikel sind verschiedene An⸗

sichhen im Publikum; Einige halten den Verfasser noch für sehr jung, da der Styl so schlecht ist; Andere finden in der ganzen Schreibart eine merkwürdige Aehnlichkeit mit gewissen Toasten; wie⸗ der Audere wollen derübelduftenden Spur des Verfassers ganz nahe sein ꝛe. Hoffen wir, daß die oben erwähnte Kommisston alle diese Zweifel lösen, und wir bald den oder die unserer Mitbürger kennen lernen werden, welchen wir wegen ihrer Verdienste um unsert Stadt so viel Dank schuldig sind.

Gießen, 2. Okt. Mochte wohl gar mancher Artikel der Darmstädter Zeitung hohes Mißfallen bei dem Gießener Publikum gefunden haben, so war doch keiner mehr geeignet, Entrüstung hier zu erregen, als der, J. 268 jenes Blattes erfchienene, über die neulich hier abgehaltene Volksversammlung. Denn es kann wohl icht gemeiner, nicht erbärmlicher und armseliger der Wahrheit

in's Gesicht geschlagen werden, als wie dort in jenem sauberen

Artikel geschehen. Doch bedenkt man, aus welcher trüben und schmutzigen Quelle, er wie so mancher. sein r würvigen, geflossen, so dürfte man sich, denke ich, weiter nicht wundern über eine solche Un⸗ 5 verschämtheit.

Der edle und höchst ehrenwerthe Verfasser verbreitet sich mit einer gewissen Geringschätzung und Verachtung über die neu⸗ lich hier abgehal ene Volksversammlung, kann jedoch wahrscheinlich nichtzim Stande, seine Natur zu verleugnen, nicht unterlassen, mit einer, wie es scheint, ihm ganz beson sers zu Gebote stehenden Fer⸗ tijkeit, sogleich mit einer Unwahrheit zu beginnen, indem er be⸗ haupiet:jene zur Besprechung der Wahlangelegenhei⸗ ten durch die Schelle anberaumte Volks- oder soge⸗ nannte Bürgerversammlung habe, wenn auch noch so pompös angekündigt, ein äußerst geringes Pu bl ik um gefunden. Wer nur Gelegenheit fand, an jener, Versammlung Theil zu nehmen, wird mir wohl nicht Unrecht geben, wenn ich keinen Anstand nehme, eine solche Behauptung für eine abgeschmackte Lüge zu erklären. Denn es hat wohl selbst in den aufgeregtesten Zeiten keine Volksversammlung statigefunden, die zahlreicher besucht gewesen wäre, als jene. Ja freilich, härtest du vor Aer⸗ ger ob der großen Menge der Versammelten die Au⸗ gen nichtgeschlossen, oder wäre jene Versammlung vom vaterländischen Vereine berufen gewesen, du würdest nicht Worte genug haben finden können, um die Freude deines edlen Herzens zu verkünden; um die außeror⸗ dentliche Größe der Versammlung, die ausgezeichnete würdige Haltung, die durchgängig dann bei ihr ge herrscht haben müßte, der Welt auszuposaunen; und das ehrsame privilegirte Darmstädter Weib würde