unt werden. Jene Unterlassung aber erscheint uns als scharser gensatz zu der sonstigen Gründlichkeit, mit der das Buch durch⸗ arbeitet ist. Das Buch benutzt elementare mathematische Hilfs⸗ ittel, weshalb es aber auch wieder um so tiefer in den Stoff hinein⸗ teisen kann. Es hat sich neben den bewährten anderen volkstüm⸗ chen Blichern einen Platz erobert. Die in ber Göschenschen Sammlung erschienene Astronomie an Möbius ist kürzlich in 11. Auflage erschienen. Als Bear- ster fungiert der Herausgeber der Astronomischen Nachrichten, N 7 bold in Kiel. Aus dem ehedem einbändigen Büchlein sind ö se ber Zeit drei entstanden dadurch, daß die Astrophysik zu nem gesonderten Bändchen abgespaltet und das übriggebliebene zwei Bändchen geteilt wurde. Einer betrifft das Planetensystem, er andere behandelt Kometen, Meteore und das Sternsystem. Das Ikinzip der Göschen⸗Sammlung, alles aufs knappste zu drängen, da⸗ bit handliche kleine Nachschlagewerkchen und Bücher zum Repetieren Itstehen, ist auch hier innegehalten worden. Jedes Bändchen kostet llbsch und solide gebunden 90 Pfg. Von Arrhenkus' oben bereits erwähntem„Werden der gelten“ ist eine dritte Auflage erschienen. Jeder Band kostet ach wie vor 5 Mark. Diese glänzenden Bücher werden ihren Eiegeslauf weitergehen, trotz mancher Anfeindungen und der Igno⸗ terung durch einige alte Fachgelehrte, denen das neue mit unge⸗ vohnten und oft unbekannten Hilfsmitteln arbeitende Werk ein zreuelsist. Die Generation muß erst aussterben. Schließlich wollen wir noch auf ein älteres Buch aufmerksam achen, auf das des vor kurzem verstorbenen Russel Wallace [Stellung des Menschen im Weltall“, das die Probleme es Lebens und der Bewohnbarkeit der Himmelskörper behandelt ind vor einem Jahrzehnt in deutscher Uebersetzung erschienen ist. Deutsches Verlagshaus Vita, Berlin). Das Buch wird jetzt wieder nchr Interesse gewinnen, da der Name des berühmten Forschers urch feinen Tod wieder in die Oeffentlichkeit gedrungen ist. Felix Linke.
Das Blutmeer im Kohlenbergbau.
Von H. Falkenfels.
Seit einem Jahrzehnt vergeht kein Jahresviertel, ohne gaß der Draht in alle Welt ein Erdbeben meldet. Und in gleichen raschen Abständen folgen sich die schlagenden Wetter n den Kohlengruben auf dem Erdenrund. Es läßt sich dar⸗ über streiten, ob diese Katastrophen mit der Unruhe der Erd— inge in Zusammenhang stehen oder ob sie einfach eine Folge ger sich von Jahr zu Jahr maßlos steigernden Ausbeutung her Kohlenschätze sind. Wenn es das Prinzip der Kohlen- örderung ist, das größte Quantum Kohlen in kürzester Zeit zus der Erde herauszuholen, wenn auf der modernen Zeche bie Anschläger kaum Zeit finden von einer Abnahme der voll— beladenen Hunde zur andern, oder um die Tatsachen mit der glastik der Zahlen vor unseren Augen erscheinen zu lassen, venn im Jahre 1803 in dem damals blühendsten deutschen Brubengebiet von Essen in 115 Steinkohlengruben kaum etwas über eine halbe Million Tonnen gefördert, während etzt(1906) im Jahr auf Erden eine Milliarde Tonnen, in Deutschland allein 137 Millionen Tonnen Kohle gewonnen werden, dann muß sich natürlich schon aus rein mathemati⸗ schen Gründen auch die Zahl der schlagenden Wetter verviel— facht haben und noch immer von Jahr zu Jahr zunehmen.
Tatsächlich glauben weite Kreise, diese Grubengas- und
Kohlenstaubexplosionen seien das Hauptrisiko des Berg⸗ mannes in den Kohlenbergwerken. Und die erhoffen sich eine wesentliche Besserung der Lage der Grubenarbeiter, wenn man erst irgend welchen Schutz gegen diese Explosionen vor⸗ kehren kann, von denen man allgemein glaubt, daß sie den Bergmann ganz unvorbereitet treffen.
Aus dieser Psychologie heraus erklären sich die vielen Betrachtungen namentlich der„Schwerindustrie-Presse“, und ehr Jubel über die Erfindung der„Schlagwetterpfeife“.
Es entspricht vollständig dem Wesen des Kapitalismus, daß er sein„Gewissen“ schon beruhigt fühlt, wenn er Hoff— nung hat, daß die unangenehmste Kontrolle durch die öffent— liche Meinung aufhört. Seine Denkungsweise ist dabei die folgende: Jede Grubenkatastrophe rüttelte das Mitgefühl für die Lage der Grubenarbeiter wach; man wird die dabei zu⸗ tage getretenen moralischen Anwandlungen natürlich unter⸗ lassen, ja, man wird glauben, die Gefahren des Bergmanns⸗ lebens seien nun für immer beseitigt, wenn keine Zeitungs⸗ nachrichten mehr von Opfern der schlagenden Wetter berichten.
erscheint ihnen nicht neu, denn man hat das bei ihr verwen— dete Prinzip der„semipermuablen Membran“, wodurch das Vorhandensein von Gasen schon in einem Stadium an⸗— gezeigt wird, in dem noch keine unmittelbare Gefahr droht, bereits wiederholt in ähnlichen Konstruktionen auch zu ähn— lichen Zwecken verwendet, ohne jedoch besonders befriedigende Erfahrungen gemacht zu haben.
Aber auch abgesehen hiervon und vorausgesetzt, daß man durch die neue Konstruktion wirklich zur rechten Zeit die nötige Warnung erhalten kann, würde sich sogar durch die Vermeidung der Schlagwetterkatastrophen noch nicht viel an dem Risiko des Kohlengrubenarbeiters geändert haben, denn— und hier setzt eben das in den weitesten Kreisen Un⸗ bekannte ein— die meisten Unfälle in Kohlenbergwerken stammen aus anderen Ursachen. Einige Angaben aus dem statistischen Jahrbuch für Deutschland werden hierüber rasch Aufschluß geben.
Im Jahre 1890 gab es in 425 betriebenen Steinkohlen— gruben eine mittlere Belegschaft von 262 475 Mann; im Jahre 1905 gab es nur mehr 331 Gruben, in diesen aber 493 307 Grubenarbeiter. Heute beträgt deren Zahl weit über 600 000, so daß man wohl sagen kann, jeder hundertste Deutsche sei Kohlengrubenarbeiter. Dem gegenüber gab es 1880—1890 jedes Jahr an 131 Opfer von schlagenden Wet⸗ tern, zwischen 1902—1905 jährlich durchschnittlich nur mehr 14 Tote, trotz der enormen Zunahme der Belegschaften. Der Statistiker wird hieraus ablesen, daß die scheinbare Zunahme der Explosionskatastrophen eine Art optischer Täuschung, offenbar dadurch verursacht sei, daß früher kleinere Einzel⸗ unglücke nicht in solchem Maße überallhin gemeldet wurden wie jetzt, ferner, daß auch ohne Schlagwetterpfeife durch, bessere Kenntnisse der Bergnatur die Gefährlichkeit der Grubengase abnimmt und die Zahl der durch sie verursachten Todesfälle in einem Zeitraum von 15 Jahren von 0,517 per Mille auf 0,029 per Mille zurückgedrängt wurde. f
Aber in dem gleichen preußischen Kohlenbergbau betrug um diese Zeit nach den Jahresberichten des Vereins deutscher Bergarbeiter die Zahl der entschädigungspflichtigen Unfälle um das Jahr 1890 gegen 4000, im Jahre 1898 schon 6323, um 1903 sogar 9049 und end lich im Jahre 1905 die Riesenziffer von 10066, und dieses Blutmeer im Bergbau ist seitdem immer höher gestiegen. Sehr richtig bemerkte hierzu gelegentlich eines größeren Grubenunglücks der Vorwärts: Die materiellen Verluste lassen sich berechnen, aber die nackten, kalten, brutalen Zahlen sagen nicht, welch grenzenloses Weh sich hinter ihnen verbirgt; für wieviele, Proletarierkinder der Tod des Vaters Unterernährung, Siechtum, Verelendung, Tod, physische und moralische Schä⸗ den bedeutet, das kann man nicht erfassen.
Es ist also mit der Schlagwetterwarnung allein herzlich wenig getan, eigentlich nur soviel, als 14 gegen 10 066 be⸗ deutet. Nicht die Explosionen sind die größte Gefahr des Arbeiters in den Kohlengruben, sondern andere Dinge.
Unter ihnen steht an erster Stelle„das gebräche Dach“. Unter diesem Ausdruck versteht der Bergmann die Tatsache, daß die Decke, unter der er arbeitet, unter dem ungeheuren Gebirgsdruck(viele Bausohlen befinden sich 300 bis 706 Meter unter Tag und der Bergbau strebt aus leicht durch⸗ schaubaren Gründen immer mehr in die Tiefe) nur zu leicht nachgibt.
Der Vorgang, auf den sich der Kohlenbergbau vielen⸗ ortes verläßt, wenn er die„abgekohlten Strecken zu Bruche, gehen läßt“, das heißt, wenn man die Flöze, deren Inhalt efördert ist, nicht wieder anfüllt, sondern einfach
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herau ihrer Zimmerung beraubt und dann abwartet, bis sie durch den Gebirgsdruck von selbst wieder zusammengequetscht wer. den, dieser Vorgang ereignet sich auch wider Willen oft genug schon vorzeitig und trotz aller„Stempel“ und Balkensiche⸗ rungen sind namentlich Zimmerleute und Häuer, aber auch
Schlepper und Arbeiter aller
weit hinaus in die Querschläc chleppe 1 Kategorien durch„Kohlenfall“, das heißt Losbrechen größe⸗
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Der Stückkohlenfall ist die Hauptursache der meisten Unglücksfälle in den Kohlengruben, die sich bedeutend häuft
Die Fachleute haben nun ihre eigene Meinung über die
schgemäß so prompt erfundene Schlagwetterpfeise. Sie
ger ereignen, als man außerhalb des Bergmannslebens weif⸗
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