1 N 1 9 4
ben, um darauf auf entsprechende Gefühle zu schließen? intsächlich weiß ich niemanden als den reinen Mathematiker, sich dem Beobachten entziehen könnte, und auch dieser kibt nicht in seinem Studierzimmer eingeschlossen, denn er
5 ein Mensch und muß sich um tausend Dinge kümmern, die
ahts mit seinem Studium zu tun haben. Kurz, die Fähig⸗ it, zu beobachten, ist unumgänglich nötig für jedermann. ch besitzen wir diese Fähigkeit seit unsern Kinderjahren in
em höchst bemerkenswerten Grade.
Was tut man nun, und namentlich, was hat man bisher lüm elementaren und mittleren Unterricht dafür getan, diese ertvolle Fähigkeit zu entwickeln? So gut wie nichts!— das tut man andererseits, um sie zu beeinträchtigen, sie zu uterdrücken, sie andern Eigenschaften unterzuordnen? Außer- ldentlich viel. Zum Nachweise berufe ich mich auf das Zeug ⸗
Iss derer, die wie ich junge Leute von 18 und 20 Jahren in
un Naturwissenschaften zu unterrichten haben. Alle werden ar bestätigen, daß oft gute Schüler, ja zuweilen die besten ich dem Gesamturteil ihrer Lehrer, nicht vermögen, die lersichtbarsten Dinge zu sehen, die ihnen an einem mate⸗ ellen Objekt vor Augen stehen. Um diese zu erkennen, aucht man sie nur eine Pflanze mit lauter Stimme be— reiben zu lassen. Ich habe welche gekannt, die nicht einmal r Auge auf die Pflanze richteten, die ihnen in die Hand geben wurde. Sie suchten in ihrem Kopfe danach, und un man sie auf die Beobachtung verwies, konnten sie nicht
emal beststellen, ob die Blätter sich am Stengel gegenüber—
unden, oder obt sie einzeln in verschiedenen Höhen angeordnet uren. Mit fünf oder sechs Jahren hätten sie dies möglicher— eeise zu sehen vermocht; während einer ganzen Reihe von uhren hat man sie aber mit einer ganzen Reihe von abstrak—
Dingen, wie Grammatik, Poesie, beschäftigt, und wenn etwas aus der Naturgeschichte gelernt hatten, so war es
s Büchern, und wenn ihre Lehrer sie auf irgendwelche Ge—
lten hingewiesen hatten, so war es in der Zeichenstunde, o sie Vorlagen kopierten. Der erste Unterricht, dessen logi— ber Zweck ist, die Jugend auf die mannigfaltigsten und eziellsten Dinge vorzubereiten, wird fast ausschließlich da— in gerichtet, daß das abstrakte Denken, das Gedächtnis und 2 Einbildung entwickelt werden. Man vergißt die Beob—⸗ tung. Man vergißt, daß die Fähigkeit des Beobachtens acht darin besteht, daß man auf den Gegenstand hinsieht, dern daß man ihn seinem Gedächtnis einverleibt, ihn ver— beicht mit anderen und über ihn nachdenkt, um richtige ahlüsse ziehen zu können. g Es gleich also unser Unterricht im anschaulichen Denken em Flußlauf mit klarer Quelle, der im Mittellauf im Ge— ll versickert und erst nach Ueberwindung dieser steinigen rede wieder wasserreich wird. Besonders schlimm noch ist mit dem Geschichtsunterricht: Was ist er anders als lynastiegeschichte, Verfassungsgeschichte und Kriegsgeschichte? ie reizvoll könnte er sein, wenn er das Werden und Ver— hen von Kulturepochen der Anschauung näher bringen fürde. Die Schätze des Germanischen, des Deutschen und alderer Museen könnten im Bilde vor Augen geführt werden ud so das anschauliche Denken wirkungsvoll und anziehend gleich gepflegt werden. Das Palladium des humanistischen Gymnasiums ist oder Ute vielmehr die Uebermittlung der antiken Kultur sein; nwahr ein hohes Ziel! Aber es wäre schlimm, wenn diese
fultur aus nichts anderem bestanden hätte, als aus Gram—
ut mehr als einer, Fihevoll übersetzt? Die Kultur der Hellenen ist aus an—
unmtikregeln, aus Vokabeln und endlich aus ein paar mühe: dall präparierten Kapiteln einiger Schriftsteller.
Muß denn cher, der Musik genießen will, Partituren lesen können? Und hat jemand, der Homer in der Uebersetzung ganz liest, der einen Gesang aus der Ursprache
ctaulichem Denken hervorgegangen, sie kann darum auch nur
arch Anschauung erfaßt werden. Ein gutes Bild der Akro—
lis prägt einen weit stärkeren und bleibenderen Eindruck
N ser antiken Kultur, als alle sprachlichen Begriffe. 1 Die menschlichen Hirne haben vielleicht verschiedene Ge⸗
ge: die einen scheinen mehr für begriffliches, die anderen
br für anschauliches Denken gebaut zu sein. Beiden Ver⸗ hlagungen könnte der Unterricht gerecht werden: nicht durch
Beschränkung auf eignete Ausgestaltung der Unterrichtstechnik. bildung könnte durch auschauliches Denken vorbereitet und dadurch unendlich erleichtert werden. Wenn der Verein Deut— scher Ingenieure durch seinen starken Einfluß dem anschau— lichen Denken in der Mittelschule zu seinem Rechte verhelfen
besondere Lehrfächer, sondern durch ge—
Die Begriffs-
könnte, dann würde manche schlechte Zensur mancher Schülerselbstmord unterbleiben, Generation dann das geschenkt würde, hungert: das anschauliche Denken!“
und vielleicht weil der jungen wonach sie zumeist
Das Orientproblem.
Von Par vus. 14. Schlußfolgerungen. (Schlußartikel.)
Der Krieg entbrannte. Es steht schon jetzt fest: es war der blutigste Krieg aller Zeiten. Die Verluste der Toten und Verwun— deten übersteigen die im deutsch⸗französischen Kriege erreichten Zahlen. Die Balkanstaaten haben aber eine geringe Bevölkerungs— zahl— auf diese verteilt, zeigen die Verluste ein Verhältnis, das um das mehrfache die Verluste Deutschlands und Frankreichs in jenem historischen Krieg übersteigt. Was ist erreicht worden? Geben wir uns Rechenschaft, inwiefern die verschiedenen Interessen, die in diesem Kriege mitgewirkt hatten, ihre Erledigung fanden.
Die nationale Frage. Es sind neue nationale Einheits⸗ staaten geschaffen worden. Nach den durch den Krieg erzielten An⸗ nektionen wird Bulgarien zu 25 Prozent seiner Bevölkerung muselmanisch bezw. türkisch sein; einen bedeutenden Teil musel⸗ manischer Bevölkerung erhalten auch Serbien und Griechenland, während der größte Teil der Serben nach wie vor in Oesterreich— Ungarn, ein großer Teil der Griechen nach wie vor in der Türkei verbleiben. Die Idee des nationalen und religiösen Einheitsstaates erweist sich unter den Verhältnissen des Orients als ein Nonsens: je mehr man die eine Nation politisch zusammenfaßt, desto mehr faßt man in dieselben Staatsgrenzen auch andere Nationen und Reli⸗ gionen ein.
Die imperialistische Frage. Man zertrümmert einen Großstaat, die Türkei. An dessen Stelle treten Kleinstaaten, denen man mehr oder weniger bedeutende Parzellen anflicht. Man schafft ein„unabhängiges“ Albanien, von dem man von vornherein überzeugt ist, daß es sich nicht wird halten können. Der einzige Zweck dieser diplomatischen Gründung ist, den europäischen Krieg nicht etwa zu vermeiden, sondern hinauszuschieben. Das selbstän⸗ dige Albanien ist bestimmt, unter den Großmächten verteilt zu wer⸗ den, und das wird kaum ohne einen europäischen Krieg abgehen.
Die Balkanfürstentümer bleiben nach wie vor unbedeutende Kleinstaaten, deren finanzielle und wirtschaftliche Hilfsquellen sehr gering sind. Aber durch die Siege, die Landerwerbungen, die Er⸗ reichung maritimer Stützpunkte werden in ihnen die imperialistischen Tendenzen gesteigert. Der Militarismus, der die ganze wirtschaft⸗ liche Entwicklung dieser Länder bedrückt, wird erst recht wachsen. Zwischen Griechenland und Bulgarien, die jetzt Nachbarn im Aegäi⸗ schen Meer werden, wird ein Wettbewerb maritimer Rüstungen entbrennen. Der Krieg hat überhaupt die außerordentliche mili⸗ tärische Bedeutung der Kriegsflotte für die Balkanländer gezeigt. Also wird man Panzerschiffe bauen. Das ergibt wahnsinnige Aus⸗ gaben, die selbst von den industriellen Großstaaten kaum mehr ge⸗ tragen werden können,— um wieviel weniger von diesen kleinen Bauernstaaten!
Die Bauernfrage. Es sind große Strecken fruchtbaren Landes der Türkei geraubt worden. Aber die Aenderung der poli⸗ tischen Angehörigkeit bedeutet noch nicht eine Aenderung der privaten Grundeigentums rechte. Dafür leben wir ja in der kapi⸗ talistischen Gesellschaft, damit das Privateigentum gesichert werde. Die türkischen Gutsherren, die Tschiflikbesitzer, brauchen keine Angst um ihre Grundrechte zu haben. Anders freilich die Hunderttausende geflüchteter muselmännischer Bauern diese werden es schwer haben, ihre Rechte auf die verlassenen Parzellen wahrzunehmen. Außerdem gibt es viel unbebautes Land, das dem türkischen Staat gehörte. Man glaube aber nicht, daß dies den Bauern der verbün⸗ deten Staaten zukommen werde. O nein, da sind schon andere da,
die es auf dieses Land abgesehen haben und mächtiger sind, als der Bauer. Vor allem der Staat selbst. Der Staat wird die Erträge der Landverpachtung und des Landverkaufs brauchen, um die Zinsen


