fe Hag Hibe en dle am n
Unna hat d fung l mospen fich hn Num cle nich K b Al
100%
1 60%
el
tube 0 b aun
01
lich 1
be 1
1 e
CCC CC... ̃ͤͤ—
——
1 1 9 1 1 9
*
waltung erlebt.
Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Dolks zeitung
Nummer 29
Dienstag, den 21. Oktober 1913
2. Jahrgang
Georg Büchner und die Politik.
Georg Büchner ist nicht ein positiver Sozialist gewesen; aber es wäre falsch, ihm jeden Platz in der Geschichte des Sozialismus zu verweigern. Politische Systeme treten nicht fertig in die Welt; von hundert und aberhundert Ansätzen her wachsen sie zusammen. Büchners politisches Denken be⸗ deutet zum mindesten einen höchst wesentlichen sozialisti⸗ schen Ansatz. In seinen Briefen finden sich Stellen wie diese: „Ich.. habe in neuerer Zeit gelernt, daß nur das not— wendige Bedürfnis der großen Masse Umänderungen herbei⸗ führen kann, daß alles Bewegen und Schreien der einzelnen vergebliches Torenwerk ist.... Der einzelne ist nur Schaum
auf der Welle, die Größe ein bloßer Zufall, die Herrschaft
des Genies ein Puppenspiel, ein lächerliches Ringen gegen ein ehernes Gesetz, es zu erkennen das Höchste, es zu be— herrschen unmöglich. Es fällt mir nicht mehr ein, vor den Paradegäulen und Eckenstehern der Weltgeschichte mich zu bücken.... Die Gesellschaft mittelst der Idee, von der ge— bildeten Klasse aus reformieren? Unmöglich...“
Und mehr als einmal spricht Büchner den Gedanken aus, der einzige politisch bedeutsame Gegensatz, den sein Zeitalter— der Vormärz— enthalte, sei der Gegensatz zwischen Arm und Reich. Er spricht noch nicht von Kapital und Proletariat; das Problem so zu formulieren, blieb einer reifen sozialistischen Erkenntnis vorbehalten. Gleichwohl ist die Unterscheidung, die Büchner gemacht hat, wahr, wesentlich und modern: moderner jedenfalls als fast alles, was die bürgerliche Demokratie des Vormärz ge— sagt hat.
Wie sehr die antiindividualistische, kollektivistische Ge— schichtsauffassung, die Büchner vorbereitete, berechtigt war, das bewies im Grunde seine eigene Entwicklung. Wir fragen uns, wie es wohl kam, daß just ein hessischer Demokrat zu solchen fortgeschrittenen Auffassungen gelangte? Diese Mög— lichkeit lag eben gerade in der politischen Kultur Hessens. Hessen war damals das radikale Land in der deutschen Welt. Die demokratischen Anschauungen waren nirgends in Deutsch⸗ land so erschlossen und so durchgebildet. Dafür gab es in Hessen zwei entscheidende Gründe. Die hessischen Bauern— Hessen war Bauernland— lebten in einer besonders drückenden Armut. Sie waren indes nicht miserabler daran als andere Bauern in Deutschland, und die Tatsache ihres Elends hätte nicht genügt, um sie revolutionären Ideen zu⸗ gänglich zu machen. Aber nun trat zum passiven ein aktives Element hinzu. Hessen stand im Bannkreis der Ueberlieferungen der großen französischen Revolution, und diese Ueberlieferungen wurden in Frankreich wie in dem nahen Hessen durch die Pariser Julirevolution des Jahres 1830 aufs neue belebt. Auch hatte Hessen die revolutio— nierenden Einflüsse der rheinbündisch-napoleonischen Ver⸗ So kam es, daß Hessen revolutionären Ge— danken weiter offen stand als die anderen deutschen Länder, in denen übrigens mancher bürgerliche Geist einer revo— lutionären Propaganda geneigt war. Der revolutionäre Gedanke erfaßte gerade in Hessen aber nicht nur die bürger— liche Intelligenz, sondern eben auch die bäuerlichen Massen. Auf die Dauer behielt freilich Büchner Recht, wenn er nicht bloß in die revolutionäre Energie und Begabung der Intellektuellen, sondern auch der Bauern einige Zweifel setzte. In der Tat genügten die revolutionären Voraus- setzungen nicht. Die Bauern kamen nur bis zur Steuerver⸗
weigerung und einigen kleinen Lokalrevolten. Die In⸗ tellektuellen kamen nur zur Gründung revolutionärer Konventikel, von denen die Anregung zu Attentaten ausging. Nicht daß die deutschen Zustände, und die hessischen zumal, eine Revolution nicht gerechtfertigt hätten. Aber es fehlte schließlich doch an einem genügenden und organisierten revo— lutionären Gesamtwillen und es fehlte von vornherein die unentbehrliche Breite einer gesamtdeutschen Bewegung. Hessen war nur Hessen; und Revolutionen von nur land— schaftlicher Ausdehnung sind immer erfolglos, wenn sie über— haupt zum Ausbruch gelangen. Büchner selbst hat das alles zuletzt genau eingesehen.
Wie Büchner selbst in seinem politischen Denken stark von französischer Kultur bestimmt war, datierten die revo— lutionären Ueberlieferungen Hessens aus dem Beginn der großen Revolution. Damals verkündete der Naturforscher und kurerzbischöfliche Bibliothekar Georg Forster in Mainz die Gedanken der großen französischen Revolution, die er als Sendling der mainzischen Republikaner in Paris auch persönlich studieren konnte. Nach den beiden welt— bürgerlichen Jahrzehnten, die Hessen mit dem republikanischen und mit dem napoleonischen Frankreich verbunden hatten, kam dann eine national⸗deutsche Reaktion. Man war zwar nach wie vor den Grundsätzen der großen französischen Revo— lution zugeneigt, aber man wollte— wie es schließlich dem in der Entwicklung zurückgebliebenen Deutschland zunächst auch entsprach— die revolutionären Prinzipien vorderhand einmal in deutscher, womöglich gesamtdeutscher, anstatt in weltbürgerlicher, übernationaler Form verwirklichen. So waren die hessischen Träger revolutionärer Gedanken im Jahrzehnt der Freiheitskriege ausgesprochen deutsch gesinnt: deutsch bis zum lächerlichsten Chauvinismus. Unter ihnen ragten namentlich der Pfarrer und Rektor Weidig aus Butzbach, die Brüder Welcker, der Advokat Hoffmann aus Offenbach und die Brüder Fol len hervor. Der wich— tigste der radikalen hessischen Demokraten war der Jurist Karl Follen.
Follens politische Lehre hatte zwei Gesichtspunkte: er erklärte, daß niemals das Gesetz, sondern nur die persönliche sittliche Ueberzeugung den einzelnen in seinem Verhältnis zum Staat bestimmen dürfe und daß weiter jedes Mittel, das technisch geeignet sei, die sittlich-politische Ueberzeugung eines Individuums in der Oeffentlichkeit durchzusetzen, be⸗ rechtigt sei. Follen erklärte ausdrücklich, daß zu diesen Mitteln die organisierte wie die individuelle Gewalt der Revolutionäre gehöre, und nannte den Fürstenmord aus⸗ drücklich„einen Akt der allgemeinen Gerechtigkeitspflege“. Sachlich war er fest davon überzeugt, daß jede logisch begabte und sittlich strenge Persönlichkeit zum konsequenten Repu⸗ blikanismus gelangen müsse, und er hat seine Begeisterung für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in mehr als einem überschwänglichen Gedicht zum Ausdruck gebracht, in solchen Gedichten nicht selten auch mit blutigen Worten zum Tyrannenmord aufgefordert. Da hieß es wohl:
„Dann wird's, dann bleibt's nur gut, Wenn du an Gut und Blut Wagst Gut und Blut, Wenn du Gewehr und Axt, Schlachtbeil und Sense packst, Zwingherrn den Kopf abhackst.“ Follens revolutionäre Propaganda hatte in den Kreisen


